Sonntag in Cambridge

Wir sind am Sonntag letzter Woche recht spät aufgestanden, da wir nach dem Abendessen in London den letzten Zug nach Cambridge bekommen haben, der um Viertel vor zwei ankommt. Es war nach zwei Uhr morgens, als wir zu den Freunden vom Ehemann angekommen sind. Und drei, als wir endlich im Bett waren. Um elf aufgestanden.

Der Tag war also kurz. Wir haben zuerst gemütlich im Garten gefrühstückt. Es war schön sonnig und warm. Ich habe uns ein Avocado-Feta-Aufstrich mit Zitronensaft gemacht. Der Ehemann hat Rührei mit Tomaten vorbereitet. Das kann er sehr gut.

Wir haben uns gegen zwei auf den Weg zum Stadtzentrum gemacht. Diesen Teil von Cambridge mit der bunten Brücke hinter dem Bahnhof kannte ich noch nicht, obwohl ich vorher schon zweimal da war. Ich war sonst immer zur anderen Seite vom Bahnhof in Richtung Stadt gelaufen. Als wir am Pub vorbei gingen, hörte es sich an, als ob gerade ein Fußball-Spiel liefe.

Tatsächlich war England gerade am Spielen. Nicht, dass es mich sonderlich interessiert. Aber an dem Tag war es gut, weil wir eine Tour mit Stechkahn machen wollten, und wir dachten, es würde dadurch nicht so viele Leute auf der Cam geben.

Gestartet sind wir von der Magdalene Street aus. Wir haben eine Tour um 15:45 bekommen, die Dreiviertelstunde dauern sollte. Genug Zeit, um danach zum Bahnhof zu gehen, denn ich musste zurück zum Flughafen und hatte geplant, den Zug um 17:25 zu benutzen.

Punting, oder Stechkahn fahren, hat eine 3000 Jahre alte Geschichte, erzählte uns unsere Begleiterin, eine Studentin in einem der vielen Colleges in Cambridge. Früher wurde es hauptsächlich für Handel benutzt. Deswegen gibt es auf Flußseite ab und zu ein paar Türe zu den Gebäuden, wie in Venedig. Die Cam war doch recht gut besucht, es gab ab und zu Kollisionen. In allem war es aber sehr angenehm.

Die Holzbrücke ist die berühmte Mathematiker-Brücke, so genannt weil die Kurve aus tangentialen geraden Bögen entsteht. Als ich das letzte Mal in Cambridge war, wurde mir von einem Einheimischen erzählt, „dass die Brücke ursprünglich nur aus Holz bestand, und Studenten sie eine Nacht zum Spaß auseinander genommen haben und danach keiner sie mehr zurück bauen konnte, deswegen gibt es heute Nägel“. Dies, informierte uns unsere Begleiterin, ist nur ein von vielen Mythen, die über diese Brücke erzählt werden aber nicht wahr sind.

Auf dem Rückweg sind wir an einem Chor vorbei gegleitet. Die Studenten vom King’s College waren am Singen, und zwar so schön, dass unsere Begleiterin erstmal nichts mehr erzählt hat. Danach waren wir wieder am St John’s College, dessen Gebäude perfekt symmetrisch gebaut wurde, außer für die Adler-Statue, die angeblich den Kopf zur Seite dreht, um die verachteten Rivalen vom Trinity College nicht zu sehen. St John’s gehört auch die Seufzerbrücke, die aber nichts mit der gleichnamigen Brücke in Venedig zu tun hat. Ich glaube nicht, dass sich schlecht benehmende Studenten auf dieser Brücke zu ihrer Todesstrafe geführt wurden.

Nachdem die Tour doch eine ganze Stunde gedauert hat, sind wir in ein Taxi gesprungen. Ich konnte am Bahnhof eine Fahrkarte noch kaufen, bevor ich in den Zug eingestiegen bin. Erst dort habe ich die Email gemerkt, die ich während der Taxi-Fahrt bekommen habe: Der Flug um 20:15 war jetzt für 21:30 geplant! Verdammt!

Fast alle Flüge in Stansted waren verspätet, und die Leute haben sich massenweise in diesem einen zentralen Raum gepackt, weil man die Gate-Information nur Dreiviertelstunde vor Abflug dort mitgeteilt bekommt. Es war eine sehr lange Warterei. Etwas shoppen, und die Zeit zu vertreiben? Es waren so viele Leute unterwegs, dass ich kein Bock dazu hatte. Ich bin Richtung Gates >80 gegangen und habe dort eine ruhige Zone mit freien Sitzplätzen im Flur gefunden. Es war auch kein offizieller Wartebereich. Ich hätte theoretisch bei der Frau hinter ihrer Theke eine Begründung abgeben sollen, warum ich in verbotener Richtung zurück zur Wartehalle gehen wollte, wenn sie nicht in dem Moment einen Ansturm von Leuten bekommen hätte.

Statt um elf Uhr abends in München zu landen, waren wir am Ende erst um Viertel nach zwölf aus dem Flugzeug raus. Die allerletzte S8 nach Hause sollte um 00:44 abfahren. Wie sollte ich es schaffen? Ich hatte kein Gepäck, aber ich kenne mich im Flughafen München gar nicht aus! Ich bin wie eine Irre gerannt und zwei anderen Personen gefolgt, die ebenfalls gerannt sind. Mir haben die Lungen am Ende gebrannt, als wir zur Passkontrolle angekommen sind. Die Passkontrolle hatte geschlossen. Niemand war da und alle Ausgänge waren gesperrt. Selbst die elektronischen Lesegeräte für die Pässe liefen nicht. Der Mann, dem ich gefolgt war, hat eine Klingel entdeckt und diese betätigt. Eine überraschte Polizistin ist aus einem Nebenraum gekommen. Sie wurde gar nicht informiert, dass ein verspäteter Flugzeug angekommen war. Echt eine Schlamperei.

Ich hatte Glück und bin als erste durch gekommen. Doch kein so großer Glück, weil ich danach nicht wusste wohin. Der Mann, der gerade die Rolltreppe putzte und mich verwirrt ankommen sah, hat mir die ungefähre Richtung gezeigt. Die Beschilderung war nicht zu verstehen. Als ich raus kam, konnte ich nicht erkennen, durch welche Tür ich zum anderen Gebäude gehen sollte, wo man zur S-Bahn gelangt. Es war alles dunkel. Die drei Sicherheitsleute waren auch nicht hilfreich und haben nur zugeguckt, wie ich nach der Tür gesucht habe. Es gibt nur Glaswände, finde die Glastür dazwischen…

Am Ende konnte ich am Automaten eine Anschlusskarte zu meinem Abo kaufen, bevor ich in die Bahn eingestiegen bin. Das hätte ich mir sparen können, keiner hat kontrolliert. Um zwei Uhr morgens war ich zu Hause. Die ganze Woche habe ich mich nur noch müde gefühlt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Der botanische Garten in Cambridge

Bevor die Tagung anfängt, habe ich mir ein bisschen Zeit genommen und den botanischen Garten besucht. Die wichtigsten Touristenattraktionen hatte ich schon bei meinem ersten Aufenthalt in der Gegend besucht, und auch wenn es schön war, wollte ich etwas anderes sehen. Also ab zum botanischen Garten, der auch noch nicht weit vom Hauptbahnhof liegt.

Den ersten Eingang zum botanischen Garten konnte ich nicht benutzen, weil ich zeitgleich mit einer Militärparade die Bahnhofstraße runter gegangen bin, und der Eingang direkt hinter einem Denkmal für die gefallenen Soldaten im ersten Weltkrieg liegt. Heute gab es vor dem Denkmal eine Zeremonie, mit Schweigeminuten und Gedichten und Hymnen, das Publikum hat sogar mitgesungen. Aber deswegen war der Eingang zum botanischen Garten gesperrt. Ich habe den Eingang von der Bateman Street benutzt.

Der Garten selbst ist sehr schön und ordentlich angelegt. Von weitem nicht so groß wie in Berlin, jedoch gab es viele Pflanzenarten und Bäume die ich noch nicht kannte. Die Skabiosen, die ich auch bei uns auf der Terrasse gepflanzt haben, scheinen sich hier recht wohl zu fühlen. Einige Bäume sind für Kinder mit Augen am Stamm gekennzeichnet, und sie werden dazu aufgefordert, Samen oder Äste zu sammeln, um sich einen Zauberstab zu basteln. Wie die Buche, die aus zwei Buchen „gebastelt“ wurde.

Die wunderschöne Katze, die mehrmals an mir vorbei gerauscht ist, hat sich anscheinend ihr Zuhause im botanischen Garten gemacht. Während meines ganzen Besuches hörte ich von überall kleine Kinder, die plötzlich so aufgeregt „Kitty! Kitty!“ gerufen haben. Wenn sie wüssten, wie die Katze ein graues Eichhörnchen einen Baum hoch gejagt hat…

In Cambridge ist es gerade nicht sehr warm, seit gestern bin ich nur am Frieren, und nach einer Weile musste ich zu den Gewächshäusern gehen. Bei den Kakteen hat mir der „Hasenohrenkaktus“ besonders gefallen. Ganz viele atemberaubenden Blumen waren zu sehen, zu viele, um alle zu zeigen. Vor allem die, die wie ein bunter Vogelkopf aussieht und deren Namen ich mir nie merken kann. Sie darf in keinem botanischen Garten fehlen. Das Gebäude selbst wirkt recht gemütlich, aus Holz und mit genug Sitzplätzen, um in Ruhe und in der Wärme zu entspannen.

Zum Schluß gab es noch eine Tasse Kaffee mit Pastry im Café des Gartens, und schnell zurück zum Hotel. Mittlerweile ist es sehr windig und bedeckt geworden. Mir ist es so kalt hier!


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.