Der gestohlene Kleiderständer

Mein Traum von vorletzter Nacht.

Ich war mit Kate in meinem Heimatdorf unterwegs. Wir gingen die Hauptstraße hoch bis zur Wohnung meiner Mami. Es war sonnig. Als wir auf halber Höhe der Straße waren, bemerkte ich einen kleinen Laden. Vor seiner geöffneten Tür stand ein Wäscheständer, der mir sehr bekannt vor kam. Es war meiner! Auf den Bügeln hingen sogar meine eigene Kleider, die ich nach dem Waschen zum Trocknen gehangen hatte und die jetzt von dem Laden zum Verkauf angeboten waren! Eine Unverschämtheit.

Ich habe den Wäscheständer genommen und ihn bis zur Wohnung geschoben. Kate folgte mir. Dort stand meine Mami mit meinem Bruder vor dem Haus. Mein Bruder war gleichzeitig mein Mann. Ich habe ihnen erzählt, dass ich meinen Wäscheständer gerade vom Laden zurück genommen hatte. Mein Bruder fügte hinzu, dass wir noch 50€ Pfand bezahlen mussten, um den Ständer zurück bringen zu können, obwohl er uns gehört.

Ich habe beschlossen, mit meinem Bruder zurück zum Laden zu gehen und die 50€ zu verlangen. Dort angekommen, hatte sich der Laden inzwischen in ein gut besuchtes Restaurant umgewandelt. Die Verkäuferin war jetzt Kellnerin und tat so, als ob sie so beschäftigt wäre, dass sie uns gar nicht wahrnehmen konnte. Es war natürlich nur gespielt, sie hatte uns ankommen gesehen und war zu ihrem Mann hinter der Theke gegangen, um ihn zu fragen, wie sie uns los werden könnte.

Ich habe nicht vor gehabt zu warten, bis sie sich entscheidet, mit uns zu reden. Ich habe mir die Dekoration vom Restaurant genau angeschaut und gesehen, dass ganz viel Holz für die Wände und die Decke verwendet wurde. Ich habe mit den Fingern das Holz gefühlt. Es war so reich bearbeitet wie die Balken, die man in alten Schlössern sehen kann, an der Loire zum Beispiel, mit Goldfarbe. Bestimmt würde es gut brennen können. „Lass uns die Bude abfackeln!“, habe ich meinem Bruder laut gesagt.

Ich bin aufgewacht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Im Waschsalon

Wir haben letzte Woche neue Kopfkissen gekauft. Bevor wir sie benutzen, wollten wir sie heute waschen. Unsere Waschmaschine war leider nicht in der Lage, sie richtig zu schleudern, deswegen ist Martin zum Waschsalon gefahren, während ich das Abendessen gekocht habe.

Ich bin selber seit über zehn Jahren nicht mehr in einem Waschsalon gewesen. Als ich in Aachen wohnte, bevor ich meine letzte Wohnung dort gefunden hatte, war ich regelmäßig Kundin. Es gab zwei von der gleichen Kette in der Nähe vom Hauptbahnhof, die ich relativ einfach mit dem Bus erreichen konnte.

Ich war einmal im Waschsalon an der Normaluhr. Es war Anfang Frühling, glaube ich. Ich hatte mir ein Buch mitgenommen und las, während meine Maschine lief. Auf einmal ist ein schwarzer Mann mit einem Auto super schnell angekommen und hat direkt vor dem Waschsalon geparkt. Er ist mit einem Korb aus seinem Kofferraum zu einer Maschine gerannt, die schon fertig war, hat alle Kleider raus gepackt und ist genau so schnell mit dem Korb wieder verschwunden. „Der hat’s aber eilig,“ habe ich gedacht. Ich habe weiter gelesen.

Eine knappe Viertelstunde später kam ein Paar herein. Ich war noch am Lesen und habe nicht auf sie aufgepasst, bis ich ihre Aufregung mitbekommen habe. Sie standen vor der Maschine, die der Mann vorher geleert hatte. Sie haben mich gefragt, ob jemand gekommen war, und ich konnte nur das oben Geschriebene schildern. Ein Autokennzeichen hatte ich mir nicht gemerkt. Wieso auch, ich hatte mit so etwas gar nicht gerechnet.

Das Paar ist entrüstet mit leeren Händen aus dem Waschsalon gegangen. Vermutlich sind ihre Kleider irgendwo auf einem Flohmarkt verkauft worden.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Entsetzlich

Bevor ich nach Berlin gekommen bin, hatte ich schon lange in Deutschland gelebt. Aachen war mein Zuhause. Eine der ersten Sehenswürdigkeiten, die ich zufällig entdeckt habe, ist der Lousberg. Es hat mich sehr beeindruckt. So nah am Stadtring geht man in einer Straße ein paar Treppenstufen hoch und plötzlich steht man völlig im Grüne. Riesige Wiesen mit Kühen und schöne Wege im Schatten. Jahre später habe ich sogar mehrmals am Lousberglauf teilgenommen.

Die Legende über die Entstehung vom Lousberg kennt jeder, der in Aachen gelebt hat. Sie ist ein wichtiger Teil vom lokalen Folklore. Die Geschichte kann man hier nachlesen. Ich war damals einfach so spazieren gegangen und hatte an einer Kreuzung zufällig die Statuen vom Teufel und der Marktfrau entdeckt (Bild aus Wikimedia Commons).

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So bin ich mit der Geschichte vom Lousberg vertraut geworden (Bild von mir).

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Statuen aus Bronze sind in Aachen fast um jede Ecke zu finden. Ich war von Südfrankreich aus gar nicht daran gewöhnt und war total entzückt davon. Das Printenmädchen vor Leo van Daele, die drei Schwester mit Regenschirmen, die Leserin bei der Mayersche, der Hühnerdieb, der Klenkes, die bewegliche Puppe auf dem Brunnen, die Pferde am Hauptbahnhof… Aachen ohne diesen Statuen ist nicht mehr Aachen.

Heute habe ich die traurige Nachricht gelesen, dass Unbekannte gestern wohl versucht haben, die Marktfrau am Lousberg zu klauen. Die ist vom Boden am Fuß abgesägt geworden. Laut den Berichten sind die Diebe überrascht gewesen und geflohen. Die Marktfrau ist von der Polizei am Boden gefunden worden und ist jetzt in einem Gebäude in Sicherheit gebracht worden. Ich bin von den Ereignissen fassungslos. Dreistigkeit kennt keine Grenzen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.