Verpeilt

Gestern bin ich in der S-Bahn kontrolliert worden. Kurz bevor ich aussteigen musste.

Mein Jahresabo liegt in meinem Portemonnaie. Seitdem ich es letztes Jahr gekauft habe. Ich musste es nur raus graben.

Das Portemonnaie liegt in meinem Rucksack. Ganz tief im mittleren Fach, wo man schlecht ran kommt. Ich will es Langfingern nicht leicht machen. Obendrauf lag gestern meine Tüte mit der leeren Mittagessensdose, und obendrauf noch meine neuen Kopfhörer, die mir der Ehemann zu Weihnachten geschenkt hatte. Sowie ein noch nicht geöffneter Briefumschlag mit meiner Gehaltsabrechnung von Januar, weil wir sie nicht per Post geschickt sondern im Büro ausgehändigt bekommen.

Ich greife also zum Portemonnaie. Dafür muss ich erstmal den Rest raus nehmen. Neben mir sitzt niemand mehr, ich habe Platz. Ich zeige dem jungen Mann mein Abo, nachdem ich es mühsam aus seinem Fach geholt habe. Der Mann nimmt sich Zeit, es sich genau anzuschauen, aber nach meinem Ausweis fragt er nicht, obwohl mein Abo persönlich ist und nicht geliehen werden darf. Ich packe dann das Abo zurück ins Portemonnaie, was nicht auf Anhieb klappen will. Ich hole es zu selten aus seinem Fach. In Berlin war es einfacher, man hatte eine Karte die elektronisch gelesen werden konnte, statt so ein kleines Pappstück wie hier, und man konnte es sogar auslesen lassen, ohne die Karte vom Portemonnaie raus zu nehmen.

Wir erreichen Argelsried. Ich packe noch die Tüte mit der Dose ein, und muss schon gleich aussteigen.

Heute Morgen komme ich zur Arbeit an. Ich will wie gewohnt die Kopfhörer benutzen und stelle fest, ich habe sie nicht dabei. Ich muss sie zu Hause liegen lassen haben, und teile dies dem Ehemann mit, der darauf nicht antwortet.

Ich arbeite munter vor mich hin, da die Kollegen nicht im Büro sind, bis das Telefon vom Büro mich aus meiner Programmiererei reißt. Es ist für mich, den Anrufer kenne ich nicht. Er fragt, ob ich seit gestern nichts vermissen würde. Mir fällt erstmal nichts ein, weil ich noch glaube, die Kopfhörer zu Hause vergessen zu haben. Er sagt, er hätte gestern Abend in der S-Bahn einen Briefumschlag mit meinem Namen auf einem blauen Beutel gefunden, der Kopfhörer enthält.

Ich fasse es nicht. Wie verpeilt muss ich sein, dass ich nach einer einfachen Fahrscheinkontrolle die Hälfte meiner Sachen auf dem Sitzplatz neben mir übersehe und liegen lasse? Es macht mich ganz schön fertig, weil die Kopfhörer ein Geschenk vom Ehemann sind, und ich schaffe es, sie nach einem Monat zu verlieren. Im Büro wollte ich sie nicht auf dem Schreibtisch lassen, weil wir keine verschließbare Möbeln haben, und ich nicht sicher bin, dass ich allen Kollegen vertrauen kann. Ich kenne noch nicht mal die Namen von der Hälfte. Also habe ich bis jetzt die Kopfhörer jeden Tag hin und her geschleppt.

Ein Glück, dass ich gestern meine Gehaltsabrechnung mitgepackt habe, sonst hätte der gute Mann am Telefon gar nicht gewusst, wem die Sachen gehören. Er hätte sie zum Fundbüro gebracht, sagte er, und ich hätte sicherlich nie daran gedacht, dort nachzufragen. Ein Glück auch, dass der Mann so nett ist und sich die Mühe gegeben hat, mich ausfindig zu machen.

Wir verabreden uns heute Abend nach der Arbeit bei ihm. Der Ehemann fährt mich mit dem Auto hin. Wir bringen als Dankeschön eine Flasche Wein aus unserem Lager mit.


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Auf in den Urlaub

Ich sitze in dem Zug nach Frankfurt, zur Familie vom Ehemann. Die BahnCard hat sich noch gelohnt. Wir sind kurz vor Neustadt an der Aisch und es schüttet wie aus Eimern. Ich fühle mich nicht besonders gut, was an den Sturm von heute Nacht liegt. Ständig bin ich aufgewacht, obwohl ich sehr müde und mit Migräne ins Bett gegangen war. Der Wind war so stark, dass ich dachte, ein Flugzeug würde übers Haus fliegen. Wir wohnen nicht weit vom Flughafen Oberpfaffenhofen, wobei man eigentlich kaum etwas fliegen hört. Aber nein, es war der Wind. Um halb sechs bin ich zuletzt aufgewacht, und ich konnte nicht mehr einschlafen. Zum Glück gab es keine Auswirkung auf meine Bahn-Strecke.

Wenigstens konnte ich noch die Jahresplaner fertig stellen, bevor ich die Wohnung heute morgen verlassen habe. Und ich habe daran gedacht, sie in den Koffer zu packen. Das wär’s noch gewesen. War das vielleicht ein Stress! Hätte ich gewusst, was für ein Aufwand das ist, hätte ich doch etwas anderes als Weihnachtsgeschenk gemacht. Für eine Person geht’s, aber nicht für vier. Der Ehemann ist zuversichtlich, dass es gut ankommen wird. Das will ich hoffen.

Der Ehemann ist auch mit der Bahn nach Frankfurt unterwegs, aber er ist vorher nach Berlin gefahren, um mit seinem Vater zu reisen. In seinem Alter traut er sich nicht mehr, mit Gepäck alleine zu reisen. Alles ist ihm umständlich geworden. Da der Ehemann arbeitslos ist, hat er Zeit. Bewerbungen hat er schon viele geschrieben, seit der Ankündigung seiner Entlassung vor fünf Wochen. Ein Vorstellungsgespräch gab es auch, letzte Woche. So richtig scheint es aber nicht zu passen. Nach Weihnachten tut sich wahrscheinlich mehr.

In Würzburg scheint jetzt die Sonne. Die Fahrt läuft sehr angenehm, was am Komfort der ersten Klasse liegt. Einmal erste Klasse gefahren, nie wieder zweite Klasse fahren, sage ich. Für unsere Verbindung wurde empfohlen, Sitzplätze zu reservieren, aber bei uns sind noch Sitzplätze frei. Der Reisebegleiter hat mir einen tollen Kaffee am Anfang der Fahrt gebracht. Internet funktioniert. Wir sind pünktlich. Ich weiß seit Kurzem, dass alles unter sechs Minuten Verspätung für die Deutsche Bahn als pünktlich gilt, aber wir sind wirklich wirklich pünktlich. Wir waren es zwischendurch nicht, jetzt doch wieder.

Am anderen Tisch neben mir sitzt eine junge amerikanische Familie mit Säugling, auf dem Weg zum Flughafen. Zufällig hat eine andere Amerikanerin den Sitzplatz ihnen gegenüber am Tisch gebucht, und seit München sind sie nur am quatschen. Ununterbrochen. Für mich als Sozialmuffel sehr bewunderswert. Ich kann es nicht, so lange über so viele Sachen diskutieren. Vielleicht kommt es, wenn man ständig ein Säugling an der Brust hängen hat und nichts anderes machen kann.

Ich freue mich auf die nächsten stressfreien Tage. Gut, so stressfrei ist es bei Weihnachtsbesuchen nie, aber endlich mal vom Job auszuschalten ist toll.


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Wochenende in Lindau

Eine Woche vor Adventsbeginn hat schon der Weihnachtsmarkt in Lindau angefangen. Ein guter Grund, endlich diese Stadt zu besuchen. Der Ehemann war in einem früherem Job nach Lindau geschickt worden und seitdem wollte er unbedingt ein Wochenende mit mir dort verbringen.

Am besten erreicht man Lindau mit dem Zug. Daher wollte der Ehemann, dass ich die Sache mit meiner BahnCard regle. Am Ende sind wir nicht mal mit der Deutschen Bahn gefahren, sondern mit Alex. Man fühlt sich wie in die Vergangenheit zurück geschickt. Ich erinnere mich, 2001 in so einem Zug gefahren zu sein, auf dem Weg nach Bayreuth. Alex hat die alten Züge der Deutschen Bahn übernommen, und man merkt, wie sie nicht mehr zeitgemäß sind. Zu klein für die Anzahl an Personen die mitreisen wollen. In München ging’s, aber der Zug ist schnell an seine Kapazitäten gestoßen. Bei dem lächerlich niedrigen Preis wundert es mich trotzdem, dass nicht mehr Leute mitgefahren sind. Vielleicht liegt es an der Unbequemlichkeit, es hat ziemlich gewackelt. Ich würde nicht unbedingt mit den Zügen nochmal fahren wollen.

Das Hotel lag praktischerweise direkt gegenüber vom Bahnhof, und da unser Zimmer bereit war, konnten wir unsere Taschen drin lassen, bevor wir in die Stadt spazieren gegangen sind. Mit dem Wetter hatten wir Glück. Wir haben die westliche Seite der Insel besucht und sind durch Straßen östlich vom Bahnhof geschlendert, bevor wir bei Einbruch der Dunkelheit zum Weihnachtsmarkt gegangen sind. Flammlachs hatte ich noch nie gesehen, und natürlich musste ich probieren. Voll lecker! Es wurde uns kalt, und wir haben den Rest des Nachmittages im Spa-Bereich vom Hotel verbracht, bevor wir zum Restaurant gegangen sind. Ich hatte leider Kopfschmerze und konnte den Abend nicht so richtig genießen.

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Der Sonntag hat mit Nebel angefangen. Lange hat es nicht gedauert, und mir war es sogar in der Sonne am Hafen zu warm, in meinem Mantel. Wir haben den Rest der Insel besucht und sind zum Schluß zurück zum Weihnachtsmarkt gegangen. Der Glühwein hätte nicht sein müssen, ich habe direkt danach wieder Kopfschmerze bekommen. Die habe ich im Zug nach Hause versucht weg zu schlafen, was mir nicht ganz gelungen ist. Trotzdem war es ein schönes Wochenende.

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Die BahnCard, Fortsetzung

Nach dem Ärgernis von Samstag kam prompt in der Nacht zu Sonntag, um 02:45, die Rechnung zu meiner „neuen“ Karte per Email an. Der Ehemann meinte, wir sollten bei der Hotline anrufen. Das haben wir gestern Abend gemacht.

Ich hatte inzwischen durch Google heraus gefunden, dass man die BahnCard wohl auch elektronisch auf dem Handy speichern kann. Da der Ehemann mir am Montag ein neues Handy geschenkt hat, für welches Betriebssystem noch Apps entwickelt werden, habe ich es probiert und: Es geht! Warum konnte mir die blöde Kuh am Schalter nicht sagen, dass diese Möglichkeit besteht, statt mir kostenpflichtig eine neue Karte zu bestellen? Auf Nachfrage, ob ich denn keine andere Wahl hätte, hatte sie „Nein“ geantwortet. Glatte Lüge.

Das Gespräch mit der Hotline verlief viel entspannter als am Samstag. Dass die erste BahnCard nie ankam, obwohl der Ehemann seine zeitgleich bestellte Karte bekommen hat, hat uns die freundlich klingende Frau geglaubt, aber „bestellt ist bestellt“, obwohl ich gar nichts unterschrieben habe, sie könne daran nichts mehr ändern. Sie würde aber wegen der schlechten Beratung am Schalter aus Kulanz mir einen Gutschein in Höhe von der neuen BahnCard zukommen lassen, weil es doch nicht nötig war, eine neue Karte zu bestellen. Den Gutschein habe ich tatsächlich keine Stunde später bekommen.

Was lernt man als Kunde daraus? Sich sofort an die Hotline wenden. Mit ihrem recht unfreundlichen Verhalten machen sich gerade die Schaltermitarbeiter in Pasing überflüssig.


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Sonntagsträume

Nachdem ich heute früh kurz vor sechs aufgewacht bin, anderthalb Stunde ohne Erfolg versucht habe wieder einzuschlafen, um dann um halb acht Semmel bei der Bäckerei zu holen, als sie gerade geöffnet hat, mir diverse Videos angeschaut habe, bis der Ehemann aufgestanden ist, und mit ihm gefrühstückt habe, habe ich mich auf der Couch hingelegt. Und diesmal konnte ich endlich schlafen. Es gab Träume. Ich habe mich lange nicht mehr an Träume erinnert, aber wenn ich morgens länger schlafe, merke ich sie mir. Heute waren sie wirr. Ich habe nur noch Brocken in Erinnerung. Vor allem diesen hier.

Ich sitze in der U-Bahn. Ich glaube, ich bin in Berlin. Auf der Schiene links neben uns spielen vier Kinder. Zwei Mädchen und zwei Jungen. Es ist gefährlich. Gerade als ich schaue, kommt eine Bahn in die entgegengesetzte Richtung an. Die zwei Jungs springen zum Gleis hoch. Die zwei Mädchen leider nicht. Sie haben nichts bemerkt. Der Zug fährt mit voller Geschwindigkeit gegen sie und kommt erst weiter zum Stehen. Die Schiene neben mir ist wieder frei. Der Ehemann setzt sich neben mir, er hat nichts mitgekommen. Kurz bevor wir fahren, schaue ich zu den Schienen hinter mir. Ich sehe einen kleinen blutigen abgetrennten Kopf liegen. Wir fahren los. Ich will dem Ehemann das Geschehene erzählen, aber ich denke, es würde ihn traumatisieren. Ich sage doch besser nichts. Später diskutiere ich mit anderen Leuten. Die Geschichte will mir nicht aus dem Kopf und ich versuche, ihnen den Unfall zu schildern. Beim Erzählen bleiben mir die Wörter in der Kehle stecken und ich fange an zu schluchzen.


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Endlich mal Urlaub

Seit über einem Jahr hatte ich keinen längeren Urlaub mehr gehabt. Weihnachten zählt nicht. Erholsam ist die Zeit nicht, in der Familie vom Ehemann. Und da ich nahtlos von einem Job zum Nächsten gewechselt bin, nach einer Wohnung suchen und ein halbes Jahr zwischen München und Berlin pendeln musste, war die Zeit recht anstrengend. Endlich, endlich habe ich jetzt Urlaub.

Wir wollten mit dem Ehemann gemeinsam Urlaub machen. Da er erst im August seine neue Stelle angefangen hat, dachte ich, es wäre für ihn erstmal ausgeschlossen. Eine Woche hat er doch bekommen. Ich bin vorgefahren, er kommt am Wochenende hierher. Anlaß ist der kommende Geburtstag vom Neffe. Seit dem letzten Jahr hatte ich meine Familie nicht mehr gesehen, und es war nur ganz schnell übers Wochenende.

Der Flug lief ohne Problem. Ich habe mit der Lufthansa auch nie Schwierigkeiten gehabt. Direkt von München nach Marseille. Normalerweise fliege ich lieber nach Nizza, da es näher zu meiner Mutter liegt, aber wir wollen das letzte Wochenende bei meiner Schwester verbringen, die nah an Marseille wohnt.

Marseille… habe ich nie wirklich gemocht. Die Stadt habe ich als dreckig und häßlich in Erinnerung. Was viele meiner Bekannten aus Deutschland eher überrascht. Wenn man aber mit dem Bus vom Flughafen bis zur Stadt reist, sieht man, wie erbärmlich die HLMs aussehen. Dort möchte ich auf keinen Fall wohnen. Vielleicht spielen in meinem Vorurteil auch all die Berichte aus meiner Jugend im Fernseher über die ganzen Gewalttaten eine Rolle, die dort stattfinden. Klar, der Hafen, der Strand, all die Orte, wo die Touristen hin gehen, sind in Ordnung. Sonst mag ich den Rest von Marseille gar nicht.

Was sich geändert hat, und wo ich zweieinhalb Stunden auf meinen Zug warten musste: Der Bahnhof Saint-Charles. Ich war zuletzt dort vor der Jahrtausendwende und habe in Erinnerung, wie man sich dort unsicher gefühlt hatte und Leute einen bis zum Geldautomat gestalkt hatten. Das ist vorbei. Vielleicht spielen alle bewaffneten Militären im Bahnhof eine Rolle, die dort mit in Richtung Boden gesenktem FAMAS ständig patrouillieren. In Frankreich herrscht immer noch Ausnahmezustand. Der Platz vor dem Bahnhof ist angenehmer, da der Autoverkehr reduziert wurde. Das Viertel soll sich geändert haben. Ich sehe immer noch häßliche Gebäude. Obwohl. Verglichen mit dem, was ich auf dem Weg vom Flughafen gesehen habe, wirken sie wie Paläste.

Ich habe die Zeit im Aufenthaltsraum vom Bahnhof verbracht und gelesen. Zweieinhalb Stunden. Als mein Zug endlich kam, ein TER (Regionalzug), habe ich einen Schock bekommen. Solche herunter gekommenen Züge! Damit musste ich fahren. An welchen Zustände sich die Anwohner in Marseille gewöhnen müssen! Bin ich froh, nicht mehr in Frankreich zu leben! Drin war der Zug wenigstens sauber und renoviert.

Ich weiß nicht, was am Sonntag los war, aber es war unglaublich, wie viele Reisende unterwegs waren. In Marseille, wo der Zug gestartet hat, wurde es schon voll. Drin waren sehr wenige Plätze für Koffer. Arg enge Flure. Ich konnte einen Platz finden, wo mein Koffer am wenigstens gestört hat. Danach sind immer mehr Leute eingestiegen, und wir haben an den Bahnhöfen ewig warten müssen, um weiter zu fahren. In Toulon gab es eine Durchsage im Zug: Wegen Außergewöhnlich hohes Reisendenaufkommens durften Leute, die nach Fréjus, Cannes oder Nizza wollten, ohne Aufpreis den TGV nutzen. Da mein Bahnhof nicht vom TGV bedient wurde, musste ich im TER bleiben. Beim (schwierigen) Aussteigen habe ich echt gestaunt. So viele Leute habe ich noch nie hier am Gleis gesehen. Normalerweise hält der Zug nur drei Minuten. Als ich nach einer Viertelstunde den Bahnhof verlassen habe, standen immer noch Leute am Gleis, die versuchten, sich da rein zu quetschen.

Gestern bin ich von einer Migräne gequält worden. Die erste Dosis Paracetamol hat nicht gewirkt. Das Nickerchen auf der Couch bei meiner Mutter auch nicht. Erst am Abend wurde es besser. Vermutlich eine Auswirkung vom Anreisetag.


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Eine schwere Heimfahrt

Darauf bin ich nicht stolz, aber mein Tagebuch ist auch nicht da, um die schlechten Sachen auszublenden.

Ich habe mich gestern Abend überraschenderweise mit Pawel in der Stadt verabredet. Es hätte nicht so überraschend sein dürfen. Bei unserem letzten Treffen in Berlin hatte er erwähnt, dass er in Kürze nach München kommen würde. Ich hatte es vergessen. Als seine Nachricht gestern nach der Mittagspause kam, habe ich natürlich meine Pläne verschoben[1] und mich mit ihm verabredet.

Wir haben uns in einem tollen Burger-Lokal getroffen. Ich dachte, wir könnten vielleicht dabei das England-Kroatien-Spiel gucken. Nicht, dass ich viel Wert drauf lege. Fußball interessiert mich nicht. Aber mit Kollegen kann man es sich antun. Gestern gab es tatsächlich einen Fernseher im Lokal, und von der Terrasse aus konnte man das Spiel sehen. Mit einem Detail: Es war doch nicht England-Kroatien, sondern Frankreich-Belgien. Sagte ich schon, dass Fußball nicht meine Stärke ist?

Wir haben Bier getrunken. Viel Bier. Pawel kann Unmengen trinken. Ich kenne nicht viele Polen persönlich, aber die, die ich kenne, trinken viel. Wie Pawel. Blöd war nur, dass ich selber nicht aufgepasst habe und munter mit bestellt habe. Im Nachhinein: Bläh, sage ich nur. Wie konnte ich so dumm sein? Ach ja. Der Sieg musste gefeiert werden. Klar. Fußball ist mir so was von egal. Eigentlich. Aber ein Bier geht doch noch. Frankreich hat gewonnen. Nochmal Bläh. Um Mitternacht haben wir als letzte Gäste das Lokal verlassen, weil der Barman schließen wollte.

An der U-Bahn-Station haben wir uns getrennt. Wir mussten in entgegengesetzten Richtungen fahren. Ich merkte schon, wie mein Mund anfing, sich ganz betäubt anzufühlen. Die Zunge vor allem. Nicht gut. Ich habe noch dem Ehemann um 00:15 am Stachus angeschrieben, dass ich besoffen auf dem Weg nach Hause war und eine halbe Stunde auf die S8 warten musste. „Nimm dir ein Taxi,“ schrieb er zurück. „Nee, schlechte Erfahrung,“[2] war meine Antwort.

Ab dann kann ich mich am Ablauf der Rückfahrt nicht mehr so gut erinnern. Stand ich wirklich in Pasing, bis die S8 angekommen ist? Das kann nicht sein. Es muss am Stachus gewesen sein. Oder habe ich eine Bahn bis Pasing genommen und bin dort ausgestiegen? Und warum habe ich Pawel über Whatsapp dieses Foto von einer U-Bahn-Station geschickt, das ich einige Tage zuvor aufgenommen hatte?

Jedenfalls erinnere ich mich daran, dass ich zuerst auf einer Bank gesessen habe, bis sich eine Person neben mir hingesessen hat und eine Zigarette anzünden wollte. Ich bin aufgestanden und habe weiter weg im Stehen auf die Bahn gewartet. Ich bin eingestiegen, als die S8 angekommen ist. Ich habe noch wahrgenommen, wie Leute in Neuaubing ausgestiegen sind und habe gedacht, „ein Nickerchen darf sein, aber vergiss nicht, in Neugilching auszusteigen“. Ha! Das nächste Mal, als ich die Augen öffnete, standen die Türe breit offen, und eine Person stieg aus, als eine Durchsage „Weßling“ ankündigte. Wie, Weßling? Ich bin ganz schnell ausgestiegen.

Weßling. Halb zwei. Immer noch betrunken. Kein Taxi in Sicht. Und vermutlich fährt um die Uhrzeit keine S-Bahn mehr in die andere Richtung[3]. Kann es schlimmer werden? Ich informiere den in Berlin längst schlafenden Ehemann über Whatsapp über mein Missgeschick, nachdem ich den Hinweis über den niedrigen Akku-Stand weg klicke. Nach dem Senden der Nachricht schaltet sich das Handy von alleine aus. Tschüß, Feierabend. Mein Akku war noch am Morgen voll geladen. Der hält keinen Tag mehr durch.

Ich stehe also um halb zwei am Bahnhof Weßling, voll betrunken, im Dunkel, mit niemandem herum und ohne Handy, um mich zu navigieren oder doch ein Taxi anzurufen.

Zu Fuß nach Hause, also. Wenigstens war ich schon mal in Weßling, den Weg dürfte ich in Erinnerung haben, auch wenn ich damals nicht zum Bahnhof gekommen war. Ich gehe in die Richtung, aus der die Bahn gekommen ist. Muss schon stimmen. Ich gehe und gehe und sehe keine Schilder. Als ich endlich hinter mir ein Auto höre, winke ich frenetisch. Der Fahrer hält an! Und sagt gleich in einem für mich nicht identifizierbaren ausländischem Akzent, er hat keine Zeit, er muss zur Arbeit. Ich will nur wissen, in welcher Richtung Gilching liegt. „Zurück!“, ruft er, und fährt weiter. Na gut. Ich gehe zurück und komme zu einem Kreisverkehr. Stand er vorher wirklich schon da? Ein Schild zeigt mir die Richtung nach Gilching. Es sind 4,2 oder 4,8 Kilometer, so genau weiß ich nicht mehr. Ich gehe auf dem Radweg. Zwei Autos fahren in die gleiche Richtung wie ich vorbei und bremsen nicht mal, als ich auffällig winke. Soviel zum Thema Hilfsbereitschaft in Bayern. Als ich am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt vorbei gehe, weiß ich wenigstens, dass ich mich nicht verlaufen habe. Den Weg erkenne ich wieder.

Um 02:15 bin ich zu Hause. Ich falle ins Bett, nachdem ich mir die Zähne geputzt habe und dem Ehemann eine beruhigendere Nachricht schicken konnte. Der hat eh die ganze Aufregung durchgeschlafen.

Es hätte schlimmer sein können. Ich hätte in Herrsching aufwachen können.

[1] Heute hat unser Umzug aus Berlin statt gefunden, nachdem die Jungs schon zwei Tage lang unsere Sachen aus der alten Wohnung gepackt haben. Ich wollte gestern Abend im Voraus einige Sachen vorbereiten. War im Nachhinein betrachtet doch nicht wichtig. Der Umzug ist übrigens noch nicht fertig, morgen geht es weiter.

[2] Stimmt. Darüber habe ich noch nicht geschrieben.

[3] Geprüft. Tatsächlich wäre die nächste S8 nach Hause um 04:57 angekommen.


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Zum letzten Mal nach Berlin pendeln

Wir sitzen seit schon fast drei Stunden in dem Zug. Aktuell haben wir etwas wie zwanzig Minuten Verspätung. Es ist uns in unserem exklusiven Abteil in ersten Klasse egal. Exklusiv, weil außer uns keiner einen Sitzplatz in dem Abteil reserviert hat. Die Verbindung hatten wir gebucht, weil sie ziemlich günstig war, auch wenn ich dafür den halben Tag frei nehmen musste[1]. „Wir“, weil der Ehemann mitreist. Wir haben morgen eine Abschiedsfeier in unserer Berliner Wohnung geplant, bevor der Umzug nächste Woche statt findet.

Der Grund für die Verspätung ist „eine technische Störung am Zug“. Das könnte erklären, warum wir nahe Nürnberg so sehr geschüttelt wurden. Es muss irgendeine Resonanz gegeben haben, die den ganzen Wagen extrem zum Ratteln gebracht hat.

Wir fahren auch nicht die schnellste Strecke nach Berlin. Fünf Stunden (oder zwanzig Minuten mehr, mit der Verspätung) sind aber immer noch ein Luxus, verglichen mit November, als man noch fast sieben Stunden für die Fahrt brauchte. Oh, wir bleiben wieder mitten im Nichts stehen. Bei Truckenthal, sagt mein Navi. Gerade hat es fürchterlich gestunken, als ob etwas brennen würde. Und wir fahren weiter los.

Heute bin ich platt, und ich kann mich schwer für die Abschiedsfeier morgen begeistern. Schlafmangel. Aus irgendeinem Grund wache ich regelmäßig um halb sechs auf, selbst wenn es reichen würde, mit dem Wecker um sieben aufzustehen. Ich bin immer vorher wach. Vor Mitternacht kann ich aber schlecht einschlafen. Daher habe ich in letzter Zeit weniger Sport gemacht. Ich fühle mich nicht gut genug. Heute kommen leichte Kopfschmerze dazu. Ich habe die erste Stunde im Zug gedöst, bin aber trotz Cola wieder platt. Daran, dass ich überhaupt Cola trinke, erkennt man, wie schlecht es mir geht. Ich bin sonst mit Wasser sehr zufrieden. Der andauernd wechselnde Druck wegen den vielen Tunnels hilft jetzt auch nicht. Wenigstens ist der Brenngeruch vorbei.

Vielleicht bin ich allgemein müde. Seit Januar habe ich ununterbrochen gearbeitet und bin regelmäßig an Wochenenden zwischen München und Berlin gependelt. Außerdem geht jetzt die Arbeit in eine Richtung, die mir nicht wirklich gefällt. Unsere neue Leitung hat beschlossen, dass die Wissenschaftler mehr Management-Aufgaben bekommen sollen. Ich inklusiv. Ich bin plötzlich für Verträge verantwortlich, mit denen ich bis dahin nichts zu tun hatte, und über die ich kaum informiert wurde, und muss schauen, dass ich die richtigen Ansprechpersonen finde, um sicher zu stellen, dass die Projekte rechtzeitig laufen. Dafür habe ich nicht Physik studiert! Mit Physik hat meine Stelle jetzt auch nur wenig zu tun, aber meine Programmierfähigkeiten und letzten wissenschaftlichen Arbeiten waren der Grund für meine Einstellung! Das hat bis jetzt auch Spaß gemacht! Aber Management? Bläh. Deswegen war mir eine Karriere als Professorin oder Gruppenleiterin nie attraktiv. Als Wissenschaftler hat man scheinbar nur wenige Jahre, wo die Arbeit richtig spannend ist, egal ob an der Uni oder in der Industrie. Danach muss man sich mit Gremien, Berichten, Erklärungen für die Nichteinhaltung von Fristen und anderen langweiligen Tätigkeiten rumschlagen, ob man es will oder nicht. Hmf.

Noch über eine Stunde bis Berlin. Ich versuche wieder zu schlafen.

[1] Bin ich froh, jetzt nur halbe Tage frei nehmen zu können! In meiner früheren Arbeit in Berlin war das nicht möglich.


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So wie die Kuh pisst, regnet es

Wieder ein (fast) wörtlich übersetzter französischer Spruch. Wer schon mal eine Kuh sich entleeren gesehen hat, weiß, wovon ich rede. Wobei ich am Wochenende am Tierpark Hellabrunn war, und der Elefant ist noch beeindruckender. Ich vermute, man sagt nur nicht „il pleut comme éléphant qui pisse„, weil Elefanten in Frankreich nicht zum Alltag gehörten, als der Spruch im neunzigsten Jahrhundert erfunden wurde.

Das Bild gibt einen sehr abgemilderten Eindruck von der Sinflut, die wir heute Abend erlebt haben. Pünktlich zum Feierabend. Wie gestern. Heute hat es so viel geregnet, dass das Wasser in der Unterführung zur Bahn in Planegg nicht mehr zum Gulli abfliessen konnte und ein See sich gebildet hat. Mit meinen Timberland noch kein Problem, obwohl es recht knapp war, und ich bin froh, dass diese Schuhe so dicht sind. Sonst wäre ich vielleicht wie andere Mitreisenden barfuß gelaufen. Das Wasser war völlig schwarz und der ganze verschleppter Dreck schwamm drin.

Ich wollte nicht mal Bahn fahren, sondern zur Bushaltestelle auf der anderen Seite vom Bahnhof gehen. Nein. Als ich den See gesehen habe, war ich sehr geneigt, bei dessen Hälfte die Treppe hoch zu steigen und mit der S6 zu fahren. Bis Westkreuz, und dann in die S8. Laut Fahrplan wäre ich am Ende um die selbe Uhrzeit zu Hause angekommen. Aber als ich gesehen habe, dass die S6 zehn Minuten Verspätung hatte, habe ich mich für den Bus entschieden. Sonst hätte ich die S8 verpasst. Der Bus ist meistens zuverlässiger als die Bahn. Nur heute nicht. Wie gestern. Was aber doch nicht so schlimm war, weil die S8 mit ihrem zwanzigminütigen Takt auch sehr verspätet ankam. Bei Regen ist Chaos im ÖPNV. Wie bei Schnee. An der Haltestelle hatte ich Zeit, schön kuschelig unter dem Dach gegen die anderen Mitfahrenden. Dort ist das Foto entstanden.

Beinahe wäre ich in den falschen Bus eingestiegen. Richtige Linie, aber falsche Richtung. Der Fahrer war so nett um mir Bescheid zu sagen, weil er eigentlich viel zu sehr nach hinten angehalten hatte. Vermutlich um die Gehzeit der Aussteigenden zum Bahnhof unter dem Regen zu verringern. Es ist verwirrend, in München. Häufig stehen Busse der gleichen Linie direkt hinter einander, fahren aber in entgegengesetzten Richtungen. Wie die 130 am Bahnhof Laim. Vorne fährt sie zurück zum Harras, hinten geradeaus nach Pasing. Jedenfalls waren meine Hosenbeine danach völlig nass. Das waren sie schon vorher, aber nach dem kurzen Lauf vom Bus und zurück waren sie noch nasser. Der Regenschirm hilft da nicht mehr. Immerhin hatte ich noch trockene Füße.

Letzte Woche Donnerstag war ich schon bei Feierabend in die falsche Richtung mit dem Bus gefahren. Ich wollte eigentlich mit dem Bus zur S-Bahn Station fahren, wie heute. Aber als ich aus dem Gebäude raus kam, ging es mit dem Gewitter richtig los. Ich bin in den ersten Bus eingestiegen, der kam. Egal wohin. Wohin wurde Endstation, weil es immer noch stark regnete. Dort bin ich in die U-Bahn eingestiegen. Auf nach Marienplatz, dann nach Pasing, wo ich mir ein Burger gegönnt habe, bis der Regen aufgehört hat. Es war ein langer Weg nach Hause.

Am letzten Sonntag habe ich nichts vom Regen mitbekommen. Ich war den ganzen Tag mit dem Ehemann in München, und als er zum Flughafen gefahren ist, habe ich mich auf den Weg zum Sport gemacht. Es war sehr heiß. Ich weiß nicht, ob wir die dreißig Grad erreicht haben. Es war sicherlich nicht weit davon. Als ich am Ende aus der Bahn ausgestiegen war, um nach Hause zu gehen, war es noch heißer als in München und extrem schwül. Die Straßen waren nass. Es gab einen kleinen Stausee in der Unterführung vom Bahnhof. Der Gulli war überfordert. Der See war nicht so tief wie heute, mit meinen Ballerinas hatte ich kein Problem. Bin ich froh, dass ich sie heute nicht an hatte.

Jetzt hängt meine Hose immer noch auf der Wendeltreppe und trocknet langsam vor sich hin. Morgen will ich sie wieder tragen. Es soll noch Gewitter geben. Mir reicht’s mit dem Regen.


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Das Wochenende in nicht so vielen Bildern

Das Wochenende hat am Mittwochabend begonnen. Ich bin pünktlich aber nach Bier stinkend in Südkreuz angekommen, nachdem ein Mitreisender (ein alter Blonder im Anzug mit Hipster-Knoten-Frisur) am Nachbartisch seine Dose am Boden geschleudert hat – ohne erkennbaren Grund. Hosenbeine und Handtasche getränkt. Ich: Gekränkt (vor allem des Reimes wegen). Die Handtasche ist aus dickem Stoff, und der Inhalt blieb zum Glück verschont.

Am Donnerstag habe ich meine Klamotten gewaschen und die Handtasche per Hand gereinigt. Unglaublich, wie viel Farbstoff dabei rauskam. Bei der Sonne und der Hitze konnte die Tasche schnell auf dem Balkon trocknen. Zum Mittagessen war ich mit dem Ehemann verabredet, der keinen Feiertag hatte, und auf dem Rückweg habe ich diese Skulptur der stillenden Bärin von Hugo Lederer entdeckt. Sie liegt im Grüne versteckt vor dem Rathaus Zehlendorf. Am Gemüsestand vor der Bäckerei habe ich mit dem netten jungen Verkäufer geplaudert und grünen Spargel gekauft, daher gab es am Abend wieder mal den Salat mit grünem Spargel und Tomaten. Als Nachtisch habe ich uns den No-Bake-Cake-Erdbeere nachgemacht, ohne Holunder. Es ist toll, wenn man bei der Hitze den Backofen nicht benutzen muss. Wir hatten noch zwei Termine am späten Nachmittag zu Hause, von einem Umzugsunternehmen und von potentiellen Mietern.

Am Freitag war ich mit Winfried verabredet. Nach fünf Monaten wollte ich endlich den alten schweren Macbook zurück geben. Ich sollte Anfragen wegen Programm #1 bearbeiten, bis ein Nachfolger gefunden wird. Aber mal ehrlich: Nach zwei Monaten in dem neuen Job konnte ich abends nicht mehr die Zeit und Lust finden, um noch kostenlos zu arbeiten, und ein Nachfolger ist immer noch nicht in Sicht. Jetzt bin ich Mac-frei, und es ist gut so. Zur Mittagspause sind fast alle ehemaligen Kollegen mitgekommen. Obwohl ich vorgeschlagen hatte, zum Japaner zu gehen, da Pawel am liebsten dorthin geht. Ich hatte stillschweigend die Hoffnung, dabei Mr Keen los zu werden, weil er sonst immer Wert darauf legt, bei einem anderen Lokal zu essen, den ich nicht mag. Aber nein. Immerhin waren wir so viele am Tisch, dass Wechselwirkungen mit ihm sehr begrenzt waren.

Am Nachmittag habe ich Kate am Treptower Park getroffen. Man merkt, wie trocken es ist Berlin ist. Die Wiese ist ganz gelb. Als ich im Schatten stand und auf Kate wartete, ist mir der alte Herr mit weißen Haaren aufgefallen, der so nah am Weg nackt lag und offensichtlich bemerkt werden wollte. Er hat sich mehrmals umgeschaut und als ihm klar wurde, dass keiner ihn beachtet hat, hat er sich wieder angezogen und ist gegangen. Gegen fünf haben wir den Park verlassen. Ich wollte nach Hause, aber gerade dann fuhr die Ringbahn wegen irgendeiner Störung nicht und ich habe Kate bis Schöneweide begleitet, um von dort die S45 oder S46 zu kriegen. Beim Wegfahren hat ein heftiger Gewitter angefangen. Richtig mit Hagel und allem. Selbst mit geschlossener Tür ist Wasser in die Bahn geströmt. Zehn Minuten später in Schöneweide war es sonnig, als ob nichts gewesen wäre.

Am Freitagabend waren wir bei einer Geburtstagsfeier von einem Schulfreund vom Ehemann eingeladen. Der, der gerade fünfzig wurde. Über hundert Gäste. Viel zum Trinken, und ein Ehemann, der mir ständig neue Gläser gebracht hat. Um zwei Uhr morgens mit dem Taxi nach Hause. Übler Kater am Samstagvormittag. Den ganzen Tag habe ich gebraucht, um mich davon zu erholen. Geholfen hat ein Spaziergang am Dreipfuhlteich, mit putzigen Baby-Enten und Blässhühnern.

Heute war ruhig. Lange geschlafen, Schwiegervater besucht. Er hat sich sehr über die mitgebrachte Spargel-Quiche gefreut, die ich diesmal mit Tomaten ergänzt hatte. Um sechs Uhr abends war ich wieder in Südkreuz.

Der Zug nach München war pünktlich, aber wie immer in letzter Zeit wenn ich Bahn fahre stimmt etwas mit dem Bord-Restaurant nicht. Heute: Aus technischen Gründen ist das Angebot eingeschränkt. Wie am Mittwoch. Keine kalte Getränke, keine warme Küche. Ein Mitreisender ist aus dem Restaurant mit der Nachricht zurück gekommen, dass es schon fast nichts mehr gäbe. Heute trauen sich die Zugbegleiter nicht mal zu fragen, ob sie uns was bringen können, obwohl ich es in erster Klasse erwarten würde. Vor zwei Wochen war gar kein Angebot aus dem Restaurant vorhanden. Was ist los mit der Deutschen Bahn, dass sie es mit der Gastronomie derart vermasseln? Wozu noch erste Klasse buchen, wenn man nicht mal bedient wird? Ach ja, überfüllt sind die Züge immer noch, hier kann man wenigstens atmen. Obwohl es auch ab und zu nach Leberpastete stinkt. Schuld ist, sehr vermutlich, das nicht vorhandene Gastronomie-Angebot.


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