Jahresrückblick 2018

Stöckchen gefangen! Ich dachte, auf dem Weg zurück nach München hätte ich ganz viel Zeit, um zum schreiben. Das WLAN im Zug hat beim Start in Frankfurt funktioniert, fünf Minuten später war es aus. Das Netzwerk war nicht mal sichtbar. Dass alles reibungslos wie am letzten Samstag klappt, ist bei der Deutschen Bahn wohl eher die Ausnahme. Wobei es auch an der Deutschen Telekom liegen könnte.

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war 2018?
7. Der neue Job ist spannend, die Mietwohnung wunderschön und ein Schnäppchen, für die Gegend, und wir haben tolle Ausflüge gemacht. Punktabzüge gibt es für das Pendeln zwischen Berlin und München im ersten halben Jahr, die quasi leere und somit ungemütliche Wohnung in diesem Zeitraum, den miserablen ÖPNV-Zustand bei der MVG und die grundlose Entlassung vom Ehemann in der Probezeit.

Zugenommen oder abgenommen?
Zugenommen. Ich habe mich lange nicht mehr gewogen, aber ich fühle mich wieder um die 70 Kilogramme. Dabei war ich Ende Juni super schlank geworden. Ich hatte dreimal die Woche das Fitnessstudio besucht, war mit einer Kollegin regelmäßig in der Mittagspause joggen gegangen… Seitdem der Ehemann aus Berlin zu mir gezogen ist, nehme ich wieder zu. Das Fitnessstudio in Laim ist mir zu weit weg, ich verbringe lieber die Zeit mit dem Ehemann.

Haare länger oder kürzer?
Kürzer. Ich war letzte Woche beim Friseur.

Kurzsichtiger oder Weitsichtiger?
Das hat sich nicht geändert.

Mehr Geld oder weniger?
Weniger. Das Pendeln mit der Deutschen Bahn war nicht billig, vor allem, wenn man lieber erste Klasse fährt. Die Mieten bei München sind viel teurer. Ich habe im ersten halben Jahr zusätzlich zu meinem Anteil für die Wohnung in Berlin die neue Miete selber vollständig bezahlt, sowie die Kaution. Der Umzug von Berlin nach München war schmerzhaft, und die Firma hat mir keinen Cent für die Umzugskosten bezahlt. Nicht mal einen freien Tag habe ich dafür bekommen. Von meinen Ersparnissen war im Sommer fast nichts mehr übrig. Dank des üppigeren Gehalts als in Berlin erholt sich mein Konto zum Glück schnell, und ich habe jetzt schon genug gesammelt, um bei Bedarf die Hälfte eines neuen Autos sofort zur Verfügung stellen zu können. Das haben wir noch vor. Ein Trost ist, dass wir bei der nächsten Steuererklärung einiges an Geld zurück bekommen werden.

Besseren Job oder schlechteren?
Definitiv besser. Nicht nur des Gehalts wegen. Ich bin endlich unbefristet eingestellt. Die Kollegen sind lieb. Der neue Job ist abwechslungsreich, interessant, und vor allem: Ich habe keine Rufbereitschaft mehr! Was für ein herrliches Gefühl! Und endlich bin ich raus aus der akademischen Welt.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Da fällt mir nichts ein. Glücksspiele spiele ich nicht.

Mehr bewegt oder weniger?
Im ersten halben Jahr mehr. Im zweiten weniger.

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Ich war kein einziges Mal krank geschrieben. Einmal habe ich die Arbeit wegen Migräne früher verlassen müssen. Das war’s. Das eine oder andere Problemchen gab’s meistens am Wochenende.

Der hirnrissigste Plan?
Jahresplaner für die Nichten vom Ehemann für Weihnachten selber basteln zu wollen. Ich habe seit November kaum etwas anderes machen können. Ein bisschen wie damals, als ich mein Hochzeitskleid selber genäht hatte.

Die gefährlichste Unternehmung?
Wohl diese eine Rückfahrt nach Hause.

Die teuerste Anschaffung?
Eine Mandoline von De Buyer, zum Geburtstag. Ziemlich die teuerste, die es zur Auswahl gab. Ich habe sie bei Gourmenage bestellt, einem Kochustensilienladen in München. Weil ich seit Jahren kein Amazon-Konto mehr habe. Es hat doch was, sich auf den Anruf vom Verkäufer zu freuen, der endlich ankündigt, dass die bestellte Ware abholbar ist. Notiz zu selbst: Ich brauche jetzt Sicherheitshandschuhe, um das Ding zu benutzen. Die Klinge klemmt gerne beim Rausziehen, und die tiefe Schnittwunde am rechten Ringfinger brauchte über zehn Tage lang ein Pflaster. Der selbst komponierte Feldsalat mit hauchdünnem schwarzen Rettich und Walnüssen war es aber wert.

Das leckerste Essen?
Bei Bamyan Narges, ein afghanisches Restaurant im Glockenbachviertel. Aus der Pendelzeit, als wir noch keine Küche hatten.

Das beste Buch?
The Buried Giant, von Kazuo Ishiguro.

Der beste Film?
Im Kino war ich dieses Jahr sehr wenig. Der letzte Film, den ich mit dem Ehemann im hiesigen Kino gesehen habe, war Aufbruch zum Mond, gleich am ersten Tag, als er gezeigt wurde. Der Saal war fast leer. Loving Vincent hat mir dieses Jahr am besten gefallen.

Die beste CD?
Ich habe schon lange keine neue CD mehr gekauft. Ace of Spades von Motörhead habe ich u. a. immer wieder gerne im Büro gehört, um den Lärm von Ute zu übertönen und „in Ruhe“ programmieren zu können.

Das schönste Konzert?
Wir haben nicht so viele Konzerte besucht. Nightwish war ok. Nicht wirklich meine Lieblingsband. Also, wenn ich ehrlich bin, gehen sie mir eher auf den Kecks. Ich habe den Ehemann begleitet. Das schlechteste Konzert habe ich aber sehr wohl in Erinnerung, und zwar, als wir La Traviata in der Bayerischen Staatsoper gesehen haben. Ich war bis dahin noch nie sauer aus einem Konzert raus gekommen. Wir hatten nicht mal die billigsten Karten gekauft, saßen aber links, und scheinbar hatte der Regisseur einen Groll gegen Leute die links sitzen. Anders kann ich nicht erklären, warum deutlich über die Hälfte der Szenen unten auf der Bühne ganz ganz links statt gefunden hat und wir gar nichts sehen konnten. Die Krönung war während der Sterbeszene von Violetta, als plötzlich ein starker Lichtprojektor direkt in unsere Richtung gestrahlt hat, uns die Stimmung völlig verdorben hat und wir nur noch die Wahl zwischen verblendet mit gekneiften Augen den Rest zu gucken oder den Kopf zum Rest des Publikums nach rechts zu drehen hatten — über zehn Minuten lang. Unsere ganze Reihe hat zum Schluss kaum Applaus gegeben und den Saal verlassen, während die Darsteller noch auf der Bühne standen. Ich war wohl nicht die Einzige, die stinksauer war.

Das beste Theaterstück?
Trifft nicht zu.

Die meiste Zeit verbracht mit?
Dem Ehemann. Ich meine, außerhalb der Arbeit.

Die schönste Zeit verbracht mit?
Dem Ehemann.

2018 zum ersten Mal getan?
Eine mehrtägige Wanderung mit Rucksack.

2018 nach langer Zeit wieder getan?
Auf dem Wacom-Tablett gemalt.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Scheinbar, die selbst gemachten Jahresplaner!

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Das Wochenende in Lindau.

Dein Wort des Jahres?
Teuer! Das kommt davon, wenn man von Berlin nach München umzieht.

Dein Unwort des Jahres?
Darüber habe ich nicht nachgedacht.

Zum Vergleich: Verlinke dein Stöckchen vom vorigen Jahr!
Es gab keins.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Im Zug nach München

Ich bin mal wieder unterwegs. Das Pendeln ist ätzend, aber so lange der Ehemann keine Stelle in oder um München findet, müssen wir durch. Dieses Wochenende war ich dran.

Ich wollte heute meine nächsten Wochenende planen, und musste dabei feststellen, dass die Deutsche Bahn auf einmal die Preise heftig nach oben geschraubt hat. Frühlingseffekt? Ich habe beschlossen, dass wir uns doch nicht jedes Wochenende sehen müssen, was der Ehemann akzeptiert hat. Mit der teuren Wohnung in München, die ich momentan ganz alleine bezahle, und der Eigentumswohnung in Berlin, die dem Ehemann zwar gehört, ich aber auch mitfinanziere, weil er weniger verdient, ist das wöchentliche Pendeln ein Luxus, das wir uns schlecht leisten können.

Wenigstens kann ich während der vierstündigen Fahrt WLAN im Zug benutzen, um zum Beispiel endlich alle interessante Videos von Mitbloggern zu laden, die ich sonst unter der Woche nicht gucken kann. Schuld ist, schon wieder, die doppelte Haushaltsführung. Den Vodafone-Vertrag nehmen wir erst nach München mit, wenn der Ehemann zu mir zuzieht. Bis dahin bin ich auf meinem Handy als Hotspot angewiesen, was mit dem schlechten Empfang in meinem Wohnort kein Spaß ist. Temporäre Lösungen wie Surfstick ohne Vertrag gibt es zwar, wenn man googelt, aber sobald man im Shop danach fragt, haben sie es doch nicht. Egal welcher Anbieter.

Das geht aber nur gut, mit dem WLAN im Zug, wenn es tatsächlich funktioniert. Am Freitag war es ganz schwer. Die erste Stunde konnte ich keine einzige Seite laden. Danach klappte es. Heute geht WLAN wunderbar. Dafür haben wir im ganzen Wagen keinen Strom aus den Steckdosen, und das, obwohl wir in erster Klasse sitzen! Ja, ich weiß, warum erste Klasse fahren, wenn das Geld schon knapp ist? Manchmal muss man Glück haben, es war echt ein Schnäppchen, als ich gebucht hatte. Jetzt fühle ich mich doch nicht so glücklich darüber. Nach einer Stunde Fahrt ist mein Akku zur Hälfte leer. Irgendwann werde ich mich zu einem anderen Wagen schleichen müssen, um den Laptop aufzuladen.

Ach, und zum Essen haben sie auch kaum was, heute, im Zug. Die junge asiatische Frau, die unsere heutige Bistrobedienung ist, fragt uns immer wieder, was wir bestellen wollen, muss aber gleich danach sagen, dass es keine warme Küche gibt. Wie gut, dass ich mich beim Familienbesuch vom Ehemann heute Nachmittag voll mit Kuchen gestopft habe.


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Belästigung

Ich befand mich am Gleis einer S-Bahn-Station. Ich war gerade aus einem Zug ausgestiegen. Außer zwei Männer, die da rum standen, war niemand zu sehen.

Ein der beiden Männer, in hellgrauer Joggingshose, kam zu mir. Ich sollte mit ihm vögeln, meinte er. Ich habe beschlossen, den Typ zu ignorieren. Keine Zeit für eine Anzeige wegen sexueller Belästigung bei der Polizei. Er hätte einen King-Size Penis, rief er hinterher, als ich an ihm vorbei ging, viele Männer hätten nur Size One, diese einmalige Chance würde sich nicht zweimal anbieten. Ist ja klar. Behaupten die doch alle von selbst.

Ich ging die Treppe hoch, zum Ausgangsbereich vom Bahnhof. Dort waren mehrere Menschen. Der Belästiger war mir hierher gefolgt und versuchte noch, mich zu überreden. Ich ging zu zwei Männern, die nur da rum standen, und sagte dem einen, „Dieser Mann belästigt mich“, und zeigte gleichzeitig zum Belästiger. „What did you say?“ fragte der Mann. Stimmt, ich war in die USA gereist! „This man is harassing me,“ sagte ich. Er hat sich an den Belästiger gewandt, aber diesem schien es egal zu sein, er belästigte mich weiter.

Den Nachbarn von meinem Helfer fragte ich ebenfalls um Hilfe. „If you give me money, I can help you“, antwortete er. Ich sagte ihm kurz, dass ich es nicht so ehrenhaft fand, dass er nur gegen Geld helfen würde. Andererseits hatte ich ihn aktiv um Hilfe gebeten, ich könnte mich auch dafür bedanken. „OK, if you need money, I can give you money. Just help me,“ sagte ich ihm. Er ging zum ersten Helfer. Dem Belästiger wurde es zu viel. Er ergriff die Flucht. Mist, habe ich gedacht, somit könnten wir doch gar nicht bei der Polizei sagen, wer das überhaupt gewesen war. Andererseits hatte ich keine Zeit für die Polizei.

Der zweite Helfer wollte jetzt sein Geld haben. Klar, sagte ich, weiter auf English. Es gäbe nur ein kleines Problem, ich hätte keine Dollars dabei. Nur Euros. „What?“ „European currency,“ sagte ich. „Ah, ok“. Ich ging zu meiner Handtasche, die weiter weg neben einem Aufzug lag. Aus meinem Portemonnaie nahm ich 40 € raus. Es gab noch viel mehr Scheine drin, selbst ein 1000 € Schein, ich konnte es mir echt leisten und kam mir dreist vor, ihm nur 40 € zu geben. Aber er schien zufrieden zu sein.


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Vielleicht doch keine so gute Idee

Ich habe noch nicht mit dem neuen Job angefangen, und schon bereue ich meine Entscheidung. Eine Wohnung in München zu finden scheint mir unmöglich zu sein. Vor allem, wenn man 600 Kilometer entfernt wohnt und noch berufstätig ist. Mein letzter Arbeitstag ist nächste Woche, und ich soll ab Januar bei München arbeiten. Wie soll das gehen? Ich bin heute um drei aufgewacht, und der Stress, immer noch nicht zu wissen, wo ich in drei Wochen wohnen werde, hält mich vom Schlafen ab. Selbst mit der neuen schnellen Strecke zwischen Berlin und München kann ich nicht einfach so zu einem Besichtigungstermin fahren.

Nicht, dass ich einen Vorschlag für einen Termin bekommen hätte. Die Antworte auf meine bisherigen Kontaktanfragen auf Immobilienscout24: Keine. Ein Angebot wurde gelöscht, ohne dass ich informiert wurde. Nur beim Besuchen vom Link aus der Email, die ich bei der Kontaktanfrage automatisch bekommen habe, habe ich es erfahren. Vielleicht sollte ich mir doch ein Konto erstellen. Bei den anderen Anzeigen sind die Objekte noch vorhanden, aber keiner scheint es nötig zu haben, mir eine Antwort zu schicken. Dabei musste ich unheimlich viele persönliche Daten hinterlassen. Eine Maklerfirma habe ich sogar für eine Wohnung kontaktiert, die praktisch nahe an der Arbeit liegt. Sie haben mir mehr Informationen geschickt, aber seit meiner Frage nach einem Besichtigungstermin ist Funkstille. Vermutlich gab es schnellere Interessierte.

Natürlich kommt dazu der Schock von den Mietpreisen. Man weiß es ja, München ist extrem teuer. Bei vielen Portalen findet man keine Ergebnisse, wenn man mindestens 50 Quadratmeter unter 700 € Kaltmiete sucht. Ich habe schon Einzimmerwohnungen in Betracht gezogen, aber der Ehemann will es bequem haben, wenn er mich besucht. Ich frage mich, wo wohnen die normalen Menschen, die in München arbeiten? Und die Studenten? Die interessante Angebote, die ich vor einem halben Jahr gesehen hatte, in Fahrrad-Entfernung von der Arbeit, scheinen aus dem Markt verschwunden zu sein. Vielleicht liegt es an der Jahreszeit. Wenn ich die Preise für Wohnungen sehe, und ich suche im Radius außerhalb der U-Bahn Strecke, also gar nicht mal in der Innenstadt, dann merke ich, es wäre sogar günstiger, auf Dauer im Hotel zu wohnen. Dafür würde auch noch jemand für mich täglich putzen. Eine erste Anfrage bei einer Pension habe ich für Januar geschickt. Sie werben damit, dass sie Zimmer ab 600 € pro Monat anbieten können. WLAN und Nebenkosten inklusiv. Wohngemeinschaft? Vergiss es. Meine Privatsphäre ist mir zu wichtig. Und günstiger ist es eh nicht!

Die teure Miete in München ist nicht alles, was auf mich zu kommt. Es gibt die Pendlerei nach Berlin. Wenn wir uns mit dem Ehemann am Wochenende sehen wollen, macht das jedes Mal 120 € Fahrtkosten mit der Bahn. Es ist besser, ich fahre hin, als er kommt, wenn ich in Pension lebe, sonst macht es noch mehr Kosten. Alles in allem, wenn es mit der Pension auf 700 € hoch kommt, werde ich trotz üppiger Gehaltserhöhung monatlich netto 600 € weniger haben als mit meiner jetzigen Arbeit. Die Wohnung hier will noch finanziert werden. Ich hätte mehr Gehalt handeln sollen. Mit der Gefahr, zu viel zu verlangen und doch keinen Arbeitsvertrag zu bekommen…

Bis der Ehemann eine neue Stelle in München findet, könnte ich in Pension wohnen. Dann müssen wir uns eine gemeinsame Wohnung suchen, die kleiner als die Jetzige ist, den Umzug organisieren, und die Wohnung in Berlin mieten. Klar, vieles kann man bei der Steuererklärung absetzen. Bis wir was vom Geld wieder sehen, dauert es anderthalb Jahre. Vielleicht kommen wir sowieso nach zwei oder drei Jahren zurück nach Berlin. Mit meiner allerersten Erfahrung außerhalb der öffentlichen Forschung könnte ich sicherlich einfacher eine Arbeit finden.


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Das neue Vorstellungsgespräch kommt wie gerufen

Ich bin erschöpft und habe die Schnauze voll. Schuld ist mal wieder die Rufbereitschaft. Der Chef hatte letzte Woche angekündigt, dass er am jetzigen Wochenende eine private Angelegenheit wahrnehmen wollte und hatte nach Freiwilligen gefragt, um seine Pflichten zu übernehmen. Ich bin erstmal still geblieben. Florian hat sich bereit erklärt, die Messgäste von heute einzuweisen. Alle anderen Kollegen hatten eine Ausrede, warum sie die Rufbereitschaft nicht machen konnten. Wem ist es hängen geblieben? Richtig.

Dass wir heute Nacht ohne Unterbrechung schlafen konnten, hatte ich beim Aufstehen leichtsinnig als gutes Zeichen gesehen. Das war nur die Ruhe vor dem Sturm. Denn ab halb eins hat das Handy angefangen zu klingen, und danach war es einfach die Hölle. Beim ersten Anruf waren wir mit dem Ehemann gerade auf dem Weg vom Markt nach Hause unterwegs. Irgendwas hinderte die Fortsetzung einer Messung. Angekommen, Rechner hochgefahren, auf Arbeit eingeloggt, scheinbare Ursache des Problems gefunden und behoben, Nutzer zufrieden. Bis zum nächsten Anruf eine Stunde später. Genau dasselbe Fehlerbild, aber diesmal gab es gleich zwei unabhängige Probleme, die ich auch lösen konnte. Beim dritten Anruf eine halbe Stunde später war ich schon recht genervt. Immer wieder das Problem, eine andere Ursache, die behoben wurde, und danach ging nichts mehr. Ich hatte schon aufgegeben, aber Florian, der sich bestens mit der Maschine auskennt und den ich versucht hatte anzurufen, hat sich zurück gemeldet und konnte anscheinend das Problem vorübergehend endgültig beheben. Von seinem Auto aus, mit seinem Laptop. Der war mit seiner Freundin unterwegs, der Arme, es hat mir echt Leid getan, ihn nach Hilfe fragen zu müssen. Inzwischen war es schon halb sieben, und ich hatte den ganzen Nachmittag nichts anderes machen können. Doch, kochen konnte ich, und zwar nur, weil Florian mit den Nutzern ausgemacht hatte, dass sie eine halbe Stunde Pause machen. Und es war nicht alles, weil andere Nutzer auf einem anderen Gerät auch zweimal anrufen mussten, weil die Robotik zickte. Jetzt, kurz vor zehn Uhr abends, bin ich noch voll gestresst und ich frage mich, ob ich in der Lage sein werde, einschlafen zu können, und wenn ja, wie lange ich wohl schlafen werde, bevor der nächste Anruf kommt. Gestern gab es doch kein Problem! Gestern war auch Mr Keen den ganzen Tag selber an dem Gerät am Messen. Ich frage mich, ob er irgendwas angestellt haben kann, um mir das Wochenende zu verderben. Das würde ich ihm zutrauen.

Mir reicht’s. Die dreihundert Euro, die man dafür zusätzlich zum Gehalt bekommt, sind es einfach nicht wert, so viel Stress in der freien Zeit zu bekommen. Der Ehemann leidet auch darunter, wenn das Handy nachtsüber klingelt, oder wenn wir am Wochenende bei schönem Wetter zu Hause bleiben müssen, weil irgendwas an den Geräten nicht stimmt. Und das mit dem zusätzlichen Geld stimmt nicht mal, wie ich gerade gemerkt habe. In den letzten zwei Monaten habe ich genau so viel überwiesen bekommen als während meiner Schwangerschaft, als ich von Rufbereitschaft befreit wurde! Ich muss mich am Montag beschweren. Den ganzen Scheiß will ich nicht auch noch kostenlos machen. Schlimm genug, dass unsere Verwaltung immer neue Gründe erfindet, warum meine Reisekosten nicht vollständig erstattet werden.

Ich habe gestern eine neue Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommen. Wieder bei München. Diesmal geht es rein um Software-Entwicklung. Hoffentlich klappt es endlich. Nichts wie weg von hier!

VERDAMMT, SCHON WIEDER EIN ANRUF!


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Preiswillkür bei der Deutschen Post?

Wir haben die Einladungen zur Hochzeit vor einigen Tagen geschickt. Eigentlich wissen schon alle unsere Gäste über Datum und Ort Bescheid, aber ein schönes Kärtchen musste es noch sein. Weiß und rot. Wir haben sie online erstellt und bestellt, samt roten Briefumschlägen und Aufklebern mit unserer Adresse. Für die Firma will ich allerdings keine Werbung machen. Die haben nicht mal gemerkt, dass das Datum auf der ersten Seite der Karte und drin nicht übereinstimmt. Vorne haben wir unseres Hochzeitsdatum richtig eingetragen. Drin ist noch das Datum vor der Vorlage der Karte, das fast wie unser Datum aussieht, aber mit 2015. Ich sehe vor meinen Augen, wie ich beim Durchlesen vor der Bestellung dieses Datum noch im letzten Moment korrigiert habe. Es muss nicht richtig gespeichert worden sein, und nach dem Zahlvorgang konnte ich die Karte nicht mehr sehen. Wir haben sie alle mit einem Aufkleber per Hand korrigieren müssen.

Ich hatte zuerst Karten zu meinen beiden Trauzeuginnen und meinen Eltern geschickt. Ich bin eines Morgens vor der Arbeit zur großen Postfiliale in meinem Viertel gegangen. Die Frau am Schalter hat die Briefe gewogen: 0,70€ nach Deutschland, 0,90€ nach Frankreich. Bevor ich reagieren konnte, hat sie weiße Aufkleber mit Labelfreimachungen gedruckt und meine schöne Briefumschläge damit optisch ruiniert. Die Dinger sind so riesig und hässlich. Gut, dass ich so wenig Einladungen dabei hatte. Ich habe beschlossen, für die nächsten Einladungen Briefmarken zu kaufen. Ich musste an dem Tag auch meiner Mami Dokumente schicken, die ich in einem separaten Briefumschlag gepackt hatte. Vier A4 Seiten, definitiv unter 50g. Da wir zu Hause nur lange Briefumschläge mit Fenster haben, habe ich einen schöneren DIN B5 Briefumschlag benutzt. Dafür hat die Zustellung 3,70€ gekostet. Eine Frechheit. Es muss mit dem Format vom Briefumschlag zu tun haben. Die Umschläge für die Einladungen haben den normalen DIN C6 Format. Die Briefe sind alle innerhalb von zwei Tagen bei den Empfängern angekommen.

Für die anderen Einladungen wollte Martin ein Infoblatt mit Stadtplan und Adressen von Hotels in den Briefumschlägen hinzufügen. Die hat er drucken lassen. Wir haben einige Einladungen damit vorbereitet und er ist zur gleichen Postfiliale gegangen, um sich über den Preis der Zustellungen zu informieren, da die Briefe durch das Infoblatt schwerer geworden sind. Nach einer Wartezeit von Dreiviertelstunde in der Schlange hat er die Information am Schalter bekommen: 0,70€ nach Deutschland, 0,90€ nach Frankreich. Also kein Unterschied. Er hat dementsprechend Briefmarken gekauft und Einladungen geschickt. Einige davon nach Frankreich.

Am nächsten Tag habe ich auch Einladungen vorbereitet. Sie sind in den Briefkasten bei uns auf der Straße geschmissen worden. Heute kamen zwei meiner Einladungen nach Frankreich zurück, jeweils vorne mit einem riesigen gelben Aufkleber auf dem Adressenfeld, und hinten noch schwarz befleckt. Der Grund: Angeblich fehlen 0,60€ Porto, was den Gesamtpreis auf 1,50€ pro Einladung bringt. Die habe ich aber nicht anders vorbereitet als Martin, der Inhalt ist exakt gleich. Seine Einladungen nach Frankreich, die er aus der Filiale geschickt hat, sind nicht zurück gekommen. Meine Briefumschläge sind also wieder ruiniert, und ich behaupte, die Rücksendung ist fehlerhaft. Laut meiner Küchenwaage wiegt ein Brief nicht mal 30g, also müssten die 0,90€ reichen. Ich lasse Martin sich darum kümmern, wenn er zurück kommt. Ich habe häufig gemerkt, dass er als deutscher Mann anders und ernster genommen wird als ich, sei es beim Arzt oder sonst wo. Und reklamieren kann er gut.

Post-Rücksendung

Wir hätten eine Rundmail schicken können. Das hatte damals meine Trauzeugin Sabrina bei ihrer Hochzeit gemacht. Dann wären wir noch 300€ (!) reicher und hätten keinen solchen Ärger bekommen.


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Arbeit gefunden, vielleicht

Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, aber ich weiß jetzt nicht, ob ich mich freuen soll.

Heute Morgen hatte er ein Vorstellungsgespräch mit dem Chef einer kleinen Firma in der Nähe von Berlin. Zwei Stunden hat es gedauert. Er hat schon eine mündliche Zusage für die Stelle bekommen. Ich war verblüfft, als er mir das beim Betreten der Wohnung erzählte. Endlich. Er meinte, seine bisherige Erfahrung passte perfekt zu den Anforderungen für die Stelle.

Dann hat er über das Gehalt erzählt, und es hat mich schockiert. Wie kann es sein, dass man einem Ingenieur mit so vielen Jahren Erfahrung weniger als 40k€ brutto jährlich anbietet? Es sind 70% von seinem letzten Gehalt. Die Begründung vom Chef war, dass es sich um eine kleine Firma handelt und er es sich nicht leisten kann, seinen Mitarbeitern mehr Geld zu geben. Vielleicht in einem Jahr wäre eine Gehaltserhöhung möglich. Gleichzeitig wäre der Vertrag zuerst nur für ein Jahr, „um es sich leichter mit der Probezeit zu machen“.

Damit ist es mir klar, dass es unter Akademikern ein großes und allgemein verbreitetes Vorurteil gibt, das überhaupt nicht stimmt. Im öffentlichen Dienst verdient man nicht zwangsläufig weniger als in der Industrie. Und prekäre Arbeitsverhältnisse gibt es in der Industrie auch. Seine Beraterin bei der Arbeitsagentur hatte ihn schon gewarnt, dass in Berlin Gehälter niedriger als woanders in Deutschland wären, weil es hier zu viele Ingenieure gäbe. Martin meint, es würde sich nicht unbedingt lohnen, einen besseren Job woanders anzunehmen, da er dann eine Wohnung vor Ort brauchen würde und das Pendeln am Wochenende auch teuer wäre. Das Blöde ist, beim nächsten Jobwechsel wird das neue Gehalt als Basis für eine Verhandlung genommen. Einen Wechsel hat er jetzt, wo es noch keinen Vertrag gibt, ohnehin schon vor, weil das Gehalt so niedrig ist.

Familienplanung ist bei den Umständen nicht so attraktiv. Mit diesem Gehalt wird es nicht möglich sein, eine Familie zu unterhalten und gleichzeitig den Kredit für die Wohnung zurück zu bezahlen, wenn ich nicht mehr arbeiten kann. Andererseits hat er schon früher angekündigt, er hätte kein Problem damit, Erziehungsurlaub zu nehmen, damit ich weiter arbeiten kann. Das würde Sinn machen, solange ich einen Arbeitsvertrag habe, da ich aufgrund meiner höheren Qualifikation mehr verdiene.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Auberginen

Bei einem Spaziergang habe ich einen neuen Obst- und Gemüseladen in meinem Viertel gefunden[1].

Es war gegen mittags, die Sonne schien, der Himmel war blau. Auf der Straße vor dem Laden waren keine Regale, aber ich bin aus Neugier herein gegangen. Der Laden war klein und hell, mit weißen Wänden. Zwei Männer arbeiteten drin, beide arabisch aussehend. Die Auswahl war sehr gering. Ich habe beschlossen, drei Auberginen zu kaufen. Der Mann hinter der Theke hat sie gewogen, mit einer Hand auf der Waage, und mir den Preis genannt: 11,50 €. Ich habe bezahlt und bin raus gegangen.

Kaum hatte ich den Laden verlassen, dass ich mir dachte, „Moment mal, für drei Auberginen sind 11,50 € viel zu teuer“. Ich bin wieder zum Laden gegangen und habe nach einer Prüfung der Rechnung gefragt. Auf meinem Zettel, halb verwischt, konnte man noch den Preis pro Kilo erkennen, 0,88 €. Ich habe die Auberginen selber gewogen und einen Notizblock mit Kugelschreiber aus meiner Tasche geholt, um den Preis zu rechnen. Ich hatte den Dreisatz gerade aufgeschrieben, als der zweite Mann sich neben mir gestellt hat und angefangen hat, jeden Schritt erklärt bekommen zu wollen. Das war mühsam, weil ich auf Deutsch nicht so schnell wie in meiner Muttersprache rechnen kann und anfälliger für Fehler bin. Als ich auf Französisch gewechselt bin, um meine Rechnung sicherer durchzuführen, hat er sich aufgeregt und mich auf Arabisch angeschrien. Es wurde plötzlich sehr stressig, viele laute Stimmen sind dazu gekommen, was mich ziemlich schnell geweckt hat.

Es war kurz nach 06:00.

[1] Eigentlich war es gar nicht mein Viertel, sondern eine kleine Kreuzung in der Nähe meines ehemaligen Arbeitsplatzes, bevor ich nach Berlin gekommen bin.


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Test: Negativ

Es war merkwürdig. Eigentlich passen wir schon auf. Ich trage jeden Morgen meine Temperatur ein und weiß, wann wir besser Kondome benutzen sollen. Ich habe nicht wirklich geglaubt, schwanger zu sein. Wenn es nicht dieses komisches Gefühl in der Nase gegeben hätte, das mir ständig den Eindruck gibt, gerade geniest zu haben. Das hatte ich noch nie. Bei einer Google-Suche bin ich gleich auf Forums für Schwangere gestossen. Andere „Symptome“ hätten sich auch dadurch erklären lassen.

Zeitlich könnte es nicht schlechter passen, ganz abgesehen von dem geplanten Tauchurlaub in drei Wochen. Ich habe gerade den Arbeitgeber gewechselt und bin wieder in der Probezeit. Ich weiß, dass keine Gefahr besteht, nach den sechs Monaten nach einer Arbeit suchen zu müssen. Aber mit einem Baby im Bauch? Da könnte ich glatt für mehrere Monate meine ganze experimentelle Arbeit liegen lassen, auf die ich mich so gefreut habe. Wie Uschi darauf reagiert hätte, kann ich mir sehr gut vorstellen. Er hat schon erzählt, wie er für eine ausgeschriebene Stelle bei uns eine Bewerberin absagen musste, weil sie ihm zugegeben hatte, schwanger zu sein. Wir arbeiten mit ionisierender Strahlung. Schwangere dürfen gar nicht an Experimenten teilnehmen. Er hätte sie umsonst eingestellt. Außerdem hat sich Martin gerade eine Wohnung gekauft, wir ziehen bald zusammen ein. Mit der Rückzahlung hat er schon eine hohe Belastung. Ich wollte mich an den laufenden Kosten beteiligen. Einen Gehalt würde ich aber nicht mehr lange beziehen, wenn ich schwanger werden sollte.

Ich habe gedacht, ich warte erstmal ab, ob meine Periode kommt. Sie war letzte Woche fällig, am Donnerstag. Das Wochenende davor waren wir unterwegs, als ich plötzlich starke Schmerze im Bauch und im tieferen Rücken gespürt habe, als ob ich gerade meine Periode bekommen würde. Es kam nichts. Am Dienstag habe ich braune Ausscheidungen bekommen, bis Sonntag. Genau wie ich es über den Verlauf von einer Schwangerschaft gelesen hatte. Meine Brust, die sonst immer kurz vor der Periode angespannt ist, hat nichts anmerken lassen. Ich habe mich schon gefragt, ob ich nicht besser anfangen sollte, nach Kindermöbeln zu suchen, statt einen zweiten Arbeitszimmer einzurichten. Dabei habe ich schon früher angekündigt, mich um die Küche kümmern zu wollen. Wieder viel Geld ausgeben.

Wir waren am letzten Wochenende bei einer Freundin von Martin zu Besuch, die ihren Geburtstag in Südfrankreich feierte. Die Reise war anstrengend, wir sind am Samstag um 04:00 aufgestanden und um 06:00 im Flieger eingestiegen. Bescheuert. Er hat für mich bezahlt, um meine Bedenken zu mildern. Die Feier hat nicht sehr lange gedauert, aber mir ging’s nicht so gut. Ich habe mich schwindelig gefühlt. Am Sonntag nach dem Aufwachen habe ich dann gemerkt, dass ich meine Periode hatte. Sehr stark. Das Schwindelgefühl habe ich den ganzen Tag behalten. Beim Gehen musste ich mich an Martin lehnen, weil ich ständig den Eindruck hatte, gleich umzukippen. Die Schmerze im Bauch waren so stark wie nie. Es war doch nicht normal. Als wir abends in Berlin gelandet sind, sind wir mit Taxi zu mir gefahren. Mit der Bahn konnte ich nicht mehr.

Heute Morgen hatte ich keine Blutung mehr. Ich habe den Schwangerschaftstest gemacht, den ich mir gestern geholt hatte. Negativ. Was das Ganze seit zwei Wochen soll, keine Ahnung.


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Wohnung gekauft!

Wer hätte das gedacht? Nach so langem hin und her zögern, nach so vielen Wohnungsbesichtigungen, hat er sich endlich für eine Wohnung entschieden. Es hat über ein Jahr gedauert. Um fair zu sein, so weit war er schon vor zwei Monaten, aber eine Immobilienagentur hatte sich vorher als interessiert gemeldet und die Wohnung vor seiner Nase gekauft. Weil er sich noch Zeit zum Überlegen nehmen wollte. Entscheidungen treffen ist immer noch nicht seine Stärke.

Als er dann kurz vor dem Urlaub sagte, er hätte großes Interesse für eine neue Wohnung, habe ich ihm zuerst gesagt, wenn es so ernst ist, dürfte er keine Zeit verlieren. Er hat mir die Unterlagen gezeigt. Von der Beschreibung her ist es unglaublich, dass sie noch nicht verkauft wurde. Es muss die beste Wohnung sein, die er je besichtigt hat. Für den gleichen Preis hat er deutlich kleinere Wohnungen gesehen, die auch nicht so schön eingerichtet waren. Er hat den Kaufvertragsentwurf beantragt und während des Urlaubes per Email bekommen. Seine Cousine, die Rechtsanwältin ist, hat ihn gelesen und ihm gesagt, es wäre in Ordnung. Letzte Woche habe ich mit ihm die Wohnung besucht. Sie ist wirklich sehr schön, in einem grünen Viertel. An der letzten Etage, aber nicht zu hoch, mit einer großen Terrasse, vier Zimmern, und sehr ruhig gelegen. Sogar Tiefgarage und abgeschlossener Raum für Fahrräder (zugegeben, schon sehr voll) sind vorhanden. Man müsste nur den Boden komplett ändern (Parkett statt Teppichboden) und die Wände neu streichen. Eine neue Küche käme dazu, die, die von den Besitzern drin gelassen wurde, gefällt uns nicht. Das Badezimmer sieht auch nicht gerade toll aus, aber es ist nicht schwierig, erst später Arbeiten drin zu machen, da ein Gästebadezimmer vorhanden ist.

Es gab noch viele Diskussionen mit dem Makler, der bis gestern die einzige Kontaktmöglichkeit mit den Besitzern darstellte. Und gestern Abend war es so weit: Ich habe ihn zum Notar begleitet, damit der Kaufvertrag durchgelesen und von allen Parteien unterschrieben wird. Wie der Makler da am Tisch gesessen hat, habe ich die ganze Zeit an einen Vampir gedacht. Die Besitzer sind ein Paar, die sich ein neues Haus bauen lassen haben und die Wohnung aus diesem Grund verkaufen wollen. Der Mann, im Anzug, übergewichtig, meinte gleich, ich wäre Spanierin. Wahrscheinlich, weil ich dunkle Haare habe und vom Urlaub noch braun bin. Was für eine Frechheit, sich bei einem ersten Treffen Äußerungen über das Aussehen von anderen Personen zu erlauben. Seine Frau, auch fettleibig, ist selber Spanierin, aber ihre Haut war sehr hell. Ein bisschen gezwungenes Small-Talk gab es, bevor es um den eigentlichen Grund des Treffens ging. Ein bisschen Ärger gab es schon mit dem Makler, nachdem die Vertreterin des Notars den Kaufvertrag unterschreiben lassen hat, weil er eine frühere Version des Provisionsvertrages gebracht hatte, statt die aktuellste, die er durch Diskussionen am Telefon überarbeitet und per Email geschickt hatte. Blutsauger, echt. Martin hat den Vertrag trotzdem unterschrieben. Eigentlich hätte ich gar nicht dabei sein müssen, aber ich wollte ihn moralisch unterstützen. Danach habe ich ihn zu einer Cocktail-Bar eingeladen, als Belohnung dafür, dass er endlich seinen Traum realisiert hat.

Das heißt auch, in nicht zu weit entfernter Zeit ziehen wir zusammen. Das hatte er mich schon ganz früh gefragt, deswegen hat er angefangen, nach größeren Wohnungen zu suchen. Ich freue mich. Ich würde mich aber auch freuen, wenn wir zusammen zu einer Mietwohnung umziehen würden. Erstmal abwarten, bis die Finanzierung durch seine Bank bewilligt wird. Ich verstehe das Ganze nicht wirklich. Warum kann eine Bank ein persönliches Angebot für eine Finanzierung bei Kunden machen, wenn sie danach doch nein sagen kann? So ist es mit dem ersten potentiellen Käufer der Wohnung gelaufen (die Besitzer haben erzählt, dass die Finanzierung gescheitert war, weil der Interessent keinen Startkapital bringen konnte). Martin wollte eine Wohnung vor allem kaufen, weil es für ihn eine sichere Anlage für sein Vermögen ist. Kann ich verstehen. Wenn wir zusammen ziehen, werde ich mich natürlich an den Laufkosten beteiligen. Wahrscheinlich wird es so hoch wie meine aktuelle Miete sein.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.