Wieder im Lande

Wir haben die Zeit nach Weihnachten bei meiner Familie verbracht. Am Sonntag geflogen, und gestern hieß es wieder, ab nach Hause.

Natürlich konnten wir in der kurzen Zeit nicht alle besuchen. Wir haben bei meiner Mutter übernachtet, haben einen ruhigen Silvesterabend verbracht, und sind danach zu meiner Schwester gefahren. Der Neffe konnte sich noch an uns erinnern. Lustig war, als wir die Ziegen und Hühner vom Nachbar besucht haben. Die Hühner haben mit ihren Krallen den Boden gekratzt, um nach Würmern zu suchen. Der Neffe hat es nachgemacht. Zuerst hat er mit den Füßen das Gras geschrubbt, dann hat er sich mit dem Gesicht ins Gras fallen lassen, um mit seiner Nase etwas zum Essen zu finden. Voll süß. Am Donnerstag waren wir wieder bei meiner Mutter, und gestern war der Bruder mit seiner Freundin kurz da, bevor wir abgefahren sind. Ein Scoop: Die Beiden wollen jetzt Eltern werden. Es klappt jedoch nicht. Da Fastschwägerin vierzig geworden ist, wird es sicherlich schwierig. Ich hoffe, ihr bleiben meine Erfahrungen erspart. Meine letzte Fehlgeburt liegt nun zwei Jahre her, als ich gerade vierzig war. Seitdem bin ich, glaube ich, nicht mehr schwanger geworden.

Gestern hat blöd angefangen. Kurz bevor wir zum Dorfmarkt aufgebrochen sind, hat mein unterer Rücken laut geknackt. Das macht er ab und zu, seitdem ich Ischiasprobleme hatte, unten links im Becken-Bereich. Meistens fühlt es sich gut an, wenn es knackt, als ob eine Blockade sich dadurch lösen würde. Gestern war das Knacken anders, und ich habe seitdem Schmerze bekommen. Ich kann wieder nicht mehr lange stehen bleiben. Mein Becken knackt leicht, wenn ich das linke Bein heben muss, und ich fühle mich blockiert. Es strahlt auch ein bisschen ins Po und der linke Fuß kribbelt. Der Ehemann musste gestern meinen Koffer und meine Laptop-Tasche tragen, zusätzlich zu seinen Sachen.

Wir sind viel früher als nötig abgefahren, weil ich eigentlich schon seit Wochen ahnte, dass wir nicht so leicht zurück zum Flughafen kommen würden. Ich war überrascht, dass wir ohne Problem zu meiner Mutter und meiner Schwester fahren konnten. Aber gestern war Samstag, das erste Wochenende im Jahr, und im Fernseher hieß es, dass die gelben Westen wieder zu Aktionen gerufen hatten. Die Einfahrt zur Autobahn in Le Muy war eingeschränkt und es staute am Kreisverkehr davor. Ich glaube, wir sind kurz zu Beginn der Autobahnsperrung angekommen. Ein Stückchen weiter warnte uns ein LED-Schirm über einen Stau sechs Kilometer weiter, und wir haben die nächste Ausfahrt in Puget-sur-Argens benutzt, um weiter auf kleinen Straßen zu fahren. Das war die beste Entscheidung überhaupt, denn in Fréjus war die Mautstelle komplett gesperrt. LKWs hatten sich vor jeder Schranke gestellt, wie wir von einer Brücke direkt oberhalb sehen konnten. Wer weiß, wann wir in Nizza angekommen wären, wären wir auf der Autobahn geblieben…

Um halb fünf waren wir bei der Autovermietung am Flughafen, und wir hatten noch viel Zeit, bis zu unserem Flug nach München um 19:35. Ich konnte zum Glück sitzen, während der Ehemann in der Schlange für die Gepäckabgabe gestanden hat. Mein Rücken tat richtig weh. Wir haben dann die Zeit am Restaurant auf der Etage nach der Sicherheitskontrolle verbracht. Das Restaurant hatte blöderweise nichts zum Essen, weil es Samstag war. So gut besucht ist der Flughafen wohl nicht. Wenigstens gab es Pastis. Kurz vor Boarding sind wir zu den anderen Reisenden in die Wartehalle gegangen. Das Restaurant hatte eh um 19:00 Feierabend (es ist schlimmer als in Bayern). Um 19:05 kam dann eine Durchsage: Unser Flug sollte über eine Stunde Verspätung haben. Keine weitere Information, und gar keine Mitarbeiter, um nachfragen zu können. Sowohl die App als auch die Webseite von Lufthansa zeigten noch den Flug als pünktlich an. Würden wir denn noch an dem Tag nach Hause fliegen können, oder sollten wir über eine zusätzliche Übernachtung nachdenken? Würden wir rechzeitig Bescheid bekommen? Mein Vielflieger von Ehemann hat die Hotline angerufen und ihm wurde erzählt, dass aufgrund von schwerem Schneefall in München alle Flüge verspätet oder gar annulliert wurden. Die Maschine nach Nizza wäre gerade erst abgeflogen, wir würden aber zurück fliegen können. Es hätte nur so viele Flugausfälle und Verspätungen gegeben, dass sie gar nicht mehr in der Lage gewesen wären, die Informationen auf der Webseite zu aktualisieren. Die LIMS-Programmiererin (also, ich) hat dafür kein Verständnis.

Um 21:00 fing das Boarding an, anderthalb Stunden später landeten wir in München. Es hat über eine halbe Stunde gedauert, bis wir unsere Koffer bekommen haben. Ich habe wieder zum Glück die ganze Zeit sitzen können, und es war gut, weil mein Rücken sich in der Zeit so gut erholen konnte, dass wir bis zur S-Bahn ein wenig laufen konnten. Nicht super schnell, aber schneller als beim Gehen. Die S8 nach Herrsching von 23:14 haben wir gerade noch erwischt, die Nächste wäre erst vierzig Minuten später abgefahren. Um zwanzig vor eins waren wir endlich zu Hause.

Heute habe ich mich geschont. Ich hatte mich für die Nacht mit Voltaren eingecremt und es ging, beim Aufstehen. Ich spüre aber, dass es schlimmer werden könnte, wenn die Blockierung sich nicht löst. Mit einem Schal habe ich den Becken den ganzen Tag warm gehalten, und ich habe vor dem Abendessen schön warm gebadet. Trotzdem klemmt’s weiter. Ich fürchte, dass es morgen auf Arbeit schwierig werden könnte. Vielleicht sollte ich wieder Diclofenac einkaufen gehen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Ein Nachmittag in Helsinki-Vantaa

Gestrandet bin ich. Für eine Dienstreise sollte ich heute nach Oulu in Finnland fliegen. Ich bin eingeladen worden, die Flugkarten habe ich vor einigen Wochen zugeschickt bekommen.

In Finnland war ich schon, vor zehn Jahren. Dort hatte ich im Sommer zwei Wochen alleine mit dem Rucksack verbracht und war von Jugendherberge zu Jugendherberge um die Seen gefahren. Ich hatte damals eine echt tolle Zeit hier verbracht. Dementsprechend groß war meine Freude, als die Einladung in meiner Mailbox herein flatterte.

Heute Morgen war ich pünktlich in Tegel angekommen. Leider war mein Flugzeug es nicht. Mit knapp einer Stunde Verspätung sind wir gestartet. Meinen Anschlussflug habe ich verpasst. Der nächste geplante Flug war schon ausgebucht. Unsicherheit, ob ich heute ankomme, oder erst morgen weiter fahren kann. Ich war super glücklich, als die Frau am Schalter meinte, für den Flug um 18:35 wären noch Plätze frei. Das habe ich ihr auch gesagt. Sie sah ein bisschen gestresst aus, die Arme. Obwohl sie selber nichts dafür kann, wenn Leute wegen Verspätung ihren Anschluss verpassen, denke ich, dass viele ihren Frust bei ihr auslassen.

Ich habe den Nachmittag an den Tischen eines Imbisses verbracht. „Hei hei!“ höre ich immer wieder, als die Frauen hinter den Theken die Gäste begrüßen. Rye-Brot mit Käse gegessen, recht lecker. Ein 25€ Gutschein zum Essen habe ich als Entschuldigung für die Umstände bekommen. So konnte ich relativ bequem an meinem Vortrag arbeiten, den ich diese Woche halten muss, und dabei noch ein Bier genießen. „Lapin Kulta“ stand auf dem Glas, aber ich denke, es war ein anderes Bier. Zwei Frauen sind mit den selben Gläsern zu einem Nachbartisch gegangen, und sie hatten Fruchtsaft drin.

So sollte ich gegen neun im Hotel sein. Schade, dass ich von der Stadt heute nichts mitbekommen werde. Morgen bin ich schon mit den Veranstaltern der Tagung verabredet. Aber Gelegenheiten wird es in der Woche noch geben, da bin ich mir sicher.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Morgen geht’s ab

Ich muss ganz früh aus dem Haus, um nach Köln zu fliegen. Ich bin in meinem ehemaligen Institut für einen Vortrag eingeladen worden. Es freut mich sehr, denn ich werde viele Kollegen dort wieder treffen. Am Mittwoch fliege ich zurück nach Berlin. So der Plan.

Erst gestern hat mich die Nachricht erreicht, dass am Mittwoch das Flughafenpersonal in vielen Städten streiken will. Unter anderen in Köln-Bonn. Seitdem bin ich nur dabei, die Status-Seite für Flüge bei Eurowings zu prüfen. Jedesmal, wenn ich auf „Aktualisieren“ klicke, ändert sich die Uhrzeit auf der Seite. Jetzt steht „Letzte Aktualisierung am 25.04.2016 um 22:54 Uhr“. „Wow, Information in Echtzeit!“, habe ich zuerst gedacht. Bis ich gemerkt habe, dass es nur meine lokale Uhrzeit aktualisiert, wenn ich auf den Knopf drücke.

Von den neun Flügen, die am Mittwoch meine Strecke machen, sind schon sieben abgesagt worden. Meiner noch nicht, es steht noch „pünktlich“ auf der Zeile. Ob es bis Mittwoch so bleibt?


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

In Israel

Von vorne rein: Ich war nicht so scharf drauf, dahin fliegen zu müssen. Ich hatte Bedenken. Das Land ist nicht sicher. Winfried hat mich eingeredet, damit ich zusage. Wie bei der Reise vor Weihnachten bin ich als Ersatz für ihn eingeladen worden. Der Ort sei relativ sicher, meinte er, nicht wie in Jerusalem, und man kann nach Tel’Aviv fliegen, was er mir als völlig harmlos schilderte. Hinzu kam, dass die Veranstalter mich für die anderthalbstündige Fahrt vom und zum Flughafen von einem Taxi abholen lassen wollten. Eine entspannte Reise, dachte ich. Bis ich festgestellt habe, dass es in Israel auf der Autobahn völlig normal ist,

  • die Geschwindigkeitsgrenze nicht zu beachten,
  • bei 130 km/h mit linker Hand aufs Lenkrad und dem Kopf nach unten rechts geneigt ins Innere vom Auto zu schauen, weil man gerade eine SMS eintippen muss (wenn mein erster Taxi-Fahrer nicht mit seinem Handy beschäftigt war, musste er ständig linkshändig in der Nase bohren),
  • die Autos ganz dicht vor einem mit Lichthupe zur Seite zu bitten,
  • am Rand der Autobahn zu halten (ich sehe noch vor Augen die Frau, die direkt nach einer Autobahneinfahrt rechts aus dem Auto ausstieg, um einem Mädchen die Hose runter zu ziehen, damit es seine Blase entleeren kann).

Das war alles aber nichts, im Vergleich dazu, wie stressig es war, überhaupt zum Flugzeug zugelassen zu werden. Wenn ich nochmal gefragt werde, nach Israel zu reisen, sage ich gleich nein. NEIN. Es hat mir am Flughafen schon gereicht.

Hinflug ab Schönefeld. Ich gehe wie gewohnt mit meinem Koffer zum Check-in-Schalter. Die Schlange links für Ryanair ist voll. Für meinen Flug mit EL AL / UP ist es noch leer. Ich tue mein Gepäck aufs Band. Der junge Mann schaut es sich nicht an. Mich auch nicht. Er quatscht die ganze Zeit mit seiner Kollegin am Schalter rechts von ihm. Bis er meine Dokumente prüft. Ich bin nicht eingecheckt. Die Veranstalter haben den Flug für mich gebucht, inklusiv Sitzplatz. Von einer Möglichkeit zum Online-Check-in bin ich gar nicht informiert worden und in unseren Emails habe ich keinen Link dazu gefunden. Hätte ich doch machen sollen, erfahre ich, Check-in macht man bei EL AL / UP grundsätzlich nur noch online. Bestimmt noch so ein Billigflieger. Die 9€ irgendwas extra muss ich am Schalter fürs Check-in bezahlen. Die Veranstalter werden es mir zurück erstatten. Hätte ich aber den Online-Check-in vorher gemacht, dann hätte ich es gewusst, mit dem Sicherheitscheck vorm Einchecken. Und ich hätte es auch gemacht. Dem jungen Mann am Schalter ist es nicht aufgefallen, so beschäftigt er beim Flirten mit seiner Kollegin war. Nicht mal mein Tschüß hat er erwidert.

Ich bin also nach dem Check-in mit meiner Bordkarte zur Sicherheitskontrolle gegangen. Rucksack aufs Band, Laptop raus, Jacken und Schuhe aus, ich bin ja dran gewöhnt. Es ging schnell. Ich habe inzwischen herausgefunden, welche BHs ich am besten kaufe, um nicht zu piepsen. Danach zur Passkontrolle. Gehe ich zur Frau oder zum Mann? Ich gebe meinen Pass dem Mann. Ich lächle nicht. Ich habe häufig genug gehört, man sollte es nicht tun. In manchen Fällen hat man es mir sogar sehr ausdrücklich befehligt. In Deutschland. Weil man einen ähnlichen Gesichtsausdruck wie eine Gefängnistür auf dem Foto haben soll. Der Mann verhält sich aber freundlich mit mir. Außergewöhnlich. Er lächelt sogar und wirkt erstmal irritiert, dass ich es nicht erwidere. Und redet dann akzentfrei auf Französisch mit mir. Ach so. Deswegen. „Was treibt der denn hier?“, frage ich mich. Ich gehe weiter zum Aufenthaltsraum. Denke ich. Was mich erwartet ist wieder eine Personen- und Handgepäck-Kontrolle. Wieder Jacken und Schuhe ausziehen. Durch den Ganzkörper-Scan. Das bringt doch nichts, wenn die Frau hinter dem Gerät mich trotzdem überall abtastet und sogar meine Brust voll in die Hand presst. Am Ende darf ich gehen. Um noch eine Schlange für eine Passkontrolle zu entdecken. Direkt hinter dem Mann sehe ich den Aufenthaltsraum mit den Sitzplätzen. Ich habe noch Zeit und denke, ich könnte an meine Präsentation arbeiten.

Pustekuchen. Der Mann bei der Passkontrolle begrüßt mich mit „Shalom“ und sagt irgendwas, was ich nicht verstehe. Ich sage nur „guten Tag“. Ab hier wird aber schon nicht mehr Deutsch gesprochen. Er schaut sich meinen Pass an und fragt mich auf Englisch, wo der Zettel für mein Gepäck denn wäre. Ich zeige ihm den Zettel vom Check-in, aber das meinte er nicht. Dann fragt er, ob das mein einziger Pass wäre. „Yes„, sage ich, schon leicht verwirrt. Er sagt, ich hätte mein Gepäck nicht prüfen lassen. Davon hat mir keiner was gesagt. Der Trottel vom Check-in war nur mit seiner Kollegin beschäftigt. Ich muss also zurück gehen und mich bei der Sicherheit melden. Vor der Scan-Kontrolle wartet schon eine Frau auf mich. Sie bringt mich zum Flur vor der ersten Passkontrolle. Unter den Fenstern sind Sitzplätze angereiht. Sie sagt, ich sollte dort warten. Ich warte. Und warte.

Der Mann von der zweiten Passkontrolle kommt zu mir und fängt an, mir Fragen zu stellen. Kenne ich Israeli persönlich? Habe ich eine Krankenversicherung? Er will meine Karte sehen. Wo will ich übernachten? Warum reise ich nach Israel? Ein der Veranstalter hatte mir einen offiziellen Brief mit einer Einladung für die Sicherheitskontrolle geschickt. Ich bin froh, diesen Brief dabei gehabt zu haben. Dann wollte der Mann mehr wissen. Meine Emails wollte er lesen. Die, in der ich eingeladen wurde. Die kann ich vom Handy aus abrufen. Dabei frage ich mich, ob er überhaupt dazu berechtigt ist, sowas zu verlangen. Wann genau muss ich Präsentationen halten? Am Montag. Warum fliege ich dann nicht schon direkt danach zurück nach Deutschland? („Shalom and welcome„, höre ich später wenig belustigt im Flugzeug) Wer sind die anderen Leute, die an der Veranstaltung teilnehmen? Worüber werde ich reden? Ich schlage vor, ihm den Vortrag auf dem Laptop zu zeigen, aber er will nur eine grobe Idee haben. Ich beschreibe das Thema, und denke dabei daran, bestimmte Stichwörter zu vermeiden. Es scheint ihn zu überzeugen. Meinen Rucksack will er aber noch prüfen lassen. Er nimmt ihn zu einem geschlossenen Raum, während ich im Flur zu warten habe.

„Was ist, wenn ich doch nicht fliegen darf?“, frage ich mich. Ich spiele mit dem Gedanke, die Veranstalter zu fragen, ob sie bis zum nächsten Tag eine Skype-Verbindung vorbereiten können, damit ich den Vortrag von zu Hause aus halten kann. Skype habe ich selber noch nie benutzt. Für den praktischen Teil hatte ich geschriebene Anweisungen vorbereitet, das könnte im Notfall ohne mich gehen. Es wäre nicht tragisch. Vor allem nach den jüngsten Ereignissen in Tel’Aviv. Doch nicht nötig. Am Ende kriege ich meinen Rucksack mit einem Aufkleber zurück und darf durch die drei letzten Kontrollpunkte noch mal durch. Vorher prüfe ich, dass nichts im Rucksack fehlt. Inzwischen ist so viel Zeit vergangen, dass ich eigentlich den Flieger verpasst hätte. Aber der hat auch Verspätung. Wegen mir? Ich sehe andere Leute mit einem Aufkleber aufs Handgepäck nach mir in den Warteraum kommen. Ich bin nicht die Einzige.

Im Flugzeug fand ich die Flugbesatzung merkwürdig. Ich bin dran gewöhnt, dass das Personal alle Gäste beim Einsteigen begrüßt. Das haben sie auch bei den Gästen vor und nach mir gemacht. Nicht bei mir. Die waren plötzlich anderweitig beschäftigt. Das kann passieren. Ich habe es als besonders seltsam empfunden, als die Stewardessen mehrmals den Gang rauf und runter beim Service gegangen sind und niemals in meine Richtung geschaut haben. Echt niemals. Nicht mal ein Glas Wasser haben sie mir gegeben, was die anderen Gäste sonst am Anfang vom Flug angeboten bekommen haben. Meine Sitznachbarn haben auch ein bekommen. Dabei hat die Stewardess keinen Blickkontakt mit mir gemacht. Ob es daran liegt, dass ich Französin bin? Oder hat es mit der zusätzlichen Sicherheitskontrolle zu tun? Woher sollen sie das wissen? Ich habe eine solche offensichtliche Missachtung in einem Flugzeug noch nie erlebt. Ich habe beschlossen, kein Geld bei dieser Gesellschaft auszugeben. Selbst wenn es heißt, vier Stunden lang nichts zu essen oder zu trinken. Beim Verlassen des Flugzeuges hat sich das Personal auch nicht bei mir verabschiedet.

In Tel’Aviv habe ich mich noch zwanzig Minuten in eine Schlange anstellen müssen, um meinen Pass wieder kontrollieren zu lassen. Ich bin nochmal gefragt worden, was mich nach Israel treibt. Als ich endlich raus war und meinen Koffer wieder hatte, war mein Taxi-Fahrer zum Glück noch da, mit einem A4-Blatt in der Hand, auf dem mein Name handschriftlich geschrieben wurde. Er hat fast eine Stunde auf mich warten müssen.

Bei der Rückreise habe ich gehofft, es würde besser klappen. Ich habe den Check-in vorher auf deren Webseite gemacht. Ich bin mit meinem Koffer zur ersten Sicherheitskontrolle gegangen. Dabei ist mein Koffer gar nicht geprüft worden. Ich bin nur Fragen gestellt worden, bevor ich einen Aufkleber auf dem Koffer bekommen habe und zum Schalter gehen durfte. Danach bin ich zur Personen- und Handgepäck-Kontrolle gegangen. Es war aber nicht ganz klar, wo ich hin gehen musste. „Links“, meinte der Mann am Eingang der Kontrolle. Ich bin zur Schlange am linksten gegangen. Es war falsch. Als ich dran kam, hat eine Frau auf meine Bordkarte geschaut und mich woandershin geführt. Dort hat ein Mann entschieden, eine Gruppe von Leuten zu einer neuen Schlange zu führen. Ich musste mit, meinte er. Die Schlange wurde für uns geöffnet. Wir waren vielleicht zehn Personen, ich war die letzte. Wir haben eine gute Viertelstunde da gestanden und gewartet. Leute sind hinter mir zur Schlange gekommen. Es gab Angestellte, die an den Röntgengeräten saßen, und andere, die hinter den Personendetektoren standen. Sie haben ausgesehen, als ob sie beschäftigt wären. Was die wirklich getrieben haben, keine Ahnung. In der Zeit ist keiner der Reisende durch die Kontrolle gekommen. Danach ging’s. Sehr langsam. Bei jeder Person wurde der Inhalt vom Handgepäck genau geprüft. Ständig hat ein Mann die Bordkarten der Leute in der Schlange geprüft und diejenige zum Anfang der Schlange gebracht, die sonst zu spät zum Flieger kommen würden. Solange konnte ich nicht gut stehen. Mein Ischias hat sich gemeldet und ich habe mich in der Schlange wo ich konnte hingesessen. Es hat fast eine Stunde gedauert, bis ich durch war. Wir sind noch mit einer Stunde Verspätung abgeflogen. War ich froh, als ich endlich aus dem Flughafen in Schönefeld rausgegangen bin!

Aber sonst war mein Aufenthalt dort toll. Die Veranstalter haben uns ziemlich das beste Hotel der Stadt gebucht, die Temperaturen waren sehr angenehm, auch wenn es meistens regnerisch war (die Leute dort haben sich bei 15°C beschwert, wie kalt es dieser Winter ist), das Essen war fantastisch, und ich habe bei der Veranstaltung sehr gute Beiträge geliefert, die Teilnehmer waren begeistert. Ich habe neue Leute kennen gelernt. Eine Teilnehmerin hat mich um Hilfe gefragt, um ihren durchaus komplizierten Datensatz auszuwerten. Es hat etwas gebracht. Und ich bin heil zurück gekommen. Ich muss aber echt nicht nochmal hin.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Am Flughafen

Ich musste in die USA fliegen. Ein bisschen später als geplant angekommen, habe ich den riesen Bildschirm mit den Flügen gesucht, um zu wissen, wo ich hin musste. Drauf stand, dass mein Flugzeug durch einen anderen ersetzt wurde. Leider gab es auf dem Bildschirm keine Information über den Schalter und ich hatte keine Ahnung, wohin ich gehen musste.

Ich bin die Rolltreppe mit meinem Koffer hochgegangen. An der Information oben wurde mir gesagt, dass mein neuer Schalter sich auf der zwölften Etage befand. Ein Aufzug war zum Glück da. Ich bin herein gegangen. Der Aufzug hat sich wackelig angefühlt. Ich habe die Taste „12“ gedrückt (es standen nur Vielfache von 3 zur Auswahl) und habe gespürt, wie ich nach oben ging. Nach einer Weile ist der Aufzug nicht mehr nach oben sondern nach rechts gegangen. „Oh, wie in einem Traum“, habe ich gedacht, aber es hat nicht gereicht, um daraus einen luziden Traum zu machen.

Am Ende der Fahrt sagte eine männliche Stimme im Aufzug, ich wäre fast angekommen und müsste nur noch durch das Loch am Boden vom Aufzug rutschen. Ich habe am Boden geschaut und tatsächlich eine Öffnung gesehen, die von schwarzen Gummi-Teilen verdeckt war. Ich habe gezögert, bin doch mit dem Koffer ins Loch gesprungen. Ich bin auf eine spiralförmige Bahn am Boden lange gerutscht, bevor ich ins Loch gefallen bin. Unten war ein Schwimmbad. Ich bin aus dem Wasser raus gegangen und endlich zum Schalter angekommen.

Dort fiel mir erst ein, dass ich meinen Pass zu Hause vergessen hatte. Nur den Ausweis hatte ich dabei, und es reichte nicht, um in die USA zu fliegen. Ich habe die Frau gebeten, mich trotzdem ins Flugzeug einsteigen zu lassen, da ich Martin ganz schnell anrufen könnte und er mir den Pass per Express-Versand zum Ankunft-Flughafen schicken würde. Nein, es ginge nicht, meinte die Frau, immerhin sehr freundlich. Ich war total im Stress. Dann merkte ich, dass ich meine Laptop-Tasche dabei hatte, und den Pass doch in der vorderen Tasche gepackt hatte. Tatsächlich war der Pass drin. Wir haben meinen Koffer registriert und sind direkt danach zu dritt mit der männlichen Stimme aus dem Aufzug zu einem italienischen Restaurant in der Nähe essen gegangen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.