Doch keine OP

Warnung: Dieser Beitrag kann verstörend wirken. Wer empfindlich ist, sollte weglesen.

Ich hatte mich auf die Ausschabung eingestellt. Gestern Abend vor dem Schlaf hatte ich mir die zwei Tabletten eingeführt, wie von der Ärztin empfohlen, „um den Muttermund einzuweichen“. Cytotec heißt das Präparat. Ursprünglich als präventive Maßnahme gegen Magenprobleme entwickelt, hat sich das darin enthaltene Misoprostol als hilfreich in der Gynäkologie erwiesen, um, unter anderen, verhaltene Fehlgeburte auszulösen, wie ich gerade lese. Die Ärztin hatte die Einnahme am Mittwoch damit begründet, dass es die Einführung von operativen Ustensilien vereinfachen würde.

Um drei Uhr morgens bin ich mit Schmerzen im Bauch aufgewacht. Beim Toilettenbesuch habe ich Blut gemerkt. Es sollte normal sein, die Ärztin hatte mich gewarnt. Es kam mir trotzdem viel vor. Ich habe ein Glas Wasser getrunken, da ich es um die Uhrzeit vor der Narkose noch durfte, und bin zurück ins Bett gegangen. Wegen Schmerze konnte ich schlecht schlafen. Ich habe viel geträumt und bin mehrmals aufgewacht. In einem Traum war ich im Badezimmer und hielt in der Hand das gerade vom Leib ausgestoßene Embryo. In Wirklichkeit sah es gar nicht wie ein Embryo aus, aber im Traum fällt sowas nicht auf. Ich konnte sehen, dass es einen offenen Rücken hatte, und dass es sich deswegen nicht normal entwickeln konnte. In einem anderen Traum saß ich in einem weißen Raum im Kreis mit anderen Menschen und musste mich vorstellen: Wie ich heiße, was ich beruflich mache…

Um halb sieben bin ich aufgestanden. Toilette besucht. Wahnsinn, wie viel Blut ich verloren hatte. Es war ein Wunder, dass ich die Bettwäsche nicht versaut hatte. Die Binde war so voll, wie ich es noch nie erlebt hatte. Nachdem ich auf Toilette war und als ich mich wieder anziehen wollte, habe ich etwas die Vagina entlang runter rutschen gespürt. Schnell noch Klopapier geholt und drunter gehalten: Es war tatsächlich das Embryo, das von blutigem Gewebe umgeben war. Kurz danach gab es ein zweites Ausstoß. Was nun damit? Ich habe den Ehemann gebeten, mir ein kleines Behälter zu bringen, damit ich es zum Krankenhaus mitnehmen konnte. Dabei habe ich ihm ausdrücklich verboten, das Badezimmer zu betreten. Es war wahrlich kein schöner Anblick.

Nach dem Duschen habe ich die Station im Krankenhaus angerufen. Ich wollte vor der OP eine Ultraschalluntersuchung machen lassen, da ich den Verdacht hatte, dass die OP nicht mehr notwendig war. Es war kein Problem. Wir sind schnell mit dem Auto dahin gefahren. Eine andere Ärztin hat mich untersucht und ist zum selben Schluss gekommen. Der OP-Termin wurde gestrichen. Ich habe nochmal Cytotec bekommen, das ich diesmal unter der Zunge zergehen lassen sollte, da die starke Blutungen sonst die Tabletten weg spülen würden.

Enttäuscht war ich, dass das Embryo nicht untersucht wird, um die Ursache der Fehlgeburt zu bestimmen. Es wird erst ab der dritten Fehlgeburt übernommen. Also bei der nächsten, wobei ich hoffe, es kommt nicht dazu. Ich hätte die genetische Untersuchung selber bezahlen können, aber die Ärztin hat lediglich angeboten, das Embryo zu entsorgen.

Bevor wir das Krankenhaus verlassen haben, habe ich wieder die Toilette besucht. Mein Bauch schmerzte. Dort habe ich zu meiner Überraschung wieder etwas riesiges runter rutschen gespürt. Ich hatte keine Zeit zu reagieren, und es ist mit einem lauten „Plop“ ins Wasser gefallen. Ich habe nicht rumgewühlt um zu schauen, was es war. Es hatte sich schwer angefühlt und ich war danach erleichtert. Seitdem sind die Blutungen nicht mehr so stark.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Werbeanzeigen

Träume

Ich stand draußen in der Sonne und las ein Buch. Ich befand mich vor der Haustür meiner früheren Wohnung. Es war ganz schön warm, ich war völlig nackt. Niemand hat es am Anfang für komisch gehalten, ich auch nicht. Nach einiger Zeit haben Passanten mich angestarrt. Eine Frau mit Kindern meinte, sie würde die Polizei rufen. Ich habe nicht gewartet, dass die Polizei kommt, und bin die Treppe hoch zu meiner Wohnung unter dem Dach gelaufen. Die Treppe hat sich wie häufig in meinen Träumen nicht normal verhalten: Ich bin zur blanken Wand angekommen, der Gang mit der Tür zu meiner Wohnung hing hinter mir in der Luft. Und wie häufig in meinen Träumen musste ich über die Rampe der Treppe springen, um zu meinem Gang zu kommen. In der Wohnung habe ich meine Reflexion im Spiegel beobachtet und mich geschämt, so nackt draußen gestanden zu haben.

Szenenwechsel. Es war nachts, ich ging an einer ruhigen Straße entlang. Auf einer Bank unter einer Laterne saß Nathalie, eine ehemalige Schulfreundin, die ich seit dem Kindergarten kenne, mit jüngeren Leuten. Als ich vorbei ging, merkte ich Tränen auf ihrem Gesicht, obwohl sie gleichzeitig am Lächeln war. Ich habe sie gefragt, was los war, und sie hat mir ihren Fuß mit einem voll blutigen Pflaster an die große Zehe gezeigt. Ich habe ihr gesagt, so könnte sie hier nicht bleiben, sie sollte zu mir kommen, ihre Wunde waschen und ein neues Pflaster bekommen. Als ich sie fragte, wie sie die Wunde bekommen hatte, meinte sie, ihre Mutter hätte ihr gesagt, auf dieser Weise könnte man totgeborene Kinder wieder lebendig bekommen, und hat dabei ihren Bauch sanft gestreichelt. Ich habe die Wunde genauer betrachtet und habe gesehen, dass es ein sehr sauberer Schnitt um den Nagel herum war. Ich habe mich innerlich geärgert, dass sie einem solchen Unsinn Glauben schenkt und sich selber diese Wunde absichtlich gemacht hatte.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.