Ich will nicht krank werden

So wie es sich anfühlt, habe ich keine Wahl. Als ich nach Hause angekommen bin, habe ich mich zuerst auf der Couch hingelegt. Mir ging’s nicht gut, ich hatte den ganzen Tag Bauchschmerzen. Nach dem kurzen Nickerchen ging es mit dem Bauch besser, dafür habe ich Gliederschmerzen bekommen. Mir wurde es zu kalt und ich musste eine dicke Sporthose und meine Thermosocken anziehen. Dabei haben wir fast 26 °C in der Wohnung. Also Fieber, genauer gesagt 38 °C. Und mein Bauch schmerzt doch noch ein bisschen.

Vielleicht liegt es daran, dass ich gestern zu leicht angezogen war. Im Radio hatten sie etwas von 26 °C erzählt. Die hatten wir in meinem Arbeitsviertel definitiv nicht. Ich habe es schon bereut, als ich das Haus in meinem kurzen Kleid verlassen habe, konnte leider nicht mehr zurück. Ich hatte einen Termin auf Arbeit und musste ganz früh und pünktlich vor Ort sein. Tagsüber war es in meinem Büro zu warm, da ich jetzt im letzten Stock auf Südseite bin (ach ja, ich bin wieder umgezogen), aber draußen habe ich ständig gefroren. Abends auf dem Heimweg war es nach dem Aussteigen aus dem Bus deutlich wärmer und nicht so windig. Wahnsinn, was zwanzig Kilometer Abstand in einer so flachen Stadt für einen Unterschied machen können.

Ich war gestern Abend mit dem Ehemann bei unserer Stammkneipe verabredet. Da er jetzt ganz nah von zu Hause aus arbeitet, habe ich ihn darum gebeten, mir eine Hose und eine Strickjacke mitzubringen. Die habe ich direkt beim Ankommen in der Kneipe angezogen. Leider gab es gestern Abend ausnahmsweise keine Band, die Musik gespielt hat. Das hat man an der viel geringeren Anzahl von Gästen gemerkt. Wir haben beide Brown Ale getrunken. Dazu habe ich mir Hirtenkäse mit Oliven bestellt. Ich hatte eine kleine Platte Käse mit Oliven erwartet und habe einen Riesensalat mit Käse und Oliven bekommen. Und eine Vinaigrette, die selbst mir zu sehr nach Essig geschmeckt hat. Vielleicht habe ich sie nicht so gut ertragen. Ich musste heute häufig zu Toilette und hatte am Morgen leichten Durchfall.

Oder liegt es an meiner Periode? Die hatte ich schon vermisst. Die letzte hatte sechs Wochen her statt gefunden. Komisch nur, dass alle meine Schwangerschaftstests negativ ausfielen, selbst heute Morgen. Ob es sich um eine extrauterine Schwangerschaft handeln könnte? Beim letzten Mal waren die Testergebnisse negativ, weil das Schwangerschaftshormon in solchen Fällen nicht so schnell ansteigt. Ich bin also um acht Uhr morgens zur Sprechstunde meiner Gynäkologin angekommen. Sie liegt praktischerweise ganz nah zur Arbeit, unpraktischerweise eine Stunde ÖPNV von zu Hause aus. Was soll’s, wenigstens habe ich eine gefunden, die mich als frische Berlinerin in ihrer Praxis angenommen hat. Nicht so einfach. Sie wollte gerade die Untersuchung anfangen und hatte mir den zylindrischen Metallteil in die Scheide eingeführt, als sie sagte, „aber da liegt doch eine Blutung vor!“ Ich habe mich ganz blöd gefühlt. Die Periode muss im Wartezimmer angefangen haben. Die Ärztin hat die Untersuchung abgebrochen, und mir ist lediglich eine Blutprobe „zur Beruhigung“ abgenommen worden. Und da viele Ärzte dazu neigen, Patienten in Schubladen zu stecken, bin ich jetzt die „Möchte-gerne-Mutter, die sich zu viel Stress deswegen macht“. Nur weil ich angemerkt habe, dass meine Temperatur seit der letzten Periode außergewöhnlich niedrig geblieben war und vermutlich kein Eisprung statt gefunden hatte. Ich dachte, es könnte eine nützliche Information sein. Jetzt soll ich „aufhören, alles so genau zu analysieren“. Es wird doch empfohlen, mit dem täglichen Messen der Temperatur den Zeitpunkt vom Eisprung zu bestimmen, um die Chancen einer Schwangerschaft zu erhöhen… Seit der Fehlgeburt weiß ich nicht mehr, wann es sein sollte. Das ist vor allem schwierig, wenn mein Zyklus nicht mehr regelmäßig ist. Dabei ist mein Schwangerschaftswunsch nicht mal so ausgeprägt, wie die Ärztin es zu glauben scheint. Ich versuche es nur dem Ehemann zuliebe, der gerne Kinder hätte. Wobei es kein Drama wäre, keine zu haben.

Ich habe jedenfalls Paracetamol geschluckt, Honigtee getrunken und packe mich ins Bett. Das ist blöd, wir wollten am Wochenende eine Freundin in Mittelfranken besuchen, die ich seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen habe. Wenn es mir morgen nicht besser geht, muss ich absagen. Nicht nur, dass es mir unangenehm wäre, in dem Zustand so lange im Auto zu sitzen. Ich will ihre ganz junge Kinder nicht anstecken.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Weihnachtsfeier

Ich liebe die Weihnachtsfeier bei der Arbeit, aus einem guten Grund: Danach kann man endlich richtig entspannen.

Das Ende des Jahres war sehr stressig. Ich musste viele Beiträge für verschiedene Veranstaltungen vorbereiten, einige Vorträge halten und hatte keine Minute zur Ruhe gefunden. Ich bin kaum dazu gekommen, ein paar Zeilen hier in meinem Tagebuch zu schreiben. Zu Hause gibt es auch viel zu tun. Ich glaube, ich habe mir mit den Geschenken für die Mädels zu viel vorgenommen, obwohl ich dachte, lange genug im Voraus angefangen zu haben. Jetzt aufzugeben wäre echt blöd. Ich habe noch eine Woche, um anderthalb Ketten zu basteln, bevor wir zur Familie fahren. Das Wochenende wird hart. Diese Situation kommt mir bekannt vor  😀

Nun, gestern hatten wir unsere Weihnachtsfeier. Danach sind viele Kollegen im Urlaub, die Geräte werden ausgeschaltet, und die Arbeit wird weniger. Wir haben unter uns gefeiert, nachdem wir es bei meiner ersten Weihnachtsfeier in der Gruppe doch nicht so toll fanden, den Abend mit kaum bekannten Kollegen aus anderen Abteilungen zu verbringen.

Wir hatten beschlossen, zu Fuß zu einem Restaurant zu gehen und dort zu wichteln. Das war schon unser Plan letztes Jahr. Vorher haben wir Glühwein getrunken. Wir brauchten gut drei Stunden, um das Restaurant zu erreichen. Das fand ich eine tolle Idee, weil man dadurch ganz viele Kalorien verbrennt und ohne Sorge danach lecker essen kann.

Der Weg ging bis zur Hälfte der Strecke sehr gut. Ich fühlte mich in Form, obwohl ich schon länger nicht mehr im Fitnessstudio war. Danach habe ich Bauchschmerze bekommen. Meine Blase war voll. Ich hatte es nicht so früh erwartet, da ich absichtlich die Toilette besucht hatte, bevor wir los gegangen sind. Ich habe versucht, das Problem zu ignorieren. Mit der Zeit wurde es schmerzhafter und ich habe Blähungen bekommen. Als wir an einem Café vorbei gegangen sind, habe ich die Gruppe darum gebeten, auf mich zu warten. Um dann auf der Toilette zu merken, dass ich nicht nur eine sehr volle Blase hatte, sondern auch Durchfall. Das hatte ich nicht nötig. Eine halbe Stunde später haben wir unser Ziel erreicht, und ich musste nochmal zur Toilette. Unglaublich, wie schnell meine Blase sich wieder gefüllt hat. Und nochmal Durchfall.

Warum auf einmal? Weil der Stress endlich abgebaut wird? Wegen des Glühweins vor dem Gehen? Wegen der Kälte beim Gehen und der ungewöhnlichen körperlichen Anstrengung? Wegen der Periode? Wegen der neuen, engeren Hose, die ich mir zur Belohnung für die Abnahme geschenkt hatte? Sie ist doch sehr bequem, wie alle Hosen bei BiBA. Oder habe ich das Mittagessen nicht vertragen? Ein bisschen von allem? Der Rest vom Abend verlief zum Glück gut, aber seit dem Aufstehen habe ich heute wieder Bauchschmerze und Durchfall. Ich bleibe zu Hause. Wenn es morgen nicht besser wird, muss ich zum Arzt. Es wäre sehr blöd, so kurz vor dem Urlaub krank zu werden.


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Immer noch krank geschrieben

Am Freitag ist meine Krankschreibung um eine Woche verlängert worden. Das hat meine Frauenärztin einfach so entschieden. Mir geht es eigentlich schon viel besser. Ich könnte jedoch nicht behaupten, dass ich den ganzen Tag bei der Arbeit durchhalten würde. Ich kann jetzt selbstständig einkaufen gehen, ohne mich schwindelig zu fühlen. Ich kann mich wieder lange am Rechner konzentrieren (im Krankenhaus war selbst Nachrichtenlesen am Handy extrem mühsam). Die Schmerze im Unterleib haben nachgelassen, treten aber noch ab und zu auf. Ich kann nachtsüber noch nicht auf meiner üblichen Seite liegen. Sport darf ich immer noch nicht treiben. Ab nächster Woche erst, vorsichtig.

Wenigstens erkenne ich meinen Bauchnabel wieder. Am letzten Tag im Krankenhaus wurde mir das Pflaster entfernt, weil die Wunde besser an der Luft heilen würde. Was ich gesehen habe war entsetzlich. Ich hatte vorher ein schönes Loch, nach der OP habe ich eine komische Acht bekommen. Ein Loch oben, ein Loch unten, und dazwischen war es durchgenäht. Ich habe mich gefragt, ob ich jetzt so einen häßlichen Bauchnabel für immer behalten würde. Zum Reinigen war es nicht leicht, da das Loch nicht mehr so gut zugänglich war. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus hat sich ständig Eiter gebildet. Es hat gestunken, und ich musste doch ständig ein Pflaster drauf haben, um meine Kleider nicht zu versauen. Mein Hausarzt hat sich die Wunde am Dienstag angeschaut und gesagt, es würde mit der Zeit aufhören und heilen. Ich sollte mit dem Duschen nicht übertreiben. Er hat mir eine braune Salbe drauf geschmiert und Pflaster gegeben. Am Freitag meinte die Frauenärztin, sie würde mir die Fäden ziehen, obwohl die sich selbst auflösen sollten. So lange wartet keiner, meinte sie, und Fremdkörper würden die Heilung nur verlangsamen. Beim Bauchnabel hat sie gestaunt. Mindestens vier Knoten wurden gemacht, Teile wurden miteinander verbunden, die nicht hätten verbunden werden sollen, sowas hatte sie noch nie gesehen. Als sie fertig war (es hat ganz schön weh getan), habe ich meinen Bauchnabel wieder erkannt. Doch nur ein Loch. Es ist jetzt viel einfacher zu reinigen, und die Eiterproduktion hat aufgehört. Ich brauche keine Pflaster mehr (die Dinger waren echt teuer bei der Apotheke). Und ich sollte viel duschen (bei den Temperaturen sowieso). Ein Faden ist trotzdem geblieben, wahrscheinlich übersehen, weil es so viele waren. Wenn es beim nächsten Arztbesuch noch da ist, lasse ist es weg ziehen.

Ich hatte eigentlich geplant, zwei Wochen Urlaub nach dem Kurs zu machen. Meine Eltern habe ich seit Januar nicht mehr gesehen. Mit der OP bin ich doch nicht dahin geflogen. In der Provence ist es sowieso immer voll mit Touristen im Juli, ich versuche meistens, die Sommerzeit zu vermeiden. Ich weiß nicht, wann ich wieder Zeit haben werde, meine Familie zu besuchen. Bei der Arbeit werde ich wieder viel zu tun haben, da ich zwei Vorträge für eine Tagung in August vorbereiten muss, und bei einem habe ich noch keine Ahnung, was ich erzählen soll.


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Eine Woche im Krankenhaus

Sie hatte gut angefangen, diese Woche. Am Montag war ich mit dem Kurs sehr beschäftigt. Studenten empfangen, Vorlesungen gehalten, Führung durch unsere Labore (ein großes Lob an unsere Verwaltung, die alle Studenten noch rechtzeitig anmelden konnte)… Die Gruppe war toll, die Studenten haben viele interessierte Fragen gestellt. Ich habe mir nur eine halbstündige Mittagspause gegönnt und ein Bagel auf die Schnelle gegessen. Nachmittags konnte ich mich kurz entspannen, während Winfried zum Schluß seine Vorlesung gehalten hat.

Als ich am Ende der Vorlesung von meinem Stuhl aufgestanden bin, habe ich plötzlich Schmerze im unteren Bereich vom Bauch gespürt. Es hat sich wie ein Verdauungsproblem angefühlt. Toilette besucht, ohne Ausscheidung. Merkwürdig. Zurück in meinem Zimmer, hatte ich den Eindruck, Messerstiche im Unterleib zu haben. „Cola trinken,“ meinte Winfried. Da der erster Kurstag vorbei war, habe ich beschlossen, Feierabend zu machen und bin von Martin mit dem Auto abgeholt worden. Bei den Bauchschmerzen hatte ich keine Lust auf eine lange Fahrt mit der S-Bahn. Zu Hause habe ich mich hingelegt. Um dem Verdauungstrakt zu helfen, habe ich eine Kürbissuppe gegessen. Es hat nicht geholfen, und die Schmerze haben nicht nachgelassen. Selbst urinieren war schwierig geworden. Konnte es sich um ein Uterusprolaps handeln? In meinem Alter? Vielleicht war es ein Darmverschluss? Es war schon recht spät. Ich habe beschlossen, am nächsten Morgen direkt zum Arzt zu gehen.

Nachtsüber konnte ich nicht gut schlafen. Die Suppe ist lange im Magen geblieben und hat mir neue Magenschmerze verursacht. Am ganzen Brustkorb, sowie seitlich. Ich muss auch schlecht gelegen haben, weil meine Schulter fürchterlich geschmerzt haben. Hätte ich die Symptome bloss gegoogelt. Der Arztbesuch am nächsten Morgen hat nicht mal zwei Minuten gedauert. Ich habe mich hingelegt. Er hat am Bauch leicht gedrückt. Der Schmerz in den Schultern wurde so stark, dass ich angefangen habe, unkontrolliert zu heulen. „Sie gehen sofort zum Krankenhaus“, meinte er, und wir sind zu seiner Sekretärin gegangen, um die Überweisung zu vorbereiten. Als Martin zu uns kam, meinte er, es wäre wahrscheinlich eine Eileiterschwangerschaft. Das habe ich nicht geglaubt. Ich war doch wegen Darmprobleme gekommen, und hatte keine frühe Anzeichen von einer Schwangerschaft wahrgenommen. Auf der Überweisung hat er jedoch „v.a. Appendizitis“ eintragen lassen.

Wir sind zu einem Krankenhaus in der Nähe gefahren, nachdem wir schnell zu Hause eine Tasche zusammengepackt haben und ich meine restliche Vorlesungen für den Kurs an Uschi und Winfried weitergeleitet habe. Die Kollegen mussten für mich einspringen. Beim Krankenhaus bin ich keine zwei Stunden geblieben. Mir ist Blut abgenommen worden. Eine Echographie wurde gemacht. Der Mann, der sie durchführte und kein Gynäkologe war, meinte, es wäre keine Appendizitis, weil mein Bauch nicht hart war, und ich wäre nicht schwanger. Er hatte aber große Mengen an Flüssigkeiten und Blut gesehen, die gar nicht normal waren. Er hat mich zu einem anderen Krankenhaus geschickt, der eine Gynäkologieabteilung besitzt, mit dem Hinweis, dass keine Notwendigkeit für eine stationäre Aufnahme gefunden wurde. Gleichzeitig stand auf dem Überweisungszettel, dass der β-hCG Test positiv war, gefolgt von drei Ausrufezeichen. Vielleicht ein Rest von dem früheren Spontanabort am Anfang des Jahres, meinte der Mann (Arzt kann er definitiv nicht gewesen sein).

Im zweiten Krankenhaus haben wir erneut eine Echographie gemacht, diesmal mit einem Gynäkologen, und ja, da, anscheinend in einer Eileiter, war etwas eingenistet. Ohne Zweifel der Grund für die große Menge an Blut, die bei der ersten Echographie gesehen wurde. Oh Mist. Es passiert nicht nur Anderen. Natürlich musste es möglichst schnell operiert werden, und zwar direkt am Nachmittag. Zum Glück hatte ich morgens nichts essen können, denn ich musste dafür nüchtern sein. Meine allererste OP. Alles, was ich nach der Beruhigungspille noch mitbekommen habe, war, dass jemand sagte, ich hätte gerade eine Sauerstoffmaske bekommen und ich müsste jetzt atmen, tiefer atmen, atmen Sie doch

Beim Aufwachen war ich in einem Raum voll mit anderen Patienten, die zurück aus einer OP waren. Hinter meinem Kopf hat etwas ständig gepiepst. Mir war unglaublich kalt, aber das Zittern hat schnell aufgehört, und das Piepsen ist langsamer geworden. Ich habe gehustet: Ich hatte die ganze Zeit wohl einen Schlauch für eine künstliche Beatmung, habe ich erklärt bekommen. Ich bin zu meinem Zimmer im Bett zurück gerollt worden. Ich war ziemlich benommen, habe aber noch mit Schrecken festgestellt, dass eine transparente Tasche mit einer roten Flüssigkeit neben mir im Bett lag und durch einen Schlauch mit meinem Bauch verbunden war. Letzteres habe ich nur vermutet, weil ich mir meinen Bauch gar nicht anschauen wollte. Die Tasche auch nicht, aber die Krankenschwester meinte, ich müsste sie immer vorsichtig tragen, wenn ich mal aufstehen müsste. Die rote Flüssigkeit drin war kein reines Blut, wie ich gedacht hatte, sondern die Spülflüssigkeit, die noch durch die Drainage langsam entfernt werden musste. Und an beiden Handgelenken hatte ich Katheter. Mir ist erzählt worden, dass ich sehr viel Blut verloren habe, und dass die Schwangerschaft doch nicht in einer Eileiter war, sondern, noch seltener, in der Bauchhöhle. Gute Nachricht, beide Eileiter sind intakt (falls ich mich jemals vom Schreck erholen sollte), aber der Gedanke an einem Baby irgendwo im Bauch ist sehr beunruhigend.

Der erster Katheter ist am nächsten Tag entfernt worden, der zweite noch ein Tag danach. Die Tasche ist ebenfalls bis Donnerstag an meinem Bauch gebunden geblieben. Es war ziemlich ätzend, alles einhändig machen zu müssen. Schon beim Aufstehen hatte ich immer Angst, drauf zu drücken und den Schlauch weg zu reißen. Beim Toilettengang hatte ich immer einen schmerzenden Druck tief in der Blase gespürt. Ich habe nur darauf gewartet, die Tasche los zu werden. Beim Entfernen vom Schlauch bin ich vom Schmerz fast zur Decke gehüpft und habe laut „Putain“ geschrien (auf Deutsch schimpfen kommt mir nicht natürlich). Den Schmerz habe ich zwei mal hintereinander bekommen. Warum kriegt man vorher keine lokale Betäubungsspritze? Ich habe mich aber danach total befreit gefühlt und keine Hinderung mehr beim Ausscheiden gehabt. Das einzige, was mir noch Sorgen gemacht hat, ist die Klammer an meinem Bauchnabel, die ich durch das Pflaster spüren konnte. Die Entfernung würde wie beim Schlauch bestimmt sehr schmerzhaft sein. Als ich dies einer Ärztin mitteilte, hat sie mich zuerst überrascht geschaut und die Wunde geprüft: Es gab keine Klammer. Ich hatte nur den Knoten gespürt, der von alleine weg gehen sollte.

Ich habe mich relativ schnell erholt. Gestern konnte ich schon mit Martin zwei mal draußen um das Gebäude spazieren gehen. Vielleicht auch, um die komische Frau aus irgendeinem Katho-Verein nicht zu sehen, die fest dazu entschloßen war, mich unbedingt zu besuchen, obwohl ich ausdrücklich gesagt hatte, dass ich keine Seelensorge haben wollte. Zwei Mal ist sie unangekündigt (und von meiner Sicht aus unerlaubt) in meinem Zimmer mit ihren lauten hohen Absätzen herein geplatzt, um ganz laut autoritär durch den Raum zu rufen, dass sie mich besuchen wollte. Jedesmal lag ich im Bett. Beim ersten Mal, kurz nach dem Mittagessen, habe ich sie raus geschickt (und habe ihr Angebot von einem Flyer abgelehnt). Beim zweiten Mal war’s gestern früh, um die unverschämte Uhrzeit von nicht mal 07:30: Ich habe getan, als ob ich noch schlafen würde und sie mich gerade geweckt hätte, und da meine Nachbarinnen sie sich komisch angeschaut haben, hat sie ganz schnell ohne Wort das Zimmer wieder verlassen. Als ich mich bei der Krankenschwester über sie beschwert habe, war sie sehr überrascht und hat mich nach einer Beschreibung der Frau gefragt. Was ich mich frage ist, woher kannte sie denn meinen Namen, und warum hatte sie gar nicht versucht, mit meinen Nachbarinnen im Raum sonst zu sprechen? Kurz danach, als ich beim Frühstück war, ist der Oberarzt mit seinem Team zu mir bekommen, um mir zu sagen, dass ich eine „Exote“ war. Bauchhöhlenschwangerschaften sind so selten. Wie sollte man auf sowas reagieren? Ich habe mich für ein „Ach?“ entschieden (ich hätte mir den Status gerne gespart), und er hat mich dann nach meinem Zustand gefragt.

Heute Morgen bin ich endlich entlassen worden. Wie es aussieht muss ich einiges nachholen. Ich habe in der ganzen Zeit gar nicht ferngesehen. Über die schlimme Ereignisse von gestern weiß ich noch Bescheid, aber warum gibt es plötzlich überall auf Facebook Regenbögen? Und vor allem muss ich es schaffen, diese stinkende Wunde am Bauchnabel möglichst sanft zu reinigen. Jetzt kann ich mir wenigstens wieder meinen Bauch ohne Ekel anschauen. Mein Bauchfell schmerzt noch, aber die Ärztin meint, er wäre durch das Aufblasen mit Luft bei der OP normal und würde noch mehrere Tage dauern.


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Vorübergehend vorbei

Der Urlaub war sehr anstrengend. Wir sind ständig unterwegs gewesen. Über Weihnachten waren wir bei seinen Verwandten in Frankfurt. Ich hatte schon kurz davor angefangen, Bauchschmerze zu spüren, vor allem abends. Ich hatte Angst, dass es sich um eine extrauterine Schwangerschaft handeln könnte. Außer Martin und meiner Mutter hatte ich niemandem davon erzählt, weil ich es noch für zu früh hielt. Ich konnte also die Cousinen von Martin nicht nach Rat fragen, obwohl beide mehrfach Mütter sind. Häufig habe ich auch Kopfschmerze bekommen. Die Kinder waren laut. Ich fürchte, die Familienmitglieder haben mich jetzt als ungewöhnlich empfindlich eingeordnet, obwohl ich normalerweise einiges durchhalten kann.

Am Samstag nach Weihnachten habe ich plötzlich keine Schmerze mehr gehabt. Ich habe mich kurz gefreut, dann kamen wieder Zweifel. Ich hatte mir Sorgen wegen der Schmerzen gemacht; jetzt, ohne Schmerze, machte ich mir neue Sorgen. Am nächsten Tag habe ich einen Test gemacht, der wieder positiv war. Gleichzeitig habe ich Blutungen bekommen. Es soll nicht ungewöhnlich sein, bis zu einem gewissen Grad. Am Montag, als wir zu meiner Familie nach Südfrankreich geflogen sind, waren die Blutungen genau so stark wie während der Periode, wenn ich am meisten Blut verliere. An solchen Tagen habe ich den Eindruck, dass ich einen voll geöffneten Hahn im Inneren habe. Es dauert meistens ein bis zwei Tage. Diesmal habe ich fünf Tage lang extrem viel Blut verloren. Der Test danach war eindeutig negativ. Ich bin nicht mehr schwanger. Es hat gerade vier Wochen gedauert. Martin war sehr enttäuscht. Ich weniger, auch wenn es komisch klingt.

Bei einer so frühen Fehlgeburt muss ich mir wahrscheinlich keine Sorge machen, aber es heißt, man soll immer sofort untersucht werden. In Frankreich schwierig, vor allem bei meiner Mutter. Nicht unbedingt, weil ich nicht in Frankreich versichert bin. Zwei Frauenärzte sind dort gestorben und es gibt keine Vertretung. Was soll’s, ich könnte auf meine Rückkehr nach Deutschland eine Woche später warten. Ich bin gerade umgezogen und wollte mir sowieso in meinem neuen Viertel eine Praxis suchen. Nahezu unmöglich, wie es aussieht. Am Telefon bekomme ich Termine erst in einem Monat. Als ich nach Sprechstunden fragte, antwortete mir eine Sekretärin[1], dass die Ärzte sowieso kaum hinter ihren Terminen kämen. Es gibt mir keine besondere Lust, dort Patientin zu werden, wenn die Untersuchungen aus Zeitmangel verschlampt werden. Bestimmt wäre es nicht so schwierig, wenn ich Privatpatientin wäre. Ich könnte es tun. Ich bin nur aus Prinzip dagegen. Es ist eine Unverschämtheit, dass Ärzte sogar dedizierte Sprechstunden für Privatpatienten ankündigen. Martin meinte, wenn man mit akuten Beschwerden zur Praxis geht, dürfen Ärzte niemanden zurückweisen. Eine Fehlgeburt sollte schon berechtigen, untersucht zu werden. Weggeschickt wird man trotzdem, wie ich heute Morgen erfahren durfte. Ich bin zu einer Praxis[1] während der Sprechstunde gegangen, um mir erzählen zu lassen, dass sie keine neue Patientin aufnehmen wollen. Ich sollte doch bei der Praxis auf der anderen Seite der Straße probieren: Die mit den überforderten Ärzten. Nein, danke. Ich bin zur Praxis gegangen, die ich letztes Jahr besucht hatte. Neben der Arbeit. Ich brauche eine Stunde mit der Bahn, um dahin zu fahren. Untersucht bin ich noch nicht geworden. Eine Frauenärztin hatte vor kurzem einen Unfall, eine Vertretung wird noch gesucht. Ich sollte am Freitag vorbei kommen. Immerhin meinte die Sekretärin, dass ich natürlich kommen dürfte, falls ich wieder schwanger werden sollte. Es ist nicht ausgeschlossen.

[1] Unbezahlte Werbung, obwohl sie das echt nicht verdienen, da Verlinkung.


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Von einem Extrem zum anderen

Bis gestern fühlte ich mich gut. Ich war einige Male mit den anderen Mitgliedern meiner Gruppe aufs Boot, um zu schnorcheln, während sie alle unter Wasser sind. Jetzt geht’s mir körperlich wieder schlecht.

Seit dem letzten Durchfall am Mittwoch hatte ich mich gewundert, keinen Stuhlgang mehr zu haben. Gestern kam es endlich, mühsam, aber es schien mir in Ordnung zu sein. Seit heute Morgen nach dem Frühstück bin ich leider völlig verstopft. Ich habe den Vormittag im Badezimmer verbracht, mit Bauchschmerzen und in Schweiß gebadet, und konnte nichts heraus zwingen, statt wie geplant mit Martin wandern zu gehen. Er ist jetzt ganz lieb zur nächsten Apotheke gefahren.

So hatte ich mir den Urlaub nicht vorgestellt.


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Erster Tauchgang

Ich dachte fast, dass ich nicht dazu kommen würde.

Am Samstagabend sind wir weg geflogen. Es ging mir gut. Der erste Flug mit Air Berlin nach Abu Dhabi war kein Spaß. Wir hatten uns bequemere Sitzplätze am Notausgang „für mehr Beinfreiheit“ extra gebucht, aber ich bin nicht überzeugt, dass es sich lohnt. Zum Einen hatte ich den Platz am Fenster: Als alle eingestiegen waren, ist die Tür abgeriegelt worden und ich konnte die Beine doch nicht mehr strecken. Zum Anderen hat man auf diesen Plätzen keinen Netz vor sich, um Gegenstände aufzuräumen. Der Flug selbst war sehr laut. Die Flugbegleiter waren nur am Laufen, weil die Besatzung für die Anzahl der Passagiere nicht ausreichend war. Ich habe zuerst einen Film schauen wollen, aber die verteilten Kopfhörer waren so schlechter Qualität, dass ich trotz hoher Lautstärke kaum etwas verstehen konnte. Ich habe aufgegeben und versucht zu schlafen, was mir nicht gelungen ist. Die Flugbegleiter haben ständig im Raum neben uns gequatscht und gelacht. Als wir gegen 06:00 gelandet sind, hatte ich maximal eine Stunde Schlaf hinter mir. Der zweite Flug mit Air Seychelles war deutlich angenehmer. Auch A330, trotzdem viel leiser, und die freundliche Besatzung verleiht gleich eine ganz andere Atmosphäre. Ich habe bis zum Ziel schlafen können.

Kurz vor der Landung habe ich Gewitter im Bauch gespürt und dachte, ich würde gleich explodieren. Als alle Passagiere noch im Gang warteten, ist eine Lampe zur Toilette grün geworden und ich habe mir den Weg bis dahin gebannt. Wieder Durchfall. Bestimmt vom zu fetten Abendessen bei Air Berlin, dachte ich. Es würde gleich wieder gehen. Eine Viertelstunde später musste ich die Schlange zur sanitären und Pass-Kontrolle verlassen, um die Toilette zu besuchen. Zum Glück war Martin noch am stehen, sonst hätte ich wieder von hinten aus warten müssen. Nach der Kontrolle, als ich mein Gepäck bekommen habe, musste ich wieder hin. Es ist hier auch so warm und schwül, selbst das Atmen fand ich anstrengend. Wir sind mit Auto vom Vermieter des Hauses abgeholt worden. Ich habe zwei Loperamid-Tabletten geschluckt, die mir der Arzt empfohlen hatte, und nicht mal fünf Minuten später ging es wieder gut.

Der Ort, wo wir unterbracht sind, ist einfach traumhaft. Fotos werden erst nach meiner Rückkehr hochgeladen. Wir haben uns das Haus mit sechs anderen Personen geteilt, alle aus Berlin. Vier davon sind Freunde von Martin (Sonia, Michael, Mara und Anton), das andere Paar ist durch Mara, meine Tauchlehrerin, dabei. Eva, die Frau, ist ganz nett, auch wenn ein wenig zu esoterisch; ihren Mann mag ich nicht, aber wir unternehmen nicht viel miteinander. Das liegt daran, dass ich bis heute an keinem Tauchgang teilnehmen konnte. Ich musste noch einige Übungen im freien Wasser machen, bevor ich mitmachen darf.

Am Montag wollte ich mich von der Reise erholen. Mit dem Durchfall am Tag davor fand ich es ein bisschen früh. Außerdem waren die Wetterbedingungen nicht gut genug. Ich habe den Tag auf der Terrasse verbracht und die Vogel und Flughunde beobachtet. Am Abend haben wir den Markt besucht. Es gab einen leckeren Mangosalat und salzige Bananenchips. Am Dienstagmorgen sind alle beim Tauchen gewesen, außer Eva, die es gar nicht mitmacht, und ich war wieder im Haus. Das Wetter ließ keine gute Möglichkeit für die Übungen. Am Mittwoch hätte es endlich geklappt, aber am Dienstagabend hatte ich wieder Durchfall. Die Gespräche am Abend waren so blöd gewesen, es hätte auch davon kommen können. Die anderen Bewohner des Hauses glauben wirklich jeden Blödsinn, den sie auf Internet lesen, und es ging den ganzen Abend um ernsthafte Hoaxdiskussionen, in dem Stil „Und wisst ihr, dass Kamellenmilch der absolute Heilmittel gegen Krebs ist, und dass die Pharmalobby dies unterdrückt“ und blablabla. Jemand hat sogar das Thema freie Energie erwähnt. Vielleicht war das häufige Klobesuchen eine Art Befreiung vom ganzen Quatsch. Ich bin am Mittwoch mit Martin am Strand spazieren gegangen und habe bei unserer Pause in einer Strand-Bar wieder Durchfall bekommen. Gestern hat der lokale Tauchführer abgesagt, weil sein Schüler, mit dem ich mitmachen soll, krank war. Stattdessen haben wir Shopping in Victoria gemacht.

Heute war es endlich so weit. Leider bin ich anscheinend nicht fürs Tauchen gebaut. Wieder meine zu schmalen Ohren, deswegen ich sehr langsam abtauchen muss. Wir waren für die ersten Übungen nicht besonders tief gewesen, gerade vier Meter. Der Schwimmbad war 3,5 Meter tief, der Unterschied ist minimal. Beim Auftauchen ging es mir zu schnell, obwohl wir die normale Aufstiegsgeschwindigkeit gehalten haben. Aber es ist klar, dass ich langsamer sein muss, wenn ich in die andere Richtung schon länger brauche. Beim Auftauchen habe ich mich plötzlich schwindelig gefühlt und an Mara festgeklammert, weil ich dachte, ich würde gleich umkippen. Kein schönes Gefühl. Ich war bereit, auf der Stelle aufzugeben und den Rest vom Urlaub nur noch am Strand zu verbringen, und Scheiß auf den gebuchten Tauchpaket und die nicht abgeschlossene Ausbildung. Das haben meine Tauchlehrerin und der lokale Führer nicht eingesehen und mich nachmittags zu einem zweiten Tauchgang gezwungen. Wieder vom Strand aus, diesmal sehr sanft nach unten und zurück, bis 7,5 Meter Tiefe am Korallenrand entlang. Es ging. Es hat sogar Spaß gemacht, die ganze Unterwasserwelt zu sehen. Trotzdem glaube ich nicht, dass es meine Leidenschaft wird. Und mein rechtes Ohr fühlt sich jetzt an, als ob Wasser drin gefangen wäre. Ein kleines Barotrauma.


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Zum Hausarzt

Seitdem ich in Berlin wohne, habe ich noch keinen Hausarzt. Ich bin nicht so häufig krank. Martin hat sich diese Woche einen Arzt in der Nähe unserer neuen Wohnung ausgesucht. Da er heute vormittags Sprechstunden anbietet, fahren wir zusammen dahin. Es macht Sinn, einen Hausarzt in der Nähe der Wohnung zu haben.

Eigentlich sollte ich bei der Tagung sein, für die ich meinen Vortrag vorbereitet habe. Der Vortrag war für gestern Abend geplant. Ich war schon seit einigen Stunden dort, als ich merkte, dass ich Kopfschmerze hatte. Nichts schlimmes, immerhin hatte ich schon kein Fieber mehr. Mieke, die chronisch unter Migränen leidet, hat mir eine Aspirin gegeben. Sie hat gewirkt. Kurz danach habe ich mich aber komisch im Bauch gefühlt. Als ich dann innerhalb einer Stunde drei Mal zum Klo rennen musste, weil ich wieder Durchfall bekommen habe, habe ich beschlossen, nach Hause zu fahren, bevor es schlimmer wird. Winfried hatte ja zugesagt, meinen Vortrag für mich zu halten, falls es mir nicht gut genug dafür geht.

Ein mieses Gefühl. Es ist das erste Mal, in meiner schon fünfzehnjährigen beruflichen Tätigkeit, dass aufgrund einer körperlicher Schwäche jemand meine Arbeit für mich erledigen muss. Ich hasse das. Krank bin ich sonst meistens im Urlaub, wenn überhaupt. Heute fahre ich also zum Arzt, um einen Zettel für die Personalabteilung zu holen. Gestern Abend war es schon zu spät dafür. Wichtig ist es auch, für morgen eine Bescheinigung vom Arzt zu bekommen. Auch für Martin, der gestern den ganzen Tag im Bett verbracht hat. Wir brauchen diese Bescheinigungen für die Reiserücktrittversicherung, falls wir morgen doch nicht in den Urlaub fliegen können. Ich hoffe sehr, dass es nicht dazu kommen wird.

Bei Sprechstunden ist es normal, lange zu warten. Nicht so, wenn man einen Termin hat. Ich werde ein Buch mitnehmen – The Long Mars.


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Krank vor dem Urlaub

Immerhin besser als während des Urlaubs.

Gestern meinte Martin, ihm ginge es nicht so gut. Es fühlte sich schlecht, obwohl er kein Fieber hatte. Wir haben früh Feierabend gemacht, eingekauft, einige Vorbereitungen für die Reise erledigt, und sind zu ihm gefahren. Nichts gegessen, wir hatten beide kaum Hunger. Zwei Episoden von Game of Thrones geschaut. Ich kannte die Serie nicht, aber er ist begeistert davon, ich wollte endlich mal wissen, worum es geht. Um elf sind wir schon ins Bett gegangen. Heute Morgen ist er nicht aus dem Bett gekommen. Fieber hatte er diesmal wirklich. Ich habe ihm gesagt, er soll zum Arzt gehen, und bin alleine mit der S-Bahn zur Arbeit gefahren. Ausnahmsweise gab es weder Zugausfälle noch Polizei- oder Feuerwehreinsätze.

Ich hatte heute wieder so viel zu tun, dass ich mich gar nicht um meinen Vortrag kümmern konnte. Er ist zur Hälfte fertig, und ich muss ich übermorgen halten. Morgen will der Veranstalter der Tagung die Präsentation geschickt bekommen. Ich werde heute Abend noch spät dran sitzen müssen. Und dazu kam, dass ich ab dem Nachmittag Bauchschmerze bekommen habe, mit Stichen im Magen, begleitet von Übelkeit und Durchfall. Ein übles Gestank. Zum Glück war ich heute alleine im Büro. Nach einem heftigen Krampf und erneutem Klobesuch habe ich den Laptop gepackt und bin nach Hause gefahren, mit einem Zwischenstop bei der Apotheke. Die Frau an der Theke hat mir eine Flasche Iberogast, ein pflanzliches Heilmittel, für fast zehn Euro verkauft. Sie hat mir versichert, dass es kein homöopathischer Mittel ist, daher habe ich es, obwohl wenig überzeugt, mitgenommen. Auf dem Weg nach Hause hatte ich den Eindruck, dass es mir schon besser ging. Vielleicht doch kein Magen-Darm-Infekt, sondern etwas schlecht verdaut. Wenigstens scheint das Iberogast tatsächlich eine nachgewiesene Wirkung zu haben.

Martin hat einen viralen Infekt, meint sein Arzt. Er ist für den Rest der Woche krank geschrieben. Ich denke, er hat sich überanstrengt. Neben seinem Vollzeitjob organisiert er die Renovierung der Wohnung und ist ständig unterwegs. Zur Zeit werden die Wände gemalt. Wir verbringen viel Zeit in Küchenläden, wobei ich denke, wir haben jetzt eine gute Wahl getroffen. Die aktuelle Küche, von den vorherigen Eigentümern zurück gelassen, soll auf jeden Fall entsorgt werden. Sie hatten uns gefragt, ob wir sie nicht als Übergangslösung behalten wollten, und ich hatte nein gesagt. Nicht mal mit Handschuhen will ich sie anfassen. Ursprünglich weiße Möbel von schlechter Qualität, zwanzig Jahre alt, völlig vergilbt, mit orangefarbenen Spuren in den Schränken, wo die Umrandung der Teller und anderen Gefässen deutlich erkennbar ist. Ich kann mir gut vorstellen, wie die Gegenstände drin geklebt haben müssen, und mit welchen Geräusch man sie raus genommen hat. Die Spülmaschine, die uns als „relativ neu und gut funktionierend“ gelobt wurde, hat am unteren Innenrand der Tür riesige Rostflecken. Ich hätte mich geschämt, eine solche Küche anderen Personen zu zeigen. Irgendwie haben sie es geschafft, Martin absichtlich zu missverstehen und sich vor der Entsorgen der Müllküche zu drücken. Das müssen wir jetzt machen, weil der Maler noch an die Wände ran kommen muss. Danach ist der Parkettverleger dran. Es muss alles geregelt werden, bevor wir am Wochenende fliegen.

Davor findet die Tagung statt, für die ich meinen Vortrag vorbereiten muss. Mit intensivem Programm, von morgens halb neun bis abends halb zehn, außer am Samstag, wo wir gegen Mittag fertig sind. Zum Glück so gelegen, dass ich zu Hause übernachten kann, sonst hätte ich jetzt meinen Rucksack packen müssen. Die gute Nachricht ist, dass ich diesmal eine kostenlose Pflege für meine Katze gefunden habe. Mein Nachfolger, der bei mir im Büro normalerweise sitzt, hat sich mit seiner Frau, die noch in ihrer Heimat lebt, meine Wohnung angeschaut und beide sind begeistert davon. Da er ab Oktober keine Wohnung mehr hat, habe ich ihm angeboten, während meiner Abwesenheit bei mir zu wohnen. Danach werde ich ausziehen und er kann bis zur offiziellen Wohnungsübergabe auf der Couch bleiben. Die Vermieterin hat kein Problem damit, er muss nur ein bisschen Papierkram füllen. Da er meine ehemalige Arbeitsstelle hat, mit der gleichen Gehaltseingruppierung, sollte es glatt laufen.

Meine einzige Sorge ist jetzt meine Haut. Nachdem ich bei der Arbeit über meine allergische Reaktion berichtet habe, habe ich einen neuen Halsband in einer anderen Farbe bekommen, ohne Nickel-Teile, weil die verantwortliche Person meinte, ich hätte deswegen Hautprobleme. Ich habe ihn vor vier Tagen getragen und mir geht’s noch schlimmer. Der ganze Nacken ist mit einem roten schuppenden Fleck bedeckt, rechts und links bis zum Hals. Es hat am Wochenende fürchterlich gejuckt und hat sich bis zum Rücken verbreitet. Ich habe den Halsband zurück gegeben und mich mehrmals eingecremt. Es hat jedesmal gebrannt. Jetzt heilt es langsam wieder. Ich frage mich, wie ich mich im Salzwasser beim Tauchen fühlen werde. Hoffentlich habe ich bis dann keine Wunde mehr.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Ein Verdacht

Vor zwei Wochen habe ich mich nicht so toll gefühlt. Leichtes Fieber. Ich habe zuerst gedacht, dass es mit dem Fahrrad fahren zu tun hat, weil es deutlich kühler geworden ist. Nach dem zweiten Tauchkurs war ich mit naßen Haaren mit dem Fahrrad nach Hause gefahren. Seitdem habe ich ein komisches Gefühl, als ob ich gerade geniest hätte. Meine Nase fühlt sich ständig gereizt an. Ich niese häufiger, und die Nachwirkung bleibt viel länger als sonst. Erkältet bin ich aber nicht. Es könnte einfach aus dem Chlorwasser vom Schwimmbad kommen.

Ich schlafe momentan länger als sonst. Wahrscheinlich, weil ich noch im Urlaub bin, obwohl ich es nicht mag, zu lange im Bett zu bleiben. Sobald ich wach werde, habe ich den Eindruck, meine Zeit zu verschwenden, wenn ich liegen bleibe.

Seit dem zweiten Tauchkurs habe ich einen Druck im Bauch. Krampfartig, jedoch nicht schmerzhaft. Verstärkte Blähungen. Mit den Ohren habe ich eigentlich gar kein Problem mehr beim Druckausgleich. Beim letzten Kurs am Sonntag ging es noch besser, ich bin mehrmals ab- und aufgetaucht. Ich glaube nicht, dass die Krämpfe im Bauch etwas mit dem Tauchen zu tun haben. Am Wochenende habe ich seltsame Ausscheidungen bekommen. Es sah wie Blut aus, aber hell rosa, nicht wie bei meiner Periode, die zuletzt vor drei Wochen statt gefunden hat. Und ich fühle mich in meinen Kleidern am Bauch eingeengt. Ich war lange nicht mehr beim Fitness-Studio.

An der Haltestelle heute Morgen habe ich mich wieder stark von den Gerüchen um mich herum belästigt gefühlt. Das ist nichts neues, aber in letzter Zeit häufiger. Heute stand eine stark parfümierte Person bei den Sitzplätzen unter der Bahn-Brücke. Zigarettenrauch hing in der Luft. Ich bin vorne bei der Ampel geblieben, wo die vorbei fahrenden Autos die Luft bewegt haben.

Ich warte noch eine Woche ab.


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