Im Studentenwohnheim

Ich war mit Bekannten auf einem sonnigen Platz. Wir waren mit dem Fahrrad angekommen, die Fahrräder waren an Ständern angelehnt. Wir sind zur Terrasse eines Restaurants gegangen und haben gegessen.

Nach dem Essen wollte ich mir die Hände waschen, sie waren ein bisschen klebrig geworden. Auf der anderen Seite vom Platz war die Terrasse von einem anderen Restaurant, und ich sah, wie ein Mann dort zu einer Schüssel auf einem Tisch ging, an dem sonst keiner saß, und sich drin die Hände wusch. Ich beschloss, genau das zu tun und ging auch zur Schüssel. Als ich aber meine Hände schon in die Schüssel gesteckt hatte, merkte ich erst, es war kein Wasser sondern eine dünnflüssige grüne Suppe. Es gab sogar eine Kehle in der Schüssel. Es wurde mir peinlich, die Suppe versaut zu haben. Zum Glück schaute niemand von den Gästen zu mir.

Ich habe das Gebäude um mich herum beobachtet. Eine Toilette brauchte ich, um meine Hände zu waschen. Der Platz sah eher wie ein offener Innenhof aus. Das Gebäude vom Restaurant belegte drei Seiten vom Platz. Vor mir, am hinteren Ende vom Platz, war eine Toilette, aber man konnte sie nicht benutzen. Auf der linken Seite vom Platz, im Schatten, habe ich eine andere Tür für eine Toilette gesehen. Als ich näher kam fiel mir das Schild für Männer auf. Ich habe laut geflucht und dann gemerkt, weiter weg war eine Toilette für Frauen. Ich bin hin gegangen.

Ich habe mich auf die Kloschüssel gesetzt. Das Klo war direkt hinter der Tür. Ich hatte diese, links von mir, nur angelehnt und nicht komplett geschlossen. Als ich meine Blase entleerte, konnte ich hören, wie jemand im Flur Geräusche machte. Vermutlich die Putzfrau. Ich war noch nicht fertig, als sie versuchte, die Tür zu öffnen. Ich habe geschrien, dass ich noch da saß, und sie hat auf der anderen Seite von der Tür weiter gearbeitet. Zum Glück nicht wie die Putzfrau damals im Studentenwohnheim in Nizza[1], habe ich gedacht. Ich wurde endlich fertig und wischte mich, als ein junger Mann aus der rechten Seite vom Raum ankam. Ich hielt noch ein winzig klein gefaltetes Stück Papier gegen meine Harnröhrenmündung fest[2,3]. Er hat sich auf einem Bett neben mir fallen lassen.

Ich saß selber auch auf einem Bett. Ich befand mich ja in einem Studentenwohnheim, wo ich ein Zimmer hatte. Ich fragte mich, für wie lange. Wir hatten Sommer, müsste ich nicht irgendwann für die Sommerpause mein Zimmer frei machen[4]? Und wo sollte ich in der Zeit bis zum nächsten Semester wohnen? Der junge Mann war neu und sehr überrascht, dass die Matratze so weich war. Er war beim Hinsetzen viel tiefer gesunken als vermutet. Ich habe ihm gesagt, ich war am Anfang auch sehr überrascht gewesen, aber man würde sich daran gewöhnen.

Als wir weiter diskutierten, saßen wir im selben Raum an einem großen, dunklen Holztisch. Die Putzfrau kam und schieb einen hohen Rollhalter, an dem selbstgemachte Armbänder hingen. Ich wollte sie mir anschauen, um sie selber nachzumachen. Ich kam nicht dazu. Ein Kellner kam und brachte uns die Rechnung. Sollten wir in Dollars oder in München[5] zahlen? Ich sagte, „Dollars“, und dann korrigierte ich mich, „nein, Euros, ich meine, München, München!“ Aber musste ich wirklich mein Zimmer frei räumen?

Bevor ich die Frage stellen konnte, bin ich aufgewacht.

[1] Die Geschichte hat es wirklich gegeben, vor ungefähr fünfundzwanzig Jahren. Ich bin überrascht, im Traum nach so langer Zeit wieder daran zu denken. Ich war an einem Vormittag im Wohnheim. Das Gebäude war quasi leer, alle waren in den Vorlesungen, nur ich hatte die Stunde frei. Ich musste dringend pinkeln. Wir hatten keine Toilette in den Zimmern, sie waren mit den Duschen in einem Gemeinschaftsraum auf der Etage. Die Tür von meinem Klo ließ sich nicht schließen. Ich habe gedacht, ich bin ganz schnell und habe mit dem Fuß die Tür gehalten, während ich auf dem Klo saß. Ich wäre fast fertig geworden, als eine Putzfrau kam und die Tür öffnen wollte. Ich habe geschrien, ich wäre drin, aber sie hatte die Tür voll mit Kraft geöffnet, dagegen konnte mein Fuß nicht halten. Sie stand dann nur noch vor mir da mit einem komischen Gesichtsausdruck am Glotzen. Ich musste sie zweimal darum bitten, weg zu gehen, bevor sie es tat. Das war richtig krass.

[2] Ich habe fast so lange gebraucht, heraus zu finden, wie dieses Körperteil heißt, wie um den Rest vom Text zu schreiben. Das Wort auf Deutsch kam mir im Nachhinein sogar bekannt vor. Ich habe zuerst in meiner Muttersprache gesucht, Wikipedia hat geholfen, auf Französisch hatte ich noch nie vom méat gehört, weder urétral noch urinaire. Wie kann es sein, dass man so gut im Detail informiert ist, wie die Genitalien gebildet sind, aber nicht weiß, wie das Loch direkt daneben heißt, aus dem der Urin heraus kommt?

[3] Ich hatte gar kein Schamhaar, die Haut war ganz glatt, das ist mir nur nach dem Aufwachen aufgefallen. Und so klein falte ich Klopapier nicht. In dem Traum konnte man es gar nicht sehen.

[4] Das lief in meiner Zeit in Frankreich genau so. In den zwei Sommerferienmonaten musste man aus den Studentenwohnheimen ausziehen. Die Wohnheimplätze wurden nur am Anfang von jedem Studienjahr im September vergeben. Wenn man den ganzen Sommer bleiben wollte, brauchte man eine Sondergenehmigung. Die hatte ich nicht bekommen, als ich nach meinem letzten Semester in Nizza ein unbezahltes Praktikum in einem Forschungslabor gemacht hatte, und ich hatte in dem Sommer bei meinem Patenonkel gewohnt, wo uns, nebenbei erzählt, seine Mutter täglich ganz früh morgens ihre frische Caponata gebracht hatte. Sie wohnte in der Nähe.

[5] Häh?

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Ausgangssperre! Das Spiel!

Die perfekte Inszenierung

Zugegeben, man sollte nicht alles wortwörtlich ins Deutsche übersetzen. Der Originaltitel vom Spiel heißt „Lockdown! The Game![1] und ich war super glücklich, als unser neuer DHL Postbote[2] es mir heute Nachmittag überreicht hat. Monate des Wartens haben endlich ein Ende. Daher musste ein Foto her. Insider werden verstehen. Andere können das Video gucken (auf Englisch). Stimmt, noch was, James Veitch[3] ist so ein dunkles Pferd.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

[2] Ich bin froh, dass die Zicke, die vor ihm bei mir Pakete geliefert hatte, scheinbar nicht mehr bei DHL arbeitet. Eine richtige Nervensäge war sie. Die hat einmal Minutenlang bei mir geklingelt, als ich mit Kollegen in einem Zoom[1]-Meeting war, nur um mir ein Paket zu reichen, das nicht mal für mich war. Noch nerviger, wie sie mir das Ding in die Hände gesteckt hatte, mit einer derart verzweifelten Stimme, als ob ihr Leben davon abhinge, echt nicht auszuhalten. Das Paket war dabei so dünn, dass sie es ohne Problem in den Briefkasten vom Nachbar hätte stecken können, wenn sie sich die Briefkästen vor dem Klingeln angeschaut hätte – sie sind so groß, rechts von der Haustür, ich weiß nicht, wie man sie übersehen kann. Vielleicht haben sich Leute über sie beschwert. Ich hätte es auch gemacht, hätte ich nichts Wichtigeres zu tun gehabt.

[3] Ich hätte diesen Beitrag veröffentlichen können, ohne vorher James Veitch zu ecosien[4]. Das ist eine Gewohnheit von mir, wenn ich eine bekannte Person, ein Buch oder sonst was hier erwähne, kurz vorher nochmal darüber zu lesen. James Veitch folge ich ab und zu seit über einem Jahr, nachdem ich seinen TED[1]-Vortrag über Scam-Emails auf YouTube[1] gesehen hatte. Das Video ist aus dem TED-Kanal verschwunden, sehe ich gerade, vermutlich wegen der folgenden Zeilen, und ist nur noch zu finden, weil es auf anderen Kanälen hoch geladen wurde. Was ich also bis heute nicht wusste, weil ich die ganze Diskussion auf Kickstarter[1] nicht gelesen hatte, aber jetzt nicht unerwähnt lassen kann, ist, dass seit September Gerüchte über ihn kursieren, er hätte vor zehn Jahren oder so mehrere jüngere Frauen sexuell belästigt und vergewaltigt. Sollte es stimmen, wäre ich zutiefst enttäuscht. Alles, was man momentan zum Thema findet, sind Variationen vom gleichen Artikel über Beschuldigungen von ehemaligen Kommilitoninnen, die in einer Facebook[1]-Gruppe ihre Geschichten unter sich geteilt haben. Die Facebook-Gruppe, die in den Artikeln genannt wird, ist heute nicht zu finden. Seit September gibt es keine neue Information in den Suchergebnissen zu finden. Das wundert mich ein bisschen, da es im Weinstein-Fall keine Woche gedauert hatte, bis mit der Untersuchung der Vorwürfe offiziell begonnen wurde. Im Veitch-Fall hat die Hauptanschuldigerin inzwischen den Tweet gelöscht, in dem sie die Vorwürfe formuliert hatte, was bleibt ist aber der Schaden, da er dadurch Aufträge verloren hat. Trotz Unschuldsvermutung kann man aufgrund von unbewiesenen Anschuldigungen ganz schnell seine Arbeit verlieren. Erinnerungen an Outreau werden wach. Bitte nicht missverstehen, ich will das Leid der Opfer nicht mindern, sollte es wirklich statt gefunden haben. Auch wenn ich es in einem Fall fraglich finde, von einer Vergewaltigung zu sprechen, wenn man sich für ein Sex-Date verabredet. Die Wahrheit werden wir erst in einigen Jahren erfahren. Dieser Beitrag hat jedenfalls eine ganz andere Wendung als ursprünglich gedacht genommen. Ich wollte doch nur kurz das Spiel zeigen.

[4] Ich google schon lange nicht mehr. Nach einer kurzen Liaison mit Startpage[1], bin ich jetzt zu Ecosia[1] gewechselt (im Browser, nicht als App).


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Heute auf dem Weg nach Hause

Die Leiterin der Firma hatte mich letzte Woche darum gebeten, heute kurz zur Arbeit zu kommen. Es passte zwar nicht gerade zu meinem Plan, vor Weihnachten mit der angeheirateten Familie in strikter Quarantäne zu bleiben, aber der Chefin sagt man schwer nein. Worum es wohl geht, hatte ich mich gefragt. Ich, so ahnungslos, wie immer, wenn es eigentlich voraussehbar war. Zum Beispiel wundere ich mich jedes mal ernsthaft, wenn Kollegen mir zum Geburtstag etwas schenken wollen.

Dieses Jahr fällt die Weihnachtsfeier natürlich aus. Anstatt dass wir alle ins übliche Restaurant gegangen sind, hat die Firma bei den Betreibern Körbe voll mit Leckereien bestellt. Und einen recht schweren Korb habe ich nach Hause mitgenommen. Weil er so schwer war, musste ich Sachen in meiner Handtasche umräumen, und in die Tüte mit meinem Häkelzeug, die ich nun zusätzlich tragen musste, sind zwei kleinen Flaschen zwischen den Wollknäueln gewandert. Ich war voll gepackt wie ein Esel.

Ich bin mit ÖPNV gefahren. Der Ehemann war vor dem Wochenende mit dem Auto nach Berlin gefahren und kommt heute erst spät zurück. Als ich auf dem Rückweg nach Hause von der S-Bahn ausgestiegen bin, war es zwanzig vor fünf und schon dunkel. Mein Weg vom Bahnhof aus führt mich am Caritas-Haus zur Verhinderung von Obdachlosigkeit vorbei, dass ich am Anfang für ein Hotel gehalten hatte, weil man dort ständig Leute mit Gepäck rein und raus gehen sehen konnte. Als ich heute Abend, mit meinem auffälligen Korb voll gepackt, vorbei laufe, schaue ich hinter mir, weil ein Obdachloser mit seinem Fahrrad und seinen Tüten laut geschimpft hatte. Keine Ahnung, was, ich hatte es nicht verstanden, aber ich wollte schauen, ob er Hilfe brauchte. Nein.

Von der linken Seite, aus dem dunklen Eingang vom Caritas-Haus, springt gerade dann ein anderer Mann zu mir. Er fängt an, mich anzuquatschen, aber ich verstehe kein Wort, er hat keinen deutschen Akzent. Geld fragt er nicht. Sein Ton ist eher anbaggerisch, und er fängt noch an, neben mir zu laufen. Ich überlege kurz, ob ich ihm etwas sagen soll, aber ich bin immer noch voll gepackt und habe den Mund-Nasen-Schutz an. Es würde zu lange dauern, und wenn ich ihn anspreche, könnte er sich noch ermutigt fühlen, drängender zu werden. Ich laufe schneller, hinter mir kommen eh mehr Leute, die aus der S-Bahn ausgestiegen waren, und er wendet sich zum Glück wieder ab. Ich bin froh, als ich das Haus erreiche und der Mann nicht mehr zu sehen ist.

Zu Hause hatte ich zuerst ein schlechtes Gewissen, da Obdachlosen in meinem kleinen bayerischen Kaff nicht so häufig wie in Berlin zu treffen sind, aber ich frage mich inzwischen, ob er wirklich einer war. Gebettelt hat er nicht, und wenn jemand im Dunkeln eine allein gehende Frau überrascht und sich mit ihr so aufdringlich verhält, kommt es mir eher wie vorsätzliche sexuelle Belästigung vor. Eine Anzeige würde leider nichts bringen, da ich den Mann nicht identifizieren könnte: Er trug einen Schal vor Mund und Nase.

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Heute nicht gejoggt

Es war windig und dadurch kälter geworden. Stattdessen bin ich eine halbe Stunde lang die Treppe hoch und runter gelaufen. Die Wohnung ist ja auf zwei Etagen verteilt. Seit dem Anfang der Ausgangssperre und Heimarbeitszeit (Mobile Office, genauer gesagt), bin ich doppelt so froh, damals so eine tolle Wohnung gefunden zu haben. Drin lässt sich wirklich gut leben.

Gestern hätte ich noch gesagt, Sport kommt heute gar nicht in Frage. Nicht nur des Wetters wegen. Nach der Wanderung am Samstag habe ich einen heftigen Muskelkater bekommen, der dem letzten epischen Muskelkater von vor dreieinhalb Jahren in nichts nachsteht. Schon am Samstagabend war ich nicht mehr in der Lage, mich normal in der Wohnung zu bewegen. Ich konnte nur noch die Füße am Boden gleiten lassen. Im Bett auf dem Rücken zu liegen war zu schmerzhaft, weil ich dabei die Beine strecken musste. Am nächsten Morgen haben sich auch Bauch- und Rückenmuskulatur gemeldet. Gehen war immer noch schwierig und schmerzhaft. Ich glaube, es ist der Oberschenkelbindenspanner, der mir so große Schwierigkeiten gemacht hat. Gestern habe ich ganz dicke Beulen ganz oben an den Schenkeln vorne bekommen, selbst unter dem Rock waren sie zu sehen.

Ich war also sehr erleichtert, als ich heute früh gemerkt habe, dass es mir schon viel besser geht. Trotzdem war es mir zu riskant, draußen zu joggen. Was ist, wenn ich weit weg von zu Hause plötzlich nicht mehr laufen kann?

Das letzte Mal bin ich am Freitag in der Mittagspause gejoggt. Es war eigentlich zu warm, in der prallen Sonne, ein richtiger Sommertag. Trotzdem fand ich den recht dicken Mann unpassend, der im Garten eines Mehrfamilienhaus bei Sankt Gilgen mit nur einem schwarzen String bekleidet ganz nah am Bürgersteig stand, um Pflanzen zu gießen. Auf dem Rückweg bin ich von einem anderen Mann aus seiner Haustür angesprochen worden, der ebenfalls dabei war, seine Pflanzen im Garten zu gießen. Immerhin war er anständig angezogen. Ich habe aus Höflichkeit geantwortet, was ein Fehler war, da er meinte, weiter mit mir plaudern zu müssen. Ich meine, ich mache mir die Mühe, joggen zu gehen, es ist nicht um einfach da rum zu stehen. Er fragt, wo ich her komme, und als ich „aus Frankreich“ antworte, meint er, mich mit seinen Französischkenntnissen beeindrucken zu wollen, indem er mir „Je t’aime“ einfach so ruft. Geht’s noch? Den Typ kenne ich nicht, und ja, nichts gegen Bekanntschaften in der Nachbarschaft, aber auf solche Bekanntschaften verzichte ich lieber. Ob ich bei ihm Kaffee trinken kommen möchte, fragt er dann. Der spinnt total, wenn er glaubt, eine Frau würde freiwillig alleine zu einem fremden Mann in die Wohnung gehen. Und wie war’s nochmal mit Corona und Abstand halten? Ausgangssperre und Frühling, eine furchtbare Kombination.

Ich werde mir jedenfalls beim nächsten Mal eine andere Strecke zum Laufen aussuchen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Ute

Mit Ute teile ich mir ein Büro, seitdem ich in der Firma arbeite. Mein erster Eindruck von ihr hat sich mit der Zeit nur bestätigt. Ich bin froh, dass wir im Büro mit Tim zu dritt sitzen. Mit Ute alleine wäre es unerträglich.

Ute kommt aus Berlin. Das hat sie mir mehrmals stolz erzählt, in meiner Anfangszeit, als ich so häufig gependelt war. Dafür sind ihre Ortskenntnisse von Berlin beeindruckend gering. Von Tempelhof, Südkreuz, Schöneberg, Friedenau, Steglitz, Dahlem, Zehlendorf hat sie noch nie was gehört. Charlottenburg, wenigstens? Kennt sie auch nicht. Sie glaubt, ich würde Namen erfinden. Langsam kriege ich den Verdacht, sie kommt in Wirklichkeit aus diesem Berlin, und keiner in ihrer Familie hat’s übers Herz gebracht, sie aufzuklären.

Ute redet viel und laut. Dabei ist das, was sie erzählt, meistens belanglos. Nicht nur, dass sie uns ständig fragt, welchen Tag wir denn heute hätten, obwohl sie vor dem Rechner sitzt und Windows diese Information unten rechts ständig anzeigt, oder uns nach zwei Stunden des Zusammensitzens plötzlich fragt, ob X oder Y noch im Hause wäre (wir können weder durch Wände sehen, noch melden sich die Kollegen bei uns ab, wenn sie Feierabend machen). Sie wiederholt gerne immer wieder dasselbe, entweder bis alle ihr zustimmen oder, wie im Büro häufig der Fall ist, bis keiner widerspricht, was nicht lange dauert, weil Tim und ich vertieft in unserer Arbeit stecken und ihr nur mit einem halben Ohr zuhören. Wenn sie bei uns keine Zustimmung bekommt, geht sie von Büro zu Büro und man hört, wie sie mit den anderen Kollegen genau die gleiche Diskussion führt, oder eher das gleiche Monolog.

Ihr zustimmen kann man leider selten tun, denn, obwohl sie als Wissenschaftlerin ausgebildet wurde, verhält sie sich in ihrer Denkweise gar nicht so. Wissenschaft ist objektiv, sie kann nur subjektiv argumentieren. Anstatt eine Erklärung zu suchen, warum ein Experiment einmal ausnahmsweise nicht wie erwartet gelaufen ist, wirft sie lieber Fachwissen über Bord und baut sich esoterische Theorien. Man kann sich mit ihr schlecht als Wissenschaftler unterhalten. Ich habe mich häufig gefragt, warum sie überhaupt eingestellt wurde. Sie soll in einem Bereich sehr gute Kenntnisse haben. Ein Bereich, in dem man nach Schema F ohne viel Nachdenken arbeiten kann. Für den Rest ist sie eine Katastrophe. Einfache Entscheidungen kann sie nicht treffen, ohne vorher alle Kollegen nach ihrer Meinung gefragt zu haben. Sicherlich musste es damals bessere Kandidaten gegeben haben[1].

Ute versteht vieles nicht. Auch das ist etwas, was sie selber gerne von sich selbst sagte, am Anfang. Sie stellte mir viel zu viele private Fragen, und wenn die Antworten ihrer eigenen Vorstellungen nicht entsprachen, war ihre Lieblingsreaktion „Das verstehe ich nicht“, neben „das ist ja abartig“. Selbst für die banalsten und unwichtigsten Sachen. Es wirkte so übertrieben, dass ich mich gefragt habe, was bei ihr nicht stimmt. Ich glaube, sie hat versucht, mich in ihrer eigenen Vorstellung herunter zu spielen, weil sie mich als Bedrohung wahrgenommen hat. Ich habe ja in meinem früheren Job Programme geschrieben, die ihre Arbeit zum großen Teil automatisieren. Sie macht sich Sorgen, dass sie irgendwann als überflüssig in der Firma angesehen wird. Ihr muss bewusst sein, dass sie außerhalb ihres Faches nichts anbieten kann.

Tim und ich programmieren viel, neben unserer wissenschaftlichen Tätigkeit. Tim ist eher der Shellprogrammierer und hat als Netzwerkadministrator fungiert, was gar nicht seiner Fachrichtung entspricht, bis wir vor vier Monaten einen dedizierten IT-Mitarbeiter in Jerry gefunden haben. In den anderthalb Jahren, in denen Tim diese Tätigkeit ausgeübt hat, ist es an Ute scheinbar vorbei gegangen. Sie war vor kurzem ernsthaft überrascht zu hören, dass er überhaupt programmiert. Obwohl die Beiden ein halbes Jahr im gleichen Büro gesessen haben, bevor ich dazu gekommen bin, und er so viele Skripte für unsere tägliche Arbeit geschrieben hat. Für meinen Teil kümmere ich mich um die Instandhaltung und Weiterentwicklung der Firmendatenbank.

Dafür braucht man Ruhe. Tim und ich haben uns Kopfhörer zugelegt, um Ute heraus zu filtern. Meine Kopfhörer reduzieren Geräusche. In Wahrheit kann man Ute nicht komplett ausschalten, aber ich tue als ob, und hinter meinen vier Bildschirmen kann ich sie gut ignorieren. Es hat geholfen. Sie stört uns weniger für Lappalien, da sie zu häufig ins Leere geredet hat. Sie muss auffällig winken, wenn sie unsere Aufmerksamkeit auf sich lenken will, und das macht sie doch nur, wenn sie wirklich etwas braucht[2].

Auf Arbeit haben wir eine Kernarbeitszeit, obwohl wir kein Zeiterfassungssystem benutzen. Zwischen halb zehn und halb vier haben alle anwesend zu sein. Das gilt für alle, außer für Ute. Als ich in der Firma angefangen habe, kam sie morgens nie vor elf an. Aus elf wurden halb zwölf, dann zwölf, und schleichend hat sich der Beginn ihres Arbeitstages immer später verschoben. Am Anfang des Jahres wurde es mal gerne ein oder zwei Uhr nachmittags. Ich habe mich nicht darüber beschwert. Ich komme früh morgens an, gegen acht, und genieße die Ruhe vor dem Sturm. Genau wie Tim. Es ist viel besser, wenn wir sie nur einen halben Tag aushalten müssen. Sie muss doch von der Leitung eins auf den Deckel bekommen haben, weil sie seit letzter Woche plötzlich wieder früher kommt. Also, gegen zwölf.

Das Unverschämte an ihr ist dabei ihre Behauptung, sie würde so gerne spät kommen und spät bleiben, weil sie abends ihre Ruhe hätte und keiner sie stören würde. Ob ihr auch entkommen ist, dass Tim und ich wegen ihr ausschließlich mit Kopfhörern arbeiten, weil sie selber die Ursache für die Unruhe ist? Dabei hatte sie schon das Büro wechseln müssen, als Tim eingestellt wurde, weil sie sich wegen den Kollegen auf ihre Arbeit nicht konzentrieren konnte, sie hätten zu sehr geredet. Wenn ich jetzt ans Zimmer ihrer ehemaligen Bürokollegen vorbei laufe, beneide ich sie um ihre Ruhe, die drin herrscht. Ute beschwert sich ständig, wenn Leute sich im Flur oder in ihren Zimmern unterhalten, es würde sie zu sehr ablenken. Sie ist einfach nicht der Lage, ihre Umgebung auszuschalten und sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Es klingt alles sehr wie ADHS, und ich versuche deswegen, mich mit ihr geduldig zu verhalten, auch wenn sie mir gewaltig auf den Keks geht.

Dadurch, dass Ute als Einzige so spät auf Arbeit kommt, erwartet sie, dass wir unmittelbar vor Feierabend Sachen für sie erledigen. Sie schafft es immer, kurz vor fünf einen „dringenden“ Bericht für einen Kunden fertig zu schreiben und fragt uns, ob wir ihn korrigieren können, damit sie ihn „heute noch“ schicken kann. Das machen wir nicht. Arndt hat ihr mehrmals gesagt, sie kann von uns nicht erwarten, dass wir für sie Überstunden leisten, wenn sie selber so spät ankommt. Das hat ihr Tim wiederholt, der übrigens recht schnell Vertreter von Arndt geworden ist und nun Entscheidungen über ihre Arbeit trifft[3].

In letzter Zeit passiert es trotzdem häufiger, dass sie von uns abends etwas verlangt. Letzte Woche war Tim im Urlaub und ich war nicht erfreut, als ich abends auf der Couch neben dem Ehemann saß und auf dem Handy eine WhatsApp[4]-Nachricht von ihr bekam[5], zwecks Bericht korrigieren. Es war 18:42 und ich habe beschlossen, diese Nachricht zu ignorieren. Am nächsten Tag fragte sie mich, ob ich den Bericht lesen könnte, ohne etwas von ihrer Nachricht zu erwähnen. Als ich gestern früh aufwachte und einen Blick auf Handy warf, wurde ich recht sauer, eine weitere Nachricht von ihr am Abend um 23:00 bekommen zu haben. Wofür hält sie sich, Arbeitskollegen an einem Feiertag so spät abends zu belästigen? Hält sie mich für ihre Sklavin? Immerhin gut, das ich es erst am Morgen gesehen habe, sonst hätte ich vor lauter Empörung nicht schlafen können. Den Bericht hat Tim gestern selber korrigiert, nachdem ich ihm von dem Vorfall erzählt habe. Als ich Ute später bei ihrer Ankunft mitteilte, sie sollte bitte für Arbeitsanfragen meine dienstliche Email-Adresse statt meine private Handynummer benutzen, hat sie noch die Frechheit besessen, darauf beleidigt zu reagieren. Hoffentlich stellt sie wenigstens ihr Verhalten ein. Ich kann für viele Sachen Verständnis aufbringen, aber bei Belästigungsversuchen hört’s auf.

[1] Sie war eigentlich Studentin bei Geert, vor zwanzig Jahren, das merkt man ihr gar nicht an. Ich glaube, ich habe selber mehr von Geert in unseren wenigen Treffen gelernt, als sie von ihm. Als ich ihn letzten Monat getroffen habe, habe ich erwähnt, dass sie bei uns im Büro sitzt. Er war überrascht und meinte nur, „Ach, da ist sie also gelandet.“ Es klang nicht, als ob er sie vermisst hätte. Das wundert mich nicht.

[2] Zum Beispiel wenn sie Schwierigkeiten mit unserer Projektmanagementsoftware hat. Sie kann sich nie merken, wie was zu tun ist. Es gibt Sachen, die wir ihr gefühlt tausend Male erklärt haben, es dringt einfach nicht in ihren Schädel rein. Der Hammer war in meiner ersten Arbeitswoche, als sie mich gefragt hatte, wie ein Programm, das Arndt entwickelt hat, in einem bestimmten Fall zu bedienen wäre. Sie sollte doch die sein, die mich einarbeitet, schließlich ist sie zehn Jahren in dem Laden vor mir gewesen! Ohne Tim wäre mein Anfang sehr schwierig gewesen.

[3] Das hatte sie damals schwer verdaut und war stinksauer, dass ein Jüngling ihr vorgezogen wurde, aber sie wäre selber dafür nie in Frage gekommen.

[4] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.

[5] Ich hatte letztes Jahr die Ehre, unseren Betriebsausflug zu organisieren. Dadurch haben alle Kollegen im Team meine Handynummer bekommen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Fehlende Privatsphäre

Ich war in einer mir unbekannten Wohnung. Ich musste mich anziehen. Ich stand gerade in Unterwäschen mitten im Raum, als ich aus dem großen Fenster ohne Gardine einen jungen Mann auf der anderen Seite vom Innenhof in einem mir gegenüber stehenden Gebäude merkte. Er war mit Kittel und Schutzbrille bekleidet und hielt einen Kulturkolben in der Hand. Aber statt auf seine Arbeit zu achten, glotzte er mich nur an. Ich habe ihm den mittleren Finger gezeigt und mich unter dem Fenster geduckt, um mich weiter anzuziehen.

Szenenwechsel. Der Ehemann und ich waren im Frühstücksraum eines Hotels. Es waren viele Leute da und der Raum wirkte unordentlich. In einer Ecke vom Frühstücksraum war unser Schlafzimmer. Keine Wand. Das Bett war noch nicht bezogen, die Decke lag noch halb auf dem Bett und halb am Boden. Die Dusche war ebenfalls vom Frühstücksraum ohne Tür frei zugänglich.

Ich denke, die Botschaft der Träume ist diesmal ganz klar. Mir fehlt’s an Privatsphäre. Auf Arbeit.

Ich war gestern richtig sauer, als ein bestimmter Kollege zum xten Mal ins Büro geplatzt ist. Das tut er regelmäßig. Nennen wir ihn Fergus, denn er ist Schotte. Morgens dreht er seine Runde, um mit anderen Kollegen zu reden. Ich habe ihn schon mal gefragt, ob er denn nichts zu tun hätte. Gestern musste er sich zweimal mit Ute über ein Projekt unterhalten. Dagegen kann ich schwer etwas sagen. Mein Pech, dass ausgerechnet Ute und er die zwei lautesten Kollegen in der ganzen Firma sind. Am anderen Ende vom Flur hört man die Beiden immer noch sehr gut, wenn sie sich unterhalten. Und mittendrin Tim (gerade in Elternzeit) und ich, die versuchen zu programmieren.

Als Fergus gestern Abend erneut rein kam, um mir mitzuteilen, dass etwas in unserem Datenbanksystem nicht funktionierte, ist mir der Kragen geplatzt. Denn ich war gerade vertieft dabei, mich genau diesem Problem zu widmen. Beim Programmieren brauche ich meine Ruhe, was allein mit Ute im Büro schon schwer genug ist. Beim Programmieren ist es für mich, als ob ich im Kopf mehrere lose Stränge halten würde, um sie zusammen zu binden. Kommt jemand plötzlich rein und spricht mich laut an, weil Fergus nicht anders als laut reden kann, ohne Rücksicht auf meine Arbeit zu nehmen, fallen mir alle Stränge am Boden. Danach darf ich sie wieder sammeln, und häufig ist es auch die Ursache für Fehler, die ich danach beheben muss. Mega kontraproduktiv.

Eigentlich haben wir eine festgelegte Prozedur, für Bugs. Wir haben ein Projektmanagementsystem, mit dem alle in der Firma arbeiten, und drin ein Projekt für Bugs eingerichtet. Jeder, der ein Problem feststellt oder Änderungswünsche hat, soll es dort schriftlich mitteilen. Aber Fergus hält sich nie an Vorschriften. Unter der Begründung, es wäre für ihn einfacher, mir Sachen mündlich zu erklären, pfeift er drauf und reißt mich regelmäßig von meiner Programmiertätigkeit raus. Das nervt. Daher die Träume heute Nacht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Heute beim Sport

Seit einigen Wochen gehe endlich wieder regelmäßig zum Sport.

Das war lange nicht mehr so. Ungefähr seit dem Urlaub in September. Zwei Wochen weg, das hat mich völlig aus dem Rhythmus geworfen. Es gab im Herbst viele interessante online Kurse, die ich absolvieren wollte, und die viel Zeit gekostet haben. Dann waren es schon nicht mehr so viele Wochen bis Weihnachten, ich musste meine selbst gebastelte Geschenke fertig kriegen. Und dann war es so weit weg, bis zum Fitnessstudio, vierzig Minuten hin, vierzig Minuten zurück, wenn der ÖPNV gut läuft, da geht viel Zeit verloren.

Was geschah ist klar: Irgendwann haben die Kleider angefangen, ungemütlich zu sitzen. Das war mir schon im Urlaub bei meiner Schwester aufgefallen. Seitdem der Ehemann aus Berlin zu mir im Juli umgezogen ist, koche und esse ich mehr als im ersten halben Jahr. Man glaubt nicht, wie schnell die Pfunde zurück kommen, wenn man nicht aufpasst. Vor allem, wenn der Ehemann ständig dabei ist, mir Leckeres anzubieten, obwohl er weiß, dass er das lassen soll. Ohne ihn gab es in der Wohnung nie etwas wie Keckse, Schokolade oder Eis. Es gibt jetzt Hosen, die ich seit einigen Monaten nicht mehr trage.

Dabei hatte ich wirklich was erreicht, letztes Jahr. Dreimal die Woche beim Sport, jedes Mal mit einem Proteinshake als Abendessen, gelegentlich mit einer Kollegin mittags gejoggt, das Gewicht war vielleicht nicht beeindruckend runter gekommen, aber die Figur war dafür super geworden.

Was soll’s. Was ich letztes Jahr geschafft hatte, kann ich dieses Jahr auch. Diesmal gibt es keine große Lebensumstellung wie ein Umzug mehr, wir sind zu Hause gut eingerichtet, nichts steht mehr im Weg. Wir haben schon seit dem Sommer die Routine, am frühen Samstagvormittag zum Markt in Pasing einkaufen zu gehen, von dort ist es nicht weit, bis zum Fitnessstudio. Seit Januar gehen wir samstags wieder hin. Dann sind wir zusätzlich einmal unter der Woche abends hin gegangen. Jetzt zweimal. Also insgesamt dreimal die Woche. Bei diesem Rhythmus macht es wieder Spaß und der ständige leichte Muskelkater fühlt sich gut an. Ich habe den Punkt erreicht, wo ich mich nicht mehr überwinden muss, sondern morgens selbstverständlich die Sporttasche packe, um nach Feierabend zum Sport zu gehen. Es ist umso leichter geworden, jetzt, wo es die neue Buslinie 259 gibt, die direkt von Martinsried nach Pasing fährt.

Trotzdem denke ich, ein Fitnessstudiowechsel wäre nicht schlecht. Der Ehemann wollte unbedingt hin gehen, wo es auch ein Schwimmbad gibt. Deswegen hatten wir uns in Berlin beim Fitness First[1] in Zehlendorf angemeldet. Das war ein tolles Studio. Und deswegen fahren wir jetzt zum Laimer Studio, obwohl das Schwimmbad deutlich kleiner ist. Ich denke, der Ehemann könnte sich ein normales Schwimmbad aussuchen, und wir könnten näher zur Wohnung Gerätetraining treiben. Was mich bei unserem Fitnessstudio nervt:

  • Erstens ist der Empfang recht unfreundlich. Wenigstens um die Uhrzeiten, wo ich letztes Jahr da war, war immer die gleiche Person hinter der Theke. Dass man beim Ankommen nicht besonders freundlich begrüßt wird, kenne ich schon aus Berlin, aber jedes Mal, wenn ich nach dem Sport mein Proteinshake bestellen wollte, tat die Frau immer so, als ob ich sie bei einer unglaublich wichtigeren Tätigkeit stören würde – meistens, beim Quatschen mit einer Kollegin. Manchmal habe ich den Verdacht gehegt, sie war einfach unfreundlich bei allen schlanken Frauen, weil sie selber fett ist und sich deutlich netter mit dickeren Leuten verhält.
  • Vergessene Sachen tauchen nicht wieder auf. Gut, es ist mir nur einmal passiert, dass ich meine Badelatschen liegen lassen habe, aber wie die gleiche Frau an der Theke sofort verneint hatte, dass etwas abgegeben worden wäre, ohne meine Frage zu Ende zu hören und im Fundkorb hinter ihr zu schauen, sah sehr verdächtig aus. Ich denke, sie bedient sich selbst an den Fundsachen.
  • Was mich vor allem stört: Die Musik ist viel zu laut. Bei manchen Kursen, wie beim Zumba am Dienstagabend, wird in dem Kurssaal die Musik so laut gedreht, dass selbst bei geschlossener Tür der Schall zu dem Gerätebereich drängt. Bei mir erzeugt das eine Art Resonanz. Ich sitze auf einem Gerät und mache meine Wiederholungen, aber mein Herz schlägt nicht mehr normal, weil es durch die Bässe anders vibriert. Äußerst unangenehm. Wenn ich jetzt während des Kurses da bin, schaue ich, dass ich an möglichst weit entfernten Geräten trainiere. Ich habe einmal in einem anderen Kurs erlebt, wie eine Frau am Anfang darum gebeten hatte, die Musik nicht zu laut zu drehen, und die Kursleiterin quasi sofort eine Art Nervenzusammenbruch hatte, weil man ja „keine Musik mehr hören könnte“. Ich denke, die Kursleiter sind völlig bescheuert und haben kein Gespür für gesunde Lautstärke. Aber das scheint nicht nur bei Fitness First der Fall zu sein. Es ist bekannt, dass Musik in Fitnesstudios häufig die gesetzliche Grenze für Lärmbelästigung am Arbeitsplatz überschreitet und das Gehör gefährdet. Es interessiert niemanden. Es soll nicht mal eine zulässige Begründung dafür sein, seinen Vertrag vorzeitig zu kündigen. Ich hatte schon recherchiert, nachdem ich vor drei Wochen mit dem Ehemann an einem Montagabend dort war. Auf der Webseite gab es keine Ankündigung, aber die Betreiber vom Fitnessstudio hatten einen DJ-Abend veranstaltet. Und nicht in einem abgetrennten Kurssaal, nein, mitten auf der freien Trainingsfläche, wo drum herum alle Geräte stehen. Da stand ein junger Mann in schwarzer Sportkleidung hinter einer dafür gebaute Musikanlage, und ließ Musik so laut wie in einer Disko laufen. Kein Entkommen. Der Ehemann war im Schwimmbad und war auch dort davon gestört. Ich habe mein Training beendet. Den ganzen Abend zu Hause hat sich mein Kopf wie unter Druck angefühlt, ich war so von der lauten Musik gestresst geworden, dass ich lange nicht einschlafen konnte, und den ganzen Dienstag auf Arbeit hatte ich dumpfe Kopfschmerze. Weil ich meinte, nach einem Tag Arbeit Sport machen zu wollen. Die spinnen total. Auf Anfrage meinte eine Trainerin, solche Veranstaltungen würden nicht auf der Webseite bekannt gemacht, sondern nur auf Facebook[1]. Ich bin jetzt ständig dazu gezwungen, zuerst dort zu schauen, ob ein DJ-Abend geplant ist, bevor ich meine Sportsachen packe. Ich kann mich nicht mehr spontan zum Training entscheiden. Das ist schon eine große Beeinträchtigung. In Zehlendorf hatte ich solche Umstände nie erlebt.

Jetzt sind wir leider bis zum Ende des Jahres bei Fitness First gebunden. Ich hatte die Idee, wir könnten mal ein anderes Studio probieren. Wir waren letzte Woche Samstag bei dem Fitness First am Englischen Garten. Der war aber recht klein, viel weniger Geräte standen zur Verfügung, und sie waren alle auf einer Art offener Etage oberhalb von der freien Trainingsfläche. Da oben war es so warm, dass ich mich fiebrig gefühlt habe und nach dem Training den ganzen Tag Kopfschmerze hatte. Da gehe ich nicht wieder hin.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Unangenehme Überraschung

Ich komme nach einem harten Tag Arbeit nach Hause. Ich bin noch von der Verspätung vom Bus genervt.

Als ich in der Nähe des Hauses ankomme, nehme ich wahr, wie eine Person rein geht. Ich passe nicht sonderlich auf. Ich prüfe die Post und hole einen Brief für den Ehemann.

Ich laufe die Treppe hoch und bin überrascht, eine unbekannte Frau vor unserer Wohnungstür stehen zu sehen. Sie steht einfach da, dreht mir den Rücken zu und guckt sich die Tür an. Sehr breit, blond, mit einer dicken schwarzen Daunenjacke und einer Merkur[1]-Hängetasche. Nicht die Versicherung, sondern die Zeitung.

Sie dreht sich um, als ich die letzten Stufen hoch gehe. „Was geht hier los?“, frage ich sie, glaube ich. Sie fängt an, sich vorzustellen, wobei ich ihren Namen schon vergesse, zeigt mir ihren Badge, der an ihrem Hals hängt, ohne ihn wirklich zu zeigen, erzählt, sie sei von der Merkur, und ich unterbreche sie, in dem ich recht unfreundlich sage „Nee, nee, nee, kein Interesse, lassen Sie mich durch“, denn sie mir den gesamten Gang sperrt und ich immer noch in der Treppe stehen bleiben muss. „Wir verschenken zwei Wochen Urlaub in Blablabla,“ versucht sie mir zu erzählen, gibt aber auf mit der Bemerkung, ich sei scheinbar nicht interessiert, und fängt an, die Treppe runter zu gehen. Das Letzte, was ich brauche, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, ist irgendeine fremde Person vor der eigenen Wohungstür, die mir irgendeinen Scheiß aufschwatzen will.

Der Ehemann kommt aus dem Arbeitszimmer die Treppe runter, als er mich die Tür zu knallen hört. Dass jemand vor der Tür stand, weiß er nicht, sie hat also nicht bei uns geklingelt. Wer hat sie denn überhaupt herein gelassen? Sie muss direkt von der Haustür bis zu unserer Wohnung gelaufen sein, und ich habe sonst keine Nachbarn oder offene Wohnungstüre auf dem Weg zu uns ganz oben gesehen. Scheinbar haben wir Nachbarn, die ohne jegliche Prüfung jeden ins Haus lassen, der klingelt. Keine schöne Vorstellung.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

In Marseille – Le Panier

Mit Marseille bin ich immer noch nicht befreundet. Die Stadt ist dreckig und stinkt. Überall dicke Hundehaufen und Uringestank. Alte, heruntergekommene Gebäude. Autofahrer, die ohne Rücksicht auf Fußgänger am Hafen rasen, selbst wenn sie eigentlich rot haben. Wen interessiert’s? Die Fußgänger gehen nicht auf Grün los, sondern schauen erstmal um sich um und warten, bis alle Autos durch sind, bevor sie sich auf der Straße trauen. Etwas Anderes wäre Selbstmord.

Dazu kommt die allgegenwärtige sexuelle Belästigung. In Marseille kann man als Frau einfach nirgendwo Ruhe haben. Das habe ich in meiner Jugend mit Freundinnen erlebt und am Wochenende aus der Ferne leider wieder beobachtet. Frau sitzt auf einer Bank und liest, Jugendlicher setzt sich dicht neben ihr und belästigt sie derart, dass die Frau aufsteht und den Platz verlässt. Obwohl ein anderer, unbeteiligter Mann auf der anderen Seite der Bank saß. Nichts hat er unternommen. Unterlassene Hilfeleistung ist in Frankreich weit verbreitet.

Aber zurück zur Stadt selbst. Der Ehemann wollte vor unserer Abreise eine Nacht in Marseille verbringen. Ich war nicht begeistert. Wir haben ein Apéro am Hafen getrunken. Ich wollte danach zurück zum Hotel. Es wurde schon dunkel.

Anstatt am Hafen lang zu gehen, nehmen wir die Rue de la République. Ein Schild zeigt den Weg zum Panier. Ich habe keine Ahnung, worum es geht, und beschließe, dem Schild zu folgen. Erstmal Treppen hoch. Wir entdecken ein entzückendes Viertel. Immer noch dreckig und stinkend, aber mit interessanten Graffiti und vielen, besser als am Hafen aussehenden gastronomischen Lokalen. Wir essen eine Kleinigkeit am „Panier Marseillais“[1]. Fisch-Tapas.

Am Sonntag gehen wir wieder hin, zu einem anderen Lokal. Essen kann man in dem Viertel toll. Leider, und man glaubt es nicht, wenn man es nicht selber erlebt, sind die engen Straßen nicht für den motorisierten Verkehr gesperrt. Oder die Anwohner pfeifen drauf. Mofas fahren dicht an uns vorbei, als wir am Tisch mitten auf der Straße sitzen und essen. Ich meine, die Terrasse vom Lokal beanspruchte schon die Hälfte der Gasse. Gegenüber standen zwei Frauen aus einem Laden und diskutierten. Und da lang fahren Leute mit Mofas durch. Völlig rücksichtslos.

Am Sonntagabend war unser Rückflug nach München geplant. Über Frankfurt. Tja. Wegen Unwetter wurde der Flug gestrichen. Unmut bei den Passagieren und Chaos am Flughafen, als wir nur hin und her geschickt wurden. Wir sind dadurch eine extra Nacht in Marseille geblieben. Diesmal haben wir in einem besseren Hotel geschlafen. Ich war vom Golden Tulip[1] enttäuscht. Die Lage war lange nicht so toll wie auf den Bewertungen gepriesen. Nicht mal Margaritas konnte der Barman richtig machen. Der Radisson Blu[1] hat mir viel besser gefallen. Wir konnten sogar im Außenpool am späten Abend schwimmen. Leider mussten wir am Montag um vier aufstehen, um unseren Flug von 06:20 nach München zu kriegen. Wenigstens sind wir direkt geflogen und konnten halbwegs pünktlich auf Arbeit erscheinen. Ich fühle mich immer noch müde davon.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Belästigung

Ich befand mich am Gleis einer S-Bahn-Station. Ich war gerade aus einem Zug ausgestiegen. Außer zwei Männer, die da rum standen, war niemand zu sehen.

Ein der beiden Männer, in hellgrauer Joggingshose, kam zu mir. Ich sollte mit ihm vögeln, meinte er. Ich habe beschlossen, den Typ zu ignorieren. Keine Zeit für eine Anzeige wegen sexueller Belästigung bei der Polizei. Er hätte einen King-Size Penis, rief er hinterher, als ich an ihm vorbei ging, viele Männer hätten nur Size One, diese einmalige Chance würde sich nicht zweimal anbieten. Ist ja klar. Behaupten die doch alle von selbst.

Ich ging die Treppe hoch, zum Ausgangsbereich vom Bahnhof. Dort waren mehrere Menschen. Der Belästiger war mir hierher gefolgt und versuchte noch, mich zu überreden. Ich ging zu zwei Männern, die nur da rum standen, und sagte dem einen, „Dieser Mann belästigt mich“, und zeigte gleichzeitig zum Belästiger. „What did you say?“ fragte der Mann. Stimmt, ich war in die USA gereist! „This man is harassing me,“ sagte ich. Er hat sich an den Belästiger gewandt, aber diesem schien es egal zu sein, er belästigte mich weiter.

Den Nachbarn von meinem Helfer fragte ich ebenfalls um Hilfe. „If you give me money, I can help you“, antwortete er. Ich sagte ihm kurz, dass ich es nicht so ehrenhaft fand, dass er nur gegen Geld helfen würde. Andererseits hatte ich ihn aktiv um Hilfe gebeten, ich könnte mich auch dafür bedanken. „OK, if you need money, I can give you money. Just help me,“ sagte ich ihm. Er ging zum ersten Helfer. Dem Belästiger wurde es zu viel. Er ergriff die Flucht. Mist, habe ich gedacht, somit könnten wir doch gar nicht bei der Polizei sagen, wer das überhaupt gewesen war. Andererseits hatte ich keine Zeit für die Polizei.

Der zweite Helfer wollte jetzt sein Geld haben. Klar, sagte ich, weiter auf English. Es gäbe nur ein kleines Problem, ich hätte keine Dollars dabei. Nur Euros. „What?“ „European currency,“ sagte ich. „Ah, ok“. Ich ging zu meiner Handtasche, die weiter weg neben einem Aufzug lag. Aus meinem Portemonnaie nahm ich 40 € raus. Es gab noch viel mehr Scheine drin, selbst ein 1000 € Schein, ich konnte es mir echt leisten und kam mir dreist vor, ihm nur 40 € zu geben. Aber er schien zufrieden zu sein.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.