Wieder im Lande

Wir haben die Zeit nach Weihnachten bei meiner Familie verbracht. Am Sonntag geflogen, und gestern hieß es wieder, ab nach Hause.

Natürlich konnten wir in der kurzen Zeit nicht alle besuchen. Wir haben bei meiner Mutter übernachtet, haben einen ruhigen Silvesterabend verbracht, und sind danach zu meiner Schwester gefahren. Der Neffe konnte sich noch an uns erinnern. Lustig war, als wir die Ziegen und Hühner vom Nachbar besucht haben. Die Hühner haben mit ihren Krallen den Boden gekratzt, um nach Würmern zu suchen. Der Neffe hat es nachgemacht. Zuerst hat er mit den Füßen das Gras geschrubbt, dann hat er sich mit dem Gesicht ins Gras fallen lassen, um mit seiner Nase etwas zum Essen zu finden. Voll süß. Am Donnerstag waren wir wieder bei meiner Mutter, und gestern war der Bruder mit seiner Freundin kurz da, bevor wir abgefahren sind. Ein Scoop: Die Beiden wollen jetzt Eltern werden. Es klappt jedoch nicht. Da Fastschwägerin vierzig geworden ist, wird es sicherlich schwierig. Ich hoffe, ihr bleiben meine Erfahrungen erspart. Meine letzte Fehlgeburt liegt nun zwei Jahre her, als ich gerade vierzig war. Seitdem bin ich, glaube ich, nicht mehr schwanger geworden.

Gestern hat blöd angefangen. Kurz bevor wir zum Dorfmarkt aufgebrochen sind, hat mein unterer Rücken laut geknackt. Das macht er ab und zu, seitdem ich Ischiasprobleme hatte, unten links im Becken-Bereich. Meistens fühlt es sich gut an, wenn es knackt, als ob eine Blockade sich dadurch lösen würde. Gestern war das Knacken anders, und ich habe seitdem Schmerze bekommen. Ich kann wieder nicht mehr lange stehen bleiben. Mein Becken knackt leicht, wenn ich das linke Bein heben muss, und ich fühle mich blockiert. Es strahlt auch ein bisschen ins Po und der linke Fuß kribbelt. Der Ehemann musste gestern meinen Koffer und meine Laptop-Tasche tragen, zusätzlich zu seinen Sachen.

Wir sind viel früher als nötig abgefahren, weil ich eigentlich schon seit Wochen ahnte, dass wir nicht so leicht zurück zum Flughafen kommen würden. Ich war überrascht, dass wir ohne Problem zu meiner Mutter und meiner Schwester fahren konnten. Aber gestern war Samstag, das erste Wochenende im Jahr, und im Fernseher hieß es, dass die gelben Westen wieder zu Aktionen gerufen hatten. Die Einfahrt zur Autobahn in Le Muy war eingeschränkt und es staute am Kreisverkehr davor. Ich glaube, wir sind kurz zu Beginn der Autobahnsperrung angekommen. Ein Stückchen weiter warnte uns ein LED-Schirm über einen Stau sechs Kilometer weiter, und wir haben die nächste Ausfahrt in Puget-sur-Argens benutzt, um weiter auf kleinen Straßen zu fahren. Das war die beste Entscheidung überhaupt, denn in Fréjus war die Mautstelle komplett gesperrt. LKWs hatten sich vor jeder Schranke gestellt, wie wir von einer Brücke direkt oberhalb sehen konnten. Wer weiß, wann wir in Nizza angekommen wären, wären wir auf der Autobahn geblieben…

Um halb fünf waren wir bei der Autovermietung am Flughafen, und wir hatten noch viel Zeit, bis zu unserem Flug nach München um 19:35. Ich konnte zum Glück sitzen, während der Ehemann in der Schlange für die Gepäckabgabe gestanden hat. Mein Rücken tat richtig weh. Wir haben dann die Zeit am Restaurant auf der Etage nach der Sicherheitskontrolle verbracht. Das Restaurant hatte blöderweise nichts zum Essen, weil es Samstag war. So gut besucht ist der Flughafen wohl nicht. Wenigstens gab es Pastis. Kurz vor Boarding sind wir zu den anderen Reisenden in die Wartehalle gegangen. Das Restaurant hatte eh um 19:00 Feierabend (es ist schlimmer als in Bayern). Um 19:05 kam dann eine Durchsage: Unser Flug sollte über eine Stunde Verspätung haben. Keine weitere Information, und gar keine Mitarbeiter, um nachfragen zu können. Sowohl die App als auch die Webseite von Lufthansa zeigten noch den Flug als pünktlich an. Würden wir denn noch an dem Tag nach Hause fliegen können, oder sollten wir über eine zusätzliche Übernachtung nachdenken? Würden wir rechzeitig Bescheid bekommen? Mein Vielflieger von Ehemann hat die Hotline angerufen und ihm wurde erzählt, dass aufgrund von schwerem Schneefall in München alle Flüge verspätet oder gar annulliert wurden. Die Maschine nach Nizza wäre gerade erst abgeflogen, wir würden aber zurück fliegen können. Es hätte nur so viele Flugausfälle und Verspätungen gegeben, dass sie gar nicht mehr in der Lage gewesen wären, die Informationen auf der Webseite zu aktualisieren. Die LIMS-Programmiererin (also, ich) hat dafür kein Verständnis.

Um 21:00 fing das Boarding an, anderthalb Stunden später landeten wir in München. Es hat über eine halbe Stunde gedauert, bis wir unsere Koffer bekommen haben. Ich habe wieder zum Glück die ganze Zeit sitzen können, und es war gut, weil mein Rücken sich in der Zeit so gut erholen konnte, dass wir bis zur S-Bahn ein wenig laufen konnten. Nicht super schnell, aber schneller als beim Gehen. Die S8 nach Herrsching von 23:14 haben wir gerade noch erwischt, die Nächste wäre erst vierzig Minuten später abgefahren. Um zwanzig vor eins waren wir endlich zu Hause.

Heute habe ich mich geschont. Ich hatte mich für die Nacht mit Voltaren eingecremt und es ging, beim Aufstehen. Ich spüre aber, dass es schlimmer werden könnte, wenn die Blockierung sich nicht löst. Mit einem Schal habe ich den Becken den ganzen Tag warm gehalten, und ich habe vor dem Abendessen schön warm gebadet. Trotzdem klemmt’s weiter. Ich fürchte, dass es morgen auf Arbeit schwierig werden könnte. Vielleicht sollte ich wieder Diclofenac einkaufen gehen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Sonntagsradeln

Dank Fieselfux bin ich auf die Idee gekommen, heute das Fahrrad aus der Tiefgarage zu holen und mit dem Ehemann zum Fliegeberg zu fahren. Von zu Hause aus brauchen wir nicht mal eine halbe Stunde. Es war das erste Mal seit meinem Armbruch, dass ich mein Fahrrad wieder angefasst habe. Fahrrad gefahren bin ich dieses Jahr sonst schon, in Finnland. Leihweise. Bilder dazu kommen noch.

Wir haben die Fahrräder am Eingang vom Park gelassen und sind zu Fuß herum gegangen. Das Wetter war fantastisch, volle Sonne und schön warm, schon am frühen Morgen. Kaum Leute unterwegs, obwohl es schon nach zehn Uhr war. Der Ehemann hat erzählt, er war früher als Kleinkind häufig mit seinen Eltern hierher gekommen, als sie noch in der Nähe wohnten. Seitdem sie umgezogen sind, ist er nie wieder zurück gekommen. Es war schön für ihn, den Park mit mir neu zu entdecken. Hinter dem Wasserbecken sieht man den künstlichen Fliegeberg, den Otto Lilienthal für seine Flugversuche benutzt hatte.

Nach einer kurzen Umrundung des Teiches rechts vom Fliegeberg sind wir zu unserem nächsten Ziel geradelt. Die Sternfahrt. Mich hatte die Idee gelockt, mit dem Fahrrad auf der Autobahn fahren zu dürfen. Wie geil ist das denn? Leider wurde nichts daraus.

Nachdem wir uns dem Zug an einem U-Bahnhof angeschlossen haben, sind wir in Richtung Autobahnzufahrt Grenzallee mitgeradelt. Um dann eine Stunde dort zu verharren. Die Zufahrt war gesperrt, keiner kam durch. Wieso, wusste keiner. Wir haben uns eine Stelle im Schatten in einer Querstrasse gefunden und haben erstmal gewartet. Nun, nach einer Weile tat mein Ischias weh, und es war ziemlich langweilig. Ab und zu kam eine Welle Gedrängel, wo Leute mit ihren Fahrrädern einfach nach vorne gefahren sind, aber vorne ging es trotzdem nicht weiter. Irgendwann hat jemand durch ein Mikrofon die Leute dazu aufgerufen, stehen zu bleiben, was völlig ignoriert wurde, da, nachdem ein Krankenwagen sich den Weg durch die Menge gebannt hatte, viele Leute wieder gedrängelt haben. Irgendeine Information, warum wir da standen und wann es endlich los gehen würde, wurde nicht mitgeteilt. Klar ist, ich mache beim nächsten Mal nicht mit.

Nach über einer Stunde hatte es uns gereicht. Wir sind umgedreht und stattdessen nach Tempelhof gefahren. Bei dem tollen Wetter an einem Sonntag war das Feld unglaublich menschenleer. Wir haben auf den Liegestühlen vom Biergarten entspannt. Einige Meter von uns entfernt, unter anderen Bäumen, saßen zwei Frauen mit einem Kleinkind, das vielleicht zwei Jahre alt war. Das Kind trug nur eine kurze Hose, die ihm doch bis zu den Knien reichte und zu groß war, da sie ihm beim Laufen unter dem Po gerutscht war. Ich glaube, er hat es nicht gemerkt. Irgendwann hat er sich die Hose komplett ausgezogen und ist ganz nackig und fröhlich durchs Gras mit der Hose in der Hand gelaufen. Herrlich. Zwei Männer haben vor den Tischen hinter uns Musik gespielt und gesungen, Country oder so, das hörte sich toll an. Ich habe gedacht, ich will gar nicht weg von Berlin, es lebt sich hier so schön. Tja…


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Nazi-Demo, Polizei…

Ich war heute Morgen in einer unbekannten Stadt unterwegs. Als ich mich einer großen Kreuzung näherte, hörte ich, wie viele Männer einen Slogan skandierten, begleitet von einer Trommel. An der Ampelkreuzung habe ich links geschaut und gesehen, dass gerade eine Nazi-Demo im Anmarsch war. Damit wollte ich natürlich gar nichts zu tun haben. Als das Männchen grün wurde, bin ich dann schnell über die Kreuzung gegangen. Rechts hatte ein Motorrad an der roten Ampel gestanden. Als der Fahrer mich gesehen hat, ist er aber auf einmal auf mich zu gefahren. Ich bin bis zur anderen Seite gerannt. Der Fahrer hat seinen Kurs geändert, um mich zu erwischen, er hat es aber nicht geschafft und ist weiter Richtung Demo gefahren. Als sein Mitfahrer sich umdrehte, um mir den mittleren Finger zu zeigen, habe ich gesehen, dass sie auch Nazis waren. Der zweite Mann hatte seinen Kopf rasiert und trug einen weißen (!) Pulli, auf dessen Rückseite ein Totenkopf abgebildet war. Ich bin weiter schnell gegangen und habe das Polizeigebäude erreicht, das plötzlich vor meinen Augen erschienen ist. Vorne saßen sechs Polizisten am Schalter, drei waren am Telefonieren, die anderen spielten mit ihren Kugelschreibern in der Hand. Als ich rein kam, hat der Polizist mittig links aufgelegt. Ich habe ihm gesagt, dass ich eine Anzeige erstatten wollte und habe angefangen, das gerade geschehene Ereignis zu beschreiben. Ich habe mich kurz gefragt, ob ich mich nicht bei der Polizei bewerben sollte, oder in der forensischen Abteilung. Eine Frau ist hinter den Männern aufgetaucht, auch eine Polizistin. Sie hatten anscheinend gerade das Mittagessen gehabt, weil die Frau anfing, das Geschirr per Hand zu spülen[1]. Sie hatte sogar die dunkel grünen Papierservietten im Wasser getunkt und fing an, diese sauber zu machen, indem sie sie mit einem Messer kratzte. Ich habe mich gefragt, ob ich wirklich dort arbeiten sollte, ich möchte nicht meine Papierserviette waschen müssen, sie gehören nach dem Gebrauch in den Müll.

In dem Moment hat sich meine Katze völlig aufgeregt und wild gegen etwas gekratzt, was mich geweckt hat.

Einen anderen Traum mit Nazis hatte ich schon, der mir sehr stark in Erinnerung geblieben ist, es war am 02.09.2011. Warum ich davon geträumt hatte, keine Ahnung, aber beim Aufwachen habe ich gedacht, ich könnte auf Wikipedia den Artikel über Neonazismus verbessern und habe tatsächlich gefragte Quellen gefunden, so dass ich den Traum noch gut datieren kann.

Ich war in der Stadt unterwegs und wollte nach Hause. Ich bin dafür Richtung Hauptbahnhof gegangen. Es war in Aachen. Als ich am Hauptbahnhof angekommen bin, habe ich eine große ordentliche Truppe von Männern in den SS-Uniformen gesehen, die am Marschieren waren. Ich wollte mich gleich umdrehen und einen anderen Weg nach Hause finden, da hat mir ein Polizist auf der Straße angehalten und gesagt, ich dürfte jetzt nicht mehr nach Hause gehen. Da ich Ausländerin bin[2], hat er mir gesagt, ich sollte in den Bahnhofgebäude rein, dort würde sich jemand um mich kümmern. Im Bahnhof angekommen, habe ich eine lange Schlange von Ausländern gesehen. Eine Frau aus Kamerun stand vor mir, mit ihrem Baby auf dem Arm. Ich habe gesehen, dass am Anfang der Schlange Ärzte waren, die jedem eine Zwangsimpfung machen mussten. Auf beiden Seiten der Ärzte waren Polizisten mit Waffen, die uns dazu zwingen wollten, die Impfung anzunehmen. Danach sollten wir woanders hin gebracht werden. Ich habe an meine Katze gedacht, die alleine zu Hause geblieben war. Ich wollte nirgendwohin ohne sie, es wäre zu grausam, sie zu verlassen. Irgendwie habe ich die Flucht ergriffen können und habe mich zu meiner Wohnung geschlichen. Der Krieg hatte richtig ausgebrochen, man sah aus dem Fenster nur noch Truppen von Soldaten, die jedes Haus durchsuchen wollten. Alle meine Fenster waren gebrochen, überall lagen Glasscherben. Als die Soldaten bei mir kamen und an die Tür klopften, habe ich mich ganz leise mit meiner Katze versteckt, sie haben uns nicht gemerkt. Ich habe beschlossen, von zu Hause aus versteckt mit Hilfe von Internet über die neuen Kriegszuständen hier zu berichten.

[1] Toll, diese erniedrigenden Rollen-Klischees verfolgen mich bis in den Träumen.

[2] Das sieht man, ich habe den Mediterranen Typ.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.