Es wird spannend

Ich habe am letzten Donnerstag eine Email von der Firma bei München bekommen. Ob ich ab Januar bei ihnen anfangen könnte? Na klar! Was gibt es zu zögern? Wir haben schon gleich am Abend mit dem Ehemann in unserer Stammkneipe gefeiert.

Die Gehaltsfrage muss noch geklärt werden. Ich hatte beim Vorstellungsgespräch mein aktuelles Gehalt erwähnt und mir wurde gesagt, dass ich definitiv mehr erwarten könnte. Ich hätte auch nicht weniger gefragt, da ein Umzug von Berlin nach München höhere Kosten mit sich bringt. Ein Arbeitgeberwechsel muss sich lohnen. Dass wir schon darüber diskutiert hatten, schien mein Interviewer aber inzwischen vergessen zu haben, weil er mich nochmal am Freitag danach gefragt hat. Wenn wir uns einigen können, könnte ich diese Woche noch direkt nach meinem Vorstellungsgespräch vorbei kommen, um den neuen Arbeitsvertrag zu unterschreiben! Nun, seitdem ich meine Gehaltsvorstellung angegeben habe, habe ich keine Rückmeldung bekommen. Ich denke, wenn es zu viel verlangt wäre, würden sie schon versuchen, runter zu handeln, statt nichts mehr von sich hören zu lassen. Vermutlich werde ich noch heute informiert. Ich habe gestern Abend bei der Tagung mit meinem hoffentlich zukünftigen direkten Chef gesprochen, der nicht die Person ist, mit der ich meinen Vertrag verhandle, und er schien zuversichtlich zu sein.

Inzwischen liegt auch die Verlängerung meines aktuellen Arbeitsvertrags für ein weiteres Jahr bei der Personalabteilung zum Unterschreiben bereit. Da ich diese Woche nicht auf Arbeit bin, kann ich es erst ab nächster Woche unterschreiben. Ich hoffe, es kommt nicht dazu, und ich kriege vorher den Arbeitsvertrag bei München. Sonst muss ich die Verlängerung unterschreiben, und ich kann danach nicht mehr so schnell kündigen.

Für Winfried wird es hart, wenn es klappt. Kate ist schon weg. Tomasz verlässt uns Ende Dezember, da sein Vertrag nicht verlängert wird. Die Stelle gibt es noch und wurde ausgeschrieben, aber er selbst kann nicht mehr beschäftigt werden. Sinnlos, diese „du darfst nicht länger als X Jahre bei uns arbeiten“ Regelungen in der Wissenschaft. Egal für ihn, er hat schon eine neue Stelle in seiner Heimat gefunden. Das macht aber jetzt zwei Wissenschaftler, die auf einmal die Gruppe verlassen und nicht so schnell ersetzt werden können. Selbst wenn neue Postdocs kommen, werden sie eine Weile brauchen, bis sie den guten Betrieb der Geräte für unsere Nutzer gewährleisten können. Und nun soll ich auch meine Verlängerung nicht unterschreiben? Ich, die zusätzlich eine der Wenige bin, die Rufbereitschaft macht? Und die noch Software entwickelt, die von Nutzern aus aller Welt benutzt wird und die gewachtet werden muss? Da wird Winfried durch drehen. Wenn ich die Verlängerung unterschreibe, wird er bestimmt nicht mit einem Auflösungsvertrag einverstanden sein.

Aber ehrlich gesagt, es ist mir langsam egal. So sehr es mir für ihn Leid tut, er wird schon eine Lösung finden. Diesen ewigen leeren Versprechen auf eine langfristige Einstellung glaube ich nicht mehr, und ich bin auch nicht mehr daran interessiert, seitdem Mr Keen bei uns eine Dauerstelle hat. Rufbereitschaft will ich nicht mehr und ich sehne mich nach einem Job, wo ich meine Wochenende nicht mehr opfern muss. Und wir haben gerade erfahren, dass die Betriebsplanung sich ab dem nächsten Jahr ändern wird und jetzt sogar am Sonntag gearbeitet werden soll! Ohne mich. Es muss in München klappen!

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Arbeit gefunden, vielleicht

Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, aber ich weiß jetzt nicht, ob ich mich freuen soll.

Heute Morgen hatte er ein Vorstellungsgespräch mit dem Chef einer kleinen Firma in der Nähe von Berlin. Zwei Stunden hat es gedauert. Er hat schon eine mündliche Zusage für die Stelle bekommen. Ich war verblüfft, als er mir das beim Betreten der Wohnung erzählte. Endlich. Er meinte, seine bisherige Erfahrung passte perfekt zu den Anforderungen für die Stelle.

Dann hat er über das Gehalt erzählt, und es hat mich schockiert. Wie kann es sein, dass man einem Ingenieur mit so vielen Jahren Erfahrung weniger als 40k€ brutto jährlich anbietet? Es sind 70% von seinem letzten Gehalt. Die Begründung vom Chef war, dass es sich um eine kleine Firma handelt und er es sich nicht leisten kann, seinen Mitarbeitern mehr Geld zu geben. Vielleicht in einem Jahr wäre eine Gehaltserhöhung möglich. Gleichzeitig wäre der Vertrag zuerst nur für ein Jahr, „um es sich leichter mit der Probezeit zu machen“.

Damit ist es mir klar, dass es unter Akademikern ein großes und allgemein verbreitetes Vorurteil gibt, das überhaupt nicht stimmt. Im öffentlichen Dienst verdient man nicht zwangsläufig weniger als in der Industrie. Und prekäre Arbeitsverhältnisse gibt es in der Industrie auch. Seine Beraterin bei der Arbeitsagentur hatte ihn schon gewarnt, dass in Berlin Gehälter niedriger als woanders in Deutschland wären, weil es hier zu viele Ingenieure gäbe. Martin meint, es würde sich nicht unbedingt lohnen, einen besseren Job woanders anzunehmen, da er dann eine Wohnung vor Ort brauchen würde und das Pendeln am Wochenende auch teuer wäre. Das Blöde ist, beim nächsten Jobwechsel wird das neue Gehalt als Basis für eine Verhandlung genommen. Einen Wechsel hat er jetzt, wo es noch keinen Vertrag gibt, ohnehin schon vor, weil das Gehalt so niedrig ist.

Familienplanung ist bei den Umständen nicht so attraktiv. Mit diesem Gehalt wird es nicht möglich sein, eine Familie zu unterhalten und gleichzeitig den Kredit für die Wohnung zurück zu bezahlen, wenn ich nicht mehr arbeiten kann. Andererseits hat er schon früher angekündigt, er hätte kein Problem damit, Erziehungsurlaub zu nehmen, damit ich weiter arbeiten kann. Das würde Sinn machen, solange ich einen Arbeitsvertrag habe, da ich aufgrund meiner höheren Qualifikation mehr verdiene.

Irritiert

Mit meinem Vortrag für Donnerstag habe ich seit gestern keinen großen Fortschritt geschafft. Mein PC ist gerade vier Monate alt, und ich habe anscheinend erst gestern zum ersten Mal Powerpoint benutzt, weil er mir beim Starten diese Fragen zur online Benutzung der Hilfe usw. gestellt hat. Wieso auch, so häufig brauche ich Powerpoint nicht mehr, meine Bewerbungen schreibe ich mit Word (geht für mich doch schneller als LaTeX) und mein Bewerbungsstand für die Arbeitsagentur mache ich mit Excel.

Schon komisch, dass die Miniaturansicht der Folien auf der linken Seite nicht richtig zu funktionieren scheint, schon direkt nach dem Öffnen der Datei. Wenn ich die Maus drüber halte und ein paar mal rauf und runter scrolle, sehen die wieder richtig aus, aber so bald ich bei den Folien selber scrolle geht’s nicht mehr, die Miniaturansicht wird nicht aktualisiert, friert ein, oder kann sogar ganz weiß werden. Daran merke ich, wie sehr ich diese Ansicht bis jetzt benutzt habe. Ich habe schon Office heute de- und re-installiert, mit dem gleichen Ergebnis. Mist. Ich werde bis Donnerstag damit leben müssen. Es könnte daran liegen, dass ich jetzt Windows 7 und nicht mehr XP habe. Nein. Ich hatte auf meinem Arbeitslaptop bei meiner Beratungsstelle ebenfalls Windows 7 mit Office 2007 benutzt, genau wie jetzt, und hatte gar kein Problem. Und wenn ich überlege zickt Word auch, etwas ist faul mit der automatischen Korrektur, obwohl ich alle Häkchen richtig gesetzt habe.

Ich lasse es für heute Abend sein, ich fühle mich sowieso schwindelig. Vielleicht habe ich mich heute Nachmittag beim Sport überanstrengt. Zu lange Pause, zu viel auf einmal. Meine Verwandlung zum Schweinchen seit meinem Ischias-Problem muss ich aber irgendwann rückgängig machen. Ich habe vielleicht „nur“ 6kg drauf gelegt, aber dichte Muskelmasse durch leichtes Fettgewebe ersetzt, autsch.

Der Vortrag soll eh nur 20mn dauern. Und ich habe erfahren, dass eine ex-Kollegin sich auf diese Stelle auch beworben hatte, und am Freitag dran ist, sie hat’s mir selber erzählt. Hmmm. Ursprünglich ist die Stelle nur für „FH-Diplom/Bachelor“ ausgeschrieben. Gleichzeitig verlangen sie aber Expertise in meinem Gebiet, die man nur nach langjähriger Erfahrung bekommen kann, sprich in unserem Fall nach einer Promotion. Eine konkrete Vergütung haben sie nicht angegeben, deswegen ich im Anschreiben explizit gesagt habe, dass ich mindestens E13 erwarte, was ich sonst früher an der Uni verdient habe. Weniger wäre eine Frechheit. Daher dachte ich, als ich letzte Woche den Anruf bekommen habe, dass sie trotzdem interessiert sind. In der offiziellen Einladung zum Gespräch, die erst heute ankam, hat die Dame mich darum gebeten, meine Gehaltsvorstellung anzugeben. Es riecht nicht gut. Ich werde meinen Wert doch nicht für einen auf nur zwei Jahren befristeten Vertrag in einem öffentlich finanzierten Forschungszentrum (sprich ohnehin schon schlecht bezahlt) sinken lassen. Davon hatte mich sogar meine Beraterin bei der Arbeitsagentur abgeraten – wenn ich eine Person als Beraterin bezeichnen kann, die ich nur einmal gesehen habe und die meine Anfragen per Email unbeantwortet lässt. Wahrscheinlich mache ich den Vortrag umsonst. Ich denke, ein billigerer Kandidat steht schon zur Verfügung, die Stelle musste veröffentlicht werden, und meine ebenfalls promovierte Freundin und ich sind nur eingeladen worden, weil wir Frauen sind („Wir sind an der Bewerbung von Frauen besonders interessiert“) und so nah wohnen, dass keine Reisekosten entstehen. „Sehen Sie, wir haben versucht, Frauen einzustellen, aber sie verlangen zu viel Geld, wir können nichts dafür“. Hoffentlich bin ich einfach zu pessimistisch.