Sonntag in Cambridge

Wir sind am Sonntag letzter Woche recht spät aufgestanden, da wir nach dem Abendessen in London den letzten Zug nach Cambridge bekommen haben, der um Viertel vor zwei ankommt. Es war nach zwei Uhr morgens, als wir zu den Freunden vom Ehemann angekommen sind. Und drei, als wir endlich im Bett waren. Um elf aufgestanden.

Der Tag war also kurz. Wir haben zuerst gemütlich im Garten gefrühstückt. Es war schön sonnig und warm. Ich habe uns ein Avocado-Feta-Aufstrich mit Zitronensaft gemacht. Der Ehemann hat Rührei mit Tomaten vorbereitet. Das kann er sehr gut.

Wir haben uns gegen zwei auf den Weg zum Stadtzentrum gemacht. Diesen Teil von Cambridge mit der bunten Brücke hinter dem Bahnhof kannte ich noch nicht, obwohl ich vorher schon zweimal da war. Ich war sonst immer zur anderen Seite vom Bahnhof in Richtung Stadt gelaufen. Als wir am Pub vorbei gingen, hörte es sich an, als ob gerade ein Fußball-Spiel liefe.

Tatsächlich war England gerade am Spielen. Nicht, dass es mich sonderlich interessiert. Aber an dem Tag war es gut, weil wir eine Tour mit Stechkahn machen wollten, und wir dachten, es würde dadurch nicht so viele Leute auf der Cam geben.

Gestartet sind wir von der Magdalene Street aus. Wir haben eine Tour um 15:45 bekommen, die Dreiviertelstunde dauern sollte. Genug Zeit, um danach zum Bahnhof zu gehen, denn ich musste zurück zum Flughafen und hatte geplant, den Zug um 17:25 zu benutzen.

Punting, oder Stechkahn fahren, hat eine 3000 Jahre alte Geschichte, erzählte uns unsere Begleiterin, eine Studentin in einem der vielen Colleges in Cambridge. Früher wurde es hauptsächlich für Handel benutzt. Deswegen gibt es auf Flußseite ab und zu ein paar Türe zu den Gebäuden, wie in Venedig. Die Cam war doch recht gut besucht, es gab ab und zu Kollisionen. In allem war es aber sehr angenehm.

Die Holzbrücke ist die berühmte Mathematiker-Brücke, so genannt weil die Kurve aus tangentialen geraden Bögen entsteht. Als ich das letzte Mal in Cambridge war, wurde mir von einem Einheimischen erzählt, „dass die Brücke ursprünglich nur aus Holz bestand, und Studenten sie eine Nacht zum Spaß auseinander genommen haben und danach keiner sie mehr zurück bauen konnte, deswegen gibt es heute Nägel“. Dies, informierte uns unsere Begleiterin, ist nur ein von vielen Mythen, die über diese Brücke erzählt werden aber nicht wahr sind.

Auf dem Rückweg sind wir an einem Chor vorbei gegleitet. Die Studenten vom King’s College waren am Singen, und zwar so schön, dass unsere Begleiterin erstmal nichts mehr erzählt hat. Danach waren wir wieder am St John’s College, dessen Gebäude perfekt symmetrisch gebaut wurde, außer für die Adler-Statue, die angeblich den Kopf zur Seite dreht, um die verachteten Rivalen vom Trinity College nicht zu sehen. St John’s gehört auch die Seufzerbrücke, die aber nichts mit der gleichnamigen Brücke in Venedig zu tun hat. Ich glaube nicht, dass sich schlecht benehmende Studenten auf dieser Brücke zu ihrer Todesstrafe geführt wurden.

Nachdem die Tour doch eine ganze Stunde gedauert hat, sind wir in ein Taxi gesprungen. Ich konnte am Bahnhof eine Fahrkarte noch kaufen, bevor ich in den Zug eingestiegen bin. Erst dort habe ich die Email gemerkt, die ich während der Taxi-Fahrt bekommen habe: Der Flug um 20:15 war jetzt für 21:30 geplant! Verdammt!

Fast alle Flüge in Stansted waren verspätet, und die Leute haben sich massenweise in diesem einen zentralen Raum gepackt, weil man die Gate-Information nur Dreiviertelstunde vor Abflug dort mitgeteilt bekommt. Es war eine sehr lange Warterei. Etwas shoppen, und die Zeit zu vertreiben? Es waren so viele Leute unterwegs, dass ich kein Bock dazu hatte. Ich bin Richtung Gates >80 gegangen und habe dort eine ruhige Zone mit freien Sitzplätzen im Flur gefunden. Es war auch kein offizieller Wartebereich. Ich hätte theoretisch bei der Frau hinter ihrer Theke eine Begründung abgeben sollen, warum ich in verbotener Richtung zurück zur Wartehalle gehen wollte, wenn sie nicht in dem Moment einen Ansturm von Leuten bekommen hätte.

Statt um elf Uhr abends in München zu landen, waren wir am Ende erst um Viertel nach zwölf aus dem Flugzeug raus. Die allerletzte S8 nach Hause sollte um 00:44 abfahren. Wie sollte ich es schaffen? Ich hatte kein Gepäck, aber ich kenne mich im Flughafen München gar nicht aus! Ich bin wie eine Irre gerannt und zwei anderen Personen gefolgt, die ebenfalls gerannt sind. Mir haben die Lungen am Ende gebrannt, als wir zur Passkontrolle angekommen sind. Die Passkontrolle hatte geschlossen. Niemand war da und alle Ausgänge waren gesperrt. Selbst die elektronischen Lesegeräte für die Pässe liefen nicht. Der Mann, dem ich gefolgt war, hat eine Klingel entdeckt und diese betätigt. Eine überraschte Polizistin ist aus einem Nebenraum gekommen. Sie wurde gar nicht informiert, dass ein verspäteter Flugzeug angekommen war. Echt eine Schlamperei.

Ich hatte Glück und bin als erste durch gekommen. Doch kein so großer Glück, weil ich danach nicht wusste wohin. Der Mann, der gerade die Rolltreppe putzte und mich verwirrt ankommen sah, hat mir die ungefähre Richtung gezeigt. Die Beschilderung war nicht zu verstehen. Als ich raus kam, konnte ich nicht erkennen, durch welche Tür ich zum anderen Gebäude gehen sollte, wo man zur S-Bahn gelangt. Es war alles dunkel. Die drei Sicherheitsleute waren auch nicht hilfreich und haben nur zugeguckt, wie ich nach der Tür gesucht habe. Es gibt nur Glaswände, finde die Glastür dazwischen…

Am Ende konnte ich am Automaten eine Anschlusskarte zu meinem Abo kaufen, bevor ich in die Bahn eingestiegen bin. Das hätte ich mir sparen können, keiner hat kontrolliert. Um zwei Uhr morgens war ich zu Hause. Die ganze Woche habe ich mich nur noch müde gefühlt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Samstag in London

Gemeint ist Samstag vor einer Woche. Der Ehemann ist auf langer Motorragtour und besucht bei der Gelegenheit einige Freunde, bevor unser Umzug statt findet. Daher haben wir uns am letzten Wochenende in England getroffen.

Ich bin am Freitagabend von München aus nach Stansted geflogen. Ich dachte, ich hätte mit Lufthansa gebucht, aber sie haben mir einen Flug mit Eurowings angedreht. Der kam eine Stunde später als geplant. Ich hatte schon nachmittags leichte Kopfschmerze im Büro gehabt. Im Flugzeug wurde es zu einer richtigen Migräne mit Übelkeit und allem. Zum Glück hatte die Stewardess Aspirin. Gepriesen sei diese Frau. Nochmal zum Glück hatte ich einen Sitzplatz in der allerletzten Reihe und keine Sitznachbarn, obwohl das Flugzeug recht voll war. Ich konnte mich hinlegen und schlafen. Beim Aussteigen ging es schon besser.

Die Freunde leben in Cambridge und ich bin mit dem Zug dahin gefahren. Wir haben in der Stadt bei einem Vietnamesen gegessen und sind dann schlafen gegangen. Es war spät. Am Samstag wollten wir den Tag in London verbringen.

Am Vormittag waren der Ehemann und ich alleine unterwegs. Nach ein bisschen Shopping sind wir in Richtung Carnaby Street gegangen. Der Ehemann wollte unbedingt hin. Auf dem Weg sind wir an NOPI[1] vorbei gegangen. Schöne Fotos konnte ich nicht machen, weil sich davor viele Kontainer mit Müll von der Baustelle um die Ecke angereiht hatten. Egal, ich hatte uns einen Tisch für den Abend reserviert.

Wir sind durch die engen Straßen geschlendert und zum Kingly Court gekommen. Ein Hof voll mit Restaurants. Mich interessierte in dem Moment vor allem die Toiletten, und ich muss sagen, ich habe selten welche gesehen, die dreckiger waren als dort. Von vier waren zwei völlig unbenutzbar, und die dritte war besetzt. Was bringt Frauen dazu, sich so ekelhaft zu verhalten? Der Ehemann erlebt sowas nie.

Von Carnaby Street war der Ehemann enttäuscht. Die Straße hat viel von ihrem ursprünglichen Charakter verloren. Jetzt findet man nur noch mainstream Läden, wie überall. Die Schlange vor dem Cupcake Laden war beeindruckend. Ein Kunde in der Schlange trug sogar ein T-Shirt vom Laden. Hardcore Cupcake Fan. Auf den Fotos sind die Leute ohne erkennbare Gesichter, Datenschutz oblige.

Wir sind einfach so ohne Ziel gelaufen. Auf dem Weg zum Piccadilly Circus sind wir am italienischen Restaurant von Jamie Oliver vorbei gelatscht. Kurz danach haben wir die Demo zum „Exit From Brexit“ getroffen. Es waren sehr viele Leute da, ich schätze, noch mehr als beim March For Science letztes Jahr in Berlin.

Am alten War Office konnte man das London Eye sehen und ich habe vorgeschlagen, dahin zu gehen. Auf dem Weg ging’s durch die Whitehall Gardens (klein). Die Themse haben wir über die Golden Jubilee Bridges überquert. Auf der anderen Seite der Brücke war viel los. Hier ist die Touris-Ecke. Die Schlange zum Riesenrad war auch riesig, und ich habe beschlossen, dass es doch nicht so spannend sein kann. Es war sowieso wolkig, die Aussicht konnte nicht so toll sein. Dazu kommt die Umweltverschmutzung, die in London beachtlich ist und die Luft noch trüber macht.

Wir haben uns auf den Weg zum Hyde Park gemacht, wo wir uns mit den Freunden vom Ehemann treffen wollten. In dem Park leben viele Tiere. Die Eichhörnchen fand ich süß. Die bunten Sittiche hatte ich nicht erwartet. Auf der Arche von Henry Moore ist ein Reiher gelandet.

Beim überqueren der Serpentine ist uns das letzte Werk von Christo aufgefallen, eine schwebende ‚Mastaba‘, die aus über 7000 Ölfässern besteht. Auf der anderen Seite der Brücke sind wir zum Diana Memorial gekommen. Der Anblick von den Kindern, die bei der Hitze im Wasser gespielt haben, war zu verlockend. Ich habe die Ballerinas ausgezogen und bin auch im Wasser geplatscht.

Wir haben anschließend ein Glas in einem Kneipengarten getrunken. Es gab viele Familien von Enten, Schwänen und Blässhühnern mit putzigen Kindern unterwegs. Die Kastanien waren am blühen. Ziemlich spät. Ich erinnere mich, dass wir mal im Biergarten am chinesischen Turm Ende April waren, als die Kastanien in München geblüht hatten.

Endlich war es Zeit, essen zu gehen… Auf dem Weg haben wir uns das Albert Memorial angeschaut. Um das Memorial befinden sich vier Gruppen von Statuen, eine pro Kontinent. Äh. Kurze Pause. Ich hatte doch in der Schule von fünf Kontinenten erzählt bekommen… Ach so. Nicht mal Wikipedia ist sich einig, wie viele es gibt.

Als ich vor Europa stand, kam eine kleine Gruppe von Jugendlichen vorbei. „Also, mit Europa hat das nichts zu tun“, meinte einer autoritativ auf Englisch, der offensichtlich noch nie was von griechischer Mythologie gehört hat.

Zum Schluß, das, worauf ich mich die ganze Zeit gefreut hatte: Abendessen bei NOPI! Es war nicht so voll. Ich hatte spät gebucht, aber ich hätte mehr Gäste erwartet. Vielleicht sind sie jetzt alle beim ROVI[1]. Ich war schon mal hier essen, in November mit Kate, aber damals hatte mich der Akku von meinem Handy im Stich gelassen. Diesmal hatte ich die Kamera dabei. Für Aufnahmen bei schwachem Licht ist sie leider nicht gut. Ich wollte auch nicht mit Blitz Fotos machen, wir waren primär zum essen da und die anderen Gäste wollte ich nicht stören.

Nach einem Aperitiv (Jasmine & Edelflower „tea“ für mich), sind wir nach unten gegangen. „Downstairs“ ist die Karte nicht so ausführlich wie „Upstairs“, dafür hat man den Blick zur Küche. Man sitzt an großen Tischen mit anderen Gästen zusammen.

Wir haben uns viele Vorspeisen zum Teilen bestellt, die nicht alle fotografiert wurden. Auf den Kohlrabi-Apfel-Salat war ich sehr gespannt und ich war begeistert! Die getrüffelte Polenta-Stäbchen wollte der Ehemann haben. Die hatte ich schon zu Hause gemacht. Als Nachtisch habe ich die Financiers bestellt. Eigentlich konnte ich nicht mehr. Aber es musste probiert werden. Wir haben sie uns geteilt.

Zum Schluß ein Besuch der Toiletten mit den vielen Spiegeln, viel erfreulicher als am Vormittag in Kingly Court (und ja, das bin ich):

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[1] Unbezahlte Werbung, da Verlinkung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Der botanische Garten in Cambridge

Bevor die Tagung anfängt, habe ich mir ein bisschen Zeit genommen und den botanischen Garten besucht. Die wichtigsten Touristenattraktionen hatte ich schon bei meinem ersten Aufenthalt in der Gegend besucht, und auch wenn es schön war, wollte ich etwas anderes sehen. Also ab zum botanischen Garten, der auch noch nicht weit vom Hauptbahnhof liegt.

Den ersten Eingang zum botanischen Garten konnte ich nicht benutzen, weil ich zeitgleich mit einer Militärparade die Bahnhofstraße runter gegangen bin, und der Eingang direkt hinter einem Denkmal für die gefallenen Soldaten im ersten Weltkrieg liegt. Heute gab es vor dem Denkmal eine Zeremonie, mit Schweigeminuten und Gedichten und Hymnen, das Publikum hat sogar mitgesungen. Aber deswegen war der Eingang zum botanischen Garten gesperrt. Ich habe den Eingang von der Bateman Street benutzt.

Der Garten selbst ist sehr schön und ordentlich angelegt. Von weitem nicht so groß wie in Berlin, jedoch gab es viele Pflanzenarten und Bäume die ich noch nicht kannte. Die Skabiosen, die ich auch bei uns auf der Terrasse gepflanzt haben, scheinen sich hier recht wohl zu fühlen. Einige Bäume sind für Kinder mit Augen am Stamm gekennzeichnet, und sie werden dazu aufgefordert, Samen oder Äste zu sammeln, um sich einen Zauberstab zu basteln. Wie die Buche, die aus zwei Buchen „gebastelt“ wurde.

Die wunderschöne Katze, die mehrmals an mir vorbei gerauscht ist, hat sich anscheinend ihr Zuhause im botanischen Garten gemacht. Während meines ganzen Besuches hörte ich von überall kleine Kinder, die plötzlich so aufgeregt „Kitty! Kitty!“ gerufen haben. Wenn sie wüssten, wie die Katze ein graues Eichhörnchen einen Baum hoch gejagt hat…

In Cambridge ist es gerade nicht sehr warm, seit gestern bin ich nur am Frieren, und nach einer Weile musste ich zu den Gewächshäusern gehen. Bei den Kakteen hat mir der „Hasenohrenkaktus“ besonders gefallen. Ganz viele atemberaubenden Blumen waren zu sehen, zu viele, um alle zu zeigen. Vor allem die, die wie ein bunter Vogelkopf aussieht und deren Namen ich mir nie merken kann. Sie darf in keinem botanischen Garten fehlen. Das Gebäude selbst wirkt recht gemütlich, aus Holz und mit genug Sitzplätzen, um in Ruhe und in der Wärme zu entspannen.

Zum Schluß gab es noch eine Tasse Kaffee mit Pastry im Café des Gartens, und schnell zurück zum Hotel. Mittlerweile ist es sehr windig und bedeckt geworden. Mir ist es so kalt hier!


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Morgen zurück nach Hause

Ich freue mich.

Der interessanteste Teil des Kurses ist vorbei, jetzt gibt es nur noch Themen, die mit meiner Arbeit gar nichts zu tun haben. Ich höre zu, aber ich zweifle daran, dass ich sie je beruflich anwenden werde. Daher fiel es mir heute Nachmittag schwer, bei einer Übung mit zu machen, vor allem, da die Serverkapazitäten wieder überfordert waren. Die Präsentation davor hatte mich schon genervt, so unprofessionell wie sie vorbereitet war: Es gibt anscheinend noch Leute, die es schaffen, mit einer blauen Schrift auf einem dunkel blauen Hintergrund zu schreiben und sich wundern, dass es auf der Projektion nicht zu lesen ist. Draußen war das Wetter so schön, ich habe für eine halbe Stunde den Raum verlassen und die Sonne genossen. Ich bin erst bei der Kaffeepause wieder aufgetaucht. Das war eine gut ausgenutzte Gelegenheit, weil die Wolken schon zurück gekommen sind.

Ich gehe bald zur Mensa. Es wäre unhöflich, einfach nicht hinzugehen und mit den anderen Teilnehmern nicht zu reden. So empfinde ich es mindestens, auch wenn ich mich wie ein Dinausorier fühle (die sind alle Doktoranden und mindestens zehn Jahre jünger als ich). Es war eine harte Woche, was meine Kalorienannahme betrifft, ich warte nur darauf, zurück zum Fitness-Studio zu gehen. Gestern Abend haben wir bei einem College in Cambridge gegessen. Alles sehr lecker.

Martin will mich morgen Abend am Flughafen abholen. Es freut mich. Ich vermisse ihn. Er hat sich diese Woche um meine Mieze gekümmert und sogar bei mir geschlafen, damit sie sich nicht zu sehr verlassen fühlt. Trotz seiner Allergie. Ich bin gespannt, wie sie sich verhält, wenn ich nach Hause komme.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

SXF – STN und weiter

Ich bin diese Woche auf Dienstreise in England. Ich soll einen Kurs besuchen, der es mir erlauben sollte, eine bessere Ahnung davon zu haben, was die Nutzer unserer Geräte machen. Mit meiner täglichen Arbeit hat es eigentlich nichts zu tun und ich sehe nicht, was es mir bringen sollte.

Ich wäre auf die Idee nie gekommen, wenn Winfried, unser Ersatzchef, es mir in November nicht erwähnt hätte. Von dem Kurs hätte ich sonst nichts erfahren. Als er mich eine Woche später fragte, ob ich mich schon zum Kurs angemeldet hatte, wurde mir klar, dass er es wirklich von mir erwartete. Ich habe mich beworben und wurde für den Kurs angenommen. Meine Begeisterung ist nicht sehr groß. Dazu kommt, dass Uschi völlig überrascht war, als ich ihm davon erzählte und meinte, ich würde ihn dazu zwingen, mich zum Kurs gehen zu lassen, weil er schon vergessen hatte, dass Winfried mit ihm darüber diskutiert hatte. Jetzt sieht es so aus, als ob es mein Wunsch gewesen wäre.

Ich habe einen Flug mit Ryanair für heute Morgen um 09:35 von Schönefeld aus gebucht. Das heißt, ich musste heute um halb sieben aufstehen, um eine Stunde später am Flughafen zu sein. Martin hatte sich das Auto von seinem Vater ausgeliehen, um mich bequem dahin begleiten zu können, obwohl ich unweit von meiner Wohnung eine Haltestelle für eine direkte Buslinie bis zum Flughafen habe. Blöderweise sind wir auf dem Weg geblitzt worden. Er muss ganz knapp über 50km/h gewesen sein, mit der Anzeige kann man das nicht so genau ablesen (ein Tachometer mit Nadel).

Wir wollten am Flughafen frühstücken. Ich habe mein Gepäck abgegeben und wir sind zum einzigen Café im Erdgeschoss gegangen. Wenn ich eine Liste der zehn schlechtesten Frühstücken in meinem Leben führen würde, hätte sich dieses Café jetzt einen Platz dabei verdient*. Die Kellner konnten/wollten kein Englisch reden und haben sich mit der italienischen Gruppe vor mir in der Schlange zur Kasse sehr unfreundlich verhalten. Als der letzte Italiener mit wiederholten Fragen auf Deutsch bombardiert wurde und nichts davon verstand, hat er kurz zweimal mit der Münze in seiner Hand gegen die Theke geklopft, was die Kellnerin sofort dazu gebracht hat, eine Kopfschmerzmiene anzusetzen und ihn anzubellen. Die selbe Kellnerin hat danach während fast unseres gesamten Aufenthaltes im Café Orangen in einer elektrischen Maschine gepresst, die so laut war, dass man sich kaum unterhalten konnte. Ich war zusätzlich über das Café geärgert, weil ich im Nachhinein festgestellt habe, dass ich ein Frühstück bestellt hatte und der Kellner mir die Einzelpreise angerechnet hatte, statt das Frühstücksangebot zu berücksichtigen, was natürlich teurer war.

Mit Ryanair war ich noch nie geflogen, und von Schönefeld aus auch nicht. Der Weg bis zur Wartezone war sehr lang. Wir sind entlang eines engen Korridors gegangen, wo Leute für andere Flüge in Schlangen standen, ohne irgendeine Sitzmöglichkeit. Ich empfand es als eine unverschämte Zumutung, und dachte schon, das gleiche würde mich erwarten. Aber ich war so früh da, dass sehr wenige Leute aus meinem Flug vor mir standen. Ich habe den Grund der Schlangen verstanden: Vor jedem Wartezimmer war eine kleine Kabine, in der zwei Mitarbeiter die Pässe aller Passagiere geprüft haben. Danach wurden erneut die Pässe mit den Flugkarten verglichen. Der Warteraum selbst war schlimm. Es war offensichtlich, dass der Raum nur dafür da war, Zweibeiner so lange zu parken, bis sie zu einem anderen Ort transportiert werden können. Sitzplätze waren nicht hinreichend vorausgesehen. Nichts wurde gemacht, um den Komfort nur ein bisschen zu erhöhen. Keine Möglichkeit, etwas zu kaufen. Wir saßen hinter riesigen Glastür direkt vor der Parkfläche von Fliegern. Die gekippten Fenster haben einen üblen Geruch reingelassen. Sehr schnell gab es so viele Leute in dem Raum, dass es nicht genug Sitzplätze gab. So verging eine halbe Stunde.

Als der Flugzeug bereit gestellt wurde, konnten wir einsteigen. Mit meiner Karte durfte ich mit der ersten Gruppe einsteigen. Den Grund dafür habe ich nicht verstanden. Mein Sitzplatz war am Gang, warum sollte ich vor meinen Sitznachbarn einsteigen dürfen? Natürlich gab es Chaos, bis alle zu ihren Sitzplätzen gelangen konnten. Es gibt tatsächlich Leute, die den ganzen Tag dafür bezahlt werden, eine effiziente Prozedur zum schnellen Einstieg zu entwickeln, sich die Mühe gegeben haben, die Einstiegsreihenfolge auf die Passagierkarten hinzuzufügen, um zu einem solchen Mist als Ergebnis anzukommen. Als wir endlich gestartet sind, nachdem sich der Pilot mehrmals über die Passagiere für ihre Unfähigkeit, schnell zu sitzen, geärgert hat, dachte ich, ich könnte den Rest meiner kurzen Nacht weiter schlafen. So einfach ging es nicht. Zuerst die Sicherheitseinweisung. Klar, die muss es geben. Dann wurde auf die „Gastronomie“-Angebote hingewiesen, die wir schon beim Einsteigen in die Hände gedrückt bekommen hatten. Obwohl ich ganz normal saß, hat es eine Stewardess in der Zeit zwei Mal geschafft, mich beim Vorbeigehen anzurempeln, ohne sich dafür zu entschuldigen. Dann kam der Speisewagen. Die Stewardess hat die Tür des Wagens gegen mein Sessel geknallt. Danach hatten wir die ganzen Duty-Free Produkte. Es folgte noch eine Aufforderung, an ein Gewinnspiel teilzunehmen, um Geld für kranke Kinder zu spenden. Eine Migräne hat sich installiert und mich nicht mehr verlassen.

In Stansted konnte ich am Automat Geld holen. Ich dachte zuerst, ich könnte meine Euros wechseln, aber die Rate war mir zu hoch. Als ich dies dem Mitarbeiter am Schalter sagte, änderte er plötzlich „nur für mich“ die Rate für die Rechnung, aber am Automat war’s noch günstiger. Das heißt, wenn keine Gebühr für die Nutzung meiner Karte im Ausland kassiert wird. Irgendwie wird man immer verarscht. Die Suche nach der richtigen Zuggesellschaft hat gedauert. Überall sieht man diese Stansted Express Schalter, aber sie fahren nur nach London. Als ich meine Karte nach Cambridge kaufen konnte (um die 12£), habe ich mir Fruchtsaft und eine Pastry mit Kartoffeln und Zwiebeln geholt. Es hat die Migräne gelindert. In Cambridge angekommen, musste ich meine Fahrkarte in eine Maschine stecken, um aus dem Bahnhof raus gehen zu können. Blöderweise konnte man die Karte am Ende nicht zurück bekommen, sie ist in der Maschine geblieben. Kein Fehler, es ist so vorgesehen. Mir fehlt jetzt ein Beleg für meine Reisekostenabrechnung.

Der Spaziergang in Cambridge hat mir gut getan. Ich habe viele Orte besucht, Shopping gemacht, und sogar eine Whisky-Flasche erwerben können. Danach musste ich mit dem Bus bis zum Kursort weiter fahren. Ich hatte mir die Verbindung für heute auf Internet ausgesucht, aber was ich gedruckt hatte entspricht nicht der Realität. Es hat eine halbe Stunde, drei verschiedenen Busfahrer und die Rückkehr meiner Migräne gedauert, bis ich festgestellt habe, dass Sonntags doch kein Bus zu meinem Zielort fährt (ein Dorf mit 320 Einwohner mitten im Nichts). Ich habe beschlossen, dahin mit dem Taxi zu fahren (25£). Mir wurde während der Fahrt schlecht. An der Hotelrezeption konnte ich für 1£ eine Dose Paracetamol kaufen. Die Organisatorin des Kurses hatte uns einen Tisch im lokalen Pub für heute Abend gebucht, aber mir geht’s nicht gut genug. Der Kurs fängt eh erst morgen an.

  • Ein in Erinnerung gebliebenes Frühstück war ebenfalls in Berlin, während einer Fachtagung vor gut sieben Jahren, in einem Hotel. Der Frühstückraum war im Untergeschoss. Über dem Büfett war ein Hotelzimmer. Der Gast war zum Frühstück herunter gegangen und hatte dabei vergessen, den Wasserhahn im Badezimmer zuzudrehen. Die einzelnen Platten an der Decke haben sich verdächtig gebogen, bis Wasser auf einmal zum Büfett geflossen ist.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.