Polyester ist schuld

Ich bin mir jetzt ziemlich sicher, dass ich daran allergisch bin. Oder an einem Weichmacher, der mit Polyester verwendet wird.

Bei meinem ersten Hautausschlag hatte ich den Verdacht, dass es einen Zusammenhang mit dem Meeting gab, das ich eine Woche davor besucht hatte. Ich hatte es dem Dermatologen erwähnt, aber er hatte meine Bedenken mit einem Schulterzucken beiseite geschoben. Ich dachte ja, dass ich vielleicht in Kontakt mit jemandem gekommen war, der eine ansteckende Hautkrankheit hatte. Obwohl es anscheinend stimmt, dass es mit dem Meeting zu tun hatte, so einfach war es doch nicht.

Die Creme, die ich zum drauf schmieren bekommen hatte, hatte wunderbar geholfen. Innerhalb zwei Tage waren die betroffenen Hautpartien schon geheilt. Es hat leider ab und zu wieder angefangen. Ich konnte lange keine Ursache dafür finden. Beim Urlaub in Juli ist es wieder stark aufgetreten und ging nicht mehr weg, trotz Anwendung der Creme, die ich mitgenommen hatte. Es machte das Tragen von meinem Rucksack unerträglich, vor allem danach in Spanien. Nach dem Urlaub habe ich deswegen angefangen, den Rucksack im Fahrradkorb zu transportieren, statt auf dem Rücken. Und meiner Haut ging es wieder gut.

Meinen Rucksack habe ich seit einem Jahr. Ich habe ihn nach meinem Fahrradunfall mit der Straßenbahnschiene gekauft. Es war damals nicht mehr warm genug, um ohne Jacke unterwegs zu sein. Ich habe erst seit dem Frühling angefangen, den Rucksack direkt auf der Haut zu tragen, als die Temperaturen wieder angenehm wurden. Und obwohl ich am Anfang keinen Zusammenhang gesehen habe, verursacht mein Rucksack diese Hautausschläge. Genauer gesagt, die Träger. Die sind ganz schön weich und flexibel. Ehrlich gesagt fand ich das Gefühl mit den Fingern beim Kauf komisch, habe mir aber eingeredet, dass es nichts Schlimmes sein könnte, weil es sonst nicht zum Verkauf zugelassen wäre. Tja. Ich vermeide es jetzt, ihn in Kontakt mit der Haut zu tragen. Es geht wieder.

Allein ist der Rucksack nicht schuld, deswegen bin ich nicht sofort auf die Idee gekommen. Beim Meeting in März hatte ich noch meinen dünnen schwarzen Mantel mit. Was ich aber hatte, war ein neues Band, um meinen Namensschild um den Hals zu tragen. Die Veranstalter vom Meeting hatten diese Halsbänder von einem Sponsor bekommen, bei dem ich mich übrigens auch mal beworben hatte. Da der heftige darauf folgende Hautausschlag den ganzen Oberkörper betroffen hat, habe ich zuerst nicht gedacht, dass das Halsband der Auslöser war. Der Hautausschlag kam auch nicht sofort, sondern nach einigen Tagen. Nun, ein ähnliches Band habe ich auch bei der Arbeit, um meinen Pass zu tragen. Nachdem ich vor kurzem, endlich wieder völlig frei von Beschwerden, nach drei Wochen Urlaub zurück zur Arbeit gekommen bin, habe ich das Band wieder getragen. Gleich kamen erneut rote juckende Stellen am Hals, gefolgt von Juckreiz im Rücken, an der gleichen Stelle wie in März. Ich trage jetzt das Band gar nicht mehr.

Und nachdem ich geprüft habe, aus welchem Material der Rucksack und das Band bestehen, weiß ich, dass ich eine Allergie zum Polyester entwickelt habe. Oder zu einem Weichmacher vom Polyester. Da das Band vom Meeting ganz neu war, kann es sein, dass es noch eine hohe Konzentration von Weichmachern hatte, die den plötzlichen Ausschlag gegeben haben. Ich hatte bis jetzt nie wirklich darauf geachtet, aus welchem Material meine Kleider gemacht werden. Es wird sich nun ändern müssen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Neuer Besuch beim Dermatologe

Einen Termin hatte ich eigentlich vor zwei Wochen kurz vor dem Mini-Urlaub bei meinen Eltern bekommen, bei dem Arzt, den ich nach meiner telefonischen Suchaktion während seiner Sprechzeit besucht hatte. Ich hatte nach dem Besuch doch beschlossen, keinen der hart vereinbarten Terminen abzusagen, man weiß ja nie. Für meine Kopfhaut wollte ich auf jeden Fall noch mal hin. Ich war nicht von seiner ersten Leistung begeistert, aber ich dachte, mit einem geplanten Termin würde er sich mehr Zeit nehmen. Als ich zum besagten Termin ankam, meinte die Sekretärin, es würde noch lange dauern, der Arzt hätte noch viele Patienten. Es kam mir merkwürdig vor, und ich fragte sie zur Sicherheit, ob mein Termin wirklich um die Uhrzeit geplant wäre. Ich hatte schließlich dafür die Arbeit mitten in einer Umzugsaktion verlassen und musste möglichst schnell zurück, um meine Kartons fertig zu packen. Da sagte sie, ich hätte doch keinen Termin an dem Tag. Ich war nicht begeistert. Als sie mir vorschlug, erst Ende Juni zurück zu kommen, sagte ich, ich hätte schon einen Termin in einer anderen Praxis und würde dann diesen lieber vorziehen. Mit diesem Arzt habe ich jetzt die Schnauze voll.

Ich bin also zur anderen Praxis gegangen. Der Arzt war fast pünktlich (er hatte eine Viertelstunde Verspätung, was bei Ärzten hier ziemlich kurz ist). Zuerst kam eine junge Helferin, die mich Fragen stellte und einen Formular im Rechner für den Arzt bereitstellte. Als er endlich kam, hatten wir gerade eine Minute zusammen gesprochen, bevor eine andere Helferin ohne zu klopfen ins Zimmer kam, um uns ohne Entschuldigung zu unterbrechen und sich beim Arzt über einen anderen Patienten aufzuregen, der keinen Termin für eine Blutuntersuchung gemacht hatte. Ich habe gedacht, mit einem solchen Verhalten gehört sie sofort gefeuert. Sie hat ja die ganze Zeit vertrauliche Informationen über einen anderen Patienten vor mir geplaudert. Der Arzt hat ihr gesagt, jetzt wäre kein günstiger Zeitpunkt, und sie sollte sich mit ihm lieber nach seinen Terminen darüber unterhalten, was sie einfach ignorierte. Erst als sie ihren Frust komplett entladen hatte, konnten wir unsere Besprechung fortsetzen. Er hat sich danach bei mir dafür entschuldigt; es würde mich nicht wundern, wenn ich sie beim nächsten Mal nicht mehr sehe.

Einen guten Eindruck habe ich von ihm bekommen. Er hat sich Zeit genommen und wirklich geschaut, wie meine Kopfhaut aussieht, nicht wie beim anderen Dermatologen. Er hat mir ein neues Mittel zur täglichen Anwendung gegeben. Ein neuer Termin ist in sechs Wochen geplant. Über meinen Hautausschlag habe ich auch berichtet, aber es gab nichts mehr zu sehen und er konnte sich davon kein Bild machen. Abends habe ich aber auf einmal wieder warme und stark juckende Ohren bekommen, gefolgt von Schuppenbildung, genau wie in März. Die Brust und der Hals fangen wieder an, leicht zu jucken. Wenn ich mich nicht darum kümmere, kann ich es ihm vielleicht beim nächsten Termin zeigen. Wenn es sich in Grenzen hält.


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Beim Dermatologe

Ich habe doch eine Praxis gefunden, die Sprechzeiten anbietet. Ich kann meine ausgemachten Termine ab dem nächsten Monat absagen. Gestern vor der Arbeit war ich dort und habe es geschafft, ziemlich schnell dran zu sein, so dass meine Abwesenheit im Büro nicht mal aufgefallen ist (natürlich hatte ich vorher erwähnt, dass ich mich verspäten könnte).

Vom Besuch selbst war ich sehr enttäuscht. Es hat gerade drei Minuten gedauert. Der Dermatologe hat sich meine Haut von weitem angeschaut, ich habe ihm die ganze Geschichte prägnant zusammengefasst, und er hat mir einen Rezept erstellt, ohne mir überhaupt zu sagen, worum es sich handeln könnte. Eine Creme zum drauf schmieren, und ein Shampoo, für 12€ bei seiner Sekretärin erhältlich, weil ich auch in der kurzen Zeit von meinem Psoriasis erzählen konnte. Die Creme hat er mir gleichzeitig für die Hautausschläge und für die Kopfhaut verschrieben, was mir sehr suspekt vorkam. Das sind doch zwei unterschiedliche Sachen.

Gestern Abend habe ich wie verschrieben die Creme auf die Hautpartien verteilt. Heute nach der Dusche war ich schon sehr überrascht, weil ich festgestellt habe, dass das Jucken fehlte. Ich musste zum Eincremen visuell nach den roten Hautstellen suchen, statt wie noch gestern einfach mit den Fingern die Schwellungen spüren. Ich bin verblüfft. Mit der Kopfhaut wird es bestimmt länger dauern. Ich trage die Creme nur ein, wenn ich weiß, dass ich am nächsten Tag mir die Haare wasche. Wie heute. Bei Martin ginge es nicht. Er wohnt auf der letzten Etage eines Altbaus und sein Vermieter will sich die Mühe nicht geben zu gewährleisten, dass genug Wasserdruck bis zu seiner Wohnung ankommt. Gestern habe ich deswegen auf eine Dusche verzichten müssen, nachdem ich vergeblich fünf Minuten lang in der Badewanne mit offenem Hahn auf Wasser gewartet habe. Für mich ein klarer Fall von Mieteminderung, aber darum hat er sich nicht gekümmert.


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Hautausschlag

Es ist letzte Woche plötzlich aufgetaucht. Ich weiß schon nicht mehr genau wann es war, als ich zu Hause geschwollene Rötungen auf dem Oberkörper bemerkt habe. Genau unterhalb und zwischen den Brüsten. Das hatte ich schon mal vor einigen Jahren, aber es war harmlos verlaufen.

Diesmal sieht es anders aus. Es juckt fürchterlich, vor allem, wenn ich schwitze, am Fitness-Studio oder beim Fahrradfahren. Das Tragen von BHs wird sehr unangenehm. Selbst die Brustwarzen sehen dicker und rötlich aus, fast wie Nesselsucht. Es verläuft sogar ein bisschen bis zum Bauchnabel. Gleichzeitig habe ich letzte Woche stark juckende Ohren bekommen. Das Gefühl ist verschwunden, aber ich habe jetzt eine extrem trockene Haut mit Schuppen von oberhalb der Ohren bis zum Ohrkanal. Es sieht wie meine Psoriasis aus, die immer noch nicht verschwunden ist, obwohl die kranke Hautfläche seit meiner neuen beruflichen Tätigkeit deutlich reduziert wurde.

Was kann die Ursache sein? Eine allergische Reaktion? Ich kann mich an nichts Besonderes erinnern. Da es nicht von alleine verschwindet, habe ich beschlossen, einen Termin bei einem Dermatologen zu vereinbaren. Bei einer ersten Praxis konnte ich erst ab dem 15. Mai dran sein, bei einer zweiten Ende April, gerade in einem Monat. Obwohl ich ausdrücklich gesagt habe, dass ich akut ein Problem habe. Haben sie denn alle keine Sprechstunden, oder sind die Sekretärinnen am Telefon zu blöd gewesen, um darauf hinzuweisen? Bis dahin sind die Symptome bestimmt wieder verschwunden (hoffentlich). Vielleicht sollte ich einfach frech zur Praxis gehen und mich zwischen Terminen untersuchen lassen.


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Nesselsucht

Ich bin gestern Nachmittag wieder zum Fitness-Studio gegangen. Mein Ischias war nicht so auffällig wie sonst. Vorsichtshalber habe ich mein Ausdauertraining auf dem Liegefahrrad gemacht und nicht auf dem Cross-Trainer. Als ich nach dem Aufwärmen mein Muskel-Training angefangen habe, habe ich auf einmal Juckreiz auf der Haut im Inneren meines linken Ellbogengelenks. Und ja, ich habe wieder diese rötlichen Erhebungen bekommen. Weil ich inzwischen daran gewöhnt bin, habe ich mich gezwungen, es zu ignorieren, und nach 20mn war es wie immer wieder weg.

Diese Hautreaktionen haben vor etwa zehn Jahren angefangen. Ich war damals noch Doktorandin und ging häufig zum Schwimmbad. Eines Tages habe ich im Wasser ein komisches Gefühl auf der gleichen Hautstelle bekommen. Besorgt bin ich aus dem Wasser gekommen und habe den Bademeister gefragt, was das war. Seine Reaktion war aber völlig unangemessen. Ich wollte schließlich wissen, ob er das schon mal gesehen hatte und einen Namen dafür kannte, stattdessen hat er mich nach meiner Eintrittskarte gefragt und etwas wie „Gutschein für einen freien Eintritt“ geschrieben. Als ich vom Schwimmbad weg gegangen bin, war die Hautreaktion schon geschwächt, und zu Hause war sie völlig verschwunden.

Gerne hätte ich einen Arzt danach gefragt, aber diese Reaktion ist für mich unberechenbar und verschwindet immer so schnell, dass ich es nie machen konnte. Das Blöde ist, ich kann nicht erkennen, woran es liegt. Es ist egal, ob ich im Wasser beim Schwimmbad bin, Sport mache oder zu Hause sitze, Pullis mit langen Ärmeln oder gar nichts auf der Stelle trage, die juckenden rötlichen Erhebungen tauchen auf und verschwinden, immer auf der gleichen Stelle, aber nie vorhersehbar. Ein einziges Mal hat sich die Reaktion bis zu meinem Handgelenk verbreitet. Seit zehn Jahren passiert es ab und zu, die Jahreszeit zeigt auch keine Korrelation mit dem Erscheinen. Als Allergie kann ich es also nicht bezeichnen, weil es unter so vielen verschiedenen Umständen plötzlich auftauchen kann. Und all dieser Zeit wusste ich nicht mal, was ich habe.

Gestern ist diese Reaktion im Fitness-Studio passiert. Ich saß ruhig auf einem Gerät und machte gerade fleißig meine Übungen für die Abduktoren. Ich trug sonst ein Shirt mit kurzen Ärmeln, also war die Haut eigentlich frei. Und plötzlich ist wie aus dem nichts ein Satz in meinem Kopf aufgetaucht, in meiner Muttersprache: „Tu fais de l‘urticaire“. Ich kannte das Wort „urticaire“, aber ich wusste sonst nicht, was das ist. Nach dem Sport, als die Hautreaktion wieder verschwunden war, habe ich also auf Wikipedia nach dem Wort gesucht. Und Bingo, das sieht genau so aus, wie was ich habe. Auf Deutsch: Nesselsucht. Schon komisch, wie mir Gedanke manchmal durch den Kopf gehen.


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Stress und Körper

Oder wie überrascht ich bin, dass so viele Sachen sich gegen meinen Willen und trotz besseres Wissens auf meinem Körper widerspiegeln.

Ich wusste schon vom Anfang an, dass mein Arbeitsvertrag bis Oktober befristet war, und dass das Wissenschaftszeitvertragsgesetz dafür sorgt, dass ich danach nicht mehr so einfach einen befristeten Job an einer Uni bekommen kann. Deswegen habe ich mich schon lange im Voraus auf alle unbefristeten Stellen beworben, die ich gesehen habe. Ich weiß auch, dass es nicht schön ist, arbeitslos zu sein, aber dass es trotzdem nicht das Ende des Lebens bedeutet. Ich mache alles, was ich kann, um eine neue Stelle zu bekommen, und eine neue Stelle werde ich irgendwann bekommen. Bei vielen Bekannten hat es auch fast ein Jahr gedauert, bis sie nach der Uni aus der Arbeitslosigkeit raus gegangen sind, und so lange bin ich noch nicht arbeitslos. Leben kann ich noch, und habe in meinen berufstätigen Jahren genug gespart, um keine zu große Angst vom Hartz IV zu haben.

Anfang August habe ich plötzlich angefangen, aus nicht nachvollziehbaren Gründen sehr früh morgens aufzuwachen. Ich bin selten vor zwölf im Bett, wurde aber immer gegen 05:00 wieder wach und konnte danach nicht mehr schlafen. Das ist mir auch passiert, als mein Vater mit seiner Freundin zu Besuch da war, und sie haben wirklich nichts Besonderes um die Uhrzeit gehört – einfach weiter geschlafen. Ich war noch berufstätig, aber schon als Arbeitssuchende gemeldet. Meine normale Wecker-Zeit war sonst 07:30, weil ich so nah an meiner Arbeitsstelle wohne. Aber sobald ich um 05:00 die Augen geöffnet habe, habe ich nur daran gedacht, ich müsste meine Emails schauen, weil ich automatische Emails von diversen Jobbörsen bekomme. Und habe sofort einen Adrenalin-Schuss bekommen, der verhinderte, dass ich wieder einschlafe. Es hat sehr lange gedauert, bis Februar ungefähr, und hat mich völlig erschöpft gemacht. Wie man sich denken kann, hat es mir bei Vorstellungsgesprächen nicht geholfen. Obwohl ich mir bewusst eingeredet habe, dass die Arbeitslosigkeit nicht so schlimm sein würde, habe ich so früh starke Schlafstörungen bekommen. Manchmal konnte ich morgens länger schlafen, aber nur, weil ich so erschöpft war, dass es so nicht weiter gehen konnte, nach der kurzen Noterholung bin ich wieder sehr früh aufgewacht.

Heute Morgen war ich sonst bei einer Dermatologin, weil ich eine sehr beschädigte Kopfhaut habe und so extrem Schuppen habe, dass es nicht mehr auszuhalten ist. Unabhängig davon, wie häufig ich mir die Haare wasche. Das Shampoo von Eucerin habe ich sogar probiert, erfolglos. Auf der Rückseite des Kopfes ist es so stark, dass ich nur noch flächendeckend eine weiße Kruste habe. Und das Jucken ist furchtbar. Schuppen habe ich immer gehabt, und mit Shampoos gut im Griff bekommen. Ich weiß nicht mehr genau, seit wann es zu diesem riesen Problem geworden ist. Die Dermatologin hat nur eine Sekunde gebraucht, um es sich anzuschauen, und meinte sofort, es wäre Ekzem oder Psoriasis. So ein Mist. Es ist anscheinend so ungewöhnlich verbreitet, dass sie mich fragte, wie ich das aushalten konnte. Das hat mein Vater auch immer gehabt, solange ich mich erinnern kann, bei ihm aber vor allem auf den Händen, Ellbogen und Knien. Die Dermatologin meinte, es wäre erblich und stressbedingt. Es kann sein, dass es sich bei mir kurz vor der Arbeitslosigkeit verschlimmert hat. Diese stark juckende weiße Kruste unterhalb von den Haaren im Nacken hatte ich vorher definitiv nicht. Ich hoffe, die Arzneimittel, die ich heute bekommen habe, werden das Problem lösen. Es ist nicht schön, mit einem mit Schuppen befleckten dunklen Anzug zu einem Vorstellungsgespräch zu gehen, auch wenn ich extra aufpasse, dass es nicht zu merken ist.


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Schneckencreme als Kosmetik für die Haut

Ich wollte mich darüber informieren, weil ich über Weihnachten bei meinem Vater eine Reportage im Fernseher darüber gesehen habe. Es war gerade nach der Tagesschau von mittags, also beim Kaffee trinken nach dem Mittagessen (na dann Prost… nee, eine Schneckenfresserin bin ich nicht, Froschschenkel will ich auch nicht probieren). Ich habe nur Teile der Reportage wieder gefunden (hier, und hier, nicht auf Deutsch).

Ich habe am Anfang der Reportage nicht wirklich aufgepasst. Ein Mann wurde interviewt, anscheinend ein Arzt in einer Klinik in Südamerika (Chile), der Leute mit verbrannter Haut behandelte. Er hatte diese Creme aus dem Schleim von Schnecken entwickelt – Achtung, nur eine bestimmte Schneckensorte aus Südamerika – mit deren Hilfe er den Zustand der Haut behauptete zu verbessern, das heißt, nach Anwendung der Creme würde man eine deutliche Reduktion der Narben auf verbrannten Hautteilen feststellen, das Ergebnis könnte man mit anderen Methoden gar nicht so gut bekommen. Der Journalist fragte, ob er diese spektakulären Ergebnisse veröffentlicht hatte. Als eher neutrale Zuschauerin habe ich dann gemerkt, wie der Arzt anfing ein wenig zu stottern und seine Stimme leiser wurde, als er sagte, ja, ein Paper gäbe es, die Ergebnisse waren nicht signifikant. Aha. Was bedeutet „nicht signifikant“? Man kann mit den Ergebnissen nicht beweisen, dass die Creme wirkt. Aber der Preis der Creme pro Kilo war sehr hoch, immerhin ist 1kg Schneckenschleim aus Chile 1000€ Wert, und das Produkt lässt sich super im Ausland exportieren, und da war unser Arzt wieder ganz stolz beim Erzählen, als er das gefährliche Thema sehr schnell begraben hatte.

Tut mir nicht Leid, ich glaube nicht einfach blind, was man im Fernsehen alles erzählt bekommt. Hoffe ich mindestens (na ja, dafür müsste ich zuerst selber einen Fernseher besitzen, was ich aber nicht will). Nicht signifikante Ergebnisse, aber trotzdem eine Creme teuer verkaufen? Für mich grenzt es an Betrug. Natürlich macht man da mindestens eine Suche auf Internet. Bei meiner Suche nach „Helix Aspersa Müller“, laut Elicina der Wunderwirkstoff dieser Creme, bin ich auf diesen Artikel von 2009 gestolpert, The efficacy of Helix aspersa Müller extract in the healing of partial thickness burns: a novel treatment for open burn management protocols, von den griechischen Wissenschaftlern D. Tsoutsos, D. Kakagia und K. Tamparopoulos. Man braucht keinen Zugang zum Artikel, denn die wesentlichen Ergebnisse sind im Abstract angegeben. Eine Gruppe A, die 27 Erwachsenen mit Gesichtsverbrennungen enthält, wurde mit einer Schneckencreme behandelt. Eine Kontrollgruppe B, mit 16 anderen Patienten, wurde mit einer konventionelleren Methode behandelt. Verglichen wurde die Heilungszeit der Haut, die ich mit Z abkürze (genauer gesagt, ab wann die Kruste der Wunde von der Haut runterfällt). Mit bestem Willen sehe ich keinen Unterschied zwischen beiden Gruppen. In Gruppe A beträgt Z 9+/-2 Tage, in Gruppe B 11+/-2 Tage. Wie es in der Reportage hieß, sind diese Ergebnisse nicht signifikant. Bitte die Standardabweichungen (kurz σ) betrachten! 9+/-2 bedeutet zwischen 7 und 11, 11+/-2 bedeutet zwischen 9 und 13 (es ist grob vereinfacht dargestellt und ist in Wirklichkeit komplizierter). In meiner Branche betrachten wir zwei Werte Z1 und Z2 als signifikant unterschiedlich, wenn sie sich innerhalb von 3σ unterscheiden, das heißt, dass die Bereiche Z1+/-3σ1 und Z2+/-3σ2 sich nicht decken. In dieser Studie sind die Heilungszeiten aber innerhalb von 1σ schon gleich. Wer noch behauptet, in Gruppe A wären bessere Ergebnisse nachgewiesen, hat keine Ahnung von Statistik. Außerdem wissen wir nicht, ob die Wunden in beiden Gruppen gleich groß sind, da müsste man den Artikel lesen, um zu sehen, ob die Fläche der Wunden berücksichtigt wurde. Das könnte das Ergebnis auch total verfälschen. Dass die Schneckencreme besser als andere Mittel funktioniert, kann man also nicht behaupten. Für bessere Ergebnisse, das heißt, um kleinere Standardabweichungen zu bekommen, müsste man die Größe der Gruppen in der Studie stark erhöhen. Das einzige, was die Studie eindeutig zu zeigen scheint, ist, dass die Schmerze bei Gruppe A nicht so stark sind (wenn ich pain scores richtig übersetzt habe). Der Argument würde wiederum für mich sofort für die Schneckencreme sprechen – vorausgesetzt, man hat nicht „aufs Versehen“ alle Patienten mit kleineren Wunden in Gruppe A gesteckt. Und merken wir auch noch, dass die Studie sich nur mit dem Heilungsprozess beschäftigt, nicht mit der Reduzierung von Narben.

Die Reportage ging weiter. Ein Verkäufer wurde gefilmt, als er in einer Apotheke versuchte, die Schneckencreme zu verkaufen. Die Vorteile der Creme wurden ausführlich dargestellt. Als der Inhaber der Apotheke, halb interessiert, fragte, wie er Frau X. aus der Nachbarschaft dazu bewegen könnte, die Creme zu kaufen, meinte der Referent: „Einfach! Wissen Sie, wie schnell Schnecken ihre Schale reparieren, wenn man drauf tritt? Man könnte meinen, die sterben gleich, aber nein, die reparieren die Schale und leben weiter. Das alles dank dem Schleim, der in dieser Creme enthalten ist!“ Ich habe gelacht und gedacht, „Gut, wenn ich mal eine Schale bilden soll, weiß ich, wie ich sie reparieren kann, bis dahin brauche ich den Zeug nicht“. Die Reaktion vom Inhaber war aber gleich, „Tja, Schade, dass wir keine Schnecke sind“. Und ich habe mich als gute Wikipedianerin auch sofort gefragt, ob die Geschichte mit der Schale wirklich stimmt (ich hatte ein dickes {{refnec}} im Kopf). Hat der Inhaber der Apotheke die Creme anschließend gekauft? Ich weiß es nicht mehr. Im Laufe der Reportage hatte ich den Eindruck, der Journalist hätte Spaß daran gehabt, die ganzen Unstimmigkeiten über das Produkt zu zeigen, um sich darüber lustig zu machen. Es war für mich so enorm, dass ich dachte, keiner kann rein fallen, der die Reportage sieht. Seufz. Mein Vater, der ebenfalls die Reportage neben mir gesehen hat, war am Ende bereit, selber für das Produkt zu werben.

Gibt es noch etwas zu erzählen, um das Thema zu ergänzen? Eigentlich ja, und sicherlich nicht wie ihr jetzt denkt. Aus meiner eigenen Erfahrung (igitt). Ich hatte vor vielen Jahren mit meinen Kollegen an einen Betriebsausflug teilgenommen. Es war Ende Frühling, wir hatten auf der Wiese Frisbee gespielt. Mir war’s richtig warm. Ich habe meine Schuhe beim Spielen ausgezogen. Und ja, wenn ihr bis hier durchgelesen habt, vermutet ihr schon, was mir passierte: Ich bin auf eine dicke Nacktschnecke getreten. Richtig igitt. Ich habe sofort mit einem Taschentuch das ganze zwischen meinen Zehen gewischt, habe den Spaß am Spielen verloren und habe nur noch die anderen zugeschaut. Mit Wasser konnte ich nicht sofort spülen, erst später zu Hause habe ich es gemacht. Und ich habe mehrere Tage lang eine unglaublich zarte Haut auf dem Fuß gehabt, so schön weich, das hatte ich noch nie erlebt.

Die Moral von der Geschichte: Ach, es könnte was dran geben. Nur nicht alles mischen. Zarte Haut und reduzierte Narben sind ganz andere Sachen. Solange es keine referierte wissenschaftliche Veröffentlichung gibt, die die Wirkung der Creme beweist, traue ich diesem ganzen Kosmetik-Geschäft nicht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.