Katze beruhigt

Sie hat aufgehört, ihren Schwanz anzugreifen. Es lag doch am Knoten in ihren Haaren. Ich habe gesehen, wie sie zuerst ihren Rücken angefaucht hat, bevor sie den Schwanz in den Pfoten genommen hat. Sie konnte wahrscheinlich die Ursache von der Störung nicht exakt lokalisieren.

Ich habe den Knoten endlich vollständig entfernen können. Sie hatte mir dabei letzte Woche die Hände total zerfetzt. Jetzt hat sie eingesehen, dass ich ihr nichts Böses tun wollte, und hat mir erlaubt, den Rest zu schneiden. Der Knoten war riesig. Sie hat nun eine große Fläche auf dem Rücken, wo die Haare ganz kurz sind und eine andere Farbe haben, weil sie nah an der Haut viel heller sind. Als ich fertig war, hat sie laut geschnurrt und viel geschmust. Ihr geht’s deutlich besser, und ich bin erleichtert, dass es vorbei ist. Unglaublich, was für Folgen eine inkompetente Katzenbetreuung haben kann.

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Katzenbetreuung

Als ich vom Urlaub zurück gekommen bin und meine Wohnung betreten habe, habe ich mich gleich um meine Mieze gekümmert, die von einer Katzensitterin aus meinem Viertel betreut wurde. Das war nicht so einfach, eine Betreuung zu finden. Für das verlängerte Wochenende bei meinen Eltern hatte ich schon danach gesucht. Bei meinen Suchen auf Google bin ich immer wieder auf die Agentur Mary Poppins gestolpert, die mir mit ihren auf Führungszeugnis geprüften Betreuern am meisten einen seriösen Eindruck gemacht hat. Auf ihrer Webseite verspricht sie

während der Arbeitszeit, während des Urlaubs oder einfach nur, wenn unerwartet Bedarf besteht […] einen liebevollen und zuverlässigen Katzensitter in Berlin – auch für eine spontane und kurzfristig Katzenbetreuung.

Interessant. Eine „spontane und kurzfristige Katzenbetreuung“ war genau das, was ich suchte. Ich habe am Freitag, eine Woche vor dem Wochenende, angerufen. Niemand ging dran. Am Montag konnte ich jemanden erreichen. Die Betreuung sollte ab dem Donnerstag statt finden. Die Frau wollte wissen, wo ich wohne. „Oh, so weit weg, ich werde bis Donnerstag niemanden finden können“, war ihre Reaktion auf meine Antwort. Enttäuscht. Ich wohne nicht in Mitte, aber immer noch in Zone B, und bin gut mit ÖPNV zu erreichen. Ich habe meinen Hausmeister nach Rat gefragt, und er hat mir eine Nachbarin empfohlen, die gerade Zeit hatte.

Ich wollte sie jetzt nicht so schnell wieder wegen Katzenbetreuung belästigen, selbst wenn sie sagte, sie hätte sich gerne um meine Mietze gekümmert. Das glaube ich, und meiner Katze ging’s sehr gut, als ich zurück gekommen war. Aber ich hätte den Eindruck gehabt zu übertreiben, obwohl sie sich damals über die leckeren mitgebrachten Spezialitäten aus meiner Gegend gefreut hat. Ich habe erneut nach Katzensittern in Berlin gegoogelt. Auf betreut.de konnte ich viele selbst angemeldete Betreuer finden, aber um Kontakt aufnehmen zu dürfen, musste man gleich eine Premium-Gebühr bezahlen. Ohne zu wissen, ob die kontaktierte Person antwortet, oder zuverlässig ist. Ich habe mein neu erstelltes Konto gleich wieder gelöscht.

„Versuch’s doch wieder bei Mary Poppins“, habe ich mir gedacht. Diesmal mit mehr Vorlaufzeit, zwei Wochen vor meiner geplanten Abreise. Von einer „spontaner“ Betreuung kann schon mal keine Rede mehr sein. Wieder niemanden am Telefon erreicht. Was treiben sie denn die ganze Zeit? Ich habe das Kontaktformular benutzt, um eine Email zu schicken. Am folgenden Montag, nachmittags, kam eine Antwort. Drin stand ein Angebot, mit einer Angabe über minimalen Tagessatz und dem Hinweis, dass ich die Person selber anstellen müsste, da die Agentur nur Ermittlungen macht. Ich sollte zurück antworten, ob das Angebot mir passt. Habe ich gemacht, mit einem unangenehmen Eindruck, da ich nicht genau weiß, wieviel ich am Ende wirklich bezahlen muss. Ich dachte, ich würde dann die Kontaktdaten der Person bekommen. Aber nein, die nächste Email, am nächsten Tag, enthielt eine Rechnung der Ermittlungsagentur (59,50€) und den Satz: „Nach Zahlungseingang werden wir Ihnen den Kontakt zur Betreuerin benennen. Diejenige nimmt mit Ihnen dann kurzfristig Kontakt auf, um sich mit Ihnen abzustimmen.“ Moment mal. Auf deren Webseite steht doch in der rechten Seite unter „Zufriedenheitsgarantie“, nicht zu übersehen:

Sie bezahlen unseren Service erst, wenn Sie mit der Vermittlung zufrieden sind.

Wie soll ich wissen, dass ich mit der Vermittlung zufrieden sein werde, wenn ich vorher bezahlen muss? Außerdem fand ich die Abreichung der Rechnung merkwürdig. Keine PDF-Datei im Anhang, sondern eine gescannte Kopie der Rechnung, im unsauberen JPG-Format. Unpraktisch, man kann BIC und IBAN nicht mit der Maus einfach kopieren und einfügen. Ich habe mit Martin diskutiert, ob ich wirklich bezahlen sollte, habe es am Ende gemacht. Nun, ich wusste nicht, wie lange die Überweisung dauern würde. Ich habe den Umsatzauskunft als PDF-Datei geschickt, mit der Bitte, möglichst schnell einen Kontakt mit der Betreuerin herzustellen, da das Datum für meine Abreise sich näherte. Zwei Tage vor meiner Abreise bekam ich eine Antwort, und am Abend rief mich die Betreuerin an. Also, die „spontane und kurzfristige Katzenbetreuung“ ist glatt gelogen. Sowie die „Zufriedenheitsgarantie“.

Wir haben uns für den kommenden Tag verabredet. Zum Glück hat sie gepasst. Musste sie ja. Ich hätte schlecht ablehnen können, da ich sonst in der knappen Zeit niemanden mehr hätte finden können (außer vielleicht die Nachbarin). Von ihrem Verhalten mit meiner Mieze her habe ich sofort gemerkt, dass sie viel mehr mit Hunden zu tun hat. Niemand streichelt eine Katze so unsanft auf dem Rücken. Vor allem eine mit langen Haaren. Ihr hat es auch nicht gefallen, und sie hat gleich die Pfote geschickt und gefaucht. Fast hätte sie gebissen. Ich habe zur Sicherheit der Katzenbetreuerin gezeigt, wo ich Verbandkasten und Desinfizierungsmittel habe.

Als ich vom Urlaub zurück gekommen bin, habe ich meine Mieze in die Arme nehmen wollen, wie immer, wenn ich nach Hause komme. Sie wirkte ein bisschen benommen, dass ich so lange weg war, und hat lieber am Boden bleiben wollen. Ich habe mit ihr geschmust. Auf ihrem Rücken habe ich sofort einen risiegen Knotenpaket gespürt. Mist. Das war lange nicht mehr passiert. Das muss ich jetzt entfernen, und es wird ewig dauern. Den Kamm kann ich vergessen. Ich darf sie schon im Normalfall kaum kämmen, nur wenn sie durch Leckerlies gerade abgelenkt ist. Ihre Haut ist sehr empfindlich. Die Knoten ziehen zusätzlich ständig dran, was eine Reizung für sie ist. Und das Kämmen funktioniert nur bei kleinen Knoten. Der ist jetzt so dick, dass nur noch die Schere hilft. Ich habe bei Fressnapf eine Effilierschere gefunden. Hoffentlich kann sie mir die Arbeit erleichtern.

Haare

Mein erstes graues Haar („weißes Haar“ auf Französisch) habe ich schon vor drei Jahren entdeckt. Ich war gerade Mitte Dreißig. Es war in einer vorderen Locke und vor dem Spiegel zwischen den ganzen dunkel braunen Haaren nicht zu übersehen, wenn ich nicht wie üblich einen Zopf mache. Meine Haare sind natürlich stark gelockt, aber das graue Haar war es nicht so sehr und hatte seine eigene Dynamik. Ich habe mir ebenfalls die üblichen Fragen gestellt: Warum merkte ich es erst auf einmal, warum war es auf der ganzen Länge grau und nicht nur ab einem bestimmten Punkt… Aber man hört immer wieder Geschichte von Leuten, die wegen Stress von heute auf morgen viele graue Haare bekommen. Seltsam. Natürlich habe ich es nicht rausgezupft. Stolz darauf, habe ich meine Kollegen darüber aufmerksam gemacht (und musste dabei meist suchen, wo das Haar sich gerade versteckte).

Es hat mich sehr gefreut, da ich mich lange darüber beschwert habe, viel jünger als mein Alter auszusehen (ich habe kaum Falten). Ich bilde mir ein, dass ich dadurch bei Vorstellungsgesprächen als Arbeitssuchende nicht richtig ernst genommen wurde. So viele graue Haare sind es leider noch nicht geworden. Meine Studenten, die offensichtlich nicht mal in der Lage waren, ihren Vorlesungsplan richtig zu lesen, haben mich noch lange für eine HiWi gehalten, und selbst vor kurzem hat mich eine neu kennengelernte Freundin von Martin gefragt, was ich denn studieren würde. Genau wie letzte Woche bei dem Kurs in England, als Doktoranden wissen wollten, wie lange ich noch bis zur Prüfung hätte. Sie sehen immer überrascht aus, wenn ich sage, dass ich sie schon seit elf Jahren hinter mir habe. Oder wenn ich mein Alter verrate, weil ich einfach nicht einsehe, dass ich es geheim halten sollte.

Weniger schön finde ich Gesichtshaare. Als Studentin hatte ich in einem Magazin gelesen, dass Südländerinnen zwar schön sind, aber ab dreißig den Bach runter gehen, mit starken dunklen Haaren auf Kinn und Oberlippen. Ich hatte gedacht, die Verfasserin des Artikels hätte bestimmt einen Minderheitskomplex und würde versuchen, sich dadurch besser zu fühlen. Jetzt, wo ich den Alter erreicht habe, merke ich, dass es einen Funken Wahrheit drin gibt. So extrem wie es in dem Artikel dargestellt war ist es nicht, aber es stört mich schon. Den ersten Haar auf dem Kinn habe ich wegen seiner übertriebenen Länge gemerkt. Die Farbe war sehr hell, und es fühlte sich stärker als die andere Haare an. Ich habe es rausgezupft, und es ist immer wieder zurück gekommen. Meine Mami wurde nach Ratschlägen gefragt und ich bin zur Kosmetikerin gegangen. Ein Fehler. Sie hat mir eine Haarentfernung mit Wachs gemacht und dadurch die ganz feine Haare auf dem Kinn gebrochen. Die Folgen: Pickel, weil der Wachs zu warm war, und plötzlich viele harte dunkle Haare. Es hat einige Besuche gedauert, bis ich beschlossen habe, nicht mehr hinzugehen. Jetzt zupfe ich sie Stück pro Stück mit der Pinzette. Es nimmt Zeit in Anspruch und muss immer wieder gemacht werden, aber sie werden langsam nicht mehr so deutlich und verlieren an Farbe und Härte. Vor allem jetzt, wo ich nicht mehr Single bin, muss ich extra aufpassen, dass mein Kinn sich ganz sanft anfühlt.