Radiologie-Termin am Montag

Ich freue mich so drauf. Am Montag wird mein Ellbogen wieder geröntgt, und dafür muss der Gips weg. Au ja!

Seit vier Tagen trage ich den schon. Gestern hat der Arm angefangen, richtig anfällig für Juckreiz zu werden. Zum Glück haben sich die zwei Mückenstiche auf dem Arm nicht mehr gemeldet. Ich glaube, die Nesselsucht schon. Meine Finger werden dick und taub. Ich denke daran, sie ab und zu zu bewegen. Die Hygiene leidet. Keine Dusche ist möglich, der Gips soll trocken bleiben. Ich kann mich nur mit dem Lappen waschen. Egal, wie häufig und gründlich ich das tue, habe ich immer den Geruch von Schweiß in der Nase. Haare waschen geht erst recht nicht. Sowie Haare binden. Mich umziehen kann ich nicht alleine. Und das war bis gestern Abend blöd, weil der Ehemann die letzten zwei Tage schon wieder auf Dienstreise war.

Vorgestern war ich bei meinem Hausarzt. Wegen der Krankschreibung, aber auch um zu wissen, wo ich die neue Untersuchung machen lasse. Eine Überweisung für die Radiologiepraxis wollte er mir vorbereiten. Zuerst die Krankschreibung. Dabei hat er meinen Namen laut gesagt, und es stimmte gar nicht. Die Sekretärin hatte ihm meine Mappe nicht gebracht, und er hatte in der Mappe der vorherigen Patientin, die noch auf seinem Schreibtisch lag, alles geschrieben. Das hat ihn sauer gemacht. Die Sekretärin ist als Urlaubsvertretung für die übliche junge Frau da, und ist anscheinend mit ihren Aufgaben überfordert. Es war mir vorher im Warteraum aufgefallen, wie der Arzt nach jedem Patienten mit ihr gestritten hatte und sie mit lauten Gegenvorwürfen geantwortet hatte. Bei mir hatte es schon ewig gedauert, bis sie meine Karte genommen hatte, als ich die Praxis betreten hatte. Nicht, weil sie viel zu tun hatte, sondern weil sie sich sehr viel Zeit genommen hatte. Ich habe gedacht, sie lernt noch. Mit Gips um den Arm und schmerzendem Knöchel war ich selber irritiert, dass sie mich so lange stehen lassen hat. Ich kann den Ärger vom Arzt verstehen, es ist ziemlich blöd, Zeit für die Patienten über Sachen zu verschwenden, die sonst immer glatt laufen. Er hat alles in meiner Mappe neu geschrieben und meine Krankschreibung fertig gemacht. Die habe ich gleich per Post zu meinem Arbeitgeber geschickt.

Gestern habe ich während der Öffnungszeit der Radiologiepraxis für eine Terminvereinbarung angerufen. Die Frau am Telefon wollte irgendwas aus meiner Überweisung wissen. Überweisung? Stimmt, ich hatte am Ende gar keine bekommen! Ich habe gesagt, ich rufe nochmal an. Da mein Hausarzt keine Internetseite hat, habe ich seine Öffnungszeiten gegoogelt und auf Jameda gefunden. Um vier Uhr nachmittags stand ich unten vor seiner Tür, wie fünf andere Personen. Ich war nicht begeistert, nochmal hin gehen zu müssen, da ich in der Abwesenheit vom Ehemann die Kleider vom Vortag noch an hatte, in denen ich geschlafen hatte. Meine Haare waren eine echte Katastrophe. In meiner Vorstellung hätte ich den ganzen Tag zu Hause verbracht. Tja. Die Praxis war für den Rest des Tages geschlossen, das Schild an der Tür kündigte andere Öffnungszeiten als Jameda an. Wir sind alle weg gegangen.

Was nun? Ich war von meinem letzten Besuch bei der Orthopädiepraxis so genervt, dass ich inzwischen beschlossen hatte, nie wieder hin zu gehen. Aber es war ein Notfall. Ich habe bei der Praxis angerufen, da sie noch auf hatte. Ich hätte es mir sparen können. Die Sekretärin meinte, ich würde keine Überweisung für die Radiologie bekommen und sollte zu meinem Hausarzt gehen. Ob es an meinem französischen Akzent liegt? Ich bin nur dort Patientin geworden, weil der Ehemann es mir empfohlen hatte. „Ein Freund von einem Freund“ arbeitet dort als Arzt. Den habe ich nie zu Gesicht bekommen. Der Ehemann ist jetzt richtig entsetzt, da er mitbekommt, was ich für Erfahrungen dort mache. Er selber wird in der Praxis ganz anders behandelt, und er ist nicht mal Privatpatient.

Heute Morgen bin ich wieder zum Hausarzt gegangen. Ich habe nur mit der Ersatz-Sekretärin geredet und ihr gesagt, dass ich die Überweisung zur Radiologie vermisse. Sie hat überrascht geguckt und sie dann gedruckt. Sie hat sie am Mittwoch wahrscheinlich übersehen. Die Überweisung trägt jetzt das heutige Datum. Zu Hause angekommen, habe ich also nochmal bei der Radiologie angerufen. Eine andere Frau als gestern war dran, die mir den Termin für Montag gemacht hat. Keine Rede von einer Überweisung. Der ganze Stress war umsonst.

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Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen

Bis Montag war ich mit dem Mini-Urlaub zufrieden. Wir haben Museen besucht. Das Dalí-Museum in Figueres, aber auch das Schloss von Púbol, wo Gala Dalí gelebt hatte und begraben wurde. Wir sind am frühen Sonntagmorgen zum Castell de Montgrí gewandert, was wegen des Zustandes vom Weg recht anstrengend war. Vor allem, um wieder runter zu kommen. Die starke Tramontane, die seit Freitag wehte, hat wenigstens dafür gesorgt, dass es uns nicht zu heiß wurde. Wir sind ein paar Male am Strand gewesen. Im Meer zu schwimmen war toll. In der Sonne haben wir nur wenig gelegen. Zum weiteren Abnehmen haben unsere Aktivitäten nicht gereicht, da es auch reichlich leckere Tapas gab. Ich habe uns eine Caponata gekocht, als Dankeschön für unsere Freundin, die uns so großzügig empfangen hat. Meinem Mann zuliebe habe ich die Sellerienstangen durch eine grüne Paprika ersetzt.

Ich bin in der kurzen Zeit von Mücken gefressen worden. Es ist noch schlimmer als bei der Dorffeier. Trotz Autan habe ich dreiunddreißig Stiche erst auf den Beinen gezählt. Nur wenige haben eine allergische Reaktion verursacht. Ich bin übrigens nicht sicher, dass alle Stiche von Mücken kommen. Auf der hinteren Seite vom linken Oberschenkel hatte der Ehemann am Freitag berichtet, dass in einem Bereich so groß wie seine Handfläche acht rote Punkte vorhanden waren (er war dabei, einen Stich auf einer Pobacke zu behandeln). Es waren nur Punkte, und sie hatten gar nicht gejuckt. Am nächsten Tag doch. Alle Punkte sind wie Mückenstiche geschwollen. Mücken stechen aber nicht so häufig auf einmal in einer so kleinen Hautgegend. Einige Stiche überlappen sich sogar. Zum Glück hatten wir Fenistil und den Stichbrenner dabei. Die Stiche mussten zweimal am Tag behandelt werden, aber zwischendurch hatte ich Ruhe. Und ehrlich gesagt, verglichen mit den Ereignissen vom Wochenende, erschien es mir lächerlich, mich zu sehr über „ein paar“ Stiche zu beschweren.

Ich lächelte und war also froh, und es kam tatsächlich schlimmer. Wir sind am Montagabend vom Strand zurück gekommen. Wir wollten noch kurz duschen und mit unserer Freundin für den letzten Abend essen gehen. Dazu ist es nicht gekommen.

Es gibt im Garten eine kleine Treppe. Die Stufen bestehen aus breiten unebenen Steinen, sowie der Weg davor. Ich ging als letzte die Treppe hoch, und ich bin auf der zweiten Stufe gerutscht und rückwärts auf dem Weg gefallen. Es gab nichts, wo ich mich hätte festhalten können. Ich konnte nur warten, bis ich am Boden geprallt bin. Es kam mir sehr lang vor, wie beim Fahrradunfall. Dabei konnten mich mein Mann und unsere Freundin nur entsetzt schauen, weil es so schnell ging, dass sie nichts machen konnten. Mein linker Fuß hat sich beim Fall völlig verdreht, und ich habe einen Riss am Radiusköpfchen vom linken Unterarm bekommen.

Ein großes Glück war, dass ich meine Tasche und den Stoffbeutel mit den Handtüchern vom Strand in der linken Hand trug. Beim Fallen sind beide hinter meinen Rücken gekommen und haben den Fall am Gesäß und am Rücken völlig gedämpft. Gleichzeitig kann es sein, dass sie die Verletzung am Arm verursacht haben, da ich mich sonst nicht daran erinnern kann, mich mit der Hand am Boden gefangen zu haben. Ein zweites großes Glück war, dass ich mein Haargummi am Tag davor verloren hatte. Ich hätte mir sonst einen Pferdeschwanz gemacht. Stattdessen hatte ich meine lange Haare zu einem lockeren Knoten gebunden und diesen mit einer flachen Spange oben am Kopf festgehalten. Das war gut, weil mein Kopf zweimal am Boden geknallt ist und vom Knoten geschützt wurde. Mein Schädel ist noch heil. Es fühlt sich alles normal an. Kein Schwindelgefühl. Mit einem Pferdeschwanz hätte es wesentlich schlimmer ausgehen können.

Wir haben den Abend in der Notaufnahme von einem Krankenhaus in der nächsten Stadt verbracht. Der Riss im Radiusköpchen ist röntgenographisch nachgewiesen worden. Der Knöchel ist nicht gebrochen und braucht nur ein paar Tage Ruhe. Der Fuß ist ganz dick geworden und hat sich dunkel gefärbt. Ich habe Gips um die Außenseite vom Arm bekommen, weil es so schmerzhaft war, wenn der Arm gedreht wurde. Ich kann ihn gar nicht mehr strecken. Der Unterarm ist nicht vollständig mit Gips gehüllt, und es ist gut, weil ich sonst gestern nicht zurück nach Deutschland hätte fliegen dürfen. Irgendwas mit Druck und Schwellung vom Arm. Es ist so trotz Halterung um den Nacken recht schwer zu tragen. Mit der ungewohnten Haltung tut mein Rücken weh. Der Oberarm auch. Oh, und der Ellbogen natürlich. Dagegen habe ich Ibuprofen bekommen. Ich frage mich manchmal, ob der Gips nicht mehr Schmerzen verursacht als er verhindert. Ich habe heute meinen Arzt besucht und er hat mich bis zum Ende nächster Woche krank geschrieben. Am Montag soll mein Arm befreit werden, um eine neue Röntgenaufnahme zu machen. Ich freue mich so drauf.

Eigentlich hatte ich vor gehabt, gestern nachmittags meinen Arzt zu besuchen. Wir hätten um drei in Tegel landen sollen und seine Praxis geht nachmittags um vier auf. Warum es nicht geklappt hat, ist eine sehr blöde Geschichte. Wir hatten unsere Flüge über Lufthansa gebucht. Hinflug über München, Rückflug direkt mit der Tochtergesellschaft Germanwings (obwohl sie seit einem guten halben Jahr Eurowings heißt). Als wir gestern zum Flughafen in Barcelona ankamen, hieß es, wir wären nicht auf der Passagierliste. Lange Anrufe bei der Lufthansa, die noch häufig einfach mitten drin abgebrochen wurden, haben uns am Ende gelehrt, dass Germanwings die Bezahlung von Lufthansa aus welchem Grund auch immer nicht akzeptiert hatte, uns das Geld zurück überwiesen und die Reservierung storniert hatte. Ohne uns in Kenntnis gesetzt zu haben. Der Flug war inzwischen voll gebucht und es täte der Frau am Schalter von Germanwings sehr Leid, aber wir müssten neue Karten kaufen. Der Ehemann hat es beim rumtelefonieren geschafft, dass die Lufthansa uns als Entschädigung kostenlos auf eine Strecke über München bucht. Spät abends. Wir wären kurz vor Mitternacht angekommen, weil es vorher nicht ginge, alle Flüge wären ausgebucht. Die versprochene Bestätigungsemail für die Umbuchung ist nie angekommen. Irgendwann hat er am Schalter von Lufthansa gefragt, ob wir uns trotzdem einchecken könnten. Kein Problem, meinte die Frau, wir wären in der Passagierliste, aber wollen wir nicht früher fliegen? Klar, meinte er. Es ging doch problemlos.

Zwischendurch gab es mehr Ärger mit meinem Arm. Zum Beispiel, weil ich nach der Sicherheitskontrolle in Barcelona gedacht hatte, es wäre besser, mit dem Aufzug statt mit der Rolltreppe runter zu gehen. Leider ist die automatische Tür vom Aufzug viel zu schnell wieder zu gegangen. Ich war noch am reingehen, als sie mit Schwung gegen meinen eingegipsten Arm geknallt hat. Ich dachte naiv, es gäbe doch optische Sensoren im unteren Bereich der Tür, die so was verhindern würden. Habe ich heulen müssen.

Im Flug nach München saß ich direkt vor dem Notausgang. Hinter mir waren die Sitzplätze mit mehr Beinfreiheit. Trotzdem musste die junge Frau hinter mir, die so groß gar nicht war, die Beine so weit strecken, dass ihr Fuß auf meiner Armlehne den Ellbogen berührt hat. Abgesehen davon, dass es völlig unverschämt ist, sich mit seinen Sitznachbarn derart zu verhalten, ging es mit meinem Arm überhaupt nicht. Da sie auf meine Bitte, ihren Fuß weg zu nehmen, gar nicht reagiert hat, habe ich ihn mit der anderen Hand weg geschubst. Sie ist dann völlig hysterisch geworden, weil ich sie beim Schlafen „geschlagen hätte“, und hat gegen meinen Sessel getrommelt. Der Ehemann hat sich schnell eingemischt und sie fertig gemacht, da er sich besser umdrehen konnte als ich, bis die Zicke wutschäumend zu einem anderen Sitzplatz gewechselt ist. Tête à claques.

Um acht Uhr abends waren wir in Berlin. Zu spät für meinen Arzt.