Die Isar-Wanderung – Tag 7

Wir hatten am Wochenende tolles Wetter. Perfekt, um unsere Isar-Wanderung fortzusetzen.

Das letzte Mal waren wir von Wolfratshausen nach Icking gelaufen. Ich habe uns also zwei alternativen Strecken auf Komoot[1] von Icking nach Hohenschäftlarn vorbereitet, mit dem Kloster zum Besuchen zwischendurch (3). Strecke #1 läuft gemütlich am Isarwerkkanal entlang, mit möglichem Halt an einem Fischrestaurant, vorausgesetzt, sie haben nicht wegen Corona zu. Strecke #2 läuft weiter weg von der Isar an einem Bach entlang, mit einem Teil, der auf Komoot als „Dschungel“ bezeichnet wird.

Die Idee war, mit der S-Bahn nach Icking zu fahren, und nach der Wanderung von Hohenschäftlarn[2] aus zurück mit der S-Bahn nach Hause zu fahren. Jeweils eine Stunde Fahrt, mit einmal umsteigen.

Wir tranken noch am Sonntag früh Kaffee auf der Couch, als ich auf Google Maps[1] geschaut habe, wie lange man mit dem Auto nach Icking bräuchte. Keine halbe Stunde. Der Ehemann hat vorgeschlagen, mit dem Auto zum Kloster zu fahren, von dort aus an der Isar entlang zum Bahnhof hoch zu laufen, dann mit der S-Bahn nach Icking zu fahren, und den eigentlich als ersten Teil geplanten Teil der Wanderung von Icking zum Kloster Schäftlarn zu machen. So sparen wir uns eine ganze Stunde Fahrt, ohne Berücksichtigung der Unzuverlässigkeit der S-Bahn München, und der Tag ist entspannter.

Gesagt, gemacht. Wir parken vor dem Kloster und laufen rechts davon die Straße runter. Weiter weg lehrt uns ein Schild an der Straße, dass wir uns auf dem Jakobsweg befinden. Davon gibt es viele. Alle Wege führen nach Rom, oder so. Vor dem Schild biegen wir links am Rande von einem Feld ab. Dann einmal runter durch die Wiese, zu dem Weg mit viel Laub und heimtückischen Steinen darunter, wo man sich trotz Wanderschuhen schnell den Knöchel verdreht hat. Zum Glück ohne anhaltenden Schmerz. Das wäre am Anfang der Wanderung doof gewesen. Wir kommen am Ufer der Isar. An einer Stelle auf dem Weg wird es plötzlich deutlich kälter, auf der Vegetation liegt noch Reif, obwohl es schon halb elf ist.

Wir müssen danach von der Isar links weg gehen, um zum Bahnhof Hohenschäftlarn zu gelangen. Der Weg führt uns über die Brücke und die Treppe hoch zur lauten Straße, und wir erreichen den eingleisigen Bahnhof, wo uns ein älterer Herr mit leeren Bierflaschen in der Hand anspricht, als wir auf den Zug warten. „Weißt du, warum Elefanten rote Augen haben?“ fragt er den Ehemann mit Bayerischem Akzent. Der Ehemann weiß er nicht. „Um sich in Kirschbäumen zu tarnen“, erklärt er. Der Ehemann nickt. „Hast du schon einen Elefanten in einem Kirschbaum gesehen?“ fragt der Herr den Ehemann. „Nein“, antwortet er. „Na, siehst du!“, sagt der Herr, bevor er sich von uns verabschiedet.

Wir fahren mit der S-Bahn nach Icking und laufen die Straße runter, die wir beim letzten Mal zum Schluß hoch gelaufen waren. Wir treffen auf deutlich weniger freundliche ältere Damen, die es für nicht mal notwendig halten, eine Begrüßung zu erwidern. In den ersten Etappen der Isar-Wanderung hatten wir uns daran gewöhnt, freundliche Menschen zu treffen. Icking ist anders. Egal. Wir laufen runter zur Ickinger Wehr, und nehmen dann weder meine vorgeschlagene Route #1 noch #2, sondern laufen auf der Insel, zwischen Isar und Isarwerkkanal. Wir halten auf einer Anhöhe und machen Mittagspause mit Blick auf dem Ickinger Weiher. Zum Menü, hart gekochte Eier, Kaminwurz, Parmesan und selbst gebackenes Bier-Körner-Brot. Ich habe meine Brotdose mit den Mumins aus Helsinki mitgebracht.

Nach der Rast folgen wir dem Weg weiter durch die Insel. Wir kommen an eine abgelegene Kiesbank am Ufer der Isar. Einige Gruppen von Leuten sind da mit Abstand gesammelt und genießen das schöne Wetter. Es ist so schön sonnig und warm, dass ich eine Weile den Pulli ausziehe und in T-Shirt rum laufe. Nicht lange. Auf dem Weg im Schatten wird es wieder kühl.

Am Ende der Insel folgen wir erstmal den Weg zwischen Bäumen und Damm. Nach der Brücke zur Aumühle müssen wir hoch zum Damm, da unser Weg sonst irgendwann nicht weiter geht. Wir laufen direkt am Kanal entlang. Es sind um die Uhrzeit viel mehr Menschen unterwegs, und waren sie am Anfang bloss unhöflich, sind sie jetzt regelrecht aggressiv. Besonders die Fahrradfahrer, die gerne rücksichtslos zu zweit nebeneinander auf fast der ganzen Breite von Weg fahren und uns teilweise noch absichtlich anfahren. Ob es die lokalen Bewohner sind, oder die Münchner, die ihren Stress hier entladen wollen? Dürfen die überhaupt auf diesem Weg radeln? Und wird die Atmosphäre immer schlechter an der Isar entlang, je näher man an die Landeshauptstadt ankommt? Mehr in nächsten Abschnitt dieser Wanderung.

Ich bin jedenfalls froh, als wir über die Dürnsteiner-Brücke kommen und den ganzen Pack hinter uns lassen. Anstatt der Klosterstraße zu folgen, biegen wir rechts und laufen an der Isar entlang. Hier sieht man viele Biber-Spuren. Wir finden wieder den Weg zwischen den Feldern vom Vormittag, und kommen zurück zum Kloster. Es ist kurz nach zwei Uhr Nachmittags, die Sonne sinkt schon hinter einem Berg, es wird kälter und wir sind, nach den zehn Kilometern oder so, recht müde. Wir beschließen, direkt nach Hause zu fahren, ohne das Kloster zu besuchen. Ich weiß nicht mal, ob es überhaupt möglich war. Ein anderes Mal.

Weil es Herbst ist, einige Pilze, die mir unterwegs aufgefallen sind:

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

[2] Bei Schäftlarn muss ich immer an diese blöde Airbnb[1]-Geschichte denken, und das war überhaupt das einzige Mal, dass ich dieses Portal benutzt habe. Dafür kann ich jetzt meinen Konto auf Airbnb scheinbar nicht löschen lassen, obwohl ich die Betreiber schon mehrmals darum gebeten habe.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Von Pasing nach Karlsfeld

Wir haben gestern unsere Wanderung an der Würm fortgesetzt. Nach einem nicht so kühlen Bad im Starnberger See sind wir mit der S6 nach Pasing gefahren und haben ab da weiter gemacht, wo wir beim letzten Mal aufgehört hatten.

Zuerst ein Eis bei unserer Lieblingsdiele holen, neben der Osteria hinter dem Bahnhof, die gerade öffnet, als wir ankommen. Die Gelegenheit lassen wir uns nicht entgehen. Es wird ein heißer Tag.

Wir laufen an der Pasinger Fabrik[1] vorbei den Hellihofweg entlang bis zur Theodor-Storm-Straße und biegen einige Meter danach links in den Bergengruenweg ab. An der Würm angekommen, biegen wir rechts in den Hermann-Hesse-Weg ab. Am Kornberger Weiher kommen die ganzen Enten angeschwommen und schauen hoffnungsvoll auf uns zu, als wir kurz halten und den Blick genießen, obwohl eine Frau auf einer Bank auf der anderen Seite des Weihers schon dabei ist, die Enten zu füttern. Verwöhntes Pack.

Ehe man sich versieht, erreicht man schon das Schloss Blutenburg. Am Anfang der Wiese steht ein Kreuz mit der Inschrift „A Xunta de Galicia – España – O land de Baviera – MCMLXXXIII„. Ich finde keine Information darüber, warum dieses Monument hier steht. Das Datum, 1983, ist zwei Jahre nach dem die Region Galicien wieder autonom wurde. Ein Ermutigungsgeschenk an die autonome Szene Bayerns? Wir machen eine Runde um das Schloss. Die Wiese ist voll mit Gänsen.

Wir laufen am Mahnmal zum Dachauen Todesmarsch vorbei, den man vielerorts in und um München auf dem Weg sehen kann, wo Gefangenen kurz vor Kriegesende im April 1945 zu ihrem Tode geführt wurden. Es macht mich immer so traurig, enttäuscht, sauer zu sehen, zu welchen Gräueltaten die Menschheit fähig ist. Und es sieht nicht so aus, als ob wir daraus lernen würden.

Nach dem Schloss laufen wir in einem Wohngebiet. Nicht für lange Zeit. Der Weg führt uns im Schatten entlang Wiesen und Felder. Rechts vom Friedhof in Untermenzing lädt eine Holzbrücke zum Überqueren der Würm ein. Es liegt nicht auf unserer Route. Am Ende der Brücke sehen wir die Kirche St. Martin. Die Brücke ist in einem sehr guten Zustand und es hängen kaum Spinnennetze dran. Ich bin begeistert.

Nach dem Friedhof ist der Weg nicht mehr so schattig. Wir sind wieder im Wohngebiet und laufen auf der Straße. Autos fahren da kaum, aber viele Radfahrer sind unterwegs. Es ist eine Fahrradstraße. Wir verlassen sie, sobald sich die gelegenheit ergibt, und laufen auf einem engen Weg an der Würm entlang. Wir kommen zur Sportanlage, wo wir Tischtennisplatten entdecken. Zwei. Eine wird schon von zwei Teenagern benutzt. Das trifft sich gut, ich habe meine Ausrüstung im Rucksack am Morgen noch im letzten Moment gepackt, bevor wir das Haus verlassen haben. Wir spielen eine gute halbe Stunde und diesmal gewinne ich zwei Spiele! Der Ehemann meint, ich mache Fortschritte. Bald kann er fies mit mir spielen, sagt er.

Ich habe die Route geplant und wir sollten kurz vor der Autobahn die Würm auf einer Brücke am Hohenadelweg überqueren. Die Brücke ist leider gesperrt, und wir laufen einen ungemütlichen Teil in der Hitze auf der Straße bis Karlsfeld. Als wir endlich die Gelegenheit bekommen, wieder zur Würm zu gelangen, sind wir schon am Bahnhof. Wir nehmen den Zug bis Obermenzing, da die Stammstrecke mal wieder gesperrt ist, erholen uns im Biergarten am Grünen Baum[1], und laufen den Rest des Weges zurück bis Pasing, wo wir mit der S-Bahn nach Hause fahren. Ich freue mich auf eine kalte Dusche.

Wir sind fast neun Kilometer bis Karlsfeld gelaufen und waren froh, bei der Hitze so viele Gelegenheiten zu finden, die Füße in der Würm abkühlen zu lassen, auch wenn wir nicht schnell unterwegs waren. Mit dem Rückweg vom Biergarten nach Pasing sind wir insgesamt zwölf Kilometer gelaufen. Heute sind meine Beine müde.

Die Klette hat uns auf der ganzen Strecke begleitet. Der Rainfarn und der gewöhnliche Spindelstrauch waren nur vereinzelt zu sehen.

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Im Ammersee geschwommen

Seit Anfang des Sommers gehen wir regelmäßig in den Starnberger See schwimmen. Am Anfang betrug die Wassertemperatur gerade 16 Grad und rein gehen ging nur mit Schnappatmung. Anfang August hatten wir dann schon am frühen Morgen 25 Grad, was uns zu warm ist.

Wir sind diesmal abwechslungsweise zum Ammersee gefahren. Wir haben das Auto vor dem Bahnhof geparkt. Um die frühe Uhrzeit gab es noch viele Plätze auf der sonntags kostenlosen Seite der Straße. Der Weg zum Strandbad führt durch das Bahnhofgelände, das man durch den schön gebauten namenlosen Weg mit Beleuchtung parallel zum kostenpflichtigen Parkplatz nicht erreichen kann, da eine neu aussehende Absperrung dazwischen liegt. Es sieht so skurril aus, es wäre ein Fall für den realen Irrsinn[1].

Wir laufen den Weg zum Strandbad runter und kommen zu einer Liegewiese neben dem Segelklub. So früh morgens sind sehr wenige Menschen da. Mir gefällt es, dass man, wie bei unserer Badestelle am Starnberger See, sehr leicht durch eine Leiter am Steg ins Wasser kommt. Man muss hier nur aufpassen, ganz nah am Sandkasten vorbei zu laufen, weil der Kies sonst den Füßen weh tut, wenn man barfuß läuft. Wie am Strand in Nizza. Das Wasser ist hier auch warm und grünlich trüb. Wir schwimmen eine halbe Stunde lang.

Nach dem Schwimmen laufen wir in Richtung Seepromenade. Dem Ehemann ist nach einem bayerischen Frühstück. Unterwegs treffen wir die Seejungfrau mit dem Waller, diesmal ohne Schnee. Wir finden einen Tisch ganz nah am Schiffsanlegesteg. Der Ehemann kriegt seine Weißwurst mit Weißbier. Ich trinke ein Cappuccino und esse seine Bretze. Etwas Anderes bekommt man zwischen 10:00 und 11:00 nicht serviert.

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Die Isar-Wanderung – Tag 6

Gestern haben wir unsere Isar-Wanderung fortgesetzt. Beim letzten Mal hatten wir es nicht mehr geschafft, bis Icking zu gehen. Der Schmerz vom letzten Wochenende in der linken Pobacke ist fast verschwunden.

Wir sind mit der S-Bahn bis Wolfratshausen gefahren und nehmen den Weg durch den Friedhof in Richtung Marienbrücke. Die Statue von Maria mit Kind hatten wir beim letzten Mal nicht gesehen, da wir diesmal auf der nördlichen Seite laufen, die deutlich breiter als die südliche Seite ist. Viele Radfahrer sind unterwegs. Es ist Wochenende. Wir gehen runter zum Ufer und folgen einem Weg, der an einem kleinen Teich vorbei führt, an dem drei jungen Frauen das Schlüpfen von Insekten auf der Oberfläche vom Wasser fotografieren. Der Teich ist voll von Wasserläufern. Blaue Libellen fliegen herum. Der Himmel ist bedeckt, aber die Luft ist schwül.

Wir folgen dem Weg, der, wie beim letzten Mal, immer schmäler wird. Ganz nah an der Isar sieht es sogar aus, als ob er drohe, ins Wasser zu fallen. Die Isar fließt schnell, der Wasserstand ist immer noch recht hoch, und zur Zeit sollte man es vermeiden, drauf Boot zu fahren. Wir biegen besser rechts ab, weiter weg vom Ufer, und der Pfad wird so eng, dass man ihn nicht mehr erkennt. Pflanzen sind so hoch wie ein Mensch. Ich bin zum Glück mit langen Hosen und Ärmeln unterwegs. Nach unserer letzten Wanderung hatte sich eine Zecke fest in die Kniekehle des Ehemanns gebissen und hatte sich schon voll gesaugt, ich musste sie vorsichtig mit einer Pinzette raus ziehen. Diesmal habe ich gedacht, besser komplett bedeckt raus gehen. Der Ehemann liebt es scheinbar, uns durchs Dickicht auf schlammigen Wegen zu führen. Ich könnte darauf verzichten.

Wir treffen unterwegs viele Leute. Man merkt, dass es Wochenende ist. Der Isarradweg läuft nicht weit weg, man hört von dort Familien ganz laut durch den Wald rufen. Wir gehen schnell. Nicht nur, dass es mir unangenehm ist, durch den Dschungel zu laufen. Mücken sind auf der Lauer und stürzen sich auf uns, so bald wir nur kurz stehen bleiben. Wir erreichen das Ickinger Wehr. Die Brücke ist eine geschlossene Konstruktion aus Holz. An jedem Fenster hängen dicke Spinnennetze. Unheimlich. Ich laufe ganz schnell zur anderen Seite, während der Ehemann drin Fotos macht. Nach der Brücke steigt der Weg ganz schön steil. Wir erreichen gleich Icking, und setzen uns nach fast acht Kilometern im Gasthaus, um ein gut verdientes kühles Bier zu genießen.

Diesmal hatte ich neue, leichtere Wanderschuhe an und die Beine sind nicht so müde geworden. Ich hatte bis jetzt sonst immer meine Schneewanderschuhe getragen, die auch zum Wandern geeignet, aber sehr schwer sind, und nervig, weil sie sich gerne mit den Hacken für die Schnürsenkel in einander festkrallen, wenn ich die Füße zu nah zu einander stelle. Ich muss aber das linke Schuh vorne breiter machen, wenn es möglich ist, weil es auf Dauer so stark auf dem Fuß gedrückt hat, dass ich jetzt Schmerze bekomme, wenn ich Treppen runter gehe.

Zum Schluss einige Pflanzen, die uns unterwegs aufgefallen sind. Die Kratzbeere schmeckt bitter, sagt der Ehemann, der die Geschmacksprobe bereut hat. Er hatte sie für eine Brombeere gehalten.


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Die Isar-Wanderung – Tag 5

Nach einer guten Nacht Schlaf verlassen wir die Pension früh morgens. Außer schlafen kann man hier nichts machen. Kein Frühstück, kein Restaurant, kein Erholungsbereich, keine Sauna. Wir konnten nicht mal zusammen schlafen, weil es nur noch Einzelbette gab. Das Zimmer war groß, der Boden hat unangenehm unter den Füßen geklebt. Als ich nach der Dusche zurück ins Zimmer gegangen bin, habe ich sogar beim Gehen eine Latsche verloren. Darauf angesprochen, meinte der Betreiber der Pension, es wäre bestimmt das Produkt, das sie zum Desinfizieren vom Zimmer benutzt haben. Bläh. Der Ehemann hat da gebucht, weil es am nähesten an der Isar lag. Sonst hätten wir länger bis in die Stadt laufen müssen, und ich war beim Ankommen recht platt. Wir mussten zwar gestern Abend noch ein Stückchen bis zum nächsten passabel aussehenden Restaurant laufen, aber es macht einen großen Unterschied, wenn man vorher geduscht und sich mit leichteren Schuhen umgezogen hat. Die Gegend war nicht toll, mitten in einer industriellen Zone. Die Pension lag direkt neben einem Fahrzeugladen, und es hat im Treppenhaus nach Abgasen gestunken. Beim nächsten Mal laufe ich lieber einen weiteren zermürbenden Kilometer zu Fuß.

Wir frühstücken auf der Terrasse einer Bäckerei, wo gefühlt die ganze Kundschaft am liebsten draußen mit einem Kaffee eine Zigarette nach der Anderen raucht, und verlassen Geretsried hinter dem Waldfriedhof. Der Weg fängt gut an, wird aber bald wieder ganz eng, und Wege, die uns Komoot[1] vorschlägt, sind doch nicht mehr betretbar. Überflutet durch den starken Regen der letzten Wochen. Teilweise hat sich auch der Verlauf der Isar verändert, und das alte Flussbett liegt jetzt trocken. Nicht selten müssen wir umkehren, wenn Wege zum Beispiel in der Isar enden.

Wenigstens laufen wir heute nicht mehr zu sehr hoch und runter. Als der Weg mir zu überwuchert wir, laufen wir ein Stück hoch auf der Straße. Hinter Gartenberg finden wir eine Bank mit schöner Aussicht, auf der wir kurz Pause machen. Neben den Mülleimern. Wir gehen dann weiter durch ein Stück Wald mit besseren Wegen und verwilderten Konstruktionen. Was das wohl gewesen sein mag? Die Mittagspause verbringen wir auf einer Bank oberhalb der Isar. Ich bin schon müde und es ist warm. Wir essen die Sellerie-Mpatzina von gestern auf. Viele Leute sind unterwegs, ob zu Fuß oder mit dem Rad. Eine Gruppe Grundschulkinder mit einer jungen Frau eilen den Weg lang und ein Junge fragt uns, ob wir „irgendwelche“ gesehen haben. „Ähm, viele,“ antworte ich, ein bisschen verdutzt. Das Kind lacht und sagt, „andere Kinder, meine ich“. Haben wir nicht gesehen. Die junge Frau, die ein richtig rotes Gesicht durch das Laufen in der Hitze bekommen hat, wirkt entmutigt. Sie laufen trotzdem weiter an uns vorbei.

Der Weg führt uns weiter unter der prallenden Sonne. Es ist sehr heiß. An einer Stelle hören wir rechts unten im Wald einige lachende Kinder. Die, die von der Gruppe vorhin gesucht wurden? Nach der Überquerung des Loisar-Isar-Kanals bleiben die Wege schön begehbar. Ich bin aber erschöpft und wir machen viele Pausen. Die Gelegenheit bietet sich heute nicht gut an, die Füße in der Isar abzukühlen. Ich habe die Befürchtung, danach nicht mehr laufen zu können, und der Ehemann will mich nicht tragen. Wir überqueren die Isar über die Marienbrücke, leider auf der südlichen Seite. Es ist sehr eng und am Ende müssen wir über die breite Straße mit regem Verkehr rennen, um zur anderen Seite zu kommen, wo unser Ziel nach langen zehn Kilometern liegt: Das Gasthaus Aujäger[1] in Puppling. Ich setze mich auf einer Bank und ziehe die schweren Wanderschuhe aus. Man sieht den Abdruck der Sportsocken auf der Haut.

Ich ziehe mein Rock und meine leichte Schuhe an. Nach einem Weißbier für den Ehemann und eine Apfelschorle für mich bestellen wir uns ein Taxi bis zum Bahnhof Wolfratshausen, und nehmen die S-Bahn zurück nach Hause. Ursprünglich wollte der Ehemann die Etappe bis Icking laufen. Das hätte ich heute wirklich nicht geschafft.

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Die Isar-Wanderung – Tag 4

Nach über zwei Jahren setzen wir unsere Wanderung fort. Der Ehemann hat unsere Route geplant. Wir setzen uns in den leeren 1. Klasse Abteil der BOB[1] nach Lenggries und fahren bis Bad Tölz, wo wir zuletzt kurz nach Ostern waren. Wir fangen erstmal mit einem Frühstück auf der Terrasse einer Konditorei an, unter den breit aufgestellten Sonnenschirmen, während es regnet.

Kurz vor elf verlassen wir unseren Tisch. Ich stehe auf, während der Ehemann noch sitzend seine Sachen zusammen sucht. Eine Oma kommt zu uns und fragt, ob wir jetzt gehen. Alle anderen Tische sind belegt. Ich sage ja, und sie verschwindet hinter mir. Ich sehe sie nicht mehr, aber meinen schweren Rucksack kriegt sie fast eingerammt, als ich ihn aufsetze, so dicht sie doch hinter mir steht, wie ich überrascht feststelle. Obwohl es viel Platz zwischen den Tischen unter den Schirmen gibt. Drei Monaten nach Erklärung des Katastrophenfalles in Bayern hat sie wohl immer noch nichts von COVID-19 und Abstand halten gehört.

Wir laufen herunter zur Brücke. Da der Weg zur rechten Seite der Isar flussabwärts wegen Bauarbeiten gesperrt ist, laufen wir die Straße hoch und biegen links in die Fröhlichgasse ab. Auf dem Weg am Ende der Gasse unter den Bäumen hört es auf zu regnen. Wir laufen an Wiesen und Bauernhöfen vorbei, wo die Pest anno 1634 wütete, lehrt uns ein Schild.

Nach drei Kilometern erreichen wir den Isarkraftwerk von Bad Tölz, der 1961 erbaut wurde. Wir gehen über die Brücke und genießen einen wunderschönen Blick über den Stausee. Auf der anderen Seite der Isar wurde eine Fischtreppe eingerichtet.

Wir suchen den Weg flussabwärts links von der Isar, den der Ehemann sich ausgesucht hat. Der Weg wird immer schmäler, es liegen viele umgestürzte Bäume und nach einigen Metern geht es gar nicht mehr weiter. Uns bleibt nur noch übrig, umzudrehen, direkt am Ufer der Isar zu laufen und den Kiesberg im Hintergrund auf dem zweiten Bild unten zu erklimmen. Die Steine rutschen unter meinen Füßen, ich sehe schon mein letztes Stündchen schlagen und ich schimpfe den Ehemann. Oben angekommen, sehen wir, dass hier schwere Vehikel gefahren sind. Der Abstieg auf der anderen Seite geht also viel leichter. Ich freue mich, einen breiteren Weg zu finden, als wir von der Isar links abbiegen, aber meine Freude ist kurzer Dauer. Wieder umgestürzte Bäume. Am Rande vom Weg machen wir eine paläontologische Entdeckung. Als der Weg wieder völlig unbegehbar wird, laufen wir ein Stück an der Straße entlang, ab der Haltestelle Fiecht, Abzweig. Es fahren nicht viele Autos, dafür sind sie ziemlich schnell unterwegs. Nach der wilden Mülldeponie am Parkplatz betreten wir rechts von der Straße wieder den Wald und finden einen schönen Platz oberhalb von der Isar für die Mittagspause. Ich habe uns eine Art Mpatzina mitgebracht, die ich mit Knollensellerie statt Zucchini gemacht habe, da es noch eine halbe Knolle im Kühlschrank gab.

Nach der Pause geht es weiter flussabwärts. Wir entdecken eine Badestelle, wo wir uns die Füße abkühlen. Zum Schwimmen ist mir das Wasser viel zu kalt. Ein Stückchen weiter legen wir uns auf der Picknick-Decke auf dem Kies. Man merkt es, die Pausen werden immer häufiger. Ich bin müde. Hier werde ich von irgendeinem Insekten gestochen, nehme ich an, ich sehe es nicht. Auf einmal schmerzt es sehr in der rechten Ellbeuge, und ich spüre Hitzewellen durch den Arm bis zum Ellbogen. Es ist schon rot, als ich FeniHydrocort[1] drauf schmiere. Nach einer guten halben Stunde lässt der Schmerz nach.

Weiter nach Geretsried, wo die Dusche in der Pension auf uns wartet. Die Wege werden immer schwieriger. In den letzten Wochen hat es so viel geregnet, dass viele Wege überflutet sind. Wir müssen mehrmals umdrehen. An einigen Stellen gibt es zum Glück kleine Holzbrücken. Unser Weg geht plötzlich steil hoch. Eine Treppe mit Handlauf wurde gebaut, was bei dem Schlamm sehr hilfreich ist. Zwischendurch liegen noch mehr umgestürzte Bäume. Als wir endlich oben ankommen, werden wir mit einem atemraubenden Blick ins Isartal belohnt, und machen kurz Halt auf einer der Bänken. Wir sind am Malerwinkel bei Königsdorf, so benannt, weil viele Künstler hier das Motiv für Gemälde benutzt haben.

Den Rest des Weges bis Geretsried habe ich so gut wie nicht mehr fotografiert. Ich hatte nur noch eins im Kopf: Ankommen. Die Füße haben vor allem geschmerzt. Wir sind fast 21 Kilometer gelaufen.

Über die Flora habe ich mich wieder sehr gefreut.

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Von Gauting nach Pasing

Wir haben jetzt Urlaub. Ursprünglich wollten wir nach Finnland, aber mit der Pandemie haben wir umgeplant. Es war zum Glück noch nichts gebucht, als wir im März gesagt haben, Urlaub machen wir doch besser dahoam. Wer hätte mit Sicherheit sagen können, dass wir im Juni wieder verreisen dürfen? Für den Ehemann, der von klein auf immer überall mit der Familie unterwegs war, ist die Situation ungewöhnlich.

Für mich ist es eigentlich normal. In meiner Kindheit sind wir so gut wie nie in den Urlaub gefahren. Wir waren nicht reich, meine Eltern betrachteten die ganze Reiserei als reine Geldverschwendung, und ich erinnere mich nur zu ungerne an eine Fahrt in den hohen Norden (nach Tours, zu einem Freund meines Vaters) eines Sommers, unser einziger Familienurlaub, als wir zu fünft im Auto auf einem Parkplatz schlafen mussten, die Eltern vorne, die drei Kinder hinten, weil die Hotels zu teuer waren. Und warum sollten wir weg fahren, wenn so viele zu uns in den Urlaub kommen? In der Provence ist Urlaub zu Hause schön, und es hatte mir nie etwas ausgemacht, nicht weg zu fahren.

Den Auftakt vom Urlaub haben wir gestern gemacht, als wir unsere Wanderung im Würmtal fortgesetzt haben. Wir waren vor drei Wochen von Gauting nach Starnberg gelaufen, wo die Würm aus dem See fließt – bis 1962 hieß ja der Starnberger See „Würmsee“.

Gestern sind wir mit der S-Bahn nach Gauting gefahren, und sind von dort der Würm nordwärts gefolgt. Zuerst einen Blick auf das Elektrizitätswerk geworfen, diesmal erfreulicherweise ohne Pizzakarton und Bierflaschen, wo man deutlich sieht, dass das Wasser mit dem starken Regen in den letzten Wochen stark angestiegen ist. Wir nehmen den Pfarrweg und kommen zum Wasserrad, das man zur Zeit nur vom Ufer aus sehen kann, weil die Brücke wegen Bauarbeiten geschlossen ist. Dort blüht immer noch der Wasserhahnenfuß, wenn nicht mehr so prächtig wie vor drei Wochen. Den Enten scheint es hier gut zu gefallen. Ein Stückchen weiter entdecken wir einen Hafen für kleine Boote, mit denen Kinder spielen.

Wir gehen zur anderen Seite der Würm durch den Park vom Schloss Fußberg. Die Wege werden sehr schlammig und ich bin froh, meine dicke Wanderschuhe zu tragen. Wir laufen an netten Badestellen und Wiesen vorbei, bis wir am Grubmühl ankommen. Dort müssen wir ein Stück an der Straße entlang laufen, können aber bei den Gänsen links wieder die Straße verlassen. Die Gänse scheinen den Wasserhahnenfuß genau so wie die Enten zu mögen. Der Himmel ist bedeckt, aber der angekündigte Regen bleibt aus. Wenn die Sonne durch die Wolken erscheint, wird es unerträglich schwül. Wir erreichen Krailling und halten für die Mittagspause im Biergarten vom Gasthof Alter Wirt[1].

Wir laufen weiter und kommen zur Kreuzung mit der Planegger Bahnhofstraße, die ich häufig mit der 266 zur Arbeit herunter gefahren bin. Nach der Kreuzung steht ein Denkmal für die im ersten Weltkrieg gefallenen Menschen. Nach dem zurzeit immer noch geschlossenen Wellenbad und der Tanderschlucht, wo Kinder die Enten füttern, laufen wir über eine weitere Brücke. Das Wasser fließt hier auch sehr schnell, es finden sich jedoch schöne Plätze zum Baden. Wir entdecken mit Begeisterung eine Wasseramsel auf einem Ast im Wasser am anderen Ufer, aber meine Kamera kann leider nicht so gut zoomen. In Gräfelfing nehme ich endlich die Gelegenheit wahr, die Skulptur an der Pfarrkirche St. Stephan zu fotografieren, die mir sonst immer von der 267 aus auf dem Weg zur Arbeit aufgefallen war. Unser Weg führt uns an die Liegewiese vorbei, wo wir uns die Füße in der Würm abkühlen. Herrlich. Das Wasserrad am Ende der Liegewiese ist ein Nachbau des alten Wasserrades, das kurz vor dem zwanzigsten Jahrhundert in einem nicht mehr existierenden Seitenarm der Würm erbaut wurde und bis in die 60er Jahre zur Wasserversorgung eines Gutes diente.

Nach der Brücke über die Autobahn erreichen wir eine riesige Parkanlage. Es sind nicht so viele Leute unterwegs, vermutlich weil das Wetter wechselhaft aussieht. Oder wegen der Pandemie. Nach dem Pasinger Stadtpark laufen wir weiter bis zum Bahnhof Pasing an die Würm entlang und setzen uns nach fast sechszehn Kilometern erschöpft an der Terrasse der Pasinger Fabrik[1], um uns mit leckeren Kleinigkeiten zu erholen, bevor wir mit der Bahn zurück nach Hause fahren.

Heute habe ich richtig Muskelkater in den Oberschenkeln und am Bauch bekommen. Ich hatte auch Migräne und musste am Nachmittag zweieinhalb Stunden schlafen, was bei mir sehr selten vorkommt. Ich hätte gestern mehr Wasser trinken sollen, meine Flasche war noch zu zwei Drittel voll, als wir zurück gekommen sind.

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Doch kein Muttertag

So lange ich mich erinnern kann, ist Muttertag in Frankreich am letzten Sonntag im Mai. Das sitzt bei mir so tief, dass ich gestern mit voller Überzeugung Blumen für meine Mami bestellt habe. Heute kurz vor zwölf ruft sie mich an. Sie freut sich total über den Strauß, aber Muttertag wäre doch erst nächste Woche. Wie, nächste Woche? Tja, tatsächlich. Muttertag fällt in Frankreich am letzten Sonntag im Mai, außer, wenn es Pfingsten ist, dann wird es um eine Woche verschoben. Haben wir gelacht.

Am Doch-Kein-Muttertag sind wir mit dem Ehemann im Würmtal gewandert, von Gauting bis Starnberg. Nach der Brücke in Gauting, die 1946 Sankt Nepomuk gewidmet wurde[1], biegen wir rechts um das Elektrizitätswerk ab. Wir entdecken einen sehr schönen Platz zum Verweilen, würden ihn nicht rücksichtslose Vollidioten so vermüllt hinterlassen. Man fühlt sich fast wieder wie in Köpenick.

Wir folgen erstmal der Straße, wo trotz der frühen Stunde schon viele Radfahrer unterwegs sind[2]. Mitten in einem Feld steht ein Häuschen, in dem sich Kühe ausruhen. Wir biegen irgendwann rechts ab und kommen zu einem Wassergebiet, in dem scheinbar Biber wohnen. Wir bleiben eine Weile am Ufer, aber Biber sehen wir keine. Dafür sind Enten, Amseln und Drosseln unterwegs.

Wir müssen zurück zum Fußgänger-Radweg, da wir durch das Feld vom Reiterverein nicht weiter können. Unterwegs fallen mir komische Verwachsungen auf den Blättern von bestimmten Bäumen auf. Eine Krankheit? Der Wasserhahnenfuß in der Würm blüht gerade prächtig. Am Mühltal machen wir Pause in einem sympathischen kleinen Biergarten, der gerade öffnet, als wir ankommen. Es trifft sich gut.

Wir müssen ab hier die Straße überqueren. Auf der anderen Seite liegt eine Eber-Statue. Wir laufen in Richtung der Drei Bethen Quelle, deren Wasser, uns ein Schild warnt, nicht trinkbar und aufgrund von Bakterien auch nicht zum Waschen von Wunden geeignet ist. Nach einer Weile müssen wir auf dem Radweg neben der Straße laufen. In einem Feld links von der Straße schlafen Schafe unter einem gekippten Wohnmobil. Wir machen Halt bei der Kapelle St. Peter (1513 erbaut) auf der anderen Seite der Straße. Die Kapelle steht über eine Quelle, deren Wasser Heilkräfte zugesagt wurden. Das daraus entstandene Wildbad Petersbrunn bekam viele Patienten zur Behandlung, bis am Ende des 19. Jahrhunderts Zweifel über die Wirkung des Wassers aufkamen. Heute ist nur noch die Kapelle erhalten. Neben der Kapelle steht ein Mahnmal[3] vom Künstler Walter Habdank, das an den Todesmarsch von April 1945 erinnert.

Den Rest der Wanderung machen wir durch den Golfplatz, weil es uns zu blöd ist, auf dem gut befahrenen Radweg neben der Straße zu bleiben. Wir laufen bis zum Bahnhof Starnberg am See, und nehmen die S6 zurück nach Gauting, wo wir das Auto am Morgen geparkt haben. Wir sind knapp über dreizehn Kilometer gelaufen.

[1] Text auf der Tafel unter der Statue:

Oh! Sankt Johannes Nepomuk,
stehst hier im Wind auf Gautings Bruck
Gott hat sie uns erhalten!
Drum liebe Leut merks euch allzeit,
d’Bruck ist Sankt Nepomuk geweiht.
Lasst ab von Hass und Missetat,
Gott lohnt’s euch dann
oft früh – oft spät. 1946

[2] An einem Baum hängt ein Zettel mit einem langen Text, der Spaziergehende und besonders Radfahrer um Rücksicht zu einander bittet, da dieser Weg seit Ausbruch der Corona-Pandemie an Beliebheit gewonnen hat und dadurch einige schwere Unfälle statt gefunden haben, die den Einsatz von Rettungskräften erfordert haben. Das dürften die wenigsten gelesen haben, da man selbst auf engen Wegen von rasenden Radfahrern ganz nah überholt wird.

[3] Der Text auf dem Mahnmal ist schwer auszumachen, die fehlende Interpunktion ist jetzt von mir:

Auf dieser Straße wurden in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges mehr als siebentausend Gefangene aus dem Konzentrationslager Dachau in ein ungewisses dunkles Schicksal getrieben. Für viele führte dieser Leidensweg in den Tod. Sie waren Opfer der menschenverachtenden nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Sie rufen uns auf zu Versöhnung und Nächstenliebe. Gott wird den Tod verschlingen auf ewig. Der Herr wird abwischen die Tränen von jedeman Gesicht. Jesaja 258.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Zeckenalarm

Wir sind heute nach dem Einkauf am Starnberger Markt wandern gegangen. Anlass war, dass wir beim letzten Teil unserer Isar-Wanderung vor zwei Jahren einen guten Stück der Strecke zwischen Fall und Lenggries aufgrund des regen LKW-Verkehrs mit dem Taxi machen mussten. Es war dem Ehemann ein Dorn im Auge.

Wir haben eine Rundtur gemacht. Gestartet sind wir an der ersten Brücke über dem Jachen, wenn man aus dem Norden entlang der Straße 2072 kommt. An der Isar entlang, durch arg enge Wege und entlang Felder, die mit unheimlichen verrosteten Stacheldrähten begrenzt sind. Danach Trampelweg bis zur Hofkapelle, den steilen weg hoch und irgendwann, als ich nicht mehr konnte, sind wir einem anderen Weg zurück zum Auto gefolgt, zuerst weiter steil hoch, dann steil runter, der parallel zum Almgraben läuft, bis wir zur anderen Seite der Hofkapelle ankommen. Unterwegs sind wir an vielen riesigen Ameisenhaufen vorbei gelaufen. Es gab so viele Ameisen an diesen Orten, dass man sie deutlich laufen hören konnte. Das hatte ich noch nie erlebt.

Die Wanderung war sehr anstrengend. Sechszehn Kilometer und über vierhundert Meter Höhenunterschied. Seit der Ausgangssperre treibe ich mittags wieder Sport, da ich zu Hause arbeite und täglich zwei Stunde ÖPNV ausfallen. Trotzdem war ich nicht fit genug für diese Strecke.

Zu Hause angekommen, habe ich mich in die Badewanne gestürtzt. Und an meinem Bauch, unten rechts vom Bauchnabel, habe ich einen kleinen schwarzen Fleck entdeckt. Merkwürdig. Ein Schönheitsfleck an diesem Ort war mir nicht bekannt. Mit dem Finger konnte ich kaum spüren, dass da etwas war. Ein Stück Dreck, der irgendwie da gelandet ist, obwohl diese Hautpartie die ganze Zeit in der Hose war? Ich kratze dran, es geht trotz der Wärme vom Badeswasser nicht weg. Ein kleiner Bluterguss? Ich versuche es zu platzen, und plötzlich geht das schwarze Stück senkrecht zur Haut. Ich ziehe dran, es bleibt fest an der Haut verankert, bis es endlich mit einem leichten Stichschmerz nachgibt. Was ist das? Ich lege es auf dem weißen Rand der Badewanne und merke erst jetzt durch genauere Betrachtung, dass es etwa ein Millimeter groß ist, rund und mit zwei kleinen Ärmchen vorne. Und nach einer Weile bewegt es sich sogar und lässt mehr Beinchen erkennen! Urg. Ich schaue mir die rote Stelle am Bauch, dort ist scheinbar nichts von der Zecke übrig geblieben. Der Ehemann kommt mit der Lupe an und erklärt die Zecke für vollständig, bevor er sie platzen lässt und entsorgt. Verdammt. Wir checken uns gegenseitig am ganzen Körper, es war scheinbar die einzige Zecke.

Damit hatte ich heute nicht gerechnet, obwohl ich letztes Jahr schon mal einen Zeckenstich hatte. Als meine Mutter uns Ende Juni besucht hatte, waren wir zum Weßlinger See spazieren gegangen. Am Abend hatte der Ehemann eine deutlich größere Zecke als heute hinter meinem rechten Arm nahe an der Achselhöhe gefunden. Ich bin zur Ärztin gegangen und sie hat mir dringend empfohlen, mich gegen FSME impfen zu lassen. Das kannte ich aus Frankreich gar nicht und in Deutschland hatte ich vor München in keinem Risikogebiet gewohnt. Impfung, also, in der Hoffnung, dass es mit dem Zeckenstich nicht zu spät ist. Die Impfung beinhaltet drei Spritzen, und die letzte sollte ich Anfang Mai bekommen. In der Zeit habe ich jetzt schon meinen zweiten Zeckenstich bekommen. Verdammt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Von Bernried nach Seeshaupt und zurück

Vorletztes Wochenende dachte ich, es wäre das letzte schöne Wochenende des Jahres. Doch nicht. Für gestern hatten wir Sonne mit zwanzig Grad vorhergesagt bekommen. Deswegen meinte der Ehemann, wir sollten am Samstag ganz früh aufstehen und den Sonnenaufgang auf dem Starnberger See gucken gehen. Er würde seine Kamera mitnehmen und Fotos machen. Danach könnten wir wandern. Nicht zu weit weg, meinte ich. Wir haben auch in der Nähe tolle Ausflugsmöglichkeiten, ohne gleich anderthalb Stunden in die Berge fahren zu müssen.

Gestern also, um halb sieben weckt uns das Radio. Gähn. Aufstehen, duschen, für den Tag Rucksäcke packen. Wir setzen uns ins Auto und erreichen Starnberg, oder besser gesagt unsere übliche Badestelle am Starnberger See, um halb acht. Voll Nebel. Ist ja klar, seit einem Monat haben wir Nebel am frühen Morgen in Gilching, am See ist es noch schlimmer. In einem der großen Bäumen neben der öffentlichen Toilette zwitschern alle Vögel ganz aufgeregt. Ihr Tag fängt an. Wir setzen uns auf unsere Picknick-Decke am Ende vom Steg hin, während eine Frau aus dem See raus schwimmt und sich neben uns umzieht. Brr. Im September fand ich das schon kalt, vor dem Urlaub. Jetzt würde ich es nicht mehr wagen. Dafür müsste man täglich üben. Wir sitzen bis nach Sonnenaufgang da, wobei wir nichts davon merken. Es bleibt genau so nebelig. Die Vögel sind aber still geworden.

Als mir zu kalt wird, machen wir uns auf den Weg zur französischen Bäckerei[1]. Nach einer leckeren heißen Schokolade und einer Brioche geht es mir besser. Wir kaufen Gemüse für den Sonntag auf den Markt ein, und fahren nach Bernried, wo der Ehemann uns eine Wanderung ausgesucht hat. Auf dem Weg dahin scheint schon in Tutzing die Sonne, und in Bernried sehen wir nur noch ein ganz wenig Rest Nebel auf dem See.

Einen Parkplatz finden wir am oberen Ende der Dorfstraße. Wir laufen die Straße lang am Maibaum vorbei und entdecken die Hofmarkskirche. Eine Straße weiter ist das Kloster Bernried an der Kirche St. Martin zu sehen. Die eine Tonne schwer alte Glocke der Kirche liegt in Park. Sie wird als Kulturgut geschützt und hat einiges erlebt: 1753 wurde sie von einem Blitzschlag getroffen und musste umgegossen werden, die zwei Weltkriegen hat sie überlebt, indem sie vor dem Einschmelzen geschützt wurde, bis sie 1970 wegen eines Rißes ihren Laut endgültig verloren hat. Bernried hat viele einzigartige alte Häuser, wie das Haus mit dem Hirschkopf, das ich auf dem Rückweg zum Auto fotografiert habe.

Unsere Wanderung beginnt am Bernrieder Steg, wo der Dampfer anlegt. Wir laufen rechts davon am See entlang, in dem Bernrieder Park. Sehr wenige Leute sind unterwegs und die, die uns entgegen kommen, begrüßen uns äußerst freundlich. Wir laufen teilweise ganz nah am Wasser und ich teste die Wassertemperatur mit der Hand. Wirklich viel zu kalt für mich, jetzt.

Ursprünglich steuert uns der Ehemann zu einem Gasthof in einem Ort kurz vor Seeshaupt. Seeseiten. Dort angekommen übersehen wir schlicht den Gasthof. Wir laufen durch ein Parkplatz, wo viele Autos kommen und gehen, und wollen nur schnell weg. Es war wohl der Gasthof, wie wir auf dem Rückweg fest stellen. Ich schlage vor, bis Seeshaupt zu laufen, da es nicht mehr weit ist. Von dort waren wir mit dem Dampfer nach Starnberg gefahren, am Ende unserer Isar-Wanderung.

Ich bin froh, als wir endlich Seeshaupt erreichen. Langsam tun mir die Achillessehnen weh, vor allem links. Der Ehemann hat Lust auf ein bayrisches Frühstück, aber die Anzahl der in der Spätsaison noch geöffneten Lokalen ist überschaubar und keins davon scheint Weißwurst anzubieten. Wir gehen kurz ins Restaurant Alte Post rein, aber die Atmosphäre und die drin herrschende Hitze jagt uns weg. Vermutlich wegen des hohen Alters der speisenden Gäste. Wir laufen die Straße runter und entdecken das Café am See[1], wo wir auf der Terrasse einen Tisch in der Sonne finden. Das Restaurant ist ein Glücksfall. Der hausgeräucherte Saibling aus dem See ist vorzüglich und die Bedienung sehr freundlich. Ich weiß nur nicht, warum die Köche meinen, zum Saibling Sahnemeerrettich anbieten zu müssen. Ich hab’s aus Höfflichkeit probiert und fand den Fisch ohne viel besser.

Da der Dampfer schon bis April den Betrieb eingestellt hat, müssen wir zurück nach Bernried laufen. Wenigstens haben sich meine Beine von der Pause gut erholen können. Auf dem Rückweg treffen wir deutlich mehr Leute, die sich auch weniger freundlich verhalten. Anstatt den unteren Seeweg zu benutzen, biegen wir links hoch an die Kühe vorbei. Ich bin überrascht, dass ein Auto den Weg runter fährt. Ich dachte, hier wäre kein motorisierter Verkehr erlaubt. Aber das ist auch Bayern: Jeder macht was er will und scheißt auf die Anderen. Radfahrer waren auch heute ständig auf den Gehwegen unterwegs, obwohl explizit überall auf den Schildern stand, bitte absteigen, und waren teilweise noch so frech, die Fußgänger anzuklingeln.

Unterwegs habe ich mich an die Vielfalt von Pilzen sehr gefreut. Was das Prachtexemplar mit dem blau-violetten Hut ist, keine Ahnung.

Insgesamt sind wir dreizehn Kilometer gelaufen, schätzt der Ehemann. Ich weiß nur, dass ich im Auto auf dem Weg nach Hause eingeschlafen bin, was sehr selten geschieht, Schwierigkeiten hatte, die zwei Etagen zur Wohnung hoch zu laufen, und nach einem wohltuenden Bad nochmal zwei Stunden geschlafen habe. Umso erstaunlicher, dass ich heute gar keinen Muskelkater habe.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und Verlinkung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.