Sonntagsradeln

Dank Fieselfux bin ich auf die Idee gekommen, heute das Fahrrad aus der Tiefgarage zu holen und mit dem Ehemann zum Fliegeberg zu fahren. Von zu Hause aus brauchen wir nicht mal eine halbe Stunde. Es war das erste Mal seit meinem Armbruch, dass ich mein Fahrrad wieder angefasst habe. Fahrrad gefahren bin ich dieses Jahr sonst schon, in Finnland. Leihweise. Bilder dazu kommen noch.

Wir haben die Fahrräder am Eingang vom Park gelassen und sind zu Fuß herum gegangen. Das Wetter war fantastisch, volle Sonne und schön warm, schon am frühen Morgen. Kaum Leute unterwegs, obwohl es schon nach zehn Uhr war. Der Ehemann hat erzählt, er war früher als Kleinkind häufig mit seinen Eltern hierher gekommen, als sie noch in der Nähe wohnten. Seitdem sie umgezogen sind, ist er nie wieder zurück gekommen. Es war schön für ihn, den Park mit mir neu zu entdecken. Hinter dem Wasserbecken sieht man den künstlichen Fliegeberg, den Otto Lilienthal für seine Flugversuche benutzt hatte.

Nach einer kurzen Umrundung des Teiches rechts vom Fliegeberg sind wir zu unserem nächsten Ziel geradelt. Die Sternfahrt. Mich hatte die Idee gelockt, mit dem Fahrrad auf der Autobahn fahren zu dürfen. Wie geil ist das denn? Leider wurde nichts daraus.

Nachdem wir uns dem Zug an einem U-Bahnhof angeschlossen haben, sind wir in Richtung Autobahnzufahrt Grenzallee mitgeradelt. Um dann eine Stunde dort zu verhaaren. Die Zufahrt war gesperrt, keiner kam durch. Wieso, wusste keiner. Wir haben uns eine Stelle im Schatten in einer Querstrasse gefunden und haben erstmals gewartet. Nun, nach einer Weile tat mein Ischias weh, und es war ziemlich langweilig. Ab und zu kam eine Welle Gedrängel, wo Leute mit ihren Fahrrädern einfach nach vorne gefahren sind, aber vorne ging es trotzdem nicht weiter. Irgendwann hat jemand durch ein Mikrofon die Leute dazu aufgerufen, stehen zu bleiben, was völlig ignoriert wurde, da, nachdem ein Krankenwagen sich den Weg durch die Menge gebannt hatte, viele Leute wieder gedrängelt haben. Irgendeine Information, warum wir da standen und wann es endlich los gehen würde, wurde nicht mitgeteilt. Klar ist, ich mache beim nächsten Mal nicht mit.

Nach über einer Stunde hatte es uns gereicht. Wir sind umgedreht und stattdessen nach Tempelhof gefahren. Bei dem tollen Wetter an einem Sonntag war das Feld unglaublich menschenleer. Wir haben auf den Liegestühlen vom Biergarten entspannt. Einige Meter von uns entfernt, unter anderen Bäumen, saßen zwei Frauen mit einem Kleinkind, das vielleicht zwei Jahre alt war. Das Kind trug nur eine kurze Hose, die ihm doch bis zu den Knien reichte und zu groß war, da sie ihm beim Laufen unter dem Po gerutscht war. Ich glaube, er hat es nicht gemerkt. Irgendwann hat er sich die Hose komplett ausgezogen und ist ganz nackig und fröhlich durchs Grass mit der Hose in der Hand gelaufen. Herrlich. Zwei Männer haben vor den Tischen hinter uns Musik gespielt und gesungen, Country oder so, das hörte sich toll an. Ich habe gedacht, ich will gar nicht weg von Berlin, es lebt sich hier so schön. Tja…

Anstrengender Sonntag

Ich bin früh aufgestanden. Das ist nichts Ungewöhnliches. Ich kann morgens nicht lange im Bett bleiben. Wenn ich einmal wach werde, bleibe ich es meistens. Der Ehemann braucht deutlich mehr Schlaf. Ursprünglich war meine Idee, ganz früh um 08:00 zur Botschaft wählen zu gehen, um die Schlange von vor zwei Wochen zu vermeiden. Wir hatten aber Freunde zum Mittagessen, also der Ehemann hatte Freunde zum Brunch, eingeladen, und ich habe gekocht. Das tue ich ja gerne. Nun, bei der vermuteten Schlange vor der Botschaft würde ich wahrscheinlich nicht vor zehn wieder zu Hause sein, und das Kochen würde ich nicht mehr rechtzeitig hinkriegen.

Vor einigen Wochen bin ich zufällig in einer Buchhandlung am Savignyplatz auf das NOPI Kochbuch gestossen. Nachdem ich hier und da soviel darüber lesen konnte, habe ich es mir endlich geschenkt und beschlossen, für heute einige Rezepte daraus zu kochen. Entschieden habe ich mich für das Selleriepüree, allerdings ohne Blumenkohl, die getrüffelte Polentastäbchen mit Tomaten-Chutney, und die Zucchini-Manouri-Krapfen mit Sauerrahm-Limette-Dip, für die ich übrig gebliebene Ricotta statt Manouri benutzt habe, da ich uns am Freitag eins meiner Lieblingspastagericht zubereitet habe. Es war eine Menge Arbeit, aber vieles konnte ich schon gestern Nachmittag vorbereiten. Heute Morgen habe ich trotzdem vier Stunden in der Küche gestanden. Es hat sich mehr als gelohnt. Ein Volltreffer war das. Die Gäste waren hin und weg.

Nachmittags bin ich dann zur Botschaft mit dem Ehemann gefahren. Vor zwei Wochen durfte er noch mit mir rein und auf mich drin warten. Heute musste er wie ein Hund draußen bleiben. Zum Glück regnete es nicht, und die befürchtete Schlange ist ausgeblieben. Einerseits gut, weil ich nicht ewig stehen musste. Andererseits schlecht, weil es bedeutete, dass die Wahlbeteiligung viel niedriger als vor zwei Wochen war. Ich habe beim Einwerfen von meinem Briefumschlag nachgefragt: Tatsächlich sind viel weniger Franzosen in Berlin heute zur Wahl gekommen. Ob es am endlich schönen Wetter lag, oder an der Ablehnung beider Kandidaten, oder wegen der Schlange vom letzten Mal… Eines war klar: Die Le Pen ist hier nicht beliebt. Man muss ja beide Zettel zum kleinen Raum hinter dem Vorhang mitnehmen, und nur eines davon in den Briefumschlag stecken. Der Mülleimer war voll von Le Pen Zettel. Vor zwei Wochen haben ihr in Berlin gerade 2% ihre Stimme gegeben, schrieb noch der tip in seiner letzten Ausgabe. Es ging heute also schnell, in fünf Minuten war ich wieder raus.

Wir sind mit dem Ehemann spazieren gegangen, weil das Wetter so traumhaft war. Zum Gendarmenmarkt gegangen, und dann ein Bier in der Sonne getrunken. Ich bin da Zeugin einer unfassbaren Szene geworden, die mich recht entsetzt hat. Vor allem hat mich entsetzt, dass ich nicht wusste, ob und wie ich helfen könnte. In Konfliktsituationen bin ich nicht gut. An einen Nachbartisch hat sich eine junge Frau hingesessen. Es war an dem Zeitpunkt der einzige noch freie Tisch, und direkt nachdem sie Platz genommen hat, ist eine ältere Frau, etwas klein, pummelig und mit kurzen schwarzen Haaren, geschätzt um die 65, zu ihr gestürmt und hat ihr laut gesagt, sie wäre vorher da und die junge Frau müsste ihr den Tisch lassen. Was definitiv nicht stimmte, die junge Frau war vorher da. Diese konnte anscheinend kein Deutsch und hat auf Englisch gefragt, was die Frau wollte. Daraufhin kam der Mann der ältere Frau, der ein auffällig rotes Gesicht hatte, und hat die junge Frau wie ein Miststück behandelt, und nur laut gerufen, „You go out now!“ Die Frau war sichtlich schockiert von diesem Verhalten, hat aber wenigstens gefragt, „Could you at least be more polite?“ Worauf der Mann nur lauter anwortete, „Go out now please!“ Was wirklich keinen Sinn machte, da wir ohnehin schon draußen waren. Die Frau konnte nichts sagen — nicht, dass sie es nicht versucht hätte, aber das ältere Paar hat sie ständig beim Reden unterbrochen.

Zum Schluß ist die Frau zu ihrem Begleiter gegangen, der in der Schlange stand, um Getränke zu besorgen, und hat ihm die Situation geschildert, nehme ich an, da sie in der Schlange geblieben ist und dieser zum Tisch gekommen ist, wo das ältere Paar in aller Ruhe Platz genommen hatte. Er hat sich einfach zu dem Paar hingesessen. Der Mann konnte Deutsch, das Gespräch verlief aber nicht besser. Als er, ganz ruhig, eine Erklärung für das Verhalten des Paares seiner Frau gegenüber verlangte, sagte die Frau, sie wäre von der Jüngeren beleidigt gewesen. „Wie kommt sie denn drauf?“, habe ich mich gefragt. Weil sie vorher am Tisch saß? Oder weil sie deutlich jünger und hübscher war? Verbal und körperlich habe ich nur Aggression vom älteren Paar wahrgenommen, die Jüngere saß nur sprachlos da und konnte sich nicht wehren. Als der junge Mann nachfragte, inwieweit seine Begleiterin die Frau beleidigt hätte, hat diese dann nur geantwortet, „mit Ihnen will ich nicht mehr reden, gehen Sie weg“, und hat den Kopf gedreht. Er hat sich also dem Mann gewandt und versucht, mit ihm zu reden, aber die Frau, die nicht mehr reden wollte, hat sich ständig eingemischt. Zum Schluß ist ein anderer Tisch frei geworden, und das ältere Paar ist dorthin gegangen, ohne noch abfällige Bemerkungen über Berliner und ihrer Arroganz zu verlieren. Die haben vielleicht einen Knall! Vielleicht hatten sie aber auch einen Sonnenstich bekommen, ober waren schon betrunken, der Mann war so rot im Gesicht, das war nicht normal.

Die junge Frau ist kurz danach mit Getränken zu ihrem Begleiter am Tisch zurück gekommen, und die beiden sind dort geblieben, bis die Sonne hinter einen der Doms verschwunden ist. Das ältere Paar hat übrigens ziemlich lange gewartet, dass jemand ihre Bestellung entgegen nimmt, bis sie verstanden haben, dass man sich an der Schlange anstellen muss. Das junge Paar hatte schon ausgetrunken, als der ältere Mann mit Getränken zu seiner Frau zurück gekommen ist. Was ich daraus ziehe ist, man sollte in Berlin touristische Ziele vermeiden, wenn man sein Bier in Ruhe trinken will.

Gewählt

Wäre ich momentan nicht so müde, hätte ich vorher darüber geschrieben. Schon mal vorweg: Enttäuschend aber nicht überraschend, mein Plan, Fillon vor Le Pen zu bringen und diese dadurch daran zu hindern, in die zweite Runde zu kommen, ist nicht aufgegangen. 1,3% der Stimmen haben gefehlt. Der EU-feindliche Mélanchon stand nur ein halbes Prozent hinter Fillon und hat dadurch viel mehr Stimmen bekommen als geplant. Hmm. Keine Panik. Jetzt ist eh klar, dass Macron durch kommt. Ich will noch glauben, dass es genug Vernunft in diesem Land gibt.

Wir sind gestern früh aufgestanden. Ich hatte im Kopf, dass die Wahllokale um 09:00 auf machen und wollte so früh dort sein. Gut fünfzig Minuten brauche ich bis dahin. Die Lokale waren eigentlich schon seit 08:00 geöffnet, aber dafür hätten wir um 06:00 an einem Sonntag aufstehen müssen… Im Nachhinein: Es hätte sich doch gelohnt. So schlimm wie in anderen Ländern war es nicht, aber eine gute Stunde vor Ort hat es mir gekostet. Zuerst eine halbe Stunde unter dem leichten Regen auf dem Bürgersteig vor der Botschaft in der Schlange gestanden. Hätte ich mir ein Kleinkind ausgeliehen, wäre ich vom Personal einfach so vor der ganzen Schlange durchgewunken worden. Hmm, vielleicht eine Idee für die zweite Runde…

Die Sicherheitsvorkehrungen: Minimal. Polizisten haben die Ausweise vor dem Eintritt ins Gebäude geprüft. Im Gebäude wurden die Taschen geröntgt. Aber draußen, wo so viele Wähler standen? Keinen sichtbaren Schutz. Ganz normaler Straßenverkehr. Die Leute standen in zwei Reihen bis zur Kante vom Bürgersteig, und leichte Beute waren wir, falls jemand mit Sturmgewehr oder LKW einen Massaker anrichten wollte. Nichts hätte es verhindern können.

Drin habe ich noch zweimal Schlange gestanden. Zuerst, um den Ausweis geprüft zu bekommen und die Nummer von meinem Wahlzimmer zu erfahren. Eine Frau hinter mir hat sich darüber aufgeregt, dass die Sicherheitsleute am Eingang der Botschaft maghrebiner Herkunft sind, und noch die Frechheit besitzen, sich auf Arabisch zu unterhalten, wenn sie sich alleine glauben. Weil die Frau vielleicht in ihrem täglichen Leben hier mit anderen Franzosen nur auf Deutsch redet? Was geht ihr an, welche Sprache andere Leute unter sich benutzen? Vor allem diese Sicherheitsleute, die ich immer recht freundlich erlebt habe. Blöde Kuh. Die Frau habe ich zum Glück nicht so lange hinter mir ertragen müssen. Danach musste ich nochmal vor dem Wahlzimmer Schlange stehen. Eine Mitwählerin hat sich in der Schlange nach vorne durchgeschummelt, indem sie sich als Journalistin für Le Point angegeben hat und Leute vor der Wahl zu ihrer Meinung vom Wahlkampf befragt hat. Mein Ischias hat am Ende angefangen, sich zu beschweren. Als ich endlich im Büro war, ging es ziemlich schnell.

Abends, beim Lesen meiner Emails, war ich nicht ganz erfreut zu sehen, dass ich eine neue merkwürdige Kontaktanfrage auf LinkedIn bekommen hatte. Von einer Französin, die ich gar nicht kenne und die bei den Republikanern tätig ist. Wahrscheinlich war sie Wahlhelferin, obwohl ihr Profilbild mir nichts sagt. Ich fand es auf jeden Fall eine Frechheit, da sie offensichtlich Datenschutz völlig missachtet. Aber sie kann doch nicht den Namen aller Wähler behalten haben, um sie danach zu kontaktieren! Wir waren um die 7500 Personen, die in Berlin gewählt haben. Keine Ahnung, warum sie meinte, mich kontaktieren zu wollen. Ignorieren kann ich es ja. Wir haben beruflich rein gar nichts miteinander zu tun.

Taxi fahren in Berlin

Heute war in meiner Nachrichten-App, unter anderen, die Meldung, dass Cem Özdemir von Taxifahrern bedroht wird. In Berlin. Genauer gesagt von türkischstämmigen Taxifahrern mit nationalistischem Hauch, die seine politischen Ansichten nicht teilen.

Es überrascht mich nicht. Mit Taxifahrern habe ich auch unschöne Erfahrungen gemacht. Es sollte aber kein falscher Eindruck entstehen, nicht alle verhalten sich so schlecht, vom weitem.

Vor vielen Jahren, als ich Doktorandin war, hatte ich das Zusammenschreiben meiner Arbeit hauptsächlich nachts am Institut gemacht[1]. Tagsüber gab es zu viele Ablenkungen durch die Kollegen. Und häufig war ich gegen zwei oder drei Uhr morgens für die kurze Strecke mit dem Taxi nach Hause gefahren. Ich fühlte mich nicht genug in Sicherheit, um den zwanzigminütigen Fußweg zu machen. Eine Nacht stieg ich wie gewöhnlich ins Taxi ein. Der Fahrer, der, wie der Zufall es will, türkischstämmig war, fragte, was ich denn machen würde. Ich mag es nicht, wenn Taxifahrer persönliche Fragen stellen. Ich habe trotzdem geantwortet, dass ich Doktorandin in Physik war. Der Fahrer ist völlig ausgerastet und meinte, ich sollte als Frau keine Physik studieren. Ich sollte gefälligst heiraten und Kinder bekommen. Ich habe ihn gebeten zu halten und den Rest des Weges doch zu Fuß gemacht. Es war zum Glück ein Einzelfall.

Seitdem ich in Berlin lebe, haben sich blöde Erfahrungen mit Taxifahrern gehäuft. Ich will sie nicht alle erzählen. Ein Beispiel ist, als wir die letzte Weihnachtsfeier mit der Arbeitsgruppe in einem Restaurant in der Nähe vom Kottbusser Tor verbracht haben. Ich hatte an dem Abend nicht zu viel getrunken, wollte aber nicht mit ÖPNV nach Hause. Ich hätte eine gute Stunde gebraucht, und mit dem miesen Ruf vom Viertel kam es nicht in Frage, alleine zu fahren. Die Kollegen wollten noch woanderhin trinken gehen, mir war es um elf schon recht spät. Beim Bezahlen habe ich nach einem Taxi gefragt, und es kam ziemlich schnell. Nachdem wir los gefahren sind, fragte der Fahrer, der wieder türkischstämmig war, ob ich Wein getrunken hätte. Komische Frage. Mit einem blöden Gefühl, habe ich bejaht. Die ganze Fahrt hat er mir deswegen Vorwürfe gemacht. Ich war nach dem dreistündigen Spaziergang am Nachmittag zu müde, aber eigentlich hätte ich aussteigen und mir einen anderen Taxi bestellen sollen. Schließlich hat er mich aus einem Restaurant geholt, und wir sind in Deutschland, was denkt er, was Leute abends trinken? Oder hat er mich für eine Türkin gehalten? Das glauben viele, vom Aussehen her. In Südfrankreich haben wir schon eine dunklere Haut, und mit der halb italienischen Familie hilft es nicht. Das gibt Taxifahrern längst keinen Recht, mich als Gästin so zu behandeln.

Ich sollte es mir zur Gewöhnheit machen, die Nummer vom Taxi aufzuschreiben, um mich eventuell bei der Firma zu beschweren.

[1] Heute würde ich einfach von zu Hause aus arbeiten. Damals hatte ich zu Hause meinen allerersten Rechner mit Windows 98 und keine Internetverbindung.

Auf der grünen Woche

Unglaublich, aber ich war noch nie zur grünen Woche gegangen. Das haben wir gestern endlich nachgeholt.

Ich habe immer erzählt bekommen, dass man auf der grünen Woche sich durch die ganze Welt fressen kann. Wenn man einen bodenlosen Magen hat, und das ist bei mir nicht der Fall.

Angefangen haben wir in Portugal. Wir wollten ursprünglich zuerst nach Italien, um einen Kaffee zu trinken, aber Portugal lag auf dem Weg, mit einer einladenden Theke bedeckt mit Bergen von Pastel de Nata. Lau warm mit Zimt serviert, hmm… Erinnerung an unsere Hochzeitsreise dort. Auf dem Weg nach Italien lag noch Kroatien, und ein Salbei-Honig-Glas durfte in die Einkaufstüte rein.

Nach dem Espresso in Italien sind wir nach Franken gegangen, um mit Bretzel und Weißwurst zu frühstücken. Dazu gab es ein freies Weizenbier. Ich habe nur den Ehemann begleitet, weil mir nicht so danach war. Irgendwie war ich enttäuscht zu sehen, dass der Bierstand anscheinend einer belgischen Firma gehört… „Kriek ist kein Bier“, hatten mir herabsetzend die Kollegen immer gesagt, als ich frisch nach Deutschland gekommen war und erzählte, dass ich das gerne trinke. Tja, die brauen das fränkische Bier.

Wir sind durch die riesigen Hallen geschlendert und haben viele kleine Leckereien gekauft. Ich habe mich schnell überfordert gefühlt. Käse hätte ich gerne gekauft, aber aus Italien, aus der Schweiz, oder Österreich? Das Angebot war so groß und alles sah so toll aus, dass ich am Ende gar kein Käse gekauft habe. In Ungarn scharfe Paprika-Pasten probiert, die zwar sehr lecker aber mir doch zu salzig waren. In Tunesien konnte ich einem Couscous-Teller nicht wiederstehen, und er hat wirklich hevorragend geschmeckt. Genau so gut wie der Couscous meiner Oma, obwohl das Fleisch Hähnchen und kein Lamm war. Damit war ich schon für den Rest des Tages satt. Schade um Ruanda, wo ich auch hin wollte, aber dort standen mir sowieso zu viele Leute in Schlangen.

Wir sind noch durch die Garten- und Tier-Hallen gegangen. Ich war begeistert, ich liebe Ziegen. Eine hatten wir sogar früher im Garten bei meinen Eltern. Ich bin auch auf dem Traktor geklettert und habe auf dem Fahrersessel gesessen. Super bequem, muss ich sagen. Es fühlte sich da oben toll an.

Zum Schluß habe ich mir belgische Schokolade gekauft (die Meeresfrüchten, die ich als Kind so gerne gegessen hatte), und wir haben noch einen Halt in Frankreich gemacht. Dem Ehemann war nach Austern. Bläh. Nichts für mich. Ich habe mir eine Crêpe gegönnt, sowie ein Glas von einem alkoholfreien Sekt. Trotz geringer Erwartung sehr lecker. Leider konnte man keine Flasche vor Ort kaufen. Wo wir waren, hat auch keiner Französisch geredet. Und ein komisches Gefühl hat mir der Stand hinterlassen, weil der Preis vom Wein auf der Karte pro 0,1 Liter angegeben war, aber der Wein in 0,05 Liter Gläser serviert wurde. Darauf angesprochen, hat sich die Kellnerin überrascht gezeigt, und immerhin nachgeschenkt. Hätte ich es nicht gemerkt, wären wir echt abgezockt geworden.

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Christmas Gardens mit Schnee

Da es endlich mal geschneit hat, sind wir gestern Abend zurück zum botanischen Garten gegangen. Es hat sich gelohnt. Mit richtigem Schuhwerk habe ich diesmal die Kälte kaum gespürt, obwohl ich am Morgen etwa 1300 Kilometer südlich aufgewacht war. Nur die Finger wurden steif, die Handschuhe könnten dicker sein. Glühwein und Feuerstellen haben da gut geholfen.

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Christmas Gardens in Berlin

Diesen Beitrag wollte ich länger verfasst haben. Erst jetzt, wo wir auf Familienbesuch sind, finde ich ein bisschen Zeit dazu.

Schon seit Mitte November läuft diese Veranstaltung im botanischen Garten. Da wir in der Nähe wohnen, fand ich es interessant, aber der Preis kam mir unverschämt hoch vor. Der Eintritt kostet 17€, und am Wochenende sogar 19€. Dass wir im Besitz einer Dauerkarte für den botanischen Garten sind, hift gar nicht. Die Veranstaltung wird von einer externen Firma organisiert, die sogar ihren eigenen Mitarbeitern für die Kasse einstellt. Immerhin wird 1€ vom Eintrittspreis dem botanischen Garten spendiert.

Ich hatte also gedacht, dass wir nicht hin gehen würden, bis ich eines Abends auf dem Rückweg vom Einkaufszentrum in Steglitz mit dem Bus am botanischen Garten vorbei gefaren bin. Es war ein Doppeldecker, und ich saß natürlich oben (keine Ahnung, warum die Leute sich immer im Bus unten quetschen, wenn es oben so viel bequemer und leer ist). Der Blick in den Garten hat meine Meinung geändert. Die Beleuchtung sah traumhaft aus, und es würde sich doch lohnen, einen Abend zu zweit dort zu verbringen.

Wegen verschiedenen Terminen und der Wetterlage sind wir an einem Freitagabend hin gegangen. Schon Wochenende-Zuschlag. Ich hatte versucht, uns Karten online für eine bestimmte Uhrzeit zu kaufen, aber die Webseite ist beim Bestellen abgestürzt. Wir sind einfach so angekommen. Es ging doch gut. Die sehr lange Schlange, die man am Eingang vom botanischen Garten immer gesehen hatte, findet nur bei der Eröffnung um fünf statt. Eine Stunde später braucht man schon nicht mehr so lange zu stehen.

Wir haben zwei Stunden dort verbracht. Es war mir zu kalt, ich hatte blöderweise meine warmen Stiefel nicht an. Am besten wäre es natürlich gewesen, wenn es geschneit hätte. Dann würde ich sogar nochmal hin gehen. Aber das werden wir wahrscheinlich nicht erleben. Zum Schluß haben wir Glühwein neben den Gewächshäuser getrunken und die Kinder beim Schlittschuhlaufen geschaut.

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Ab morgen habe ich Home Office

Nur noch zwei Tage Arbeit bis zum Urlaub. Viele Kollegen sind schon weg. Heute musste ich ins Büro, weil ich schon wieder das Rufbereitschaftshandy dem nächsten Pechvogel übergeben musste. Wobei es über die Feiertagen geht, wir haben keinen Nutzerbetrieb und die Geräte sind ausgeschaltet. Ursprünglich wollte ich gleich danach mein Laptop packen, zurück nach Hause fahren und die letzten Arbeitstage des Jahres zu Hause verbringen. Wenn eh kaum einer da ist, kann ich mir die tägliche zweistündige Fahrt im ÖPNV sparen. Wobei mir die Bahn heute viel leerer als sonst vorgekommen ist. Vermutlich sind viele schon im Urlaub.

Ich sollte weiter an meinem DFG-Antrag arbeiten und ihn umstrukturieren. Schon wieder. Langsam ergibt es für mich keinen Sinn und ich habe keinen Bock mehr. Die DFG finanziert keine Projekte, die mit Methodenentwicklung zu tun haben, sondern nur Grundlagenforschung, und ich sollte den Antrag umschreiben, um mehr auf Grundlagenforschung einzugehen. Dagegen hatte ich an Programm#1 wegen Zeitmangels lange nichts mehr gemacht. Darauf hatte ich plötzlich viel mehr Lust als mir den blöden Antrag anzuschauen und zu grübeln, wie ich den nochmal umgestalten könnte. Und da mein Zimmer-Kollege endlich ausgezogen ist, konnte ich im Büro sehr gut konzentriert arbeiten. So produktiv war ich lange nicht. Ich habe die Zeit nicht gemerkt und erst kurz vor sechs Feierabend gemacht. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich schon ewig nicht mehr so spät auf Arbeit geblieben war. Ich glaube, mein Zimmer-Nachbar hatte damit zu tun, dass ich nicht so lange auf Arbeit bleiben wollte.

Ich saß in der S-Bahn auf dem Weg nach Hause, mit meinem üblichen komischen Bauchgefühl, und war fast angekommen, als ich vom Ehemann einen Anruf bekommen habe. Ob ich nicht Lust darauf hätte, zum Kiez-Weihnachtsmarkt zu gehen? Klar. Mein Laptop ist super schwer, aber wenn er den tragen will, gehe ich gerne hin. Erst als wir zurück zu Hause waren, zwei Glühweine und eine Krakauer später, haben wir die Nachrichten gehört. Entsetzlich. Wie in Nizza. In den Nachrichten wollte der Journalist vor Ort noch nicht von einem Attentat reden und hatte die Möglichkeit erwähnt, dass es sich um einen Unfall handeln könnte, vielleicht hatte der Fahrer einen Herzinkarkt bekommen, aber wenn er auf der Flucht ist, glaube ich nicht daran.

Ich hatte schon vor einiger Zeit mit dem Gedanke gespielt, mein Konto auf Facebook zu löschen, aber gerade jetzt kam die Funktion, wo man sich bei schlimmen Ereignissen als sicher melden kann, sehr gut an. Viele Nachrichten von Familie und Freunden aus Frankreich bekommen, und ich konnte sie damit gut beruhigen.

Für morgen Abend wollten wir ursprünglich zurück zum Weihnachtsmarkt gehen. Und das werden wir verdammt noch mal tun. Von der Straße aus ist er nicht gut zugänglich, da sind viele Bäume zwischen Fahrbahn und Markt. Na ja, es gibt auch viele Mülleimer neben den Steh-Tischen, drin könnte man bestimmt ohne große Mühe etwas verstecken… Mein Kopfkino führt mir immer die schlimmste Szenarien vor.

Ich brauche neue Brille

Heute hatten wir einen Termin beim Bürgeramt. Es ging darum, unsere Ehe endlich in Deutschland bei den Behörden anzumelden, denn bis heute waren wir noch nicht dazu gekommen.

Ich wollte es schon seit unserer Rückkehr aus der Hochzeitsreise gemacht haben. Ich habe den Ehemann darum gebeten, nachzuschauen, was wir dafür machen müssten. Als Deutscher sollte er es einfacher haben, das ganze Behördendeutsch auf den Seiten der Stadt zu verstehen. Er hat uns einen Termin beim Standesamt vereinbart. Als wir dort in Juli waren, wurde uns belehrt, dass wir eigentlich zum Bürgeramt gehen sollten.

Einen Termin habe ich uns selber ausgesucht. Es geht online ziemlich gut, wenn man weiß, welchen Service man braucht. Es war aus den Seiten der Stadt nicht klar, daher habe ich die Hotline angerufen und erfahren, dass wir ganz einfach einen Termin für eine Meldung beim Bürgeramt machen sollen. Den Termin habe ich Mitte Juli vereinbart. Da die Ämter in Berlin immer überlastet sind, war er erst für Mitte Oktober geplant.

Ich habe zwischendurch immer wieder geschaut, ob Termine vorher frei wurden. Es ist unglaublich, wie schnell verfügbare Termine auf dem Buchungssystem der Stadt kommen und gehen. Kaum ist ein freier Termin ausgewählt, dass er schon beim Bestätigen von jemandem anders gebucht wurde. Irgendwann hatte ich Glück, und habe den Termin auf heute verschieben können. Es ist egal, in welchem Bezirk man den Termin bekommt. Es wurde Lichtenrade. Ich kenne mich dort nicht aus.

Wir konnten uns beide von der Arbeit befreien. Nicht ganz. Der Ehemann ist morgens ganz früh zur Arbeit gefahren und mit dem Auto von dort direkt zum Bürgeramt gekommen. Ich habe zu Hause an meinem DFG-Antrag gearbeitet und wollte mit ÖPNV fahren. Es war nicht schwer, zuerst mit der Linie X11 zur S-Bahn Buckower Chaussee, und dann mit der S2 nach Lichtenrade.

Ich kam überpünktlich an der Haltestelle an. Die X11 war aber verspätet. Nicht so schlimm, ich hatte genug Umsteigezeit für die S-Bahn. Nach fünf Minuten Verspätung habe ich einen Doppeldecker aus der Entfernung kommen gesehen. Die Nummer sah wie X11 aus. Der Bus konnte nicht direkt vor der Haltestelle halten, weil davor Autos an der roten Ampel standen. Der Fahrer hat weiter weg angehalten und die Türe geöffnet. Ich bin eingestiegen.

An der Ampel hätten wir rechts abbiegen sollen. Wenn ich in der X11 eingestiegen wäre. Es war die 101, und es ist mir erst klar geworden, als ich mit einem sinkenden Gefühl im Magen gesehen habe, wie wir gerade aus gefahren sind. Mist, Mist und noch mal Mist. Ich habe aus der Ferne 101 für X11 gehalten, und nicht mehr geprüft, als ich eingestiegen bin. Bei der nächsten Haltestelle war ich fast zurück zu Hause. Mit der X11 zu fahren würde jetzt nicht mehr klappen. Ich hatte zum Glück geplant, zwanzig Minuten vor dem Termin anzukommen, also war ich noch entspannt. Ich habe beschlossen, bis Rathaus Steglitz zu fahren. Dafür musste ich die 101 verlassen und auf die M48 warten.

Und dann? Mit der S1 nach Schöneberg, und mit der Ringbahn nach Südkreuz, und mit der S2 nach Lichtenrade? Ich habe den DB-Navigator gefragt, und er meinte, am besten wäre es, mit einem anderen Bus zur S-Bahn Station Priesterweg zu fahren, wo ich in die S2 einsteigen könnte. Gut. Die Haltestellen um Rathaus Steglitz sind aber weit gestreut, und ich wusste nicht, wohin ich musste. Ich bin rum gerannt, nur um den Bus an mir vorbei fahren zu sehen. Die M48 war zu spät angekommen, die 170 war dafür pünktlich. Mist. Jetzt war ich wirklich zu spät.

Auf der anderen Seite der Straße war der Taxistand. Ich bin mit dem Taxi gefahren. Der Spaß hat 25€ gekostet, aber ich habe den lange genug geplanten Termin nicht verpasst.