Bestechungsversuch

Es ist dadurch zustande gekommen, dass ich auf Ebay den Verkäufer für die Kommode neutral bewertet habe, zusammen mit einer Angabe der wichtigsten Gründen für meine Unzufriedenheit, die in der knappen Anzahl von Zeichen im Kommentarfeld passten. Eigentlich sollten sie froh sein, dass ich keine negative Bewertung abgegeben habe, ich hatte es kurz in Erwägung gezogen.

Heute Morgen kam eine Email von Finebuy an.

Guten Tag Frau XXXX,
leider musste ich feststellen, dass Sie uns neutral Bewertet haben. Uns liegt viel daran, dass unsere Kunden mit unserem Service zufrieden sind. Ich kontaktiere Sie um die Umstände mit Ihnen zu klären. Wie Sie angegeben haben, waren Sie mit der Lieferung nicht zufrieden. Dafür bitte ich vielmals um Entschuldigung. Aufgrund dieser Umstände möchte ich Ihnen einen Preisnachlass in Höhe von 5 EUR anbieten. Ich würde mich freuen, wenn Sie unsere Entschuldigung annehmen und damit einverstanden sind, dass die Bewertung wieder gelöscht wird. Sie müssten mir bitte nur auf diese Mail antworten, „Ja, ich bin mit der Löschung meiner Bewertung einverstanden.“ Ich veranlasse dann umgehend die Gutschrift in Höhe von 5 EUR! Frau XXXX, ich würde mich freuen, wenn Sie der Rücknahme der Bewertung zustimmen würden und uns die Chance geben unseren Service zu verbessern. […]

Kommt nicht in Frage. Zuerst schicken sie mir eine Email, damit ich eine Bewertung abgebe, dann wollen sie gegen 5€ meine Bewertung löschen dürfen… Beleidigend, für wie billig sie mich halten. Ich hatte noch nicht mal erwähnt, dass in einer kleinen Plastik-Tüte lose Schrauben mit einer Tube von weißem Klebstoff für Holz zusammen gepackt waren, und dass die Tube beim Transport explodiert hatte, was dazu führte, dass die Schrauben erstmal gereinigt werden mussten. Wie trottelig muss man sein, um auf eine solche Idee zu kommen? Ich hatte mich gewundert, dass sie 99,4% positive Rückmeldungen haben, vielleicht liegt es nur an dieser Art von Emails. Es ist nicht das erste Mal, dass ich eine neutrale Bewertung abgebe, aber schon das erste Mal, dass ein Verkäufer versucht, mich dazu zu bringen, meine Bewertung löschen zu lassen. Noch mal: Meine Erlaubnis dazu gebe ich niemals.

Ich wette, als nächste Reaktion auf meiner Bewertung wird es in einigen Tagen eine Antwort unter meinem Kommentar von dem Stil geben:

Austausch oder Kaufpreisrückerstattung angeboten -> keine Reaktion

Das habe ich bei einigen negativen Kommentaren auch gesehen. Als ob am Ende der Käufer daran Schuld wäre, keine zufriedenstellende Lösung gefunden zu haben. Wenn sie alle eine Email mit 5€ Rückerstattung bekommen haben, kann ich gut verstehen, dass sie das Angebot abgelehnt haben.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Neue Woche

Ich glaube, ich habe mich erkältet. Wahrscheinlich heute Morgen, als ich mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren bin. Ich hatte vorher die Wettervorschau geprüft und hatte nur positive Temperaturen gesehen (na ja, knapp über 0°C). Eigentlich war es kälter, es gab einige glatten Stellen am Straßenrand. Ich hatte mich richtig warm angezogen, bin jetzt trotzdem verschnupft. Das mit dem Fitness-Studio habe ich für heute Abend sein lassen. Die Sporttasche ist im Büro geblieben, falls es mir morgen besser geht. Ich habe sowieso am Wochenende genug Sport gemacht, da ich wieder ganz spontan eine über 40km Radtour gemacht habe – und fast zwei Kilos auf dem Weg verloren habe. Nach meinem Besuch bei der Telekom habe ich mich so erleichtert gefühlt, dass ich mich auspowern musste. Es war nicht warm, ich dachte zuerst, ich könnte für die Rückfahrt mit der S-Bahn fahren, aber ich habe doch die ganze Strecke hin und zurück mit dem Fahrrad geschafft. Ich wollte bei Dussmann einkaufen gehen. Zwischendurch habe ich mir einen Kasseler-Teller mit Sauerkraut in einem kleinen deutschen Lokal in Berlin Mitte gegönnt. Der Lokal war richtig süß, ganz pink mit vielen Puppen überall auf die altmodischen Möbeln. Was mich aber vor allem dahin gebracht hatte, war, dass ich Hunger hatte und schon an vielen geschlossenen Lokalen gefahren war. Das Essen war lecker. Und nachdem ich mehrmals die Friedrichsstraße rauf und runter gefahren bin, bevor ich merkte, dass ich um die Baustelle einen Bogen machen musste, darf sogar ein neues Buch meinen Bücherregal schmücken – wenn ich einen Bücherregal hätte, ich muss mir einen kaufen. Alle meine andere Bücher sind noch in den Umzugskartons gepackt.

Ich habe mich auf Ebay umgeschaut und sehr wahrscheinlich meinen Wunsch-Bücherregal gefunden. Ich schaue mir nur neue Waren mit Sofort-Kauf und Lieferung an. Das ist auf Ebay nicht einfach, man kann schon Schrott bekommen. Ich hatte mir vor einigen Jahren eine grasgrüne Stoff-Couch in einem Laden dort bestellt und war begeistert davon. Ganz leicht, ich kann sie selber tragen, im Prinzip sind es nur zwei Matratzen aufeinander gestellt, mit Reißverschluss verbunden und Lehnen. Die kann man sehr einfach in zusätzlichen Betten verwandeln, sie ist schon mehrmals dafür zum Einsatz gekommen. Mit Haushaltswaren war ich auch häufig zufrieden. Vor einem Monat habe ich mir einen Bartisch für die Küche bestellt und fand die Ware nicht so toll. Es sah besser auf dem Bild aus als in Wirklichkeit. Der Tisch ist zu leicht, würde schnell weg fliegen, wenn man mit Schwung dagegen stoßen würde, und die Oberfläche wirkt trotz Beschreibung nicht wirklich wie Holz. Dazu kam, dass ich seit so langer Zeit auf Ebay nicht mehr auf die Herkunft des Produktes aufgepasst habe, und bei einem chinesischen Verkäufer bestellt habe. Ich habe mich schon dabei im Gedanke gesehen, wie ich beim Zoll meinen schweren Paket holen müsste. Zum Glück ist es zu Hause geliefert geworden. Mein letzter Versuch war eine Kommode mit Schubladen für Hauswäsche bei Finebuy. Was ich bekommen habe ist für mich Müll. Zusammen gepresste Holzfaser (ich habe den Namen vom Material vergessen), Griffe von schlechter Qualität und wegen der unsorgfältigen Verpackung im Transport beschädigt, Anleitung für eine andere Kommode ohne Schublade (so schwierig war es aber nicht), und falsche Anzahl von Schrauben, ich habe noch um die 40€ bei OBI gelassen, um mir passable Griffe und fehlende Schrauben zu besorgen. Die Qualität lag deutlich unter dem Preis, auch wenn man es nicht mehr merkt, wenn das Ding fertig gebaut ist. Mal schauen, wie es mit dem Bücherregal wird. Ich weiß jetzt wenigstens, bei wem ich nichts mehr kaufen will.

Und ich hatte es geahnt: Nachdem ich letzte Woche mit dem Studentenpraktikum voll beschäftigt war, und die Woche davor mit der Vorbereitung zum Praktikum, hat mir heute mein Chef, den ich hier ab jetzt Uschi nennen werde (nur er weiß warum), vorgeworfen, zu wenige Fortschritte in meinem Projekt gemacht zu haben. Das heißt, dass ich jetzt Vollgas daran arbeiten muss. Obgleich ich schon zwei Vormittage mit Nutzerbetreuung diese Woche verbringen werde, als Ausgleich dafür, dass ich letzte Woche nicht einsetzbar war. Ich habe mir vorgenommen, zuerst die Installation meines Programms auf seinem Rechner zu prüfen. Er hat einen Mac. Ich habe noch nie damit gearbeitet, habe also keine Admin-Rechte drauf, was sicherlich vernünftig ist, aber es heißt, dass Uschi selber fehlende Programme installieren muss. Zum Beispiel PyQt4. Das läuft nicht so glatt, und er erwartet, dass ich ihm sage, wie es zu installieren ist, obwohl er viel mehr Erfahrung als ich mit dem Betriebssystem hat. Das wird ein Spaß… Wenigstens habe ich Lob für den glatten Ablauf des Praktikums und für meine Vorlesungsteile bekommen.

Ich denke sonst, dass ich nicht mehr verliebt bin. Es war bloß ein Bug, den ich beseitigen konnte. Warum ich denke, dass es vorbei ist, liegt daran, dass Martin mir letzte Woche schon zwei mal – indirekt – vorgeschlagen hatte, etwas zu unternehmen, und ich nicht drauf reagiert habe. Dabei bin ich um den Eisprung gewesen, also die Zeit, wo ich am meisten von Männern angezogen bin. Irgendwie zieht er mich nicht mehr an. Seine unentschloßene Art hat mich zu sehr genervt, und die Tatsache, dass er sich doch komisch im Umgang mit anderen Menschen verhält. Das war mir ein paar mal aufgefallen, aber letzte Woche richtig, als er Mieke kurz im Flur aufhalten wollte und es nicht über sich brachte, sie vollständig am Arm zu packen. Ein Waschlappen halt (auf Französisch würde ich sagen, dass er einen Besenstiel im Po hat – ich denke nicht, dass der Ausdruck auf Deutsch existiert). Ich sehe ihn nicht mehr als Mann sondern als kleiner Junge. Dabei ist er Mitte vierzig. Heute Morgen war ich also überrascht, als wir zu zweit im Büro waren und er meinte, er hätte sich am Wochenende überlegt, ob er nicht ins Kino gehen wollte, und hätte mich natürlich angerufen, falls er sich dafür entschieden hätte. Ob ich nicht beim nächsten Mal mit ihm gehen möchte? Tja, warum nicht, es ist nicht, als ob ich am Wochenende so viel zu tun hätte. Er hat auch zwei Kumpel erwähnt, mit denen er sonst ins Kino geht. Vielleicht wäre da etwas.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.