Ein unangenehmer Gast

Vor einiger Zeit hatte ich bei der Arbeit einen „Gast“ aus der Uni, der sich „aus Neugier“ unsere Anlage anschauen wollte. Er hatte mich vor zwei Monaten angeschrieben, weil er in einem ganz anderen Gebiet arbeitet, sich aber „immer mehr“ für unsere Thematik interessiert und wahnsinnig gerne bei uns vorbei schauen möchte. Seine Email las sich fast wie eine Bewerbung an und kam mir sehr merkwürdig vor. Ich hatte mich gerade auf eine Stelle in unserer Gruppe beworben, bevor es klar wurde, dass ich aufgrund des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes nicht drauf eingestellt werden könnte, und hatte damals natürlich keinen Zugang zu den Unterlagen von den anderen Kandidaten.

Jetzt weiß ich, dass mein Gast ein der Bewerber ist. Der passt vom Profil aber nur geringfügig, und wir haben viel geeignetere Personen zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Außerdem war Winfried ziemlich beleidigt, als ich ihm (erst danach) von meinem Gast erzählt habe, weil er als Ansprechpartner auf der Stellenanzeige steht, nicht ich. Er hat mich nur kontaktiert, weil seine Chefin mich aus meiner früheren Uni kenne. Wir hatten sehr ähnliche Themen. Sie hatte damals ihre Stelle zum Teil dank meiner Hilfe bekommen. Sie hat mir ihren Mitarbeiter bei der Tagung in März vorgestellt, und er kam mir sehr unsympathisch vor, vor allem in der Art, wie er gedrängt hat, um einen Termin mit mir zu vereinbaren. Er wirkte arrogant. Ich hatte gehofft, dass Winfried vor dem Termin einen Kandidat für die Stelle gefunden und die Absagen geschickt hätte. Dann wäre mein Gast bestimmt doch abgesprungen. Es ging leider nicht so schnell, weil wir so gute Kandidaten dabei hatten, dass wir lange gebraucht haben, um uns zu entscheiden. Jetzt warten wir darauf, dass der erste Wunschkandidat das Angebot annimmt. Oder ablehnt.

Nachdem ich meinem Gast unsere Geräte vorgestellt habe, haben wir einen Kaffee genommen. Ich habe zuerst gedacht, dass ich einen falschen ersten Eindruck von ihm bekommen hatte, weil er doch sympathischer als das letzte Mal wirkte. Als er dann erzählt hat, dass er sich bei uns beworben hatte, was er bisher nicht erwähnt hatte, ist er fast aggressiv wie bei der Tagung geworden. Er sah aus, als ob er es nicht glauben könnte, dass er mit seinem Lebenslauf noch keinen Angebot von uns bekommen hätte. Er interessiert sich doch so sehr für unsere Thematik, weil er sie bei einer Tagung vor zwei Jahren zufällig entdeckt hat und Vorträge darüber gehört hat. Er kann’s mit links. Er wäre der Idealkandidat. Es wäre eine Frechheit, ihn nicht in der Gruppe haben zu wollen, nur weil er die in der Stellenanzeige explizit benötigte Erfahrung nicht hat und an einem ganz anderen Thema arbeitet. Ein beispielloser Fall von realitätsferner Selbsteinschätzung.

Verglichen mit den anderen Kandidaten steht er eher ganz hinten in der Liste. Am Ende findet man noch die Kandidaten, die offensichtlich ihre Bewerbung geschrieben haben, ohne den Text der Anzeige gelesen zu haben, und die in unserer Gruppe ihre Forschungsaktivitäten fortführen wollen, die nicht ansatzweise mit unserem Institut zu tun haben. Ich habe nur darauf hingewiesen, dass Winfried sich bei ihm melden würde, wenn er eine Entscheidung getroffen hat.


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Osterwochenende vorbei

Es war noch länger, weil ich am Donnerstag Freizeitausgleich hatte. Es war als Erholung vom Sonntag vor zwei Wochen gedacht, als ich den ganzen Tag bei der Arbeit verbracht hatte. Ich konnte mich am letzten Wochenende schon halbwegs erholen, aber durch den Tod meiner Katze war dieser zusätzliche freie Tag dringend nötig. Mir ging’s echt mies. Vielleicht hat es damit zu tun, aber ich habe auf einmal keine Lust mehr, in meiner aktuellen Stelle zu bleiben. Ich sehne mich nach einer ganz normalen Arbeit, mit ganz normalen Arbeitszeiten, wo es nicht von einem erwartet wird, dass man sich am Wochenende kaputt arbeitet, wo man stattdessen spontan Wochenendausflüge machen kann, und wo man nicht alle vier Wochen Rufbereitschaft machen muss, um nachtsüber telefonisch erreichbar zu sein… Kurz gefasst: Ich habe wieder angefangen, mich zu bewerben. Und wenn sich etwas ergibt, bin ich weg. Möglichst nicht mehr in der Forschung.

Ich habe noch zu Hause geputzt und eingekauft. Martin ist von Freitag auf Samstag bei Freunden für ein Osterfeuer unterwegs, wie jedes Jahr. Mir war es diesmal nicht danach. Stattdessen habe ich mich erholt. Und vor der Glotze gesessen. Das mache ich sonst nie! Nur Martin schaltet den Fernseher an. Mir ist es zu aufwendig. Drei Steckdosen muss man anschalten, eine Festplatte, die Playstation, warum auch immer, und so viele Fernbedienungen… In meiner Jugend war’s viel einfacher. Knopf drücken, das war’s. Man konnte sogar direkt am Fernseher das Rad drehen, um das Programm zu wechseln, ohne eine Fernbedienung zu brauchen (die war eh nur was für faule Säcke). Jetzt nicht mehr. Es hat sich einiges geändert, in meinem langjährigen Leben ohne Fernsehen, seidem ich fürs Studium umgezogen bin.

Am Samstag war es mir zu schwindelig, um etwas zu unternehmen. Ich dachte schon, ich wäre schwanger (das hat seit der Bauchhöhlenschwangerschaft nicht mehr geklappt), aber nein, meine Periode ist heute wieder da. Gestern ging es mir besser, und ich habe uns ein tolles Osteressen gemacht, wie meine Mami es früher immer gemacht hatte. Lammrücken im Backofen mit ganzen Knoblauchzehen im Fleisch gedrückt, Thymian und Rosmarin, Kartoffeln und Flageolets… Obwohl ich es selber gemacht habe, muss ich sagen, es war so was von lecker! Der Schwiegervater in spe war auch eingeladen. Es war ein gemütliches Mittagessen, wir haben das schöne Wetter genoßen und auf der Terrasse gegessen.

Heute morgen war das Wetter toll. Wir haben offiziell die Fahrrad-Saison eröffnet und sind zum botanischen Garten gefahren. Danach habe ich mir Vorlesungen von meinem aktuellen MOOC angehört. Ich habe die letzten zwei Wochen verpennt, jetzt gab es viel nachzuholen. Es geht um Statistik mit R. Der Kurs ist auf Französisch und endet diese Woche. Die Prüfungen sind aber nicht jede Woche zu liefern, wie beim openHPI, sondern nur bis zum Ende vom Kurs. Die sind viel flexibler, also kann ich es noch schaffen und eine Urkunde bekommen. Vielleicht hilft es bei meiner Jobsuche. Vielleicht auch nicht.


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Ich habe mich beworben

Endlich ist die Stellenanzeige für die Nachfolge von Uschi veröffentlicht worden.

Es hat gedauert, weil Winfried zuerst einen Wunschkandidat hatte, mit dem er schon gearbeitet hatte, bevor er nach Berlin gekommen ist. Den hatte er zum Vorstellungsvortrag bei uns eingeladen. Die zur Zeit leider angespannte Personalsituation in der Gruppe hatte ihn doch erschreckt, da mein IT-Kollege nur noch ein Tag pro Woche bei uns ist, ohne Aussicht auf einen Nachfolger, und Miekes Vertrag alle paar Monate erst im letzten Moment verlängert werden kann — dabei ist sie zuständig für unser ganzes Labor.

Unsere Verwaltung hat die Stelle frei gegeben. Als Nachfolge von Uschi ist sie allerdings gar nicht zu erkennen. Sie ist als banale befristete Postdoc-Stelle ausgeschrieben worden. Immerhin für drei Jahre, was eine Seltenheit ist. Die Begründung von Winfried war, dass er seinem Wunschkandidat sofort eine Dauerstelle angeboten hätte. Eine andere Person müsste sich aber zuerst beweisen, daher die Befristung.

Damit sind meine Chancen, für die Stelle in Frage zu kommen, gleich null. Ich habe schon die maximale Beschäftigungsdauer auf öffentlichen befristeten Stellen erreicht, und kann nur noch über Drittmittelprojekte finanziert werden (DFG und BMBF ausgenommen). Außerdem zieht mich eine Führungsaufgabe nicht so richtig an. Dann hätte ich viel weniger Zeit für meine wissenschaftliche Arbeit, die doch so viel Spaß macht. Wozu denn die Bewerbung?

Vor einigen Wochen hatte uns Winfried beim Gruppenmeeting erzählt, dass die Stellenausschreibung bei der Verwaltung liegen würde. Ich saß gegenüber von ihm. Mr Keen saß neben ihm. Ich habe auf einmal gehört, wie Mr Keen plötzlich laut geatmet hat. Ich hatte schon lange den Verdacht, dass er sich gerne als Chef bei uns sehen würde, seitdem Uschi über seine Kündigung gesprochen hatte. Winfried hat die Stellenausschreibung beschrieben und ausdrücklich einen Punkt erwähnt, der ausschlaggebend war. Der erfolgreiche Bewerber sollte ein Expert in einem bestimmten wissenschaftlichen Gebiet sein. In der Gruppe bin ICH eigentlich DIE Expertin in dem Gebiet. Mr Keen hat da überhaupt keine Erfahrung. Am Ende vom Meeting habe ich absichtlich als letzte den Raum verlassen, während Mr Keen und Winfried noch am Tisch saßen. Als ich an der Tür war, habe ich gehört, wie er ihn „leise“ gefragt hat, ob er wegen seinen fehlenden Kenntnisse in dem Gebiet als Kandidat nicht geeignet wäre. Winfried hat tief eingeatmet. Länger bin ich nicht geblieben, um nicht aufzufallen.

Es wird bestimmt bessere Bewerber geben. Ich sollte mir keine Sorgen machen. Aber was ist, wenn Mr Keen sich bewirbt, und die anderen Bewerber doch nicht passen? Eine Zukunft mit ihm als Chef kommt mir sehr grauenhaft vor. An eine Weiterbeschäftigung in der Gruppe wäre ich sicherlich nicht mehr interessiert. Wer will denn so einen protzigen Typ als Chef haben, der gerne seine Kollegen klein redet, weil er ein bisschen älter ist, und grundsätzlich frauenfeindliche Meinungen mit sich trägt? Er hat sich noch sichtlich für besonders hinterlistig gehalten, als er mir danach gesagt hat, er wäre gespannt, wer zu uns in der Gruppe als Nachfolger von Uschi kommt. Obwohl ihm seine Aufregung im Meeting nicht zu überhören war. Das alleine ist für mich schon ein Ausschlusskriterium. Ein Chef sollte nicht so leicht durchzuschauen sein.

Meine Bewerbung ist also hauptsächlich ein Schutz gegen seine. Denn Winfried kann ihn nicht ernsthaft in Erwägung ziehen, wenn meine Kandidatur daneben liegt. Und Forschungsinstitute sind nicht so starr wie Unis, was Stellen angeht. Wenn er meint, mich einstellen zu wollen, kann er vielleicht trotz Wissenschaftszeitvertragsgesetzes einen Weg finden.


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Eine Absage nach der Anderen

Heute kam eine neue Absage. Auf die Stelle hatte er sich vor zwei Wochen beworben. Das Vorstellungsgespräch hatte schon letzte Woche statt gefunden. Dabei hatte er so ein gutes Gefühl gehabt. Deshalb wirkte er nicht so gesprächig, als er mich heute Abend von der Arbeit mit dem Auto abgeholt hat. Es hat ihn viel mehr enttäuscht als der geplatzte Termin vor drei Wochen.

Bei der anderen Firma hat er inzwischen auch eine Absage bekommen, nachdem ihm die Abteilungschefin wochenlang von einem Angebot erzählt hatte. Sie wollte ihn einstellen. Das Problem kam wohl von der Personalabteilung, die, ohne jemals mit ihm geredet zu haben, beschlossen hat, dass er durch seine langjährige Tätigkeit an Forschungszentren nicht genug Erfahrung in der Industrie gesammelt hat und ihn aus diesem Grund pauschal diskriminiert hat. Wieder diese widerliche Vorurteile. Als ob wir uns die ganze Zeit nur Däumchen drehen würden. Bei meinem Vorstellungsgespräch bei Uhde vor zweieinhalb Jahren hatte mich einer gefragt, warum ich nach der Promotion so lange meine Zeit an der Uni verschwendet hätte. Und Uni ist nicht gleich Forschungszentrum. Dass man das selbst einem Ingenieur vorwerfen kann… Soll mir keiner was von Fachkräftemangel erzählen.

Da ich es eigentlich nicht wusste, habe ich ihn gefragt, um die wievielte Bewerbung es sich handelte. Ich wollte einen Vergleich mit meiner letzten Bewerbungsstatistik haben. Als er sagte, es könnte die zwanzigste sein, habe ich geschluckt. Vor allem, da er mir vor zwei Wochen stolz angekündigt hatte, im Juli schon zehn neuen Bewerbungen geschickt zu haben. Es ist arg wenig. Das habe ich ihm so gesagt. Stimmt, meinte er, immerhin ein wenig geniert. Das hätte ihm seine Beraterin bei der Arbeitsagentur auch gesagt. Ich glaube, ich muss ihn in den Hinten treten. Was treibt er die ganze Zeit? Er ist schon seit fünf Monaten arbeitslos, ab dem nächsten Monat wird er sich zusätzlich außerhalb von Berlin bewerben müssen, meinte seine Beraterin. Als er sein letztes Job bekommen hatte, hatte er gerade drei Bewerbungen geschickt. Er hat wohl geglaubt, es wäre normal. Das war nur großes Glück.

Und er will mich schwängern, ohne zu wissen, wann er wieder arbeiten wird. Er könnte sich wirklich mehr Mühe mit der Arbeitssuche geben. Was ist, wenn er keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld mehr hat und ich wegen Schwangerschaft nicht mehr arbeiten kann? Der Kredit für die Wohnung will auch zurück bezahlt werden. Und ich bin nicht mal Deutsch… Stimmt, da war noch was. Mit Urlaub, Umzug und Arbeitgeberwechsel habe ich es völlig verdrängt, mich um die doppelte Bürgerschaft zu kümmern. Da ich jetzt in einem anderen Bezirk wohne, muss ich sowieso zuerst wieder zum Standesamt, um nach einem erneuten Gespräch einen Antrag zu holen.


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Wie man ein Vorstellungsgespräch zum Scheitern bringt

Es gibt bestimmt viele Möglichkeiten. Diese kannte ich noch nicht. Uschi hatte es uns erzählt, aber ich hatte noch nicht darüber geschrieben.

Wir hatten vor einiger Zeit für mehrere Stellen in der Arbeitsgruppe eine Reihe von Kandidaten zu Besuch. Dabei hatte mir eine Kandidatin für die zweite Stelle einen guten Eindruck gemacht. Sie wirkte kompetent, hatte einen verständlichen Vortrag geliefert, was bei mir als Laie immer gut ankommt, und die Fragen danach gut behandelt. Beim Gruppengespräch fand ich sie sympathisch. Am Ende des Tages hatten wir mit Uschi über alle Kandidaten diskutiert. Er konnte sich nicht richtig entscheiden, mit einer kleinen Präferenz für diese Kandidatin. Ich dachte, sie hätte es geschafft.

Einige Tage später kam Uschi zu uns und meinte, er hätte sich für eine andere Person entschieden. Der Grund gegen die Kandidatin lag in ihrer Reisekostenabrechnung. Sie kam aus einem deutschsprachigen Nachbarland und war schon ein paar Tage vorher hierher geflogen. Mit ihrem Freund. Sie wollte die Gelegenheit nutzen, um mit ihm die Stadt zu besuchen. Beim Gruppengespräch hatten wir unter anderem über Sehenswürdigkeiten diskutiert. Ihr Hotel lag nicht weit weg vom Institut. Am Tag des Vorstellungsgespräches war sie aber mit Taxi gekommen und weggefahren, und hatte uns die Abrechnung dafür geschickt. Obwohl sie sehr gut Deutsch kann und mit öffentlichen Verkehrsmitteln hätte fahren können. Obwohl die Vorträge vormittags um 10:00 angefangen hatten, und sie locker Zeit gehabt hätte, um mit Bus und Bahn zu kommen. Das hat Uschi gar nicht gefallen. Er fand es unverschämt. Wir sind im öffentlichen Dienst, wir schwimmen nicht im Geld. Er meinte, sie würde uns zu Narren halten, wenn wir sie einstellen. Die Reisekosten haben wir bezahlt, und sie hat eine Absage bekommen. So einfach kann es also gehen.


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Vorstellungsgespräche

Mal aus der anderen Seite erlebt.

Ich hatte schon in meiner früheren Uni als Gleichstellungsbeauftragte an Berufungskommissionen teilgenommen. Ich hatte dabei nicht viel zu tun. Ich musste vor allem darauf achten, dass alle Kandidaten fair behandelt werden und keine Diskriminierung statt findet. In unserer Uni hieß „Gleichstellungsbeauftragte“ für viele noch „Frauenbeauftragte“, und ich hatte als Vorgabe, mich für Frauen zu engagieren. Bei meiner ersten Berufungskommission wurde keine Frau eingeladen. Es gab ziemlich genau einen Kandidat. Es handelte sich um eine „Leer-Professur“, die zusammen mit einem Forschungszentrum laufen sollte. Das Forschungszentrum stellte das Geld zur Verfügung, die Uni war nur involviert, um das mit dem „Professor“ zu begründen. Dem Forschungszentrum ging es darum, einen bestimmten Forscher zu behalten, der schon woanders eine neue Stelle gefunden hatte. Es war gar nicht vorgesehen, dass andere Kandidaten sich bewerben. Als Gleichstellungsbeauftragte begann mein Job erst bei den Vorstellungsgesprächen an, ich hatte also wirklich nichts zu tun in diesem Fall. Bei meiner zweiten Berufungskommission wurden eine Frau und vier Männer eingeladen. Ich muss sagen, dass ich die Frau nicht empfehlen konnte. Ich weiß nicht mehr genau, welche Argumente die Mitglieder der Kommission gegen sie gefunden hatten. Meine Bemerkung hat den Ausschlag gegeben: Die Frau hatte einfach kein Forschungsprogramm vorbereitet und hatte während der Diskussion ihren potentiellen Kollegen gefragt, ihr zu sagen, worüber sie denn forschen sollte. Schlecht, wenn man sich auf einer Professur bewirbt. Es wird doch erwartet, dass man selbst eine eigene Forschungsrichtung entwickelt.

Heute war ich nur als zukünftige Kollegin bei den Gesprächen. Wir haben gerade zwei neuen befristeten Postdoc-Stellen mit Kooperationspartnern, und die ausgewählten Kandidaten haben sich heute bei uns vorgestellt und Vorträge gehalten. Unser Chef hatte uns vor zwei Wochen das Programm geschickt, es war mir heute Morgen schon völlig aus dem Kopf gegangen. Gut, dass meine Kollegen darüber gesprochen haben. Die Vorträge selbst habe ich nicht verstanden. Es ist nicht meine Fachrichtung. Vier Kandidaten haben sich vorgestellt, aber ich habe nur drei gesehen, die vierte Person hat den Vortrag über Internet gehalten, ich war nicht dabei. Eine Kandidatin fand ich spontan sehr sympathisch. Ihr Vortrag hat mir gar nicht gefallen. Fachlich kann ich nicht beurteilen, aber sie hatte auf einmal eine sehr unangenehme Stimme, eine arrogante Körperhaltung, und es war sehr mühsam, ihr zu folgen. Als die Fragen kamen, wirkte sie plötzlich wieder ganz anders. Ich habe erst dann gemerkt, dass sie nur extrem nervös beim Vortrag war. Unser Chef meinte danach, er hätte selber nichts verstanden. Und es ist sein Fach. Über den zweiten Kandidaten habe ich gar keine Meinung entwickelt. Zu fade. Der dritte Kandidat hat von weitem den besten Vortrag geliefert. Er gab den Eindruck, fachlich sehr gut zu sein. Er hat auch mehr Erfahrung als die anderen, die gerade ihre Doktorarbeiten abgeschlossen haben. Beim persönlichen Gespräch war er sehr entspannt. Mit Mieke hatten wir auf ihn gesetzt. Martin meinte, dass er zu entspannt wirkte. Er scheint sehr gut über die Mitarbeiter recherchiert zu haben, da er wusste, dass ich erst seit Juli hier arbeite (jetzt weiß ich, wer sich vor kurzem meinen Profil auf LinkedIn angeschaut hat). Über das Projekt für die Stelle wirkte er aber nicht so gut informiert zu sein, oder nicht sehr interessiert. Wir haben Martin gefragt, für wenn er sich am Ende entscheiden würde, und er konnte keine Antwort geben. Ich war kurz darauf, zu sagen, dass es so typisch wäre, da Martin mir unfähig erscheint, irgendwelche Entscheidungen zu treffen (sein schwankendes Verhalten mit mir zeigt, dass er nicht weißt, was er will – er hat auch, seitdem ich ihn kenne, schon drei mal seine Meinung darüber geändert, ob er sich eine Wohnung kaufen will oder nicht). Ich habe meine Bemerkung mit Mühe unterdrückt. Am Ende ist es unser Chef, der die Entscheidung trifft. Seine Beurteilung über die Kandidaten fand ich interessant. Den dritten Kandidat will er nicht unbedingt haben. Er meint, mit seiner Erfahrung müsste er mehr drauf haben, sein Vortrag war zu oberflächlich. Außerdem wäre die Gefahr vorhanden, dass er aufgrund seiner Erfahrung nicht unbedingt alles umsetzen würde, was sich unser Chef wünscht. Genau das Problem hätte er mit meinem Vorgänger erlebt. Andererseits wünscht er sich Leute, die nicht mit der Hand geführt werden müssen, die selbstständig arbeiten und ihre eigene Ideen mitbringen, damit er mit ihnen diskutieren kann – wofür man Erfahrung braucht. Das typische „frisch-aus-der-Uni-mit-zehn-Jahren-Erfahrung“-Profil.

Ich habe heute so gut wie gar nicht arbeiten können. Und am Donnerstag machen wir das gleiche Spielchen wieder, für die zweite Stelle.


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Bewerbungsstatistik

Jetzt, wo ich meinen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben habe, wollte ich mir die Statistik meiner Bewerbungen seit meiner Anmeldung als Arbeitssuchende[1] genauer anschauen. Ich habe ja für die Arbeitsagentur immer meinen Stand der Bewerbungen mit Excel bearbeitet, es sollte schnell gehen.

Insgesamt habe ich 149 Bewerbungen geschrieben. Für einige mag es sich unglaublich hoch anhören, aber es ist in meiner Branche nicht unüblich. Bei promovierten Akademikern in der Chemie habe ich häufig von 200 oder sogar 300 Bewerbungen gehört. Ich liege damit eher im unteren Bereich, ich hätte mehr Bewerbungen schreiben können. Von diesen 149 Bewerbungen habe ich 77,2% Absagen bekommen und bei 3,4% habe ich nicht mal eine Empfangsbestätigung bekommen. Es hat sich also seit der Zeit meiner Promotion vor zehn Jahren stark verbessert, weil damals aus meiner Erfahrung eine Empfangsbestätigung oder überhaupt eine Antwort eher die Ausnahme war. Bei 10,7% meiner Bewerbungen bin ich zu einem Gespräch eingeladen geworden. Aus den 19,5% übrig gebliebenen Bewerbungen, bei denen ich seit der Empfangsbestätigung nichts mehr gehört habe, wären wahrscheinlich auch Absagen geworden, da diese noch offenen Bewerbungen schon zu lange liegen[2]. Falls ihr euch in diesen Zahlen grob erkennt: Nur nicht aufgeben! Ein Freund hat mir letzte Woche von einem seiner ehemaligen Arbeitskollegen erzählt[3], der gerade nach zwei Jahren Arbeitssuche endlich etwas gefunden hat. Es gibt aber auch Fälle, wo Leute nicht mal 20 Bewerbungen geschickt haben und sofort erfolgreich wurden, siehe meine Kollegin.

Ich muss sagen, ich habe großes Glück mit dieser Stelle gehabt. Hätte sie nicht geklappt, wäre ich immer noch arbeitslos, hätte am Montag eine dreimonatige Weiterbildung in Qualitätsmanagement angefangen[4] und müsste heute an einem Gruppentreffen bei der Arbeitsagentur teilnehmen, um über die Beantragung von Hartz IV informiert zu werden[5]. Ich bin froh, dass es mir erspart wurde. Ich muss mich unbedingt bei Theo, meinem früheren Kollegen, bedanken, der mich meinem neuen Chef bei der Fachtagung in März vorgestellt hat. Es ist die einzige Stelle, bei der ich den Ausschreibungstext nicht gesehen hatte, weil sie nicht in einer Jobbörse stand sondern nur in einer von mir unbekannten Mailing-Liste bekannt gegeben wurde. Ich hätte mir echt gewünscht, dass meine ehemaligen Institutsleiter oder Chef, mit denen ich immerhin über zehn Jahren gearbeitet habe, mich so aktiv unterstützt hätten, wie dieser Kollege, mit dem ich nur kurz während meiner Diplomarbeit vor vierzehn Jahren über Email Kontakt hatte und den ich sonst so selten getroffen habe.

Jetzt bleibt mir nur noch, die Personalbearbeiter bei den noch offenen Bewerbungen zu informieren, dass meine Bewerbungen nicht mehr aktuell sind. Ich habe heute Morgen angefangen, und brauche noch einige Zeit dafür.

[1] Schon ein Jahr! Wie die Zeit vergeht…
[2] Ich habe heute Nachmittag einen Anruf verpasst. In der Nachricht sagte der Mann, er möchte sich mit mir über meinen Lebenslauf unterhalten.
[3] Ja, das berühmte „ein Freund von einem Freund“…
[4] Ohne Erfolgsgarantie bei späteren Bewerbungen in diesem für mich neuen Bereich.
[5] Bei der Stelle in Holland haben sie mich zwar ganz kurz nach dem Gespräch angerufen, aber doch nur um mir auf diesem Wege eine persönlichere Absage zu erteilen.


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Neue Woche

Schlechter als letzte Woche kann sie nicht anfangen. Die nächste „wichtige“ Stellenanzeige, für die ich sehr gut passe, hat ihre Bewerbungsfrist am 1. Mai, also noch ein bisschen Geduld, bevor ich etwas höre. Der Vorteil wäre, dass die Stelle in München ist, und diese Stadt gefällt mir sehr. Ich will auch meine Wochenenden im Englischen Garten verbringen. Ach ja, ich habe mich auf eine andere Stelle dort beworben, als zweite Kontaktwissenschaftlerin für ein Großforschungsgerät, aber obwohl ich sehr gut geeignet wäre, erwarte ich dort nichts. Ich habe mich nur beworben, weil die Stelle in der Jobbörse der Arbeitsagentur stand, ich will Vorwürfe vermeiden. Diese Stelle war schon letztes Jahr in Februar ausgeschrieben. Ich war sogar Ende April zum Gespräch eingeladen worden. Und dann nichts, keine Rückmeldung, oder keine direkte Rückmeldung. Mein damaliger Chef war später dienstlich dort und hat mit dem Leiter des Forschungszentrums gesprochen, und der hat ihm gesagt, die Stelle wäre noch zu besetzen. Von allen Kandidaten, die sich beworben hatten, haben sie niemanden genommen.

Heute scheint die Sonne. Ich habe gleich um 09:00 einen Termin mit einem Trainer aus meinem Fitness-Studio. Ich war wegen meines Ischias sehr lange nicht mehr dort, hatte das Abo aber nicht gekündigt, weil ich nicht einsehen wollte, dass es so lange dauern würde. Sie haben viele neue Geräte in dieser Zeit gekauft, die muss ich kennen lernen, bevor ich sie benutze. Ich bin wieder regelmäßig dort. Und brauche gut 8kg los zu werden. Ich will mein BMI wieder im grünen Bereich haben und einen Sicherheitsabstand zur oberen Grenze haben. Ich will wieder eine super Ausdauer haben, so dass ich nach einem Sprint zum Bus nicht fünf Minuten lang noch brauche, um meinen Atem zum normalen Niveau zu bekommen. Und ich will wieder meine Muskeln trainieren.

Ich hoffe sehr, dass das regelmäßige Sport-Training mir mehr seelische Kraft gibt, um Absagen bei wichtigen Stellen besser zu verkraften. Als ich am Wochenende das Geschirr aus der Spülmaschine raus holen und aufräumen wollte, bin ich auf einmal und völlig überraschend zusammen gebrochen. Fast hätte ich den Gegenstand in meiner Hand weg geworfen, ich wollte plötzlich alles in die Gegend rum schmeißen. Das hat mich sehr erschrocken, ich konnte mich nur noch an der Spüle fest halten und erstmal heulen. Blödes Verhalten. Es war wie ein Impuls, an einem Moment stehst du da und hast nur Aufräumen im Kopf, am nächsten Moment flippst du aus. Dabei dachte ich, mir ging’s schon besser. Ich traue mich nicht, in diesem Zustand andere Menschen für längere Zeit zu sehen. Vor allem Menschen, die über meine Bewerbungsversuche informiert sind. Ich habe kein Bock auf Nachfragen. Und kein Bock auf billiges nicht wirklich gemeintes Mitleid.

Ich fange sonst schon die vierte Woche im Kurs Datenmanagement mit SQL an. Letzte Woche ging’s um relationaler Entwurf von Datenbank und Dekomposition. Es war schon ein sehr großes Stück auf einmal, ich musste viele Videos mehrmals schauen, bevor ich die Selbsttests machen konnte. Mal schauen, wie ich diese Woche bei der Hausaufgabe war. Wahrscheinlich nicht so gut wie bei den ersten zwei. Man hat eine Stunde Zeit, ich hatte bei der ersten Hausaufgabe nicht mal zehn Minuten gebraucht, bei der zweiten 23 Minuten. Gestern hat es viel länger gedauert.


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Mittwoch 24.04.2013

Heute ist das Wetter wunderbar. Beim Aufwachen gegen 07:30 dachte ich, es wäre schön, mir einen Tag in den Thermen zu gönnen, so voll wie beim letzten Mal kann es nicht werden, heute ist kein Rabatt-Tag. Beim Aufstehen habe ich gemerkt, dass meine Wunde auf dem linken inneren Schenkel wieder entzündet war – ich hatte letzte Woche bei der Dermatologin auch Fibrome entfernen lassen. Der Grund für die Entzündung: Die Kruste hatte sich über Nacht von der Haut gelöst. Also Dusche, Desinfizierungsmittel drauf, und ich verzichte heute doch lieber auf die Thermen. Schade, meine linke obere Schulter und der Nacken fühlen sich sehr schmerzhaft an. Das hat man davon, wenn man den ganzen Tag so deprimiert ist, dass man sich kaum noch bewegt. Ich weiß nicht, das mit der neuen erfolglosen Bewerbung hat mich so umgehauen, dass ich nach der Dusche erstmal eine Stunde lang den Handtuch auf dem nassen Kopf behalten hatte, ich konnte mich nicht mal aufraffen, mich fertig zu trocknen und anzuziehen – oder zu essen und zu trinken überhaupt. Das muss eher der Grund für den verspannten Nacken sein, auch wenn ich mich heute Morgen psychologisch schon besser gefühlt habe, das Schreiben hilft tatsächlich. Und die Sonne.

Also, statt meine Tasche mit Badesachen zu füllen, habe ich, wie sonst jeden Tag, Bewerbungen geschrieben. Ich habe noch vier offene Tabs mit Stellenausschreibungen, und die automatische Emails von heute noch nicht durchgesucht, ich muss meine Verspätung von gestern nachholen. Eine Stelle in England klingt interessant, wenigstens die muss ich heute schaffen. Da sie die Quarantäne-Dauer für eingereiste Haustiere deutlich reduziert haben, kann ich wieder daran denken, dort arbeiten zu gehen. Ohne meine Katze ging‘s gar nicht. Sie ist so süß, wenn sie merkt, dass es mir nicht gut geht, eine bessere Unterstützung könnte ich nicht finden. Dagegen höre ich keinen Ton von meinen Bekannten, die über die letzten Geschehnisse bei meinen Bewerbungen doch sehr wohl informiert sind – einige sogar noch bevor ich die Absage bekommen habe, durch Yong Jin, und das haben sie mir nicht mal gesagt. Nicht, dass es mich freuen würde, eigentlich, wenn jemand sich melden würde. Mitleid? Ich bekomme das Gefühl nie los, dass es nicht gemeint ist, und es ändert nichts an der Tatsache. Aufmunterung? Dann denke ich, die haben einen Knall, sollen die doch erstmal in meiner Lage sein, bevor sie „Kopf hoch“ sagen, oder mir belehren wollen, wie ich mich zu bewerben habe, wenn sie selbst damals nie nach einer Stelle suchen mussten. Ja, ich bin heute im Zickenmodus. Schlecht gelaunt, aber wenigstens kann ich wieder Bewerbungen schreiben. Zornpower halt. Lars bleibt trotzdem definitiv ein Arsch. Ich war ehrlich gesagt nicht sehr angenehm überrascht, als er vor einigen Monaten meinen Profil auf Facebook entdeckt und mir eine Einladung geschickt hatte. Weil wir gemeinsame Kontakte haben, sonst ist der Profil nicht suchbar, weder bei Google noch bei Facebook. Angenommen aus „Höflichkeit“. Aber ich kann mich nicht hier über ihn so sehr beschweren und ihn gleichzeitig in meiner Kontaktliste behalten. Raus ist er geflogen.

Die letzte nicht so tolle Nachricht: Ich habe mir den Zustand meines Bankkontos genauer angeschaut. Die Ersparnisse gehen schneller als gedacht nach unten. Ich habe auch nicht besonders aufgepasst. Bei normalen Monaten bleibe ich im grünen Bereich, ich gebe ungefähr genau so viel aus, wie ich vom Arbeitsamt bekomme. Aber so viele normale Monate sind es nicht gewesen. Es gab schon in Dezember das Problem mit meinem Rechner, der mich im Stich gelassen hat. Da musste schnell einen neuen besorgt werden. Ich musste neue Kleider kaufen, weil ich mir sonst nie Zeit dazu genommen hatte, es wird aber langsam nötig. Dann bin ich zu meinen Eltern geflogen. Das kompensiert sich – nicht ganz – damit, dass ich für die Dauer meines Aufenthaltes nicht viel ausgeben musste. Dann gab’s die Fachtagung in März, die völlig auf meine Kosten geblieben ist, da ich nicht mehr arbeite und das Institut nicht verpflichtet ist, die Kosten zu übernehmen – Teilnahmegebühre und Fahrtkosten. Zum Glück habe ich einen Freund, Horst, der dort arbeitet, und ich konnte bei ihm die ganze Woche übernachten. Und dann gibt’s die Reisekosten für Vorstellungsgespräche, die immer ziemlich spät zurück bezahlt werden. Der Rekord liegt bei Osram, ich war dort Ende November und habe trotz Versprechen immer noch keine Rückzahlung bekommen. Die Belege sind aber weg, so dass ich es bei der Steuererklärung nicht angeben könnte. Da sieht man, wie unterschiedlich die verschiedenen Firmen drauf sind. Bei ThyssenKrupp hatten sie nicht mal auf meine Fahrtkarten gewartet, dass sie mir schon das Geld überwiesen hatten. Mein erster Schritt zum vernünftig sparen wird es sein, nicht mehr so häufig mit Freunden mittags essen zu gehen. Gleichzeitig ist dieser Kontocheck gut gewesen, weil ich in letzter Zeit in Versuchung komme, wieder zu rauchen. Das sollte ich wirklich besser sein lassen, selbst wenn ich mich so nervös fühle. Dann doch lieber für eine oder zwei Stunden den Frust im Fitness-Studio lassen.


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Noch eine Absage

Und ich bin dann bei 100 angekommen, ich habe gerade die 99. bekommen. Das Ende des Monates naht, so lange kann es nicht mehr dauern. Wer wird wohl der Gewinner sein? Schwierig zu schätzen.

Seit Oktober bin ich ohne Nachricht von Vishay Semiconductor. Aber da es nicht mal eine Empfangsbestätigung gab, wird es auch keine Absage geben. Beim DESY habe ich für zwei Stellen seit der Empfangsbestätigung in September auch nichts mehr gehört. Wahrscheinlich bei der Personalabteilung vergessen und verloren, das hatte ich bei ihnen schon für eine andere Stelle – eine Frau im Auswahlgremium kannte mich persönlich und wusste, dass ich mich bewerben wollte, deswegen hatte sie mich wieder nach meinen Unterlagen nachgefragt, sonst wäre ich gar nicht im Verfahren gewesen. Aber ich war sonst häufig genug dort für andere Stellenausschreibungen, und habe in Dezember festgestellt, dass es in Hamburg verdammt kalt sein kann, ich werde nicht traurig sein, wenn sie tatsächlich absagen. Siemens? Schon seit vier Monaten warte ich: „Für die sorgfältige Bearbeitung Ihrer Bewerbung bitten wir Sie um etwas Geduld. Sie haben sich Zeit für uns genommen – jetzt nehmen wir uns Zeit für Sie.“ Oder wird es eine von den anderen 34 Bewerbungen sein, die bei mir noch „am Laufen“ sind? Seid ihr gespannt? Ich auf jeden Fall. Vielleicht sollte ich eine Gratulierungsemail vorbereiten. „Herzlichen Glückswunsch, sie sind hiermit offiziell mein 100ster Absager“.

Was kann ich also bei der nächsten Absage machen, um die Gelegenheit richtig zu feiern? Ich besorge mir eine Flasche Wein und eine Webcam… Das könnte interessant werden.
„Hmm, stehst du auf Bondage? Schau mal, was ich mit einem Seil machen kann…“
„Oh ja, leg los!“
„Plöck!“
„… Shaar? Bist du noch da?“

20130423

Postskriptum – Nur, dass keiner mich falsch versteht. Natürlich würde ich nie mit jemandem vor einer Webcam spielen. Ach nee, ich meinte, das mit dem Seil zieht mich auch nicht an. Blöder Witz. Ja, es ist grenzwertig, ob man es noch als Humor bezeichnen kann. Egal, ich find’s lustig.


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