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Der Ehemann ist übers Wochenende unterwegs. Bekannte aus seiner Familie feiern, und er wollte unbedingt hin. Schon wieder nach Berlin. Mir wurde es zu viel. Ich hab’s für seine beste Kumpels mitgemacht, wir waren im Mai zweimal dort, dann zuletzt zum Geburtstag vom Schwiegervater vor vier Wochen, aber diesmal wollte ich nicht mit. Was sich gut trifft, da mich mal wieder die Unannehmlichkeiten des Weibseins mit voller Wucht treffen. Da bleibe ich lieber zu Hause.

Dafür gibt’s ein leckeres Abendessen, wenn er heute Abend zurück kommt:

  • Tomatenessenz, mit gelber Tomate. Die pürierten Roma-Tomaten vom Markt tropfen schon seit gestern Abend im Mulltuch vor sich hin. Ich frage mich, was ich aus dem Rest der Tomaten machen kann. Weg schmeißen wäre doch Verschwendung. Vielleicht als Bodenbelag für eine Pizza? Zur Tomatenessenz gibt es eine in Würfeln geschnittene große gelbe Tomate, deren Name ich mir nicht merken konnte. Die Verkäuferin am Stand hat mir gestern einige Exemplare von alten Tomatensorten vorgestellt, die sie selber anbauen.
  • Mehlierte Butterfly-Sardinen. Der Ehemann liebt Sardinen. Die haben wir beim Fisch-Händler letzte Woche bestellt.
  • Dazu im Backofen gegrillte gelbe Paprika.
  • Auf der Tafel unerwähnt, ein fantastisch leckeres Finnenbrot von der neuen Bäckerei bei der Arbeit.
  • Zitronencreme.

Wobei, auf den Sancerre verzichten wir vielleicht besser, nachdem der Ehemann mir heute Nacht um 02:15 diese letzte kryptische Nachricht geschickt hat: „mo4g4,,,,,“. Was auch immer er damit ausdrucken wollte. Der Junge ist ohne mich so unvernünftig… Hoffentlich kommt er heil nach Hause. Wenigstens fährt er nicht selber.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Nochmal Arbeit suchen

So ist es: Nach dreieinhalb Monaten ist der Ehemann gekündigt worden. Es kam ziemlich überraschend. Für ihn und für seine Kollegen.

Dass es nicht so super lief, hatte ich schon gemerkt. Er war für eine bestimmte Tätigkeit eingestellt worden, die er aufgrund seiner bisherigen Erfahrung auch gut kann. Aber als sein Vertrag anfing, ist er erstmal zu anderen dringenden Projekten zugeteilt worden, und zuletzt, um Software-Entwicklung zu machen. Kann er auch, aber sein Beruf ist es nicht und dafür ist er nicht zur Firma gekommen.

Er hat seine Aufgaben gemacht, und mit seinen Kollegen kam er gut klar. Mit seinem Chef gab es kaum Gespräche über seine Leistung, aber die Gruppenleiterin mit der er zu tun hatte war zufrieden. Als der Ehemann vor zwei Wochen erzählte, er würde endlich mit seiner eigentlichen Aufgabe anfangen dürfen, dachte ich, es geht doch.

Nicht. Am Freitag gab es ein Gespräch mit dem Chef, und die Kündigung kam ohne Vorwarnung. Eine Begründung gab es auch kaum, denn er hatte keine Vorwürfe und meinte, es wäre allein sein Fehler gewesen, den Ehemann einzustellen. Wobei er doch meinte, er hätte erwartet, dass er die Aufgabe, für die er eingestellt wurde aber erst vor zwei Wochen anfangen durfte, viel schneller erledigt hätte. Und überhaupt, so wichtig ist diese Aufgabe auch nicht.

Als die Gruppenleiterin danach diese Aussage vom Ehemann hörte, konnte sie es nicht fassen, denn Bedarf an seine Arbeit hat sie wohl. Aber scheinbar hat sie auch nicht mit dem Chef geredet, oder reden können. Der Ehemann erzählte, die Kollegen wären der Meinung, der Chef hätte den Überblick über die Abläufe in der Firma verloren und würde in letzter Zeit komische Entscheidungen treffen. Da man in der Probezeit ohne besondere Begründung innerhalb zwei Wochen jeden kündigen darf, ist der Ehemann seit gestern beurlaubt. Bei der Arbeitsagentur war er schon.

Erwähnenswert ist auch die Tatsache dass eine andere Kollegin, die im Sommer angefangen hat, sich mit dem Chef gestritten hat und in Folge dessen selber gekündigt hat. Bei wem soll sie demnächst eine neue Stelle antreten? Bei meiner Firma. Zufälle gibt’s. Für den Ehemann haben wir leider keinen Bedarf.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Schon wieder Strohwitwe

Das war ich letzte Woche von Montag bis Donnerstag. Diese Woche soll es bis Freitag dauern.

Es ist viel häufiger, als beim Unterschreiben von seinem Vertrag vereinbart wurde. So macht es ihm kein Spaß, nur noch unterwegs bei Kunden zu sein, und aus Zeitmangel nicht mehr an der Entwicklung von Geräten beteiligt zu sein.

Es hat sicherlich nicht geholfen, dass sein ehemaliger Kollege nach Ende seines Vertrages nicht weiter beschäftigt wurde. Sein Arbeitgeber ist recht geizig, und hat sich gehofft, dadurch Geld zu sparen. So ist mein armer Ehemann jetzt der Einzige, der diese Service-Tätigkeit bei Kunden ausführt. Mehr Gehalt bekommt er dafür natürlich nicht. Das ist blöd, weil man echt naiv sein muss, um zu glauben, dass ein Arbeitnehmer sich bei der Qualifikation für so einen niedrigen Lohn zu einer Firma verpflichtet fühlen muss. Nebenbei hat er schon woanders Vorstellungsgespräche bekommen, und ich hoffe sehr, dass eines davon klappen wird. Sein Arbeitgeber wird blöd gucken, wenn er seine Kündigung einreicht.

Ich bin diese Woche jedenfalls wieder alleine. Das heißt, ich habe keine Ausrede, abends nach der Arbeit nicht zum Sport zu gehen. Ich war heute beim Fitness-Studio. Da ich spät gearbeitet habe, war ich erst um acht dort, und habe weniger als sonst gemacht. Nur eine halbe Stunde auf dem Ergometer, nicht zwei. Beim Geräte-Training das übliche Programm. So war ich vor zehn zu Hause. Gegessen hatte ich noch nicht. Es gab Gemüse, das von gestern übrig geblieben war.

Bei der letzten Dienstreise habe ich trotz zweimal Joggen und Hungerportionen mittags einen Kilogramm zugelegt. Vermutlich habe ich abends in Restaurants zu viel kompensiert. Mein Gewicht ist seit meiner Rückkehr stabil. Ich will aber noch weiter abnehmen, bis ich bei einem BMI von 21 lande. Das wäre großartig. Ich muss ganz klar aufhören, mittags mit den Kollegen essen zu gehen. So habe ich keine Kontrolle über meine Kalorienzufuhr.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Harte Nacht

Wir sind gestern ganz früh ins Bett gegangen. Wir haben mit dem Schwiegervater und einer Nichte in einem Lokal gegessen. Ich hatte mir den ganzen Tag ein schönes Kaloriendefizit aufgebaut, um ohne Reue den Abend zu genießen. Schweinerückensteak mit Pfifferlingen und Spätzle. Dazu zwei Biere. Ich hatte es nicht erwartet, weil es nichts Außergewöhnliches war, aber die haben mich mächtig gehauen. Als wir aus dem Lokal gegangen sind, ist mir bewusst geworden, dass ich betrunken war und nur noch schlafen wollte. In der S-Bahn habe ich auf der Schulter vom Ehemann gedöst. Um halb zehn war ich im Bett. Der Ehemann ist mir gefolgt. Wir sind sofort eingeschlafen. Durchgeschlafen haben wir nicht.

Kurz vor Mitternacht hat mich der Ehemann zum ersten Mal geweckt. Er hat etwas von einem Koffer erzählt und ist aus seiner Schlafposition gesprungen, um auf die Bettkante zu sitzen.“Was ist los?“ habe ich gefragt. Er hatte einen Koffer verloren. Da er vorgestern wieder auf Dienstreise geschickt wurde und erst gestern am späten Nachmittag zurück gekommen ist, und da ich gerade aus dem Schlaf gerissen wurde, erschien es mir plausibel. „Was für einen Koffer denn?“ Er hat lange etwas Unverständliches erzählt, wobei ich nur das Wort „Militär“ mitbekommen habe. Ich habe ihn gefragt, ob er noch am Schlafen war, da ich sonst kein Wort verstanden hatte. „Vielleicht, ich habe auch nichts verstanden“, war seine Antwort. Er hat sich wieder hingelegt.

Eine Stunde später bin ich von einem Traum aufgewacht. Am Traum selbst kann ich mich nicht mehr erinnern, außer dass jemand geklingelt hatte. Ich habe gedacht, der Ehemann müsste aufstehen und zur Tür gehen. Bevor ich ihn ansprechen konnte, ist mir aufgefallen, dass es ein Traum gewesen war. Ich bin zur Toilette gegangen, aber der Traum ließ nicht ganz los und ich habe noch den zweiten Schloss der Tür verriegelt, falls ein Eindringling im Haus war.

Eine halbe Stunde später, als ich noch nicht eingeschlafen war, hat der Ehemann gefragt, wem er etwas Unverständliches geben könnte. „Bitte?“ habe ich gefragt. Er ist wach geworden, hat gemerkt, dass er wieder im Schlaf geredet hat und geseufzt.

Als ich noch drei Viertelstunden später den Schlaf suchte, hat er angefangen, ganz aufgeregt zu atmen, und dann „Und Tschüß!“ gerufen. Er klang sehr aufgeregt, daher habe ich versucht, ihn zu beruhigen. Er ist aufgewacht. Da ich noch nicht schlief, habe ich ihn gefragt, mir seinen letzten Traum zu beschreiben. Er war auf einem Gebirge mit Leuten unterwegs, es war sehr windig, und ein Mann ist mit dem Wind weg geflogen. Daher hatte er Tschüß gerufen. Ich konnte nur noch lachen.

Es war inzwischen fast drei Uhr morgens. Ich dachte, ich würde lange vergeblich versuchen, wieder einzuschlafen. Es ist mir doch recht schnell gelungen. Ich weiß es, weil ich einen unangenehmen Traum hatte:

Die Ransomware

Ich saß an meinem Rechner in meinem ehemaligen Kinderzimmer unserer Villa in Südfrankreich. Meine Mami lag im Bett, wo früher meine Schwester geschlafen hatte.

Was ich am Rechner genau machte, weiß ich nicht mehr. Ich war unter Windows. Irgendwann habe ich ein merkwürdiges Fenster mit einer Scam-Warnung bekommen. Irgendwas hat angefangen, sich zu installieren. Mein Rechner ist instabil geworden und ich habe keine Kontrolle mehr gehabt. Ich habe kurzzeitig im Vollbildschirm ein Bild bekommen, wo drauf „Ransomware“ stand. Ich habe mich gewundert, warum meine Antivirus-Software nicht reagiert hat. Ich habe versucht, nicht in Panik zu geraten, und habe gedacht, im schlimmsten Fall könnte ich meinen Rechner mit Ubuntu starten, das ich auf einer anderen Festplatte installiert habe.

Ich habe den Rechner neu starten wollen. Die Ransomware hat sich gewehrt und gehindert, dass der Rechner heruntergefahren wird. Ich habe die Tastenkombination Strg + Alt + Entf drücken wollen, aber meine Tastatur sah plötzlich ganz anders aus. Strg und Alt waren an ihren üblichen Plätzen. Entf nicht. Da waren neue bunte Tasten, eine davon hieß Jihad. „Ach du Scheiße“, habe ich gedacht. Ich habe den Power-Knopf lange gedrückt. Der Rechner hat sich ausgeschaltet. So weit so gut.

Beim Hochfahren habe ich nicht das übliche Bild von der Mainboard gesehen. Es ging sofort mit dem Bild der Ransomware los. Ohne GRUB. Zu Ubuntu konnte ich also nicht wechseln. Die Ransomware hat ein Video gestartet. Die Musik war gruselig und laut. Ich habe die Lautsprecher ausgeschaltet. Die Musik lief weiter. Meine Mami hat es gestört, weil sie schlafen wollte. Ich habe versucht, den Rechner auszuschalten. Strg + Alt + Entf hat nicht gewirkt. Der Power-Knopf auch nicht. Das Video lief weiter. Als ich auf den Bildschirm geschaut habe, standen zwei Männer in weißen Gewändern. Beide trugen einen Turban. Von der Seite, nicht zu sehen, hat jemand plötzlich mit einem Säbel den Kopf vom Mann rechts abgetrennt. Blut hat gespritzt, als der Kopf nach vorne fiel. Meine Mami hat gesagt, sowas wollte sie nicht vor dem Einschlafen gesehen haben. Da der Rechner sich nicht herunterfahren ließ, habe ich am Ende beschlossen, die unterbrechungsfreie Stromversorgung, an die mein Rechner immer hängt, auszuschalten. Endlich war Ruhe.

Ich habe die Fensterläden geschlossen. Meine Mami hat auf ihrem Handy einen Anruf bekommen. Meine Schwester war es, die sie mitten in der Nacht angerufen hatte. Da sie gerade hochschwanger ist, hat meine Mami sofort gefragt, ob sie ein Problem hätte.

Ich bin aufgewacht. Vier Uhr morgens. Der Rest der Nacht verlief zum Glück ruhiger.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Schlaflos

Ätzend. Es hat am Wochenende angefangen.

Am Samstag musste ich mal wieder arbeiten. Nicht nur ein paar Stunden morgens wie sonst samstags, sondern von abends bis mitten in der Nacht. Wir haben an der langen Nacht der Wissenschaften teilgenommen. Offizieller Schluss war um halb eins. Danach mussten wir aufräumen. Es war halb drei, als ich zu Hause im Bett lag.

Am Sonntag war ich so platt, dass ich bis kurz vor Mittag geschlafen habe. Und am späten Nachmittag lag der Ehemann für ein Nickerchen auf der Couch — das macht er häufig, seitdem er blutdrucksenkende Medikamente einnimmt. Ich habe mich ausnahmsweise neben ihm hingelegt und zwei Stunden geschlafen. Hätte ich nicht machen sollen. Ich konnte in der folgenden Nacht bis fünf Uhr morgens gar nicht einschlafen. Als der Wecker am Montag um sieben los ging, habe ich beschlossen, noch zwei Stunden im Bett zu bleiben. Davon habe ich eine Stunde schlafen können. Ich wusste, dass ich an dem Tag sowieso spät im Labor bleiben musste. Erst um acht habe ich Feierabend gemacht.

Am Montagabend bin ich um elf ins Bett gegangen. Ich musste gestern ganz früh bei der Arbeit sein. Einschlafen konnte ich gut, nachdem der Ehemann den Fernseher ausgeschaltet hat und ebenfalls ins Bett gekommen ist. Es war schon Mitternacht. Kurz vor vier bin ich aufgewacht. Der Ehemann fummelte gerade mit der Verpackung von einem Tablett und hat anschließend von seiner Wasserflasche getrunken. Er hatte Sodbrennen bekommen, hat er mir gestern erklärt. Ich konnte danach nicht mehr schlafen. Erst wurde es mir zu warm, dann, als ich beim Einschlafen war, hat er angefangen zu schnarchen. Um fünf habe ich beschlossen, den Rest der Nacht auf der Couch im Wohnzimmer zu verbringen. Schlafen konnte ich trotzdem nicht mehr. Ohne Unterlage ist die Leder-Couch nicht gut zum schlafen geeignet. Um viertel von sechs bin ich aufgestanden. Ich musste eh um sieben aus dem Haus.

Ich hatte also große Hoffnungen, diese Nacht meinen Schlaf einzuholen. Pustekuchen. Um drei hat mich der Gatte mit einem Schreck geweckt. Er ist auf einmal aus dem Bett gesprungen. Richtig gesprungen. Ich habe gedacht, er spinnt total. Ich habe im dunklen Raum seine Silhouette beim Stehen neben dem Bett gesehen. „Was ist los?“ habe ich ihn gefragt. Er hat geseufzt, etwas von seiner Kopfstütze erzählt, und sich wieder hingelegt. Mir wurde schon wieder zu warm zum Schlafen. Ich habe ihn gefragt, mir die dünne Decke von der Couch zu bringen, da er schon mal aufgestanden war. Aber es hat nicht geholfen, weil ich zuerst noch aufgeregt war, und danach das Schnarchen wieder kam. Zurück zur Couch im Wohnzimmer. Diesmal habe ich mir eine andere Decke zur Unterlage mitgenommen. Ich konnte trotzdem nicht schlafen, weil die dünne Decke nicht lang genug ist, und die Couch nicht breit genug, um bequem zu liegen — ich hätte sie auseinander nehmen sollen, und mitten in der Nacht war mir nicht danach.

Um fünf habe ich aufgegeben. Es war schon länger hell, die Plissés sind nicht so abdunkelnd wie im Schlafzimmer, und die Vögel waren so laut auf der Terrasse. Ich werde wieder wie ein Zombie durch den Tag gehen. Mit Schwindelgefühl und Herzrasen beim Gehen, wie gestern. Seit drei Tagen habe ich nur vier Stunden Schlaf pro Nacht geschafft, das ist mir viel zu wenig. Heute Nacht räume ich den Rest vom Nähkram auf meiner Couch in meinem Arbeitszimmer auf und schlafe drauf. Alleine. Und hoffentlich durch. Ich finde, er könnte ruhig mal für die Arbeit wieder auf Dienstreisen geschickt werden.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.