Die Bewerbung ist raus

Nicht einfach, sich mit einem Vollzeit-Job abends an das Verfassen eines Motivationsbriefes zu setzen. Es ist endlich vollbracht. Jetzt bleibt nur noch, die Finger zu kreuzen, oder auf Deutsch, die Daumen zu drücken.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Heiß

Es ist so heiß, dass der Ehemann heute vor seinem Laptop eingeschlafen ist. Wir waren beide zu Hause. Ich war dabei, eine Email für einen Kunden zu verfassen, als ich ihn plötzlich schlafen hörte. Nicht direkt schnarchen, noch nicht, kurz davor. Ich bin aufgestanden und um den Raumtrenner leise gegangen, der unser Arbeitszimmer teilt: Sein Kopf lag gegen die obere Kante von seinem Stuhl angelehnt, zur Decke geneigt, der Mund war offen und die Augen geschlossen. Ich habe ihn geweckt. Keine fünf Minuten später hat er einen Anruf von einem Kollegen bekommen.

Das liegt an der Hitze, und nicht am gestrigen Fußballspiel. Als deutsch-französisches Ehepaar haben wir uns das Spiel angeschaut, auch wenn mir Fußball eigentlich Schnuppe ist. Ich wollte Chips und Bier für den Abend planen, da ich nach der Rückfahrt aus Berlin nicht kochen wollte, aber ich habe es nicht ganz geschafft und uns dazu einen Salat gemacht. Und im letzten Moment Brot gebacken, weil ich auf dem Markt in Pasing beim Umsteigen nicht mehr dran gedacht hatte. Wir hatten uns just vor Spielbeginn auf die Couch niedergelassen, als die Nationalhymnen gespielt wurden. Nach der Marseillaise wollte mir der Ehemann etwas erzählen. Ich habe ihn unterbrochen: „Ich kenne die deutsche Nationalhymne noch nicht mal“, habe ich ihm gesagt[1]. „Ich will sie jetzt hören, weil wir sie in dieser EM nicht mehr lange hören werden“, habe ich fies hinzugefügt. Der Ehemann, „klar, verstehe“. Ein paar Sekunden später: „Hey, Moment mal!“ Ich schiebe seine verzögerte Reaktion auf die lange Zugfahrt.

Das Wochenende in Berlin verlief gut. Ich habe mir gleich nach dem Einchecken im Hotel, und nach einem leckeren Büffelmilcheis mit Basilikum[2], ein Kleid für die Beerdigung vom Schwiegervater am Montag gesucht. Am Naturkaufhaus[2] wurde ich fündig und ich bin so vom Kleid[2] begeistert! Obwohl schwarz und halb langärmlig, wurde es mir tagsüber in der Sonne nicht zu warm, dafür habe ich im kühleren Spätabend nicht gefroren, als wir aus Christinas Wohnung zurück zum Hotel gegangen sind. Reine Baumwolle. Das einzig Doofe ist, es wird schnell zerknittert, was bei einem schwarzen Kleid zum Glück nicht so schlimm ist. Am Sonnabend konnten wir ins Restaurant essen gehen, zum ersten Mal seit langem, und ich hätte mir gar keine Sorge bezüglich Test machen müssen: An gefühlt jeder Ecke steht ein Corona-Testzentrum, sogar kostenlos, und als wir da waren, waren wir die Einzigen, die sich testen lassen wollten. Außerdem sind wir im Restaurant doch gar nicht nach einem Test gefragt worden.

Am Sonntag haben wir vormittags den botanischen Garten besucht, mal wieder. Leider hatte ich meine Kamera nicht aufgeladen und nach der Kohlmeise, die auf einer Hecke so schön die Pose eingenommen hatte und die ich trotz Aufregung halbwegs scharf fotografieren konnte[3], war es vorbei.

Eine nette Begegnung gab es auch am späten Montagabend, nach dem Familientreffen nach der Beerdigung, als wir zu Fuß auf dem Weg zum Hotel an einer Hecke vorbei gelaufen sind. Etwas drin war sehr laut. Selbst für eine Amsel war es sehr laut und es war nachts. Ich habe mich um die Hecke geschlichen und einen Marder entdeckt. Der ist ein paar Meter weg gelaufen, hat sich dann auf den hinteren Pfoten gestellt, um uns genauer zu beobachten, und hat dann endgültig die Flucht ergriffen, obwohl wir weit geblieben sind. Wenn er unentdeckt bleiben will, muss er lernen, leiser zu sein.

[1] Die Einbürgerungspläne sind eingeschlafen. Es ist seitdem zu viel passiert.

[2] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

[3] Es hat geholfen, dass ich vor einigen Tagen heraus gefunden habe, wie man den Kamera-Ton beim Scharfstellen ausschaltet.

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Gedanken im Zug

Ingolstadt.

Ich sitze am Tisch und nasche am Schokoladenstück, das uns der Kontrolleur mitgebracht hat. In unserem Abteil ist es angenehm. Wir sitzen nur zu zweit und die Temperatur ist gerade richtig eingestellt. Ich hatte ein Pulli gepackt, weil ich es schon ganz anders erlebt habe, im Zug im Sommer. Das wäre doch egal gewesen, da wir im Abteil selber die Temperatur regeln können.

Wir sind unterwegs nach Berlin. Der Anlass ist nicht fröhlich. Der Ehemann hatte auf den Sommer gesetzt, in der Hoffnung, dass die Corona-Fallzahlen wie letztes Jahr genug sinken und sich mehr Leute treffen können, um die Trauerfeier für seinen Vater zu organisieren. Das ist wichtig, weil so viele von seinen Freunden im hohen Alter sind. Inzwischen sind die meisten von ihnen vollständig geimpft.

Gerade sind wir aus Nürnberg weiter gefahren. Wir haben die Dame vom Bistro glücklich gemacht. Ab heute gibt es nämlich wieder gastronomischen Service in der ersten Klasse, und bis zu unserem Abteil wollte niemand von ihr etwas haben. Die Leute haben sich an die Monate ohne Service gewöhnt. Ich freue mich aber immer auf einen schwarzen Kaffee.

Da die Mietwohnung vom Schwiegervater jetzt neu vermietet wurde, haben wir uns ein Hotelzimmer gebucht. Bei Christina, seiner Cousine in Berlin, meint der Ehemann nicht gut schlafen zu können. Berlin fühlt sich nicht mehr wirklich wie zu Hause an. Ich habe lange die Hauptstadt vermisst, aber nach über einem Jahr Home Office ist es mir egal geworden, wo ich lebe. So lange die Vermieterin die Miete nicht erhöht. Da trauere ich unserer Eigentumswohnung schon nach. Aber ich habe gemerkt, es hat was, nicht mehr in einer Hauptstadt zu leben. Die ärztliche Versorgung ist besser. Das ist ein wichtiger Punkt. Jünger wird man nicht. Man muss hier nicht Monate warten, um einen Termin zu bekommen. Wenn ich ein Problem habe, gehe ich zu meiner Hausarztpraxis, und dort wird bei den Kollegen telefoniert, ob ich gleich an dem Tag ran komme, wenn ich zu einer Fachpraxis überwiesen werden muss. In Berlin hatte ich selbst nach einem von meinen vielen Spontanaborten keine Gynäkologie-Praxis in meinem neuen Kiez gefunden, nach dem Umzug mit dem damals noch nicht Ehemann, die mich als neue Patientin annehmen wollte.

Mist. Auf einmal wird es mir viel zu warm. Dabei trage ich nur einen kurzen Jeansrock und ein T-Shirt. Ich frage den Ehemann, ob es ihm auch zu warm ist. Nein, sagt er. Es muss die Menopause sein. Meine letzte Regelblutung liegt jetzt fast drei Monate her. Oder liegt es an der Schokolade-Kaffee-Kombination am frühen Morgen? Der Ehemann hat ganz lieb die Temperatur runter gestellt.

Apropos Gesundheit, ich frage mich, warum es keine Möglichkeit gibt, sich im Zug testen zu lassen. Ich meine nicht den Kanton Zug in der Schweiz, das ist nämlich das, was ich als Ergebnis bekomme, wenn ich „Corona Schnelltest im Zug“ in Suchmaschinen eingebe. Wir haben für heute Abend einen Tisch in einem Restaurant reserviert, und müssen ein negatives Testergebnis vom Tag vorweisen. Heute früh sind wir durch den ganzen Hauptbahnhof in München gelatscht und haben keine einzige Apotheke gefunden. Wir kommen nachmittags in Berlin an und an einem Samstag kann ich mir vorstellen, dass die Leute Schlangen stehen werden, um sich testen zu lassen. Wenn wir keinen Test bekommen, holen wir uns ein Sandwich. Dabei sitzen wir gut viereinhalb Stunden im Zug. War es in all den Monaten nicht möglich, ärztliches Personal an Bord einzustellen, um Schnelltests anzubieten? Von mir aus nur an den Haltestellen, wenn es nicht wackelt. Oder hat keiner dran gedacht? Selbst wenn es teurer als in Apotheken gewesen wäre, hätte ich das Angebot heute gerne wahrgenommen. Da hat die Bahn die Gelegenheit verpasst, Geld zu verdienen.

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Weihnachten ohne den Schwiegervater

Wir hatten geplant, Weihnachten in Berlin zu verbringen, um den Schwiegervater aus dem Heim zu holen und mit ihm ein paar Tage zu verbringen, nachdem wir Quarantäne einhalten und uns testen lassen. Die Testergebnisse hat der Ehemann in seine App geladen, da die Corona-Warn-App für mein Handy nicht verfügbar ist. So alt ist mein Handy nicht, gerade zwei Jahre, und ich gehöre nicht zu den Suchtkonsumenten, die funktionierende Geräte entsorgen, nur weil ein Neueres auf den Markt kommt. Ein neues Handy für diese App zu kaufen kam für mich daher nicht in Frage. Vor allem, da ich zu Hause arbeite und wenn ich das Haus verlasse, dann überwiegend mit dem Ehemann. Eine App für uns beide muss reichen. Der Ehemann hat sein Test geladen, negativ. Er musste dann sein Test löschen, um mein Test auch zu laden. Ebenfalls negativ. Das war am Samstag.

Unser Plan für Weihnachten wird trotzdem nichts. Wir sind stattdessen in Frankfurt, bei der jetzt engsten Familie vom Ehemann. Der Schwiegervater ist am Anfang des Monates verstorben, und so schnell konnte ich nicht darüber schreiben. Das muss man erstmal verdauen.

Ich sage, Corona ist schuld. Es gab im November einen Fall im Heim. Alle Bewohner wurden dazu aufgefordert, ihre Zimmer nicht mehr zu verlassen, und Besuche wurden verboten. Den Schwiegervater hat es sehr getroffen. Infiziert hat er sich nicht, aber die Ausgangssperre wurde ihm zu viel, vor allem, als sie verlängert wurde, als ein zweiter Fall bekannt wurde. Er hat angefangen, nicht mehr essen zu wollen, und sich geweigert, seine Medikamente zu nehmen. Das Heim hat den Ehemann angerufen, der Ehemann hat mit seinem Vater telefoniert und dachte, er hätte ihn dazu überredet, wieder auf sich zu achten. Aber dann hat der Schwiegervater seine Anrufe nicht mehr angenommen. An dem letzten Sonntag von November wurde der Ehemann so unruhig, dass er auf die Stelle nach Berlin fahren wollte. „Und was dann?“ hatte ich ihn gefragt. Wenn Besuche verboten sind, kommt er nicht ins Heim, egal, was er versucht, den Mitarbeitern zu erzählen. Der Ehemann ist zu Hause geblieben. Sein Vater hat weiterhin keine Anrufe angenommen. Zwei Tage später ist der Ehemann vom Heim angerufen worden. Sein Vater ist friedlich im Schlaf gestorben.

Wir sind nach der Meldung nach Berlin gefahren. Der Ehemann hat auf einmal viel zu regeln gehabt, da er Einzelkind und jetzt Waise ist. Natürlich konnte ich ihn in der Zeit nicht alleine lassen, und Tim, unser neuer Teamleiter seit dem Sommer, war sehr verständnisvoll und hat mich von der Arbeit befreit. Es gab eine kleine Trauerfeier im engsten Kreis. Auf dem Weg zum Bestattungsinstitut war ich richtig froh, dass der Ehemann sich nicht für die Konkurrenz einige Häuser vorher entschieden hat. Wir sind von der S-Bahn-Station aus zu Fuß dahin gelaufen, und ich habe zuerst gedacht, wir wären an eine billige Fahrschule vorbei gelatscht. Nee, es war ein Bestattungsdiscounter und sah furchtbar aus. Der Ehemann hatte sich für die andere Firma entschieden, weil der Name ihm bekannt vorkam. Er hatte nicht mal Zeit, sich über sie richtig zu informieren. Glück gehabt, vor allem, weil der Discounter den selben Namen wie die Bowling-Lounge[1] trägt, wo der Ehemann sonst mit seinen Kumpeln Geburtstag feiert, er hätte auch sagen können, dieser Name kommt ihm bekannt vor. Wenigstens konnten wir uns von dem Schwiegervater in Würde verabschieden. Das Gefühl hätte ich beim Discounter nicht gehabt.

Der Ehemann gibt den Anschein, es gehe ihm gut. Ich weiß aber, wie schlecht er in letzter Zeit schläft und was für unruhige Träume er hat. Er hat sich am Anfang schuldig gefühlt, dass er sich bei der Nachricht vom Tod seines Vaters nicht nur traurig, sondern auch erleichtert gefühlt hat. Er hat gesehen, wie es dem Schwiegervater schlechter wurde, und es gab keinen Anlass zu glauben, dass sein Zustand sich verbessern würde. Seit dem Schlaganfall wurde seine Aphasie wegen den Corona-Beschränkungen nicht richtig behandelt, und man hat gemerkt, dass es ihn sehr frustriert hat, nicht mehr reden zu können. Lesen konnte er auch nicht mehr. Am Telefon hat er in letzter Zeit viel zu schnell aufgegeben, wenn ihm ein Wort nicht mehr eingefallen ist. Wie wert ist ein Leben, wenn man nicht mehr in der Lage ist, mit anderen Menschen zu kommunizieren? Wenn man sich ständig vom Pflegepersonal missverstanden fühlt und seine Wünsche nicht mehr äußern kann? Der Ehemann hatte seinen Vater verstanden, aber das reicht nicht. Er hat sich jetzt eingeredet, dass sein Vater beschlossen hat, aus dem Leben auszutreten.

Ich frage mich, würde ich in einem solchen Zustand leben wollen? Ich habe dem Ehemann schon gesagt, dass ich mich for Demenz graue. Lieber würde ich eine assistierte Sterbehilfe in Anspruch nehmen, als jahrelang vor mich hin zu vegetieren. Die Unfähigkeit, sich auszudrücken, selbst mit klarem Kopf, möchte ich auch nicht erleben. Nicht auf Dauer. Da wird man nur noch hilflos für jede Art von Missbrauch ausgeliefert, denn wie sollte man sich darüber beschweren können? Deswegen hatte ich mich so viele Sorgen gemacht, als ich im relativ späten Alter mal länger schwanger wurde.

Ob der Schwiegervater also absichtlich gestorben ist? Eine solche Entscheidung könnte ich nachvollziehen, aber kann das einfach so im Schlaf passieren, wenn man sich dafür entschieden hat? Schön wär’s.

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Bilder vom Wochenende in Berlin

Wir sind am Freitag mit dem ÖPNV unterwegs gewesen. Zufällig genau an dem Tag, an dem die neue U5 in Betrieb genommen wurde. Blitzeblanke Bahnhöfe. Schicke Rolltreppen mit blauer Beleuchtung und durchsichtiger Bekleidung, die das Innenleben offenbart. Viele Besucher, mit Kameras und sogar Stativen, die die neuen Bahnhöfe bestaunen. Wie lange sie wohl noch so sauber aussehen werden?

Am Samstag waren wir in Charlottenburg. Der Ehemann hatte in seinem ehemaligen Kiez Sachen zu erledigen. Der Tag hatte schön sonnig angefangen, aber am frühen Nachmittag wurde es grau. Nah am Schloss habe ich einen Meilenstein entdeckt. Er ist so schwarz, dass man die Inschrift kaum noch sieht: „I Meile von Berlin“. So häufig muss ich daran vorbei gelaufen sein, ohne zu merken, dass es sich um einen Meilenstein handelt.

Trotz der Kälte sind wir im Garten vom Schloss spazieren gegangen. Wir waren früher sonntags da gejoggt, als ich den noch nicht Ehemann in seiner Wohnung besucht hatte. Das war noch bevor wir uns eine Wohnung gekauft haben. Das Schloss wirkte traurig, wenn man weiß, dass normalerweise auf dem Platz vorne ein Weihnachtsmarkt statt findet. Im Park waren nicht so viele Leute unterwegs, außer am Karpfenteich, wo Familien die Enten gefüttert haben. Gänse und, natürlich, freche Spatzenbanden, waren auch dabei. Am hinteren Ende vom Garten befindet sich der Obelisk zum 11. März, ein beliebiger Tag ohne besondere historische Vorkommnisse, wenigstens aus der Sicht von Braco Dimitrijević[1], als er 1979 das Kunstwerk schuf. Wir sind am Fürstenbrunner Graben, mit derzeit wunderschönen Farben, vorbei gelaufen, und über die Brücke zum Bahnhof Jungfernheide.

Auf dem Weg zum Bahnhof fallen mir alte Plakate von vor der Pandemie auf. Diese sind besonders, da wir dafür Karten gekauft hatten. Schade. Da fällt mir wieder etwas auf, worüber ich früher geschrieben haben wollte. Das BKA-Theater[1], wo die Veranstaltung geplant war, betreibt einen YouTube-Kanal, auf dem Auftritte kostenlos übertragen werden und danach verfügbar bleiben. Dazu werden im Online-Shop „BKA Antivirus-Livestream-Tickets“ verkauft, der Betrag bleibt den Käufern zur Auswahl. Obwohl ich nicht gerne so ausdrücklich Werbung mache, erscheint es mir eine gute Möglichkeit, die Künstler in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen.

Am Abend laufen wir an eine dieser neuen öffentlichen Toiletten vorbei, und ich widerstehe der Versuchung gar nicht, ein Foto davon zu machen. Auf dem Bild ist der Innenraum überbelichtet, aber man sieht schon gut, was man eigentlich nicht sehen sollte. Und jetzt im Winter (ja gut, offiziell ist es noch Herbst) muss es da drin zusätzlich fürchterlich ziehen.

Die Rückfahrt am Sonntag verlief ruhig, der Zug war deutlich unterbelastet, selbst in der zweiten Klasse. Den Aufpreis zur ersten Klasse hätten wir uns sparen können. Allerdings war es am Hauptbahnhof in Berlin noch chaotischer als für die Hinfahrt: Nicht nur der gebuchte Wagen fehlte, sondern der ganze Zug. Gebucht hatten wir ICE 1711 nach München, aber nur ICE 1709 nach München war da. Wir sind am laut ausgehängtes Zugplans richtigen Bahnsteigabschnitt eingestiegen und haben an einem nicht reservierten Tisch gesessen. Vermutlich kam der Zug 1711 verspätet aus Hamburg, da wir kurz vor der verspäteten Abfahrt ein Ruckeln gespürt haben. Mir war nur nicht danach, zurück zum Bahnsteig zu gehen und auf den richtigen Zug zu warten. Es gab, wie inzwischen üblich, keine Information, ob ein anderer Zug ankommen würde. Es hätte genau so gut sein können, dass wir auf dem Bahnsteig stehen bleiben, ICE 1711 nie kommt und ICE 1709 ohne uns abfährt. Das Risiko wollte ich nicht eingehen.

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Wochenende in Berlin

Wir haben das Wochenende in Berlin verbracht. Familientreffen. Die angeheiratete Familie, versteht sich.

Ich war zuletzt im Februar dort, als wir den Schwiegervater im Krankenhaus besucht hatten. Seitdem war der Ehemann alleine hin gefahren, bis er seinem Vater noch rechtzeitig vor den Corona-Einschränkungen einen Platz in einem Pflegeheim gefunden hat. Wir haben seit seinem Umzug in den Nachrichten die Corona-Ausbruchsgeschichten in Pflegeheimen jedes Mal mit einem sinkenden Gefühl im Magen gehört. Dem Schwiegervater geht es doch gut, und er ist sogar froh, die Ausgangssperre nicht alleine zu Hause durch gesessen haben zu müssen.

Das weiß ich dank des Ehemannes, weil die Aphasie vom Schwiegervater durch den Schlaganfall am Anfang des Jahres immer noch nicht richtig therapeutisch angegangen wurde. Wortfindung fällt ihm schwer, ich kann kaum etwas von dem verstehen, was er versucht zu erzählen. Wegen Corona-Einschränkungen konnte seine verschriebene Behandlung nicht persönlich statt finden. Es hat Monate gedauert, bis eine Online-Lösung durch seine Praxis eingerichtet wurde, weil das Heim Besuche streng reguliert hatte. Es ging nur mit Termin hinter einer Plexiglasscheibe, was dem behandelnden Arzt nicht passte. Und jetzt am Anfang des Monates, nach gerade zwei Terminen, hat die Krankenkasse die Bezahlung der Online-Behandlung abgebrochen, weil durch die Lockerungen die Therapie wieder persönlich statt finden kann. Die Praxis hat aber erstmal keinen Ersatztermin angeboten, und der Ehemann musste ewig hin und her telefonieren, damit der Schwiegervater nach zwei Wochen Unterbrechung seine Therapie fortsetzen kann. Fortschritte, die er gemacht hatte, sind schon weg. Eigentlich hätte es doch die Aufgabe vom Pflegeheim sein sollen! Ich bin richtig sauer darüber, dass weder sie noch die Praxis es für nötig gehalten haben, sich darum zu kümmern. Ich verstehe nicht, wie der Ehemann da so sachlich und geduldig am Telefon mit den Verantwortlichen reden konnte. Ich hätte schon längst einen Anwalt eingeschaltet, denn es kann nicht sein, dass man jemandem mit einem akuten Hilfebedarf eine Behandlung monatelang nicht ermöglicht. Eine Schlamperei ist das.

Jedenfalls darf jetzt der Schwiegervater wieder raus aus dem Heim. Am Sonntag ist er mit uns zu seiner noch nicht gekündigten Wohnung gekommen, wo wir übernachtet haben, um mit dem Ehemann darüber zu diskutieren, was entsorgt werden soll.

Der Schwiegervater hat sich zum Schluss mit einer Umarmung von mir verabschieden wollen, was mir unheimlich war. Ich bin nicht sicher, ob ich nicht während meiner kurzen Zeit in Berlin nicht schon angesteckt wurde. Es fing am Freitagabend an, als wir in die S-Bahn am Südkreuz eingestiegen sind, und eine Gruppe Italiener auf der anderen Seite vom Wagen nur am rum schreien war – ohne Maske. Als wir später unterwegs auf der Suche nach einem Restaurant waren, stand plötzlich eine alte Frau auf dem Bürgersteig vor uns uns hat munter links und rechts um sich grässlich gehustet – auch ohne Maske. Wie kann man heutzutage noch nichts von Hustenetikette gehört haben? Am nächsten Tag haben wir den Bürgersteig wechseln müssen, weil ein junger Mann auch dabei war, demonstrativ ohne Maske in der Gegend herum zu husten. Machen sich die Leute in Berlin einen Spaß daraus? Als ich noch dort gewohnt hatte, war ein solches ekliges Verhalten eher selten zu sehen.

Gestern war jemand aus einem Auktionshaus in der Wohnung vom Schwiegervater, um sich ausgewählte Objekte anzuschauen, die der Schwiegervater entsorgen will. Der Ehemann musste dabei sein, der Schwiegervater wollte oder konnte nicht, und da ich keine Lust hatte, am Sonntagabend alleine mit dem Zug nach Hause zu fahren, habe ich den ganzen Montag in der Wohnung vom Schwiegervater gearbeitet. Mobile Office macht’s möglich. Ich habe dem Ehemann gesagt, es ist so cool, wir könnten im Prinzip überall vereisen, tagsüber arbeiten und abends die Touristen spielen, aber er muss ins Büro.

Am Wochenende haben wir viel gegessen. In der Wohnung wurde schon alles Verderbliches entsorgt und wir haben Restaurants besucht, wenn wir nicht von Freunden eingeladen wurden. Bei unserem Lieblingsspanier konnten wir nicht reservieren. „Dauerhaft geschlossen“, sagt Google Maps. An der Tür hängt ein Schild: Geschlossen wegen Umbaumaßnahmen. Wir haben beim anderen Spanier am Savignyplatz gegessen. Die Atmosphäre war nicht so gemütlich, keiner der Mitarbeiter hat eine Gesichtsmaske getragen und selbst drin haben wir den ganzen Qualm der Raucher auf der Terrasse abgekriegt, weil die Türe weit offen waren. Das Essen war in Ordnung.

Zum Ausgleich mussten wir uns viel bewegen. Wir sind trotz der recht kühlen Temperatur spazieren gegangen. Ich hatte meine neue Tischtennisausrüstung mitgebracht und wir haben viele Platten in Parks gefunden. Der Ehemann hat genervt, weil er immer gewinnt. Jedenfalls konnten wir es so gerade schaffen, nicht mehr zu essen als unser Tagesbedarf.

Am Samstag bin ich beim Tischtennisspielen mit meinen doch recht glatten Snickers auf dem sandigen Steinboden ausgerutscht und habe mir an der linken Pobacke richtig weh getan. Für den Bruchteil einer Sekunde hatte ich den Fall gestoppt und ich dachte, alles gut. Kurz danach bin ich am Boden auf dem angespannten Muskel gelandet. Dafür, dass der Fall am Ende nicht so hoch war, war der Schmerz danach so stark, dass ich kaum noch laufen konnte. Trotzdem waren wir gestern viel unterwegs, weil sitzen auch schmerzhaft war, und ich habe diesmal barfuß Tischtennis gespielt. Erst heute geht es wieder halbwegs. Ich dachte, ich hätte einen riesigen blauen Fleck gekriegt. Nicht. Dafür ist die Pobacke angeschwollen und drückt auf den Ischiasnerv. Hoffentlich lässt es bald nach.


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Die Erkenntnis des Tages

Wir waren am Wochenende in Berlin. Am Samstag haben wir uns einen Seniorenheim für den Schwiegervater angeschaut, der sich momentan wieder stationär in Behandlung befindet, bevor wir ihn im Krankenhaus besucht haben. Seine Ärzte sind sich einig, alleine kann er nicht mehr leben.

Um zum Seniorenheim zu kommen, sind wir mit der X11 gefahren. Wie damals, als ich die Strecke zwischen Zehlendorf und Schöneweide gefahren war, wenn ich keinen Bock auf die S-Bahn hatte. Diese Fahrt hatte ich genossen, vor allem im Doppeldecker. Es gibt in der Gegend so viele schöne Häuser zu bewundern. Wie jedes Mal, wenn wir in Berlin sind, bekomme ich den Eindruck, nie weg gezogen zu sein. Es fühlt sich immer noch wie zu Hause an. Wie gerne ich diese Zeit zurück hätte!

Als wir heute im Zug nach München saßen, ist mir bewusst geworden, andersrum hätte ich dieses nostalgische Gefühl gar nicht. Wenn ich mir jetzt vorstelle, von der Münchner Gegend weg zu ziehen und nach einigen Jahren mal wieder in der 266 durch Martinsried unterwegs zu sein, würde ich sicherlich nicht mit einem Stich im Herzen an meine Zeit hier zurück denken[1]. Wie zu Hause fühle ich mich hier seit zwei Jahren immer noch nicht. Es ist nur der Ort, wo ich lebe und arbeite.

Als wir wieder in unserer Wohnung waren, habe ich mit dem Gedanken gespielt, mich in Berlin nach einer neuen Arbeit umzuschauen. Unsere Wohnung dort ist leider vermietet und wir kämen nicht einfach wieder rein, aber wenn die Wohnung vom Schwiegervater nicht mehr benutzt wird…

Andererseits wäre es für den Ehemann nicht leicht, jetzt schon wieder nach einem neuen Job zu suchen. Nach der kurzen Zeit in der ersten Firma und der längeren Arbeitslosigkeit ist er noch kein Jahr in seiner neuen Arbeit, es würde bei potentiellen Arbeitgebern nicht gut ankommen, wenn er sich jetzt schon wieder weg bewirbt. Ich denke, wir müssen noch ein paar Jahren hier bleiben, und dann ist der Ehemann Mitte fünfzig und es wird für ihn nicht einfacher, einen neuen Job in Berlin zu finden. Verdammt. Warum gab’s meinen Traumjob damals in Berlin nicht?

[1] Abgesehen von der holprigen Fahrt in den Bussen, die keine Federung haben und jede Unebenheit auf der Straße dermaßen bis zum Schädel übertragen, das ich fürchten muss, eine Gehirnerschütterung davon zu kriegen…

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Als die Mauer fiel

Als die Mauer fiel war ich zwölf Jahre alt. Noch. Ich bin ein Novemberkind. Ich besuchte die dritte Klasse der Mittelstufe, in meinem kleinen Dorf in der Provence. So weit weg von Deutschland, nebenbei erwähnt, dass Deutsch dort nicht mal zur Auswahl als Fremdsprache angeboten wurde. Neben dem obligatorischen Englisch konnten wir nur Spanisch oder Italienisch lernen. Wer Deutsch lernen wollte, hätte die Schule wechseln müssen, zur nächsten Stadt dreißig Kilometer weg. In einer Gegend, wo ÖPNV quasi inexistent war.

Als die Medien vom Mauerfall berichteten, saßen wir mit meinen Eltern und meinen Geschwistern beim Abendessen im Wohn- und Esszimmer. Das Zimmer war in zwei gleich großen Teilen durch die Couch getrennt. Auf einer Seite Esstisch und Kommoden, auf der anderen Seite Couch, Sesseln, Kamin und Fernseher. Mein Vater saß immer am Esstisch zum Fernseher gewandt. Meine Mutter saß immer seitlich zum Fernseher, mit dem Rücken zum Flur. Weil auf der anderen Seite vom Flur die Küche lag, und sie so am einfachsten hin und her laufen konnte. Wir Kinder mussten mit dem Rücken zum Fernseher sitzen, weil wir beim Essen nicht zu fernsehen hatten.

Als die Medien vom Mauerfall berichteten, war mein Vater total verblüfft. Er konnte nicht glauben, was in der Tagesschau gezeigt wurde. Meine Mutter auch. Meine Geschwister waren zu jung, um die Ereignisse wahr zu nehmen. Ich nicht mehr, aber ich hatte keine Ahnung, worum es ging.

Ich wusste schon, dass es zwei Deutschland gab. Dass die Teilung Deutschlands so krass war, dass man eine Mauer mitten in einer Stadt heimlich baute und die Bevölkerung spaltete, das wusste ich nicht. Das Thema war noch nicht in der Schule behandelt worden. Bis zu dem Zeitpunkt hatten wir die Vorgeschichte, die Römer, die Griechen, die Ägypter, die Geschichte des Königreichs Frankreichs, die Revolution und die Napoléons gelernt, so weit ich mich erinnern kann. Es war mein Geschichtslehrer, in den ich heimlich verliebt war, der uns am nächsten Tag erklärte, was im Nachbarland passiert war.

Als die Mauer fiel, reiste gerade der Ehemann, ein gebürtiger Westberliner, mit einem Kumpel durch die Welt. Die Beiden hatten gerade die Abitur geschafft und wollten es sich vor dem Studium gut gehen lassen. Die Ereignisse haben sie auf Tahiti erfahren, und sie haben beschlossen, ihre Reise abzubrechen. Da es damals nur einen Flieger nach Deutschland pro Woche gab, konnten sie nicht so schnell zurück. Den Mauerfall haben sie nicht live erlebt.

Wenigstens sind wir heute für die Feierlichkeiten in Berlin.

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Osterwochende

Besser spät als nie. Fotos sortieren dauert ewig, und ich finde erst jetzt, wo ich mir ein paar Tage zu Hause gönne, ein bisschen Zeit, um meine Erinnerungen festzuhalten.

Das Osterwochenende hat am Donnerstagabend angefangen, als ich mich nach Feierabend in den Zug nach Berlin gesetzt habe. Der Ehemann, der schon einige Tage vorher zu seinem Vater mit dem neuen Auto gefahren war, hat mich am Südkreuz abgeholt und wir sind direkt zum Anhalter Bahnhof gefahren. Unser Ziel: Das Solar[1]! Eine gemütliche Cocktailbar, von außen ziemlich unauffällig, da sie auf der letzten Etage eines etwa verstecktes Gebäudes liegt. Schon die Auffahrt mit dem Aufzug ist ein Erlebnis, da der Glasaufzug an der Außenseite des Gebäudes angebracht ist, und man nach und nach eine tolle Aussicht über die Stadt entdeckt. Die Cocktailbar selbst liegt über das gleichnamige Restaurant[2], und hat auf drei Seiten riesige Glasfenster, wo man beim Sonnenuntergang auch Heiratsanträge machen kann. Also, ja, wir mussten unbedingt nochmal hin.

Am nächsten Morgen haben wir uns Zeit für einen kurzen Spaziergang im botanischen Garten genommen. Durch die Bauarbeiten am Königin-Luise-Platz mussten wir den Eingang vom Museum benutzen. Wir sind nicht wie üblich durch die Tür rechts von der Kasse ins Garten gelangen, sondern mussten einem etwa komplizierteren Weg zum Moosgarten folgen. Dadurch habe ich neue Ecken entdeckt, die ich noch nicht kannte. Zum Beispiel die Grabstätten von Wissenschaftlern, die eine bedeutende Rolle in der Geschichte vom botanischen Garten gespielt haben. Einen schöneren Ort kann man sich schwer aussuchen. Der italienische Garten wurde mit Tulpen bepflanzt, wobei sich in der schön periodischen Anordnung wenige Punktdefekte befinden – was ich eher lustig finde, ich bin froh, dass die rote Tulpe nicht entfernt wurde. Vor allem müssen wir heraus finden, wie die üppige gelb-rote Tulpe in Inneren des Arrangements heißt. Die will ich nächstes Jahr auf dem Balkon wachsen sehen. So nah kam man leider nicht ran, um sie gut zu fotografieren. Nicht mit meiner Kamera. Oder ich müsste einarmigen Liegestütz üben.

Nach einem letzten Blick bei den japanischen Kirschbäumen[3] sind wir mit dem Auto nach Usedom gefahren. Ja, wir auch, aber zur Küste. Mit Pause in Prenzlau, wo ich noch nie war. Die Marienkirche hätten wir gerne besucht, aber sie war am Karfreitag geschlossen. Gullydeckel fotografieren mache ich auch gelegentlich. Dieser trägt die Inschrift[4] Made in GDR, was mich ein wenig irritiert hat, da ich kein Englisch für einen Gegenstand erwartet hätte, der in der ehemaligen German Democratic Republic erstellt wurde. So kann man sich täuschen.

Am frühen Abend sind wir zu unserem Ziel angekommen, wo der Rest der Familie vom Ehemann schon eingetroffen war. Die aus Frankfurt. Und da es klar war, dass wir an dem Wochenende viel zu viel essen würden, hatten wir Laufsachen in den Koffer gepackt. So konnten wir jeden Morgen Dreiviertelstunde am Strand laufen, was in der Frühe fantastisch war. Am Strand spazieren haben wir ausgiebig gemacht. Die Temperatur war so unerwartet angenehm, dass man sogar barfuß und im Wasser laufen konnte.

Am Ostersonntag wurde eine Bootsfahrt zur benachbarten Swinemünde organisiert, da einige Familienmitglieder in ihrem Alter sich nicht gut lange bewegen können. Die Bootsfahrt wurde eine Enttäuschung. Bei strahlendem Sonnenschein und über fünfzehn Grad Temperatur fuhr ein kleines Boot mit winzigem Deck und einem abgeschlossenen Innenraum, wo man nicht mal die Fenster kippen konnte. Auf den Bildern sah es viel besser als in der Realität aus. Ich habe es geschafft, bei einer Anlegepause in Ahlbeck einen Außentisch für die ganze Verwandtschaft zu ergattern. Es war auf dem Deck genau so eng wie drin, aber wenigstens konnte man Luft schnappen. Ich kann nicht glauben, dass das Boot für so viele Menschen an Bord gebaut wurde. Jedenfalls kann ich jedem davon abraten, so eine Bootsfahrt zu machen, da man zu Fuß fast genau so schnell unterwegs wäre. Ich war froh, als wir ausgestiegen sind. Und sonst: Swinemünde kann man sich anschauen, muss man aber nicht unbedingt, ist mein persönlicher Eindruck. Es sei denn, man braucht „billige Zigaretten“. Wenigstens ist ein neuer Gullydeckel zu meiner Sammlung gekommen. Abseits vom Stadtzentrum sind schon ein paar nette Ecken zu entdecken, wie der Park mit der Klavier-Blumenbett -Skulptur. Ich bin sogar ganz oben in den Turm der Lutherkirche mitgestiegen (die Pobacken wurden zweimal angestrengt, erstmal vom Treppen steigen, und dann von der schieren Höhenangst, an die ich irgendwann mal arbeiten müsste).

Da das Boot auf der Hinfahrt so überfüllt war, haben wir mit dem Ehemann beschlossen, die knapp acht Kilometer zurück zu laufen, während der Rest der Familie sich den Stress von der Hinfahrt nochmal antun wollte. Unser Weg hat uns durch einen Park mit interessanten sportlichen Möglichkeiten und ein Stück Wald geführt. Kurz vor der Grenze sind wir zum Strand gebogen. Den Rest der Strecke haben wir barfuß auf dem Strand und im Wasser zurückgelegt, und das hat sich so toll angefühlt!

Am Montag sind wir nach Berlin zurück gefahren, und am Dienstag weiter nach München. Über die Rückfahrt ist nicht viel zu erzählen, außer, dass wir relativ viel Glück mit Staus auf Usedom hatten, denn wir haben gar keine erlebt. Auf der Autobahn nach München schon, aber ich habe quasi die ganze Zeit weiter fleißig gehäkelt, so gemütlich ist unser Auto.

[1] Unbezahlte Werbung, da Verlinkung.

[2] Wo wir einmal zu meinem Geburtstag wunderbar gegessen haben.

[3] Ich habe übrigens heute Nacht wieder von Kirschblüten geträumt, die mir so schön vor dem Balkon wuchsen. „Das Glück ist nah“, behauptet der Traumdeuter. Ich hätte mir eher psychologische als esoterische Bedeutungen in meinen Suchergebnissen gewünscht, aber die meisten reden nur von Kirschbäumen mit Früchten, nicht mit Blüten.

[4] Oder heißt es Aufschrift?


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.