Die Isar-Wanderung – Tag 4

Nach über zwei Jahren setzen wir unsere Wanderung fort. Der Ehemann hat unsere Route geplant. Wir setzen uns in den leeren 1. Klasse Abteil der BOB[1] nach Lenggries und fahren bis Bad Tölz, wo wir zuletzt kurz nach Ostern waren. Wir fangen erstmal mit einem Frühstück auf der Terrasse einer Konditorei an, unter den breit aufgestellten Sonnenschirmen, während es regnet.

Kurz vor elf verlassen wir unseren Tisch. Ich stehe auf, während der Ehemann noch sitzend seine Sachen zusammen sucht. Eine Oma kommt zu uns und fragt, ob wir jetzt gehen. Alle anderen Tische sind belegt. Ich sage ja, und sie verschwindet hinter mir. Ich sehe sie nicht mehr, aber meinen schweren Rucksack kriegt sie fast eingerammt, als ich ihn aufsetze, so dicht sie doch hinter mir steht, wie ich überrascht feststelle. Obwohl es viel Platz zwischen den Tischen unter den Schirmen gibt. Drei Monaten nach Erklärung des Katastrophenfalles in Bayern hat sie wohl immer noch nichts von COVID-19 und Abstand halten gehört.

Wir laufen herunter zur Brücke. Da der Weg zur rechten Seite der Isar flussabwärts wegen Bauarbeiten gesperrt ist, laufen wir die Straße hoch und biegen links in die Fröhlichgasse ab. Auf dem Weg am Ende der Gasse unter den Bäumen hört es auf zu regnen. Wir laufen an Wiesen und Bauernhöfen vorbei, wo die Pest anno 1634 wütete, lehrt uns ein Schild.

Nach drei Kilometern erreichen wir den Isarkraftwerk von Bad Tölz, der 1961 erbaut wurde. Wir gehen über die Brücke und genießen einen wunderschönen Blick über den Stausee. Auf der anderen Seite der Isar wurde eine Fischtreppe eingerichtet.

Wir suchen den Weg flussabwärts links von der Isar, den der Ehemann sich ausgesucht hat. Der Weg wird immer schmäler, es liegen viele umgestürzte Bäume und nach einigen Metern geht es gar nicht mehr weiter. Uns bleibt nur noch übrig, umzudrehen, direkt am Ufer der Isar zu laufen und den Kiesberg im Hintergrund auf dem zweiten Bild unten zu erklimmen. Die Steine rutschen unter meinen Füßen, ich sehe schon mein letztes Stündchen schlagen und ich schimpfe den Ehemann. Oben angekommen, sehen wir, dass hier schwere Vehikel gefahren sind. Der Abstieg auf der anderen Seite geht also viel leichter. Ich freue mich, einen breiteren Weg zu finden, als wir von der Isar links abbiegen, aber meine Freude ist kurzer Dauer. Wieder umgestürzte Bäume. Am Rande vom Weg machen wir eine paläontologische Entdeckung. Als der Weg wieder völlig unbegehbar wird, laufen wir ein Stück an der Straße entlang, ab der Haltestelle Fiecht, Abzweig. Es fahren nicht viele Autos, dafür sind sie ziemlich schnell unterwegs. Nach der wilden Mülldeponie am Parkplatz betreten wir rechts von der Straße wieder den Wald und finden einen schönen Platz oberhalb von der Isar für die Mittagspause. Ich habe uns eine Art Mpatzina mitgebracht, die ich mit Knollensellerie statt Zucchini gemacht habe, da es noch eine halbe Knolle im Kühlschrank gab.

Nach der Pause geht es weiter flussabwärts. Wir entdecken eine Badestelle, wo wir uns die Füße abkühlen. Zum Schwimmen ist mir das Wasser viel zu kalt. Ein Stückchen weiter legen wir uns auf der Picknick-Decke auf dem Kies. Man merkt es, die Pausen werden immer häufiger. Ich bin müde. Hier werde ich von irgendeinem Insekten gestochen, nehme ich an, ich sehe es nicht. Auf einmal schmerzt es sehr in der rechten Ellbeuge, und ich spüre Hitzewellen durch den Arm bis zum Ellbogen. Es ist schon rot, als ich Fenistil[1] drauf schmiere. Nach einer guten halben Stunde lässt der Schmerz nach.

Weiter nach Geretsried, wo die Dusche in der Pension auf uns wartet. Die Wege werden immer schwieriger. In den letzten Wochen hat es so viel geregnet, dass viele Wege überflutet sind. Wir müssen mehrmals umdrehen. An einigen Stellen gibt es zum Glück kleine Holzbrücken. Unser Weg geht plötzlich steil hoch. Eine Treppe mit Handlauf wurde gebaut, was bei dem Schlamm sehr hilfreich ist. Zwischendurch liegen noch mehr umgestürzte Bäume. Als wir endlich oben ankommen, werden wir mit einem atemraubenden Blick ins Isartal belohnt, und machen kurz Halt auf einer der Bänken. Wir sind am Malerwinkel bei Königsdorf, so benannt, weil viele Künstler hier das Motiv für Gemälde benutzt haben.

Den Rest des Weges bis Geretsried habe ich so gut wie nicht mehr fotografiert. Ich hatte nur noch eins im Kopf: Ankommen. Die Füße haben vor allem geschmerzt. Wir sind fast 21 Kilometer gelaufen.

Über die Flora habe ich mich wieder sehr gefreut.

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Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Von Gauting nach Pasing

Wir haben jetzt Urlaub. Ursprünglich wollten wir nach Finnland, aber mit der Pandemie haben wir umgeplant. Es war zum Glück noch nichts gebucht, als wir im März gesagt haben, Urlaub machen wir doch besser dahoam. Wer hätte mit Sicherheit sagen können, dass wir im Juni wieder verreisen dürfen? Für den Ehemann, der von klein auf immer überall mit der Familie unterwegs war, ist die Situation ungewöhnlich.

Für mich ist es eigentlich normal. In meiner Kindheit sind wir so gut wie nie in den Urlaub gefahren. Wir waren nicht reich, meine Eltern betrachteten die ganze Reiserei als reine Geldverschwendung, und ich erinnere mich nur zu ungerne an eine Fahrt in den hohen Norden (nach Tours, zu einem Freund meines Vaters) eines Sommers, unser einziger Familienurlaub, als wir zu fünft im Auto auf einem Parkplatz schlafen mussten, die Eltern vorne, die drei Kinder hinten, weil die Hotels zu teuer waren. Und warum sollten wir weg fahren, wenn so viele zu uns in den Urlaub kommen? In der Provence ist Urlaub zu Hause schön, und es hatte mir nie etwas ausgemacht, nicht weg zu fahren.

Den Auftakt vom Urlaub haben wir gestern gemacht, als wir unsere Wanderung im Würmtal fortgesetzt haben. Wir waren vor drei Wochen von Gauting nach Starnberg gelaufen, wo die Würm aus dem See fließt – bis 1962 hieß ja der Starnberger See „Würmsee“.

Gestern sind wir mit der S-Bahn nach Gauting gefahren, und sind von dort der Würm nordwärts gefolgt. Zuerst einen Blick auf das Elektrizitätswerk geworfen, diesmal erfreulicherweise ohne Pizzakarton und Bierflaschen, wo man deutlich sieht, dass das Wasser mit dem starken Regen in den letzten Wochen stark angestiegen ist. Wir nehmen den Pfarrweg und kommen zum Wasserrad, das man zur Zeit nur vom Ufer aus sehen kann, weil die Brücke wegen Bauarbeiten geschlossen ist. Dort blüht immer noch der Wasserhahnenfuß, wenn nicht mehr so prächtig wie vor drei Wochen. Den Enten scheint es hier gut zu gefallen. Ein Stückchen weiter entdecken wir einen Hafen für kleine Boote, mit denen Kinder spielen.

Wir gehen zur anderen Seite der Würm durch den Park vom Schloss Fußberg. Die Wege werden sehr schlammig und ich bin froh, meine dicke Wanderschuhe zu tragen. Wir laufen an netten Badestellen und Wiesen vorbei, bis wir am Grubmühl ankommen. Dort müssen wir ein Stück an der Straße entlang laufen, können aber bei den Gänsen links wieder die Straße verlassen. Die Gänse scheinen den Wasserhahnenfuß genau so wie die Enten zu mögen. Der Himmel ist bedeckt, aber der angekündigte Regen bleibt aus. Wenn die Sonne durch die Wolken erscheint, wird es unerträglich schwül. Wir erreichen Krailling und halten für die Mittagspause im Biergarten vom Gasthof Alter Wirt[1].

Wir laufen weiter und kommen zur Kreuzung mit der Planegger Bahnhofstraße, die ich häufig mit der 266 zur Arbeit herunter gefahren bin. Nach der Kreuzung steht ein Denkmal für die im ersten Weltkrieg gefallenen Menschen. Nach dem zurzeit immer noch geschlossenen Wellenbad und der Tanderschlucht, wo Kinder die Enten füttern, laufen wir über eine weitere Brücke. Das Wasser fließt hier auch sehr schnell, es finden sich jedoch schöne Plätze zum Baden. Wir entdecken mit Begeisterung eine Wasseramsel auf einem Ast im Wasser am anderen Ufer, aber meine Kamera kann leider nicht so gut zoomen. In Gräfelfing nehme ich endlich die Gelegenheit wahr, die Skulptur an der Pfarrkirche St. Stephan zu fotografieren, die mir sonst immer von der 267 aus auf dem Weg zur Arbeit aufgefallen war. Unser Weg führt uns an die Liegewiese vorbei, wo wir uns die Füße in der Würm abkühlen. Herrlich. Das Wasserrad am Ende der Liegewiese ist ein Nachbau des alten Wasserrades, das kurz vor dem zwanzigsten Jahrhundert in einem nicht mehr existierenden Seitenarm der Würm erbaut wurde und bis in die 60er Jahre zur Wasserversorgung eines Gutes diente.

Nach der Brücke über die Autobahn erreichen wir eine riesige Parkanlage. Es sind nicht so viele Leute unterwegs, vermutlich weil das Wetter wechselhaft aussieht. Oder wegen der Pandemie. Nach dem Pasinger Stadtpark laufen wir weiter bis zum Bahnhof Pasing an die Würm entlang und setzen uns nach fast sechszehn Kilometern erschöpft an der Terrasse der Pasinger Fabrik[1], um uns mit leckeren Kleinigkeiten zu erholen, bevor wir mit der Bahn zurück nach Hause fahren.

Heute habe ich richtig Muskelkater in den Oberschenkeln und am Bauch bekommen. Ich hatte auch Migräne und musste am Nachmittag zweieinhalb Stunden schlafen, was bei mir sehr selten vorkommt. Ich hätte gestern mehr Wasser trinken sollen, meine Flasche war noch zu zwei Drittel voll, als wir zurück gekommen sind.

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Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Doch kein Muttertag

So lange ich mich erinnern kann, ist Muttertag in Frankreich am letzten Sonntag im Mai. Das sitzt bei mir so tief, dass ich gestern mit voller Überzeugung Blumen für meine Mami bestellt habe. Heute kurz vor zwölf ruft sie mich an. Sie freut sich total über den Strauß, aber Muttertag wäre doch erst nächste Woche. Wie, nächste Woche? Tja, tatsächlich. Muttertag fällt in Frankreich am letzten Sonntag im Mai, außer, wenn es Pfingsten ist, dann wird es um eine Woche verschoben. Haben wir gelacht.

Am Doch-Kein-Muttertag sind wir mit dem Ehemann im Würmtal gewandert, von Gauting bis Starnberg. Nach der Brücke in Gauting, die 1946 Sankt Nepomuk gewidmet wurde[1], biegen wir rechts um das Elektrizitätswerk ab. Wir entdecken einen sehr schönen Platz zum Verweilen, würden ihn nicht rücksichtslose Vollidioten so vermüllt hinterlassen. Man fühlt sich fast wieder wie in Köpenick.

Wir folgen erstmal der Straße, wo trotz der frühen Stunde schon viele Radfahrer unterwegs sind[2]. Mitten in einem Feld steht ein Häuschen, in dem sich Kühe ausruhen. Wir biegen irgendwann rechts ab und kommen zu einem Wassergebiet, in dem scheinbar Biber wohnen. Wir bleiben eine Weile am Ufer, aber Biber sehen wir keine. Dafür sind Enten, Amseln und Drosseln unterwegs.

Wir müssen zurück zum Fußgänger-Radweg, da wir durch das Feld vom Reiterverein nicht weiter können. Unterwegs fallen mir komische Verwachsungen auf den Blättern von bestimmten Bäumen auf. Eine Krankheit? Der Wasserhahnenfuß in der Würm blüht gerade prächtig. Am Mühltal machen wir Pause in einem sympathischen kleinen Biergarten, der gerade öffnet, als wir ankommen. Es trifft sich gut.

Wir müssen ab hier die Straße überqueren. Auf der anderen Seite liegt eine Eber-Statue. Wir laufen in Richtung der Drei Bethen Quelle, deren Wasser, uns ein Schild warnt, nicht trinkbar und aufgrund von Bakterien auch nicht zum Waschen von Wunden geeignet ist. Nach einer Weile müssen wir auf dem Radweg neben der Straße laufen. In einem Feld links von der Straße schlafen Schafe unter einem gekippten Wohnmobil. Wir machen Halt bei der Kapelle St. Peter (1513 erbaut) auf der anderen Seite der Straße. Die Kapelle steht über eine Quelle, deren Wasser Heilkräfte zugesagt wurden. Das daraus entstandene Wildbad Petersbrunn bekam viele Patienten zur Behandlung, bis am Ende des 19. Jahrhunderts Zweifel über die Wirkung des Wassers aufkamen. Heute ist nur noch die Kapelle erhalten. Neben der Kapelle steht ein Mahnmal[3] vom Künstler Walter Habdank, das an den Todesmarsch von April 1945 erinnert.

Den Rest der Wanderung machen wir durch den Golfplatz, weil es uns zu blöd ist, auf dem gut befahrenen Radweg neben der Straße zu bleiben. Wir laufen bis zum Bahnhof Starnberg am See, und nehmen die S6 zurück nach Gauting, wo wir das Auto am Morgen geparkt haben. Wir sind knapp über dreizehn Kilometer gelaufen.

[1] Text auf der Tafel unter der Statue:

Oh! Sankt Johannes Nepomuk,
stehst hier im Wind auf Gautings Bruck
Gott hat sie uns erhalten!
Drum liebe Leut merks euch allzeit,
d’Bruck ist Sankt Nepomuk geweiht.
Lasst ab von Hass und Missetat,
Gott lohnt’s euch dann
oft früh – oft spät. 1946

[2] An einem Baum hängt ein Zettel mit einem langen Text, der Spaziergehende und besonders Radfahrer um Rücksicht zu einander bittet, da dieser Weg seit Ausbruch der Corona-Pandemie an Beliebheit gewonnen hat und dadurch einige schwere Unfälle statt gefunden haben, die den Einsatz von Rettungskräften erfordert haben. Das dürften die wenigsten gelesen haben, da man selbst auf engen Wegen von rasenden Radfahrern ganz nah überholt wird.

[3] Der Text auf dem Mahnmal ist schwer auszumachen, die fehlende Interpunktion ist jetzt von mir:

Auf dieser Straße wurden in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges mehr als siebentausend Gefangene aus dem Konzentrationslager Dachau in ein ungewisses dunkles Schicksal getrieben. Für viele führte dieser Leidensweg in den Tod. Sie waren Opfer der menschenverachtenden nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Sie rufen uns auf zu Versöhnung und Nächstenliebe. Gott wird den Tod verschlingen auf ewig. Der Herr wird abwischen die Tränen von jedeman Gesicht. Jesaja 258.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Nicht erholt

Zwei Wochen Urlaub sind um. Ich fühle mich gar nicht erholt.

Ich war am Ende des Jahres auf Arbeit völlig ausgelastet. Mein Teamleiter hatte mich darum gebetet, für ein bestimmtes Projekt meine Arbeitszeit zu erfassen. Ich habe mir dafür eine App[1] auf den Rechnern installiert und protokolliere jetzt alles, was ich mache, nicht nur das eine Projekt. Das war Mitte November. Seitdem ist mir bewusst, wie viele Überstunden ich tatsächlich leiste. Jede Woche deutlich über vierzig Stunden, und das ist die reine Arbeitszeit am Schreibtisch, ohne Pausen. Dafür hat sich mein Gehalt seit meinem Einstieg in der Firma vor zwei Jahren nicht geändert, obwohl ich mehr Aufgaben bekommen habe. Wir haben keine Arbeitszeiterfassung, so dass ich nur auf den guten Willen meines Arbeitgebers angewiesen bin, um Überstunden geltend zu machen, die ich laut Vertrag machen muss, wenn es sein muss. Am zweiten Wochenende Dezember waren wir mit dem Ehemann in Berlin. Ich hatte mir den Montag dafür frei genommen. Am Ende habe ich die ganze Zeit im Zug am Laptop weiter gearbeitet, um ein Projekt für einen Kunden fertig zu kriegen. Hin und zurück. Ich konnte den freien Tag zurück bekommen und mit dem letzten Freitag vor meinem Urlaub tauschen. Ich musste doch an dem Tag einige Sachen von zu Hause aus fertig machen, da ich am Donnerstag davor nach fast zehn Stunden Arbeit nicht mehr funktionsfähig war. Neujahrsvorsatz #1: Auf die Bremse treten und lernen, nein zu sagen. Sonst kippe ich um.

Der Urlaub selbst war nicht erholsam. Wie könnte es anders sein, bei der Reiserei? Weihnachten in der Familie vom Ehemann, Sylvester bei meiner Mutter, inklusiv Besuch der Schwester mit ihrem dreijährigen Sohn, die wenigsten dieses Jahr zu meiner Mutter gekommen sind, um uns eine längere Fahrzeit zu ersparen. In den zwei Wochen gab es viel Lärm, viel Essen und viel Trinken. Neujahrsvorsatz #2, wie letztes Jahr: Mich mehr bewegen. Diesmal aber wirklich. Es wird klappen, wenn ich Vorsatz #1 durchsetze.

Nachdem wir am Montag den Flieger nach Nizza doch gekriegt haben, sind wir mit dem Mietwagen an der Küste entlang gefahren, statt die Autobahn zu benutzen. Das Wetter war fantastisch. Wir haben Pause bei einer Calanque gemacht. Wie ich diese Strecke zwischen Fréjus und Théoule mit dem Zug geliebt habe, als ich Studentin war, mit den roten Gesteinen, die ins blaue Wasser versinken! Schwimmen kann man dort schlecht, da es wenige Strände gibt, aber der Massif de l’Esterel ist jedenfalls ein Besuch wert. Wir sind mit dem Ehemann dort ein paar Male gewandert. Ich wundere mich, dass ich nichts davon hier festgehalten habe.

Das Wetter ist die ganze Woche schön geblieben. Wir sind spazieren gegangen. Unten links, Promenade am Ufer vom Lac de Sainte-Croix bei Les Salles-sur-Verdon, wo ich als Kind häufig gebadet hatte. Traumhaft glattes Wasser. Wir haben Kiesel übers Wasser hüpfen lassen. Unten rechts, Höhle und Wasserfall in Villecroze, wo sich der Neffe vor allem für den Spielplatz interessiert hat. Die Höhle ist leider seit den letzten Überschwemmungen vom November gesperrt, da es jetzt ein erhöhtes Risiko für Steinschlag gibt.

Am Freitag erreichte uns die Nachricht, dass es dem Schwiegervater nicht gut ging. Nachbarn haben einen Notarzt gerufen, der Schwiegervater liegt seitdem im Krankenhaus. Anstatt also dass wir gestern Abend zusammen zurück nach Hause geflogen sind, hat der Ehemann für sich nach Berlin umgebucht. Ich habe dadurch den ganzen Tag in Nizza verbracht und bin nach dem Shoppen zu Fuß zum Flughafen gelatscht. Sieben Kilometer. Ich hatte viel Zeit, und Vorsatz #2. Der Koffer war schwer. Ich musste einige Pausen einlegen, nicht zuletzt um den pan bagnat zu essen, den ich am noch geöffneten Weihnachtsmarkt auf der Place Masséna geholt hatte. Er hat leider geschmacklich meine Erwartungen nicht erfüllt. Ich habe den Verdacht, dass etwas anderes als Olivenöl benutzt wurde. Bei den Temperaturen konnte ich im T-Shirt laufen, wie das letzte Mal vor vier Jahren. Ab drei Uhr nachmittags wurde es windig und ich habe den Pulli wieder angezogen.

Um elf Uhr abends gestern zu Hause angekommen. Ich habe trotz der späten Stunde ein Bad genommen. Meine Beine waren durch den langen Fußweg zum Flughafen richtig müde.

Nicht erholt fühle ich mich vielleicht deswegen auch, weil ich mich seit heute früh erkältet fühle. Die ganze Woche war der Ehemann nur am Niesen, und nachtsüber am Schnarchen, was die Erholung zusätzlich beeinträchtigt hat. Ich dachte bis gestern naiv, mich hätte die Erkältung nicht erwischt. Falsch.

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Von Bernried nach Seeshaupt und zurück

Vorletztes Wochenende dachte ich, es wäre das letzte schöne Wochenende des Jahres. Doch nicht. Für gestern hatten wir Sonne mit zwanzig Grad vorhergesagt bekommen. Deswegen meinte der Ehemann, wir sollten am Samstag ganz früh aufstehen und den Sonnenaufgang auf dem Starnberger See gucken gehen. Er würde seine Kamera mitnehmen und Fotos machen. Danach könnten wir wandern. Nicht zu weit weg, meinte ich. Wir haben auch in der Nähe tolle Ausflugsmöglichkeiten, ohne gleich anderthalb Stunden in die Berge fahren zu müssen.

Gestern also, um halb sieben weckt uns das Radio. Gähn. Aufstehen, duschen, für den Tag Rucksäcke packen. Wir setzen uns ins Auto und erreichen Starnberg, oder besser gesagt unsere übliche Badestelle am Starnberger See, um halb acht. Voll Nebel. Ist ja klar, seit einem Monat haben wir Nebel am frühen Morgen in Gilching, am See ist es noch schlimmer. In einem der großen Bäumen neben der öffentlichen Toilette zwitschern alle Vögel ganz aufgeregt. Ihr Tag fängt an. Wir setzen uns auf unsere Picknick-Decke am Ende vom Steg hin, während eine Frau aus dem See raus schwimmt und sich neben uns umzieht. Brr. Im September fand ich das schon kalt, vor dem Urlaub. Jetzt würde ich es nicht mehr wagen. Dafür müsste man täglich üben. Wir sitzen bis nach Sonnenaufgang da, wobei wir nichts davon merken. Es bleibt genau so nebelig. Die Vögel sind aber still geworden.

Als mir zu kalt wird, machen wir uns auf den Weg zur französischen Bäckerei[1]. Nach einer leckeren heißen Schokolade und einer Brioche geht es mir besser. Wir kaufen Gemüse für den Sonntag auf den Markt ein, und fahren nach Bernried, wo der Ehemann uns eine Wanderung ausgesucht hat. Auf dem Weg dahin scheint schon in Tutzing die Sonne, und in Bernried sehen wir nur noch ein ganz wenig Rest Nebel auf dem See.

Einen Parkplatz finden wir am oberen Ende der Dorfstraße. Wir laufen die Straße lang am Maibaum vorbei und entdecken die Hofmarkskirche. Eine Straße weiter ist das Kloster Bernried an der Kirche St. Martin zu sehen. Die eine Tonne schwer alte Glocke der Kirche liegt in Park. Sie wird als Kulturgut geschützt und hat einiges erlebt: 1753 wurde sie von einem Blitzschlag getroffen und musste umgegossen werden, die zwei Weltkriegen hat sie überlebt, indem sie vor dem Einschmelzen geschützt wurde, bis sie 1970 wegen eines Rißes ihren Laut endgültig verloren hat. Bernried hat viele einzigartige alte Häuser, wie das Haus mit dem Hirschkopf, das ich auf dem Rückweg zum Auto fotografiert habe.

Unsere Wanderung beginnt am Bernrieder Steg, wo der Dampfer anlegt. Wir laufen rechts davon am See entlang, in dem Bernrieder Park. Sehr wenige Leute sind unterwegs und die, die uns entgegen kommen, begrüßen uns äußerst freundlich. Wir laufen teilweise ganz nah am Wasser und ich teste die Wassertemperatur mit der Hand. Wirklich viel zu kalt für mich, jetzt.

Ursprünglich steuert uns der Ehemann zu einem Gasthof in einem Ort kurz vor Seeshaupt. Seeseiten. Dort angekommen übersehen wir schlicht den Gasthof. Wir laufen durch ein Parkplatz, wo viele Autos kommen und gehen, und wollen nur schnell weg. Es war wohl der Gasthof, wie wir auf dem Rückweg fest stellen. Ich schlage vor, bis Seeshaupt zu laufen, da es nicht mehr weit ist. Von dort waren wir mit dem Dampfer nach Starnberg gefahren, am Ende unserer Isar-Wanderung.

Ich bin froh, als wir endlich Seeshaupt erreichen. Langsam tun mir die Achillessehnen weh, vor allem links. Der Ehemann hat Lust auf ein bayrisches Frühstück, aber die Anzahl der in der Spätsaison noch geöffneten Lokalen ist überschaubar und keins davon scheint Weißwurst anzubieten. Wir gehen kurz ins Restaurant Alte Post rein, aber die Atmosphäre und die drin herrschende Hitze jagt uns weg. Vermutlich wegen des hohen Alters der speisenden Gäste. Wir laufen die Straße runter und entdecken das Café am See[1], wo wir auf der Terrasse einen Tisch in der Sonne finden. Das Restaurant ist ein Glücksfall. Der hausgeräucherte Saibling aus dem See ist vorzüglich und die Bedienung sehr freundlich. Ich weiß nur nicht, warum die Köche meinen, zum Saibling Sahnemeerrettich anbieten zu müssen. Ich hab’s aus Höfflichkeit probiert und fand den Fisch ohne viel besser.

Da der Dampfer schon bis April den Betrieb eingestellt hat, müssen wir zurück nach Bernried laufen. Wenigstens haben sich meine Beine von der Pause gut erholen können. Auf dem Rückweg treffen wir deutlich mehr Leute, die sich auch weniger freundlich verhalten. Anstatt den unteren Seeweg zu benutzen, biegen wir links hoch an die Kühe vorbei. Ich bin überrascht, dass ein Auto den Weg runter fährt. Ich dachte, hier wäre kein motorisierter Verkehr erlaubt. Aber das ist auch Bayern: Jeder macht was er will und scheißt auf die Anderen. Radfahrer waren auch heute ständig auf den Gehwegen unterwegs, obwohl explizit überall auf den Schildern stand, bitte absteigen, und waren teilweise noch so frech, die Fußgänger anzuklingeln.

Unterwegs habe ich mich an die Vielfalt von Pilzen sehr gefreut. Was das Prachtexemplar mit dem blau-violetten Hut ist, keine Ahnung.

Insgesamt sind wir dreizehn Kilometer gelaufen, schätzt der Ehemann. Ich weiß nur, dass ich im Auto auf dem Weg nach Hause eingeschlafen bin, was sehr selten geschieht, Schwierigkeiten hatte, die zwei Etagen zur Wohnung hoch zu laufen, und nach einem wohltuenden Bad nochmal zwei Stunden geschlafen habe. Umso erstaunlicher, dass ich heute gar keinen Muskelkater habe.

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Ein Herbsttag am Ahornboden

Bilder vom letzten Sonntag. Ich war die ganze Woche mit der Arbeit so beschäftigt, dass ich mir erst heute die Fotos anschauen konnte. Wer meinen Frust mit dem Münchner ÖPNV liest weiß, dass ich die ganze Woche täglich über zehn Stunden auf Arbeit war. Ich bin platt.

Der Ausflug zum Ahornboden war eine spontane Idee vom mir am Vortag gewesen. Ute hatte letztes Jahr davon geschwärmt. Das letzte Wochenende ist wieder sommerlich geworden, nach dem vielen Regen, wir mussten raus in die Natur. Wir haben den Wecker für sieben Uhr morgens gestellt. Eigentlich hatte ich dem Ehemann gesagt, wir fahren um sieben Uhr morgens los. Es war ihm zu früh. Um acht steigen wir ins Auto ein. Theoretisch brauchen wir anderthalb Stunden bis zum großen Ahornboden.

Wir fahren an Orte vorbei, durch die wir im Mai letztes Jahres an die Isar entlang gewandert waren. So lange ist es schon her. Bad Tölz, Lenggries… Wir machen eine Pause am Sylvensteinsee. Am Vorderriss biegen wir dann Richtung Hinterriß ab und benutzen die Mautstraße im Naturschutzgebiet. Am Gasthof zur Post angekommen halten wir kurz, um auf dem Navi vom Ehemann zu schauen, wo wir am besten parken. Unser Ziel ist aber der große Ahornboden, der liegt noch ein gutes Stück entfernt. Die sechsstündige Wanderung hin und zurück zum kleinen Ahornboden will der Ehemann nicht machen. Er hat’s mit dem Knie. Wir fahren weiter und halten noch einmal, als wir die wunderschöne Laubfärbung der Ahornbäume entdecken.

Am großen Ahornboden stehen Leute auf der Straße, die uns zur nächsten Parkmöglichkeit lotsen. Praktisch. Wir parken direkt nach der Brücke vor Eng und trinken erstmal ein Cappuccino am Gasthof. Der Ehemann nimmt sich unglaublich viel Zeit mit allem. Ich frage mich, ob er wirklich wandern will. Als wir endlich aufbrechen, ist es schon nach elf Uhr morgens.

Wir gehen den langen Panoramaweg hoch. Er fängt gemütlich an, wird aber schnell sehr steil. Es wäre mir egal, wenn es nicht gleichzeitig auch wegen Schlamm so rutschig wäre. Ob Schnee oder Schlamm: Ich mag es gar nicht, wenn ich kein festes Gefühl unter den Sohlen habe. Zum Glück habe ich die Schnee-Wanderstöcke dabei und kann mich fest im Boden ankern.

Es sind viele Leute unterwegs. Viele Familien mit Kindern. Es staut auf dem Weg nach oben. Am nervigsten finde ich die Hunde ohne Leine, die meinen, beim hoch laufen von hinten gegen meine Beine zu schubsen. Als wir zum höchsten Punkt des Panoramawegs auf der Alm angekommen sind, liegen auch viele Leute auf dem Gras zwischen den Kuhfläden. Der Ehemann hatte auf ein Gasthof und kühles Bier gehofft, aber hier oben gibt es nichts davon. Wir gehen den Weg um die Alm wieder runter und entdecken doch weiter unten die Binsalm. Voll mit Leuten. Als wir dort sind und die Schlange zur Schänke sehen, beschließen wir, ohne Pause den Rest des Weges weiter zurück nach Eng zu gehen. Ich habe ja Bananen und Wasser im Rucksack. Der Weg ist auf dieser Seite viel einfacher zu gehen und ich bin froh, dass wir den steilen, rutschigen Weg hoch und nicht runter gelaufen sind. Mein Ischias, der jetzt seit langem still geblieben war, meldet sich plötzlich wieder, aber dumpf, nicht so heftig schmerzhaft wie früher. Ich muss doch ein paar Pausen einlegen, und freue mich über die Bänke am Wegesrand.

Zurück in Eng, holen wir uns eine Käse-Speck-Platte im Bauernladen und essen an einem Tisch vorne in der Sonne, bevor wir kurz vor 16:00 den Rückweg zum Auto antreten. Ätzend. Alle fahren gleichzeitig weg. Hätte der Ehemann auf mich gehört, statt länger schlafen zu wollen, wären wir schon jetzt zu Hause. Die Rückfahrt nach Hause erweist sich als recht anstrengend, für den Ehemann. Wir stecken mehrmals im Stau. Zum Glück ist das neue Auto sehr bequem. Im alten Polo hätte es kein Spaß gemacht. Kurz nach 18:00 sind wir wieder zu Hause.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.