Der Einbruch

Ich lag nachtsüber in meinem Bett. Ein Einzelbett. Es war dunkel. In einem anderen Einzelbett nicht weit von mir schlief „mein Mann“.

Plötzlich wachte er auf und sagte, „es riecht nach Brand“. Ich habe nichts derart gerochen und habe getan, als ob ich weiter schlafen würde. Zu sehen war nichts, außer einer orangefarbigen Lichtquelle, die vom Schalter einer Lampe unter dem Fenster kam. Soll er doch selber aufstehen, wenn er Gerüche erfindet. Er ist aufgestanden.

Als er nicht zurück kam, bin ich ihm doch gefolgt. Im Nachbarraum, der wie ein riesiger Speisesaal aussah, stand er fassungslos da. Der Raum sah verwüstet aus. Die Fensterscheiben waren zerbrochen und der Wind laß die langen Vorhänge tanzen. Alle Möbelstücke waren zerstört. Der Boden war voll mit Holzsplittern bedeckt. Alle seine teure Gemälde waren aus den Wänden verschwunden. Es war seine Wohnung, nicht meine. Ich habe ihn lange wortlos umarmt. Er sah wie ein Gentleman vom neunzigsten Jahrhundert aus, mit altmodischen Kleidern und einem langen dünnen Schnurrbart.

Nach einer Zeit habe ich ihm vorgeschlagen, mit mir nach Düsseldorf umzuziehen. Ich würde einen neuen Job finden, viel Geld verdienen, und damit eine Überwachungsanlage mit vielen Lasern in unsere neue Wohnung bauen lassen. Drei pro Fenster. „Warum Düsseldorf?“ wollte er wissen. Aber im Grunde wollte er auch weg von hier. Dieses Haus erinnerte ihn zu sehr an seine erste Frau, die lange nicht mehr bei ihm war. War sie gestorben? Ich wusste es nicht wirklich, aber es war ihm schmerzhaft.

Ich bin aufgewacht. Ich glaube, ich habe laute Nachbarn im Hotel heute Nacht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Einbruch

Ich war im Haus meiner Eltern, mit meiner Katze. Im Wohnzimmer hatte ich meinen Arbeitsplatz mit Rechner. Ich habe dort den ganzen Nachmittag gesessen. Eine weitere weibliche Person war anwesend, die ich nicht kannte und kaum gesehen habe. Ich habe mich nur um meinen Kram gekümmert.

Als ich fertig war und gehen wollte, habe ich gemerkt, wie der Bereich links vom Arbeitsplatz, der durch einen Raumtrenner versteckt war, unordentlich war. Auf dem Couchtisch war nichts mehr vorhanden. Der Regal links vom Tisch wurde aufgeräumt, Sachen lagen auf dem Boden verteilt, sowie zerknitterte Papierbälle, mit denen meine Katze spielte. Selbst mein Rechner[1] war verschwunden, musste ich Martin (auf Deutsch) erzählen, der gerade aufgetaucht war und fragte, was los war. Mit dem Verschwinden vom Rechner hatte ich viele Fotos verloren, die ich auf meine Speicherkarten nicht behalten hatte. Ich war sehr geärgert darüber.

Ich habe mich so blöd gefühlt. Wie konnte ich nichts mitbekommen, obwohl ich mich im gleichen Raum befunden habe? Die Einbrecher mussten wirklich sehr leise gewesen sein, damit ich nichts merke. Wie konnten sie denn ins Haus eindringen? Martin meinte, bestimmt nicht durch die Haustür, sie ist zu laut, wenn man sie öffnet, ich hätte sie schon gehört. Oder durch die Fenster, habe ich gedacht, falls die unbekannte Frau, die noch im Haus war, gerade am Lüften war, wie meine Mami es früher jeden Morgen getan hatte. Es war doch unwahrscheinlich, weil die Fenster mit Klappläden aus Holz ausgestattet sind, die wir im Sommer als Sonnenschutz halb geschlossen lassen. Der Platz hätte nicht gereicht.

Es sei denn, jemand hätte die Einbrecher im Haus eingeladen. Wer war eigentlich diese Frau, die noch im Haus war? Wir haben sie gesucht und draußen gefunden. Hinter dem Haus befand sich eine kleine Kneipenterrasse, wo Leute auf ihr Frühstück warteten. Die Frau war die Kellnerin und dabei beschäftigt, Spiegeleier zu braten. An einem kleinen weißen runden Tisch saßen zwei Männer, die mir sehr verdächtig vorkamen. Beide trugen einen kurzen Bart, der genau dem Umriss vom Kinn bis zu den Ohren folgte. Es hat mich an die jüngsten Fernsehberichte aus Syrien erinnert. Sie haben mich genau angeschaut, und ich wusste, dass sie für den Einbruch verantwortlich waren. Beweise hatte ich leider nicht.

[1] Mit dem ich die ganze Zeit gearbeitet hatte, wohlgemerkt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.