Eine schwere Heimfahrt

Darauf bin ich nicht stolz, aber mein Tagebuch ist auch nicht da, um die schlechten Sachen auszublenden.

Ich habe mich gestern Abend überraschenderweise mit Pawel in der Stadt verabredet. Es hätte nicht so überraschend sein dürfen. Bei unserem letzten Treffen in Berlin hatte er erwähnt, dass er in Kürze nach München kommen würde. Ich hatte es vergessen. Als seine Nachricht gestern nach der Mittagspause kam, habe ich natürlich meine Pläne verschoben[1] und mich mit ihm verabredet.

Wir haben uns in einem tollen Burger-Lokal getroffen. Ich dachte, wir könnten vielleicht dabei das England-Kroatien-Spiel gucken. Nicht, dass ich viel Wert drauf lege. Fußball interessiert mich nicht. Aber mit Kollegen kann man es sich antun. Gestern gab es tatsächlich einen Fernseher im Lokal, und von der Terrasse aus konnte man das Spiel sehen. Mit einem Detail: Es war doch nicht England-Kroatien, sondern Frankreich-Belgien. Sagte ich schon, dass Fußball nicht meine Stärke ist?

Wir haben Bier getrunken. Viel Bier. Pawel kann Unmengen trinken. Ich kenne nicht viele Polen persönlich, aber die, die ich kenne, trinken viel. Wie Pawel. Blöd war nur, dass ich selber nicht aufgepasst habe und munter mit bestellt habe. Im Nachhinein: Bläh, sage ich nur. Wie konnte ich so dumm sein? Ach ja. Der Sieg musste gefeiert werden. Klar. Fußball ist mir so was von egal. Eigentlich. Aber ein Bier geht doch noch. Frankreich hat gewonnen. Nochmal Bläh. Um Mitternacht haben wir als letzte Gäste das Lokal verlassen, weil der Barman schließen wollte.

An der U-Bahn-Station haben wir uns getrennt. Wir mussten in entgegengesetzten Richtungen fahren. Ich merkte schon, wie mein Mund anfing, sich ganz betäubt anzufühlen. Die Zunge vor allem. Nicht gut. Ich habe noch dem Ehemann um 00:15 am Stachus angeschrieben, dass ich besoffen auf dem Weg nach Hause war und eine halbe Stunde auf die S8 warten musste. „Nimm dir ein Taxi,“ schrieb er zurück. „Nee, schlechte Erfahrung,“[2] war meine Antwort.

Ab dann kann ich mich am Ablauf der Rückfahrt nicht mehr so gut erinnern. Stand ich wirklich in Pasing, bis die S8 angekommen ist? Das kann nicht sein. Es muss am Stachus gewesen sein. Oder habe ich eine Bahn bis Pasing genommen und bin dort ausgestiegen? Und warum habe ich Pawel über Whatsapp dieses Foto von einer U-Bahn-Station geschickt, das ich einige Tage zuvor aufgenommen hatte?

Jedenfalls erinnere ich mich daran, dass ich zuerst auf einer Bank gesessen habe, bis sich eine Person neben mir hingesessen hat und eine Zigarette anzünden wollte. Ich bin aufgestanden und habe weiter weg im Stehen auf die Bahn gewartet. Ich bin eingestiegen, als die S8 angekommen ist. Ich habe noch wahrgenommen, wie Leute in Neuaubing ausgestiegen sind und habe gedacht, „ein Nickerchen darf sein, aber vergiss nicht, in Neugilching auszusteigen“. Ha! Das nächste Mal, als ich die Augen öffnete, standen die Türe breit offen, und eine Person stieg aus, als eine Durchsage „Weßling“ ankündigte. Wie, Weßling? Ich bin ganz schnell ausgestiegen.

Weßling. Halb zwei. Immer noch betrunken. Kein Taxi in Sicht. Und vermutlich fährt um die Uhrzeit keine S-Bahn mehr in die andere Richtung[3]. Kann es schlimmer werden? Ich informiere den in Berlin längst schlafenden Ehemann über Whatsapp über mein Missgeschick, nachdem ich den Hinweis über den niedrigen Akku-Stand weg klicke. Nach dem Senden der Nachricht schaltet sich das Handy von alleine aus. Tschüß, Feierabend. Mein Akku war noch am Morgen voll geladen. Der hält keinen Tag mehr durch.

Ich stehe also um halb zwei am Bahnhof Weßling, voll betrunken, im Dunkel, mit niemandem herum und ohne Handy, um mich zu navigieren oder doch ein Taxi anzurufen.

Zu Fuß nach Hause, also. Wenigstens war ich schon mal in Weßling, den Weg dürfte ich in Erinnerung haben, auch wenn ich damals nicht zum Bahnhof gekommen war. Ich gehe in die Richtung, aus der die Bahn gekommen ist. Muss schon stimmen. Ich gehe und gehe und sehe keine Schilder. Als ich endlich hinter mir ein Auto höre, winke ich frenetisch. Der Fahrer hält an! Und sagt gleich in einem für mich nicht identifizierbaren ausländischem Akzent, er hat keine Zeit, er muss zur Arbeit. Ich will nur wissen, in welcher Richtung Gilching liegt. „Zurück!“, ruft er, und fährt weiter. Na gut. Ich gehe zurück und komme zu einem Kreisverkehr. Stand er vorher wirklich schon da? Ein Schild zeigt mir die Richtung nach Gilching. Es sind 4,2 oder 4,8 Kilometer, so genau weiß ich nicht mehr. Ich gehe auf dem Radweg. Zwei Autos fahren in die gleiche Richtung wie ich vorbei und bremsen nicht mal, als ich auffällig winke. Soviel zum Thema Hilfsbereitschaft in Bayern. Als ich am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt vorbei gehe, weiß ich wenigstens, dass ich mich nicht verlaufen habe. Den Weg erkenne ich wieder.

Um 02:15 bin ich zu Hause. Ich falle ins Bett, nachdem ich mir die Zähne geputzt habe und dem Ehemann eine beruhigendere Nachricht schicken konnte. Der hat eh die ganze Aufregung durchgeschlafen.

Es hätte schlimmer sein können. Ich hätte in Herrsching aufwachen können.

[1] Heute hat unser Umzug aus Berlin statt gefunden, nachdem die Jungs schon zwei Tage lang unsere Sachen aus der alten Wohnung gepackt haben. Ich wollte gestern Abend im Voraus einige Sachen vorbereiten. War im Nachhinein betrachtet doch nicht wichtig. Der Umzug ist übrigens noch nicht fertig, morgen geht es weiter.

[2] Stimmt. Darüber habe ich noch nicht geschrieben.

[3] Geprüft. Tatsächlich wäre die nächste S8 nach Hause um 04:57 angekommen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Keine Fußball-Fan

Wirklich nicht. Ich habe mich seit dem Anfang der gegenwärtigen Meisterschaft ab und zu mit dem Ehemann auf der Couch vor dem Fernseher hingesetzt, aber nach fünf Minuten wird es mir schon zu blöd und ich finde schnell etwas, womit ich meine Zeit viel sinnvoller verbringen könnte. Zugegeben, es geht mir nicht nur beim Fußball so. Fernsehen ist nicht mein Ding.

Nerviger finde ich die Reaktionen in der Stadt, wenn Deutschland mal wieder spielt und ein Tor schießt. Am letzten Sonntag waren wir kurz nach Beginn des Spieles unterwegs, als die ersten Böller ertönten. Wie ich bin, habe ich zuerst an einen Anschlag mit Schießerei auf der Straße gedacht. Nein, es war das erste Tor. Wo haben die denn alle die Dinger her? Ich dachte, man könne sie nur vor Sylvester kaufen.

Heute Abend habe ich also die Stille Hoffnung, dass Italien sich durchsetzen wird. Den entsetzten Rufen vom Ehemann aus dem Wohnzimmer nach zu beurteilen, sah es am Anfang gut aus. Dann kam das erste Tor, und die Böller dazu. Dann hat Italien auch ein Tor geschossen. Es bleibt spannend, ob wir in den nächsten Tagen ruhige Abende erleben dürfen. Obwohl. Ich erinnere mich an eine andere Meisterschaft vor einigen Jahren (welche auch immer), als Italien ein Spiel gewonnen hatte (welches aus immer), leise wurde es nach dem Sieg nicht. Am besten wäre es, Island würde die Meisterschaft gewinnen. Das ganze Land zieht momentan quer durch Frankreich, um Stadien zu füllen, hier würde die Stille zurückkehren.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Zurück nach Deutschland

Der Urlaub ist vorbei.

Nach einem schnellen Frühstück auf der Terrasse, mit Blick aufs Meer, hat uns Guido zum Flughafen gebracht. Wir haben eingecheckt und das Gepäck registriert. Wir hätten noch ein bisschen Zeit gehabt, aber wir sind sofort zur Sicherheitskontrolle gegangen. Die Schlange war um knapp zehn Uhr morgens für einen Sonntag beeindruckend. Es gab zwei Reihen neben einander, die durch Bänder getrennt waren. Eine Frau stand am Anfang der Schlange und zeigte den Passagieren, zu welcher Reihe sie sich anschließen sollten, ohne auf die Boardkarte zu schauen. Wir haben uns rechts angestellt. Man kam relativ schnell vorwärts. Als die Schlange nach links bog, haben wir gemerkt, dass die Trennung völlig sinnlos war, da beide Schlangen sich wieder vereinigt haben. Andere Arbeiter waren ständig dabei, die Schlange neu zu begrenzen, und müssen diesen Teil vergessen haben. Es wurde schon chaotisch. Es hat gut zwanzig Minuten gedauert, bis wir zur Kontrolle angekommen sind.

Der Flug war nicht direkt. Ich habe die ganze Zeit den Rest des ersten Kapitels meines Tauchlehrbuches gelesen. Ich musste es bis heute erledigen. Es ging zuerst um das Modell des idealen Gases, weit und breit mit viel Text und Tabellen für Grundschüler erklärt, ohne dass die Formel pV=nRT überhaupt zum Erscheinen kommt – in einem Tauchlehrbuch sollten die Leser nicht erschreckt werden, es geht doch um Spaß. Es hätte aber den Kapitel um gut zehn Seiten gekürzt. Danach ging es um alle Einzelteile der Ausrüstung, wie man sie anzieht, worauf man achten soll, und wie sie gepflegt wird. Martin hatte uns bei der Flugbuchung verplant und glatt vergessen, dass mein erster privater Tauchkurs heute um 16:00 anfängt (als Vorbereitung für den Urlaub in Oktober). Er wollte auch dabei sein. Die geplante Landung in Tegel war um 16:15. Wir haben die Lehrerin (Mara, eine Freundin von ihm, mit der er häufig getaucht ist und die die Reise organisiert hat) vor unserer Abreise informiert und sie meinte, es ginge, wenn wir erst gegen 17:30 dort sind. Das heißt aber Stress. Er hat während des Umstiegs seinen Vater angerufen und ihn gefragt, ob er uns am Flughafen mit dem Auto abholen könnte. Unsere ursprüngliche Idee war eigentlich, ein Taxi zu nehmen. Anscheinend ist die Nachricht, dass wir pleite sind, endlich angekommen.

Die Abholung des Gepäcks hat sehr lange gedauert. Als wir raus gegangen sind, haben wir gemerkt, dass es hier vor kurzem geregnet haben musste. Der Vater von Martin war zunächst schlecht gelaunt. Aber nur mit Martin, nicht mit mir. Merkwürdig. Ich habe hinten gesessen. Ich habe bei ihrer Diskussion nicht alles verstanden. Als wir bei seinem Vater ausgestiegen sind (das Auto wollten wir für die nächsten Tage behalten), hat mir Martin erzählt, dass er völlig vergessen hatte, dass sein Geburtstag gestern war. Das wusste ich gar nicht. Ich fand es gleichzeitig lustig, da bei meinem Vater der Geburtstag am 7.12. ist.

Wir sind weiter zum Tauchkurs in Kreuzberg gefahren. Dort ging es schnell. Ich musste plötzlich alles anziehen, Geräte prüfen, bin mit Informationen überflutet worden, und es war das erste Mal, dass ich die Geräte überhaupt in der Hand halte. Als ich fertig gepackt wurde und am Rand von Schwimmbad saß, habe ich mich gefragt, wie man sich mit dieser Ausrüstung bewegen sollte. Es war so schwer, ich wusste nicht, wie ich es schaffen sollte, ins Wasser zu gehen. Beide Hände auf eine Seite am Boden drücken und runter gleiten, so lautete die Erklärung. Es hat gedauert, bis ich es geschafft habe, das rechte Hand nach links zu bringen. Und ich habe Angst bekommen. Ich dachte, mit allem, was ich mit mir schleppe, würde ich gleich am Boden sinken. Mein Jacket war aber aufgeblasen, und obwohl ich die Theorie kannte, war ich erleichtert zu merken, dass ich an der Oberfläche geblieben bin. Es fühlte sich nicht sehr angenehm an. Ich bin ständig hin und her vom Wasser geschleppt worden und fühlte mich nicht stabil. Es war auf jeden Fall gut, dass ich im Urlaub mit Schnorchel und Maske geübt habe, mindestens ging das Atmen unter Wasser ohne Problem. Wir haben einige Übungen gemacht. Mit Flossen geschwommen. Bei geringer Tiefe Maske mit Wasser gefüllt und geleert. Atemregler entfernt, gesucht und wieder eingesetzt (und daran denken, den Atem unter Wasser auf keinen Fall zu halten). Kommunikation durch Geste geübt. Alles mehr oder weniger gut gelaufen. Das einzige Problem: Ich bin nicht sehr tief gekommen. Mein linkes Ohr hat trotz andauernden Druckausgleichsversuche nach zwei Metern schon geschmerzt. Das habe ich sofort signalisiert, und nach einigen Versuchen haben wir für heute aufgegeben. Frustrierend. Die Theorie ist, dass ich durch das Fliegen schon vorbelastet bin und deswegen keinen Druckausgleich machen konnte. Ich denke, es hat auch damit zu tun, dass meine Ohrkanäle zu eng sind. Wir werden beim nächsten Mal sehen. Hoffentlich klappt’s dann. Der Urlaub ist teuer genug, um nur am Strand zu liegen, während die anderen tauchen gehen.

Nach dem Tauchkurs haben wir uns Pizza geholt und sind zu ihm gefahren. Es hat wieder geregnet. Die Straßen waren fast leer, die einzigen Autos unterwegs fuhren sehr schnell. Das Spiel hatte schon begonnen. Wir haben die WM-Finale bei ihm geschaut. Ich fand sie ziemlich brutal, vor allem in der zweiten Halbzeit. Fußball schaue ich kaum, vielleicht war es doch normal. Ich habe auch von Bissen während der WM-Spiele gehört. Primate. Immerhin eine gute Gelegenheit zu feiern, wenn morgen nicht gearbeitet werden müsste. Wir sind zu mir gefahren. Ich machte mir schon Sorgen um meine Mieze, die jedesmal in Panik gerät, wenn es Feuerwerke gibt. Sie hat uns vorsichtig begrüßt und geschnüffelt, als ob sie es nicht glauben konnte, dass wir endlich wieder da waren. Bei mir im Viertel ist es sehr ruhig. Man hört gar nichts von der Feier. Martin liest gerade seine Emails von den Immobilienagenturen. Wir haben immerhin eine gute Ausrede, um morgen nicht ganz früh bei der Arbeit zu sein.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Festival – Tag 2

Auszug aus meinem Reisetagesbuch.

Wir sind wieder gegen 07:00 geweckt worden. Einige unserer Nachbarn können anscheinend den Tag nicht beginnen, ohne vorher laut herum zu brüllen. Wir sind erst gegen 08:30 zu den Frühstückstischen gegangen und haben uns gleich danach auf dem Weg nach Leuven gemacht. Ich musste mal, wie jeden Morgen. Ich habe es vermieden, zu viel zu trinken, damit ich noch bis zur Stadt warten konnte. Wir haben in einer Kneipe nah am Bahnhof Kaffee getrunken und die Batterien unserer Handys teilweise aufgeladen (auf dem Festival konnte man vorgeladene Ladegeräte für zwei Marken erwerben, die für zwei Stunden Strom liefern, nicht genug für uns beide).

Wir sind durch die Stadt spazieren gegangen. Wir hatten noch nicht alles besucht. Da wir an eine Apotheke vorbei gegangen sind, habe ich mir Ohrstöpsel aus Wachs besorgt. Die habe ich auch zu Hause, aber leider nicht mitgenommen. Vor der Universitätsbibliothek (bei der ich vor acht Jahren an eine Tagung teilgenommen hatte) war ein Markt. Wir sind vorbei gegangen und haben in einem Park im Schatten der Bäume auf der Wiese geschlafen. Da wir hungrig wurden, haben wir mittags am Ende einer sehr süßen engen Gasse am Rathhaus in einer Kneipe gegessen. Drin, weil die Tische draußen ziemlich wackelig waren. Das selbst gebraute Amber ist definitiv sehr empfeglenswert, aber nur, wenn jemand es vorher kurz davor schon bestellt hat. Sonst kriegt man einen unangenehmen metallischen Geschmack, das hatte ich beim zweiten Glas. Den Fischburger fand ich nicht so toll. Zu viel von der Panade und viel zu wenig vom Fisch.

Auf unserem Tisch ist plötzlich eine dicke Ameise mit Flügeln gefallen. Es musste Paarungszeit sein, die Kopulation findet bei denen beim Fliegen statt. Beeindruckend fand ich, wie die Ameise sich so schnell von ihren Flügeln getrennt hat. Es hat vielleicht zehn Sekunden gedauert, bis alle vier Flügel auf dem Tisch geblieben sind. Davon hatte ich nur gelesen, aber nie selber beobachtet. Sie muss erfolgreich schwanger geworden sein. Es konnte nur ein Weib sein, da die Männchen bei der Paarung sterben (ihre am Boden gefallenen Leichen werden von den Arbeiterinnen als Nahrungsquelle zum Bau geschleppt). Wir haben die neue Königin nach draußen gebracht, damit sie eine bessere Möglichkeit findet, ihre Kolonie in einem neuen Ort zu gründen. Später sind noch drei oder vier Ameisen auf unserem Tisch gefallen, die aber ihre Flügel behalten haben und herum gelaufen sind.

Wir sind später zum Camping zurück gefahren. Sie hatten große Leinwände für die Fußballspiele bereit gestellt. Wir haben Bier geholt und an den Tischen das Spiel geschaut. Es gab nicht viele Festivalbesucher, die sich für Deutschland-Frankreich interessiert haben. Am Nachbartisch saßen einigen meiner noch Landesgleichen. Als ich gesehen habe, wie einer einfach seine Hose geöffnet hat, um unter dem Tisch auf der Wiese zu pinkeln, habe ich beschlossen, dass Deutschland gewinnen musste. Ich habe mich gefreut, als sie es tatsächlich geschafft haben. Bei der Halbzeit hatte ich ein bisschen Hunger und habe bei der veganen Bude geschaut. Sie hatten asiatische Nudeln, die zwar überkocht aussahen, aber mit Gemüse, mal was anderes als Hotdogs und Pommes. Ich hätte gerne welche probiert, aber als es mir klar wurde, dass das „4t“ kein halb verwischtes „4€“ war, sondern „4 tickets“ bedeutete (also 10€ pro Portion), habe ich es sein lassen. Wir haben doch Pommes auf der Straße vor dem Festivalgelände gegessen.

Danach sind wir zum Festival-Gelände gegangen. Es gab gerade eine Pause auf der Hauptbühne. Die Arctic Monkeys waren geplant, und ich war milde daran interessiert zu schauen, was sie machen. Inzwischen regnete es leicht, aber meine Regenjacke hatte ich dabei. Um uns herum wurde es ganz eng und der Rauch von den vielen Zigaretten ist nicht wie gestern schnell verschwunden, sondern hing lange in der Luft. Ständig sind Leute um uns herum hin und her gegangen. Dabei sind wir noch mit Bier geduscht worden. Was ich für Metallica ertragen habe, wollte ich für andere Gruppen nicht unbedingt erleben. Vor allem unter Regen. Ich habe schnell die Schnauze voll bekommen und bin zum Zelt zurück gegangen. Mit meinem leichten Rock und dem stärkeren Regen wurde es mir zu kalt. Ich habe es mir im Schlafsack gemütlich gemacht und mein Tauchlehrbuch weiter gelesen (mein erster praktischer Kurs ist am Tag unserer Rückreise geplant). Martin hat sich den Konzert zu Ende angeschaut und war zufrieden. Als er zurück kam, konnten wir relativ schnell einschlafen. Wachsohrstöpsel sind für mich wirklich am besten.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.