Faul

Schuld ist das Wetter. Wer will schon bei dem Regen irgendwas unternehmen? Also, ich nicht. Starken Dauerregen schaue ich mir lieber zu Hause aus dem Fenster mit einer gemütlichen Tasse heißer Schokolade an.

Dabei war ich in letzter Zeit voll Energie und Motivation. Seitdem ich eines Morgens fast zwei Stunden zur Arbeit gebraucht habe, weil irgendwelche Deppen die S-Bahn-Verkabelung in Brand gesetzt haben, bin ich wieder regelmäßig aufs Rad gestiegen. Wenn ich am Tag hin und zurück radle, habe ich 42 Kilometer in den Beinen. Fast 1000 kcal, meint fddb. Das mit dem weiter Abnehmen klappt aber nicht. Weil ich seit Monaten keinen Bock mehr habe, alles einzutragen, was ich esse. Ich dachte, es ginge, ich hätte jetzt einen guten Überblick darüber, was ich essen sollte, aber mein Gewicht bleibt konstant. Immerhin.

Fahrrad will ich aber nicht bei jedem Wetter fahren. Erst recht nicht, wenn es regnet. Vor zwei Wochen bin ich kurz vor Ankommen auf Arbeit von einem Gewitter erwischt worden. Ich dachte, ich würde es noch rechtzeitig schaffen. Ich wollte zu den Fahrradständern vor unserem Gebäude langsam abbiegen. Weil es plötzlich angefangen hatte, so stark zu regnen, habe ich nicht gemerkt, dass die Räder schon total naß waren. Die Bremsen haben nur gequietscht. Ich war schon am Lenken und habe gespürt, wie die Reifen auf dem Asphalt keinen Halt mehr hatten und wie das Fahrrad seitlich gerutscht ist. Es war zum Glück kein Auto auf der Straße, als ich dort gelandet bin. Auf dem linken Ellbogen, der den Schock doch gut überstanden hat. Nur Schürfwunden, und ein großer blauer Fleck in der Innenseite vom linken Oberschenkel, wo der Sattel geknallt hat. Heute ist schon nichts mehr davon zu sehen.

Ich bin auch wieder regelmäßig zum Fitnessstudio gegangen. Ich war seit Mai ständig am Wochenende verreist und bin nur seit drei Wochen fleißig bei der Wassergymnastik am Samstagvormittag dabei. Die Kursleiterin, die vorher da war und einen schönen runden Bauch hatte, ist jetzt wahrscheinlich in Mutterschutz. Ich fand ihren Kurs gut, aber jetzt, wo ich ihre Vertretung kenne, will ich sie gar nicht mehr zurück haben! Die Vertreterin hat ein ganz anderes Programm, mit Übungen, die man wie beim Intervall-Training wiederholt, acht Mal zwanzig Sekunden, mit zehn Sekunden Pausen zwischendurch. Am Anfang fühlt sich die Übung ganz leicht an, aber nach der dritten Wiederholung wird es schon super anstrengend. Meine Lieblingsübung ist die, wo man sich am Beckenrand mit den Armen hoch hebt und langsam runten ins Wasser gleiten lässt. Einfach der Hammer. Vorher hatte ich kein Problem, zwei Kurse hintereinander zu machen. Jetzt bin ich schon mit dem Ersten völlig fertig und habe wirklich den Eindruck, etwas geleistet zu haben.

Nun, heute ist mir nicht danach. Schuld ist das Wetter, das mich diese Woche von Radeln abgehalten hat. Und dieser Wind! Ist Berlin immer so windig gewesen? Ich habe es anders in Erinnerung. Zum Fitnessstudio wollte ich bei dem Regen auch nicht, da man nur beim Rüberqueren der Straße schon durchnässt wird. Und mit der Periode, die gerade abklingt, wollte ich nicht ins Schwimmbad. Wir wollten eventuell dieses Wochenende eine Radtour nach Potsdam machen, aber da die Wettervorschau nur Regen angekündigt hat, bleiben wir zu Hause. Die Wohnung muss eh mal geputzt werden.

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Heute im Fitness-Studio

Ich habe es geschafft, zum Sport zu gehen. Früh genug Feierabend gemacht, um danach noch vor zehn Uhr abends zu Hause zu sein. So spät. Ich hatte unterwegs Gemüse gekauft, und der Ehemann hat uns eine sehr leckere und kalorienarme Pfanne daraus gemacht, während ich geduscht habe. Erstes Ziel der Woche erreicht. Ich habe mir vorgenommen, noch am Mittwoch und am Freitag zum Fitness-Studio zu gehen. Mal schauen.

Heute habe ich nicht viel am Oberkörper trainiert. Mein Ellbogen hat kurz nach Feierabend trotz abgeschlossener Krankengymnastik plötzlich wieder geschmerzt, und ich habe ihn daher geschont. Ein bisschen mit geringen Gewichten am Latzug gearbeitet. Ich war zur Zeit die einzige Frau in diesem Teil vom Raum, was mir zuerst nicht aufgefallen war. Wenn ich trainiere, ist es mir egal, wer sonst neben mir steht.

Zwischen zwei Wiederholungssätzen saß ich geistesabwesend auf dem Gerät. Einige Meter vor mir stand ein riesiger Spiegel, so groß wie die Wand selbst. Ich konnte sehen, was hinter mir passierte, aber nicht sehr scharf, da meine Brille neben meiner Wasserflasche lag. Ich saß also da mit leerem Kopf, als zwei junge Männer hinter mir zur Männerumkleide gingen. „Hier trainieren echt intelligente Leute,“ meinte einer. „Haha, eine Anspielung auf den Namen der Kette,“ habe ich gedacht, und bin weiter in meinen gedankenlosen Sumpf gesunken.

„Siehst du, die Frau da, sie ist Wissenschaftlerin in <meinem Arbeitsviertel>“. „Ach echt, wer denn?“ habe ich mich kurz danach gefragt, als die Wörter bis zu meinem Gehirn durchgedrungen sind. Ich habe mich neugierig umgeschaut, und dabei gemerkt, dass ich die einzige Frau bei den Oberkörpergeräten war, und die andere Mädels weiter weg viel zu jung waren, um auf die Beschreibung zu passen. Ich war wohl gemeint. Die Jungs waren schon in die Umkleide verschwunden. Bestimmt war der Eine ein ehemaliger Student bei unserem Praktikum. Ich kann mir Gesichter schlecht merken, und von Studenten erst recht nicht, da ich bei Vorlesungen mit mehreren auf einmal zu tun habe. Die Uni, mit der wir für Praktika zusammen arbeiten, ist aber nicht weit vom Fitness-Studio.

Wenn ich also dachte, völlig anonym trainieren zu können, ist die Illusion jetzt geplatzt. Vielleicht sollte ich doch mehr darauf aufpassen, was ich beim Trainieren anziehe.

Dienstag

Ich komme momentan mit den Tagen durcheinander. Wir sind nur seit zwei Wochen zurück aus dem Urlaub geflogen. Es kommt mir viel länger vor. Sicherlich, weil ich krank geschrieben bin und meistens zu Hause bleibe.

Heute habe ich kurz eingekauft. Kleinigkeiten, die in meine Stofftüte passen und die ich nur mit der rechten Hand tragen kann. Einem Topf Oregano konnte ich nicht widerstehen und habe mit nach Hause genommen. Auf dem Weg bin ich einem Marienkäfer begegnet. Ich habe ihn überlistet und mit dem Oregano transportiert. Er ist die ganze Zeit drauf geblieben. Zu Hause angekommen, habe ich dem Marienkäfer unsere Rosen auf der Terrasse vorgestellt und ihn auf einem Blatt gelassen. Ich weiß nicht, ob er dort geblieben ist. Den Oregano habe ich in einen Kübel umgepflanzt. Hoffentlich gefällt es ihm dort. Danach habe ich mich um die Pflanzen der Nachbarin unter uns gekümmert.

Nachmittags habe ich mich in den Hinten getreten und bin zum ersten Mal seit über einem Jahr zurück zum Fitness-Studio gegangen. Trotz starker Periode. Ich brauchte Bewegung. Ich kann natürlich vieles nicht machen, da mein Arm noch nicht heil ist. Er lässt sich immer noch nicht richtig bewegen und ich bekomme Schmerze, wenn ich nur versuche, einen Topf Honig zu öffnen. Aber ich dachte, auf dem Ergometer kann ich bestimmt was machen. Es ging sehr gut. Ich bin zweimal eine halbe Stunde geradelt. Dabei habe ich laut dem Gerät nur 350 kcal verbrannt. Ich habe unglaublich viel geschwitzt und mir ständig die Tropfen aus dem Gesicht gewischt. Zwischen beiden Radeinheiten habe ich Gerätetraining für die Beine gemacht. Ab- und Adduktoren. Die Beinpresse konnte ich nicht benutzen, weil der Hebel für die Sperre links vom Stuhl liegt. Ich habe es meinem Arm nicht zugemutet.

Den Weg nach Hause habe ich zu Fuß gemacht. Zwanzig Minuten. Er führte an der Praxis von meinem Hausarzt vorbei, und sie hatte gerade auf, also habe ich gefragt, ob der Bericht von der CT-Untersuchung inzwischen angekommen war. Ja, er war da! Ich habe eine Kopie bekommen und der Arzt hat ihn schnell zwischen zwei Terminen gelesen. Es ist also wirklich nicht nur ein Riss sondern eine Fraktur. Sonst ist alles an seinem Platz. Ich frage mich, ob die Fraktur vom Anfang an da war, und vom Arzt in Spanien nicht richtig identifiziert wurde, oder ob der Vorfall mit der Tür vom Umzug am Flughafen Barcelona den Riss in eine Fraktur umgewandelt hat. Es hatte extrem weh getan, als die Tür gegen den Gips zu geknallt hatte.

Ich soll morgen den ersten Termin bei der Krankengymnastik wahrnehmen, aber vorsichtig sein. Da es mir grundsätzlich nicht gefiel, eine Behandlung anzufangen, ohne dass der Arzt sich die Ergebnisse der Untersuchung anschaut, hatte ich sowieso einen Termin bei der Orthopädie-Praxis für morgen Nachmittag ausgemacht. Obwohl ich nicht mehr hin wollte. Der Ehemann hat den Termin für mich ausgehandelt. So bekomme ich eine zweite Meinung.

Sportlich und doch nicht fit

Die Migräne ist wieder da. Kein Wunder, bei dem Wetter.

Trotz der guten Nacht habe ich mich beim Aufwachen matschig gefühlt, und zwar bevor ich die Nachrichten im Radio gehört habe. Zum Frühstück gab es eine Banane und einen Kaffee. Martin ist früher zur Arbeit gefahren. Er hat sein Fahrrad mitgenommen, obwohl es kurz vorher noch geregnet hat. Ich wollte doch so gerne auch Fahrrad fahren. Das letzte Mal war am Montag. Laufen am Mittwoch ist wegen Migräne ausgefallen. Wenn ich abnehmen will, muss ich mehr tun. Aber diese blöde Migräne, die nicht los lässt! Und der Schwindel dazu! Wenigstens ist die Periode vorbei. Ich habe mich fürs Radeln angezogen und saubere Kleider in den Rucksack gepackt. Noch einen Kaffee getrunken. Dabei habe ich mich zwischendurch gefragt, ob ich mich nicht krank melden sollte, um zu Hause zu bleiben. Aber vielleicht wäre Bewegung genau das richtige, um mich besser zu fühlen?

Es hat tatsächlich geklappt. Mittags bin ich mit den Kollegen essen gegangen. Beim Kaffee danach ging es mir langsam aber merklich schlechter. Wieder Kopfschmerz und Schwindel. Ich habe arbeiten können. Um vier Feierabend. Auf dem Rückweg war das Radeln schwieriger. Eine gute halbe Stunde lang hat mein Kopf gepocht, wenn der Radweg nicht ganz eben war. Also, die ganze Zeit, mit den Berliner Radwegen. Dann gab es ein bisschen Regen. Windig war es ständig. Gegenwind natürlich. Ich würde sogar sagen, es war stürmisch. Echt kein Spaß. Dazu kam, dass so viele Leute den Radweg missachtet haben und drauf spazieren gegangen sind. Taube Leute, die auf meine laute Klingel nicht reagiert haben. Eine Frau mit Kinderwagen ist mir entgegen gekommen und hat mich auch noch trotzig angeschaut, bevor sie beschlossen hat, mitten im schon engen benutzungspflichtigen Radweg zu gehen. Der Bürgersteig war drei Meter entfernt und durch eine Wiese vom Radweg getrennt. All diese Leute heute sahen irgendwie südländisch aus, und ich habe mich gefragt, ob Flüchtlinge überhaupt erklärt bekommen, was ein Radweg ist. Den Eindruck habe ich nicht. Dazu muss ich sagen, dass ich selber bei meiner Ankunft in Deutschland lernen musste, dass es Radwege auf dem Bürgersteig gibt. Das kannte ich damals nicht.

Zu Hause angekommen, habe ich geduscht und viel Wasser getrunken. Martin ist kurz nach mir gekommen, ebenfalls mit dem Fahrrad. Ein Aspirin musste noch her. Ich habe großen Hunger bekommen. Die Suppe mittags war schon längst verbraucht, sowie der Grießpudding. Martin hat uns ein Pizza geholt. Ich habe mich überreden lassen, obwohl ich dagegen war. Er unterstützt mich beim Abnehmen wirklich nicht. Er hat meine Lieblingssorte gebracht, mit Kochschinken und Champignons. Ich habe meine Hälfte verschlungen. Pizza und Abnehmen passen bekanntlich nicht gut zusammen. Die heutigen 44 Kilometer Fahrrad machen es wieder gut, sicherlich.

Von Abnehmen kann momentan keine Rede sein. Ich nehme seit einer Woche langsam aber stets wieder zu. Ich versuche, darauf zu achten, was ich esse, wirklich. Keine Zwischenmahlzeit, obwohl es diese Woche beim ständigen Hunger nachmittags nicht einfach war. Ich weiß, dass ich zu viel rein stopfen muss, wenn ich zunehme. Kalorienzählen geht leider nicht, wenn ich mittags mit den Kollegen esse. Ab und zu nehme ich mir etwas mit, das isoliert mich aber von der Gruppe. Ich bin schon zu einem anderen Gebäude umgezogen und habe dadurch viel weniger Kontakt mit den Kollegen. Mein mitgebrachtes Mittagessen im Lokal zu essen würde bei den Betreibern nicht gut ankommen. Also nehme ich zu. Das lustige dabei ist, dass meine Kleider zu breit werden. Ich habe mich heute gefragt, ob meine Hose mir nicht runter fallen könnte. Sie hält sich noch fest, aber es ist deutlich, dass sie früher enger saß. Ich habe am Po-Bereich viel an Fett verloren. Wenn die Figur sich ändert, ist es doch ein gutes Zeichen.

Zurück ins Fitness-Studio

Seit dem letzten Umzug bin ich kaum dazu gekommen, zum Fitness-Studio zu gehen. Früher hatte ich einfach auf dem Weg nach Hause dort trainiert. Jetzt ist es ein Umweg, und da ich danach noch eine Stunde mit der S-Bahn bis nach Hause brauche, nehme ich mir nicht mehr die Zeit dafür. Am Anfang des Jahres bin ich in der Mittagspause hin gegangen, zwei oder drei mal pro Woche. Es tat gut, aber das macht jedesmal Pausen von zwei Stunden. Zu lang.

Mit der Tagung habe ich aufgehört. Zwei Monate sind schon vergangen. Am Wochenende sind wir in unserem Viertel spazieren gegangen. Die Hauptstraßen kenne ich, der Rest ist mir noch unbekannt. Ich war überrascht, als ich hinter einer Kirche plötzlich ein weiteres Studio von meiner Fitness-Kette entdeckt habe (ich hätte auch googeln können). Gestern habe ich meine Sporttasche von der Arbeit geholt, früh Feierabend gemacht und dort trainiert. Die Ausstattung ist viel besser als in meinem Stammstudio. Modernere Geräte, viel mehr Platz. Die Kundschaft sieht genau so aus, obwohl die Bezirke sehr unterschiedlich sind. Voll geschminkte Teenies, die Jungs sind noch jünger geworden, ich war bestimmt die einzige über 25. Vielleicht lag es an der Tageszeit. Ich werde meistens nur am Wochenende hin gehen.

Ich hatte ernsthaft darüber nachgedacht, meinen Vertrag zu kündigen. Er läuft noch bis Oktober. Wenn ich zur Arbeit mit dem Fahrrad fahre (und ab morgen wird wieder bei der Bahn gestreikt), dann habe ich täglich 42 Kilometer zu radeln und gehe sicherlich nicht dazu noch ins Fitness-Studio. Jetzt kann ich bequem am Wochenende von zu Hause aus trainieren gehen. Wahrscheinlich kündige ich trotzdem. In meiner früheren Stadt hatte ich schon bessere Studios gesehen. Hier finde ich das Angebot an Kursen sehr mangelhaft und das Personal nicht sehr kundenfreundlich.

Neulich beim Fitness-Studio

Ich bin nur seit zwei Wochen dort angemeldet. Ich hatte es vermisst, an den Geräten zu trainieren, es macht Spaß. Ich war schon fünf mal dort. Ich sehe, wie ich mich in so kurzer Zeit verbessert habe, jetzt schaffe ich endlich vollständig meine vorgesehenen Sätze auf der Schulterpresse (und wir hatten mit meinem Trainer vorsichtshalber mit dem kleinsten Gewicht angefangen).

Neulich beim Fitness-Studio habe ich andere Frauen kennen gelernt, die auch hier trainieren und sich total freundlich verhalten. Sie sprechen sogar unbekannte Leute wie ich an. Das muss ich meiner Kollegin erzählen. Sie kommt aus Süddeutschland und beschwert sich immer noch ab und zu darüber, wie die Leute in Berlin schlecht mit einander umgehen. In meinem neuen Fitness-Studio geht es auch anders.

Am Sonntag habe ich etwas gemerkt, was mich entsetzt hat. Männer enthaaren sich jetzt unter den Armen. Männer in meinem Alter, und älter auch. Wie tief können wir noch sinken? Ich erinnere mich daran, wie wir ein mal mit Freundinnen aus der Uni im Auto durch Nizza unterwegs waren (es war Mitte 90′), und wir alle an einer Ampel über den großen Werbeplakat für eine Jeans-Marke geschwärmt haben, weil ein Mann mit nacktem Oberkörper und gut behaartem Bauch zu sehen war… Diese Zeiten sind vorbei. Ich finde behaarte Männer sehr attraktiv (und bin in Martin verliebt, was völlig paradoxal wirkt). Ich weiß noch, wie ich ein mal in Aachen im Hochsommer unterwegs war, und ein Mann mit freiem Oberkörper auf Fahrrad mir entgegen kam, und ich nur vom Schock starren konnte, weil er keinen einzigen Haar auf der Brust hatte… Ich hatte mich gefragt, warum Männer sich so was blödes antun würden, oder ob er vielleicht eine Krankheit hätte. Er hat meinen Blick gemerkt und mich noch so angelächelt, als ob er sich für unwiderstehlich halten würde, und ich musste wegen der Situationskomik einfach lachen, weil er mich so misverstanden hatte… Aber ich schweife ab.

Wenn ich schon über Männer rede… Letzte Woche war ich im Hantelbereich und machte eine Übung auf einer Liege. In dem Moment ist ein Mann mit seinem Sohn angekommen. Vom Aussehen und vom Akzent her kommt er bestimmt aus Südeuropa. Er hat angefangen zu trainieren, und danach seine Hantel kurz liegen lassen, um die Haltung von seinem Sohn bei einer Bewegung zu korrigieren. In der Zeit sind zwei junge Deutsche angekommen und haben angefangen, mit Hanteln zu trainieren. Ich habe nicht besonders aufgepasst. Ein der beiden Männer hat die Hantel vom Ausländer benutzt, die er am Boden neben sich liegen lassen hatte. Natürlich gab es Streit. Der Streit selbst war mir unwichtig, genauso wie die Männer, aber die Ursache finde ich schon interessant. Wieder ein Kultur-Clash. Aus Sicht des Ausländers: „Ich habe meine Hantel liegen lassen, jemand benutzt sie jetzt, von mir aus, wenn er Pause macht hole ich sie zurück und mache weiter“. Der Deutsche hat sich dabei sofort beschwert und aggressiv gesagt, er wäre nicht fertig, obwohl er gerade seine Pause angefangen hatte. Aus seiner Sicht: „Da liegt eine Hantel, ich hole sie mir, wenn jemand dagegen ist, wird er sich schon melden, sonst, selber Schuld.“ Das hat der Ausländer nicht gemacht, weil er eine andere Erziehung bekommen hat (an schlechten Tagen denke ich einfach, „weil er eine Erziehung bekommen hat“) und das Teilen mit anderen in ihm geprägt ist. Und ich bin mir sicher, dass der Deutsche immer noch der Meinung ist, nichts falsches gemacht zu haben.

Heute, wieder im Hantelbereich, bin ich Zeugin einer klugen Anmache von einem jungen Mann zu einer jungen Frau gewesen. Also Jungs, so geht’s auch, lernt daraus. Ich habe es den beiden einfacher gemacht, in dem ich meine Wiederholungen leise durchgezählt habe („douze, treize, quatorze…“), sie haben bestimmt gedacht, ich würde nichts verstehen. Er hat angefangen, sie zu fragen, ob sie schon lange trainiert, weil sie so gut mit den Hanteln arbeitet, und so sind sie ganz natürlich ins Gespräch gekommen. Leider hat es vom Alter nicht gepasst. Die Frau ist gerade siebzehn, noch minderjährig, der Mann ist zehn Jahre älter (und ich kam mir dazwischen wie eine Oma vor). Ich hätte schwören können, dass sie Älter war, der junge Mann ancheinend auch. Ein bisschen Neid. Ich weiß, wie es mich genervt hat, am Anfang von einem Semester von den Studenten für eine HiWi gehalten worden zu sein, als ich schon meine Doktorarbeit seit fast zehn Jahren abgeschlossen hatte. Ich hätte mir echt gewünscht, älter auszusehen, oder wenigstens wie mein Alter auszusehen. Ich habe häufig den Eindruck gehabt, dass es bei Vorstellungsgesprächen gegen mich gespielt hat. Ich habe mich riesig gefreut, als ich meinen ersten grauen Haar vor drei Jahren entdeckt habe, aber so viele sind es noch nicht geworden.

Fix und fertig

Ich habe alles geschafft, was ich heute machen wollte. Na ja, fast. Den neuen Besenstiel habe ich mir beim Einkaufen besorgt. Den Boden habe ich noch nicht gewaschen, es wurde mir dafür zu spät. Staubgesaugt habe ich. Ich habe sogar meine alten Emails sortiert. Dabei ist mir aufgefallen, wie viele Emails ich in den letzten Jahren von Yong Jin bekommen habe. Für jede Kleinigkeit – Hilfe für LaTeX, Gnuplot, bei der Vorbereitung von Lehrveranstaltungen, bei Problemen mit unseren Geräten, bei der Auswertung von Daten, bei der Benutzung von Programmen… Jetzt, wo sie die Stelle bekommen hat, wird sie wohl lernen müssen, selber ihre Probleme zu bewältigen. Ich habe noch ganz viele Emails gelöscht, die ich nicht mehr brauche und die längst erledigt sind, ich hatte mir bis jetzt nicht die Zeit dafür genommen.

Jetzt haben sich dicke dunkle Wolken über die Stadt verbreitet. Ich gehe ins Bett und schaue mir auf dem Laptop noch mal die Videos dieser Woche vom online Kurs über Datenmanagement, bevor ich morgen die Hausaufgabe bearbeite. Diese Woche fand ich den Stoff viel einfacher als letzte Woche. Obwohl ich den Eindruck hatte, vieles nicht gut verstanden zu haben, habe ich letzte Woche die beste Note für Hausarbeiten bis jetzt bekommen, 38/40. Ich werde morgen die Videos von letzter Woche wieder hören.

Und wenn es zeitlich gut klappt, kann ich auch morgen zum Fitness-Studio gehen. Ich war am Donnerstag wieder dort und habe mein Training durchgeführt. Ich habe gestern festgestellt, dass ich gar keinen Muskelkater hatte. Dabei habe ich vorgestern mehr als am Montag geschafft, vor allem bei der Rücken-Übung und bei den gekreuzten Sit-ups, wo ich diesmal die Liege genau waagerecht eingestellt habe, statt leicht gekippt. Es hat mich gefreut.


Nachtrag: Ich habe alle meine bisherigen Einträge noch mal geschaut, vor allem die mit Fußnoten. Bei sehr langen Texten habe ich Links mit Ankern eingefügt, im HTML mit z.B. ‹a name="ref1"›‹/a› für den Fußnote-Anker und ‹a href="#ref1"›‹/a› für den Link im Text zur Fußnote, damit man im Text beim Klick auf dem [1] direkt zur Fußnote landet, und auch umgekehrt von der Fußnote aus zurück zum Text. Ziel: Erleichtetes Lesen. Ich hatte fast alle Einträge durch, als ich gemerkt habe, dass man in der Sicht mit mehreren Einträgen viele Links mit gleichen Ankernamen hat. Ich habe jetzt hinter allen refx ein _12345678 dran gepackt (die Nummer soll die eindeutige Nummer des Eintrages sein). Das hat auch lange genug gedauert.

Training

Wir haben heute Morgen mit meinem Trainer am Fitness-Studio einen neuen Plan erstellt. Dabei soll vor allem mein Rücken verstärkt werden, Bauchmuskulatur wird nicht vergessen. Ich habe es gleich probiert und bin damit zufrieden.

  1. 10mn warm trainieren auf dem Cross-Trainer.
  2. Eine für mich neue Übung: In Rückenlage auf einer Liege, eine Hantel (2kg) in beiden Händen nehmen und mit gestreckten Armen über den Kopf nach unten halten, und zurück nach vorne direkt übers Gesicht. Es tut dem Rücken gut und meine Arme werden sehr beansprucht. Langsam hin und her, 3-mal 15 Wiederholungen. Zur Steigerung soll ich beide Beine vom Boden heben, damit der Bauch auch arbeitet. Sehr effizient!
  3. Adduktoren und Abduktoren auf dem Gerät trainieren, 3-mal 15 Wiederholungen bei 12kg. Eine Standard-Übung, ich kann nicht mehr die hohen Gewichten von früher benutzen. Hauptsache, ich fühle, dass die Muskeln arbeiten.
  4. Gekreuzte Sit-ups, nach links und rechts, ich schaffe erstmals 3-mal 12 Wiederholungen (also 6 pro Seite). Die Liege war ein bisschen erhöht auf der Kopfseite, aber es ging so gut, beim nächsten Mal stelle ich sie waagerecht.
  5. 3-mal 15 Wiederholungen am Lat, für die langen Muskeln im Rücken, erstmals 5kg bis ich mich am Gerät gewöhnt habe.
  6. Seiten-Muskulatur am Rotary-Torso, auch 3-mal 15 Wiederholungen mit 10kg.
  7. Untere Rückenmuskulatur, da habe ich heute gerade 1-mal 6 Wiederholungen und danach 2-mal 5 Wiederholungen geschafft. Das kommt noch.
  8. Wieder 20mn auf dem Cross-Trainer, diesmal mit Ziel auf Gewichtreduzierung.
  9. Dehnen.

Ich denke, 2-3 Male in der Woche das Programm durchzuziehen. Wir werden sehen. Da die Dermatologin meinte, Psoriasis wäre häufig mit Diabetes verbunden, kann ich mit dem Training vielleicht dagegen steuern. Schließlich waren meine beiden Omas mit Diabetes krank, ich sollte aufpassen. Keine Ahnung, ob man wirklich mit Sport dagegen arbeiten kann. (Hmm, habt ihr eigentlich gemerkt, dass das Logo für die „American Diabetes Association“ sehr ähnlich wie das Logo der Arbeitsagentur aussieht?)

Ich habe mir am Wochenende eine neue Waage besorgt. Die alte mit Nadel war mir zu ungenau, nachdem ich gesehen habe, dass meine Katze in zwei Wochen 1kg abgenommen haben soll, was völlig Quatsch ist, so schnell kann eine Katze gar nicht abnehmen. Das hat, genau wie bei meiner Trinkschokolade-Auswahl, sehr lange gedauert. Ich habe mich einfach vor dem Regal am Boden hingesessen und mir die genaue Beschreibung von allen Waagen durchgelesen. Am Ende habe ich eine digitale Waage von Soehnle mit großer Anzeige ausgesucht, damit ich die Brillen nicht extra dafür auf der Nase haben muss. Ich war hin und her gerissen, aber der Solarbetrieb hat gewonnen. Sie kann sonst nichts Besonderes, es war also ganz schön teuer, aber doch nicht so viel, wenn man denkt, dass man keine Batterie wechseln muss. Hoffentlich ist sie ohne eingeplante Obsoleszenz. Na ja, ich weiß nicht, ob ich von der Waage so begeistert bin. Der Zweck war eigentlich, meine Katze besser wiegen zu können. Ich habe sie in den Armen genommen und habe unser kombiniertes Gewicht gelesen. Als sie runter gesprungen ist, hat sich das Gewicht aber nicht aktualisiert. Ich musste runter und wieder auf die Waage steigen, um mein eigenes Gewicht zu lesen. Das fand ich doof, so hatte ich es mir nicht vorgestellt.

Neue Woche

Schlechter als letzte Woche kann sie nicht anfangen. Die nächste „wichtige“ Stellenanzeige, für die ich sehr gut passe, hat ihre Bewerbungsfrist am 1. Mai, also noch ein bisschen Geduld, bevor ich etwas höre. Der Vorteil wäre, dass die Stelle in München ist, und diese Stadt gefällt mir sehr. Ich will auch meine Wochenenden im Englischen Garten verbringen. Ach ja, ich habe mich auf eine andere Stelle dort beworben, als zweite Kontaktwissenschaftlerin für ein Großforschungsgerät, aber obwohl ich sehr gut geeignet wäre, erwarte ich dort nichts. Ich habe mich nur beworben, weil die Stelle in der Jobbörse der Arbeitsagentur stand, ich will Vorwürfe vermeiden. Diese Stelle war schon letztes Jahr in Februar ausgeschrieben. Ich bin sogar Ende April zum Gespräch eingeladen worden. Und dann nichts, keine Rückmeldung, oder keine direkte Rückmeldung. Mein damaliger Chef war später dienstlich dort und hat mit dem Leiter des Forschungszentrums gesprochen, und der hat ihm gesagt, die Stelle wäre noch zu besetzen. Von allen Kandidaten, die sich beworben hatten, haben sie niemanden genommen.

Heute scheint die Sonne. Ich habe gleich um 09:00 einen Termin mit einem Trainer aus meinem Fitness-Studio. Ich war wegen meines Ischias sehr lange nicht mehr dort, hatte das Abo aber nicht gekündigt, weil ich nicht einsehen wollte, dass es so lange dauern würde. Sie haben viele neue Geräte in dieser Zeit gekauft, die muss ich kennen lernen, bevor ich sie benutze. Ich bin wieder regelmäßig dort. Und brauche gut 8kg los zu werden. Ich will mein BMI wieder im grünen Bereich haben und einen Sicherheitsabstand zur oberen Grenze haben. Ich will wieder eine super Ausdauer haben, so dass ich nach einem Sprint zum Bus nicht fünf Minuten lang noch brauche, um meinen Atem zum normalen Niveau zu bekommen. Und ich will wieder meine Muskeln trainieren.

Ich hoffe sehr, dass das regelmäßige Sport-Training mir mehr seelische Kraft gibt, um Absagen bei wichtigen Stellen besser zu verkraften. Als ich am Wochenende das Geschirr aus der Spülmaschine raus holen und aufräumen wollte, bin ich auf einmal und völlig überraschend zusammen gebrochen. Fast hätte ich den Gegenstand in meiner Hand weg geworfen, ich wollte plötzlich alles in die Gegend rum schmeißen. Das hat mich sehr erschrocken, ich konnte mich nur noch an der Spüle fest halten und erstmals heulen. Blödes Verhalten. Es war wie ein Impuls, an einem Moment stehst du da und hast nur Aufräumen im Kopf, am nächsten Moment flippst du aus. Dabei dachte ich, mir ging’s schon besser. Ich traue mich nicht, in diesem Zustand andere Menschen für längere Zeit zu sehen. Vor allem Menschen, die über meine Bewerbungsversuche informiert sind. Ich habe kein Bock auf Nachfragen. Und kein Bock auf billiges nicht wirklich gemeintes Mitleid.

Ich fange sonst schon die vierte Woche im Kurs Datenmanagement mit SQL an. Letzte Woche ging’s um relationaler Entwurf von Datenbank und Dekomposition. Es war schon ein sehr großes Stück auf einmal, ich musste viele Videos mehrmals schauen, bevor ich die Selbsttests machen konnte. Mal schauen, wie ich diese Woche bei der Hausaufgabe war. Wahrscheinlich nicht so gut wie bei den ersten zwei. Man hat eine Stunde Zeit, ich hatte bei der ersten Hausaufgabe nicht mal zehn Minuten gebraucht, bei der zweiten 23 Minuten. Gestern hat es viel länger gedauert.