Auf in den Urlaub

Ich sitze in dem Zug nach Frankfurt, zur Familie vom Ehemann. Die BahnCard hat sich noch gelohnt. Wir sind kurz vor Neustadt an der Aisch und es schüttet wie aus Eimern. Ich fühle mich nicht besonders gut, was an den Sturm von heute Nacht liegt. Ständig bin ich aufgewacht, obwohl ich sehr müde und mit Migräne ins Bett gegangen war. Der Wind war so stark, dass ich dachte, ein Flugzeug würde übers Haus fliegen. Wir wohnen nicht weit vom Flughafen Oberpfaffenhofen, wobei man eigentlich kaum etwas fliegen hört. Aber nein, es war der Wind. Um halb sechs bin ich zuletzt aufgewacht, und ich konnte nicht mehr einschlafen. Zum Glück gab es keine Auswirkung auf meine Bahn-Strecke.

Wenigstens konnte ich noch die Jahresplaner fertig stellen, bevor ich die Wohnung heute morgen verlassen habe. Und ich habe daran gedacht, sie in den Koffer zu packen. Das wär’s noch gewesen. War das vielleicht ein Stress! Hätte ich gewusst, was für ein Aufwand das ist, hätte ich doch etwas anderes als Weihnachtsgeschenk gemacht. Für eine Person geht’s, aber nicht für vier. Der Ehemann ist zuversichtlich, dass es gut ankommen wird. Das will ich hoffen.

Der Ehemann ist auch mit der Bahn nach Frankfurt unterwegs, aber er ist vorher nach Berlin gefahren, um mit seinem Vater zu reisen. In seinem Alter traut er sich nicht mehr, mit Gepäck alleine zu reisen. Alles ist ihm umständlich geworden. Da der Ehemann arbeitslos ist, hat er Zeit. Bewerbungen hat er schon viele geschrieben, seit der Ankündigung seiner Entlassung vor fünf Wochen. Ein Vorstellungsgespräch gab es auch, letzte Woche. So richtig scheint es aber nicht zu passen. Nach Weihnachten tut sich wahrscheinlich mehr.

In Würzburg scheint jetzt die Sonne. Die Fahrt läuft sehr angenehm, was am Komfort der ersten Klasse liegt. Einmal erste Klasse gefahren, nie wieder zweite Klasse fahren, sage ich. Für unsere Verbindung wurde empfohlen, Sitzplätze zu reservieren, aber bei uns sind noch Sitzplätze frei. Der Reisebegleiter hat mir einen tollen Kaffee am Anfang der Fahrt gebracht. Internet funktioniert. Wir sind pünktlich. Ich weiß seit Kurzem, dass alles unter sechs Minuten Verspätung für die Deutsche Bahn als pünktlich gilt, aber wir sind wirklich wirklich pünktlich. Wir waren es zwischendurch nicht, jetzt doch wieder.

Am anderen Tisch neben mir sitzt eine junge amerikanische Familie mit Säugling, auf dem Weg zum Flughafen. Zufällig hat eine andere Amerikanerin den Sitzplatz ihnen gegenüber am Tisch gebucht, und seit München sind sie nur am quatschen. Ununterbrochen. Für mich als Sozialmuffel sehr bewunderswert. Ich kann es nicht, so lange über so viele Sachen diskutieren. Vielleicht kommt es, wenn man ständig ein Säugling an der Brust hängen hat und nichts anderes machen kann.

Ich freue mich auf die nächsten stressfreien Tage. Gut, so stressfrei ist es bei Weihnachtsbesuchen nie, aber endlich mal vom Job auszuschalten ist toll.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Werbeanzeigen

Die BahnCard, Fortsetzung

Nach dem Ärgernis von Samstag kam prompt in der Nacht zu Sonntag, um 02:45, die Rechnung zu meiner „neuen“ Karte per Email an. Der Ehemann meinte, wir sollten bei der Hotline anrufen. Das haben wir gestern Abend gemacht.

Ich hatte inzwischen durch Google heraus gefunden, dass man die BahnCard wohl auch elektronisch auf dem Handy speichern kann. Da der Ehemann mir am Montag ein neues Handy geschenkt hat, für welches Betriebssystem noch Apps entwickelt werden, habe ich es probiert und: Es geht! Warum konnte mir die blöde Kuh am Schalter nicht sagen, dass diese Möglichkeit besteht, statt mir kostenpflichtig eine neue Karte zu bestellen? Auf Nachfrage, ob ich denn keine andere Wahl hätte, hatte sie „Nein“ geantwortet. Glatte Lüge.

Das Gespräch mit der Hotline verlief viel entspannter als am Samstag. Dass die erste BahnCard nie ankam, obwohl der Ehemann seine zeitgleich bestellte Karte bekommen hat, hat uns die freundlich klingende Frau geglaubt, aber „bestellt ist bestellt“, obwohl ich gar nichts unterschrieben habe, sie könne daran nichts mehr ändern. Sie würde aber wegen der schlechten Beratung am Schalter aus Kulanz mir einen Gutschein in Höhe von der neuen BahnCard zukommen lassen, weil es doch nicht nötig war, eine neue Karte zu bestellen. Den Gutschein habe ich tatsächlich keine Stunde später bekommen.

Was lernt man als Kunde daraus? Sich sofort an die Hotline wenden. Mit ihrem recht unfreundlichen Verhalten machen sich gerade die Schaltermitarbeiter in Pasing überflüssig.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Die BahnCard

Ich weiß, ich hätte sie kündigen sollen. Als die Aufforderung zur Zahlung für die neue BahnCard kam, war es schon zu spät. Der Ehemann hatte sie uns letztes Jahr besorgt, und da ich von Januar bis Juli regelmäßig zwischen München und Berlin pendeln musste, war es mir recht. Aber jetzt besteht kein Bedarf mehr. Gut, ein paar Reisen haben wir in näherer Zukunft vor, aber es wird nicht mehr so viel sein.

Der Ehemann hat seine neue BahnCard im Oktober bekommen. Sie wurde zu unserer Adresse nach Berlin geschickt, weil wir die neue Adresse der Deutschen Bahn nicht mitgeteilt haben. Die Berliner Adresse ist sowieso immer noch gültig, die Post wird hierher weitergeleitet. Und ich? Ich warte immer noch darauf. Da wir am nächsten Wochenende eine Reise geplant haben, habe ich heute Morgen beim DB Reisezentrum in Pasing nachgefragt. Was für eine blöde Idee, im Nachhinein! Vor allem, weil der Ehemann, der als Deutscher doch besser als ich kommunizieren kann, noch im Supermarkt war, und ich alleine da stand.

Die Frau ganz links am Schalter hat nach meiner Frage angerufen und die Auskunft bekommen, meine BahnCard wäre zur Berliner Adresse geschickt worden und nicht zurück gekommen. Daher müsste ich die BahnCard bekommen haben, und „wenn ich sie nicht habe, muss ich sie verloren haben“. Wegen der Reise in einer Woche blieb mir keine andere Möglichkeit, als zur Bestellung einer Ersatzkarte zuzustimmen, für die ich noch 15€ zahlen müsste. Das ist voll die Verarschung. Wie kann ich beweisen, dass ich etwas nicht bekommen habe? Und wie kann die Deutsche Bahn beweisen, dass ich die Karte tatsächlich bekommen habe? Nicht, gab die Frau zu. Aber zu meiner Frage, warum ich dann 15€ für eine Ersatzkarte bezahlen soll, obwohl ich die mir zugestellte Karte nie bekommen habe, wollte sie nicht antworten. Sie hat mir nicht mehr ins Gesicht geschaut, mein Blick ständig ausgewichen und eine Nummer auf Papier gekritzelt, mit der ich mir am Automat eine temporäre Karte für die bevorstehende Fahrt ziehen könnte. Die „neue“ Karte soll demnächst per Post folgen.

Der Ehemann kam kurz danach ins Reisezentrum zu mir, und als ich ihm das Geschehene erzählte, meinte er, nachfragen zu müssen. Bei dem Mann ganz rechts am Schalter, da die Frau von vorher mit einer anderen Kundin beschäftigt war. Das Erklären von unserem Anliegen war schwierig, weil der Mann am Schalter uns ständig unterbrochen hat. Die Nachfrage vom Ehemann, warum ich für eine neue Karte zahlen müsste, wenn wir die Erste nie bekommen haben, hat den Mann am Schalter scheinbar extrem gereizt. Er hat angefangen, sich dem Ehemann gegenüber spöttisch zu verhalten, ihn fast anzubrüllen, und dabei sprach er so schnell, dass selbst der Ehemann ihn kaum verstehen konnte, außer, dass wir uns an die DB Hotline wenden könnten. Dass wir nicht rausgeschmissen worden sind, liegt wahrscheinlich nur daran, dass ich den Ehemann darum gebeten habe, nicht mehr nachzufragen. Mit dem Typ ist nicht zu reden. Ich habe so eine schlechte Behandlung an einem DB Schalter noch nie erlebt und bin ehrlich gesagt immer noch recht darüber schokiert, wie sich die Diskussion entwickelt hat. Die Deutsche Bahn hält offensichtlich Kundenorientierung für überflüssig in der Ausbildung von ihren Schaltermitarbeitern.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Außergewöhnlich hohes Reisendenaufkommen

Mir scheint’s, sobald sich die Gelegenheit ergibt, müssen die Münchener aus ihrer Stadt fliehen.

Ich sitze in der DB Lounge und wollte prüfen, ob mein Zug wie geplant fährt. Es gab heute Nacht heftige Gewitter, mit unglaublich vielen Blitzen und lautem Donner, schlafen war unmöglich. Heute ist es wieder schön sonnig und warm, aber der Ehemann meldete am frühen Nachmittag Gewitter in Berlin.

Also habe ich auf der Webseite der Deutschen Bahn geschaut und mir wurde empfohlen, aufgrund von Unwettergefahr die Reiseauskunft zu besuchen. Und siehe da: Meine Verbindung ist mit einem Ausrufezeichen markiert. Der Zug soll jedoch fahren, die Warnung sagte nur, dass heute furchtbar viele Leute mit der Bahn unterwegs sind. Mein Zug ist völlig ausgebucht, sowohl in erster als auch in zweiter Klasse. Kann mir egal sein, ich habe einen Sitzplatz reserviert. Morgen ist in Bayern Feiertag, alle wollen weg. Bei der Wettervorhersage kann ich es nachvollziehen.

Ich sitze in der Lounge neben dem Empfang. Soeben hat sich ein Reisende beim netten jungen Mann beschwert, dass sein Zug nach Berlin noch nicht abgefahren ist und immer noch ohne Auskunft am Gleis steht. Ich hoffe, mein Zug fährt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Im Zug nach München

Ich bin mal wieder unterwegs. Das Pendeln ist ätzend, aber so lange der Ehemann keine Stelle in oder um München findet, müssen wir durch. Dieses Wochenende war ich dran.

Ich wollte heute meine nächsten Wochenende planen, und musste dabei feststellen, dass die Deutsche Bahn auf einmal die Preise heftig nach oben geschraubt hat. Frühlingseffekt? Ich habe beschlossen, dass wir uns doch nicht jedes Wochenende sehen müssen, was der Ehemann akzeptiert hat. Mit der teuren Wohnung in München, die ich momentan ganz alleine bezahle, und der Eigentumswohnung in Berlin, die dem Ehemann zwar gehört, ich aber auch mitfinanziere, weil er weniger verdient, ist das wöchentliche Pendeln ein Luxus, das wir uns schlecht leisten können.

Wenigstens kann ich während der vierstündigen Fahrt WLAN im Zug benutzen, um zum Beispiel endlich alle interessante Videos von Mitbloggern zu laden, die ich sonst unter der Woche nicht gucken kann. Schuld ist, schon wieder, die doppelte Haushaltsführung. Den Vodafone-Vertrag nehmen wir erst nach München mit, wenn der Ehemann zu mir zuzieht. Bis dahin bin ich auf meinem Handy als Hotspot angewiesen, was mit dem schlechten Empfang in meinem Wohnort kein Spaß ist. Temporäre Lösungen wie Surfstick ohne Vertrag gibt es zwar, wenn man googelt, aber sobald man im Shop danach fragt, haben sie es doch nicht. Egal welcher Anbieter.

Das geht aber nur gut, mit dem WLAN im Zug, wenn es tatsächlich funktioniert. Am Freitag war es ganz schwer. Die erste Stunde konnte ich keine einzige Seite laden. Danach klappte es. Heute geht WLAN wunderbar. Dafür haben wir im ganzen Wagen keinen Strom aus den Steckdosen, und das, obwohl wir in erster Klasse sitzen! Ja, ich weiß, warum erste Klasse fahren, wenn das Geld schon knapp ist? Manchmal muss man Glück haben, es war echt ein Schnäppchen, als ich gebucht hatte. Jetzt fühle ich mich doch nicht so glücklich darüber. Nach einer Stunde Fahrt ist mein Akku zur Hälfte leer. Irgendwann werde ich mich zu einem anderen Wagen schleichen müssen, um den Laptop aufzuladen.

Ach, und zum Essen haben sie auch kaum was, heute, im Zug. Die junge asiatische Frau, die unsere heutige Bistrobedienung ist, fragt uns immer wieder, was wir bestellen wollen, muss aber gleich danach sagen, dass es keine warme Küche gibt. Wie gut, dass ich mich beim Familienbesuch vom Ehemann heute Nachmittag voll mit Kuchen gestopft habe.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Telekom Hotspot im ICE — Die volle Verarschung

Ich bin wieder mal richtig geärgert. Dazu braucht es nur, mit der Bahn zu fahren. Letzte Woche war schon kein Spaß.

Ich hätte eigentlich zur Tagung fliegen können. Die Bahnstrecke kostet mir zeitlich einen ganzen Arbeitstag. Es war günstiger, was die Finanzabteilung von meinem Arbeitgeber vor allem interessiert, aber das Fliegen wäre schneller gewesen und hätte vielleicht eine Übernachtung überflüssig machen können. Ich habe gedacht, die lange Reisezeit könnte dadurch kompensiert werden, dass ich im Zug am Tisch mit dem Laptop arbeiten kann und das HotSpot-Angebot der Telekom benutzen könnte.

Während es letzte Woche, bei meiner allerersten Benutzung von einem Telekom-HotSpot, halbwegs ging, war die aufgebrachte Leistung bei der Rückfahrt heute absolut katastrophal. Beim Losfahren habe ich einen Tagespass für 5€ erworben. Wie letzte Woche. Es ging gerade eine Stunde lang, danach wurde die Internetverbindung ständig abgebrochen und war nicht mehr zu benutzen.

Ich habe die Kontrolleure darauf aufmerksam gemacht, dass der WLAN nicht mehr ging. Am Anfang haben sie versucht, ihre Router oder was auch immer neu zu starten. Danach meinte ein Kontrolleur, im Ruhebereich wäre der WLAN Signal nicht verstärkt, was zu Probleme führen würde. WLAN sollte man in anderen Wagen benutzen. Prompt war mein gegenüber sitzender Nachbar (der auch trotz offenen Sandalen stinkende Füße mitgebracht hatte) dabei, mit einem süffisanten Lächeln, dem Kontrolleur nach zu plappern und mir zu sagen, „Sie hätten bei der Reservierung besser aufpassen sollen“. Pure Schadensfreude (oder 100% Boche, wie mir immer in solchen Momenten durch den Kopf geht). Der Ehemann hat sich für mich von zu Hause aus schlau gemacht, das mit dem Ruhebereich stimmt gar nicht. Auf der Webseite der Bahn steht, dass WLAN überall zur Verfügung steht. Außerdem saß ich letzte Woche schon dort und hatte fast kein Problem — also, verglichen mit heute hatte ich doch kaum Gründe, mich zu beschweren.

Am Anfang war der Zug so voll, dass ich an meinem reservierten Platz im Ruhebereich bleiben musste. Danach habe ich einen freien Tischplatz außerhalb vom Ruhebereich gefunden. WLAN ging. Wenigstens konnte ich arbeiten, dachte ich. Ich habe einige Emails bearbeitet. Dafür musste ich die Sitzplatzreservierung aufgeben. Aber eine Stunde später ging das Internet wieder nicht mehr. Endgültig. Die darauf angesprochene Kontrolleurin war schon genervt und hat jede Schuld oder Verantwortung von der Bahn erstmal grundsätzlich zurück gewiesen. Die Telekom ist schuld. Die Telekom kann nicht wissen, dass wir eine andere Strecke als ursprünglich geplant fahren und kann dadurch ihre Leistung nicht bringen. Das war letzte Woche doch kein Problem, obwohl wir auch eine abweichende Strecke gefahren sind. Die Startseite vom ICE-Portal selbst sagt dabei die ganze Zeit: „Leider ist das ICE Portal im Augenblick nicht erreichbar. Wir bitten Sie um etwas Geduld.“ Wenn das schon mal nicht geht, geht gar nichts. Nach über sieben Stunden Fahrt ist meine Geduld definitiv aufgebrochen.

Ich werde mich bei beiden Gesellschaften schriftlich beschweren. Ich glaube nicht, dass ich eine Antwort bekommen werde. Sollte ich mich doch irren, teile ich die dadurch entstandene Erheiterung hier mit.

Dazu kommt noch, dass wir schon wieder fast aber nicht ganz eine Stunde Verspätung haben. Wie letzte Woche. Verständnis dafür kann ich nicht mehr aufbringen. Man muss wenigstens zugeben, die Deutsche Bahn kann eines richtig gut: Die Verspätungen konsistent so knapp unterhalb einer Stunde halten, dass man keinen Anspruch auf Entschädigung hat.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Einige Stunden später…

Ich sitze noch im Zug. Gestartet sind wir heute Morgen mit einer Viertelstunde Verspätung. Grund dafür war eine technische Störung am Zug, oder Ähnliches. Einige Bahnhöfe später wurde sie zu einer halben Stunde. Es gab einen Polizeieinsatz, weil ein Fahrgast andere Passagiere belästigt hatte. Dann hieß es plötzlich, wir wären eine andere Strecke als geplant gefahren und hätten die Verspätung einigermaßen aufgeholt. Nur noch zehn Minuten Verspätung! Ein Zugbegleiter erzählte uns in einer fröhlichen Durchsage, dass wir sogar einen anderen Zug überholt hatten, den die Fahrgäste sonst verpasst hätten. Um direkt danach zu sagen, „es macht keinen Sinn, der ist sowieso überfüllt, man kommt nicht mehr rein“. Es hat mich an meinen Rückflug aus Israel erinnert, als eine Stewardess eine lange Durchsage gehalten hatte, für die, die gerade noch Hunger hatten, und vielleicht ein Sandwich möchten, leider leider gäbe es nichts mehr, alles wäre schon aufgegessen worden. Ich habe lachen müssen. Eine Station später mussten wir aus irgendeinem Grund lange am Gleis bleiben. Ich habe es nicht ganz mitgekriegt, ich hatte meine Kopfhörer an. Jetzt beträgt die Verspätung siebenundfünfzig Minuten[1]. Nachdem wir nach einem ziemlich brutalen Bremsen mitten im Nichts stehen geblieben sind. Bin ich froh, mir wenigstens eine direkte Verbindung ohne Umsteigen ausgesucht zu haben.

Seit Berlin sitze ich an einem Tisch. Am Nachbartisch saß ein nicht mehr so junger Mann, der ebenfalls mit seinem Laptop beschäftigt war. Er sah gar nicht schlecht aus, wobei ich es mir nur am Rande notiert hatte. Wir haben einige Banalitäten getauscht, aus Höflichkeit, das war’s. Ich hatte mich zwecks Privatsphäre am freien Sitzplatz am Fenster verschoben und schief dort gesessen, um den Bildschirm von neugierigen Blicken zu schützen. Ich mag es nicht, wenn Fremde zuschauen, was ich gerade am Rechner mache. Der Typ am Nachbartisch ist nach drei Stunden ausgestiegen, nachdem er sich verabschiedet hat. „Untypisch, diese Freundlichkeit“, habe ich noch gedacht. Und ihn aus meinen Gedanken gelöscht.

Ich habe mich kurz danach auf Facebook eingeloggt, um meine Mami zu informieren, dass ich unterwegs war. Groß war meine Überraschung, als ich dort eine Freundschaftseinladung gesehen habe. Facebook nutze ich erstmal sehr selten und zweitens nur für enge Freunde und die Familie, die weit weg von mir wohnt. Nicht mal meine Kollegen lasse ich ran, und mein Profil ist so eingeschränkt wie es geht. Nicht suchbar, außer von Freunden. Dem Profilfoto nach zu beurteilen, stammte die Freundschaftseinladung vom Typ vorhin im Zug. Äußerst unangenehm. Namentlich vorgestellt hatte ich mich nicht, und ich hätte erwartet, dass man wenigstens um die Erlaubnis bittet, wenn man schon die ganze Zeit zusammen reist. Und überhaupt, wie war er an mein Profil gekommen? Ah ja… Meine Laptop-Tasche lag die ganze Zeit auf dem Sitzplatz neben mir, den ich am Gang reserviert hatte, weil der Zug angeblich voll war[2]. Ich habe schon so lange eine Visitenkarte in der dafür vorgesehenen Hülle der Tasche, dass ich gar nicht mehr daran denke. Die Tasche lag mit der Visitenkarte sichtbar. Und Facebook hat ja die Profiladresse so eingestellt, dass man mit vorname.nachname leicht zu finden ist. Daher hatte ich meine Adresse als vorname.nachname.nummer geändert. Echte Freunde sollten mich doch noch finden können. Tja. Hätte ich wenigstens meine Visitenkarten mit meinem Ehenamen aktualisieren lassen…

[1] Mehr als eine Stunde wird es nie. Sonst müssen sie deutlich mehr Geld zurück erstatten.

[2] Pustekuchen. So leer habe ich einen Zug selten erlebt. Schön. Es ist auch angenehm kühl hier drin. Die Internetverbindung vom HotSpot der Telekom ist leider nicht so stabil, wie man es sich für 5€ wünschen würde.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Unterwegs

Ich bin für eine Woche auf Dienstreise. Es war schon lange geplant, obwohl ich nicht besonders Lust darauf hatte. Es war mal im Gespräch, dass Pawel und ich an dieser Konferenz teilnehmen. Am Ende bin ich die Einzige in der Gruppe, die hinfährt. Und diesmal halte ich nicht mal einen Vortrag. Nur ein Poster wurde angenommen. Ich bin enttäuscht. Es ist weniger Arbeitsaufwand, aber man verbreitet seine Ergebnisse nicht so effektiv. Vorträge sehe ich auch als Werbung für mich, wenn ich mich wegbewerben will. Ich nehme an, ich habe schon zu häufig über meine Arbeit bei Konferenzen geredet. Jetzt sind andere dran. Bei tausend Teilnehmern ist es klar, dass nicht jeder einen Vortrag bekommt. Kate hätte sich gefreut. Sie hasst es, Vorträge halten zu müssen.

Mein Mangel an Begeisterung für diese Konferenz hat dazu geführt, dass ich mich ziemlich spät um die Organisation meiner Reise gekümmert habe. Zug und Hotel erst am Montag gebucht. Ich hatte Glück und konnte noch ein preiswertes Hotel finden. Na ja, ziemlich teuer eigentlich, aber für das Land ist es preiswert. Die Finanzabteilung hat es genehmigt. Mit den Bahnkarten war es nicht optimal. Vor einigen Monaten hätte ich Fahrkarten für 25€ bekommen können. Jetzt nicht mehr, es ist trotzdem immer noch billiger als fliegen, also habe ich gebucht. Es dauert länger, ist aber umweltfreundlicher. Das hört man mindestens immer wieder. Der Zug ist direkt und der Bahnhof nah am Hotel. Direkt ist gut. Ich habe schlechte Erfahrungen mit Verspätungen mit der Bahn gemacht. Ein oder zweimal im Jahr kann ich ja Bahn fahren. Die Sitzplatzreservierung habe ich nur gestern am sehr späten Abend gemacht. Fast hätte ich es vergessen. Sitzplätze am Tisch und am Fenster gab es nicht mehr. Ich habe einen am Tisch am Gang ergattert. Hauptsache am Tisch.

Heute Morgen hat mich der Ehemann zum Bahnhof begleitet. Ich musste nur zum Bahnhof Südkreuz, also nicht weit von zuhause. Wir sind trotzdem sehr früh angekommen. Ich will immer eine halbe Stunde vor Abreise am Bahnhof sein, wenn ich weit weg muss. Das war gut so. Als der Zug angekündigt wurde, hieß es, er wäre gestrichen. Das hat mich schon ganz schön genervt. Bei der Sitzplatzreservierung heute Nacht kurz vor eins war noch keine Rede davon. Wir sind zur Information der Bahn gegangen, und der Mann am Schalter sagte, wir sollten mit einem RE Zug, der zehn Minuten vor dem ursprünglich geplanten ICE fuhr, zum Hauptbahnhof und dort in den ICE einsteigen. Er würde auf den RE warten. Also los. Den Hauptbahnhof mag ich nicht. Er ist mir zu groß. Wir mussten heute von der tiefsten Ebene zu den Gleisen ganz nach oben gehen. Dort haben wir erfahren, dass der Zug eine Viertelstunde Verspätung hatte. So war es also. Der ICE hatte schon vor dem Start eine so lange Verspätung, dass der Halt in Südkreuz gestrichen wurde.

Als der Zug angezeigt wurde, war die erste Klasse bei den Abschnitten E-F angekündigt. Mein Wagen sollte im Abschnitt B sein. Wir haben dort gewartet. Es war angenehm, es waren nur sehr wenige Leute dort. Wahrscheinlich alle blauäugig wie ich, die den Durchsagen der Bahn blind vertrauen. Es kam genau andersrum. Die erste Klasse bei A-B, mein Wagen auf der ganz anderen Seite. Chaos auf dem Gleis, als die Reisenden quer durcheinander versuchten, zu ihren Wagen zu gelangen. Wir sind nur so lange gelaufen, bis die Menschendichte deutlich geringer wurde. Ich bin mitten im Zug eingestiegen. Sonst hätte es passieren können, dass ich bis zu meinem Wagen gegangen wäre, um den Zug ohne mich weg fahren zu sehen. Drin war es natürlich chaotisch. Stau in den engen Fluren. Ich habe den Ehemann noch neben dem Zug gesehen, als wir los gefahren sind. Ich hätte den Zug verpasst, wenn ich versucht hätte, am Gleis zu meinem Wagen zu kommen. Zehn Minuten nach Abfahrt bin ich zu meinem Sitzplatz angekommen. Der Wagen war fast leer. Alle Tische frei. Meine Reservierung war oberhalb von meinem Platz nicht vermerkt. Bei allen Sitzplätzen sind eigentlich bis kurz vom Ziel keine Reservierungen vermerkt. Vermutlich auch eine Panne.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Die Zicke im Zug

Ich bin gestern wieder so lange mit dem Zug gefahren, um meine Katze zu besuchen. Es dürfte das vorletzte Mal sein, ich hoffe sehr, dass ich sie am nächsten Wochenende beim eventuellen Umzug nach Berlin mitnehmen kann. Oder vielleicht kann ich sie schon mitnehmen, auch wenn der Umzug nicht nächstes Wochenende statt findet. Der Mietvertrag für meine neue Wohnung geht erst ab Donnerstag.

Ich war überrascht, dass es so wenige Leute im Zug gab. Gut, ich habe eine andere Verbindung als sonst genommen. Um die gleiche Uhrzeit weggefahren, aber eine Stunde später als sonst angekommen. Ich glaube, wegen Schäden durch Gewitter diese Woche. Das meinte wenigstens eine Kollegin gestern, als ich mich gewundert hatte, warum meine übliche Verbindung nicht zu buchen war und diese so lange dauerte.

Es war also relativ entspannt. Ich bin am Südkreuz eingestiegen und habe mich bequem an meinem reservierten Platz am Tisch installiert. An meinem Tisch saß noch eine Frau mit ihrer Tochter, auf der anderen Seite des Ganges war eine sehr jung aussehende Frau mit zwei Kleinkindern. Alle gut gelaunt und friedlich. Was für ein Kontrast mit den vorherigen Wochen! Die Frau an meinem Tisch meinte, es würde daran liegen, dass die Schulferien in Berlin vorbei sind.

Am Hauptbahnhof sind neue Reisende eingestiegen, und wir haben schnell festgestellt, dass die Sitzplätze doppelt reserviert waren. Da der Wagen so leer war, war es kein Problem. Eine ältere Dame, die bestimmt über 80 war und schwer gehen konnte, ist von ihrer Sitznachbarin für ihr Gepäck geholfen worden. Es hat mich gefreut zu sehen, wie Leute spontan hilfreich sein können, ich habe es in Deutschland nicht so häufig erlebt.

Ich glaube, es war in Hannover, als zwei jungen Frauen zu unserem Wagen eingestiegen sind. Wie die anderen haben sie nach ihren gebuchten Sitzplätzen gesucht und haben sie gefunden: Genau da, wo die ältere Dame mit ihrer Nachbarin saß. Die eine fing gleich an, durch den ganzen Wagen laut zu sagen, dass sie hier reserviert hatten und die beiden Frauen weg gehen sollten. Die ältere Dame konnte nicht viel sagen und hat da gesessen und leicht mit der Hand auf ihrem Stock gezittert (wahrscheinlich eine degenerative Krankheit). Ihre Nachbarin hat erklärt, dass sie ebenfalls diese Sitzplätze reserviert hatten. Die Zicke hat also verlangt, die Fahrtkarten der beiden Frauen zu sehen, und als sie festgestellt hat, dass die Sitzplätze tatsächlich doppelt gebucht waren, fing sie noch an, sich darüber zu streiten, wer denn zuerst die Karten gekauft hätte, weil sie schon in Mai gebucht hatte und meinte, deswegen mehr Anspruch auf genau diese Sitzplätze als die zwei anderen Frauen zu haben, die aber auch durch die Bahn ihre Karten erworben hatten. Wohl gemerkt, der Wagen war noch gut zur Hälfte leer. Der junge Mann hinter mir hat zum Glück sehr schnell reagiert und der Zicke gesagt, dass Sitzplätze doppelt gebucht waren, genau wie seiner auch, und dass sie sich bei den vielen freien Plätzen nicht so anstellen soll und das Geld für ihre Reservierung bei der Bahn zurück verlangen könnte. Daraufhin hat die Zicke endlich die Klappe zu gemacht und ist mit ihrer Reisebegleiterin zu einem anderen Sitzplatz gegangen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Längeres Wochenende

Dadurch, dass ich am Freitag mit einem früheren Zug gefahren bin und einen Liegeplatz im Nachtzug für die Nacht von Sonntag auf Montag reservieren konnte, konnte ich am Wochenende viel mehr machen als bei den letzten zwei.

Die Fahrt am Freitag ging schnell. Weil ich so müde war, dass ich fast nur geschlafen habe. Blöd nur, dass ich meine Wachskugel nicht mehr finden konnte. Wie sich später herausgestellt hat, waren sie ganz unten in meinem Rucksack statt in meiner Handtasche. Das Paar neben mir war ganz schön laut am Anfang. Einschlafen im Zug ist manchmal interessant. Man baut die verschiedenen Gespräche deformiert in den Halluzinationen vor dem Schlaf ein, es kann sehr irre werden. Ich hatte am Tisch reserviert, wie immer. Ich verstehe nicht, warum nicht mehr Leute bei einer so überlasteten Verbindung einen Sitzplatz reservieren. Am Ostbahnhof geht es, da steigen ganz wenige Leute ein. Am Hauptbahnhof wird es plötzlich extrem hektisch, mit genervten Leuten, die sich immer beschweren, dass es so voll ist… Dabei ist die S-Bahn-Fahrt bis zum Ostbahnhof gar nicht so lang. Vielleicht denken die meisten Leute gar nicht daran, von einer Haltestelle aus früher zu starten; die Suche nach einem freien Platz wäre viel entspannter.

Ich möchte sonst noch meinen potentiellen Mitfahrern etwas für mich Wichtiges mitteilen, dass ich so häufig erlebt habe: Wenn ihr für die lange Reise etwas zum Essen packt, ist es ganz vernünftig. Aber muss es unbedingt Brot mit der billigen deutschen Salamisorte sein, die so fürchterlich im ganzen Wagen stinkt, oder mit Leberpastete? Was für ein Spaß, wenn die Dose mit dem Brot nach einigen Stunden Hitze geöffnet wird! Frischkäse tät’s genau so gut und wäre dabei nicht so fett. Dagegen riecht die italienische Salami sehr angenehm, sie liegt Welten von der deutschen entfernt. Allerdings gilt’s auch für Kollegen die im Büro essen (den Fall habe ich zum Glück bei meiner neuen Arbeit nicht gehabt, wir essen in der Mensa).

Am Freitagabend bin ich vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause gekommen. Meine Katze hat mir wieder Vorwürfe für die lange Abwesenheit gemacht. Meine Vermieterin meinte, sie hätte sich diese Woche schlecht gelaunt verhalten, als sie kam, um sie zu füttern. Es kann aber auch an der Hitze liegen, bei Außentemperaturen über 30°C liegt sie am Boden und meckert. Wir wohnen unter dem Dach. Das ist ein anderer Grund, warum ich die Dachwohnung mit der so hohen Maklerprovision lieber nicht nehmen möchte. Zur Not ist sie besser als nichts. Bei der schönen Erdgeschosswohnung habe ich noch nichts gehört, und die Frau wollte mir am Ende letzter Woche Bescheid gesagt haben. Es gab plötzlich einen anderen Kandidaten, als ich am Mittwoch angerufen habe. Am Montag sagte sie noch, ich würde den Zuschlag bekommen (was auch immer das bedeutet, ich hatte es als positiv gespeichert).

Ich bin früh ins Bett gegangen. Ich wollte vor dem Einschlafen ein bisschen lesen. Ich weiß noch, wie ich unter meinem Kopfkissen nach einem Buch gesucht habe (es gibt häufig ein oder zwei Bücher unter meinem Kopfkissen). Aber plötzlich war es ganz hell im Zimmer und es war kurz nach 07:00. Das Buch lag noch unter dem Kissen, die Nachtleuchte war noch an. Ich habe vom Einschlafen nichts gemerkt.

Das Wochenende habe ich fast nur mit Putzen verbracht. Staubgesaugt, Boden gewaschen, Kleider in die Waschmaschine, meine Sachen und kleine Möbel aus der kleineren Wohnung zur größeren gebracht… Beim Staubsaugen habe ich eine Spinne entdeckt. Eine echte Spinne, von dem Typ groß ekelhaft dick braun. Sie war in einer Ecke versteckt. Es kann sein, dass meine Vermieterin, die über meine Phobie informiert ist, versucht hat, sie zu entsorgen. Der Staubsauger lag nicht wie sonst. Vielleicht hat sie sie vor einer Besichtigung gesehen. Wo die Spinne war, sah es nicht sehr gemütlich aus. Es war so eng, zwischen Wand und Leiste am Boden, ich habe nur die Beine zusammengewinkelt gesehen, die raus ragten. Vielleicht war sie schon tot. Ich muss sagen, es ist sehr selten vorgekommen, dass ich in dieser Wohnung Spinnen getroffen habe.

Die Rückfahrt im Nachtzug war nicht so toll. Ich hatte meinen Wecker um 04:20 gestellt, weil ich so früh in Berlin ankommen sollte. Ich bin aufgestanden, habe mich frisch gemacht, habe den Rucksack auf dem Rücken gepackt, nach draußen geschaut, wir fuhren gerade an einem Bahnhof vorbei… Magdeburg. Mist. Zurück zur Liege. Schlafen konnte ich für die kurze Zeit schon nicht mehr. Wir hatten insgesamt anderthalb Stunde Verspätung. Ich hätte mich blind darauf verlassen sollen, dass die Kontrolleure einen kurz vor Anreise wecken. Wobei eine halbe Stunde davor schon zu viel ist. Aufstehen, aufs Klo gehen, Gepäck sammeln, dafür braucht man doch nicht so lange. Ich hatte ursprünglich vor gehabt, die Nacht im Büro auszuschlafen, aber bei der verspäteten Ankunft lohnt es sich schon nicht mehr. Bald kommt mein dritter Zimmerkollege an.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.