Es wird langsam

Nachdem wir am Sonntag die Strecke zur Arbeit ausprobiert haben, bin ich sie gleich am Montag mit dem Fahrrad alleine gefahren. Bevor ich die Details vergesse. Einfach war es nicht, ich habe mich zweimal verfahren, einmal im ersten Stück Wald und danach, um zum zweiten Stück Wald zu kommen. Die Kreuzungen waren nicht in der richtigen Reihenfolge in meinem Kopf. Ich habe anderthalb Stunden gebraucht, und das nur, weil ein freundlicher Fahrradfahrer mir entgegen gekommen ist, als ich rätselnd auf dem Handy schaute (mein Navi kennt keine Waldwege) und fragte, wo ich hin wollte. Sonst hätte ich länger gebraucht. Das angenehmere Stück ohne Radweg auf der engen Straße, das wir bei der Rückkehr benutzt hatten, war im Berufverkehr mehr befahren, aber es war noch in Ordnung. Die Sichtweite ist dort sehr gut, da kann man mich nicht im letzten Moment sehen, es gibt also kein Grund, so dicht an mich vorbei zu fahren, es sei denn, man trägt Arschloch-Gene in sich. Das gibt’s. Meistens zeigen die Autofahrer doch Rücksicht. Auf der Rückfahrt habe ich am Montag schon nur noch eine Stunde zwanzig Minuten gebraucht. Ich habe eine Kreuzung verpasst, und im letzten Stück Wald sind mir zu meiner Überraschung zwei Autos hinter einander entgegen gekommen. Ich dachte, dort würden keine motorisierte Fahrzeuge durchfahren. Ich musste am Rand vom Weg mit dem Fahrrad stehen bleiben, um nicht überfahren zu werden. Gebremst hat das erste Auto nicht, und ich war über die Staubwolke danach nicht erfreut, auch wenn der Fahrer vom zweiten Auto sich bedankt hat.

Gestern hatte ich geplant, nach Feierabend zum Fitnessstudio zu gehen. Mit der Sporttasche wollte ich nicht Fahrrad fahren, und auch nicht, weil ich sonst nachtsüber nach Hause durch den Wald hätte fahren müssen. Ich bin also, wie ich es seit fast drei Wochen gewöhnt bin, zur Bushaltestelle gegangen, um den SEV bis Germering zu nehmen, und weiter mit einem anderen Bus zur Arbeit zu fahren. Zu meiner Überraschung fuhr der Bus nur bis Gilching-Argelsried, weil die S8 jetzt bis dahin kommt. Ich hätte in der App schauen sollen. Zu Fuß wäre ich schneller gewesen. Das hätte mir doch nicht geholfen, weil die S-Bahn sehr lange einfach nicht kam. Keine Durchsage, wie immer, aber diesmal lag es daran, dass die Bauarbeiten am Bahnsteig nicht fertig waren. Die Männer waren am Bahnsteig tatsächlich dabei, auf der anderen Seite der Sperre auf Säulen die Lautsprecher zu befestigen. Man muss sich vorstellen, wie so viele Leute, die theoretisch zwei verschiedenen Zügen genommen hätten, sich auf dem nicht ganz halben Bahnsteig verteilt haben, um vierzig Minuten lang auf eine Bahn zu warten. Weil der nächste Bus inzwischen seine Ladung gebracht hatte. Als der Zug endlich kam, ist er auch nicht sofort weggefahren, nein, ein paar Minuten hat es noch gedauert. Ich habe für eine Strecke, die im Normalbetrieb von zu Hause aus fünf Minuten dauert, eine ganze Stunde wegen MVG-Chaos verschwendet, und habe insgesamt zwei Stunden zur Arbeit gebraucht. Begeistert war ich nicht.

Heute bin ich wieder Fahrrad gefahren, weil ich so sauer auf die MVG war. Siebzig Minuten für den Hinweg, wobei eine Kreuzung noch nicht optimal ist. Ich sollte sie vermeiden. Man kommt nach einer Brücke aufwärts auf die Kreuzung zu, die zu einer viel befahrenen Straße führt, und muss mit dem Fahrrad da mittig stehen und warten, bis eine Lücke entsteht. Tut sie das, kann man aber nicht gut los nach links radeln, weil dann aus einer anderen Richtung Autos kommen. Aussteigen, Fahrrad zur Ampel schieben, auf dem Knopf drücken um grün zu bekommen… Blöd. Es muss einen besseren Weg geben. Auf dem Rückweg nach Hause habe ich nur noch eine Stunde gebraucht. Fast genau so lange wie mit ÖPNV, wenn es normal ohne SEV fährt. Und entspannter, wenn man keinen Idioten begegnet. Wie die Frau heute hinter mir, die nur noch huppen konnte, weil ich auf der Straße fuhr. Einen Radweg gab es gerade nicht, und ich war noch bemüht, rechts dicht am Straßenrand zu fahren, und sie hätte mehrmals die Gelegenheit gehabt, mich bequem zu überholen, statt hinten zu bleiben und zu huppen. Oder der Opa in seinem grauen Cabrio (M RP 17), der mich mit „Fick dich!“ begrüßte, als er mich nach einem ganz engen Tunnel überholte, wo man eh langsam zu fahren hat. Da gab’s auch gerade keinen Radweg, er fängt erst die Kreuzung danach an. Blöd, dass ich alleine war und keine Zeugen für eine Anzeige hatte.

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Mit dem Fahrrad zur Arbeit

An einem Sonntag.

Ich arbeite seit drei Monaten in München, und schon bereue ich es, mir ein Jahresabo fürs ÖPNV gekauft zu haben.

Zuerst dachte ich, es wäre nicht schlimm, so weit weg von der Arbeit zu wohnen. Die Wohnung liegt ganz nah an der S-Bahn, und die fährt alle zwanzig Minuten, morgens sogar häufiger, und ich brauche keine Stunde zur Arbeit. Also besser als das, woran ich mich in Berlin gewöhnt hatte. Nicht. Und nicht nur, weil das Abo wesentlich teurer als in Berlin ist.

Wir hatten schon ein ganzes Wochenende lang wegen Bauarbeiten Einschränkungen im Betriebsablauf hinnehmen müssen. Danach fuhr die S-Bahn normal weiter, und ich dachte naiv, das wär’s, mit den Bauarbeiten. Pustekuchen. Seit zwei Wochen fährt die S-Bahn bei uns gar nicht mehr, und das soll noch eine Woche dauern, wie ich aus dem folgenden Brief erfahren durfte:

Stattdessen gibt es Schienenersatzverkehr (SEV). Und es muss sein, weil es gar keine Alternative zur S-Bahn gibt. Wenn ich in der App suche, wie ich ohne S-Bahn von der Arbeit nach Hause komme, kriege ich Ergebnisse, die über fünf Stunden dauern, mit langen Gehwegen.

In der Woche vor Beginn der Bauarbeiten haben es uns die automatischen Durchsagen im Zug und an den Bahnhöfen die ganze Zeit immer wieder erzählt. Schön wär’s gewesen, wenn die Durchsagen an den Bahnhöfen auch nach Wiederbeginn der Bauarbeiten weiter gelaufen wären. Nicht mal Schilder gab es, um die gelegentlichen Reisenden zu informieren.

Am ersten Samstag sind wir mit dem Ehemann über den Gleis zur Bushaltestelle gelaufen, um den SEV zu benutzen. Schnell, weil der Bus in Kürze kommen sollte. Ich habe von weitem mitbekommen, wie eine Frau mit Koffer sich am Automaten eine Fahrkarte gekauft hat, um sich, ganz alleine am Gleis, auf eine Bank hinzusetzen. Als wir vorbei  liefen, habe ich mein Tempo reduziert und ihr gesagt, „Hier fährt keine Bahn, es gibt nur SEV“. Sie ist uns gefolgt, so gut es mit ihrem Koffer ging, was bei uns nicht einfach ist, da überall Treppen sind, aber keine Aufzüge. Den Bus hat sie bekommen, und hoffentlich konnte sie pünktlich zum Hauptbahnhof ankommen, wo sie einen Zug nehmen sollte. Mit SEV dauert die Fahrt länger. Als wir abends auf dem Weg nach Hause erneut auf dem Bahnsteig gingen, haben ein Italiener und sein junger Sohn auf die Bahn gewartet. Hätten wir ihnen nichts gesagt, hätten sie noch lange da gestanden. Keine Durchsage, keine Aushänge, keine Information. Das ist die MVG.

Die Busse selbst… Bei unserer ersten Fahrt kam gerade ein Bus, um einen ganzen Zug zu ersetzen. So sah es zumindest aus. Alle Leute haben sich da rein gequetscht. Natürlich auch die mit Koffer. Kinderwagen? Rollstuhlfahrer? Fehlanzeige. Die können selber gucken, wie die fahren. Während der Fahrt hat uns dann von hinten ein anderer Bus aufgeholt, bei dem auch S8 angezeigt wurde. Der war leer. Weil er so spät nach dem ersten Bus kam, haben alle Leute geglaubt, es gäbe nur den einen Bus, und sie sind alle drin eingestiegen. Der zweite Bus war noch kein gewöhnlicher Stadtbus, sondern ein Reisebus, mit steilen Treppen zum Einsteigen. Kinderwagen? Rollstuhlfahrer? Fehlanzeige.

Letztens hat sich im Bus neben mir ein älterer Herr mit Gehstöcken hingesessen. Es war wieder ein Reisebus, und er hatte große Schwierigkeiten gehabt, überhaupt einzusteigen. Ich war so unzufrieden, jetzt über eine Stunde Fahrt zur Arbeit zu brauchen und in überfüllten Bussen fahren zu müssen, dass ich ernsthaft darüber nachgedacht hatte, den Abo zur nächsten Gelegenheit zu kündigen und mir ein kleines Auto zuzulegen. Den Führerschein habe ich ja, und wir haben sogar zwei Stellplätze in der Tiefgarage, die zur Wohnung gehören. Mein geschwätziger neuer Sitznachbar erzählte mir, früher wäre er Auto gefahren, aber in den letzten Jahren hätte der Verkehr in München derart zugenommen, dass er das Benutzen vom ÖPNV viel angenehmer fände, selbst mit SEV. Doch kein Auto?

Jetzt, wo das Wetter richtig sommerlich wird, könnte ich Fahrrad fahren. Ich bräuchte theoretisch genau so lange wie mit ÖPNV im normalen Betrieb. Der Ehemann ist am Wochenende gekommen, und hat wieder einige Sachen aus Berlin mitgebracht. Darunter sein Fahrrad, wie ich ihn darum gebeten hatte. Wir haben heute die Strecke zur Arbeit getestet.

Ein gutes Gefühl hatte ich im Vorraus nicht. Beim Vorbeifahren mit dem Bus war mir schon klar, dass die Radwege hier, wenn es welche gibt, nicht zum Wohl der Radfahrer gebaut wurden, sondern nur, um sie von der Straße fern zu halten, wo sie die Autos stören. Ganz anders als in Berlin. Die „Radwege“ sind manchmal sogar für Mofas freigegeben, wie ich vor zwei Wochen auf einem Schild lesen konnte. Teilweise wird man als Fahrradfahrer auf renovierungsbedürftige Bürgersteige gelotst, und man ist besser dran, einfach auf der Straße zu fahren. Wenn sich nicht irgendwelche idiotische Autofahrer so rücksichtlos verhalten würden.

Wie heute, als der Ehemann, der vorne fuhr, um mit seinem Navi den Weg zu zeigen, nach links abbiegen wollte. Es war eine ganz enge Straße ohne Radweg oder Bürgersteig, die gerade nach rechts bog. Auf 60 km/h begrenzt. Links gab es keine Straße für Autos, nur einen Radweg durch den Wald. Der Ehemann hatte schon den Arm nach links gestreckt, um zu zeigen, dass er abbiegen wollte. Von hinten kam plötzlich ein Auto, und glaubt ihr, der Fahrer hätte ihn abbiegen lassen? Nein, nicht einmal gebremst hat er, sondern ihn von links überholt. Ich habe nur in höllischer Angst zugucken können, und bin heilfroh, dass der Ehemann im letzten Moment doch nicht abgebogen ist, weil die Tour sonst im besten Fall im Krankenhaus beendet worden wäre. Es ging so schnell, dass ich mir außer STA das Kennzeichen nicht merken konnte, sonst hätte ich darauf bestanden, bei der Polizei eine Anzeige zu machen.

Damit wurde klar, den Weg will ich nicht zur Arbeit fahren. Für die Rückfahrt haben wir eine andere Strecke gewählt, die in der Praxis ein bisschen besser aussieht, obwohl sie auch über eine enge Straße ohne Radweg läuft. Wenigstens ist die Straße gerade, wenn man vom Wald ankommt. Ich weiß aber nicht, wie es im Berufsverkehr aussieht.

Radtour zum Weßlinger See

Der Ehemann musste ungewöhnlich früh zum Flughafen. Er war schon seit Donnerstag hier, weil er am Freitag ein Vorstellungsgespräch hatte. Das Gespräch ist zwar gut gelaufen, aber die Firma hat ihn nicht wirklich überzeugt.

Ich hatte den Wecker auf meinem Handy für sieben gestellt, was für einen Sonntag recht hart ist. Wir sind schon nicht früh eingeschlafen. Und wir haben völlig vergessen, dass die Sommerzeit am Wochenende anfängt. Dementsprechend noch weniger geschlafen, obwohl es mir beim Aufwachen nicht aufgefallen ist. Gut, dass mein Handy die Uhrzeit automatisch anpasst. Als der Ehemann auf Boarding wartete, schrieb er mir, „Kann es sein, dass wir heute Nacht zur Sommerzeit gewechselt sind?“ Ich: „Nee, ich hätte es schon vorher mitbekommen“. Tja.

Das Wetter sah morgens fantastisch aus. Endlich ist der Schnee übers Wochenende weg geschmolzen, oder fast. Auf dem Weg zum Bäcker war es mir doch kalt. Ich habe beschlossen, erst am Nachmittag Fahrrad zu fahren. Die erste Radtour des Jahres. Ich bin nicht weit gefahren, weil ich nicht sicher war, ob mit dem Fahrrad alles in Ordnung ist. Das vordere Rad wirkte beim Fahren ziemlich platt. Ich habe es nicht geschafft, die Kappen vom Ventil aufzumachen, um die Reifen aufzupumpen. Der Ehemann muss sich bei seinem nächsten Besuch darum kümmern. Vermutlich ist er es selber gewesen, der die Kappen so fest zu gedreht hat.

Nach einer halben Stunde bin ich am Weßlinger See angekommen. Es waren schon viele Leute unterwegs. Ich habe das Rad geschoben und bin zu Fuß um den See gelaufen. Der Weg war teilweise eng und matschig, aber es war schön. Ich bin meinem ersten Zitronenfalter des Jahres begegnet. Eine kleine Imbiss-Bude gibt es, direkt am Wasser. Es wäre übertrieben, von einem Biergarten zu sprechen. Das war der meist besuchte Ort am See. Alle Tische waren überfüllt. Sonst war der Spaziergang ruhig. Der Weßlinger See ist ganz klein und ökologisch bedroht. Viele Plakate hängen, um zu erklären, dass man zum Beispiel die Enten und Schwäne nicht füttern darf. Baden kann man nur an bestimmten Stellen. Es gibt in der Gegend sowieso größere Seen, den kleinen hier könnte man komplett in Ruhe lassen. Nach einer Stunde war ich zurück zu meinem Ausgangspunkt gekommen, und ich bin nach Hause geradelt.

 

Faul

Schuld ist das Wetter. Wer will schon bei dem Regen irgendwas unternehmen? Also, ich nicht. Starken Dauerregen schaue ich mir lieber zu Hause aus dem Fenster mit einer gemütlichen Tasse heißer Schokolade an.

Dabei war ich in letzter Zeit voll Energie und Motivation. Seitdem ich eines Morgens fast zwei Stunden zur Arbeit gebraucht habe, weil irgendwelche Deppen die S-Bahn-Verkabelung in Brand gesetzt haben, bin ich wieder regelmäßig aufs Rad gestiegen. Wenn ich am Tag hin und zurück radle, habe ich 42 Kilometer in den Beinen. Fast 1000 kcal, meint fddb. Das mit dem weiter Abnehmen klappt aber nicht. Weil ich seit Monaten keinen Bock mehr habe, alles einzutragen, was ich esse. Ich dachte, es ginge, ich hätte jetzt einen guten Überblick darüber, was ich essen sollte, aber mein Gewicht bleibt konstant. Immerhin.

Fahrrad will ich aber nicht bei jedem Wetter fahren. Erst recht nicht, wenn es regnet. Vor zwei Wochen bin ich kurz vor Ankommen auf Arbeit von einem Gewitter erwischt worden. Ich dachte, ich würde es noch rechtzeitig schaffen. Ich wollte zu den Fahrradständern vor unserem Gebäude langsam abbiegen. Weil es plötzlich angefangen hatte, so stark zu regnen, habe ich nicht gemerkt, dass die Räder schon total naß waren. Die Bremsen haben nur gequietscht. Ich war schon am Lenken und habe gespürt, wie die Reifen auf dem Asphalt keinen Halt mehr hatten und wie das Fahrrad seitlich gerutscht ist. Es war zum Glück kein Auto auf der Straße, als ich dort gelandet bin. Auf dem linken Ellbogen, der den Schock doch gut überstanden hat. Nur Schürfwunden, und ein großer blauer Fleck in der Innenseite vom linken Oberschenkel, wo der Sattel geknallt hat. Heute ist schon nichts mehr davon zu sehen.

Ich bin auch wieder regelmäßig zum Fitnessstudio gegangen. Ich war seit Mai ständig am Wochenende verreist und bin nur seit drei Wochen fleißig bei der Wassergymnastik am Samstagvormittag dabei. Die Kursleiterin, die vorher da war und einen schönen runden Bauch hatte, ist jetzt wahrscheinlich in Mutterschutz. Ich fand ihren Kurs gut, aber jetzt, wo ich ihre Vertretung kenne, will ich sie gar nicht mehr zurück haben! Die Vertreterin hat ein ganz anderes Programm, mit Übungen, die man wie beim Intervall-Training wiederholt, acht Mal zwanzig Sekunden, mit zehn Sekunden Pausen zwischendurch. Am Anfang fühlt sich die Übung ganz leicht an, aber nach der dritten Wiederholung wird es schon super anstrengend. Meine Lieblingsübung ist die, wo man sich am Beckenrand mit den Armen hoch hebt und langsam runten ins Wasser gleiten lässt. Einfach der Hammer. Vorher hatte ich kein Problem, zwei Kurse hintereinander zu machen. Jetzt bin ich schon mit dem Ersten völlig fertig und habe wirklich den Eindruck, etwas geleistet zu haben.

Nun, heute ist mir nicht danach. Schuld ist das Wetter, das mich diese Woche von Radeln abgehalten hat. Und dieser Wind! Ist Berlin immer so windig gewesen? Ich habe es anders in Erinnerung. Zum Fitnessstudio wollte ich bei dem Regen auch nicht, da man nur beim Rüberqueren der Straße schon durchnässt wird. Und mit der Periode, die gerade abklingt, wollte ich nicht ins Schwimmbad. Wir wollten eventuell dieses Wochenende eine Radtour nach Potsdam machen, aber da die Wettervorschau nur Regen angekündigt hat, bleiben wir zu Hause. Die Wohnung muss eh mal geputzt werden.

Sonntagsradeln

Dank Fieselfux bin ich auf die Idee gekommen, heute das Fahrrad aus der Tiefgarage zu holen und mit dem Ehemann zum Fliegeberg zu fahren. Von zu Hause aus brauchen wir nicht mal eine halbe Stunde. Es war das erste Mal seit meinem Armbruch, dass ich mein Fahrrad wieder angefasst habe. Fahrrad gefahren bin ich dieses Jahr sonst schon, in Finnland. Leihweise. Bilder dazu kommen noch.

Wir haben die Fahrräder am Eingang vom Park gelassen und sind zu Fuß herum gegangen. Das Wetter war fantastisch, volle Sonne und schön warm, schon am frühen Morgen. Kaum Leute unterwegs, obwohl es schon nach zehn Uhr war. Der Ehemann hat erzählt, er war früher als Kleinkind häufig mit seinen Eltern hierher gekommen, als sie noch in der Nähe wohnten. Seitdem sie umgezogen sind, ist er nie wieder zurück gekommen. Es war schön für ihn, den Park mit mir neu zu entdecken. Hinter dem Wasserbecken sieht man den künstlichen Fliegeberg, den Otto Lilienthal für seine Flugversuche benutzt hatte.

Nach einer kurzen Umrundung des Teiches rechts vom Fliegeberg sind wir zu unserem nächsten Ziel geradelt. Die Sternfahrt. Mich hatte die Idee gelockt, mit dem Fahrrad auf der Autobahn fahren zu dürfen. Wie geil ist das denn? Leider wurde nichts daraus.

Nachdem wir uns dem Zug an einem U-Bahnhof angeschlossen haben, sind wir in Richtung Autobahnzufahrt Grenzallee mitgeradelt. Um dann eine Stunde dort zu verhaaren. Die Zufahrt war gesperrt, keiner kam durch. Wieso, wusste keiner. Wir haben uns eine Stelle im Schatten in einer Querstrasse gefunden und haben erstmals gewartet. Nun, nach einer Weile tat mein Ischias weh, und es war ziemlich langweilig. Ab und zu kam eine Welle Gedrängel, wo Leute mit ihren Fahrrädern einfach nach vorne gefahren sind, aber vorne ging es trotzdem nicht weiter. Irgendwann hat jemand durch ein Mikrofon die Leute dazu aufgerufen, stehen zu bleiben, was völlig ignoriert wurde, da, nachdem ein Krankenwagen sich den Weg durch die Menge gebannt hatte, viele Leute wieder gedrängelt haben. Irgendeine Information, warum wir da standen und wann es endlich los gehen würde, wurde nicht mitgeteilt. Klar ist, ich mache beim nächsten Mal nicht mit.

Nach über einer Stunde hatte es uns gereicht. Wir sind umgedreht und stattdessen nach Tempelhof gefahren. Bei dem tollen Wetter an einem Sonntag war das Feld unglaublich menschenleer. Wir haben auf den Liegestühlen vom Biergarten entspannt. Einige Meter von uns entfernt, unter anderen Bäumen, saßen zwei Frauen mit einem Kleinkind, das vielleicht zwei Jahre alt war. Das Kind trug nur eine kurze Hose, die ihm doch bis zu den Knien reichte und zu groß war, da sie ihm beim Laufen unter dem Po gerutscht war. Ich glaube, er hat es nicht gemerkt. Irgendwann hat er sich die Hose komplett ausgezogen und ist ganz nackig und fröhlich durchs Grass mit der Hose in der Hand gelaufen. Herrlich. Zwei Männer haben vor den Tischen hinter uns Musik gespielt und gesungen, Country oder so, das hörte sich toll an. Ich habe gedacht, ich will gar nicht weg von Berlin, es lebt sich hier so schön. Tja…

Sportlich und doch nicht fit

Die Migräne ist wieder da. Kein Wunder, bei dem Wetter.

Trotz der guten Nacht habe ich mich beim Aufwachen matschig gefühlt, und zwar bevor ich die Nachrichten im Radio gehört habe. Zum Frühstück gab es eine Banane und einen Kaffee. Martin ist früher zur Arbeit gefahren. Er hat sein Fahrrad mitgenommen, obwohl es kurz vorher noch geregnet hat. Ich wollte doch so gerne auch Fahrrad fahren. Das letzte Mal war am Montag. Laufen am Mittwoch ist wegen Migräne ausgefallen. Wenn ich abnehmen will, muss ich mehr tun. Aber diese blöde Migräne, die nicht los lässt! Und der Schwindel dazu! Wenigstens ist die Periode vorbei. Ich habe mich fürs Radeln angezogen und saubere Kleider in den Rucksack gepackt. Noch einen Kaffee getrunken. Dabei habe ich mich zwischendurch gefragt, ob ich mich nicht krank melden sollte, um zu Hause zu bleiben. Aber vielleicht wäre Bewegung genau das richtige, um mich besser zu fühlen?

Es hat tatsächlich geklappt. Mittags bin ich mit den Kollegen essen gegangen. Beim Kaffee danach ging es mir langsam aber merklich schlechter. Wieder Kopfschmerz und Schwindel. Ich habe arbeiten können. Um vier Feierabend. Auf dem Rückweg war das Radeln schwieriger. Eine gute halbe Stunde lang hat mein Kopf gepocht, wenn der Radweg nicht ganz eben war. Also, die ganze Zeit, mit den Berliner Radwegen. Dann gab es ein bisschen Regen. Windig war es ständig. Gegenwind natürlich. Ich würde sogar sagen, es war stürmisch. Echt kein Spaß. Dazu kam, dass so viele Leute den Radweg missachtet haben und drauf spazieren gegangen sind. Taube Leute, die auf meine laute Klingel nicht reagiert haben. Eine Frau mit Kinderwagen ist mir entgegen gekommen und hat mich auch noch trotzig angeschaut, bevor sie beschlossen hat, mitten im schon engen benutzungspflichtigen Radweg zu gehen. Der Bürgersteig war drei Meter entfernt und durch eine Wiese vom Radweg getrennt. All diese Leute heute sahen irgendwie südländisch aus, und ich habe mich gefragt, ob Flüchtlinge überhaupt erklärt bekommen, was ein Radweg ist. Den Eindruck habe ich nicht. Dazu muss ich sagen, dass ich selber bei meiner Ankunft in Deutschland lernen musste, dass es Radwege auf dem Bürgersteig gibt. Das kannte ich damals nicht.

Zu Hause angekommen, habe ich geduscht und viel Wasser getrunken. Martin ist kurz nach mir gekommen, ebenfalls mit dem Fahrrad. Ein Aspirin musste noch her. Ich habe großen Hunger bekommen. Die Suppe mittags war schon längst verbraucht, sowie der Grießpudding. Martin hat uns ein Pizza geholt. Ich habe mich überreden lassen, obwohl ich dagegen war. Er unterstützt mich beim Abnehmen wirklich nicht. Er hat meine Lieblingssorte gebracht, mit Kochschinken und Champignons. Ich habe meine Hälfte verschlungen. Pizza und Abnehmen passen bekanntlich nicht gut zusammen. Die heutigen 44 Kilometer Fahrrad machen es wieder gut, sicherlich.

Von Abnehmen kann momentan keine Rede sein. Ich nehme seit einer Woche langsam aber stets wieder zu. Ich versuche, darauf zu achten, was ich esse, wirklich. Keine Zwischenmahlzeit, obwohl es diese Woche beim ständigen Hunger nachmittags nicht einfach war. Ich weiß, dass ich zu viel rein stopfen muss, wenn ich zunehme. Kalorienzählen geht leider nicht, wenn ich mittags mit den Kollegen esse. Ab und zu nehme ich mir etwas mit, das isoliert mich aber von der Gruppe. Ich bin schon zu einem anderen Gebäude umgezogen und habe dadurch viel weniger Kontakt mit den Kollegen. Mein mitgebrachtes Mittagessen im Lokal zu essen würde bei den Betreibern nicht gut ankommen. Also nehme ich zu. Das lustige dabei ist, dass meine Kleider zu breit werden. Ich habe mich heute gefragt, ob meine Hose mir nicht runter fallen könnte. Sie hält sich noch fest, aber es ist deutlich, dass sie früher enger saß. Ich habe am Po-Bereich viel an Fett verloren. Wenn die Figur sich ändert, ist es doch ein gutes Zeichen.

Voll motiviert

Mein Gewicht war heute Morgen höher als am Freitag. Er ist am Wochenende schon konstant geblieben, seitdem Martin zurück von seinen Dienstreisen ist. Ständig fragt er mich, ob ich  mir nicht ein Bier mit ihm teilen möchte (immerhin alkoholfrei), oder kommt mit Chips an… Ich kann mich nicht so gut beherrschen, wenn er so zu mir kommt. Es ist auch schön, auf der Terrasse mal zu sitzen und ein kühles Bier zu genießen. Alleine würde ich das auch machen, aber mit einem Glas Sprudel. Vielleicht mit Antésite. Am Samstag hat er für uns gekocht. Gestern haben wir mit Freunden gegrillt. Es gab auch die Zitronenmuffins, die ziemlich gut geworden sind. Ich hatte nur einen davon.

Gestern vormittags sind wir wieder gelaufen. Diesmal mit Pulsuhr. Um unnötig hin und her zu fahren, hatte ich am Freitag auf dem Weg zur Arbeit beim Saturn bei mir direkt bei der Eröffnung angerufen, um mich zu erkundigen, ob sie Pulsuhren verkaufen. „Prinzipiell ja, aber bei uns nicht“, meinte der Mann. Wir haben eine am Samstag bei Karstadt Sport gefunden. Das FT1 Modell von Polar. Eine ähnliche Uhr hatte ich schon vor Jahren benutzt, aber nach meinen Ischias-Problemen hatte ich sie einer Freundin geschenkt, da ich davon überzeugt war, nie wieder joggen zu können. Mir geht es doch viel besser. Nach dem Laufen gestern hatte ich nur einen kleinen Stich mittig in der linken Pobacke gespürt, der nach der Entspannung zu Hause schnell verschwunden ist.

Wir sind gestern nicht schneller als die andere Male gelaufen. Ich bin diesmal nur 53 Minuten gelaufen. Mein Puls war am Anfang niedrig, dann ist er stets gestiegen. Ich hatte den maximalen Puls von 160 in der Uhr gespeichert. Werkeinstellung. Dieser Wert ist eigentlich schon zu hoch. Als mein Puls höher wurde, hat die Uhr gepiept. Ich habe versucht, langsamer zu laufen. Der Puls ist hoch geblieben, und so habe ich beschlossen, nicht weiter zu laufen. Er ist bei den anderen Malen bestimmt auch so hoch gewesen. Nun, laut lauftipps.ch sollte mein Puls beim Training nicht höher als 141 werden. Dafür müsste ich echt wie eine Schnecke laufen. Und irgendwie hatte ich es vor Jahren doch geschafft, als ich mit Kollegen mittags regelmäßig gelaufen war. Meine Kondition ist zu schlecht, ich müsste häufiger als einmal pro Woche trainieren. Am Mittwochabend laufen wir wieder.

Heute bin ich mit dem Fahrrad zur Arbeit hin und zurück gefahren. Das sind 44 Kilometer. Heute Morgen habe ich 80 Minuten gebraucht, heute Abend mit Gegenwind 90 Minuten. Laut fittrechner.de habe ich dadurch knapp über 1000 kcal gebrannt. Ob das mit den vielen Pausen wegen Ampeln noch stimmt, glaube ich eher nicht. Meine Geschwindigkeit war höher als die mit Zeit und Abstand gerechnete, aber es gab viele unerwünschte Pausen. Für die Laufstrecke von gestern habe ich knapp über 400 kcal verbraucht. Wobei ich so langsam laufe, dass meine Geschwindigkeit für die Rechnung nicht verfügbar war, die 400 kcal sind aus meiner Zeit für 8 Kilometer pro Stunde grob herunter geschätzt.

Gegessen habe ich heute normal. Ein Muffin und ein Pfirsich mit Kaffee zum Frühstück. Mittags gab es beim Lokal Ratatouille mit Gnocchi und Hänchenbrustfilet. Das Eis danach hätte nicht sein müssen. Abends habe ich 100 g Schinken mit einer Scheibe Vollkornbrot gegessen. Dazu eine Banane mit Milch püriert. Seitdem ich häufiger Bananen esse, sind die Krämpfe verschwunden.

Jetzt muss ich morgen das Fahrrad zu Hause lassen und mir einen Tag Regenerierung für die Muskeln gönnen. Keine schöne Vorstellung, in der S-Bahn mit den üblichen schlecht gelaunten Reisenden und stinkenden Bettlern und Alkoholikern und lauten Musikanten zu fahren, wenn man weiß, wie angenehm und stressfrei eine Radfahrt sein kann. Oder ich nehme den Bus, selbst wenn es länger dauert. Dafür hat man meistens seine Ruhe.

Freier Dienstag

Ich hatte Freizeitausgleich. Kein Luxus, nach der Insomnie von gestern und den Überstunden von letzter Woche.

Ich bin um halb neun aufgewacht. Das kriege ich sonst selbst am Wochenende nicht hin. Temperatur und Gewicht gemessen. Jubel. Seit letzter Woche sind schon zwei Kilogramme gepurzelt. Zum Frühstück gab’s eine Banane mit Orangensaft und Kaffee. Letzterer schwarz und ohne Zucker, wie immer. Die Banane, weil ich in letzter Zeit wieder Krämpfe habe. Immer in der linken Wade.

Meinen letzten Traum hatte ich noch in Erinnerung. Ich war in einem Supermarkt und hatte Durst. Auf dem Weg zu den gekühlten Getränken habe ich einen Schokoriegel geholt und verputzt. Ich habe mir Sorgen gemacht, ob man mich als Diebin festhalten würde, und die Verpackung behalten, um sie an der Kasse zu zeigen. Der Geschmack von der Schokolade hat mir noch schlechtes Gewissen gegeben, weil ich abnehmen will. Bei den Getränken bin ich vor der riesigen Auswahl stehen geblieben, um dann zu einer mit Früchten aromatisierten Wassersorte zu greifen. Alle Sachen, die ich im echten Leben nie kaufe! Gut, die Schokoriegel kauft mein Mann, und er soll sie gefälligst nicht vor meiner Nase essen. Aromatisiertes Wasser? Unnötig Zucker trinken? Kommt nicht in Frage.

Am späten Vormittag habe ich mein Fahrrad in die S-Bahn genommen und bin zum Konsulat gefahren. Mein aktualisierter Pass mit meinem Ehenamen lag zur Abholung bereit. Danach habe ich mich auf dem Weg nach Dussmann gemacht. Von der Wilhelmstraße zur Friedrichstraße sollte es nicht schwer sein. Aber nein, ich bin trotz Navi auf dem Handy zuerst in die falsche Richtung gefahren und musste umkehren. Ich habe mir dort das Buch von Nadja gekauft. Endlich. Als es am Anfang nur als E-Book verfügbar war, konnte ich es nicht, da ich mich weigere, Amazon-Kündin zu sein. Danach hat es lange gedauert, bis ich mal Zeit hatte und mich daran erinnert habe, wenn ich in der Nähe einer Buchhandlung war.

Ich bin nach Hause geradelt. Laut Google maps hätte ich Dreiviertelstunde für die Strecke gebraucht. Ich fahre aber kaum durch Mitte und habe mich mehrmals verfahren. Irgendwann bin ich am Bahnhof Zoo gelandet, obwohl ich genau diese Stelle vermeiden wollte. Bauarbeiten, Verkehrschaos…

Mit Krämpfen in den Füßen habe ich Halt in einem Supermarkt gemacht. Ich wollte zuerst den Chiasamen-Pudding nachmachen. Der Preis von den Chiasamen hat mich ein wenig geschockt, vor allem, da diese sogenannte Superfood nichts anderes als ein Marketing-Trick sind und sich nur wage auf wissenschaftliche Basis stützen. Ich habe beschlossen, stattdessen Buchweizengrüze und geschrotete Leinsamen zu benutzen. Mit Mandelmilch getränkt und pürierten Himbeeren bedeckt. Das hat mit dem ursprünglichen Chiasamen-Pudding nichts mehr zu tun. Ich habe noch keine schöne Gläser dafür und habe Teetassen benutzt. Das Ergebnis sieht so aus:

20160705

Um viertel vor drei war ich zu Hause. Ich hatte Glück, weil es kurz danach richtig gegossen hat.

Mit dem Fahrrad nach Hause

Das habe ich lange vor mir hergeschoben. Letztes Jahr hatte ich sogar früher damit angefangen, obwohl die Temperaturen dieses Jahr so mild gewesen sind.

Heute Morgen bin ich mit dem Fahrrad in der S-Bahn gefahren. Um gemütlich zu reisen, bin ich eine Stunde später als sonst von zu Hause aus gegangen. Es hat sich gelohnt. Die Bahn war quasi leer. Viel besser, als mit dem Fahrrad in einen überfüllten Zug einsteigen zu wollen. Das kann ich mir aber nur leisten, weil ich einige Überstunden auf dem Konto habe.

Angeblich hätte es heute Abend stark regnen sollen. Ich habe mich nicht davon abhalten lassen. Ab morgen wird es wieder kühler, und meine Motivation wäre zurück gefallen. Ich habe um halb sechs die Arbeit verlassen. Die Strecke kenne ich noch gut. Ich habe mich am Anfang nur zweimal verfahren, und es war nicht so schlimm, weil ich dadurch nur Parallelstraßen zu meiner üblichen Route benutzt habe. Das Wetter war doch angenehm, ich hätte die Regenjacke gar nicht mitnehmen müssen.

Ich werde nicht lügen, es hat sich hart angefühlt. Ich habe eine Stunde und vierzig Minuten für zweiundzwanzig Kilometer gebraucht. Es ging mal flotter. Ich muss meine Kondition wieder aufbauen. Problematisch wurde es vor dem letzten Viertel der Strecke, als ich plötzlich ohne erkennbaren Grund Krämpfe in beiden Füßen bekommen habe. Vielleicht habe ich nicht die richtigen Schuhen zum langen Raddeln angezogen. Ich bin vom Fahrrad ausgestiegen und habe meine Füße gestreckt. Ich habe das Fahrrad auf dem Bürgersteig geschoben. Irgendwann ging es besser und ich bin weiter gefahren.

Der Anfang war also mühsam. Trotzdem bin ich froh, dass ich es geschafft habe. Es kann nur besser werden.

Fahrradklingel

Heute, auf dem Weg nach Hause. Es ist spät, ich bin bis halb acht im Büro geblieben. Um die Uhrzeit ist das Radeln entspannt. Sehr wenige Autos auf der Straße. Die meisten Leute sind beim Abendessen. Die Radwege vor den Läden sind ungewöhnlich frei. Selbst der Bahnhof Lichterfelde Ost wirkt ruhig. Kurz danach fahre ich die Königsberger Straße herunter. Von weitem sehe ich zwei älteren Herren im Anzug nach einer Bushaltestelle, die in aller Ruhe auf dem Radweg spazieren gehen (neben dem noch viel breiterem Gehweg). Sie sehen beide über 70 Jahre alt aus. Ich denke, besser ganz früh klingeln, damit sie Zeit haben, darauf zu reagieren. Sie sind gut 30 Meter vor mir entfernt, wenn ich die Klingel betätige. Keine Reaktion. Ein bisschen schwerhörig, die Opas. So alt ist meine Klingel nicht. Ich verlangsame mein Tempo und fange an, ununterbrochen Radau zu machen. Irgendwann werden sie doch die Klingel hören müssen. Nein. Ich bin jetzt schon ganz nah hinter ihnen, vielleicht knapp zehn Meter. Zum heftigen Klingeln rufe ich noch laut „Haaallooo!“, während ich weiter bremse. Beide Herren zucken plötzlich und gehen zur Seite. Der Radweg ist wieder frei. Ich überhole sie. Hinter mir ruft dann ein der beiden Herren in einem vorwurfsvollem Ton: „Klingeln!“ Marktlücke: Fahrradklingel mit tieferen Tönen für Hörgeschädigte. Bei der immer älter werdenden deutschen Bevölkerung wird es dringend nötig.

Letzte Woche hatte ich eine ganz andere Erfahrung. Ich fuhr in Britz schon einige Zeit hinter einer Frau mit Kopftuch auf dem Radweg. Sie selbst fuhr hinter einem etwa dreijähriges Mädchen auf einem pinken Fahrrad. Sie waren extrem langsam. Ich war nicht in Eile und habe gewartet, dass es genug Platz zum überholen gab, bevor ich meine Absicht mit einem Klingelton ankündigte (ich hatte am Abend davor einiges über Verkehrsrecht auf der Seite vom ADFC gelesen). Ganz langsam geklingelt, damit es nicht zu schrill und erschreckend wirkt. Die Frau hat eine völlig unerwartete Reaktion gezeigt: Vollbremse gemacht, mitten im breiten Weg gehalten, sich böse umgedreht und etwas gesagt wie ich sollte nicht so drängeln, sie wäre ja mit einem Kleinkind zusammen. Ich habe sie beruhigen müssen (mit Lächeln, ganz wichtig) und erklärt, dass es nicht böse gemeint war, sondern zu den Regeln fürs Fahrradfahhren gehört. Sie hat sich etwas entspannt und zugegeben, dass sie den Klang sehr stressig findet. Ich will nicht wissen, was man erlebt haben muss, um so panisch auf eine Fahrradklingel zu reagieren.