Glätte

Meine Wetter-App hatte mir erhöhte Temperaturen versprochen. Ich hatte mich darüber gefreut, weil es heißen würde, dass der Schnee endlich verschwinden würde. Auf dem Bahnsteig macht es mir keinen Spaß, wenn es Rutschgefahr gibt. Es macht mir eh nirgendwo Spaß.

Ich war nicht begeistert, als ich nachmittags im Büro aus dem Fenster schaute und die vielen Schneeflocken runten kommen sah. Der Weg, den ich morgens nutze, war wieder ganz weiß, nachdem er heute endlich frei vom Schnee geworden war. Aber es kam schlimmer, denn danach hatten wir einen leichten Regen. Und es hat nicht gereicht, um den gefallenen Schnee zu verschmelzen, nein. Als ich Feierabend gemacht habe, war der Schnee zu einem rutschigen Matsch geworden. Es hatte ja eine Glättewarnung für den Abend gegeben. In München selbst geht es noch, weil so viele Menschen unterwegs sind und alles zertrampelt hatten. Als ich aber zu Hause ankommen bin, war der Weg von der S-Bahn völlig glatt. Sowie der Bahnsteig. So sieht es meistens aus:

Schnee_SBahn

Vorbereitung scheint bei uns fehl am Platz zu sein. Weder vor dem Caritas-Haus noch bei uns wurde gestreut. Es war wie eine Eislaufbahn. Ich bin auf der Straße gegangen. Da fahren sowieso so wenige Autos, man läuft keine Gefahr, überfahren zu werden. Ich frage mich, ob ich morgen gut zur Arbeit ankommen kann. Ich sollte vielleicht später als sonst gehen.

Zum Glück habe ich ein klitzekleines bisschen mehr Sicherheitsgefühl auf Glätte bekommen, auch wenn ich immer noch fürchterlich schimpfe und es so gut es geht vermeide, mich darauf zu bewegen. Am letzten Wochenende hatte ich die glorreiche Idee, mit dem Ehemann auf dem Wank eine Schneewanderung zu machen. Mit dem Zug brauchen wir keine zwei Stunden dahin. In Garmisch-Patenkirchen angekommen, war kaum Schnee zu sehen. Uns wurde von einem Einheimischen in einem Lebensmittelladen versichert, dass man keine Schneeschuhe brauchen würde. Es stimmt, dass viele Leute uns zu Fuß überholt haben. Ich weiß nicht, wie sie es schaffen, so schnell unterwegs zu sein.  Als mir klar wurde, dass ich dem Verkäufer aus dem Dorf niemals hätte vertrauen schenken sollen, war es zu spät um umzukehren, da wir aufwärts gingen. Sonst hätte ich den glatten Weg runter gehen müssen, was noch schlimmer als erklimmen ist. Der liebe Ehemann hat mir sehr geduldig gezeigt, wie ich meine Füße setzen sollte, um einen besseren Stand auf Glätte zu bekommen. Man sollte auf der Außenkante oder Innenkante vom Fuß abrollen, je nach dem, ob man runter oder hoch geht, und es stimmt, man rutscht nicht mehr so viel! Es hat mir viel Überwindung und Nerven gekostet, aber wir haben es am Ende bis zur Mittelstation geschafft. Nur, weil ich meine Stöcke mitgenommen hatte. An manchen Stellen war es so glatt, dass ich mich nur noch über die Stöcke fest halten konnte. Meine Muskel haben geschrien, meine Füße haben weh getan, ich habe fast Krämpfe bekommen. Gut, dass wir danach Gondel fahren konnten. Mit richtigen Schneeschuhen hätten wir es bestimmt bis zur Spitze geschafft.

Wegen des Schneefalls hatten wir keine Aussicht. Mir ging es sowieso vor allem um Sport. Bei besserem Wetter werden wir auf jeden Fall zurück kommen. Die Gegend hat mir sehr gefallen. Das Frühstück im Café Berge war schon mal hervorragend. Ich habe dort das beste Müsli serviert bekommen, das ich je gegessen habe. Mit Amarant und Beeren. Das Dorf ist entzückend, auch wenn es auf mich viel zu religiös wirkt. Am Hotel der Drei Mohren kann man noch ganz politisch unkorrekt Zigeunerbratwurst bestellen, was wir nach dem tollen Frühstück nicht mehr probiert haben. Danach war ich zu sehr mit dem Gehen auf dem Schnee beschäftigt, um noch Fotos zu machen. Wir sind bei Tageslicht zurück zum Bahnhof gekommen und hatten insgesamt einen tollen Tag, von den Schwierigkeiten auf dem Schnee mal abgesehen.

 

 

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Heute mit Schnee

Ich bin froh dass es nicht halten wird.

Als ich gestern Abend, kurz vor zwölf, aus Berlin zurück kam, ging es noch. Ich hatte mir Sorgen gemacht, weil die Temperatur negativ war und meine App für den Sonntag Schnee vorgesehen hatte. Es gab Schnee, ja, aber der kurze Weg von der S-Bahn bis nach Hause war gut gefegt, mit der Ausnahme vom Bürgersteig vor dem Caritas-Haus. Dort scheinen sie sich nie darum zu kümmern.

An der S-Bahn scheint sich auch niemand dafür zuständig zu fühlen, den Bahnsteig und die Ausgänge wenigstens zu streuen, obwohl das Wetter nicht überraschend kam. Nachdem es über Nacht so viel geschneit hat, lag wieder eine dicke Schicht rum. Vor allem fahrlässig war es an den Treppen, die man benutzen muss, um zur anderen Seite des Banhofs zu gelangen. Es gibt nämlich keine Möglichkeit, zum Bahnsteig Richtung München zu gehen, wenn man keine Treppe benutzen kann. Was machen denn Rollstuhlfahrer und Leute mit Kinderwagen? Alternativ könnte man auch Bus fahren, aber die Haltestelle ist ebenfalls auf der anderen Seite vom Bahnhof. Also, ja, doch, es geht, man könnte ganz herum laufen, und würde zehn Minuten dafür brauchen, um zum Gleis auf der anderen Seite zu kommen.

Heute Morgen war es besonders schlimm, da der ganze Schnee auch auf den Stufen der Treppen lag. Schön glatt von der Schülerscharr breit getreten, die mir entgegen gekommen ist und durch die ich mir den Weg in die entgegengesetzte Richtung erkämpfen musste. Wir haben eine Schule in der Nähe. Ich muss mir merken, die Bahn um zwanzig vor acht in Zukunft zu vermeiden. Wenigstens hätten die Schüler als Dämpfung gedient, wäre ich tatsächlich die Treppe runter gerutscht.

Nachdem ich dann von der S-Bahn zur Bus-Haltestelle tapfer den ganzen Weg über den verschneiten Lidl-Parkplatz gegangen bin, durfte ich über vierzig Minuten auf der Stelle verharren, weil so lange kein Bus kam. Die MVV-Webseite zeigte meine Verbindung trotzdem ohne Verspätung an. Hätte ich es gewusst, wäre ich weiter mit der S-Bahn bis Pasing gefahren. Obwohl es mir nichts gebracht hätte, weil Tim, mein Zimmerkollege, der dort wohnt, heute Morgen fast genau so lange auf den Bus warten musste. Es war einfach überall Chaos. Ein anderer Kollege hatte beschlossen, mit dem Fahrrad zu kommen. Einige andere Leichtsinnige habe ich auch über den Schnee radeln gesehen. Mein Kollege hat es heute nicht zur Arbeit geschafft und musste den Umweg zum Krankenhaus machen.

Ich hatte mich auf jeden Fall über den ununterbrochenen Regen gefreut, der für heute vorausgesagt wurde. Der Schnee würde bestimmt schnell verschwinden. Nicht. Der Regen kam nicht so stark wie erhofft, und der Weg nach Hause war am Abend noch teilweise rutschig. Jetzt liegen viel Wasser und Schneereste auf den Straßen. Gut, dass es über Nacht um die 3°C wird und das alles nicht einfriert. Sonst müsste ich morgen Glättefrei nehmen.

Der Urlaub ist vorbei

Ich bin froh, wieder zu Hause zu sein. Schnee und ich passen nicht zusammen. Ich weiß, ich war schon mal in verschneiten Bergen. Es war damals nur für ein Wochenende. Und wir waren damals auch nur zu zweit, was viel entspannter als letzte Woche war. Denn wir waren mit einem Teil seiner Familie im gleichen Urlaubsort. Nicht in der gleichen Unterkunft, aber täglich zusammen. Und obwohl wir uns gut vertragen, es ist für mich nicht so schön wie wenn wir alleine zu zweit Urlaub machen. Ich bin nur dazu gekommen, weil der Ehemann so darauf bestanden hatte. Ich war noch nie dort. Er hätte von mir aus alleine mit seiner Familie die Woche dort verbringen können, wie er es sonst immer gemacht hat.

Das Hauptproblem war der Schnee. Sagen wir so, Gleitsportarten sind nicht meine Stärke. Wenn es in Berlin ein bisschen glatt ist, breche ich schon in Panik aus und bewege mich nur noch sehr langsam vorwärts, auch wenn ich Spikes trage. Ich nutze jede Gelegenheit aus, um mich an Gegenständen fest zu halten. Am besten ist es, wenn der Ehemann mir zur Seite steht und ich mich verkrampft an seinem Arm fest klammern kann. Wie die ganze Zeit letzte Woche. Während die Familie tagsüber die Zeit auf den Skiern verbracht hat, bin ich mit Schneeschuhen gewandert. Das Einzige, was mir im Schnee Spaß macht. Damit ist man am Boden fest verankert und läuft keine Gefahr, weg zu rutschen. Und wenn ich nicht am Wandern war, war ich im Spa zu finden. Das war toll. Fast so toll wie die Carolus Thermen in Aachen. Nur viel teurer.

Nicht nur mit Schnee habe ich Probleme. Sobald ich den Boden nicht fest unter meinen Füßen spüre, stehe ich (oder liege ich) völlig hilfslos da. Das fing schon in der Grundschule an, als wir in der zweiten Klasse im Sportunterricht Rollschuhe tragen mussten. Die Sorte mit zwei Rädern vorne und zwei Rädern hinten. Ich glaube, in der Vorstellung der Lehrerin war es so, dass man Kinder nur in Rollschuhe packen muss, und alles von selbst läuft. Kinder lernen schnell. Nicht bei mir. Ich habe die meiste Zeit damit verbracht, auf dem Po zu fallen, oder gegen die Wand am Ende vom Hof zu klatschen, bis sie eingesehen hat, dass es bei mir keinen Zweck hat. Ich durfte danach nur noch bei den anderen Schülern zu gucken, obwohl ich mich an frustrierende Übungsversuche im Garten zu Hause erinnern kann. Einige Jahre später hatte eine Freundin ein Skateboard bekommen, weil es so cool war, und es hatte keine Sekunde gedauert, bis ich schmerzhaft auf dem Steißbein gefallen war. Inline-Skates habe ich gar nicht ausprobiert. Ski fahren habe ich nie lernen wollen, obwohl ein zweiwöchiger Aufenthalt in den Alpen zu diesem Zweck ebenfalls in der Grundschule geplant war. Ich habe stattdessen die zwei Wochen in einem anderen Klassenzimmer ausgesessen. Im Gymnasium hatten wir einen Tag in der Eishalle in Nizza verbracht, und es ging, so lange ich mich am Rand festhalten konnte. Versuche auf der Mitte der Eisfläche sind auf dem Hinten abgebrochen worden, wobei ich das Pulli von einem guten Freund ziemlich gezerrt habe. Es ist ein Wunder, dass ich Fahrrad fahren kann. Vielleicht hilft, dass ich dabei die Arme auf dem Lenker benutzen kann, um die Balance zu halten.

Ich bin also froh, wieder in Berlin zu sein. Nicht nur wegen des Schnees. Im Urlaub war alles teurer. Berlin ist fürs essen gehen schon ziemlich günstig in Deutschland, ich habe schlimmeres gesehen. Frankreich ist teurer, und so ein erhobenes Skiressort in den Alpen umso mehr. Für eine Portion Pommes kann man locker 10€ ausgeben. Knapp 20€ für ein Teller Spaghetti Carbonara. Und ich habe noch nicht die Flasche Champagne à 9500€ erwähnt, die von Russen an Nachbartischen tatsächlich bestellt wurde. Bescheuert. Natürlich musste ich viele Sachen essen, die ich in Berlin nicht täglich sehe. Bavette à l’échalote (ich durfte während der Schwangerschaft gar kein blutiges Fleisch genießen, was ich doch so liebe), magrets de canard à la framboise (Entenbrust mit Himbeersauce)… Alles sehr lecker, das hat sich gelohnt. Wir haben viel ausgegeben, und ich habe es noch nicht gewagt, mich auf der Waage zu stellen. Ich fürchte, ich könnte über die 70 Kilogramme zurück gekommen sein.

Kalter Montag

Die Glätte hat mich völlig überrascht. Ich hatte die Wettervorschau nicht beachtet. Es gab am Wochenende Besseres zu tun.

Am Samstag habe ich es doch nicht geschafft, zum Sport zu gehen. Ich habe mich um meine Wohnung gekümmert. Mir ist aufgefallen, dass Brüderchen schon am kommenden Wochenende mit seiner Freundin zu Besuch kommt, und ich wollte den Wohnzimmerbereich bequemer gestalten. Ich bin noch nicht fertig. Am frühen Abend habe ich die Katze reichlich versorgt und mich fürs Wochenende auf dem Weg zu Martin gemacht. Über eine Stunde Fahrt mit ÖPNV. Als wir uns umarmt haben, ist mein Stress von Freitag auf einmal verschwunden. Wir sind noch essen gegangen, bevor wir uns im Schlafzimmer vergnügt haben. Er fühlte sich trotz OP ziemlich gut. Da ich ihn schonen wollte, habe ich beschlossen, in die Reitstellung zu gehen. Und muss heute peinlich feststellen, dass ich unbedingt meinen Trainingplan ändern muss. Solche Muskelkater hatte ich lange nicht mehr gehabt. Aber seiner Reaktion nach zu beurteilen, hat es sich sehr gelohnt. Wir haben auch schon Urlaubspläne für den Sommer diskutiert. Wenn das nicht ernst ist.

Nach einer erholsamen Nacht bei mir habe ich mich heute Morgen kurz nach acht auf dem Weg zur Arbeit gemacht. Normalerweise brauche ich zu Fuß eine Viertelstunde bis zur Haltestelle. Nicht so heute. Die Hälfte meiner Strecke ist bis zur Hauptstraße des Viertels mit Kopfsteinpflastern bedeckt — sowohl Bürgersteig als auch Straße. Mit der Glätte von heute Morgen war es der reine Horror. Aus dem Kiez raus war es kaum besser, da es noch nirgendwo bestreut wurde und ich über eine Brücke gehen musste. Kurz davor stand ich still und überlegte, wie ich weiter gehen sollte, als der Wind plötzlich stark wehte und mich fast zum Fall gebracht hätte. Als ich endlich heil die Haltestelle erreichte, war es schon 08:45. Der Weg von der Straßenbahn bis zu meinem Gebäude war genau so mühsam langsam. Und ich hatte meine Winterschuhen an. Ich muss mir unbedingt Spikes besorgen.

Die Arbeit verlief heute super. Mein IT-Kollege hat eine Beschreibung gefunden, wie man PyQt4 auf Maverick installieren kann. Ich habe sie gleich auf Uschi’s Mac ausprobiert und war begeistert, als es endlich lief. Man musste nur homebrew installieren, und danach brew install qt, brew install sip, brew install pyqt. Einfacher geht’s nicht. Qwt5 musste noch her, dann ist alles reibungslos gelaufen. Was für eine Erleichterung. Damit konnte ich bei unserer Besprechung positive Ergebnisse zeigen. Das Problem mit openSUSE scheint doch nicht so wichtig zu sein. Ich kann mich jetzt darauf konzentrieren, das Programm zu veröffentlichen. Wir hatten letzte Woche schon die Arbeitseinteilung bei den Geräten für diese Woche diskutiert, aber Uschi meinte, es könnte sein, dass jemand für Martin einspringen sollte, falls er noch nicht zurück kommt — wahrscheinlich er oder Winfried. Dabei hat er mich die ganze Zeit angeschaut. Ich werde das Gefühl nicht los, dass er schon Bescheid weiß. Wie auch immer.

Wir haben mit Martin noch nicht darüber diskutiert, ob wir uns als Paar outen oder nicht. Ich finde die Situation unangenehm. Es wäre mir lieber, nichts zu verheimlichen. Meine Kollegin Mieke hat mich heute erneut mit Fragen gebohrt. Und ich bekomme wieder das Gefühl, dass sie sich ihn vielleicht schnappen wollte. Dabei hat sie am Mittwoch darüber gelacht, ob wir denn „schon wieder“ ein Date hätten, als ich offensichtlich nach meiner Präsentation auf ihn wartete, um zusammen Feierabend zu machen. Martin hatte einfach ja geantwortet. Heute fragte sie mich, ob jemand etwas wüsste, wie es ihm nach der OP ging. Mit „jemand“ meinte sie mich. Da wir zu zweit waren, habe ich ihr kurz erzählt, dass er wahrscheinlich die ganze Woche noch abwesend wäre und heute zurück zum Arzt musste. Sie hat mich scherzend gefragt, ob ich ihn besucht hätte, was ich lächelnd bejaht habe. Ich habe gemerkt, dass es ihr danach nicht mehr gelungen ist, ganz locker zu wirken. Es kann sein, dass ich völlig falsch liege, aber mein Bauchgefühl sagt mir das Gegenteil. Sie erinnert mich an Hülya, und wie sie mir einmal erzählt hatte, sie wäre dumm genug gewesen, um Olivier in die Arme einer anderen Frau gesteckt zu haben, weil sie ihm gesagt hatte, die Frau möchte mit ihm Sex haben — sie wollte dadurch nur seine Reaktion prüfen, aber er hat sich tatsächlich darüber gefreut und ist zur anderen Frau gegangen. Ich denke manchmal, Mieke verhält sich mit Martin genau so.

Der Weg nach Hause sah heute Abend genau so schlimm wie am Morgen aus. Ich habe kurz eingekauft und ein Taxi bestellt. Das werde ich morgen auch machen, weil ich so früh bei der Arbeit sein muss. Danach schaue ich, ob ich Spikes kaufen kann. Es soll diese Woche nur noch kälter werden.