Fernarbeit

Mich hat heute meine chinesische Freundin Mei aus der Chemie angerufen. Wir hatten uns das letzte Mal in meinem früheren Institut gesehen, am Tag vor meinem Umzug. Sie hatte mir bis früh nachmittags geholfen, danach hatten wir am Institut an einem Gerät gearbeitet, weil sie eine spezielle Einstellung benutzen wollte, mit der wir sonst nie arbeiten. Ich hatte es mit ihr letztes Jahr schon gemacht und im Laborbuch die ganze Prozedur aufgeschrieben, aber irgendwie war keiner am Institut in der Lage, ihr behilflich zu sein. Yong Jin hatte schon das Institut für ihre neue Stelle verlassen (ich glaube, von ihr werde ich wohl nie wieder was hören, sie hatte zwar gesagt, dass wir in Kontakt bleiben sollten, hat aber seitdem nicht mehr auf Emails oder Anrufe geantwortet). Der adipösen Assistentin Angelika hatte ich schon alles erklärt, weil ich wusste, dass Mei das Gerät buchen wollte, aber sie traute sich nicht, das alleine zu machen. Unser angebliche Expert für diese Messmethode, Lars, hat sich sofort raus gehalten, als Mei ihn nach Hilfe fragte. Mein Nachfolger Andrzej ist sehr gut, ist aber in einer anderen Messmethode spezialisiert. Ein Glück für Mei, dass ich noch da war und bereit war, an einem Urlaubstag Zeit für sie zu nehmen.

So glatt lief es nicht, aber wir haben es nach einer Stunde geschafft, das Gerät für Oberflächenmessungen unter streifendem Einfall einzustellen. Ich habe die Prozedur im Laborbuch aktualisiert, ich musste doch damals vergessen haben, einige wichtige Details aufzuschreiben, um den richtigen Detektor anzusprechen (es war auch nicht sooo schwer, drauf zu kommen). Danach habe ich lange mit meinem ex-Chef diskutiert und bin nach Hause gegangen, um Kartons weiter zu packen. Seitdem habe ich fast täglich mehrmals Anrufe von Mei bekommen. Der Untergrund bei ihren neuen Messungen war komisch, die Phase war nicht zu sehen, die sie erwartet hatte… und keiner konnte ihr helfen. Nicht zu fassen. Bei meinem ex-Chef vermute ich Arbeitsüberlastung, er hat einfach keine Zeit, sich um Institutsexterne zu kümmern. Unser auf Dauer eingestellte „Expert“ Lars war bei meinem ex-Chef im Büro, als Mei ihn fragte: Seine spontane Reaktion nach ihrer Frage war „Pfff, keine Ahnung“. Wenn mein ex-Chef noch ein bisschen Vernunft besitzt und ehrlich mit sich selbst ist, muss er doch gemerkt haben, dass er bei seiner Wahl für die Dauereinstellung total daneben gelegen hat und was für eine Pfeife er eingestellt hat. Am Ende haben wir alle Probleme von Mei zu zweit am Telefon gelöst. Falscher Probenträger benutzt, Erklärung für den Untergrund gefunden, und für die fehlende Phase… Meinen neuen Chef hat es teilweise genervt, dass ich selbst während der Mittagspause den Support für mein frühere Institut gemacht habe. Wenigstens ist die Messung von Mei jetzt erfolgreich durchgeführt worden.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Plündertag – Fahrrad – Berlin

Da ich in Kürze umziehe und vieles nicht mehr brauche oder nicht mitnehmen möchte, will ich möglichst viele Sachen vor dem Umzug entsorgen. Ich habe schon letzte Woche angefangen und zwei großen Mülltüten voll mit noch guten aber lange nicht mehr getragenen Klamotten zu den Sammelcontainern gebracht – was mir Muskelkater verursacht hat, da ich Fußgängerin bin. Zwei weiteren Mülltüten mit nicht mehr zu rettendem Kram wurden entsorgt. Dinge, von denen ich mich schon lange hätte trennen sollen.

Aber es gab andere Sachen, bei denen es zu schade gewesen wäre, sie einfach weg zu werfen. Meinen alten Rechner, der im Dezember kaputt ging (eigentlich war es nur die Grafikkarte, aber er war mir eh zu langsam geworden), habe ich schon gestern einem früheren Kollegen für seinen Verein gespendet. Ich habe zusätzlich bei meinem ehemaligen Institut einige Kolleginnen informiert und einen Plündertag bei mir heute organisiert. Natürlich habe ich vorher auch etwas zum gemeinsamen Mittagessen gekocht. Yong Jin hat meine Tischstaffelei bekommen, die aus der Zeit stammt, als ich in meinem Viertel Malkurse bei einer damals neu eröffneten Galerie genommen hatte. Jetzt, wo ich meine tolle Wacom-Tablet habe, benutze ich die Staffelei gar nicht mehr, und ich wusste, dass sie seit längerer Zeit schon eine haben wollte. Ich habe auch jede Menge Bücher verschenkt, die ich nicht behalten wollte. Meine Freundin Mei ist noch mit zwei alten abgenutzten Mänteln nach Hause gegangen, sie wollte daraus etwas für ihre Katze basteln. Meine Katze war ein bisschen aufgeregt, so viele Leute auf einmal zu Hause zu sehen. Mei und Yong Jin kannte sie ja schon. Sie hat Antje heute zum ersten Mal gesehen und sie durfte sie schon hoch in den Armen tragen. Mei fand das so unfair, weil sie häufiger bei mir war und es gerade ab und zu durfte, sie zu streicheln. Ich war selber überrascht, dass sie sich so schnell von einer fremden Person anfassen lässt.

Ich habe meine Kolleginnen anschließend zum Institut begleitet. Ich wollte mein Fahrrad holen, das dort in einem Zimmer im Keller steht, um es reparieren zu lassen, weil ich es so lange wegen Ischias nicht benutzt habe, und es nach Berlin mitnehmen möchte. Ich habe doch eine große Überraschung bekommen, weil mein Fahrrad nirgendwo zu finden war. Ich hatte es früher in einer Garage behalten, aber sie grenzte an einem schon seit gut zwanzig Jahren ausgeschalteten kleinen Reaktor, der vor meiner Zeit für Physikstudenten bei Praktika benutzt wurde, und die Strahlenschutzabteilung hat uns vor zwei Jahren verboten, in der Garage persönliche Gegenstände zu behalten – obwohl die gemessene Strahlung in dem Raum quasi dem normalen Untergrund der natürlichen Radioaktivität entspricht. Ich hatte mit einem Kollegen einen anderen Platz fürs Fahrrad gefunden, und vor etwa einem Jahr hat er mich überredet, das Fahrrad zu diesem Raum zu bringen. Nur heute war es weg. Ich habe mit der Sekretärin überall auf dem Gelände gesucht, aber es war nicht zu finden. Sie wird morgen meine anderen Kollegen danach fragen. Hmm, jetzt, wo ich noch mal daran denke, erinnere ich mich ganz dunkel, dass eine chinesische Doktorandin bei einem Betriebsausflug letztes Jahr es benutzt hatte.

Ich habe sonst meine Fahrkarte für Sonntag nach Berlin gekauft. Diesmal reise ich mit reservierter Liege. Selbst wenn es laute Durchsage die ganze Nacht wie am letzten Sonntag gibt, werde ich wenigstens keine Schmerze wegen ungünstigen Schlafpositionen haben. So komme ich gegen 09:00 bei meiner Arbeit am Montag an. Ich werde einfach mit meinem Rucksack kommen. Den hatte ich vor sechs Jahren für einen Urlaub in Finnland gekauft (mich hatte es plötzlich gepackt, ich war im Sommer zwei Wochen lang alleine um die Seen gefahren). Er ist super bequem, ich konnte damit Stundenlang ohne Problem gehen. Ich habe heute Abend weiter nach Wohnungen gesucht. Berlin mag zwar groß sein, aber wo ich arbeiten werde sieht es eher wie ein Dorf aus. Es ist durchaus möglich, dort eine ruhige Lage zu finden. Da ich jetzt weiß, dass ich auf die Straßenbahn achten muss, habe ich neue Termine für Besichtigungen beantragen können. Ich hoffe, ich finde bald etwas, was mir gefällt. Dann muss ich neue Möbel kaufen (meine aktuelle Wohnung war möbliert), den Umzug organisieren, und meine Katze mitnehmen. Und die aktuelle Wohnung renovieren lassen, es gibt viel zu tun. Meine Vermieterin kommt erst am Wochenende vom Urlaub zurück, aber sie hat schon zugestimmt, so lange auf meine Katze aufzupassen, bis ich eine Wohnung in Berlin habe. Sie hat sich all die Jahre so freundlich verhalten, es tut mir schon leid, ausziehen zu müssen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Einschlafen

Ich habe heute Nacht schlecht geschlafen. Ich konnte einfach nicht einschlafen, bis etwa 03:00. Und heute Morgen, wie jeden Dienstag, bin ich kurz nach 07:00 von der Müllabfuhr geweckt worden.

Der Grund fürs schwierige Einschlafen ist mir um 02:30 klar geworden. Meine chinesische Freundin Mei hat mich gestern angerufen und wollte nach der Arbeit in die Stadt. Sie ist mit einer anderen chinesischen Frau, Li, gekommen, die in Kürze ihre Doktorarbeit anfangen wird, und die ich seit einigen Monaten kenne. Sie haben vorgeschlagen, zu einem kleinen Lokal zu gehen, wo man Bubble Tea trinken kann. Bubble Tea kannte ich noch nicht und habe es also zum ersten Mal probiert. Ich habe danach nicht mehr dran gedacht. Aber Tee nach 17:00 zu trinken, wie Kaffee, Cola oder Orangensaft, ist bei mir eine sehr schlechte Idee. Es gab eine Zeit, als ich mit Kollegen jeden Tag nach dem Mittagessen Kaffee getrunken hatte. In dieser Zeit hatte ich extreme Schwierigkeiten beim Schlafen. Ich habe aber nicht sofort gewusst, woran es lag. Erst als ich ein paar Mal ausnahmsweise keinen Kaffee getrunken hatte und direkt danach gut schlafen konnte, habe ich mit der Gewohnheit nach dem Mittagessen aufgehört. Morgens kann ich aber ohne Problem Kaffee trinken. Kein Wunder also, dass ich heute Nacht nicht früh schlafen konnte.

Andererseits ist es gut, dass ich lange wach geblieben bin. Gegen 02:30 habe ich wieder an den Kater meiner Vermieterin gedacht. Sie ist aus ihrem kurzen Urlaub noch nicht zurück gekommen. In der Woche brauche ich mich nicht um den Kater zu kümmern, da die Kollegin meiner Vermieterin in der Praxis tagsüber da ist, sie versorgt ihn schon. Wie war das noch? Abends soll ich ihn in die Praxis wieder rein lassen, stimmt… Ach du Sch…! Steh auf, zieh dich wieder an, mach ganz leise die Tür auf, geh die Treppe runter bis zum Erdgeschoss, öffne die Tür der Praxis, mach die Tür zum Garten auf, der Kater kommt sofort angerannt, mach die Tür und die Rollladen zu, Entschuldigungsschmusen, gib ein paar Leckerlies, mach die Tür wieder zu, gehe die vier Etagen leise wieder hoch, zurück in die Wohnung, ausziehen, zurück ins Bett… Und dann, nach ein bisschen Lesen, bin ich endlich eingeschlafen.

Ich habe sonst gestern etwas von meinem Bearbeiter beim Jobcenter doch gehört. Er hat versucht, mich anzurufen, als ich beim Fitness-Studio war. Zurück rufen konnte ich nicht, die Nummer wurde nicht angezeigt. Als ich wieder zu Hause war und Thunderbird geöffnet habe, habe ich eine Email von ihm gefunden. Er hat mir eine vom Arbeitsamt bezahlte Weiterbildung für Qualitätsmanagement ab Juni in meiner Stadt angeboten, mit anschließender TÜV-Zertifizierung. Da bin ich sofort auf die Gelegenheit gesprungen und habe mein Interesse angekündigt. Es gibt immer wieder Stellenanzeigen für QM, da könnte ich eine sinnvolle neue Fähigkeit erwerben. Die Weiterbildung soll nun drei Monaten Vollzeit dauern. Ich habe gleich angemerkt, dass man bei einem solchen Zeitaufwand nicht erwarten kann, dass ich mich so intensiv wie jetzt bewerben werde. Er hat mich für die Weiterbildung vermerkt, ich hoffe, ich kann tatsächlich daran teilnehmen.

Und heute Nachmittag habe ich einen Termin bei einer Fotografin in meinem Viertel, um neue Bewerbungsfotos zu machen. Ich denke, mit meinen zurzeit vermerkten Stellenanzeigen werde ich warten, bis ich das neue Foto habe. So lange wird es nicht dauern, sie meinte, bis nächster Woche sollten sie fertig sein. Wir machen gleich eine Serie von Fotos und ich soll danach entscheiden, welche ich behalten will. Der Preis ist schon hoch, aber ich habe ihre Arbeiten auf ihrer Internet-Seite gesehen und bin begeistert.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Und das war’s

Jetzt bleibt nur noch abzuwarten. Wär schön, wenn es endlich mal klappen würde. Zuerst müssen die anderen Mitbewerber dran sein.

Kaum bin ich angekommen, dass ich schon den Vortrag halten musste, es ging so schnell, dann die Fragen, so viele waren es nicht und sie waren vor allem grundlegender Natur, obwohl ich mich bemüht hatte, möglichst didaktisch für Fachfremde zu bleiben, dann das Gespräch unter sechs Augen, dann die Tour durch die ganzen Labors, und zurück zum Bus… Wenigstens ist die Vergütungsfrage geklärt, und ich wäre damit zufrieden. Viel Grübeln um nichts, es war nur aus der Ausschreibung nicht zu erkennen.

Sollte es klappen, muss ich unbedingt ausziehen. So weit weg ist es nicht, aber mir ging’s nach einer Stunde Bus echt schlecht. Der Fahrer war auch nicht gerade der sanfteste, den ich je erlebt habe. Und der Bus für die Rückfahrt war so voll, dass ich die ganze Zeit stehen musste, meinem Ischias hat es nicht gefallen.

Gerade aus dem Bus ausgestiegen, wollte ich mich zu Hause erholen. Just in dem Moment rief meine Freundin Mei an und wollte in die Stadt ein bisschen shoppen. Gute Idee. Dann leckere Spaghetti con olio, aglio e peperoncini, die beste Art überhaupt, Spaghetti zu vorbereiten. Das Eis danach in der Stadt war vielleicht keine so gute Idee, mein Magen beschwert sich. Ich hatte den ganzen Tag von lauter Aufregung kaum was essen können. Jetzt rächt es sich.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.