Beim Standesamt

Ich hatte es seit einiger Zeit geplant, erst gestern kam ich dazu. Es wurde auf der Internetseite darauf hingewiesen, dass Anträge auf Einbürgerung erst nach einer persönlichen Besprechung ausgehändigt werden. Ich hatte Martin gebeten, mich dahin zu begleiten, da ich schon schlechte Erfahrungen mit Ausländerbehörden gemacht hatte. Was sich manche Bearbeiter der Stadt erlauben, wenn sie einzelne Ausländer sich gegenüber haben, muss man erlebt haben, um es zu glauben. Ich bin selbst vor elf Jahren nach Beendigung meiner Promotion in Aachen von der damaligen Bearbeiterin für französische Bürger beim Ausländeramt hysterisch angebrüllt worden, ich sollte zurück kehren, wo ich her komme. Einen Zeugen wollte ich diesmal dabei haben.

Es ging ziemlich schnell. Wir haben lange gesucht, bis wir den richtigen Zimmer gefunden haben. Die Frau hat sich freundlich verhalten. Sie hat mir Fragen gestellt, um vor allem sicher zu sein, dass ich kein Geld vom Staat abzocken will: Was ich beruflich mache, wie lange ich Steuer bezahlt habe… Als ich sagte, dass ich promoviert bin, meinte sie gleich, kluge Leute wären gefragt. Die Frage nach meinen terroristischen Aktivitäten wurde auch gestellt. Wir haben schnell gesehen, dass nichts gegen eine Einbürgerung spricht. Was ich natürlich mit Belegen beweisen muss. Der Antrag ist zwölf Seiten lang, davon drei als Merkblatt. Ein Führungszeugnis wird sie beantragen. Ich kenne das schon, schließlich wird jeder auch so geprüft, der in einem Forschungsreaktor Experimente machen will. Die Einbürgerungsgebühren betragen 255€. Ich bin gespannt, wie es laufen wird. Es dauert ein halbes Jahr, bis der Antrag bearbeitet wird.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.