Ordnung geschafft

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Lange habe ich den Chaos auf dem Schreibtisch wachsen lassen. Kontoauszüge sind ungelesen in eine Ecke gestapelt worden. Den Zustand meiner Konten sehe ich eh immer online. Der Stapel ist gewachsen und mir mit der Zeit unangenehm geworden. So unordentlich und ungemütlich auf dem Schreibtisch. Seit Jahren läuft es so. In einer Schublade lagen noch ältere Briefe der Bank. So gut in Ordnung halten war ich nie.

Nun, das war vorher. Jetzt habe ich mir einen neuen Ordner besorgt (bzw. den Ehemann dazu beauftragt, mir einen neuen Ordner zu bringen). Den ganzen Abend habe ich damit verbracht, Kontoauszüge zu sortieren. Nicht selten musste ich zuerst den Briefumschlag öffnen. Wozu den Brief überhaupt öffnen, ich weiß ja, was auf dem Konto passiert.

Tja. Heute ist mir aufgefallen, dass nicht alle Briefe von der Bank Kontoauszüge sind. Häufig ist es auch Werbung. Manchmal ist es ernster. Wie die Transaktion Ende August, die von der Bank gesperrt wurde. Ich habe den Brief darüber erst heute Abend gelesen. Ich hatte damals über die Webseite einer Tagung ein Hotelzimmer buchen wollen. Beim Bestätigen der Zahlung kam eine Fehlermeldung, mit dem Hinweis, dass meine Bank die Transaktion gesperrt hätte. Verwirrt, hatte ich sofort meine Bank angerufen und ein Mann hat mir erklärt, dass ich meine Identität in einem Pop-up nicht bestätigt hätte, daher die Sperrung. Mein Browser hatte wahrscheinlich den Pop-up blockiert. Die übliche Warnung oberhalb der Seite hatte ich aber nicht bekommen. Vielleicht war ein der Ad-Blocker schuld. Egal, der Mann am Telefon hatte für diese Transaktion die Identifikationsanfrage deaktiviert und ich hatte beim Hotel buchen können. Dass zusätzlich ein Brief geschickt wurde, war mir nicht bewusst. Es ist am Ende gut gegangen, weil im Brief stand, ohne Maßnahme meinerseits würde die Transaktion doch stattfinden.

Wie gut, dass ich jetzt einen Ordner für Post aus der Bank habe. Das hätte ich mir viel früher anschaffen sollen. Jetzt werde ich die Briefe öffnen müssen, bevor ich sie ungelesen im Ordner hefte, und dabei wird es mir auffallen, wenn es sich ausnahmsweise nicht um einen Kontoauszug handelt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Am Telefon

Ich bin vor kurzem auf dem Handy von einer unbekannten Nummer angerufen worden. Ich bin in solchen Fällen immer misstrauisch und benutze dann als Begrüßung die französische Formel „Allo?“, die mir erlaubt, zu antworten, ohne meinen Namen zu verraten. Man weiß ja nie. Das hat mich an den ersten Anruf erinnert, den ich auf meiner aktuellen O2 Nummer bekommen habe, vor etwa neun Jahren. Den Vertrag hatte ich am Tag davor abgeschlossen. Nur meine Mutter kannte meine neue Nummer. Gegen mittags wurde ich von einer unbekannten, deutschen Nummer angerufen. Ich also: „Allo?“ Eine Frau, in einem geärgerten Ton: „Ja, kann ich denn wissen, mit wem ich rede?“ Ich war verblüfft, habe aber geantwortet, dass sie doch selber wissen sollte, wen sie anruft. Nach einer kurzen Pause meinte die Frau, sie hätte die Nummer von ihrem Sohn gewählt und war irritiert, dass er nicht dran ging, da sie ihn schon seit einigen Tagen zu kontaktieren versuchte. Wer wäre ich denn? Ich habe ihr erklärt, dass ich meine Nummer erst vor kurzem bekommen hatte und ihren Sohn nicht kannte. Sie klang nicht überzeugt, hat sich aber entschuldigt und aufgelegt. Vielleicht hatte sie ihren Sohn derart mit Anrufen genervt, dass er seine Handynummer ändern lassen hatte.

Bei dem Anruf von letzter Woche hat sich ein Mann, mit freundlicher Stimme, als Angestellter von einem Umfrageinstitut vorgestellt und wollte wissen, ob ich gerade Zeit für ihn hätte. Ich hatte doch explizit O2 verboten, meine Telefonnummer weiter zu geben. Werbungterror will ich mir nicht antun lassen. Ich bin auch in keinem Telefonbuch eingetragen. Ich habe also den Mann erstmal gefragt, woher er meine Nummer hatte. „Ganz einfach“, meine er. „Ich habe Ihre Nummer aus einem auf Zufall basierten Telefonnummergenerator bekommen.“ Na toll. Er klang, als ob ich mich darüber glücklich schätzen sollte, auserwählt geworden zu sein. Da ich bei der Arbeit war, konnte ich den Anruf schnell beenden, mit dem Hinweis, dass ich für Befragungen nicht angerufen werden will. Immerhin hat er sich verständnisvoll gezeigt und nicht mehr versucht, mich zu kontaktieren.

Irgendwie sind die Leute aus Call-Centern häufig überrascht, dass man gerade arbeitet, obwohl sie selber während ihrer Arbeitszeit anrufen. Den Fall hatte ich bei meinem früheren Institut, als ich von der Postbank angerufen wurde. Es war spät abends, um die 19:00. Damals, als ich Single war und meine Arbeitszeit nicht erfasst wurde, hatte ich den größten Teil meines Lebens am Institut verbracht. Der Mann am Telefon war mein Berater, den ich eigentlich nur drei Jahren zuvor bei der Eröffnung meines Kontos gesehen hatte. Damals war ich gerade nach Deutschland zurück gekehrt und hatte noch keine Telefonnummer, außer bei der Arbeit. Stimmt nicht, meine ehemalige deutsche Handynummer hatte ich noch, aus der Zeit meiner Doktorarbeit, aber ich wollte sie nicht so einfach geben. Wozu auch? „Um mich zu kontaktieren, falls es Probleme gibt“. An dem Abend gab es kein Problem. Mein Berater hatte schon mehrmals versucht, mich durch persönliche und sogar handgeschriebene Briefe per Post zu überzeugen, Produkte zu kaufen. Jetzt wollte er es per Telefon probieren. Es wirkte ziemlich verzweifelt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Wohnung gekauft!

Wer hätte das gedacht? Nach so langem hin und her zögern, nach so vielen Wohnungsbesichtigungen, hat er sich endlich für eine Wohnung entschieden. Es hat über ein Jahr gedauert. Um fair zu sein, so weit war er schon vor zwei Monaten, aber eine Immobilienagentur hatte sich vorher als interessiert gemeldet und die Wohnung vor seiner Nase gekauft. Weil er sich noch Zeit zum Überlegen nehmen wollte. Entscheidungen treffen ist immer noch nicht seine Stärke.

Als er dann kurz vor dem Urlaub sagte, er hätte großes Interesse für eine neue Wohnung, habe ich ihm zuerst gesagt, wenn es so ernst ist, dürfte er keine Zeit verlieren. Er hat mir die Unterlagen gezeigt. Von der Beschreibung her ist es unglaublich, dass sie noch nicht verkauft wurde. Es muss die beste Wohnung sein, die er je besichtigt hat. Für den gleichen Preis hat er deutlich kleinere Wohnungen gesehen, die auch nicht so schön eingerichtet waren. Er hat den Kaufvertragsentwurf beantragt und während des Urlaubes per Email bekommen. Seine Cousine, die Rechtsanwältin ist, hat ihn gelesen und ihm gesagt, es wäre in Ordnung. Letzte Woche habe ich mit ihm die Wohnung besucht. Sie ist wirklich sehr schön, in einem grünen Viertel. An der letzten Etage, aber nicht zu hoch, mit einem großen Balkon, vier Zimmern, und sehr ruhig gelegen. Sogar Tiefgarage und abgeschlossener Raum für Fahrräder (zugegeben, schon sehr voll) sind vorhanden. Man müsste nur den Boden komplett ändern (Parkett statt Teppichboden) und die Wände neu streichen. Eine neue Küche käme dazu, die, die von den Besitzern drin gelassen wurde, gefällt uns nicht. Das Badezimmer sieht auch nicht gerade toll aus, aber es ist nicht schwierig, erst später Arbeiten drin zu machen, da ein Gästebadezimmer vorhanden ist.

Es gab noch viele Diskussionen mit dem Makler, der bis gestern die einzige Kontaktmöglichkeit mit den Besitzern darstellte. Und gestern Abend war es so weit: Ich habe ihn zum Notar begleitet, damit der Kaufvertrag durchgelesen und von allen Parteien unterschrieben wird. Wie der Makler da am Tisch gesessen hat, habe ich die ganze Zeit an einen Vampir gedacht. Die Besitzer sind ein Paar, die sich ein neues Haus bauen lassen haben und die Wohnung aus diesem Grund verkaufen wollen. Der Mann, im Anzug, übergewichtig, meinte gleich, ich wäre Spanierin. Wahrscheinlich, weil ich dunkle Haare habe und vom Urlaub noch braun bin. Was für eine Frechheit, sich bei einem ersten Treffen Äußerungen über das Aussehen von anderen Personen zu erlauben. Seine Frau, auch fettleibig, ist selber Spanierin, aber ihre Haut war sehr hell. Ein bisschen gezwungenes Small-Talk gab es, bevor es um den eigentlichen Grund des Treffens ging. Ein bisschen Ärger gab es schon mit dem Makler, nachdem die Vertreterin des Notars den Kaufvertrag unterschreiben lassen hat, weil er eine frühere Version des Provisionsvertrages gebracht hatte, statt die aktuellste, die er durch Diskussionen am Telefon überarbeitet und per Email geschickt hatte. Blutsauger, echt. Martin hat den Vertrag trotzdem unterschrieben. Eigentlich hätte ich gar nicht dabei sein müssen, aber ich wollte ihn moralisch unterstützen. Danach habe ich ihn zu einer Cocktail-Bar eingeladen, als Belohnung dafür, dass er endlich seinen Traum realisiert hat.

Das heißt auch, in nicht zu weit entfernter Zeit ziehen wir zusammen. Das hatte er mich schon ganz früh gefragt, deswegen hat er angefangen, nach größeren Wohnungen zu suchen. Ich freue mich. Ich würde mich aber auch freuen, wenn wir zusammen zu einer Mietwohnung umziehen würden. Erstmal abwarten, bis die Finanzierung durch seine Bank bewilligt wird. Ich verstehe das Ganze nicht wirklich. Warum kann eine Bank ein persönliches Angebot für eine Finanzierung bei Kunden machen, wenn sie danach doch nein sagen kann? So ist es mit dem ersten potentiellen Käufer der Wohnung gelaufen (die Besitzer haben erzählt, dass die Finanzierung gescheitert war, weil der Interessent keinen Startkapital bringen konnte). Martin wollte eine Wohnung vor allem kaufen, weil es für ihn eine sichere Anlage für sein Vermögen ist. Kann ich verstehen. Wenn wir zusammen ziehen, werde ich mich natürlich an den Laufkosten beteiligen. Wahrscheinlich wird es so hoch wie meine aktuelle Miete sein.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Mittwoch 24.04.2013

Heute ist das Wetter wunderbar. Beim Aufwachen gegen 07:30 dachte ich, es wäre schön, mir einen Tag in den Thermen zu gönnen, so voll wie beim letzten Mal kann es nicht werden, heute ist kein Rabatt-Tag. Beim Aufstehen habe ich gemerkt, dass meine Wunde auf dem linken inneren Schenkel wieder entzündet war – ich hatte letzte Woche bei der Dermatologin auch Fibrome entfernen lassen. Der Grund für die Entzündung: Die Kruste hatte sich über Nacht von der Haut gelöst. Also Dusche, Desinfizierungsmittel drauf, und ich verzichte heute doch lieber auf die Thermen. Schade, meine linke obere Schulter und der Nacken fühlen sich sehr schmerzhaft an. Das hat man davon, wenn man den ganzen Tag so deprimiert ist, dass man sich kaum noch bewegt. Ich weiß nicht, das mit der neuen erfolglosen Bewerbung hat mich so umgehauen, dass ich nach der Dusche erstmal eine Stunde lang den Handtuch auf dem nassen Kopf behalten hatte, ich konnte mich nicht mal aufraffen, mich fertig zu trocknen und anzuziehen – oder zu essen und zu trinken überhaupt. Das muss eher der Grund für den verspannten Nacken sein, auch wenn ich mich heute Morgen psychologisch schon besser gefühlt habe, das Schreiben hilft tatsächlich. Und die Sonne.

Also, statt meine Tasche mit Badesachen zu füllen, habe ich, wie sonst jeden Tag, Bewerbungen geschrieben. Ich habe noch vier offene Tabs mit Stellenausschreibungen, und die automatische Emails von heute noch nicht durchgesucht, ich muss meine Verspätung von gestern nachholen. Eine Stelle in England klingt interessant, wenigstens die muss ich heute schaffen. Da sie die Quarantäne-Dauer für eingereiste Haustiere deutlich reduziert haben, kann ich wieder daran denken, dort arbeiten zu gehen. Ohne meine Katze ging‘s gar nicht. Sie ist so süß, wenn sie merkt, dass es mir nicht gut geht, eine bessere Unterstützung könnte ich nicht finden. Dagegen höre ich keinen Ton von meinen Bekannten, die über die letzten Geschehnisse bei meinen Bewerbungen doch sehr wohl informiert sind – einige sogar noch bevor ich die Absage bekommen habe, durch Yong Jin, und das haben sie mir nicht mal gesagt. Nicht, dass es mich freuen würde, eigentlich, wenn jemand sich melden würde. Mitleid? Ich bekomme das Gefühl nie los, dass es nicht gemeint ist, und es ändert nichts an der Tatsache. Aufmunterung? Dann denke ich, die haben einen Knall, sollen die doch erstmal in meiner Lage sein, bevor sie „Kopf hoch“ sagen, oder mir belehren wollen, wie ich mich zu bewerben habe, wenn sie selbst damals nie nach einer Stelle suchen mussten. Ja, ich bin heute im Zickenmodus. Schlecht gelaunt, aber wenigstens kann ich wieder Bewerbungen schreiben. Zornpower halt. Lars bleibt trotzdem definitiv ein Arsch. Ich war ehrlich gesagt nicht sehr angenehm überrascht, als er vor einigen Monaten meinen Profil auf Facebook entdeckt und mir eine Einladung geschickt hatte. Weil wir gemeinsame Kontakte haben, sonst ist der Profil nicht suchbar, weder bei Google noch bei Facebook. Angenommen aus „Höflichkeit“. Aber ich kann mich nicht hier über ihn so sehr beschweren und ihn gleichzeitig in meiner Kontaktliste behalten. Raus ist er geflogen.

Die letzte nicht so tolle Nachricht: Ich habe mir den Zustand meines Bankkontos genauer angeschaut. Die Ersparnisse gehen schneller als gedacht nach unten. Ich habe auch nicht besonders aufgepasst. Bei normalen Monaten bleibe ich im grünen Bereich, ich gebe ungefähr genau so viel aus, wie ich vom Arbeitsamt bekomme. Aber so viele normale Monate sind es nicht gewesen. Es gab schon in Dezember das Problem mit meinem Rechner, der mich im Stich gelassen hat. Da musste schnell einen neuen besorgt werden. Ich musste neue Kleider kaufen, weil ich mir sonst nie Zeit dazu genommen hatte, es wird aber langsam nötig. Dann bin ich zu meinen Eltern geflogen. Das kompensiert sich – nicht ganz – damit, dass ich für die Dauer meines Aufenthaltes nicht viel ausgeben musste. Dann gab’s die Fachtagung in März, die völlig auf meine Kosten geblieben ist, da ich nicht mehr arbeite und das Institut nicht verpflichtet ist, die Kosten zu übernehmen – Teilnahmegebühre und Fahrtkosten. Zum Glück habe ich einen Freund, Horst, der dort arbeitet, und ich konnte bei ihm die ganze Woche übernachten. Und dann gibt’s die Reisekosten für Vorstellungsgespräche, die immer ziemlich spät zurück bezahlt werden. Der Rekord liegt bei Osram, ich war dort Ende November und habe trotz Versprechen immer noch keine Rückzahlung bekommen. Die Belege sind aber weg, so dass ich es bei der Steuererklärung nicht angeben könnte. Da sieht man, wie unterschiedlich die verschiedenen Firmen drauf sind. Bei ThyssenKrupp hatten sie nicht mal auf meine Fahrtkarten gewartet, dass sie mir schon das Geld überwiesen hatten. Mein erster Schritt zum vernünftig sparen wird es sein, nicht mehr so häufig mit Freunden mittags essen zu gehen. Gleichzeitig ist dieser Kontocheck gut gewesen, weil ich in letzter Zeit in Versuchung komme, wieder zu rauchen. Das sollte ich wirklich besser sein lassen, selbst wenn ich mich so nervös fühle. Dann doch lieber für eine oder zwei Stunden den Frust im Fitness-Studio lassen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.