Immer noch krank

Ich dachte, mir ginge es besser. Ich schlafe wieder besser, seit dem Wochenende. Ich war heute Morgen trotzdem müde beim Aufwachen. Und nach der Mittagspause habe ich mich plötzlich schlecht gefühlt. Zu warm, schwindelig, unfähig, zu lange an etwas zu arbeiten… Ich habe meine Sachen gepackt und bin um zwei nach Hause gefahren.

Kurz vorher noch Winfried angerufen, um Bescheid zu sagen: „Alles klar, riskiere nichts und erhole dich“, war seine Antwort. Ich habe noch nicht erzählt, wie großartig Winfried als Chef ist.

Ich habe ihm schon letzte Woche mitteilen müssen, dass ich schwanger bin. Ich darf ja nicht mehr im Labor arbeiten, oder unsere Messgäste für Experimente einweisen, oder sogar Rufbereitschaft machen. Es musste für meine kommenden Tätigkeiten dringend für Ersatz gesorgt werden. Ich war ganz nervös, als ich ihn angerufen hatte. Uschi, unser ehemaliger Chef, hatte schon mal einer Bewerberin, an die er interessiert war, doch nicht die Stelle angeboten, weil sie ihm im Nachhinein zugegeben hatte, schwanger zu sein.

Winfried hat auf die Nachricht ganz toll reagiert und mir gratuliert. Mein nächster Arbeitsvertrag ist unterwegs und daran ändert sich nach der Ankündigung nichts. Er hat nochmal bei der Personalabteilung angerufen und mir erklärt, dass ich gerne die benötigte Monate um die Geburt aussetzen und am Ende vom Vertrag anhängen kann. Und als ich gestern wieder auf Arbeit war und in seinem Büro stand, meinte er, ich sollte mich zu Hause einrichten, um vor dort aus zu arbeiten. Es wäre kein Problem, ich müsste nur mit der Personalabteilung darüber reden. Und Ausstattung wie neuen Rechner, Bildschirm usw. würde er mir für zu Hause besorgen. Was will man mehr?


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Erkältet

Das bin ich mal wieder. Ich dachte, ich würde verschont bleiben, da der Ehemann die ganze letzte Woche erkältet war und deswegen auch krank geschrieben wurde, und mich nicht angesteckt hatte. Gestern habe ich erste Anzeichen bekommen, und heute noch mehr. Halskratzen und Schupfen. Immerhin kein Fieber. Ich vermute, es kommt vom Kochustensilien-Händler auf der anderen Straßenseite, bei dem ich am Freitag nach der grünen Woche war, um ein neues Nudelholz zu kaufen. „Ich bleibe fern, ich bin krank,“[1] hatte er uns begrüßt. Tja.

Immerhin werden die Kollegen morgen sehen, dass ich diese Woche „wirklich“ krank war. Das war meine beste Krankschreibung überhaupt. Und es traf sich gut, dass wir beide zu Hause waren. Der Arzt hatte aus „Schutzgründen“ irgendeinen Infekt eingetragen, weil der Arbeitgeber nicht gleich wissen muss, dass ich schwanger bin. Jetzt habe ich auch den Infekt.

Auf Medikamente will ich verzichten, weil ich nicht weiß, ob es als Schwangere eine gute Idee ist. Ja, ich könnte danach suchen. Aber solange die Beschwerden so mild bleiben, brauche ich keine Tablette. Stattdessen habe ich mir mein Power-dich-auf-Tee gemacht. Ganz einfach:

  • 1 kleines Stück Ingwer schälen und in kleinen Würfeln schneiden.
  • Ingwer in eine Tasse geben und mit heißem Wasser bis 2 cm vor dem Rand füllen.
  • Einen großzügigen Teelöffel Honig hinzufügen (Rosmarinhonig oder Salbeihonig am liebsten).
  • Saft einer halben Zitrone pressen und zum Tee gießen.
  • Gut rühren und sehr warm trinken.

Es schmeckt super, und man fühlt sich danach ganz schön warm.

[1] „Je reste loin, j’ai la crève.“ Noch so ein Franzose 🙂


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Erkältet

Wir sind beide heute Morgen mit kratzendem Hals aufgewacht.

Bei mir hat es schon am Freitag Vorzeichen gegeben. Zum Frühstück hatte ich mir eine heiße Zitrone mit Honig gemacht. Gestern ist mir nichts aufgefallen. Der Hals fühlte sich morgens nicht so toll an, aber es ging schnell vorbei, und ich habe gedacht, es läge an der Luft im Schlafzimmer. Obwohl wir das Fenster minimal gekippt über Nacht lassen, um Feuchtigkeit an den Scheiben morgens zu vermeiden. Es klappt ganz gut, haben wir mittlerweile heraus gefunden.

Heute Morgen hat der Hals wieder stärker geschmerzt. Beim Ehemann auch. Er meint, er hat schon seit einigen Tagen Anzeichen für eine Erkältung. Wie ich. Ich habe über den Tag verteilt viele heiße Zitrone und Milch mit Honig getrunken. Ich weiß nicht, ob es wirklich hilft, aber schmecken tut es auf jeden Fall, und es lindert den Schmerz für eine Weile. Das mit dem Joggen haben wir heute sein lassen. Mein Arzt sagt bei Erkältungen immer, möglichst ruhen und viel Wasser trinken. Und ich achte für eine Weile nicht auf meine Kalorienbilanz, obwohl sie heute noch gut aussieht. Die Erkältung hat sich rasch entwickelt. Jetzt kann ich schwer reden, und die Nase läuft kontinuierlich. Bläh. Beim Ehemann ist es nicht so aufgeprägt. Wenigstens habe ich kein Fieber.

Ich frage mich, welche Rolle mein Zimmerkollege dabei gespielt hat. Am letzten Montag ist er nach einer Woche Abwesenheit heldenhaft ins Büro geplatzt, um zu ankündigen, dass er gerade eine ganze Woche mit Erkältung und Fieber zu Hause geblieben war, und eigentlich immer noch krank wäre, aber zu Hause wäre es ihm jetzt zu langweilig. Hat sich an seinem Schreibtisch mir gegenüber hingesessen, um gleich danach entsetzlich zu husten und niesen. Gut, dass zwei Reihen Bildschirme uns trennen. Uschi hatte ja immer gesagt, „wenn du krank bist, will ich dich hier nicht sehen“. Das klingt dreist, ist aber recht sinnvoll. Es bringt nichts, wenn der Rest der Gruppe angesteckt und arbeitsunfähig wird. Das ist bei meinem Zimmerkollegen wohl nicht angekommen. Ich bin direkt nach seiner Ankunft zu unserem Geräteraum geflüchtet und habe ihn für den Rest der Woche vermieden, so gut es ging. Am Montagabend hat er sich zu uns gesellt, als ich mit meiner IT-Kollegin am Arbeiten war, weil es ihm an Gesellschaft fehlte. Unsere knappe Antworten haben ihn nicht davon abgehalten, sich länger mit uns unterhalten zu wollen. Smalltalk über völlig unwichtige Sachen. Zwei Tage später war meine IT-Kollegin für den Rest der Woche wegen Krankheit zu Hause. Vollidiot.

Ich werde froh sein, wenn er endlich aus dem Zimmer auszieht und ich alleine dort bleibe. Er ist ohne Krankheit schon schwer zu ertragen, da er so oft telefoniert und dabei furchtbar laut redet, und noch ständig leise hinter seinem Bildschirm rülpst und furzt. Immer hört man, wie sein Darm arbeitet. Ich habe schon den Raum wegen des Gestanks verlassen müssen. Im Juni hieß es schon, er würde bald ausziehen. Ich kann es kaum noch erwarten.


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Das Fieber von Mittwochabend

Es scheint jetzt ein eindeutiger Trend zu sein: Bei oder nach jeder Tagung bin ich krank.

Am Dienstagabend habe ich gehüsltet. Das hat meine Mami am Telefon sofort gemerkt. Ich dachte, ich bin gerade zurück geflogen, hier ist es kälter, und die Luft im Flugzeug ist anders, es wird gleich besser. Die Migräne von Montag war nicht mehr zu spüren. Gestern war ich wieder bei der Arbeit. Aufstehen war hart. Gehustet habe ich mehr. Ein trockener Husten. Mein Kopf hat sich ein bisschen stumpf angefühlt.

Um zwei habe ich schon Feierabend gemacht, da ich nachmittags einen Arzttermin wegen Ischias hatte (schon seit Juli geplant), und die Orthopädiepraxis liegt in der Nähe der Wohnung. Es geht mir viel besser, aber ab und zu habe ich noch Schmerze, wenn ich im Labor den ganzen Tag stehen muss zum Beispiel (was zum Glück selten passiert). Der Arzttermin hat gerade drei Minuten gedauert und war völlig unbefriedigend. Es hat den Typ überhaupt nicht interessiert zu wissen, wie die Schmerze entstanden waren oder sonst was. Ich habe mich nicht besser behandelt gefühlt als wenn ich zur Sprechstunde gekommen wäre. Beim nächsten Mal muss ich drauf bestehen, dass ich bei meiner üblichen Ärztin den Termin bekomme. Ich habe einen Antrag auf Kostenübernahme für Rehasport bekommen, den ich bei der Krankenkasse einreichen muss.

Nach dem Termin bin ich nach Hause gegangen. Ärzte sind bei Terminen so pünktlich, dass es schon fast sechs war. Ach ja, ich habe unterwegs Kuchenteller bei Butlers gekauft, wir haben nicht genug davon zu Hause. Kurz danach haben sich meine Beine sehr müde angefühlt. Als ob ich viel gegangen wäre. Das war gestern nicht der Fall, und ich war bei der Tagung und im Urlaub so viel zu Fuß unterwegs, dass ich daran gewöhnt sein sollte. Nein, es waren Gliederschmerzen. Leichtes Fieber hatte ich, 37,1°C. Ich bin um neun ins Bett gegangen und habe gelesen, um zehn habe ich das Licht ausgemacht.

Um Punkt Mitternacht bin ich aufgewacht. Durst, Hals gereizt, fiebrige Schmerze in den Beinen und im unteren Rücken. 38,4°C. Aspirin genommen, viel Wasser getrunken, ein Löffel Honig und zurück ins Bett. Bis halb vier habe ich mich rumgewälzt und war voll nass vom Schwitzen. Danach konnte ich wieder schlafen. Heute morgen war meine Temperatur wieder bei 37,1°C, was höher als sonst ist. Am unteren Rücken habe ich noch Schmerze. Ich bleibe zu Hause.


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Krankgeschrieben

Ich bin gestern zu Hause geblieben. Die Erkältung vom Wochenende war zu viel. Ich habe kein Fieber und keine Migräne, die Gliederschmerzen sind vorbei. Trotz niedrig eingestellter Helligkeit kann ich schwer den Bildschirm gucken, und Nachdenken ist mühsam. Ich bin ständig am Niesen und mein Hals ist gereizt. Besser, nicht zur Arbeit zu fahren.

Ich war beim Arzt. Ein älterer Arzt. Ich frage mich, ob er das Renten-Alter schon überschritten hat. Seine Praxis ist direkt gegenüber von meinem Haus, auf der anderen Seite der Straße. Er arbeitet ohne Termine. Die Praxis war ziemlich leer, als ich ankam. Ich habe nicht mal zehn Minuten warten müssen. Alle anderen Patienten waren kerngesund aussehende Studenten. Faule Säcke. Es ist Klausur-Zeit. Auf einem Bewertungsportal für Ärzte hatte ich ja gelesen, dass dieser Arzt dafür berühmt ist, um Atteste zu bekommen. Einige Schulen sollen sogar keine Atteste mehr von ihm annehmen. Diese Art vom Weglaufen von Klausuren war mir in Frankreich völlig fremd. Das habe ich erst hier als Dozentin kennen gelernt. Tss-tss. Aber zurück zum Thema.

In der Praxis hat mich zuerst ein gewaltiger Geruch von kaltem Tabak empfangen. Igitt. War’s beim letzten Mal auch so? Ich habe es vergessen. Ich glaube, in der Praxis wird viel geraucht. Gut, dass ich so schnell dran kam. Sein Verdikt: Grippaler Infekt. Ein anderer Begriff für Erkältung. Es klingt nur dramatischer. Ich soll mich also ausruhen, viel trinken und Paracetamol schlucken. Er hat mir einen Attest für eine Woche schreiben wollen. Eine Woche?? Das ist mir viel zu lang. Morgen will ich wieder bei der Arbeit sein. Mal schauen, ob es klappt. Sonst muss ich zurück zur Praxis gehen.

Ich hatte auch meinen Impfpass mitgebracht. Im Fall einer Schwangerschaft will ich sicher sein, dass ich keine gefährliche Krankheit bekomme, die ich durch eine Impfung vermeiden könnte. Seine Reaktion fand ich sehr enttäuschen. Er kam mir gar nicht so fachlich vor. „Was soll denn groß passieren?“, meinte er. „Sie können erstmal froh sein, überhaupt schwanger zu werden.“ Ich weiß nicht, ob er mein Alter meinte oder ob es einfach so zum Spaß gemeint war. Ich habe nicht den Eindruck, dass er das Problem von Krankheiten in der Schwangerschaft ernst nimmt. Sabrina hatte letztes Jahr Ringelröteln bei ihrer zweiten Schwangerschaft bekommen. Ihrem Kind geht’s jetzt zum Glück gut, aber das hätte schlimm enden können. Ich werde mich an meine Frauenärztin wenden. Immerhin haben wir gestern meine Kombi-Impfung gegen Tetanus usw. erfrischt.

Vielleicht ist es der Grund für die hohe Anzahl für Studenten, die keine Klausur schreiben wollen. Zu etwas anderes als Atteste schreiben kann man ihm nicht viel trauen. Andererseits habe ich vor der Praxis meine alte Nachbarin vom Erdgeschoss getroffen, die vom Gebäude raus ging. Bestimmt eine langjährige Patientin.


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Verstopft

Ich habe mich erkältet. Das ist vielleicht kein Wunder, da ich so wenig bei der Tagung schlafen konnte. Ich habe mich noch nicht richtig erholt. Bei den Vorträgen sind wir auch gefroren. Ich habe mich immer besser gefühlt wenn ich in der Pause das Gebäude verlassen habe. Die Klimaanlage im Hörsaal war furchtbar stark, ständig hat man einen kalten Zug ins Gesicht bekommen. Meine Schulter waren deswegen so gespannt, dass ich am letzten Tag Schmerzen im Nacken bekommen habe. Gestern habe ich mich schlecht gefühlt, habe ständig geniest und generelles Muskelkater gespürt. Kein Fieber, aber jetzt ist meine Nase verstopft.

Unser neues Spülbecken in der Küche übrigens auch. Gestern nachmittags habe ich eine Waschmaschine gestartet. Im Laufe des Waschgangs gab es ein merkwürdiges Geräusch in der Küche, als ob Wasser rhythmisch gegen etwas in der Leitung heftig stoßen würde. Das war mir neu, aber ich hatte noch nicht die Waschmaschine gehört, seit Martin letzte Woche das Spülbecken in der Küche angeschlossen hat, und er meinte, es wäre normal. Doch nicht. Als ich später Tee machen wollte, sah das Becken ganz komisch aus, mit vielen Krümeln auf seinem Boden. Beim genaueren Betrachten haben sich die Krümel als Textilfasern entpuppt, und man konnte deutlich eine Linie im Becken erkennen, die zeigte, wie hoch das Wasser gestiegen war. Mist. Die Waschmaschine ist von Martin und gerade zwei Jahre alt (von meiner musste ich mich beim Umzug trennen). Das Spülbecken ist neu. Das Rohr der Waschmaschine ist mit dem Rohr in der Küche verbunden. Vermutlich lagen drin schon die ganze Zeit viele Fasern von den vorherigen Eigentümern, die erst gestern zu einer Verstopfung geführt haben. Wir konnten das Becken nicht mehr benutzen, das Wasser fließt sehr langsam wieder runter. Ein Glück, dass es nicht vorher passiert ist, da das ursprüngliche Spülbecken nicht so groß wie das neue ist.


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Erkältet

Seit Freitag. Schuld daran ist die Radtour am Donnerstagabend. Wir waren nach der Arbeit bis zur Wohnung von Martin gefahren. 23km. Kurz vor dem Ziel haben wir uns auf der Terrasse einer noch geöffneten Kneipe am Zoo hingesessen und ein Bier getrunken. Keine gute Idee. Es war am Tag sonnig gewesen, aber es wurde schon dunkel und sehr frisch. Ich war verschwitzt und meine Kleidung war für die Pause nicht geeignet. Beim Weiterfahren habe ich am Anfang große Schwierigkeiten gehabt, die Kontrolle über meine Bahn zu bekommen. Beim nächsten Mal nehme ich ein Alkoholfreies. Am nächsten Tag habe ich mich fiebrig gefühlt. Der Hals hat gekratzt. Jetzt bin ich am Husten und völlig verschnupft.

Es hilft nicht, dass ich Nachbarn habe, die nicht in der Lage sind, die Treppe leise runter zu gehen. Dank ihnen bin ich um 05:30 und 06:30 aufgewacht. Das nach einem sehr langen Tag.

Ich war gestern bei einem Meeting, das bekanntlich immer länger als geplant dauert, und war erst nach 23:30 zu Hause. Zum Glück muss ich keinen Vortrag beim Meeting halten. Obwohl, es wäre vielleicht besser gewesen. 20mn reden, das war’s. Mit meinem Poster muss ich zwei Mal 90mn stehen und mit Leuten reden. In meiner Posterecke sind zwei Kolleginnen aus einer anderen Arbeitsgruppe. Die zwei sind unzertrennlich, ich habe bei Meetings die Eine noch nie ohne die Andere gesehen. Mit bestem Willen kann ich die Beiden nicht leiden. Sie verhalten sich ständig hochnäsig und scheinen kein besseres Gesprächsthema zu haben, als sich über das Äußere von anderen Teilnehmern lustig zu machen. Ein Grund, warum ich ungern mit anderen Frauen arbeite. Heute Abend muss ich wieder hin. Ich habe zum Glück genug Besucher, um ihr Gelaber nicht ertragen zu müssen.


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Neue Woche

Ich glaube, ich habe mich erkältet. Wahrscheinlich heute Morgen, als ich mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren bin. Ich hatte vorher die Wettervorschau geprüft und hatte nur positive Temperaturen gesehen (na ja, knapp über 0°C). Eigentlich war es kälter, es gab einige glatten Stellen am Straßenrand. Ich hatte mich richtig warm angezogen, bin jetzt trotzdem verschnupft. Das mit dem Fitness-Studio habe ich für heute Abend sein lassen. Die Sporttasche ist im Büro geblieben, falls es mir morgen besser geht. Ich habe sowieso am Wochenende genug Sport gemacht, da ich wieder ganz spontan eine über 40km Radtour gemacht habe – und fast zwei Kilos auf dem Weg verloren habe. Nach meinem Besuch bei der Telekom habe ich mich so erleichtert gefühlt, dass ich mich auspowern musste. Es war nicht warm, ich dachte zuerst, ich könnte für die Rückfahrt mit der S-Bahn fahren, aber ich habe doch die ganze Strecke hin und zurück mit dem Fahrrad geschafft. Ich wollte bei Dussmann einkaufen gehen. Zwischendurch habe ich mir einen Kasseler-Teller mit Sauerkraut in einem kleinen deutschen Lokal in Berlin Mitte gegönnt. Der Lokal war richtig süß, ganz pink mit vielen Puppen überall auf die altmodischen Möbeln. Was mich aber vor allem dahin gebracht hatte, war, dass ich Hunger hatte und schon an vielen geschlossenen Lokalen gefahren war. Das Essen war lecker. Und nachdem ich mehrmals die Friedrichsstraße rauf und runter gefahren bin, bevor ich merkte, dass ich um die Baustelle einen Bogen machen musste, darf sogar ein neues Buch meinen Bücherregal schmücken – wenn ich einen Bücherregal hätte, ich muss mir einen kaufen. Alle meine andere Bücher sind noch in den Umzugskartons gepackt.

Ich habe mich auf Ebay umgeschaut und sehr wahrscheinlich meinen Wunsch-Bücherregal gefunden. Ich schaue mir nur neue Waren mit Sofort-Kauf und Lieferung an. Das ist auf Ebay nicht einfach, man kann schon Schrott bekommen. Ich hatte mir vor einigen Jahren eine grasgrüne Stoff-Couch in einem Laden dort bestellt und war begeistert davon. Ganz leicht, ich kann sie selber tragen, im Prinzip sind es nur zwei Matratzen aufeinander gestellt, mit Reißverschluss verbunden und Lehnen. Die kann man sehr einfach in zusätzlichen Betten verwandeln, sie ist schon mehrmals dafür zum Einsatz gekommen. Mit Haushaltswaren war ich auch häufig zufrieden. Vor einem Monat habe ich mir einen Bartisch für die Küche bestellt und fand die Ware nicht so toll. Es sah besser auf dem Bild aus als in Wirklichkeit. Der Tisch ist zu leicht, würde schnell weg fliegen, wenn man mit Schwung dagegen stoßen würde, und die Oberfläche wirkt trotz Beschreibung nicht wirklich wie Holz. Dazu kam, dass ich seit so langer Zeit auf Ebay nicht mehr auf die Herkunft des Produktes aufgepasst habe, und bei einem chinesischen Verkäufer bestellt habe. Ich habe mich schon dabei im Gedanke gesehen, wie ich beim Zoll meinen schweren Paket holen müsste. Zum Glück ist es zu Hause geliefert geworden. Mein letzter Versuch war eine Kommode mit Schubladen für Hauswäsche bei Finebuy. Was ich bekommen habe ist für mich Müll. Zusammen gepresste Holzfaser (ich habe den Namen vom Material vergessen), Griffe von schlechter Qualität und wegen der unsorgfältigen Verpackung im Transport beschädigt, Anleitung für eine andere Kommode ohne Schublade (so schwierig war es aber nicht), und falsche Anzahl von Schrauben, ich habe noch um die 40€ bei OBI gelassen, um mir passable Griffe und fehlende Schrauben zu besorgen. Die Qualität lag deutlich unter dem Preis, auch wenn man es nicht mehr merkt, wenn das Ding fertig gebaut ist. Mal schauen, wie es mit dem Bücherregal wird. Ich weiß jetzt wenigstens, bei wem ich nichts mehr kaufen will.

Und ich hatte es geahnt: Nachdem ich letzte Woche mit dem Studentenpraktikum voll beschäftigt war, und die Woche davor mit der Vorbereitung zum Praktikum, hat mir heute mein Chef, den ich hier ab jetzt Uschi nennen werde (nur er weiß warum), vorgeworfen, zu wenige Fortschritte in meinem Projekt gemacht zu haben. Das heißt, dass ich jetzt Vollgas daran arbeiten muss. Obgleich ich schon zwei Vormittage mit Nutzerbetreuung diese Woche verbringen werde, als Ausgleich dafür, dass ich letzte Woche nicht einsetzbar war. Ich habe mir vorgenommen, zuerst die Installation meines Programms auf seinem Rechner zu prüfen. Er hat einen Mac. Ich habe noch nie damit gearbeitet, habe also keine Admin-Rechte drauf, was sicherlich vernünftig ist, aber es heißt, dass Uschi selber fehlende Programme installieren muss. Zum Beispiel PyQt4. Das läuft nicht so glatt, und er erwartet, dass ich ihm sage, wie es zu installieren ist, obwohl er viel mehr Erfahrung als ich mit dem Betriebssystem hat. Das wird ein Spaß… Wenigstens habe ich Lob für den glatten Ablauf des Praktikums und für meine Vorlesungsteile bekommen.

Ich denke sonst, dass ich nicht mehr verliebt bin. Es war bloß ein Bug, den ich beseitigen konnte. Warum ich denke, dass es vorbei ist, liegt daran, dass Martin mir letzte Woche schon zwei mal – indirekt – vorgeschlagen hatte, etwas zu unternehmen, und ich nicht drauf reagiert habe. Dabei bin ich um den Eisprung gewesen, also die Zeit, wo ich am meisten von Männern angezogen bin. Irgendwie zieht er mich nicht mehr an. Seine unentschloßene Art hat mich zu sehr genervt, und die Tatsache, dass er sich doch komisch im Umgang mit anderen Menschen verhält. Das war mir ein paar mal aufgefallen, aber letzte Woche richtig, als er Mieke kurz im Flur aufhalten wollte und es nicht über sich brachte, sie vollständig am Arm zu packen. Ein Waschlappen halt (auf Französisch würde ich sagen, dass er einen Besenstiel im Po hat – ich denke nicht, dass der Ausdruck auf Deutsch existiert). Ich sehe ihn nicht mehr als Mann sondern als kleiner Junge. Dabei ist er Mitte vierzig. Heute Morgen war ich also überrascht, als wir zu zweit im Büro waren und er meinte, er hätte sich am Wochenende überlegt, ob er nicht ins Kino gehen wollte, und hätte mich natürlich angerufen, falls er sich dafür entschieden hätte. Ob ich nicht beim nächsten Mal mit ihm gehen möchte? Tja, warum nicht, es ist nicht, als ob ich am Wochenende so viel zu tun hätte. Er hat auch zwei Kumpel erwähnt, mit denen er sonst ins Kino geht. Vielleicht wäre da etwas.


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Mich hat’s erwischt…

Ich bin erkältet, seit fast acht Tagen. Meine liebe Mami hat letzte Woche ihre schöne sonnige Gegend in der Provence verlassen, um ihre Tochter im großen und kalten Deutschland zu besuchen. Wir hatten uns zwar schon über Weihnachten gesehen, es hat mich aber richtig gefreut, dass sie gekommen ist. Schön war’s, wir haben viel unternommen, oder so viel wie mein Ischias es mir erlaubte (stimmt, die Geschichte habe ich noch nicht fertig geschrieben). Und weil meine Mami so großzügig ist, hat sie mir auch Bakterien aus der Heimat mitgebracht, mit denen sie selber erkältet war. Zum Glück habe ich nur Schnupfen, es hört sich aber schon komisch an, wenn ich den Mund aufmache.

Blöderweise habe ich heute Nachmittag ein telefonisches Vorstellungsgespräch. Auf Englisch auch noch. Ich hoffe, die Erkältung wird dabei nicht zu sehr stören („Excuse me, I have to blow my nose“). Und ich muss diesmal daran denken, ab und zu das Telefon an das rechte Ohr zu halten. Eine ganze Stunde soll das Interview dauern, mit drei verschiedenen Gesprächspartnern. So viele Personen hatte ich noch nie bei einem Telefongespräch gehabt, normalerweise ist nur die Kontaktperson der Personalabteilung dabei. Ich liebe telefonische Vorstellungsgespräche. Kein Stress mit Reisen, man kann sich gemütlich auf die Couch setzen, muss nicht perfekt angezogen sein, mit angeschaltetem Laptop und allen Unterlagen über die Firma parat auf dem Tisch, und mit den selbstgeschriebenen Antworten auf übliche Fragen… Nur, wie man auf die Schnelle genau das richtige Blatt findet, habe ich noch nicht raus. Vor allem die Vorbereitung hilft, nicht die Unterlagen, die sind nur zur psychologischen Unterstützung da. Noch eine Idee: Fisch für die Mieze heute kochen, damit sie danach nur noch auf meinem Koffer (ihrem Bett) den Nachmittag beim Verdauen verbringt.

Nun, warum kriege ich diesmal früh am Morgen schon eine Panik-Attacke? Das wäre eigentlich genau die richtige Stelle für mich, ich muss es aber schaffen, die Leute dazu zu überzeugen, dass ich die Richtige für die Stelle bin. Hart. Nach so vielen Pleiten zweifle ich an meine Überzeugungsfähigkeiten. Die beschriebenen Tätigkeiten wären so interessant, F&E im Bereich Halbleiter, auch wenn es nur für 18 Monate ist und für Berufseinsteiger, also nicht so gut bezahlt aber trotzdem besser als an der Uni, dann hätte ich endlich den so langen gesuchten Einstieg in die Industrie. Die wohl härteste Frage, auf die ich noch nicht so eine richtige Antwort habe: „Warum haben Sie so viele Jahren nach dem Studium an der Uni verschwendet?“ Ich habe bei einem Vorstellungsgespräch in Dezember bei Uhde genau auf dieser Art erfahren, dass eine berufliche Tätigkeit in Forschung und Lehre an der Uni in der Industrie nicht gewürdigt wird. Ich war damals sprachlos. „Ja, meine Arbeit an der Uni war wichtig, schließlich habe ich kleine Zicken wie Sie ausgebildet, damit sie arbeiten können.“ Nein, keine Sorge, ich hab’s mir nur gedacht, nicht gesagt.

Der Job ist am ganz anderen Ende von Deutschland, so dass ich umziehen müsste – super, ich ändere gleich auch noch meine Handynummer, und bin befreit von Hülya, die frühere Bekannte, die mich momentan täglich anruft (hoffentlich nicht während des Gespräches, die anderen kriegen das sonst mit). Eines Tages muss ich den Mut finden, ans Telefon zu antworten und ihr zu sagen, dass ich kein Bock habe, mich mit ihr zu treffen. Kein Bock auf nach Zigarette stinkende Kleider, kein Bock auf Kopfschmerzen, kein Bock auf die zigste Erzählung von ihren nie zu ändernden Problemen mit ihrer ständigen jammernden Stimme, kein Bock auf ihre Lügen… Ich hoffe, sie kommt nicht auf die Idee, ausgerechnet heute Nachmittag bei mir zu klingeln, so als spontaner Besuch. Seit unserem letzten Treffen, als sie bei mir unerwartet nach Jahren geklingelt hatte, habe ich nur einmal mit ihr gesprochen, letzte Woche. Ich stand an der Kasse in einem Supermarkt. Meine Mami: „Dein Telefon klingelt“. Versteckte Telefonnummer. Ich: „Seufz… (Vor meiner Mami wollte ich nicht nicht antworten… warum eigentlich?) Allo?“ Hülya: „Hey, ich bin‘s“. Ich, insgeheim: „Mist!“ „Ich bin beim Einkaufen. Was willst du?“ Hülya: „Du bist beim Einkaufen? Schön! (Lächeln in der Stimme, vielleicht dachte sie, ich hätte dann Zeit für sie) Können wir uns heute treffen?“ Ich: „Nee, geht nicht, ich habe Besuch diese Woche.“ Ich habe nicht gewartet, dass sie weiter erzählt und nachfragt, sondern habe frech wieder aufgelegt, so untypisch von mir. Damit hatte ich Ruhe bis Sonntag geschafft. Ich sollte mal Sebastian anrufen und nachfragen, ob er in letzter Zeit mit ihr telefoniert hat, da sie nicht wollte, dass er über ihr Wiederbesuchen bei mir erfährt. Ich denke, ich weiß, warum sie wieder Kontakt mit mir aufnehmen wollte, sie sucht Leute, bei denen sie wohnen kann und die sie ausnutzen kann – dabei spricht sie immer so schlecht über alle, die sich bis jetzt um sie gekümmert haben…

Äh, ich sollte lieber an mein Gespräch heute Nachmittag denken. Es wird klappen. Es muss klappen. Ich hasse Arbeitslosigkeit.


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