Von Bernried nach Seeshaupt und zurück

Vorletztes Wochenende dachte ich, es wäre das letzte schöne Wochenende des Jahres. Doch nicht. Für gestern hatten wir Sonne mit zwanzig Grad vorhergesagt bekommen. Deswegen meinte der Ehemann, wir sollten am Samstag ganz früh aufstehen und den Sonnenaufgang auf dem Starnberger See gucken gehen. Er würde seine Kamera mitnehmen und Fotos machen. Danach könnten wir wandern. Nicht zu weit weg, meinte ich. Wir haben auch in der Nähe tolle Ausflugsmöglichkeiten, ohne gleich anderthalb Stunden in die Berge fahren zu müssen.

Gestern also, um halb sieben weckt uns das Radio. Gähn. Aufstehen, duschen, für den Tag Rucksäcke packen. Wir setzen uns ins Auto und erreichen Starnberg, oder besser gesagt unsere übliche Badestelle am Starnberger See, um halb acht. Voll Nebel. Ist ja klar, seit einem Monat haben wir Nebel am frühen Morgen in Gilching, am See ist es noch schlimmer. In einem der großen Bäumen neben der öffentlichen Toilette zwitschern alle Vögel ganz aufgeregt. Ihr Tag fängt an. Wir setzen uns auf unsere Picknick-Decke am Ende vom Steg hin, während eine Frau aus dem See raus schwimmt und sich neben uns umzieht. Brr. Im September fand ich das schon kalt, vor dem Urlaub. Jetzt würde ich es nicht mehr wagen. Dafür müsste man täglich üben. Wir sitzen bis nach Sonnenaufgang da, wobei wir nichts davon merken. Es bleibt genau so nebelig. Die Vögel sind aber still geworden.

Als mir zu kalt wird, machen wir uns auf den Weg zur französischen Bäckerei[1]. Nach einer leckeren heißen Schokolade und einer Brioche geht es mir besser. Wir kaufen Gemüse für den Sonntag auf den Markt ein, und fahren nach Bernried, wo der Ehemann uns eine Wanderung ausgesucht hat. Auf dem Weg dahin scheint schon in Tutzing die Sonne, und in Bernried sehen wir nur noch ein ganz wenig Rest Nebel auf dem See.

Einen Parkplatz finden wir am oberen Ende der Dorfstraße. Wir laufen die Straße lang am Maibaum vorbei und entdecken die Hofmarkskirche. Eine Straße weiter ist das Kloster Bernried an der Kirche St. Martin zu sehen. Die eine Tonne schwer alte Glocke der Kirche liegt in Park. Sie wird als Kulturgut geschützt und hat einiges erlebt: 1753 wurde sie von einem Blitzschlag getroffen und musste umgegossen werden, die zwei Weltkriegen hat sie überlebt, indem sie vor dem Einschmelzen geschützt wurde, bis sie 1970 wegen eines Rißes ihren Laut endgültig verloren hat. Bernried hat viele einzigartige alte Häuser, wie das Haus mit dem Hirschkopf, das ich auf dem Rückweg zum Auto fotografiert habe.

Unsere Wanderung beginnt am Bernrieder Steg, wo der Dampfer anlegt. Wir laufen rechts davon am See entlang, in dem Bernrieder Park. Sehr wenige Leute sind unterwegs und die, die uns entgegen kommen, begrüßen uns äußerst freundlich. Wir laufen teilweise ganz nah am Wasser und ich teste die Wassertemperatur mit der Hand. Wirklich viel zu kalt für mich, jetzt.

Ursprünglich steuert uns der Ehemann zu einem Gasthof in einem Ort kurz vor Seeshaupt. Seeseiten. Dort angekommen übersehen wir schlicht den Gasthof. Wir laufen durch ein Parkplatz, wo viele Autos kommen und gehen, und wollen nur schnell weg. Es war wohl der Gasthof, wie wir auf dem Rückweg fest stellen. Ich schlage vor, bis Seeshaupt zu laufen, da es nicht mehr weit ist. Von dort waren wir mit dem Dampfer nach Starnberg gefahren, am Ende unserer Isar-Wanderung.

Ich bin froh, als wir endlich Seeshaupt erreichen. Langsam tun mir die Achillessehnen weh, vor allem links. Der Ehemann hat Lust auf ein bayrisches Frühstück, aber die Anzahl der in der Spätsaison noch geöffneten Lokalen ist überschaubar und keins davon scheint Weißwurst anzubieten. Wir gehen kurz ins Restaurant Alte Post rein, aber die Atmosphäre und die drin herrschende Hitze jagt uns weg. Vermutlich wegen des hohen Alters der speisenden Gäste. Wir laufen die Straße runter und entdecken das Café am See[1], wo wir auf der Terrasse einen Tisch in der Sonne finden. Das Restaurant ist ein Glücksfall. Der hausgeräucherte Saibling aus dem See ist vorzüglich und die Bedienung sehr freundlich. Ich weiß nur nicht, warum die Köche meinen, zum Saibling Sahnemeerrettich anbieten zu müssen. Ich hab’s aus Höfflichkeit probiert und fand den Fisch ohne viel besser.

Da der Dampfer schon bis April den Betrieb eingestellt hat, müssen wir zurück nach Bernried laufen. Wenigstens haben sich meine Beine von der Pause gut erholen können. Auf dem Rückweg treffen wir deutlich mehr Leute, die sich auch weniger freundlich verhalten. Anstatt den unteren Seeweg zu benutzen, biegen wir links hoch an die Kühe vorbei. Ich bin überrascht, dass ein Auto den Weg runter fährt. Ich dachte, hier wäre kein motorisierter Verkehr erlaubt. Aber das ist auch Bayern: Jeder macht was er will und scheißt auf die Anderen. Radfahrer waren auch heute ständig auf den Gehwegen unterwegs, obwohl explizit überall auf den Schildern stand, bitte absteigen, und waren teilweise noch so frech, die Fußgänger anzuklingeln.

Unterwegs habe ich mich an die Vielfalt von Pilzen sehr gefreut. Was das Prachtexemplar mit dem blau-violetten Hut ist, keine Ahnung.

Insgesamt sind wir dreizehn Kilometer gelaufen, schätzt der Ehemann. Ich weiß nur, dass ich im Auto auf dem Weg nach Hause eingeschlafen bin, was sehr selten geschieht, Schwierigkeiten hatte, die zwei Etagen zur Wohnung hoch zu laufen, und nach einem wohltuenden Bad nochmal zwei Stunden geschlafen habe. Umso erstaunlicher, dass ich heute gar keinen Muskelkater habe.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und Verlinkung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Ein Herbsttag am Ahornboden

Bilder vom letzten Sonntag. Ich war die ganze Woche mit der Arbeit so beschäftigt, dass ich mir erst heute die Fotos anschauen konnte. Wer meinen Frust mit dem Münchner ÖPNV liest weiß, dass ich die ganze Woche täglich über zehn Stunden auf Arbeit war. Ich bin platt.

Der Ausflug zum Ahornboden war eine spontane Idee vom mir am Vortag gewesen. Ute hatte letztes Jahr davon geschwärmt. Das letzte Wochenende ist wieder sommerlich geworden, nach dem vielen Regen, wir mussten raus in die Natur. Wir haben den Wecker für sieben Uhr morgens gestellt. Eigentlich hatte ich dem Ehemann gesagt, wir fahren um sieben Uhr morgens los. Es war ihm zu früh. Um acht steigen wir ins Auto ein. Theoretisch brauchen wir anderthalb Stunden bis zum großen Ahornboden.

Wir fahren an Orte vorbei, durch die wir im Mai letztes Jahres an die Isar entlang gewandert waren. So lange ist es schon her. Bad Tölz, Lenggries… Wir machen eine Pause am Sylvensteinsee. Am Vorderriss biegen wir dann Richtung Hinterriß ab und benutzen die Mautstraße im Naturschutzgebiet. Am Gasthof zur Post angekommen halten wir kurz, um auf dem Navi vom Ehemann zu schauen, wo wir am besten parken. Unser Ziel ist aber der große Ahornboden, der liegt noch ein gutes Stück entfernt. Die sechsstündige Wanderung hin und zurück zum kleinen Ahornboden will der Ehemann nicht machen. Er hat’s mit dem Knie. Wir fahren weiter und halten noch einmal, als wir die wunderschöne Laubfärbung der Ahornbäume entdecken.

Am großen Ahornboden stehen Leute auf der Straße, die uns zur nächsten Parkmöglichkeit lotsen. Praktisch. Wir parken direkt nach der Brücke vor Eng und trinken erstmal ein Cappuccino am Gasthof. Der Ehemann nimmt sich unglaublich viel Zeit mit allem. Ich frage mich, ob er wirklich wandern will. Als wir endlich aufbrechen, ist es schon nach elf Uhr morgens.

Wir gehen den langen Panoramaweg hoch. Er fängt gemütlich an, wird aber schnell sehr steil. Es wäre mir egal, wenn es nicht gleichzeitig auch wegen Schlamm so rutschig wäre. Ob Schnee oder Schlamm: Ich mag es gar nicht, wenn ich kein festes Gefühl unter den Sohlen habe. Zum Glück habe ich die Schnee-Wanderstöcke dabei und kann mich fest im Boden ankern.

Es sind viele Leute unterwegs. Viele Familien mit Kindern. Es staut auf dem Weg nach oben. Am nervigsten finde ich die Hunde ohne Leine, die meinen, beim hoch laufen von hinten gegen meine Beine zu schubsen. Als wir zum höchsten Punkt des Panoramawegs auf der Alm angekommen sind, liegen auch viele Leute auf dem Gras zwischen den Kuhfläden. Der Ehemann hatte auf ein Gasthof und kühles Bier gehofft, aber hier oben gibt es nichts davon. Wir gehen den Weg um die Alm wieder runter und entdecken doch weiter unten die Binsalm. Voll mit Leuten. Als wir dort sind und die Schlange zur Schänke sehen, beschließen wir, ohne Pause den Rest des Weges weiter zurück nach Eng zu gehen. Ich habe ja Bananen und Wasser im Rucksack. Der Weg ist auf dieser Seite viel einfacher zu gehen und ich bin froh, dass wir den steilen, rutschigen Weg hoch und nicht runter gelaufen sind. Mein Ischias, der jetzt seit langem still geblieben war, meldet sich plötzlich wieder, aber dumpf, nicht so heftig schmerzhaft wie früher. Ich muss doch ein paar Pausen einlegen, und freue mich über die Bänke am Wegesrand.

Zurück in Eng, holen wir uns eine Käse-Speck-Platte im Bauernladen und essen an einem Tisch vorne in der Sonne, bevor wir kurz vor 16:00 den Rückweg zum Auto antreten. Ätzend. Alle fahren gleichzeitig weg. Hätte der Ehemann auf mich gehört, statt länger schlafen zu wollen, wären wir schon jetzt zu Hause. Die Rückfahrt nach Hause erweist sich als recht anstrengend, für den Ehemann. Wir stecken mehrmals im Stau. Zum Glück ist das neue Auto sehr bequem. Im alten Polo hätte es kein Spaß gemacht. Kurz nach 18:00 sind wir wieder zu Hause.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.