Geburtstagsfeier

Wir waren gestern Abend auf der Geburtstagsfeier von Sonia. Sie ist gerade fünfzig geworden.

Sie hat in ihrer Wohnung gefeiert. Es gab dort viele Leute, die wir gar nicht kannten. Wir sind ein bisschen später als geplant angekommen. Auf dem Weg zu ihr haben wir am Krankenhaus gehalten, weil der Schwiegervater dort gerade liegt (er hat sich direkt nach unserer Rückkehr aus der Hochzeitsreise zu Hause bei einem Fall den Arm gebrochen). Als wir bei Sonia angekommen sind, hatten die Leute kleine Gruppen gebildet und sich kaum mit den Anderen unterhalten — wie es halt häufig so läuft. Wir haben gemeinsame Freunde gefunden, die auch bei unserer Hochzeit anwesend waren, und haben den Abend mit ihnen verbracht.

Auffällig war, wie viele von den Gästen geraucht haben. Sonia ist selber Raucherin. Sie sind alle ganz nett zum Balkon gegangen, aber gebracht hat es nichts, da die Tür zum Wohnzimmer breit geöffnet war und das Fenster in der Küche auf der anderen Seite der Wohnung gekippt war. Sie mussten noch alle als Pack gleichzeitig raus, und der Balkon ist so klein, dass sie teilweise doch im Wohnzimmer stehen mussten. Im Nullkommanichts war die Bude völlig verraucht. Es war für mich unerträglich. Letztes Jahr waren wir auch bei ihr, vermutlich mit den gleichen unbekannten Leuten, aber ich kann mich nicht erinnern, dass es so schlimm war. Sie hatten damals die Tür zum Balkon hinter sich geschlossen. Vielleicht waren auch weniger Raucher dabei.

Nach Zweieinhalbstunden sind wir zurück nach Hause gefahren. Ein unserer Freund — Martins Trauzeuge — war mit dem Auto unterwegs und hat sich „früh“ (gegen Mitternacht) verabschiedet. Da er bei uns in der Nähe wohnt, hat er uns mitgenommen. Sonst hätte ich ein Taxi bestellt. Die Fahrt auf der Autobahn fand ich schlimm. Samstagabends sollte man sie anscheinend vermeiden. Unglaublich, wie viele Raser unterwegs waren, die direkt vor uns Vollbremse machen mussten, weil andere Fahrer sich an das Tempolimit (80 kmh) halten.

Kaum hatten wir die Wohnungstür zu gemacht, habe ich mich ausgezogen. Kleider in die Waschmaschine gesteckt, geduscht, Haare gewaschen. Sonst hätte mich der Gestank die ganze Nacht gestört. Ich bin heute Morgen früh aufgewacht. Der einzige Zeichen von der Feier ist ein leichtes Schnupfen. Meine Nase ist vom ganzen Rauch noch gereizt. Martin hat länger geschlafen und ist mit einem leichten Kater aufgestanden.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Döner-Box

Wir sind heute spät bei der Arbeit geblieben. Ich wollte schon früher Feierabend gemacht haben. Martin musste auf etwas warten, und ich kann mich immer beschäftigen. Jetzt schreibt Programm #1 seine versteckte Logdatei, auf die ich endlich zugreifen kann, wenn es mal wieder hängen bleibt.

Gegen 19:00 haben wir das Gebäude verlassen. Ich hatte Hunger und Lust auf eine Döner-Box. Das letzte Mal ist ewig lange her. Wir sind zu meinem ehemaligen Viertel gefahren. Dort ist ein Imbiss, wo ich immer gerne war. Sie machten mit Abstand das beste Döner in der Gegend. Es war ein Umweg, aber ich habe mich gefreut, wieder dahin zu gehen. Wir haben einen Parkplatz in der Nähe gefunden. Es war kalt draußen. Ich habe vorgeschlagen, dort zu essen, statt etwas zu mitnehmen, weil es bestimmt nicht so lange warm bleiben würde.

Im Lokal war fast niemand. Ein Mann stand hinter der Theke, ein Mitarbeiter, den ich schon häufiger gesehen hatte. Ein anderer Mann, ein Kunde, saß am Tresen, im hinteren Teil des Lokals. Martin hatte schon unsere Bestellung angegeben, als ich hinter ihm herein kam. Ich habe es gleich bereut, aber es war zu spät. Der Gestank von Zigaretten war umwerfend. Ich habe nicht mal eine Minute drin gestanden und beschlossen, draußen in der Kälte zu warten. Seit wann wird denn in dem Lokal geraucht? Ich war vor meinem Umzug so häufig dort und hatte nie etwas davon gemerkt. Heute, obwohl ich so kurz drin war, habe ich mich draußen von meinem Schal angeekelt gefühlt, weil er schon so stark gestunken hat.

Wir haben im Auto gegessen. Ich hatte schon keine Lust mehr dazu. Wer weiß, was vom Zigarettenrauch auf die herumliegenden Lebensmitteln kommt. Der Hunger hat gesiegt, aber ich werde nie wieder dorthin zurück gehen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Sonnabend

Heute ist Sonnabend. Ich habe es auf dem Fahrplan gesehen, als ich nach dem Sport auf die Tram wartete. Da waren Fahrpläne für Montag bis Donnerstag, für Freitag, für Sonnabend, und für Sonntag und Feiertage. Ich habe mehrmals in den Spalten nach Samstag gesucht, bis ich verstanden habe, dass es unter Sonnabend zu finden war. Wikipedia hat es mir gerade bestätigt. Laut Plan sollte drei Minuten später eine Tram ankommen. Sie musste aber schon früher abgefahren sein, weil ich die Nächste genommen habe. Ein Glück, dass es nicht so kalt war. Ich habe festgestellt, dass die Leute in der Tram am frühen Samstagabend gut riechen. Warum schaffen sie das unter der Woche nicht? Wenn ich nach der Arbeit mit der Tram nach Hause fahre (nicht häufig, ich bin noch lieber mit Fahrrad unterwegs), sind meistens Menschen da, die stark nach Salami, Tabak oder Bier stinken, oder auch muffige Mäntel tragen. Wenn sie Hundebesitzer sind, wird es für mich an naßen Tagen unerträglich. Ich bin schon mal deswegen früher ausgestiegen und habe den Rest der Strecke zu Fuß gemacht, weil ich es satt war, meinen parfümierten Schal die ganze Zeit vor der Nase zu halten.

Ich war heute beim Sport, statt wie üblich am Sonntag, weil ich morgen vor habe, ein Museum zu besuchen. Ich habe am Dienstag kurz mit meinem Ex-Chef telefoniert, und er hat mich gefragt, was ich bis jetzt in Berlin besucht habe. Als ich ihm in Juni gesagt hatte, dass ich eine neue Stelle hier gefunden hatte, war er begeistert. Er liebt diese Stadt, weil es so viele Museen gibt. Ich musste zugeben, dass ich kulturell noch nicht so viel unternommen habe. Ich war letzte Woche mit dem Fahrrad am Deutschen Historischen Museum vorbei gefahren und wäre gerne spontan rein gegangen, aber es war schon drei Uhr nachmittags, und da ich noch anderthalb Stunden nach Hause brauchte und nicht gerne nachts Fahrrad fahre, habe ich es sein lassen. Für morgen habe ich mir die Dalí-Austellung am Potsdamer Platz ausgesucht. Ich habe schon lange den Traum, sein Museum in Figueres zu besuchen. Vielleicht im Sommer.

Ich merke, wie ich mit dem Gedanke spiele, nach dem Museumbesuch Martin “ganz spontan” anzurufen, um gemeinsam einen Glühwein trinken zu gehen. Ich frage mich, ob ich das machen soll. Ich glaube nicht, dass es ein Rückfall ist. Mir sind schon die Schuppen vor den Augen gefallen. Aber es wäre nicht schlecht, ihn ab und zu außerhalb der Arbeit zu treffen. Er hat mir so viel zu Hause geholfen, ich will nicht, dass er denkt, dass ich gar nichts mehr mit ihm zu tun haben will, jetzt, wo ich keine Hilfe mehr brauche. Und nett ist er, er ist nur nicht als Liebespartner für mich geeignet. Die Wahrscheinlichkeit ist eh sehr groß, dass er ablehnt, weil er Sonntags immer mit seinem Vater etwas unternimmt. Ich gehe kein großes Risiko ein. Ich könnte Mieke fragen, die auch in der Gegend wohnt. Ich habe den Eindruck, dass es ihr zur Zeit nicht so gut geht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Längeres Wochenende

Dadurch, dass ich am Freitag mit einem früheren Zug gefahren bin und einen Liegeplatz im Nachtzug für die Nacht von Sonntag auf Montag reservieren konnte, konnte ich am Wochenende viel mehr machen als bei den letzten zwei.

Die Fahrt am Freitag ging schnell. Weil ich so müde war, dass ich fast nur geschlafen habe. Blöd nur, dass ich meine Wachskugel nicht mehr finden konnte. Wie sich später herausgestellt hat, waren sie ganz unten in meinem Rucksack statt in meiner Handtasche. Das Paar neben mir war ganz schön laut am Anfang. Einschlafen im Zug ist manchmal interessant. Man baut die verschiedenen Gespräche deformiert in den Halluzinationen vor dem Schlaf ein, es kann sehr irre werden. Ich hatte am Tisch reserviert, wie immer. Ich verstehe nicht, warum nicht mehr Leute bei einer so überlasteten Verbindung einen Sitzplatz reservieren. Am Ostbahnhof geht es, da steigen ganz wenige Leute ein. Am Hauptbahnhof wird es plötzlich extrem hektisch, mit genervten Leuten, die sich immer beschweren, dass es so voll ist… Dabei ist die S-Bahn-Fahrt bis zum Ostbahnhof gar nicht so lang. Vielleicht denken die meisten Leute gar nicht daran, von einer Haltestelle aus früher zu starten; die Suche nach einem freien Platz wäre viel entspannter.

Ich möchte sonst noch meinen potentiellen Mitfahrern etwas für mich Wichtiges mitteilen, dass ich so häufig erlebt habe: Wenn ihr für die lange Reise etwas zum Essen packt, ist es ganz vernünftig. Aber muss es unbedingt Brot mit der billigen deutschen Salamisorte sein, die so fürchterlich im ganzen Wagen stinkt, oder mit Leberpastete? Was für ein Spaß, wenn die Dose mit dem Brot nach einigen Stunden Hitze geöffnet wird! Frischkäse tät’s genau so gut und wäre dabei nicht so fett. Dagegen riecht die italienische Salami sehr angenehm, sie liegt Welten von der deutschen entfernt. Allerdings gilt’s auch für Kollegen die im Büro essen (den Fall habe ich zum Glück bei meiner neuen Arbeit nicht gehabt, wir essen in der Mensa).

Am Freitagabend bin ich vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause gekommen. Meine Katze hat mir wieder Vorwürfe für die lange Abwesenheit gemacht. Meine Vermieterin meinte, sie hätte sich diese Woche schlecht gelaunt verhalten, als sie kam, um sie zu füttern. Es kann aber auch an der Hitze liegen, bei Außentemperaturen über 30°C liegt sie am Boden und meckert. Wir wohnen unter dem Dach. Das ist ein anderer Grund, warum ich die Dachwohnung mit der so hohen Maklerprovision lieber nicht nehmen möchte. Zur Not ist sie besser als nichts. Bei der schönen Erdgeschosswohnung habe ich noch nichts gehört, und die Frau wollte mir am Ende letzter Woche Bescheid gesagt haben. Es gab plötzlich einen anderen Kandidaten, als ich am Mittwoch angerufen habe. Am Montag sagte sie noch, ich würde den Zuschlag bekommen (was auch immer das bedeutet, ich hatte es als positiv gespeichert).

Ich bin früh ins Bett gegangen. Ich wollte vor dem Einschlafen ein bisschen lesen. Ich weiß noch, wie ich unter meinem Kopfkissen nach einem Buch gesucht habe (es gibt häufig ein oder zwei Bücher unter meinem Kopfkissen). Aber plötzlich war es ganz hell im Zimmer und es war kurz nach 07:00. Das Buch lag noch unter dem Kissen, die Nachtleuchte war noch an. Ich habe vom Einschlafen nichts gemerkt.

Das Wochenende habe ich fast nur mit Putzen verbracht. Staubgesaugt, Boden gewaschen, Kleider in die Waschmaschine, meine Sachen und kleine Möbel aus der kleineren Wohnung zur größeren gebracht… Beim Staubsaugen habe ich eine Spinne entdeckt. Eine echte Spinne, von dem Typ groß ekelhaft dick braun. Sie war in einer Ecke versteckt. Es kann sein, dass meine Vermieterin, die über meine Phobie informiert ist, versucht hat, sie zu entsorgen. Der Staubsauger lag nicht wie sonst. Vielleicht hat sie sie vor einer Besichtigung gesehen. Wo die Spinne war, sah es nicht sehr gemütlich aus. Es war so eng, zwischen Wand und Leiste am Boden, ich habe nur die Beine zusammengewinkelt gesehen, die raus ragten. Vielleicht war sie schon tot. Ich muss sagen, es ist sehr selten vorgekommen, dass ich in dieser Wohnung Spinnen getroffen habe.

Die Rückfahrt im Nachtzug war nicht so toll. Ich hatte meinen Wecker um 04:20 gestellt, weil ich so früh in Berlin ankommen sollte. Ich bin aufgestanden, habe mich frisch gemacht, habe den Rucksack auf dem Rücken gepackt, nach draußen geschaut, wir fuhren gerade an einem Bahnhof vorbei… Magdeburg. Mist. Zurück zur Liege. Schlafen konnte ich für die kurze Zeit schon nicht mehr. Wir hatten insgesamt anderthalb Stunde Verspätung. Ich hätte mich blind darauf verlassen sollen, dass die Kontrolleure einen kurz vor Anreise wecken. Wobei eine halbe Stunde davor schon zu viel ist. Aufstehen, aufs Klo gehen, Gepäck sammeln, dafür braucht man doch nicht so lange. Ich hatte ursprünglich vor gehabt, die Nacht im Büro auszuschlafen, aber bei der verspäteten Ankunft lohnt es sich schon nicht mehr. Bald kommt mein dritter Zimmerkollege an.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Die Stadt stinkt

Ich musste heute raus gehen. Die Agentur für Arbeit erwartet ja meine Rückmeldung für die Stelle, die sie mir geschickt hatten, mit Begründung für die eventuelle Absage. Das Formular habe ich jetzt ausgefüllt und geschickt. Abgehackt. Die Bewerbung nach England habe ich doch nicht geschrieben, nachdem ich den vorgesehenen Gehalt gemerkt habe. Was promovierte Wissenschaftler am ISIS verdienen entspricht gerade das Gehalt von unseren Doktoranden auf 3/4 Stellen in Deutschland. Oder 1/2 Stellen, wenn es brutto war.

Das Wetter ist wieder traumhaft. Die Temperatur macht mit. Die Magnolienbäume sind gerade beim Erblühen. Die Leute sind mit Sommerkleidung und Sonnenbrillen unterwegs. Heute ist Donnerstag – warum war ich gestern so fest überzeugt, schon am Donnerstag zu sein? Egal, das hat mit dem jetzigen Eintrag nichts zu tun.

Ich bin die Theaterstraße runter gegangen. An einer Haltestelle waren viele Busse angehalten. Nicht nur die aus dem öffentlichen Nahverkehr, auch Reisebusse. Ihre Abgase mag ich nicht. Einige können wirklich aggressiv riechen. Ich bin möglichst schnell an ihnen vorbei gegangen. Nach der Post wollte ich noch ein paar Sachen kaufen, wie Katzenstreu. Auf dem Rückweg gab es viel mehr Leute auf der Straße, es war schon über mittags. Ich bin an vielen kleinen Gruppen vorbei gegangen, die am Rauchen waren. Mit riesigen Rauchwolken. Bei einigen war es auch nicht bloß Tabak. Den Geruch mag ich noch weniger. Eine neue Baustelle gab’s auch, ich bin die Theaterstraße auf der anderen Seite wieder hoch gegangen. Die haben viel Staub verursacht. An meiner Kreuzung gab es einen riesen Stau, mit entsprechenden Abgasen. Autos überall quer, man musste sich mit Einkaufswagen dazwischen einen Weg finden, niemand konnte richtig weg fahren, egal welche Farbe die Ampel zeigte. Der Bus vor meiner Haustür konnte nicht weg aus seiner Haltestelle. Ich bin froh, Fußgängerin zu sein.

Ich muss auch noch essen. Mir ist nicht danach. Und ich habe gerade festgestellt, dass ich heute schon 19 Seitenaufrufe habe, obwohl ich noch nichts geschrieben habe. Das Tagebuch einer arbeitslosen Wissenschaftlerin wird im Durchschnitt drei Mal mehr gelesen, als mein selbst verfasster Artikel über das Friedelsche Gesetz auf Wikipedia (in meiner Muttersprache). Irgendwie deprimierend.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.