Die Kirche im Haus

Ich war im Treppenhaus und wollte zu meiner Wohnung hoch laufen. Das Treppenhaus, hoch und altmodisch, mit einem mit hexagonalen, roten Tomettes aus der Provence[1] bedeckten Boden, war äußerst dreckig. Überall lag Kot von den Tauben, die auf Balken saßen.

Ich kannte den Weg zu meiner Wohnung nicht so gut und lief erstmal bis zur letzten Etage. Was ich entdeckte war unglaublich: Eine Kirche! Stimmt! Hatte mich meine Mami bei ihrem Besuch nicht gefragt, was die hohen Türme ganz oben in meinem Haus waren? Ich wusste damals die Antwort nicht. Ich wollte um mich fotografieren, aber dazu kam es nicht. Die bunten Glasmalereien, oder zuerst die Orgel? Ich konnte mich nicht entscheiden.

Neben mir lief ein junges französisches Paar mit einem Kinderwagen, und ich musste feststellen, dass in der Kirche auch ein Gemischtwarenladen war. Regale waren mit Schnickschnack und Gewürzen gefüllt. In einer transparenten Glasdose waren dunkelviolette trockene Bohnen zu sehen. Allerdings waren auch dicke schwarze Fliegen drin, die herum flogen, und die Bohnen hatten fein säuberliche Löcher, an denen teilweise noch eine Art Deckel hing[2,3].

Ich weiß nicht mehr, was der Anlass war, aber mir rutschte ein „Merde!“ raus. Das nahm das junge Paar als Anlass, um mich anzusprechen. Die Frau fragte mich etwas, woran ich mich jetzt nicht mehr erinnern kann, außer, dass es ein Wort auf Französisch war, das ich ewig nicht mehr benutzt hatte. Sie ging dann zu den bunten Gewürzen und nahm davon in der Hand, wodurch sie die schön getrennten Haufen durcheinander mischte. Die „Gewürze“ sahen eher wie buntes Kies aus. Direkt daneben lag das Glas mit den Bohnen und Fliegen. Ich sagte der Frau, sie sollte das besser nicht kaufen, aber sie nahm meine Bemerkung und das Glas gar nicht wahr.

Ich fragte mich kurz, wie ich denn zu meiner Wohnung zurück gehen könnte, und wachte auf. 06:45. Wir haben gestern Abend vergessen, den Radiowecker wieder anzuschalten.

[1] Solche Fliesen hatten wir in der Wohnung im Dorf, wo wir umgezogen sind, als ich noch keine vier Jahre alt war.

[2] Genau wie damals mit den Feuerbohnen, außer, dass daraus kleine Käfer geschlüpft waren, statt Fliegen.

[3] Dazu fällt mir ein, gestern hatte ich geträumt, dass ich eine Banane essen wollte, diese aber drin ganz viele Fliegen und Maden hatte. Eine solche eklige Erfahrung hatte ich tatsächlich schon mal gemacht. Was will mir jetzt mein Unterbewusstsein zum Thema Essen mitteilen?


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Einbruch

Ich war im Haus meiner Eltern, mit meiner Katze. Im Wohnzimmer hatte ich meinen Arbeitsplatz mit Rechner. Ich habe dort den ganzen Nachmittag gesessen. Eine weitere weibliche Person war anwesend, die ich nicht kannte und kaum gesehen habe. Ich habe mich nur um meinen Kram gekümmert.

Als ich fertig war und gehen wollte, habe ich gemerkt, wie der Bereich links vom Arbeitsplatz, der durch einen Raumtrenner versteckt war, unordentlich war. Auf dem Couchtisch war nichts mehr vorhanden. Der Regal links vom Tisch wurde aufgeräumt, Sachen lagen auf dem Boden verteilt, sowie zerknitterte Papierbälle, mit denen meine Katze spielte. Selbst mein Rechner[1] war verschwunden, musste ich Martin (auf Deutsch) erzählen, der gerade aufgetaucht war und fragte, was los war. Mit dem Verschwinden vom Rechner hatte ich viele Fotos verloren, die ich auf meine Speicherkarten nicht behalten hatte. Ich war sehr geärgert darüber.

Ich habe mich so blöd gefühlt. Wie konnte ich nichts mitbekommen, obwohl ich mich im gleichen Raum befunden habe? Die Einbrecher mussten wirklich sehr leise gewesen sein, damit ich nichts merke. Wie konnten sie denn ins Haus eindringen? Martin meinte, bestimmt nicht durch die Haustür, sie ist zu laut, wenn man sie öffnet, ich hätte sie schon gehört. Oder durch die Fenster, habe ich gedacht, falls die unbekannte Frau, die noch im Haus war, gerade am Lüften war, wie meine Mami es früher jeden Morgen getan hatte. Es war doch unwahrscheinlich, weil die Fenster mit Klappläden aus Holz ausgestattet sind, die wir im Sommer als Sonnenschutz halb geschlossen lassen. Der Platz hätte nicht gereicht.

Es sei denn, jemand hätte die Einbrecher im Haus eingeladen. Wer war eigentlich diese Frau, die noch im Haus war? Wir haben sie gesucht und draußen gefunden. Hinter dem Haus befand sich eine kleine Kneipenterrasse, wo Leute auf ihr Frühstück warteten. Die Frau war die Kellnerin und dabei beschäftigt, Spiegeleier zu braten. An einem kleinen weißen runden Tisch saßen zwei Männer, die mir sehr verdächtig vorkamen. Beide trugen einen kurzen Bart, der genau dem Umriss vom Kinn bis zu den Ohren folgte. Es hat mich an die jüngsten Fernsehberichte aus Syrien erinnert. Sie haben mich genau angeschaut, und ich wusste, dass sie für den Einbruch verantwortlich waren. Beweise hatte ich leider nicht.

[1] Mit dem ich die ganze Zeit gearbeitet hatte, wohlgemerkt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Von zu Hause und zurück

Ich stand vor dem Kleiderschrank in meinem Schlafzimmer bei meinen Eltern.

Es war wieder ein Haus, das ich in Wirklichkeit gar nicht kenne und mir nur im Traum vertraut war. So einen dunklen Kleiderschrank habe ich nie besessen. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, wann ich zum letzten Mal von unserem Familienhaus geträumt habe. Ich glaube, es war einige Monate nach dem meine Eltern sich scheiden lassen haben und es verkauft haben.

Ich befand mich nachts im Dunkel in meinem Schlafzimmer und wollte ins Bett gehen, aber drin war schon ein junges Mädchen. Ich habe mich erschreckt. Sie hat mich gesehen, ebenfalls große Angst bekommen und angefangen, nach ihren Eltern um Hilfe zu schreien. Ich bin aus dem Zimmer verschwunden.

Ich hatte mich damals gefragt, ob ich nicht eine Astralreise gemacht hatte und das Mädchen, das dort mit seinen Eltern wohnte, erschreckt hatte.

Heute Nacht stand ich also vor meinem Schrank und suchte nach Kleidern. Ich habe ein T-Shirt und einen Rock angezogen. Es muss im Sommer gewesen sein. Der Anblick im Spiegel hat mir nicht gefallen. Die Nähte vom T-Shirt und vom Rock waren mit großen glänzenden Pailletten bedeckt. Es war mir zu viel. Vor allem mochte ich nicht, wie der T-Shirt aussah. Er war zu breit, war komisch gebogen und fiel nicht schön auf die Hüfte. Ich habe also den Rock gewechselt und meinen dunklen grünen schiefen Rock gewählt[1]. Leider hatte er auch schwarze Pailletten am Rand bekommen. In dem Moment ist meine Mami mit meiner Tante gekommen. Sie meinten, es würde toll aussehen. Ich bin mit ihnen aus dem Zimmer gegangen und habe andere Leute getroffen. Beim Sitzen habe ich erzählt, dass die Pailletten nicht bequem wären. Ein Mann bemerkte, dass es komisch wäre, dass ich mich so leicht bekleide, schließlich hätten wir gerade Winter. Mir war aber nicht kalt.

Ich musste meinen Koffer packen und zurück nach Deutschland reisen. Meine Mutter und meine Tante warteten schon draußen im Garten neben dem Auto, um mich zum Flughafen zu begleiten. Ich wollte mich noch überall umschauen, um nichts liegen zu lassen oder zu vergessen. Ich habe den Deo und die Parfüm-Flasche auf dem Kühlschrank gesehen, habe mich aber daran erinnert, dass ich sie absichtlich hier lassen wollte, weil ich sonst Probleme beim Sicherheitscheck bekommen würde. Meine Schwester wollte sich noch von mir persönlich verabschieden[2].

Zurück in Deutschland. Ich war mit meiner Arbeitsgruppe beim Spazierengehen neben einem kleinen Fluß in der Stadt. Ich war wieder leicht bekleidet, zum Glück ohne Pailletten. Aus den Bäumen fielen kleine dünne Würmer an Seidenfäden entlang, und ich war damit beschäftigt, sie auszuweichen. Einige sind trotzdem auf meinem T-Shirt gelandet und ich habe versucht, sie herunter zu schütteln. Martin erzählte etwas von einem berühmten Treffpunkt in Berlin, wo Männer so gerne hingehen würden, weil die Chance dort groß wäre, eine amerikanische Freundin zu bekommen. Ich habe ihn gefragt, ob er es denn für so wichtig halten würde, dass seine Freundin aus Amerika kommt. Hinter uns hat Ronald gelacht und gesagt, Martin wäre mit einer Französin auch zufrieden.

[1] Den Rock besitze ich auch im realen Leben.

[2] Es kam mir selbst im Traum seltsam vor, da sie schon seit Jahren jegliche Kontakte abgebrochen hat.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.