Gekehrt

Wir haben diese Woche einen Zettel im Flur entdeckt, neben den Briefkästen, wo die allgemeinen Ankündigungen für die Bewohner des Hauses immer veröffentlicht werden. Am Samstagmorgen wird gemeinsam vor dem Haus gekehrt. Natürlich nur, wenn man Lust dazu hat. Unter dem Motto, „we take Kehr“, was ich recht lustig fand. Die Idee hatten die Nachbarn unter uns, die sich irgendwie immer um vieles kümmern. Sie haben mit der BSR den Termin vereinbart, und Besen mit Handschuhen für den Tag geliehen bekommen. Und weil wir es seit über zwei Jahren im Haus noch nie geschafft haben, etwas mit den Nachbarn zu unternehmen, habe ich dem Ehemann gesagt, wir sollten da mitmachen. Endlich mal mit den Leuten in Kontakt kommen.

Heute Morgen bin ich früh aufgewacht, und habe den Ehemann erstmal ausschlafen lassen. Der hat so lange geschlafen, dass ich schon dabei war, ihm fünf Minuten vor dem Termin einen Einkaufszettel für morgen zusammen zu schreiben (wir haben Freunde zum Essen eingeladen), als er aufgestanden ist. Ich bin also alleine vor dem Haus gegangen, um mit den Nachbarn den Bereich um unser Haus zu putzen, während er einkaufen gegangen ist. Da wir fast alle Eigentümer sind, war das Interesse an die Aktion groß.

Aber wie ich so bin, habe ich zuerst die Lage analysiert, geschaut, wo schon gearbeitet wird, und mir eine Stelle ausgesucht, wo noch keiner war. Um effizienter zu arbeiten, statt sich nur im Weg zu stehen. Tja, so bin ich natürlich kaum ins Gespräch mit den Nachbarn gekommen, was doch ursprünglich mein Ziel war. Wenigstens habe ich dadurch eine gute Stunde Sport bekommen, ich war am Ende voll verschwitzt. Ich habe mich um die Wege gekümmert, während die anderen die Parkplätze gefegt haben. Zwei Müllsäcke habe ich gefüllt. Mit einem jungen Mann habe ich zum Schluß noch kurz gequatscht, aber das war’s. Ein Sozialmuffel bin ich echt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Ordnung geschafft

20161022_ordner

Lange habe ich den Chaos auf dem Schreibtisch wachsen lassen. Kontoauszüge sind ungelesen in eine Ecke gestapelt worden. Den Zustand meiner Konten sehe ich eh immer online. Der Stapel ist gewachsen und mir mit der Zeit unangenehm geworden. So unordentlich und ungemütlich auf dem Schreibtisch. Seit Jahren läuft es so. In einer Schublade lagen noch ältere Briefe der Bank. So gut in Ordnung halten war ich nie.

Nun, das war vorher. Jetzt habe ich mir einen neuen Ordner besorgt (bzw. den Ehemann dazu beauftragt, mir einen neuen Ordner zu bringen). Den ganzen Abend habe ich damit verbracht, Kontoauszüge zu sortieren. Nicht selten musste ich zuerst den Briefumschlag öffnen. Wozu den Brief überhaupt öffnen, ich weiß ja, was auf dem Konto passiert.

Tja. Heute ist mir aufgefallen, dass nicht alle Briefe von der Bank Kontoauszüge sind. Häufig ist es auch Werbung. Manchmal ist es ernster. Wie die Transaktion Ende August, die von der Bank gesperrt wurde. Ich habe den Brief darüber erst heute Abend gelesen. Ich hatte damals über die Webseite einer Tagung ein Hotelzimmer buchen wollen. Beim Bestätigen der Zahlung kam eine Fehlermeldung, mit dem Hinweis, dass meine Bank die Transaktion gesperrt hätte. Verwirrt, hatte ich sofort meine Bank angerufen und ein Mann hat mir erklärt, dass ich meine Identität in einem Pop-up nicht bestätigt hätte, daher die Sperrung. Mein Browser hatte wahrscheinlich den Pop-up blockiert. Die übliche Warnung oberhalb der Seite hatte ich aber nicht bekommen. Vielleicht war ein der Ad-Blocker schuld. Egal, der Mann am Telefon hatte für diese Transaktion die Identifikationsanfrage deaktiviert und ich hatte beim Hotel buchen können. Dass zusätzlich ein Brief geschickt wurde, war mir nicht bewusst. Es ist am Ende gut gegangen, weil im Brief stand, ohne Maßnahme meinerseits würde die Transaktion doch stattfinden.

Wie gut, dass ich jetzt einen Ordner für Post aus der Bank habe. Das hätte ich mir viel früher anschaffen sollen. Jetzt werde ich die Briefe öffnen müssen, bevor ich sie ungelesen im Ordner hefte, und dabei wird es mir auffallen, wenn es sich ausnahmsweise nicht um einen Kontoauszug handelt.


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Meine Waage

Ich habe sie mir vor einigen Jahren gekauft. Ich weiß nicht mehr genau wann, aber ich glaube, das war noch bevor ich nach Berlin gekommen bin. Ich erinnere mich, wie ich im Kaufhof lange vor der Auswahl an Waagen gestanden habe, bevor ich mich für diese entschieden habe.

Was mir zuerst gefallen hat ist, dass sie leicht zu putzen ist. Glatte Oberfläche. Meine alte Waage hatte drauf ein welliges Motiv, was es schwierig machte, den Staub zu entfernen, wenn ich sie zu lange unter dem Regal im Badezimmer gelagert hatte. Und ich mochte diese Gummioberfläche vom anfassen her gar nicht. Sie war auf der Waage geklebt und hatte noch an den Ecken angefangen, sich zu lösen.

Diese hier ist meine erste digitale Waage. Ich fand es gut, Zahlen nach dem Komma zu haben. Ich habe mich dabei gefragt, wie genau die Angabe ist. Ich wiege mich morgens nach dem Aufstehen, drei oder viermal hintereinander. Das Körpergewicht bleibt dabei meistens konstant. Wenn nicht, schreibe ich mir den gemittelten Wert auf. Es war bei meiner alten Waage immer so, dass ich beim Arzt ein paar Kilogramme mehr drauf hatte als zu Hause. Bei dieser Waage weiß ich es noch nicht. Es variiert sowieso im Laufe des Tages.

Ich habe mich am Ende für dieses Modell entschieden, weil es keine Batterie braucht. Solarbetrieben. Kein zusätzlicher Sondermüll durch Batterien. Und selbst nachtsüber, mit dem Licht einer LED-Lampe, funktioniert sie genau so gut.

Waage


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Mein Alter

StaubsaugerClin d’œil à Zoé.

Ich bin mal zu Hause. Und statt mit meinem Hochzeitskleid sofort anzufangen, habe ich zuerst die Wohnung geputzt. Staubgesaugt. Ich brauche große saubere Flächen, um den Stoff zu bearbeiten.

So alt ist mein Staubsauger nicht. Ich habe ihn mir zugelegt, als ich die Spinnenbevölkerung in meiner ersten Wohnung in Berlin nicht mehr ertragen konnte. Ich habe ihn bei Mediamarkt in einem Einkaufszentrum nah an der Arbeit geholt. „Gute Auswahl“, meinte der Berater. „Meine Mutter hat auch so einen“. „Haha“, habe ich geantwortet. Der kam mir für den Preis ziemlich gut vor.

Inzwischen kenne ich ihn besser. Ich dachte am Anfang, er wäre leise, viel leiser als mein vorherige Staubsauger, den ich in der Wohnung in Aachen lassen musste, aber jetzt finde ich ihn sehr laut. Die Katze neigt immer noch dazu, unter eine Couch zu flüchten, wenn ich ihn nur anpacke. Es geht aber besser. Immerhin sieht man ihr Spiegelbild im Foto. Mich nervt es, wie unpraktisch es ist, ihn überall rum zu führen. Und der Stromkabel erst recht.

Es gibt keinen Knopf, um den Stromkabel nach dem Staubsaugen wieder einzurollen. Wenn er für den Betrieb komplett ausgerollt wurde, braucht man nur leicht daran zu ziehen, und er wird automatisch ohne Schwierigkeit rein gezogen. „Toll“, habe ich zuerst gedacht. Aber. Meine Wohnung ist groß. Es passiert häufig, dass ich mit dem Staubsauger in einer Steckdose in einem Zimmer anfange, und in den Nachbarräume weiter mache. Wehe, der Kabel bleibt dabei unter einer Tür stecken. Obwohl der Staubsauger nicht ausgeschaltet ist, fängt er dann an, den Kabel wieder rein zu ziehen (und sich dabei der Tür zu nähern). Jedesmal. Das nervt. Dabei merke ich nicht mal, dass es einen Widerstand gibt. Heute hat sich der Staubsauger ausgeschaltet, weil der Kabel sich von der Steckdose weg gerissen hat. Ohne Vorwarnung. Gut, ich hätte ihn auch im Eingangsflur einstecken können, um im Treppenhaus vor der Wohnungstür sauber zu machen.


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Heute Morgen

Wie jeden Morgen, wenn es nicht gerade Hochsommer ist…

Beschlagenes_Fenster

Und wir haben siebzehn Stücke davon, alle mit mächtiger Doppelverglasung. Wir verbringen einen guten Teil unseres Morgensrituals damit, die beschlagene Fenster trocken zu wischen. Kräftig lüften. Es kommt jeden Morgen wieder zurück. Und da ich diese Woche Strohwitwe bin, muss ich mich um alle kümmern.

Es wäre sicherlich hilfreich, wenn wir etwas wie Fensterläden an der Außenwand anbringen könnten. Da aber sonst niemand in unserem Haus welche hat, werden wir bestimmt nicht die Erlaubnis dafür bekommen. Oder elektrische Rollos, die wären nicht so auffällig. Wir sollten bei der nächsten Eigentümerversammlung danach fragen.


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Pfingstmontag

Ein toller Tag heute. Und was habe ich gemacht? Zu Hause geblieben.

Heute Morgen haben wir auf der Terrasse gefrühstückt. Die Sonne war ab und zu durch dicke Wolken versteckt, aber es war trotzdem angenehm warm. Bienen haben unsere Blumenkasten besucht. Die Mischung „Bienenfreude“ war offensichtlich eine gute Wahl. Im Kasten links davon wachsen die Tomatenstauden. Nur die Hälfte hat überlebt, nachdem wir sie von den Vögeln geschützt haben müssen. Die Katze hat sich kurz zu uns gesellt, geschuppert und fand es doch besser im Wohnzimmer. Wir hatten nichts interessantes für sie auf dem Frühstückstisch.

Ich habe die Wohnung weiter geputzt. Staub gewischt. Mit der Katze gespielt. Die letzten Vorlesungen vom Kurs Java für Einsteiger gehört, da die Frist für die Abgabe der Tests verlängert wurde. Der Workshop ist nach September verschoben worden. Es gab viele technische Probleme bei der Plattform für die Übungen, die für den Kurs anscheinend neu entwickelt wurde. Den Stoff der Vorlesungen direkt in Programmieraufgaben zu bearbeiten fand ich toll. Nicht die häufigen „Leider ist ein Fehler aufgetreten“ Meldungen bei der Bewertung der Übungen. Die letzten Bonus-Aufgaben haben Spaß gemacht. Man musste eine LED-Matrix steuern, um ein bestimmtes Muster zu erzeugen. Ein schön symmetrisches Muster mit drei konzentrischen Quadraten verschiedener Größen und Farben… Beim Ausführen hat man ein Foto von der Matrix geschickt bekommen, die irgendwo in den Büros von openHPI durch eine Webcam überwacht wird. Mein Lösungsansatz hat die Symmetrie des Musters benutzt und zu einer zyklomatischen Komplexität von 6 geführt, während die „einfache“ Methode mit drei doppelten for Schleifen, die im Forum diskutiert wurde, eine zyklomatische Komplexität von 7 besitzt. Ich bin schon stolz darüber, selbst wenn es für die Bewertung nichts bringt. Insgesamt sehr zufrieden. Java gelernt, Objekte und Klassen endlich richtig verstanden. Und das hat Spaß gemacht, wenn man den Frust mit der Programmierungsplattform vergißt.

Martin hat in der Zeit eine Spazierfahrt mit dem Motorrad gemacht. Ich bin noch nie mit ihm gefahren. Die Ausrüstung fehlt mir. Und, na ja, es muss nicht sein. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, am Wochenende zum Fitness-Studio zu gehen. Nach der Woche auf dem Fahrrad habe ich aber Lust auf Erholung und kein Bock mehr gehabt. Gestern sind wir eh schon zum seinem Vater geradelt.

Zum Abendessen gab’s eine asiatische Rindfleischpfanne. Nun, Sojasprossen hatte ich beim Edeka nicht gefunden, als ich am Samstag dort war, dafür gab’s eine Sprossenmischung. Reis hatten wir doch nicht, ich habe den Rest von der Packung Dinkel gemacht. Und statt Chiliflocken habe ich eine rote Schotte klein geschnitten und mitgebraten. Sie war nicht so scharf. Martin war auf jeden Fall begeistert.


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Lebensumstellung

Es ist nicht so, dass ich mein Leben als Single vermisse. Aber ich merke, dass ich viel weniger Zeit für mich selbst habe. Ich muss mich neu organisieren.

Es fängt schon mit meiner Wohnung an. Früher bin ich nach der Arbeit nach Hause gegangen, habe mich vor dem Rechner entspannt, mit Freunden aus meiner früheren Stadt gechattet, etwas gegessen, vor dem Einschlafen noch gelesen… Jetzt muss ich immer die Gelegenheit sofort nutzen, wenn ich zu Hause bin, um dringende Aufgaben zu erledigen. Waschmaschine leer räumen, Katzenklo putzen, Geschirr spülen (per Hand, ich habe keine Maschine mehr in der neuen Wohnung), staubsaugen, Briefe sortieren… Über meine Begeisterung für diesen Arbeitsfeld habe ich schon berichtet. Dazu kommen neue Aufgaben. Zum Beispiel, ständig Katzenhaare aus dem Bett mit einer Klebrolle entfernen, weil Martin allergisch ist. Tagsüber daran denken, die Tür des Schlafzimmers zu zu lassen, damit die Katze nicht auf dem Bett schlafen geht. Nachtsüber lässt es sich nicht vermeiden. Wenn ich die Tür zu machen würde, würde sie ständig wie eine Besessene gegen die Tür kratzen. Bettwäsche müssen häufiger gewaschen werden. Ich muss ständig daran denken, frische Unterwäsche in meine Tasche zu packen, wenn ich bei ihm übernachte. Sporttasche bei der Arbeit parat haben, statt wie früher von zu Hause aus damit los gehen, weil ich jetzt nicht mehr weiß, wo ich die Nacht verbringen werde.

Es gibt andere Momente, wo ich da stehe und es immer noch nicht fassen kann. Ich habe jetzt einen Freund. Ich bin in einer Beziehung. Mit ihm. Wow. Einen solchen Moment habe ich heute Nachmittag wieder erlebt. Wir standen im Märkischen Museum. Ich habe mich nach ihm gedreht und ihn angeschaut. Ich habe gedacht, dieser Mann neben mir ist mein Freund. Ich bin glücklich, mit ihm zu sein. Ich habe mich gleichzeitig überrascht gefühlt. Als ob ich aus einem Traum erwachen würde, um festzustellen, dass er im realen Leben weiter gespielt wird.

Ich weiß nicht, wie es mit uns weiter gehen wird. Ich habe die Hoffnung, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben. Ich habe sonst wieder extrem starke Muskelkater. Aber wie er dabei gestöhnt hat, konnte ich einfach nicht aufhören.


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Ich bin keine Hausfrau

Wirklich nicht. Ja gut, ich bin zurzeit arbeitslos und verbringe viel Zeit zu Hause, das macht aus mir aber noch lange keine Hausfrau. Leider. Ich könnte ein bisschen mehr Ordnung in meiner Wohnung gebrauchen.

Vielleicht sollte ich klare Regel mit mir selbst vereinbaren.

  • Immer die Kleider zum Trocknen hängen, sobald die Waschmaschine ihren Vorgang abgeschlossen hat. Du weißt ja, wie muffig sie sonst riechen können. „Ich habe keine Zeit, ich muss doch noch diese Bewerbung / diese Email / diesen Blogeintrag (seltener) fertig schreiben.“ Die beste Idee überhaupt wäre, meine Waschmaschine und meinen Rechner kommunizieren zu lassen. Sobald die Waschmaschine fertig ist, sollte sie meinen Rechner sperren, solange ich die Kleider nicht raus genommen habe. Das mit der Spülmaschine klappt wenigstens halbwegs. Muss ja auch, mein Waschbecken ist so klein. Zum Aufräumen muss ich mich nur innerhalb der Küche bewegen. Vielleicht ist es der Grund, warum ich ungern die Klamotten aus der Waschmaschine raus hole, immer hin und her zwischen Badezimmer und Wohnzimmer, dabei jedes Mal vorsichtig über die Katze nicht stolpern, die mich nie aus den Augen verlieren möchte und sich deswegen genau zwischen beiden Zimmern hinlegt…
  • Staubsaugen, wenigstens einmal pro Woche. Als Besitzerin einer langhaarigen Katze ist es eigentlich schon zu wenig. Nun, will ich ihr das Trauma so häufig an tun, den Staubsäuger anzuschalten (Ausrede)? Stimmt ja auch, sie versteckt sich immer, und immer an der gleichen Stelle, unter dem Sofa, sobald ich das Gerät nur berühre. Direkt danach sollte ich die Gelegenheit nutzen und den waschbaren Boden waschen. Man könnte meinen, mit einer Katze müsste ich schon alleine für den Streu staubsaugen, aber da benutze ich immer schnell den kleinen Besen, jedes Mal wenn ich ihr Klo putze, so dass ich sehr wenige Streukörner herum liegen habe.
  • Fenster häufiger putzen. Daran denke ich immer früh morgens, wenn die Sonne aus der Gartenseite in die Wohnung kommt. Hier in der Gegend also eher selten. Aber dann merke ich, wie dreckig die sind. Das letzte Mal habe ich sie vor drei Wochen geputzt, bevor meine Mami zu Besuch gekommen ist. Ich habe zwölf Fenster, sechs hinten auf Gartenseite und sechs vorne, auf Straßenseite. Für die Fenster hinten habe ich schon über drei Stunden gebraucht, ein ganzer Nachmittag. Für die Fenster vorne brauchte ich eine kleine Leiter, die ich mir dann beim Bauhaus versorgt habe. Als ich sie gekauft habe fing es an zu schneien, es war mir zu kalt, um vor offenen Fenstern mit nassen Händen zu putzen, dann kam schon meine Mami, und das Wetter blieb so schlecht, dass man von den übriggebliebenen dreckigen Fenstern nichts bemerkt hat. Als ich noch arbeitete hatte ich unsere Putzhilfe im Haus für meine Fenster eingestellt. Sie hatte für die zwölf Fenster gerade anderthalb Stunden gebraucht. Und sie konnte es viel besser als ich, ich lasse danach immer Spuren an den Scheiben. Mein Traum ist es, so viel Geld zu verdienen, dass ich eine Putzhilfe Teilzeit beschäftigen könnte.
  • Aufräumen. Mich packt der Graus, wenn ich daran denke. Das größte Problem sind die Bücher. Zu viele, nicht genug Platz. Sie stapeln sich hoch, eine Couch ist schon nicht mehr zu benutzen, weil ich sie als langfristiger temporärer Lagerplatz für Bücher und Papierkram verwendet habe. Inzwischen ist viel Staub drauf. Langsam stapeln sich Briefe auf dem Kratzbaum – nur weil er von meiner Katze nicht benutzt wird. Meine vormöblierte Wohnung ist da halb schuld. Im Schlafzimmer habe ich einen riesen Schrank, der falsch montiert wurde. Von außerhalb merkt man es ihm nicht an, aber innen drin sind die Planken falsch, ich kann keine Regalbrette hinstellen, weil die nicht waagerecht liegen könnten. Also viel Platz für nichts. Auf einer Seite konnte ich wenigstens einige Klamotten hängen. Eine andere Wand im Schlafzimmer ist mit meinem IKEA-Regal belegt, wo ich schon viele Bücher packen konnte. Ich habe sogar eine kleine „Holztreppe“ gebastelt, um mehr Bücher pro Regal zu packen. Die dritte Wand ist mit dem Bett und Nachttisch belegt, und die vierte besteht fast nur aus Fenstern. Aufräumen ist das einzige, was vor meinem Rückenproblem schon nicht klappte. Manchmal liege ich nachts im Bett und bekomme Panik-Attacken, weil mein Schlafzimmer so unordentlich ist. Aber wenn mich jetzt der Frust packt und ich anfange, alles im Hause richtig zu putzen, kriege ich wieder Ischias-Schmerze. Im Grunde muss ich entweder neue Möbel kaufen, um alles aufzuräumen, oder viele Sachen entsorgen. Ich tendiere für die zweite Lösung. Wenn ich den Mut dazu finde.
  • Den Müll häufiger runter bringen. Jede zweite Woche ist zu wenig. Ich warte immer, dass die Tüten voll sind, sonst wäre es ja Geldverschwendung. Nur, wenn ich sie in den Keller bringe, stelle ich immer fest, dass die Mülltonnen schon voll sind. Meine Tüte oben drauf, mit beiden Händen flach drücken, dabei ein wenig hüpfen, um das Gewicht auf die Tüte zu bringen, und ich kriege doch den Deckel der Tonne zu. Das verstehe ich nicht. Ich habe vor zwei Jahren die Wohnung von meinem Nachbar übernommen, um meine zu vergrößern. Wir sind im Haus also ein Haushalt weniger. Warum ist die Mülltonne dann regelmäßig voller als vorher geworden? Ich vermute, die neuen Bewohner aus der ersten Etage haben etwas damit zu tun. Mein Altpapier entsorge ich ab und zu bei meiner früheren Arbeitsstelle, wo wir zwei große Container auch für die Nachbarschaft haben, weil im Haus die Papiertonne immer voll ist. Das Müllproblem in Deutschland. Bei meinen Eltern hatten wir einfach große grünen Containers überall auf der Straße, wo man sein Müll hinbringen konnte, und die täglich geleert wurden. In unserem sehr kleinen Dorf gibt es sogar zwei Orte für die Mülltrennung – Papier-, Glas- und Plastik-Container nebeneinander, die aber nicht so regelmäßig geleert werden. Hier muss man eine Woche lang den Biomüll im Hause behalten. Kleinigkeiten, die das Leben ganz anders machen.

Also insgesamt ein erschreckendes Bild von mir. Komischerweise verhalte ich mich ganz anders, wenn ich mit jemandem zusammen wohne, dann bin ich die echte Haus-Fee. Ich kann alleine mit meinem Chaos leben, ich kann das Chaos anderer nicht leiden, deswegen räume ich alles auf. Nur, wenn ich mit einem Mann leben würde, müsste ich nicht so besessen wie jetzt nach einer neuen Arbeitsstelle suchen, da wir uns zu zweit unterstützen würden, deswegen hätte ich mehr Zeit für die Hausarbeit. Und würde auch schnell sauer werden, wenn ich die einzige bin, die zu Hause etwas macht, weil ich es im Grunde nicht gerne tue. Obwohl ich meine Mami als Vorbild habe, die täglich bei sich putzt. Ich hab’s als Kind auch mitgemacht, täglich fegen (wir hatten keinen Staubsäuger), täglich den Boden waschen… Boah, anstrengend (und furchtbar, wenn man dabei ab und zu eine Spinne entdeckt, das passiert mir zum Glück in der Stadt viel seltener). Ich habe es noch wöchentlich gemacht, bevor mein Rücken mir so viele Schmerze verursacht hat. Als ich berufstätig war und täglich Sport trieb, konnte ich problemlos regelmäßig putzen. Ich muss mich selbst treten, um es wieder zu schaffen. Bis jetzt sind nur die Bereiche Küche und Badezimmer in Ordnung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.