Fehlende Privatsphäre

Ich war in einer mir unbekannten Wohnung. Ich musste mich anziehen. Ich stand gerade in Unterwäschen mitten im Raum, als ich aus dem großen Fenster ohne Gardine einen jungen Mann auf der anderen Seite vom Innenhof in einem mir gegenüber stehenden Gebäude merkte. Er war mit Kittel und Schutzbrille bekleidet und hielt einen Kulturkolben in der Hand. Aber statt auf seine Arbeit zu achten, glotzte er mich nur an. Ich habe ihm den mittleren Finger gezeigt und mich unter dem Fenster geduckt, um mich weiter anzuziehen.

Szenenwechsel. Der Ehemann und ich waren im Frühstücksraum eines Hotels. Es waren viele Leute da und der Raum wirkte unordentlich. In einer Ecke vom Frühstücksraum war unser Schlafzimmer. Keine Wand. Das Bett war noch nicht bezogen, die Decke lag noch halb auf dem Bett und halb am Boden. Die Dusche war ebenfalls vom Frühstücksraum ohne Tür frei zugänglich.

Ich denke, die Botschaft der Träume ist diesmal ganz klar. Mir fehlt’s an Privatsphäre. Auf Arbeit.

Ich war gestern richtig sauer, als ein bestimmter Kollege zum xten Mal ins Büro geplatzt ist. Das tut er regelmäßig. Nennen wir ihn Fergus, denn er ist Schotte. Morgens dreht er seine Runde, um mit anderen Kollegen zu reden. Ich habe ihn schon mal gefragt, ob er denn nichts zu tun hätte. Gestern musste er sich zweimal mit Ute über ein Projekt unterhalten. Dagegen kann ich schwer etwas sagen. Mein Pech, dass ausgerechnet Ute und er die zwei lautesten Kollegen in der ganzen Firma sind. Am anderen Ende vom Flur hört man die Beiden immer noch sehr gut, wenn sie sich unterhalten. Und mittendrin Tim (gerade in Elternzeit) und ich, die versuchen zu programmieren.

Als Fergus gestern Abend erneut rein kam, um mir mitzuteilen, dass etwas in unserem Datenbanksystem nicht funktionierte, ist mir der Kragen geplatzt. Denn ich war gerade vertieft dabei, mich genau diesem Problem zu widmen. Beim Programmieren brauche ich meine Ruhe, was allein mit Ute im Büro schon schwer genug ist. Beim Programmieren ist es für mich, als ob ich im Kopf mehrere lose Stränge halten würde, um sie zusammen zu binden. Kommt jemand plötzlich rein und spricht mich laut an, weil Fergus nicht anders als laut reden kann, ohne Rücksicht auf meine Arbeit zu nehmen, fallen mir alle Stränge am Boden. Danach darf ich sie wieder sammeln, und häufig ist es auch die Ursache für Fehler, die ich danach beheben muss. Mega kontraproduktiv.

Eigentlich haben wir eine festgelegte Prozedur, für Bugs. Wir haben ein Projektmanagementsystem, mit dem alle in der Firma arbeiten, und drin ein Projekt für Bugs eingerichtet. Jeder, der ein Problem feststellt oder Änderungswünsche hat, soll es dort schriftlich mitteilen. Aber Fergus hält sich nie an Vorschriften. Unter der Begründung, es wäre für ihn einfacher, mir Sachen mündlich zu erklären, pfeift er drauf und reißt mich regelmäßig von meiner Programmiertätigkeit raus. Das nervt. Daher die Träume heute Nacht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Heute beim Sport

Seit einigen Wochen gehe endlich wieder regelmäßig zum Sport.

Das war lange nicht mehr so. Ungefähr seit dem Urlaub in September. Zwei Wochen weg, das hat mich völlig aus dem Rhythmus geworfen. Es gab im Herbst viele interessante online Kurse, die ich absolvieren wollte, und die viel Zeit gekostet haben. Dann waren es schon nicht mehr so viele Wochen bis Weihnachten, ich musste meine selbst gebastelte Geschenke fertig kriegen. Und dann war es so weit weg, bis zum Fitnessstudio, vierzig Minuten hin, vierzig Minuten zurück, wenn der ÖPNV gut läuft, da geht viel Zeit verloren.

Was geschah ist klar: Irgendwann haben die Kleider angefangen, ungemütlich zu sitzen. Das war mir schon im Urlaub bei meiner Schwester aufgefallen. Seitdem der Ehemann aus Berlin zu mir im Juli umgezogen ist, koche und esse ich mehr als im ersten halben Jahr. Man glaubt nicht, wie schnell die Pfunde zurück kommen, wenn man nicht aufpasst. Vor allem, wenn der Ehemann ständig dabei ist, mir Leckeres anzubieten, obwohl er weiß, dass er das lassen soll. Ohne ihn gab es in der Wohnung nie etwas wie Keckse, Schokolade oder Eis. Es gibt jetzt Hosen, die ich seit einigen Monaten nicht mehr trage.

Dabei hatte ich wirklich was erreicht, letztes Jahr. Dreimal die Woche beim Sport, jedesmal mit einem Proteinshake als Abendessen, gelegentlich mit einer Kollegin mittags gejoggt, das Gewicht war vielleicht nicht beeindruckend runter gekommen, aber die Figur war dafür super geworden.

Was soll’s. Was ich letztes Jahr geschafft hatte, kann ich dieses Jahr auch. Diesmal gibt es keine große Lebensumstellung wie ein Umzug mehr, wir sind zu Hause gut eingerichtet, nichts steht mehr im Weg. Wir haben schon seit dem Sommer die Routine, am frühen Samstagvormittag zum Markt in Pasing einkaufen zu gehen, von dort ist es nicht weit, bis zum Fitnessstudio. Seit Januar gehen wir samstags wieder hin. Dann sind wir zusätzlich einmal unter der Woche abends hin gegangen. Jetzt zweimal. Also insgesamt dreimal die Woche. Bei diesem Rhythmus macht es wieder Spaß und der ständige leichte Muskelkater fühlt sich gut an. Ich habe den Punkt erreicht, wo ich mich nicht mehr überwinden muss, sondern morgens selbstverständlich die Sporttasche packe, um nach Feierabend zum Sport zu gehen. Es ist umso leichter geworden, jetzt, wo es die neue Buslinie 259 gibt, die direkt von Martinsried nach Pasing fährt.

Trotzdem denke ich, ein Fitnessstudiowechsel wäre nicht schlecht. Der Ehemann wollte unbedingt hin gehen, wo es auch ein Schwimmbad gibt. Deswegen hatten wir uns in Berlin beim Fitness First in Zehlendorf angemeldet. Das war ein tolles Studio. Und deswegen fahren wir jetzt zum Laimer Studio, obwohl das Schwimmbad deutlich kleiner ist. Ich denke, der Ehemann könnte sich ein normales Schwimmbad aussuchen, und wir könnten näher zur Wohnung Gerätetraining treiben. Was mich bei unserem Fitnessstudio nervt:

  • Erstens ist der Empfang recht unfreundlich. Wenigstens um die Uhrzeiten, wo ich letztes Jahr da war, war immer die gleiche Person hinter der Theke. Dass man beim Ankommen nicht besonders freundlich begrüßt wird, kenne ich schon aus Berlin, aber jedesmal, wenn ich nach dem Sport mein Proteinshake bestellen wollte, tat die Frau immer so, als ob ich sie bei einer unglaublich wichtigeren Tätigkeit stören würde — meistens, beim Quatschen mit einer Kollegin. Manchmal habe ich den Verdacht gehegt, sie war einfach unfreundlich bei allen schlanken Frauen, weil sie selber fett ist und sich deutlich netter mit dickeren Leuten verhält.
  • Vergessene Sachen tauchen nicht wieder auf. Gut, es ist mir nur einmal passiert, dass ich meine Badelatschen liegen lassen habe, aber wie die gleiche Frau an der Theke sofort verneint hatte, dass etwas abgegeben worden wäre, ohne meine Frage zu Ende zu hören und im Fundkorb hinter ihr zu schauen, sah sehr verdächtig aus. Ich denke, sie bedient sich selbst an den Fundsachen.
  • Was mich vor allem stört: Die Musik ist viel zu laut. Bei manchen Kursen, wie beim Zumba am Dienstagabend, wird in dem Kurssaal die Musik so laut gedreht, dass selbst bei geschlossener Tür der Schall zu dem Gerätebereich drängt. Bei mir erzeugt das eine Art Resonanz. Ich sitze auf einem Gerät und mache meine Wiederholungen, aber mein Herz schlägt nicht mehr normal, weil es durch die Bässe anders vibriert. Äußerst unangenehm. Wenn ich jetzt während des Kurses da bin, schaue ich, dass ich an möglichst weit entfernten Geräten trainiere. Ich habe einmal in einem anderen Kurs erlebt, wie eine Frau am Anfang darum gebeten hatte, die Musik nicht zu laut zu drehen, und die Kursleiterin quasi sofort eine Art Nervenzusammenbruch hatte, weil man ja „keine Musik mehr hören könnte“. Ich denke, die Kursleiter sind völlig bescheuert und haben kein Gespür für gesunde Lautstärke. Aber das scheint nicht nur bei Fitness First der Fall zu sein. Es ist bekannt, dass Musik in Fitnesstudios häufig die gesetzliche Grenze für Lärmbelästigung am Arbeitsplatz überschreitet und das Gehör gefährdet. Es interessiert niemanden. Es soll nicht mal eine zulässige Begründung dafür sein, seinen Vertrag vorzeitig zu kündigen. Ich hatte schon recherchiert, nachdem ich vor drei Wochen mit dem Ehemann an einem Montagabend dort war. Auf der Webseite gab es keine Ankündigung, aber die Betreiber vom Fitnessstudio hatten einen DJ-Abend veranstaltet. Und nicht in einem abgetrennten Kurssaal, nein, mitten auf der freien Trainingsfläche, wo drum herum alle Geräte stehen. Da stand ein junger Mann in schwarzer Sportkleidung hinter einer dafür gebaute Musikanlage, und ließ Musik so laut wie in einer Disko laufen. Kein Entkommen. Der Ehemann war im Schwimmbad und war auch dort davon gestört. Ich habe mein Training beendet. Den ganzen Abend zu Hause hat sich mein Kopf wie unter Druck angefühlt, ich war so von der lauten Musik gestresst geworden, dass ich lange nicht einschlafen konnte, und den ganzen Dienstag auf Arbeit hatte ich dumpfe Kopfschmerze. Weil ich meinte, nach einem Tag Arbeit Sport machen zu wollen. Die spinnen total. Auf Anfrage meinte eine Trainerin, solche Veranstaltungen würden nicht auf der Webseite bekannt gemacht, sondern nur auf Facebook. Ich bin jetzt ständig dazu gezwungen, zuerst dort zu schauen, ob ein DJ-Abend geplant ist, bevor ich meine Sportsachen packe. Ich kann mich nicht mehr spontan zum Training entscheiden. Das ist schon eine große Beeinträchtigung. In Zehlendorf hatte ich solche Umstände nie erlebt.

Jetzt sind wir leider bis zum Ende des Jahres bei Fitness First gebunden. Ich hatte die Idee, wir könnten mal ein anderes Studio probieren. Wir waren letzte Woche Samstag bei dem Fitness First am Englischen Garten. Der war aber recht klein, viel weniger Geräte standen zur Verfügung, und sie waren alle auf einer Art offener Etage oberhalb von der freien Trainingsfläche. Da oben war es so warm, dass ich mich fiebrig gefühlt habe und nach dem Training den ganzen Tag Kopfschmerze hatte. Da gehe ich nicht wieder hin.


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Unangenehme Überraschung

Ich komme nach einem harten Tag Arbeit nach Hause. Ich bin noch von der Verspätung vom Bus genervt.

Als ich in der Nähe des Hauses ankomme, nehme ich wahr, wie eine Person rein geht. Ich passe nicht sonderlich auf. Ich prüfe die Post und hole einen Brief für den Ehemann.

Ich laufe die Treppe hoch und bin überrascht, eine unbekannte Frau vor unserer Wohnungstür stehen zu sehen. Sie steht einfach da, dreht mir den Rücken zu und guckt sich die Tür an. Fett, blond, mit einer dicken schwarzen Daunenjacke und einer Merkur-Hängetasche. Nicht die Versicherung, sondern die Zeitung.

Sie dreht sich um, als ich die letzten Stufen hoch gehe. „Was geht hier los?“, frage ich sie, glaube ich. Sie fängt an, sich vorzustellen, wobei ich ihren Namen schon vergesse, zeigt mir ihren Badge, der an ihrem Hals hängt, ohne ihn wirklich zu zeigen, erzählt, sie sei von der Merkur, und ich unterbreche sie, in dem ich recht unfreundlich sage „Nee, nee, nee, kein Interesse, lassen Sie mich durch“, denn sie mir den gesamten Gang sperrt. „Wir verschenken zwei Wochen Urlaub in Blablabla,“ versucht sie mir zu erzählen, gibt aber auf mit der Bemerkung, ich sei scheinbar nicht interessiert, und fängt an, die Treppe runter zu gehen. Das Letzte, was ich brauche, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, ist irgendeine fremde Person vor der eigenen Wohungstür, die mir irgendeinen Scheiß aufschwatzen will.

Der Ehemann kommt aus dem Arbeitszimmer die Treppe runter, als er mich die Tür zu knallen hört. Dass jemand vor der Tür stand, weiß er nicht, sie hat also nicht bei uns geklingelt. Wer hat sie denn überhaupt herein gelassen? Sie muss direkt von der Haustür bis zu unserer Wohnung gelaufen sein, und ich habe sonst keine Nachbarn oder offene Wohnungstüre auf dem Weg zu uns ganz oben gesehen. Scheinbar haben wir Nachbarn, die ohne jegliche Prüfung jeden ins Haus lassen, der klingelt. Keine schöne Vorstellung.


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In Marseille — Le Panier

Mit Marseille bin ich immer noch nicht befreundet. Die Stadt ist dreckig und stinkt. Überall dicke Hundehaufen und Uringestank. Alte, heruntergekommene Gebäude. Autofahrer, die ohne Rücksicht auf Fußgänger am Hafen rasen, selbst wenn sie eigentlich rot haben. Wen interessiert’s? Die Fußgänger gehen nicht auf Grün los, sondern schauen erstmal um sich um und warten, bis alle Autos durch sind, bevor sie sich auf der Straße trauen. Etwas Anderes wäre Selbstmord.

Dazu kommt die allgegenwärtige sexuelle Belästigung. In Marseille kann man als Frau einfach nirgendwo Ruhe haben. Das habe ich in meiner Jugend mit Freundinnen festgestellt und am Wochenende aus der Ferne leider wieder beobachtet. Frau sitzt auf einer Bank und liest, Jugendlicher setzt sich dicht neben ihr und belästigt sie derart, dass die Frau aufsteht und den Platz verlässt. Obwohl ein anderer, unbeteiligter Mann auf der anderen Seite der Bank saß. Nichts hat er unternommen. Unterlassene Hilfeleistung ist in Frankreich weit verbreitet.

Aber zurück zur Stadt selbst. Der Ehemann wollte vor unserer Abreise eine Nacht in Marseille verbringen. Ich war nicht begeistert. Wir haben ein Apéro am Hafen getrunken. Ich wollte danach zurück zum Hotel. Es wurde schon dunkel.

Anstatt am Hafen lang zu gehen, nehmen wir die Rue de la République. Ein Schild zeigt den Weg zum Panier. Ich habe keine Ahnung, worum es geht, und beschließe, dem Schild zu folgen. Erstmal Treppen hoch. Wir entdecken ein entzückendes Viertel. Immer noch dreckig und stinkend, aber mit interessanten Graffiti und vielen, besser als am Hafen aussehenden gastronomischen Lokalen. Wir essen eine Kleinigkeit am „Panier Marseillais“. Fisch-Tapas.

Am Sonntag gehen wir wieder hin, zu einem anderen Lokal. Essen kann man in dem Viertel toll. Leider, und man glaubt es nicht, wenn man es nicht selber erlebt, sind die engen Straßen nicht für den motorisierten Verkehr gesperrt. Oder die Anwohner pfeifen drauf. Mofas fahren dicht an uns vorbei, als wir am Tisch mitten auf der Straße sitzen und essen. Ich meine, die Terrasse vom Lokal beanspruchte schon die Hälfte der Gasse. Gegenüber standen zwei Frauen aus einem Laden und diskutierten. Und da lang fahren Leute mit Mofas durch. Völlig rücksichtslos.

Am Sonntagabend war unser Rückflug nach München geplant. Über Frankfurt. Tja. Wegen Unwetter wurde der Flug gestrichen. Unmut bei den Passagieren und Chaos am Flughafen, als wir nur hin und her geschickt wurden. Wir sind dadurch eine extra Nacht in Marseille geblieben. Diesmal haben wir in einem besseren Hotel geschlafen. Ich war vom Golden Tulip enttäuscht. Die Lage war lange nicht so toll wie auf den Bewertungen gepriesen. Nicht mal Margaritas konnte der Barman richtig machen. Der Radisson Blu hat mir viel besser gefallen. Wir konnten sogar im Außenpool am späten Abend schwimmen. Leider mussten wir am Montag um vier aufstehen, um unseren Flug von 06:20 nach München zu kriegen. Wenigstens sind wir direkt geflogen und konnten halbwegs pünktlich auf Arbeit erscheinen. Ich fühle mich immer noch müde davon.


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Belästigung

Ich befand mich am Gleis einer S-Bahn-Station. Ich war gerade aus einem Zug ausgestiegen. Außer zwei Männer, die da rum standen, war niemand zu sehen.

Ein der beiden Männer, in hellgrauer Joggingshose, kam zu mir. Ich sollte mit ihm vögeln, meinte er. Ich habe beschlossen, den Typ zu ignorieren. Keine Zeit für eine Anzeige wegen sexueller Belästigung bei der Polizei. Er hätte einen King-Size Penis, rief er hinterher, als ich an ihm vorbei ging, viele Männer hätten nur Size One, diese einmalige Chance würde sich nicht zweimal anbieten. Ist ja klar. Behaupten die doch alle von selbst.

Ich ging die Treppe hoch, zum Ausgangsbereich vom Bahnhof. Dort waren mehrere Menschen. Der Belästiger war mir hierher gefolgt und versuchte noch, mich zu überreden. Ich ging zu zwei Männern, die nur da rum standen, und sagte dem einen, „Dieser Mann belästigt mich“, und zeigte gleichzeitig zum Belästiger. „What did you say?“ fragte der Mann. Stimmt, ich war in die USA gereist! „This man is harassing me,“ sagte ich. Er hat sich an den Belästiger gewandt, aber diesem schien es egal zu sein, er belästigte mich weiter.

Den Nachbarn von meinem Helfer fragte ich ebenfalls um Hilfe. „If you give me money, I can help you“, antwortete er. Ich sagte ihm kurz, dass ich es nicht so ehrenhaft fand, dass er nur gegen Geld helfen würde. Andererseits hatte ich ihn aktiv um Hilfe gebeten, ich könnte mich auch dafür bedanken. „OK, if you need money, I can give you money. Just help me,“ sagte ich ihm. Er ging zum ersten Helfer. Dem Belästiger wurde es zu viel. Er ergriff die Flucht. Mist, habe ich gedacht, somit könnten wir doch gar nicht bei der Polizei sagen, wer das überhaupt gewesen war. Andererseits hatte ich keine Zeit für die Polizei.

Der zweite Helfer wollte jetzt sein Geld haben. Klar, sagte ich, weiter auf English. Es gäbe nur ein kleines Problem, ich hätte keine Dollars dabei. Nur Euros. „What?“ „European currency,“ sagte ich. „Ah, ok“. Ich ging zu meiner Handtasche, die weiter weg neben einem Aufzug lag. Aus meinem Portemonnaie nahm ich 40 € raus. Es gab noch viel mehr Scheine drin, selbst ein 1000 € Schein, ich konnte es mir echt leisten und kam mir dreist vor, ihm nur 40 € zu geben. Aber er schien zufrieden zu sein.


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Taxi fahren in Berlin

Heute war in meiner Nachrichten-App, unter anderen, die Meldung, dass Cem Özdemir von Taxifahrern bedroht wird. In Berlin. Genauer gesagt von türkischstämmigen Taxifahrern mit nationalistischem Hauch, die seine politischen Ansichten nicht teilen.

Es überrascht mich nicht. Mit Taxifahrern habe ich auch unschöne Erfahrungen gemacht. Es sollte aber kein falscher Eindruck entstehen, nicht alle verhalten sich so schlecht, vom weitem.

Vor vielen Jahren, als ich Doktorandin war, hatte ich das Zusammenschreiben meiner Arbeit hauptsächlich nachts am Institut gemacht[1]. Tagsüber gab es zu viele Ablenkungen durch die Kollegen. Und häufig war ich gegen zwei oder drei Uhr morgens für die kurze Strecke mit dem Taxi nach Hause gefahren. Ich fühlte mich nicht genug in Sicherheit, um den zwanzigminütigen Fußweg zu machen. Eine Nacht stieg ich wie gewöhnlich ins Taxi ein. Der Fahrer, der, wie der Zufall es will, türkischstämmig war, fragte, was ich denn machen würde. Ich mag es nicht, wenn Taxifahrer persönliche Fragen stellen. Ich habe trotzdem geantwortet, dass ich Doktorandin in Physik war. Der Fahrer ist völlig ausgerastet und meinte, ich sollte als Frau keine Physik studieren. Ich sollte gefälligst heiraten und Kinder bekommen. Ich habe ihn gebeten zu halten und den Rest des Weges doch zu Fuß gemacht. Es war zum Glück ein Einzelfall.

Seitdem ich in Berlin lebe, haben sich blöde Erfahrungen mit Taxifahrern gehäuft. Ich will sie nicht alle erzählen. Ein Beispiel ist, als wir die letzte Weihnachtsfeier mit der Arbeitsgruppe in einem Restaurant in der Nähe vom Kottbusser Tor verbracht haben. Ich hatte an dem Abend nicht zu viel getrunken, wollte aber nicht mit ÖPNV nach Hause. Ich hätte eine gute Stunde gebraucht, und mit dem miesen Ruf vom Viertel kam es nicht in Frage, alleine zu fahren. Die Kollegen wollten noch woandershin trinken gehen, mir war es um elf schon recht spät. Beim Bezahlen habe ich nach einem Taxi gefragt, und es kam ziemlich schnell. Nachdem wir los gefahren sind, fragte der Fahrer, der wieder türkischstämmig war, ob ich Wein getrunken hätte. Komische Frage. Mit einem blöden Gefühl, habe ich bejaht. Die ganze Fahrt hat er mir deswegen Vorwürfe gemacht. Ich war nach dem dreistündigen Spaziergang am Nachmittag zu müde, aber eigentlich hätte ich aussteigen und mir einen anderen Taxi bestellen sollen. Schließlich hat er mich aus einem Restaurant geholt, und wir sind in Deutschland, was denkt er, was Leute abends trinken? Oder hat er mich für eine Türkin gehalten? Das glauben viele, vom Aussehen her. In Südfrankreich haben wir schon eine dunklere Haut, und mit der halb italienischen Familie hilft es nicht. Das gibt Taxifahrern längst keinen Recht, mich als Gästin so zu behandeln.

Ich sollte es mir zur Gewohnheit machen, die Nummer vom Taxi aufzuschreiben, um mich eventuell bei der Firma zu beschweren.

[1] Heute würde ich einfach von zu Hause aus arbeiten. Damals hatte ich zu Hause meinen allerersten Rechner mit Windows 98 und keine Internetverbindung.


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Telefonnummer auf einem Nokia Lumia blockieren

Ein Beitrag auf diesem Blog hat mich durch seine Aufrufanzahl überrascht. Ein verpasster Anruf. In drei Monaten ist er der meistgelesene Beitrag geworden. Obwohl, so erstaunlich ist es doch nicht, es ist das einzige Suchergebnis von Google über diese merkwürdige Telefonnummer, das nicht von www.wemgehoert.de stammt. Dabei weiß ich nicht mal, was die Person wollte, die mich aus der Nummer mehrmals versucht hatte zu erreichen. Offensichtlich bin ich nicht die Einzige, die es erwischt hat, den Suchbegriffen nach zu beurteilen. Ich kann aus den Aufrufstatistiken für diese Seite wunderbar ablesen, wann aus dieser Nummer Leute massenweise angerufen werden. Spam-Kommentare hat diese Seite auch auffällig viel geerntet, alle auf Englisch geschrieben, entweder mit der Bitte, die Kommentatoren per Email zu kontaktieren, weil sie keinen Knopf zum Folgen meines Bloges finden könnten, oder mit einem dubiosen Link, dem ihn natürlich nicht folgen will. So blöd bin ich auch nicht.

Das hat mich daran erinnert, dass ich mit Hilfe von Google diese Telefonnummer sofort blockiert hatte, und als ich einige Wochen später von einer anderen Nummer für Werbezwecke angerufen wurde, wollte ich die Prozedur wiederholen. Nicht intuitiv, mit meinem Nokia Lumia 730 (Windows Phone 8.1 Update). Ohne Google hätte ich es nicht geschafft, und selbst da ging es nicht so einfach. Viele Videos auf YouTube versprechen zu zeigen, wie es funktioniert, und zeigen dabei nur, wie man prüft, ob man das dafür benötigte Update schon installiert hat. Dank dieses Videos bin ich ein Stück näher bekommen. Ab 2:44 erfährt man, dass man in die Anrufliste gehen muss, und auf eine Nummer drücken soll, um diese zu sperren. Leider habe ich nicht erkannt, dass man etwas länger drücken soll, und habe einen Verbindungsaufbau zur unerwünschten Nummer verursacht. Schnell wieder aufgelegt. Also sollte man mit dem Finger auf die Nummer solange drücken, bis das Menü erscheint, in dem man die Nummer sperren kann. Eigentlich nicht so schwer, ich wäre nur nie von alleine drauf gekommen.


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Wespenplage

Gestern dürfte wohl der letzte Sommertag des Jahres gewesen sein. Der Ehemann ist früh von seiner Dienstreise zurück gekommen und hat mich bei der Arbeit abgeholt. Wir haben beschlossen, zu einem Biergarten in der Nähe unserer Wohnung zu gehen. Er hat sich an der Theke angestellt, um unsere Biere zu bestellen, während ich mir einen Tisch ausgesucht habe.

Der Biergarten war gut besucht, aber nicht so voll wie am Anfang der Saison. Es gab noch viele freie Tische, vor allem am Eingang vom Biergarten, neben dem Kinderspielplatz und dem Müllcontainer. Ich habe mich an einem Tisch ein bisschen abseits vom Rest der anderen Kunden hingesessen. Ich wollte vor allem Zigarettenrauch vermeiden.

Der Ehemann stand noch in der Schlange, als ich merkte, dass viele Wespen um einen Tisch unweit beschäftigt waren, obwohl niemand mehr dort saß. Ich habe mir einen anderen Tisch am Eingang ausgesucht, der von Wespen vernachlässigt aussah. Es war sehr weit weg vom Rest der Gäste, die an langen Tischen mit Bänken saßen. Mein Tisch war klein und rund, genau genug für zwei. Von der Sorte gab es viele, die nicht besetzt wurden. Ab und zu kam mal eine Wespe, um sich umzuschauen und gleich danach weg zu fliegen. Etwas Interessantes für sie hatte ich nicht.

Der Ehemann ist mit unseren Bieren zum Tisch gekommen, und wir haben uns entspannt. Kurz danach kam zum Nachbartisch ein Paar mit Bieren und etwas zum Essen dabei. Bratwurst im Brötchen und ein halbes Hähnchen. Es war unglaublich zu sehen, wie schnell sie von Wespen überfallen wurden. Der Mann hat den Teller seiner Frau mit dem Hähnchen zu einem anderen Tisch gebracht, und herum flogen mindestens zwanzig Wespen. Zwischen Mitte August und Ende September sind sie ja auf Suche nach Fleisch, um den Nachwuchs zu füttern.

Die Frau ist zur Theke gegangen, um sich zu beschweren, und ist mit einem Kännchen voller Rauch zurück gekommen. Was es genau war, weiß ich nicht, aber es hat die meisten Wespen vertrieben. Einige sind trotzdem geblieben und haben weiterhin versucht, Hähnchenstücke zu nehmen. Anscheinend war das Paar kein Einzelfall, wie ich aus den Kommentaren von anderen Gästen mitbekommen habe. Ich verstehe nicht, warum die Bedienung beim Servieren nicht gleich über die Wespen informiert und das Kännchen geliefert hat. Oder warum nicht Wespenfallen benutzen? Das habe ich schon in einem Lokal bei der Arbeit gesehen. Ich war jedenfalls froh, dass wir nichts zum Essen bestellt hatten.


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Man redet nicht mit vollem Mund

Ein Satz, den ich am Tisch in meiner Kindheit immer wieder gehört habe. Meine Eltern, vor allem meine Mutter, haben es uns tausendmal gesagt. Man redet nicht mit vollem Mund. Es ist eklig. Das empfinde ich auch so.

Heute Mittag stand ich alleine an einem Tisch und aß meine Portion in Ruhe. Es gab eine Art Spätzle mit Fleischbällchen. Besser als gestern, da hatten die Redner in unserer Session ständig so lange überzogen, dass sich die Zeitplanung um einen ganzen Vortrag verschoben hatte, und wir beim verspäteten Rausgehen nur noch einen mickrigen Gemüsenspieß bekommen hatten.

Wenig später ist ein anderer Tagungsteilnehmer zu mir gekommen und fragte, ob er an meinem Tisch essen dürfte. Warum hätte ich ablehnen sollen? Seine Kollegin gesellte sich gleich danach ungefragt zu uns.

Der Mann hat sich eine voll geladene Gabel Nudel mit Parmesan im Mund gestopft, um sich dann sofort zu mir zu drehen und anzufangen, sich mit mir zu unterhalten. Ich habe es gerade noch rechtzeitig geschafft, mit dem Arm und meinem breiten Ärmel den Inhalt von meinem Teller zu schützen. Eklig war es zu sehen, wie er beim reden den Inhalt aus seinem Mund rum gespuckt hat. Seine Kollegin, die deutlich bessere Tischmanieren beigebracht bekommen hatte, sah ein wenig angewidert aus. Ich glaube, sie war froh, dass er mal mit einer anderen Person geredet hatte. Ich habe knapp geantwortet und in keiner Weise angedeutet, dass ich an eine Fortsetzung der Diskussion interessiert war. Er hat dann gemerkt, dass er eine Serviette oder ähnliches vergessen hatte, und ich habe in seiner kurzen Abwesenheit möglichst schnell gegessen.

Bei seiner Rückkehr hat er wieder probiert, mit mir zu diskutieren, und als ich kaum geantwortet habe, hat er sich dann mit seiner Kollegin in einer anderen Sprache unterhalten. Sobald ich fertig war, bin ich zu meinem nächsten Termin weg gelaufen.


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Keine Fußball-Fan

Wirklich nicht. Ich habe mich seit dem Anfang der gegenwärtigen Meisterschaft ab und zu mit dem Ehemann auf der Couch vor dem Fernseher hingesetzt, aber nach fünf Minuten wird es mir schon zu blöd und ich finde schnell etwas, womit ich meine Zeit viel sinnvoller verbringen könnte. Zugegeben, es geht mir nicht nur beim Fußball so. Fernsehen ist nicht mein Ding.

Nerviger finde ich die Reaktionen in der Stadt, wenn Deutschland mal wieder spielt und ein Tor schießt. Am letzten Sonntag waren wir kurz nach Beginn des Spieles unterwegs, als die ersten Böller ertönten. Wie ich bin, habe ich zuerst an einen Anschlag mit Schießerei auf der Straße gedacht. Nein, es war das erste Tor. Wo haben die denn alle die Dinger her? Ich dachte, man könne sie nur vor Sylvester kaufen.

Heute Abend habe ich also die Stille Hoffnung, dass Italien sich durchsetzen wird. Den entsetzten Rufen vom Ehemann aus dem Wohnzimmer nach zu beurteilen, sah es am Anfang gut aus. Dann kam das erste Tor, und die Böller dazu. Dann hat Italien auch ein Tor geschossen. Es bleibt spannend, ob wir in den nächsten Tagen ruhige Abende erleben dürfen. Obwohl. Ich erinnere mich an eine andere Meisterschaft vor einigen Jahren (welche auch immer), als Italien ein Spiel gewonnen hatte (welches aus immer), leise wurde es nach dem Sieg nicht. Am besten wäre es, Island würde die Meisterschaft gewinnen. Das ganze Land zieht momentan quer durch Frankreich, um Stadien zu füllen, hier würde die Stille zurückkehren.


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