Die Sache mit den Briefmarken

Briefmarken habe ich zu Hause nie, wenn ich sie brauche.

Der Ehemann hatte sich vor einigen Jahren welche als Vorrat besorgt, als wir noch in Berlin lebten. Das Problem ist nur, dass der Preis einer Sendung sich regelmäßig erhöht. Nach einer Weile sind die Vorräte nutzlos. Letztens hat der Ehemann für einen Brief zwei seiner alten Briefmarken auf seinem Briefumschlag geklebt, obwohl es zu viel war, weil er sich sonst eine Marke für den Preisunterschied hätte besorgen sollen. Dazu hatte er weder Zeit noch Lust.

Heute habe ich wieder eine Briefmarke gebraucht und bei uns im Dorf[1] ist es nicht einfach, welche zu ergattern. Die Post steht im Edeka am Bahnhof. Eine Viertelstunde zu Fuß von zu Hause aus, oder fünf Minuten mit der Bahn, die aber nur drei mal die Stunde fährt. Es lohnt sich nicht, dafür zu warten. Eine Startpage-Suche hat mir verraten, dass es sonst noch zwei Postfilialen im Dorf gibt. Eine war schon geschlossen, als ich raus gegangen bin. Die andere ist ein Lotto-Zeitschriftenladen am Marktplatz.

Ich laufe also zum Lottoladen, da der Weg mich zum Haus vom Kater führt. Heute sehe ich ihn nicht. Im Laden stehe ich erstmal kurz Schlange, bevor ich fragen kann, ob man hier Briefe abgeben kann. Ich frage, weil, obwohl es laut Internet hieß, hier wäre eine Postfiliale, sehe ich nirgendwo das Zeichen der Deutschen Post. Und nein, sagt der Mann hinter der Theke, hier kann man keine Briefe abgeben. Auch keine Briefmarke kaufen.

Ich bin nicht wenig erstaunt, weil ich dachte, man würde doch in jedem Kiosk oder Zeitschriftenladen Briefmarken kaufen können. Oder doch nicht? In Frankreich war es wenigstens so. Ich rufe kurz den Ehemann an, der heute früh nach Berlin mit seinen restlichen Briefmarken im Portemonnaie verreist ist, und frage ihn, wo ich seiner Meinung nach außer bei der Post Briefmarken kaufen könnte. Er sagt, beim großen Zeitungenladen, wo ich eben war.

Ich laufe zurück nach Hause, und gehe diesmal am Edeka vorbei. Schon am Eingang sehe ich die Schlange am Schalter der Post, die sich zwischen den Lebensmittelregalen streckt. Jede Menge Leute mit Päckchen unter dem Arm. Da stelle ich mich nicht für eine Briefmarke an. Ich gehe schnell gucken, ob es wenigstens einen Briefmarkenautomaten gibt. Nein, nicht mal.

Ich laufe zurück zu meinem Viertel und schaue beim Schreibwarenladen hinter unserem Bahnhof. Auf Nachfrage sagt die Dame, sie hätte keine Briefmarke. Oder nur, wenn man eine Postkarte bei ihr kauft. Ha! Man kann wohl Briefmarken außerhalb der Deutschen Post bekommen, aber dafür wird man erpresst, etwas anderes zu kaufen. Ich gehe ohne Postkarte und ohne Briefmarke zurück nach Hause.

Ich erinnere mich, mal den Tipp bekommen zu haben, eine Briefmarke übers Handy zu kaufen. Stimmt. Als wir in Lindau waren, wollte der Ehemann eine Bewerbung abschicken[2]. Wir waren an vielen Orten gegangen und hatten keine Briefmarke kaufen können. Am Ende hatte ich ihm von der Handybriefmarke erzählt, und er hatte seine Unterlagen schicken können.

Als ich heute wieder zu Hause war, habe ich also die Webseite der Deutschen Post besucht. Und ich habe entdeckt, dass man sogar Briefmarken zum Ausdrucken kaufen kann. Gut, dafür musste ich den Rechner vom Ehemann hoch fahren, weil der Drucker an seinem Rechner hängt. Und nach dem Briefmarkenkauf musste ich heraus finden, warum der Drucker zwar angeschaltet war, aber der Rechner behauptete, der Drucker sei offline. Der Kabel vom Rechner zum Drucker läuft unter der Couch, und es sind drei verschiedenen kurzen Kabel, die ineinander gesteckt sind. Eine der Verbindungen war nicht ganz fest.

Briefmarke ausgedruckt, ausgeschnitten, auf dem Briefumschlag geklebt, schnell über die Straße zum Briefkasten, fertig. Das hätte ich von vornherein machen können. Wenigstens habe ich durch meine Suche eine Stunde spaziert. Bewegung kommt momentan viel zu kurz.

[1] Eher eine Stadt, von der Bewohneranzahl her, aber es fühlt sich echt wie ein Dorf an.

[2] Ich hatte mich gefragt, warum er sie nicht vorher schicken konnte. Bevor wir abgefahren sind.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Ein echt mieser Tag

Die Nachricht am Morgen hat mich umgehauen. Ich selbst war überrascht, weil ich ja immer gedacht hatte, mal schauen, ob es überhaupt gut läuft, erst nach drei Monaten kann ich mich auf die Schwangerschaft freuen. Ich wollte mir keine Hoffnung machen. Der Verlust macht mich trotzdem sehr traurig.

Die Frauenärztin hatte mir eine Einweisung zum Krankenhaus gegeben, mit dem Hinweis, ich sollte nichts essen und nichts trinken, falls ich eine Narkose am Tag bekommen sollte. Blöd, weil ich nur ein Keks auf die Schnelle gegessen hatte, bevor ich das Haus verlassen hatte, und ich schon Hunger spürte.

Nachdem ich vorher wieder zu Hause war, um mich umzuziehen und die Arbeitssachen auszupacken, habe ich mich auf den Weg zum Krankenhaus gemacht. Das Krankenhaus, wo ich für die Bauchhöhlenschwangerschaft operiert wurde. Die Krankschreibung für meinen Arbeitgeber wollte ich noch ganz schnell zur Post bringen. Tja. Als ich ankam, standen zwei Männer an den Schaltern vorne, und nur eine Frau war da, um sie zu bedienen. Sie kam mir extrem langsam vor. Weil ich in Eile war, dachte ich. Ich sollte mich geduldig verhalten. Nach einer gefühlten Ewigkeit standen Leute bis zur Tür hinter mir, eine Frau beschwerte sich schon, und die zwei Männer waren immer noch an den Schaltern. Der eine wollte ein Paket schicken und hat es noch vor Ort gestaltet und zu geklebt. Als die Frau den Preis von 22€ angegeben hat, hat er sich beschwert und gefragt, ob es günstiger ginge. Hat ewig gebraucht, um endlich zu zahlen. Noch gefragt, ob er die Nummer zur Sendungsverfolgung haben könnte, obwohl er sie schon hatte. Als er endlich fertig war, wollte der andere Mann irgendwas schicken. Ich habe nicht aufgepasst, wegen Diskretion und so, aber die Frau hat ihn kaum verstanden, obwohl er deutlich gesprochen hatte, und musste quasi alles, Name, Adresse, buchstabiert bekommen. Danach war ich endlich mit meinem Brief dran. 0,70€, bezahlt, raus, keine Minute gebraucht, aber ewig gewartet. Briefmarken habe ich blöderweise nie zu Hause.

Den Bus hatte ich natürlich gerade verpasst und ich musste fast zwanzig Minuten auf den nächsten warten. Ich bin zu Fuß zur nächsten Haltestelle gegangen, weil ich keine Lust hatte, unter dem Regen stehend zu warten. Ich habe dann doch lange warten müssen, weil der Bus verspätet war. Erst um halb eins war ich in der Notaufnahme, und die Warterei hat angefangen. Gut, es war mir schon klar, und ich sollte glücklich sein, warten zu müssen, da es heißt, ich habe keine akute lebensbedrohliche Beschwerde. Ich war bewaffnet und habe so viele Reihen am Schal vom Ehemann wie noch nie an einem Tag geschafft. Ätzend fand ich es im Wartezimmer von der Gynäkologie, weil eine ältere gehbehinderte Dame dort von Pflegern gebracht wurde und nicht mehr beachtet wurde. Sie hat sehr viel alleine gesprochen, wobei ich nur die Hälfte verstanden habe. Und ich dachte, Deutsch kann ich mittlerweile gut. Die Dame war anscheinend geistig verwirrt und sprach entweder mit nicht anwesenden Personen oder erzählte Dinge, die kaum Sinn ergaben.

Um halb vier war ich bei einer jungen Frauenärztin dran, die ich schon aus der Bauchhöhlenschwangerschaft kannte. Sie hat nochmal ein Ultraschall gemacht, um den Befund vom Vormittag zu bestätigen. Kein Herzschlag. Sie hat mir dann die verschiedenen Möglichkeiten erklärt, und ich habe mich für eine Ausschabung entschieden. Sie wird am Freitag statt finden, weil ich an dem Zeitpunkt schon stark an Migräne litt, die durch Hunger und Durst verursacht wurde, und ich hatte keine Lust, noch auf unbestimmte Zeit da zu warten. Ich habe zwei Tabletten bekommen, die ich mir morgen Abend in die Scheide rein schieben sollte, um den Muttermund weicher zu machen. Danach musste ich noch zur Anästhesie, um ein Vorbereitungsgespräch für Freitag durchzuführen. Die Ausschabung wird unter Vollnarkose durchgeführt.

Um halb fünf war ich endlich aus dem Krankenhaus wieder raus, und ich freute mich schon riesig darauf, zu Hause etwas trinken und essen zu können. Ich habe unter strömendem Regen an der Haltestelle auf den Bus gewartet. Es ist die Endhaltestelle der Linie, man könnte meinen, dass die wenigstens dort pünktlich starten. Denkste. Der Bus fährt alle zwanzig Minuten. Ich war kurz vor Abfahrt da und habe über dreißig Minuten gewartet, bis ich beschlossen habe, dass es keinen Zweck hat und mit der U-Bahn gefahren bin. Es war natürlich ein Umweg, aber wenigstens war ich nicht mehr unter Regen. Danach musste ich sowieso auf einen anderen Bus warten, und oh Überraschung, der kam ebenfalls verspätet an. Aber nur acht Minuten. Inzwischen war es recht stürmisch geworden, mein Regenschirm hatte sich schon mal umgedreht, und die schnell fahrende Autos hatten meine Füße völlig durchnässt, weil das Wasser nicht mehr durch den Ablauf auf der Straße floss.

Erst um sechs war ich zu Hause. Theoretisch braucht man mit dem Bus vom Krankenhaus aus nur zwanzig Minuten. Ich war klatsch nass und durchgefroren und musste mich zuerst umziehen. Trinken, Aspirin (jetzt darf ich wieder), essen, schlafen. Es geht langsam besser, und der Ehemann ist auch gerade vom Flughafen angekommen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Preiswillkür bei der Deutschen Post?

Wir haben die Einladungen zur Hochzeit vor einigen Tagen geschickt. Eigentlich wissen schon alle unsere Gäste über Datum und Ort Bescheid, aber ein schönes Kärtchen musste es noch sein. Weiß und rot. Wir haben sie online erstellt und bestellt, samt roten Briefumschlägen und Aufklebern mit unserer Adresse. Für die Firma will ich allerdings keine Werbung machen. Die haben nicht mal gemerkt, dass das Datum auf der ersten Seite der Karte und drin nicht übereinstimmt. Vorne haben wir unseres Hochzeitsdatum richtig eingetragen. Drin ist noch das Datum vor der Vorlage der Karte, das fast wie unser Datum aussieht, aber mit 2015. Ich sehe vor meinen Augen, wie ich beim Durchlesen vor der Bestellung dieses Datum noch im letzten Moment korrigiert habe. Es muss nicht richtig gespeichert worden sein, und nach dem Zahlvorgang konnte ich die Karte nicht mehr sehen. Wir haben sie alle mit einem Aufkleber per Hand korrigieren müssen.

Ich hatte zuerst Karten zu meinen beiden Trauzeuginnen und meinen Eltern geschickt. Ich bin eines Morgens vor der Arbeit zur großen Postfiliale in meinem Viertel gegangen. Die Frau am Schalter hat die Briefe gewogen: 0,70€ nach Deutschland, 0,90€ nach Frankreich. Bevor ich reagieren konnte, hat sie weiße Aufkleber mit Labelfreimachungen gedruckt und meine schöne Briefumschläge damit optisch ruiniert. Die Dinger sind so riesig und hässlich. Gut, dass ich so wenig Einladungen dabei hatte. Ich habe beschlossen, für die nächsten Einladungen Briefmarken zu kaufen. Ich musste an dem Tag auch meiner Mami Dokumente schicken, die ich in einem separaten Briefumschlag gepackt hatte. Vier A4 Seiten, definitiv unter 50g. Da wir zu Hause nur lange Briefumschläge mit Fenster haben, habe ich einen schöneren DIN B5 Briefumschlag benutzt. Dafür hat die Zustellung 3,70€ gekostet. Eine Frechheit. Es muss mit dem Format vom Briefumschlag zu tun haben. Die Umschläge für die Einladungen haben den normalen DIN C6 Format. Die Briefe sind alle innerhalb von zwei Tagen bei den Empfängern angekommen.

Für die anderen Einladungen wollte Martin ein Infoblatt mit Stadtplan und Adressen von Hotels in den Briefumschlägen hinzufügen. Die hat er drucken lassen. Wir haben einige Einladungen damit vorbereitet und er ist zur gleichen Postfiliale gegangen, um sich über den Preis der Zustellungen zu informieren, da die Briefe durch das Infoblatt schwerer geworden sind. Nach einer Wartezeit von Dreiviertelstunde in der Schlange hat er die Information am Schalter bekommen: 0,70€ nach Deutschland, 0,90€ nach Frankreich. Also kein Unterschied. Er hat dementsprechend Briefmarken gekauft und Einladungen geschickt. Einige davon nach Frankreich.

Am nächsten Tag habe ich auch Einladungen vorbereitet. Sie sind in den Briefkasten bei uns auf der Straße geschmissen worden. Heute kamen zwei meiner Einladungen nach Frankreich zurück, jeweils vorne mit einem riesigen gelben Aufkleber auf dem Adressenfeld, und hinten noch schwarz befleckt. Der Grund: Angeblich fehlen 0,60€ Porto, was den Gesamtpreis auf 1,50€ pro Einladung bringt. Die habe ich aber nicht anders vorbereitet als Martin, der Inhalt ist exakt gleich. Seine Einladungen nach Frankreich, die er aus der Filiale geschickt hat, sind nicht zurück gekommen. Meine Briefumschläge sind also wieder ruiniert, und ich behaupte, die Rücksendung ist fehlerhaft. Laut meiner Küchenwaage wiegt ein Brief nicht mal 30g, also müssten die 0,90€ reichen. Ich lasse Martin sich darum kümmern, wenn er zurück kommt. Ich habe häufig gemerkt, dass er als deutscher Mann anders und ernster genommen wird als ich, sei es beim Arzt oder sonst wo. Und reklamieren kann er gut.

Post-Rücksendung

Wir hätten eine Rundmail schicken können. Das hatte damals meine Trauzeugin Sabrina bei ihrer Hochzeit gemacht. Dann wären wir noch 300€ (!) reicher und hätten keinen solchen Ärger bekommen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.