Das Wochenende in Bildern

Das Wochenende hat am Freitag nach Feierabend angefangen, als ich mich um halb fünf auf dem Weg zum Münchener Hauptbahnhof gemacht habe. Ich hatte mehr als genug Zeit, aber man weiß nie, mit ÖPNV. Ich bin eine Stunde vor Abfahrt des Zuges angekommen und habe es mir erstmals in der DB Lounge bequem gemacht. Ich hatte eine Fahrkarte in erster Klasse, also warum darauf verzichten? Dort kriegt man umsonst Speise und Getränke angeboten, und ich hatte Durst. Die Sitzplätze sind in der Lounge leider rar. Bis jetzt hatte ich immer Glück, und am Freitag konnte ich einen Sessel finden. Den letzten freien Sessel.

Die Fahrt selbst war in Ordnung, bis wir bei Zapfendorf eine ziemlich brutale Notbremse erleben durften. Mir gegenüber saß niemand, was gut war, da mein Handy und meine Brille vom Tisch aus zum leeren Sessel geflogen sind. Die Flasche Cola konnte ich gerade noch retten. Der Grund für diesen „außerplanmäßigen“ Aufenthalt: „Signalstörung“. Mein älterer Nachbar, der am Tisch auf der anderen Seite vom Gang saß, hat eine Weile gebraucht, um sich davon zu erholen, seinem lauten, aufgeregten Atem nach zu beurteilen. Die Weiterfahrt war anfangs zögerlich, und wir haben zwanzig Minuten Verspätung gesammelt. Da ich in erster Klasse saß, habe ich nicht mitbekommen, wie voll der Zug war, bis ich mich auf der Suche nach einer freien Toilette gemacht habe. Die Leute haben samt Gepäck mitten in den Fluren gesessen! Der Ehemann hat mich in Südkreuz abgeholt und wir sind direkt nach Hause gefahren.

An nächsten Morgen habe ich mich auf dem Balkon richtig gefreut: Die Nelken, die ich vor drei Jahren eingepflanzt hatte, haben endlich geblüht! Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben. Ich war zuletzt vor einem Monat in Berlin und habe die ganze Entwicklung nicht mitbekommen. Der Ehemann war so lieb und hatte mir zwischendurch Fotos von den Kuhschellen mit Schachbrettmuster geschickt, die dieses Jahr wieder gewachsen sind. Sonst hätte ich sie verpasst, sie sind schon verblüht. Wir sind früh zum Markt gegangen und unterwegs habe ich diese wunderschöne Blumen rechts in einem Garten entdeckt.

Es war ein sonniger Tag. Wir brauchten eigentlich nichts aus dem Markt, da der Ehemann schon eingekauft hatte. Am Abend waren wir zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, und ich hatte Hummus versprochen. Mir fiel dann ein, dass wir am Sonntag den Schwiegervater einladen könnten, und dass wir für Montag auch etwas planen sollten. Spargel, Rotbarsch und Gnocchi haben den Weg zur Einkaufstüte gefunden. Auf dem Rückweg nach Hause haben wir eine gemütliche Mittagspause beim Franzoser um die Ecke gemacht. Austern für den Ehemann, Pastete für mich. Angestoßen haben wir. Zwei Jahre schon… Und schon das zweite Mal, das wir es versäumen, unseren Hochzeitstag zusammen zu feiern. Letztes Jahr war ich in Finnland, dieses Jahr war er in Israel. Etwas muss sich ändern.

Als wir nach der Mittagspause zu Fuß weiter gegangen sind, ist mir dieser Baum mit dem Riesenpilz am Fuß aufgefallen.

Auf der Geburtstagsfeier sind wir nicht sehr lange geblieben. Um elf Uhr abends waren wir zu Hause. Müde, und meine Periode war so stark… Eine ganze Woche zu früh. Seitdem ich die Pille nicht mehr einnehme, ist mein Zyklus wieder durcheinander. Vermutlich die Wechseljahre.

Am Sonntag wussten wir zuerst nicht, was wir machen wollten, bis ich vom Karneval der Kulturen gelesen habe. Ich mag keine Menschenmenge, aber gegen mittags war es noch angenehm. Was sich vom Namen her zuerst interessant anhörte, hat sich am Anfang nur als großer Markt mit einer Sammlung von unauthentisch „authentischen“ berliner Hipster-Buden mit Superfood entpuppt. Ich hatte irgendwie andere Erwartungen. Das Gelände der Veranstaltung ist ziemlich groß und nach einer Weile war das Angebot doch abwechslungsreicher. Bei einer afrikanischen Bude habe ich ein paar Leckereien probiert, und die Verkäuferin war erfreut, dass ich Französisch spreche. Auf einer Bühne konnte man Kinder einer Musik-Schule beklatschen, die auf Spanisch gesungen haben. Es gab sogar ein Stand mit polnischer Wurst.

Als es mir zu viele Leute wurden, sind wir gegangen. Kurz vor dem Umzug. Wir haben den alten St.-Matthäus-Kirchhof besucht, den ich noch nicht kannte. Dort sind viele bekannte Persönlichkeiten begraben, wie zum Beispiel die Brüder Grimm. Oder der Chemiker Eilhard Mitscherlich. Die Ruhe vom Friedhof war willkommen. Trotzdem konnte man von dort ganz schön laut den Umzug hören. Beim Verlassen des Friedhofs konnte ich mir noch unbekannte Wandmalereien bewundern. Berlin ist voll von solchen Schätzen. Es hat übrigens am Wochenende zum allerersten Mal den Berlin Mural Fest zum Thema gegeben. Habe ich zu spät erfahren. Wie immer.

Am Abend habe ich den Risotto mit Spargelduo für den Schwiegervater gekocht, und der Ehemann hat den Fisch gebraten. Wir waren alle vom Ergebnis begeistert. Und es gab wieder Anlass zum Anstoßen, denn der Ehemann hat endlich eine Stelle in München gefunden! Gut, ich wusste es, der Schwiegervater aber noch nicht. Der Vertrag muss noch unterschrieben werden, und wenn es wie geplant läuft, fängt er im August an. Gekündigt hatte er sowieso schon, für seine aktuelle Stelle, da wir herausgefunden haben, dass er Anspruch auf Arbeitslosengeld hätte, wenn er wegen mir umzieht. So wird jetzt der Umzug entspannter. Ich rechne damit, dass ich hier spätestens im Juli meine Küche habe. Ich vermisse sie. Den Ehemann auch, das dürfte klar sein.

Da es noch Spargel gab, habe ich sie alle für Montagmittag in einem leckeren Spargel-Orangensalat verarbeitet. Dazu gab’s die Rote-Bete-Gnocchi mit Mascarpone-Füllung aus dem Markt. Das Wetter war wieder toll und wir konnten den Balkon genießen.

Die Rückfahrt nach München lief ohne Problem. Fast. Es gab keine Gastronomie an Bord. Als ich es erfahren habe, war es zum Glück früh genug, um mir ein Sandwich und eine Flasche Apfelschorle in Südkreuz zu besorgen. Kontrolleure gab es anscheinend auch nicht, niemand hat nach Fahrkarten gefragt. Ob das Zugpersonal gestreikt hat? Kurz nach zehn war ich am Hauptbahnhof, und wegen zwei Minuten Verspätung durfte ich zwanzig Minuten lang auf meine nächste S-Bahn warten. Elf Uhr abends zu Hause.

Advertisements

Wochenende in Berlin

Das Wochenende hat am Freitag nach einem frühen Feierabend angefangen, als ich mich auf den Weg zum Hauptbahnhof gemacht habe. Ich hätte die Arbeit später verlassen können, aber die U-Bahn hat mich schon mal im Stich gelassen und ich wollte das Risiko nicht eingehen, den Zug zu verpassen. Das Wetter war traumhaft und ich dachte, es wäre schön, unterwegs ein Eis zu essen. Besser doch erst zum Bahnhof ankommen, dort finde ich bestimmt ein gemütliches Eiscafé. Nicht. Ich glaube, alle Bahnhof-Vorplätze, die ich bis jetzt besucht habe, sind besser gestaltet als in München. Ich habe mir ein Eis bei den zwei asiatischen Frauen in der Bahnhof-Halle neben einem der Eingängen geholt, die meine Bestellung kaum verstanden haben, und habe es auf dem Bürgersteig neben den Taxis, aber immerhin in der Sonne, gegessen. Ich kenne mich in München in Sachen Eisdielen nicht aus, aber der Laden hinter dem Bahnhof Pasing, Buongiorno, bietet weitaus viel leckereren Eissorten an.

Der Ehemann hat mich am Bahnhof abgeholt und wir sind zum Savignyplatz Tapas essen gegangen. Das Restaurant, wo wir bei unserer ersten Nacht waren. Um die Uhrzeit wurden schon erste Tische auf der Terrasse wieder frei. Die Luft war wärmer als in München und wir haben einen schönen Abend dort verbracht, wobei es auffällig häufig Krankenwagen und Polizeiwagen zu hören gab. Ich vermute dass es mit dem Wetter zu tun hat. Ich hatte schon mal den Eindruck, dass die Leute in Berlin mit steigenden Temperaturen aggressiver werden, statt sich über das schöne Wetter zu freuen. Die anschließende Fahrt mit dem Taxi nach Hause hat meinen Eindruck nicht geändert. Zum Glück haben wir einen super coolen Fahrer erwischt, der nicht wie Sau fuhr und vom Dialekt her eindeutig Berliner war. So viele Leute haben uns unterwegs von rechts und links überholt, dass er auch meinte, das Wetter macht die Leute verrückt. Und auf der ganzen Strecke sind wir Polizeiwagen mit Blaulicht begegnet. Ich war froh, den Ehemann überedet zu haben, nicht mit ÖPNV nach Hause zu fahren.

Gestern konnten wir früh aufwachen, und ich bin zum Fitnessstudio gegangen, um beim Wassergymnastikkurs mitzumachen. Die Kursleiterin hat so ein tolles Intervall-Programm entwickelt, man fühlt sich nach einer Dreiviertelstunde ausgepowert, wenn man alles gibt. Trotzdem gab es viele ältere Leute im Wasser (geschätzt Ü70), die mit Freude in ihrem Tempo mitgemacht haben. Es ist super, wenn es Kurse gibt, wo jeder davon profitiert, egal in welchem Fitness-Zustand. Die anderen Wasser-Kurse, die ich bei Fitness First gemacht habe, ob in Berlin oder München, sind nicht so herausfordernd und ich habe danach nicht den Eindruck, wirklich etwas geleistet zu haben. Nach dem Sport sind wir zum Markt gegangen, um wieder mal leckere Crêpes zu essen. Groß war unsere Enttäuschung, als wir festgestellt haben, dass die Französin ihren Stand nicht mehr betreibt. Stattdessen sind wir zu einem französischen Lokal bei uns gegangen. Es ist eher ein Lebensmittel-Laden, wo der Besitzer vorne noch ein Paar Tische hingestellt hat und Kleinigkeiten zum Essen anbietet. Ich hatte eine grobe Pastete mit Cornichons. Echte Cornichons, nicht die, die mit Zucker eingelegt werden, nein, richtig sauer in Essig eingelegte Cornichons! Das tat so gut! Weil…

Ach ja. Ich wollte es nicht. Schließlich habe ich die Pille drei Monate lang genommen und es geschafft, mit gezielter Verschiebung der Einnahme meine Periode so anzupassen, dass der Eisprung in der Woche fällt. Vielleicht habe ich nicht mehr aufgepasst, die Samenzellen können ganz schön lange überleben… Jedenfalls habe ich den Eisprung nach drei Monaten Abwesenheit genau so pünktlich wie erwartet deutlich gespürt und dem Ehemann zu verstehen gegeben, dass wir aufpassen sollten. Haben wir. Es war am Osterwochenende, und trotz hormoneller Planung waren wir also fürs lange Wochenende zusammen. Ich vermute, dass es noch Samenzellen vom vorherigen Wochenende gab. Sonst kann ich nicht erklären, wieso meine Periode bis jetzt ausgeblieben ist, ich trotz fleißigem Kaloriendefizit und Sport plötzlich leicht zunehme, die leichte Übelkeit, die mich seit einigen Tagen begleitet und dieses charakteristisches Ziehen im Unterleib spüre. Et merde. Ich bin immer noch in der Probephase. Das Gute ist, dass man es bis Juli nicht merken wird, und bis jetzt ist mein Chef mit mir sehr zufrieden. Andererseits hat die Erfahrung gezeigt, dass es eh sehr wahrscheinlich nicht halten wird. Mal schauen. Jetzt soll gefälligst der Ehemann endlich zu mir ziehen, auch wenn er erstmals Arbeitslos ist. Ein Anspruch auf Arbeitslosengeld hätte er trotz Kündigung, weil ich für die Arbeit umziehen musste. Ich bin es satt, in schwierigen Situationen alleine klar kommen zu müssen. Wie bei der letzten Fehlgeburt, oder bei dem Tod meiner Katze.

So. Heute haben wir Freunde zum Brunch eingeladen und ich hatte viel Spaß daran, für sie in der Küche zu werken. Ich vermisse meine Küche. Es gab Hummus, Avocado-Aufstrich, Bohnen-Salat, Taboulé, Obstsalat… Ich dachte, es wäre zu viel, aber die haben ordentlich rein gehauen. Nach diesem schönen Nachmittag auf dem Balkon sitze ich jetzt wieder im Zug und bin in einer Stunde zu Hause.

Anstrengender Sonntag

Ich bin früh aufgestanden. Das ist nichts Ungewöhnliches. Ich kann morgens nicht lange im Bett bleiben. Wenn ich einmal wach werde, bleibe ich es meistens. Der Ehemann braucht deutlich mehr Schlaf. Ursprünglich war meine Idee, ganz früh um 08:00 zur Botschaft wählen zu gehen, um die Schlange von vor zwei Wochen zu vermeiden. Wir hatten aber Freunde zum Mittagessen, also der Ehemann hatte Freunde zum Brunch, eingeladen, und ich habe gekocht. Das tue ich ja gerne. Nun, bei der vermuteten Schlange vor der Botschaft würde ich wahrscheinlich nicht vor zehn wieder zu Hause sein, und das Kochen würde ich nicht mehr rechtzeitig hinkriegen.

Vor einigen Wochen bin ich zufällig in einer Buchhandlung am Savignyplatz auf das NOPI Kochbuch gestossen. Nachdem ich hier und da soviel darüber lesen konnte, habe ich es mir endlich geschenkt und beschlossen, für heute einige Rezepte daraus zu kochen. Entschieden habe ich mich für das Selleriepüree, allerdings ohne Blumenkohl, die getrüffelte Polentastäbchen mit Tomaten-Chutney, und die Zucchini-Manouri-Krapfen mit Sauerrahm-Limette-Dip, für die ich übrig gebliebene Ricotta statt Manouri benutzt habe, da ich uns am Freitag eins meiner Lieblingspastagericht zubereitet habe. Es war eine Menge Arbeit, aber vieles konnte ich schon gestern Nachmittag vorbereiten. Heute Morgen habe ich trotzdem vier Stunden in der Küche gestanden. Es hat sich mehr als gelohnt. Ein Volltreffer war das. Die Gäste waren hin und weg.

Nachmittags bin ich dann zur Botschaft mit dem Ehemann gefahren. Vor zwei Wochen durfte er noch mit mir rein und auf mich drin warten. Heute musste er wie ein Hund draußen bleiben. Zum Glück regnete es nicht, und die befürchtete Schlange ist ausgeblieben. Einerseits gut, weil ich nicht ewig stehen musste. Andererseits schlecht, weil es bedeutete, dass die Wahlbeteiligung viel niedriger als vor zwei Wochen war. Ich habe beim Einwerfen von meinem Briefumschlag nachgefragt: Tatsächlich sind viel weniger Franzosen in Berlin heute zur Wahl gekommen. Ob es am endlich schönen Wetter lag, oder an der Ablehnung beider Kandidaten, oder wegen der Schlange vom letzten Mal… Eines war klar: Die Le Pen ist hier nicht beliebt. Man muss ja beide Zettel zum kleinen Raum hinter dem Vorhang mitnehmen, und nur eines davon in den Briefumschlag stecken. Der Mülleimer war voll von Le Pen Zettel. Vor zwei Wochen haben ihr in Berlin gerade 2% ihre Stimme gegeben, schrieb noch der tip in seiner letzten Ausgabe. Es ging heute also schnell, in fünf Minuten war ich wieder raus.

Wir sind mit dem Ehemann spazieren gegangen, weil das Wetter so traumhaft war. Zum Gendarmenmarkt gegangen, und dann ein Bier in der Sonne getrunken. Ich bin da Zeugin einer unfassbaren Szene geworden, die mich recht entsetzt hat. Vor allem hat mich entsetzt, dass ich nicht wusste, ob und wie ich helfen könnte. In Konfliktsituationen bin ich nicht gut. An einen Nachbartisch hat sich eine junge Frau hingesessen. Es war an dem Zeitpunkt der einzige noch freie Tisch, und direkt nachdem sie Platz genommen hat, ist eine ältere Frau, etwas klein, pummelig und mit kurzen schwarzen Haaren, geschätzt um die 65, zu ihr gestürmt und hat ihr laut gesagt, sie wäre vorher da und die junge Frau müsste ihr den Tisch lassen. Was definitiv nicht stimmte, die junge Frau war vorher da. Diese konnte anscheinend kein Deutsch und hat auf Englisch gefragt, was die Frau wollte. Daraufhin kam der Mann der ältere Frau, der ein auffällig rotes Gesicht hatte, und hat die junge Frau wie ein Miststück behandelt, und nur laut gerufen, „You go out now!“ Die Frau war sichtlich schockiert von diesem Verhalten, hat aber wenigstens gefragt, „Could you at least be more polite?“ Worauf der Mann nur lauter anwortete, „Go out now please!“ Was wirklich keinen Sinn machte, da wir ohnehin schon draußen waren. Die Frau konnte nichts sagen — nicht, dass sie es nicht versucht hätte, aber das ältere Paar hat sie ständig beim Reden unterbrochen.

Zum Schluß ist die Frau zu ihrem Begleiter gegangen, der in der Schlange stand, um Getränke zu besorgen, und hat ihm die Situation geschildert, nehme ich an, da sie in der Schlange geblieben ist und dieser zum Tisch gekommen ist, wo das ältere Paar in aller Ruhe Platz genommen hatte. Er hat sich einfach zu dem Paar hingesessen. Der Mann konnte Deutsch, das Gespräch verlief aber nicht besser. Als er, ganz ruhig, eine Erklärung für das Verhalten des Paares seiner Frau gegenüber verlangte, sagte die Frau, sie wäre von der Jüngeren beleidigt gewesen. „Wie kommt sie denn drauf?“, habe ich mich gefragt. Weil sie vorher am Tisch saß? Oder weil sie deutlich jünger und hübscher war? Verbal und körperlich habe ich nur Aggression vom älteren Paar wahrgenommen, die Jüngere saß nur sprachlos da und konnte sich nicht wehren. Als der junge Mann nachfragte, inwieweit seine Begleiterin die Frau beleidigt hätte, hat diese dann nur geantwortet, „mit Ihnen will ich nicht mehr reden, gehen Sie weg“, und hat den Kopf gedreht. Er hat sich also dem Mann gewandt und versucht, mit ihm zu reden, aber die Frau, die nicht mehr reden wollte, hat sich ständig eingemischt. Zum Schluß ist ein anderer Tisch frei geworden, und das ältere Paar ist dorthin gegangen, ohne noch abfällige Bemerkungen über Berliner und ihrer Arroganz zu verlieren. Die haben vielleicht einen Knall! Vielleicht hatten sie aber auch einen Sonnenstich bekommen, ober waren schon betrunken, der Mann war so rot im Gesicht, das war nicht normal.

Die junge Frau ist kurz danach mit Getränken zu ihrem Begleiter am Tisch zurück gekommen, und die beiden sind dort geblieben, bis die Sonne hinter einen der Doms verschwunden ist. Das ältere Paar hat übrigens ziemlich lange gewartet, dass jemand ihre Bestellung entgegen nimmt, bis sie verstanden haben, dass man sich an der Schlange anstellen muss. Das junge Paar hatte schon ausgetrunken, als der ältere Mann mit Getränken zu seiner Frau zurück gekommen ist. Was ich daraus ziehe ist, man sollte in Berlin touristische Ziele vermeiden, wenn man sein Bier in Ruhe trinken will.

Der Urlaub ist vorbei

Ich bin froh, wieder zu Hause zu sein. Schnee und ich passen nicht zusammen. Ich weiß, ich war schon mal in verschneiten Bergen. Es war damals nur für ein Wochenende. Und wir waren damals auch nur zu zweit, was viel entspannter als letzte Woche war. Denn wir waren mit einem Teil seiner Familie im gleichen Urlaubsort. Nicht in der gleichen Unterkunft, aber täglich zusammen. Und obwohl wir uns gut vertragen, es ist für mich nicht so schön wie wenn wir alleine zu zweit Urlaub machen. Ich bin nur dazu gekommen, weil der Ehemann so darauf bestanden hatte. Ich war noch nie dort. Er hätte von mir aus alleine mit seiner Familie die Woche dort verbringen können, wie er es sonst immer gemacht hat.

Das Hauptproblem war der Schnee. Sagen wir so, Gleitsportarten sind nicht meine Stärke. Wenn es in Berlin ein bisschen glatt ist, breche ich schon in Panik aus und bewege mich nur noch sehr langsam vorwärts, auch wenn ich Spikes trage. Ich nutze jede Gelegenheit aus, um mich an Gegenständen fest zu halten. Am besten ist es, wenn der Ehemann mir zur Seite steht und ich mich verkrampft an seinem Arm fest klammern kann. Wie die ganze Zeit letzte Woche. Während die Familie tagsüber die Zeit auf den Skiern verbracht hat, bin ich mit Schneeschuhen gewandert. Das Einzige, was mir im Schnee Spaß macht. Damit ist man am Boden fest verankert und läuft keine Gefahr, weg zu rutschen. Und wenn ich nicht am Wandern war, war ich im Spa zu finden. Das war toll. Fast so toll wie die Carolus Thermen in Aachen. Nur viel teurer.

Nicht nur mit Schnee habe ich Probleme. Sobald ich den Boden nicht fest unter meinen Füßen spüre, stehe ich (oder liege ich) völlig hilfslos da. Das fing schon in der Grundschule an, als wir in der zweiten Klasse im Sportunterricht Rollschuhe tragen mussten. Die Sorte mit zwei Rädern vorne und zwei Rädern hinten. Ich glaube, in der Vorstellung der Lehrerin war es so, dass man Kinder nur in Rollschuhe packen muss, und alles von selbst läuft. Kinder lernen schnell. Nicht bei mir. Ich habe die meiste Zeit damit verbracht, auf dem Po zu fallen, oder gegen die Wand am Ende vom Hof zu klatschen, bis sie eingesehen hat, dass es bei mir keinen Zweck hat. Ich durfte danach nur noch bei den anderen Schülern zu gucken, obwohl ich mich an frustrierende Übungsversuche im Garten zu Hause erinnern kann. Einige Jahre später hatte eine Freundin ein Skateboard bekommen, weil es so cool war, und es hatte keine Sekunde gedauert, bis ich schmerzhaft auf dem Steißbein gefallen war. Inline-Skates habe ich gar nicht ausprobiert. Ski fahren habe ich nie lernen wollen, obwohl ein zweiwöchiger Aufenthalt in den Alpen zu diesem Zweck ebenfalls in der Grundschule geplant war. Ich habe stattdessen die zwei Wochen in einem anderen Klassenzimmer ausgesessen. Im Gymnasium hatten wir einen Tag in der Eishalle in Nizza verbracht, und es ging, so lange ich mich am Rand festhalten konnte. Versuche auf der Mitte der Eisfläche sind auf dem Hinten abgebrochen worden, wobei ich das Pulli von einem guten Freund ziemlich gezerrt habe. Es ist ein Wunder, dass ich Fahrrad fahren kann. Vielleicht hilft, dass ich dabei die Arme auf dem Lenker benutzen kann, um die Balance zu halten.

Ich bin also froh, wieder in Berlin zu sein. Nicht nur wegen des Schnees. Im Urlaub war alles teurer. Berlin ist fürs essen gehen schon ziemlich günstig in Deutschland, ich habe schlimmeres gesehen. Frankreich ist teurer, und so ein erhobenes Skiressort in den Alpen umso mehr. Für eine Portion Pommes kann man locker 10€ ausgeben. Knapp 20€ für ein Teller Spaghetti Carbonara. Und ich habe noch nicht die Flasche Champagne à 9500€ erwähnt, die von Russen an Nachbartischen tatsächlich bestellt wurde. Bescheuert. Natürlich musste ich viele Sachen essen, die ich in Berlin nicht täglich sehe. Bavette à l’échalote (ich durfte während der Schwangerschaft gar kein blutiges Fleisch genießen, was ich doch so liebe), magrets de canard à la framboise (Entenbrust mit Himbeersauce)… Alles sehr lecker, das hat sich gelohnt. Wir haben viel ausgegeben, und ich habe es noch nicht gewagt, mich auf der Waage zu stellen. Ich fürchte, ich könnte über die 70 Kilogramme zurück gekommen sein.

Auf der grünen Woche

Unglaublich, aber ich war noch nie zur grünen Woche gegangen. Das haben wir gestern endlich nachgeholt.

Ich habe immer erzählt bekommen, dass man auf der grünen Woche sich durch die ganze Welt fressen kann. Wenn man einen bodenlosen Magen hat, und das ist bei mir nicht der Fall.

Angefangen haben wir in Portugal. Wir wollten ursprünglich zuerst nach Italien, um einen Kaffee zu trinken, aber Portugal lag auf dem Weg, mit einer einladenden Theke bedeckt mit Bergen von Pastel de Nata. Lau warm mit Zimt serviert, hmm… Erinnerung an unsere Hochzeitsreise dort. Auf dem Weg nach Italien lag noch Kroatien, und ein Salbei-Honig-Glas durfte in die Einkaufstüte rein.

Nach dem Espresso in Italien sind wir nach Franken gegangen, um mit Bretzel und Weißwurst zu frühstücken. Dazu gab es ein freies Weizenbier. Ich habe nur den Ehemann begleitet, weil mir nicht so danach war. Irgendwie war ich enttäuscht zu sehen, dass der Bierstand anscheinend einer belgischen Firma gehört… „Kriek ist kein Bier“, hatten mir herabsetzend die Kollegen immer gesagt, als ich frisch nach Deutschland gekommen war und erzählte, dass ich das gerne trinke. Tja, die brauen das fränkische Bier.

Wir sind durch die riesigen Hallen geschlendert und haben viele kleine Leckereien gekauft. Ich habe mich schnell überfordert gefühlt. Käse hätte ich gerne gekauft, aber aus Italien, aus der Schweiz, oder Österreich? Das Angebot war so groß und alles sah so toll aus, dass ich am Ende gar kein Käse gekauft habe. In Ungarn scharfe Paprika-Pasten probiert, die zwar sehr lecker aber mir doch zu salzig waren. In Tunesien konnte ich einem Couscous-Teller nicht wiederstehen, und er hat wirklich hevorragend geschmeckt. Genau so gut wie der Couscous meiner Oma, obwohl das Fleisch Hähnchen und kein Lamm war. Damit war ich schon für den Rest des Tages satt. Schade um Ruanda, wo ich auch hin wollte, aber dort standen mir sowieso zu viele Leute in Schlangen.

Wir sind noch durch die Garten- und Tier-Hallen gegangen. Ich war begeistert, ich liebe Ziegen. Eine hatten wir sogar früher im Garten bei meinen Eltern. Ich bin auch auf dem Traktor geklettert und habe auf dem Fahrersessel gesessen. Super bequem, muss ich sagen. Es fühlte sich da oben toll an.

Zum Schluß habe ich mir belgische Schokolade gekauft (die Meeresfrüchten, die ich als Kind so gerne gegessen hatte), und wir haben noch einen Halt in Frankreich gemacht. Dem Ehemann war nach Austern. Bläh. Nichts für mich. Ich habe mir eine Crêpe gegönnt, sowie ein Glas von einem alkoholfreien Sekt. Trotz geringer Erwartung sehr lecker. Leider konnte man keine Flasche vor Ort kaufen. Wo wir waren, hat auch keiner Französisch geredet. Und ein komisches Gefühl hat mir der Stand hinterlassen, weil der Preis vom Wein auf der Karte pro 0,1 Liter angegeben war, aber der Wein in 0,05 Liter Gläser serviert wurde. Darauf angesprochen, hat sich die Kellnerin überrascht gezeigt, und immerhin nachgeschenkt. Hätte ich es nicht gemerkt, wären wir echt abgezockt geworden.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Mittagspause

Ich bin mal wieder alleine bei der Mittagspause gewesen. Am Wochenende habe ich viel gekocht, so dass ich genug für die Arbeit einpacken konnte. Während die Kollegen aus der Arbeitsgruppe zu einem Lokal gegangen sind, habe ich mein Laptop mitgenommen und mich alleine im Aufenthaltsraum neben den Kaffee- und Nasch-Automaten an einem Tisch hingesessen.

An einem Nachbartisch setzt sich eine junge Frau mit dunklen Haaren hin. Die kenne ich nicht, und ich interessiere mich nicht wirklich für sie. Ich esse aus meiner Tupperware® Dose und lese meine Emails nebenbei.

Kurze Zeit später kommen andere Leute zum Tisch der Frau. Ein Mann und drei anderen Frauen. Bestimmt Kollegen von ihr, die ich auch nicht kenne, außer Frau Schnurelitz. Wenn sie alle enge Kollegen sind, dann sind sie also aus der Verwaltung und haben etwas mit Arbeitssicherheit zu tun.

Ich bin genug an meinem Tisch mit meinem eigenen Kram beschäftigt, trotzdem kann ich es nicht verhindern, Gesprächsfetzen aufzuschnappen.

„Ich treibe es wieder mit meinem Ex-Freund,“ kündigt plötzlich die Frau aus dem Nichts an. Nicht wirklich ein Gesprächsthema, das ich während der Mittagspause mit Kollegen für angemessen halten würde. Aber anscheinend gab es nichts Besseres, worüber sie sprechen konnte. Eine Kollegin bemerkt, ein wenig herablassend, dass es trotzdem keine Beziehung ist.

Wenig später unterhalten sie sich über Gastwissenschaftler, die bei uns für Experimente kommen. Wir haben ein breites Spektrum an Gäste, die aus allen möglichen Fachrichtungen kommen. Die Frau macht sich darüber lustig, dass einer aus einem Institut für Stochastik kommt. Das Wort findet sie lustig. Oder es gibt den anderen Wissenschaftler, der aus einem Institut für analytisches Irgendwas kommt. Was das Irgendwas ist, bekomme ich nicht mit, weil das Wort „analytisches“ ihr schon große Schwierigkeiten bereitet. Dreimal versucht sie, es richtig auszusprechen, ohne Erfolg. „Anal!“ schreit dann Frau Schnurelitz, und bricht in Gelächter aus. Die Anderen lachen ein bisschen verkrampft mit.

Ich bin mit meinem Essen fertig, und habe meine Emails durch gelesen. Beim niveaulosen Gespräch am Nachbartisch habe ich keine Lust, länger da sitzen zu bleiben, und kehre zu meinem Zimmer zurück.

Lass uns mal nach Hause gehen

Gestern habe ich mein Kalorienkonto massiv gesprengt. Das war nicht so geplant.

Der Ehemann, schon wieder auf Dienstreise, hatte mir am vorherigen Tag angekündigt, dass wir uns gestern abends mit seinem Sportverein zu einem Stammtisch treffen würden. Den Begriff „Stammtisch“ kenne ich erst durch ihn. Manchmal besuchen wir seinen Vater beim Stammtisch, wenn er sich mit alten Freunden in einer Kneipe zum Bier trinken trifft.

Ich dachte gestern also, kein Problem. Zum Frühstück gab es eine Scheibe Brot (Korn an Korn) mit selbst gemachter Zitrone-Avocado-Püree und Radieschen drauf. Mittags eine reichliche Portion Fisch im Eierteigmantel mit Spaghetti in Tomatensauce. Es gab noch Platz für ein oder zwei Biere am Abend. Alles gut.

Wir haben uns doch nicht zum Bier trinken verabredet. Der Treffpunkt, den mir der Ehemann erst kurz vor Feierabend mitgeteilt hat, war ein indisches Restaurant in Charlottenburg. Autsch (so schreibt man das auf Deutsch, glaube ich). Ich esse sehr gerne indische Küche. Aber hätte ich früher Bescheid gewusst, hätte ich mittags etwas ganz anderes gegessen.

Ich habe mir Lamm mit Spinat-Joghurt auf Reis bestellt. Es war eine riesige Portion. Da auf dem Menü natürlich keine Kalorien angegeben waren, habe ich auf dem Handy bei fddb gesucht. Ich habe noch nie erzählt, wie grauenhaft die Suchfunktion dort ist. Sucht man nach „Lamm Spinat Joghurt“, findet man „Lammhack, Fleisch“ als erstes Ergebnis. Das zweite Ergebnis ist schon völlig daneben: „Lammsbräu Weisse alkoholfrei“. Und der Rest hat auch nicht viel mit den Suchbegriffen zu tun. Die genaue Bezeichnung vom Gericht, die ich inzwischen schon vergessen habe, war nicht drin. Stattdessen habe ich mich mit „India, Chicken Korma“ zufrieden geben müssen. Satte 1000 kcal pro Portion. Dazu gab es ein süßes Lassi.

Als die Kalorienmenge mir bewusst wurde, habe ich dem Ehemann gesagt, wir gehen zu Fuß nach Hause, und es wäre kein Spaß, ich war nüchtern und wusste genau, worauf ich mich einlassen würde. Er ist echt ein Schatz. Er hat gar nicht versucht, mich zu überreden und hat ganz lieb mitgemacht. Knapp zwölf Kilometer, knapp über zwei Stunden. Die letzte halbe Stunde war hart. Mit meinen erst zwei Wochen alten Schuhen (die waren beim Salamander nicht so teuer!) hatte ich am Ende den Eindruck, Betonklötze an den Füßen zu haben. Ich bin aber stolz, es geschafft zu haben und fast die Hälfte vom Abendessen dadurch verbraucht zu haben. Heute wird halt noch weniger gegessen, es wird schon passen.

Wochenende in Venedig

Ich bin kurz nach zwei vom Ehemann geweckt worden. Lautes Schnarchen. Seitdem kann ich nicht mehr einschlafen. Ich fand es nach fünf zu blöd, umsonst so zu liegen, und bin aufgestanden. Wir sind ja um die ungewohnte Uhrzeit von zehn Uhr abends ins Bett gegangen. Ich wurde gestern Abend auf der Couch plötzlich zu müde. Kein Wunder, denn wir am Wochenende wieder unterwegs waren. Wir hatten zur Hochzeit eine Reise nach Venedig geschenkt bekommen, und sie war für dieses Wochenende geplant.

Wir haben dort eine schöne Zeit verbracht, aber ich denke, Venedig ist einfach überteuert.

Das Hotel war schon mal mangelhaft, und ich habe gestaunt, als ich gesehen habe, welchen Preis für das kleine Zimmer verlangt wird. Besser aussehende Hotels in der Umgebung haben schon locker 500€ pro Nacht gekostet, und sie sahen noch nicht richtig außerordentlich aus. Für nicht mal die Hälfte haben wir am letzten Wochenende in einem luxuriösen Schloss zwei Nächte verbracht. Man bekommt deutlich zu spüren, dass man in Venedig ist. Unser Hotel war sehr eng konzipiert. Der Frühstücksraum war einfach am Ende von einem Flur zwischen den Türen von anderen Zimmern eingequetscht worden. Als ob der Mangel an diese grundlegende Einrichtung erst im Nachhinein gemerkt wurde. Dazu hatten wir das Pech, dass vor uns ekelhafte Gäste im Zimmer übernachtet haben, offensichtlich, weil kein normaler Mensch den Inhalt seiner Nase am Türrahmen und an den Wänden vom Badezimmer verteilt. Das hat die Putzfrau anscheinend nicht gemerkt. Ich habe zuerst mit Klopapier den Türrahmen und die Fliesen geputzt. Es war sogar noch weich. Igitt. Dasselbe habe ich übrigens auch in einem Hotel niedrigerer Kategorie in Süddeutschland erlebt. Ich will nicht wissen, wie die Wohnung von solchen Hotelgästen aussieht.

Die Restaurants in Venedig waren teuer, und ich kann nicht behaupten, dass es besser war als das, was wir sonst bei unserem lokalen Italiener in Berlin bekommen. Nein. Dafür waren die Preise viel höher. Man kann zu zweit einfach 100€ für ein Abendessen ausgeben, wenn man nicht aufpasst. In Berlin hat man es schwer, für den Preis so viel zu essen. Selbst wenn es die einzige Mahlzeit des Tages ist. Gegessen haben wir aber gut. Ich fühle mich jetzt immer noch voll satt und der Gedanke an Essen ist mir unangenehm. Da ich jetzt insgesamt weniger esse, um abzunehmen, bin ich nicht mehr daran gewöhnt, so viel in Restaurants zu gehen. Ich fürchte schon die nächste Anzeige der Waage. Vielleicht gehe ich zuerst heute Abend zum Sport.

Aber sonst war es schön, ein bisschen Zeit in Venedig zu verbringen.

20161009_gondel

Am Freitag sind wir spät angekommen und nur ein bisschen spazieren gegangen, bevor wir kurz vor eins ins Bett gefallen sind (mit einem mulmigen Gefühl für mich, nachdem ich den Zustand von Badezimmer gesehen hatte, aber der Ehemann hat es nicht mitbekommen, und die Bettwäsche war sauber). Am Samstag haben wir vieles unternommen. Wir hatten im Vorraus eine Führung für den Dogenpalast und den Markusdom gebucht. Das würde ich jederzeit empfehlen, selbst wenn es erstmals so teuer erscheint. Die Führung war gut, und man hat keine Wartezeit. Das sollte man nicht unterschätzen. Bei der Länge der Schlangen für beide Gebäude auf dem Markusplatz ist es sicherlich wert, ein paar mehr Euros zu investieren. Ich stelle mich definitiv nicht für eine Stunde Wartezeit an. Sonst rächt sich mein Ischias sofort. Es war auch noch kalt am Samstag. Danach sind wir durch die Stadt geschlendert. Sehr süße enge Gassen entdeckt. Man findet außerhalb von den Touristenattraktionen sehr schöne und menschenleere Orte. Gestern Vormittag sind wir spazieren gegangen, und am Nachmittag mussten wir schon zurück zum Flughafen.

20161009_venedig

Man redet nicht mit vollem Mund

Ein Satz, den ich am Tisch in meiner Kindheit immer wieder gehört habe. Meine Eltern, vor allem meine Mutter, haben es uns tausendmal gesagt. Man redet nicht mit vollem Mund. Es ist eklig. Das empfinde ich auch so.

Heute Mittag stand ich alleine an einem Tisch und aß meine Portion in Ruhe. Es gab eine Art Spätzle mit Fleischbällchen. Besser als gestern, da hatten die Redner in unserer Session ständig so lange überzogen, dass sich die Zeitplanung um einen ganzen Vortrag verschoben hatte, und wir beim verspäteten Rausgehen nur noch einen mickrigen Gemüsenspieß bekommen hatten.

Wenig später ist ein anderer Tagungsteilnehmer zu mir gekommen und fragte, ob er an meinem Tisch essen dürfte. Warum hätte ich ablehnen sollen? Seine Kollegin gesellte sich gleich danach ungefragt zu uns.

Der Mann hat sich eine voll geladene Gabel Nudel mit Parmesan im Mund gestopft, um sich dann sofort zu mir zu drehen und anzufangen, sich mit mir zu unterhalten. Ich habe es gerade noch rechzeitig geschafft, mit dem Arm und meinem breiten Ärmel den Inhalt von meinem Teller zu schützen. Eklig war es zu sehen, wie er beim reden den Inhalt aus seinem Mund rum gespuckt hat. Seine Kollegin, die deutlich bessere Tischmanieren beigebracht bekommen hatte, sah ein wenig angewidert aus. Ich glaube, sie war froh, dass er mal mit einer anderen Person geredet hatte. Ich habe knapp geantwortet und in keiner Weise angedeutet, dass ich an eine Fortsetzung der Diskussion interessiert war. Er hat dann gemerkt, dass er eine Serviette oder ähnliches vergessen hatte, und ich habe in seiner kurzen Abwesenheit möglichst schnell gegessen.

Bei seiner Rückkehr hat er wieder probiert, mit mir zu diskutieren, und als ich kaum geantwortet habe, hat er sich dann mit seiner Kollegin in einer anderen Sprache unterhalten. Sobald ich fertig war, bin ich zu meinem nächsten Termin weg gelaufen.

Migräne, schon wieder

Heute Morgen ging es mir gut. Ich bin eine Stunde früher als geplant aufgewacht. „Eigentlich könntest du laufen gehen“, habe ich gedacht. Meine Sportsachen hatte ich eingepackt. „Och nee, keine Lust“, habe ich mir beim Aufstehen geantwortet. Um dann meine Sportklamotten anzuziehen. Der Anblick im Spiegel hat mich motiviert. Die Frau sah voll sportlich aus.

Eine schöne Strecke am Fluß entlang hatte ich mir vor der Abreise ausgesucht. Tagsüber und abends ist es schlecht, weil es voll mit Menschen ist, und viele auch im Fluß schwimmen (das muss ich definitiv machen, bevor ich zurück nach Berlin fahre). Morgens um sieben ist keiner da. Und es ist nicht so heiß. Perfekter konnte es nicht sein. Die unerwarteten grauen Wolken haben mir Sorgen vorbereitet, aber es ist trocken geblieben. Ich bin Dreiviertelstunde gelaufen. Länger nicht, weil ich den ersten Vortrag des Tages nicht verpassen wollte. Außerdem wurde die Strecke immer häßlicher, je weiter weg ich vom Zentrum gelaufen bin.

Ein großes Problem war, dass ich vom Anfang an einen viel höheren Puls als sonst hatte. Fünfzehn Schläge mehr pro Minute. Bin ich schneller gelaufen, oder lag es daran, dass es so ungewohnt früh morgens war? Vermutlich letzteres. Laut Google Maps habe ich in der Zeit nur 5,2 Kilometer geschafft. Nicht besser, als wenn ich sonntags mit dem Ehemann jogge. Ich bin so eine Schnecke.

Vielleicht habe ich in den letzten Tagen nicht genug getrunken. Es war sehr heiß. Die Getränke in der Minibar sind kostenlos, hatte mir die Dame am Empfang gesagt, also habe ich alle Wasserflaschen geleert. Trotzdem ist meine Basaltemperatur deutlich gestiegen, seitdem ich hier bin. Es könnte den höheren Puls von heute Morgen erklären.

Zurück im Hotel habe ich festgestellt, dass ich nicht mehr so viel Zeit hatte. Schnell geduscht und angezogen. Kein Frühstück. Ich habe vergessen zu trinken. Bei der Konferenz gab es noch keinen Kaffee. Der erste Vortrag war genau so toll, wie ich es mir von der Person erhofft hatte. Der Raum war leider überklimatisiert. Dreißig Grad draußen, und drin friert man. Obwohl das mit den dreißig Grad heute nicht stimmt. Es ist kühler geworden. Vor meiner Abreise hieß es, jeden Tag genau so heiß. Ich habe dementsprechend gepackt. Jetzt habe ich zu leichte Kleider für den Rest der Woche. Ich habe mich heute Abend gefreut, als ich zu meinem viel zu warmen Hotelzimmer zurück gekommen bin.

Im Laufe des Tages habe ich mich zunehmend schlecht gefühlt. Dass ich am frühen Nachmittag in einem überfüllten Raum eine Stunde lang hinten stehen musste, um Vorträge zu hören, hat nicht geholfen. Mein Ischias hat sehr geschmerzt. Ich habe es nach einer Stunde nicht mehr ausgehalten und bin auf einer Couch draußen im Expositionsraum kurz eingeschlafen, als meine Sitznachbarn sich über Qt und Windows unterhalten haben.

Das Essen hat mich enttäuscht. Gestern war es besser. Nur Croissants und Kaffee oder Tee zur Pause. Kein Obst, wie ich mich aus anderen Tagungen inzwischen gewöhnt habe. Mittags war das Essen nicht besser. Schupfnudel mit gegrilltem Gemüse und Salami. Alles in Öl badend. Würg. Nachmittags fetter Süßkram mit Kaffee. Keine Lust dazu. Ich habe gefragt, ob es Obst gäbe. Nein. Die Frau hat mich wie eine Außerirdische geguckt. Ich bin raus gegangen und habe mir Bananen aus dem Supermarkt geholt. Sonst kriege ich noch Krämpfe, nach dem morgendlichen Laufen. Als ich aus dem Konferenzgebäude raus gekommen bin, habe ich gehört, wie zwei Französinnen sich darüber beschwert haben, wie schlecht das Essen war. Ich war also kein Einzelfall.

Ich habe wegen beginnender Migräne einen Vortrag geschwänzt und mich kurz im Hotelzimmer erholt. Das Wetter war bedrückend. Dunkle Wolken. Kalt. Nur zweiundzwanzig Grad. Danach musste ich zurück zu meinem Poster. Die Migräne ist stärker geworden. Am Empfang hatten sie kein Aspirin. Ich habe mich geärgert, dass ich die Packungen zu Hause vergessen habe. Mein Poster wurde gut besucht. Leute sind gekommen, die sich es gezielt ausgesucht hatten. Keine Zufallsbesucher, wie ich es aus meiner Zeit in meinem früheren Institut kenne. Ich bin froh, die Forschungsrichtung gewechselt zu haben. Heute war es aber hart, und ich habe jedesmal gehofft, dass die Leute nicht zu viele Fragen stellen. Die Migräne wurde so stark, dass ich Übelkeit bekommen habe.

Um sieben war offizieller Schluß. Die waren alle noch am Quatschen. Ich habe mein Poster abgenommen und bin zum Hotel gegangen. Im Viertel habe ich keine Apotheke gesehen. Die Frau am Empfang meinte, am Bahnhof gäbe es eine. Viel zu weit weg, wenn man pochende Migräne hat. Ich bin zu einem Lokal in der Nähe essen gegangen. Flammkuchen mit crème fraîche, Speck, Zwiebel, Rucola, Parmaschinken und Parmesan. Eine Apfelschorle dazu. Ein bisschen viel, das stimmt. Aber hey, seitdem geht es mir viel besser. Die Migräne ist weg.