Belästigung

Ich befand mich am Gleis einer S-Bahn-Station. Ich war gerade aus einem Zug ausgestiegen. Außer zwei Männer, die da rum standen, war niemand zu sehen.

Ein der beiden Männer, in hellgrauer Joggingshose, kam zu mir. Ich sollte mit ihm vögeln, meinte er. Ich habe beschlossen, den Typ zu ignorienen. Keine Zeit für eine Anzeige wegen sexueller Belästigung bei der Polizei. Er hätte einen King-Size Penis, rief er hinterher, als ich an ihm vorbei ging, viele Männer hätten nur Size One, diese einmalige Chance würde sich nicht zweimal anbieten. Ist ja klar. Behaupten die doch alle von selbst.

Ich ging die Treppe hoch, zum Ausgangsbereich vom Bahnhof. Dort waren mehrere Menschen. Der Belästiger war mir hierher gefolgt und versuchte noch, mich zu überreden. Ich ging zu zwei Männern, die nur da rum standen, und sagte dem einen, „Dieser Mann belästigt mich“, und zeigte gleichzeiteig zum Belästiger. „What did you say?“ fragte der Mann. Stimmt, ich war in die USA gereist! „This man is harassing me,“ sagte ich. Er hat sich an den Belästiger gewandt, aber diesem schien es egal zu sein, er belästigte mich weiter.

Den Nachbarn von meinem Helfer fragte ich ebenfalls um Hilfe. „If you give me money, I can help you“, antwortete er. Ich sagte ihm kurz, dass ich es nicht so ehrenhaft fand, dass er nur gegen Geld helfen würde. Andererseits hatte ich ihn aktiv um Hilfe gebeten, ich könnte mich auch dafür bedanken. „OK, if you need money, I can give you money. Just help me,“ sagte ich ihm. Er ging zum ersten Helfer. Dem Belästiger wurde es zu viel. Er ergriff die Flucht. Mist, habe ich gedacht, somit könnten wir doch gar nicht bei der Polizei sagen, wer das überhaupt gewesen war. Andererseits hatte ich keine Zeit für die Polizei.

Der zweite Helfer wollte jetzt sein Geld haben. Klar, sagte ich, weiter auf English. Es gäbe nur ein kleines Problem, ich hätte keine Dollars dabei. Nur Euros. „What?“ „European currency,“ sagte ich. „Ah, ok“. Ich ging zu meiner Handtasche, die weiter weg neben einem Aufzug lag. Aus meinem Portemonnaie nahm ich 40 € raus. Es gab noch viel mehr Scheine drin, selbst ein 1000 € Schein, ich konnte es mir echt leisten und kam mir dreist vor, ihm nur 40 € zu geben. Aber er schien zufrieden zu sein.

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Ab nach München

Die Nacht war kurz. Wir haben den gestrigen Abend mit Freunden in einem Restaurant verbracht und sind noch früh nach Hause gefahren. Mit Taxi, weil Leute schon seit 18:00 am Böllern waren und ich es hasse, dabei draußen unterwegs zu sein. Ich musste sowieso meinen Koffer packen, weil wir uns Fahrkarten für einen frühen Zug nach München gebucht hatten. Um Mitternacht haben wir unter dem Glasdach vom Treppenhaus die viele Feuerwerke bewundert. Schön geschützt, warm und ohne Rauchbelästigung. Unglaublich, was da alles geknallt ist. Wie fühlen sich wohl Obdachlosen, wenn sie sehen, wieviel Geld die Leute einfach so verpulvern? Gegen 01:00 haben die Feuerwerke nachgelassen und wir haben uns ins Bett gepackt, aber einige Idioten meinten, hinter dem Haus noch dicke laute Böller bis fünf Uhr morgens anzünden zu müssen – es knallte wie Bomben. Da kann man geistig nicht mehr ganz dicht sein, wenn man so lange dran Spaß hat.

Um acht aufzustehen war also hart. Kurz geduscht, die letzten vergessenen Sachen noch eingepackt, und ab zum Bahnhof. Der Ehemann fährt mit, weil ich morgen früh, noch bevor ich den ersten Arbeitstag erlebe, einen neuen Termin für eine Wohnungsbesichtigung habe. Für die erste Wohnung, die ich am Donnerstag besucht habe, ist eine Absage gekommen. Es erleichtert mich doch, weil mir die Teilung der Räume nicht wirklich gefallen hatte. Wegen Zeitdruck hätte ich sie vermutlich angenommen, wenn die Entscheidung vom Vermieter positiv gefallen wäre, um es danach doch zu bereuen. Dem Ehemann hätte die Wohnung bestimmt nicht so gut gefallen. Am nächsten Sonntag habe ich einen anderen Besichtigungstermin. Es scheint entscheidend zu sein, so schnell wie möglich auf neue Anzeigen zu reagieren. Ich habe einen Suchagent am Laufen umd kriege Emails, wenn neue Wohnungen auf Immobilienscout angeboten werden. Die letzte zustande gekommenen Termine sind alle Wohnungen, bei denen ich sofort nach der automatischen Email eine Kontaktanfrage geschickt habe.

Ich habe mir jetzt für die nächsten zwei Wochen ein günstiges Hotelzimmer gebucht. Es kostet nicht mehr als eine Wohnung, und ich kriege Frühstück und Putzpersonal. In zwei Wochen sehe ich dann weiter, wo ich übernachte. Wenn ich die zweite Wohnung von Donnerstag bekomme, könnte ich direkt einziehen. Von der Lage her würde mir die Wohnung von morgen besser gefallen. Sie liegt in der Nähe vom Starnberger See, ist aber erst ab Februar frei. Wenigstens ist mir ein Stein vom Herzen gefallen: Die Frau von der Airbnb-Wohnung am Starnberger See hat am Ende die Buchung selber storniert, so dass mir keine Kosten entstanden sind.

Ich bin auf jeden Fall froh, dass wir uns eine BahnCard zugelegt habe, vor allem jetzt, wo die Strecke zwischen Berlin und München schneller geworden ist. BahnCard 25 für erste Klasse. Die hat sich schon mehr als gelohnt. Im Nachhinein hätten wir sogar die BahnCard 50 nehmen sollen. Ich konnte mehrmals günstig dank Sparpreis erste Klasse fahren, und da merkt man richtig den Unterschied: WLAN funktioniert einwandfrei! Das ist in zweiter Klasse meistens nur zum Verzweifeln. So kann ich meine Zeit sinnvoll nutzen und weiter nach Wohnungen suchen.

Die BVG hat wieder zugeschlagen

Einmal zu viel. Etwas muss sich ändern. Ich will nicht mehr so abhängig vom ÖPNV sein, wenn es zu solchen Verspätungen und Chaos kommt. Entweder muss ich eine neue Arbeitstelle in der Nähe von der Wohnung finden, oder wir ziehen um, oder ich steige zum Auto um, was nebenbei meine Fahrzeit zur Arbeit mehr als halbieren würde, ich habe mal wieder die Schnauze voll. Jeden Tag die 42 Kilometer hin und zurück mit dem Fahrrad zu fahren ist nicht realistisch, da ich eine minimale Wohlfühltemperatur brauche, um es zu benutzen, und ein paar Tage im Monat geht es auch wirklich nicht, wenn ich so stark verblute, und auch nicht, wenn ich ganz früh morgens einen Termin habe, da das Unfallrisiko in Berlin doch recht groß ist…

Zweimal diese Woche habe ich über anderthalb Stunden gebraucht, um nach Hause zu fahren. Mit dem Fahrrad bin ich schneller. Besonders hat es mich gestern geärgert. Die Hinfahrt lief problemlos, was, zugegeben, recht beindruckend war, ein Tag nach dem Kabeldiebstahl, der die Bahn lahm gelegt hat. Die Nachricht hatte ich zum Glück vorgestern vom Bett aus im Radio gehört, und ich hatte mir gar nicht die Mühe gegeben, zur S-Bahn zu gehen. Stattdessem war ich Bus gefahren, was fast genau so lange wie mit dem Fahrrad dauert. Wir hatten uns mit dem Ehemann nach dem Feierabend in einer Brauerei verabredet, deswegen ich das Fahrrad nicht benutzt hatte. Das war der Grund, warum ich diese Woche nur zweimal so lange nach Hause gebraucht habe. Das andere Mal war am Montag.

Am Montag wollte ich auch ursprünglich zum Fitnessstudio, ich war sogar mit der Sporttasche zur Arbeit gekommen. Und wollte deswegen abends mit Bahn statt mit Bus fahren, um früher anzukommen. Zuerst hatte mich die Anzeige für die Tram in die Irre geführt. Eine Viertelstunde Wartezeit? Da bin ich schneller zu Fuß, um zur S-Bahn zu kommen. Ich war drei Minuten später noch nicht an der nächsten Tram-Haltestelle, da überholte mich die Tram. Von wegen eine Viertelstunde. Es hätte mir aber nichts gebracht, weil ich die S45 doch noch erwischen konnte, die früher hätte fahren sollen. Es hätte mir eine Warnung sein sollen. Einsteigen konnte ich, wie auch alle anderen Fahrgäste, die nach mir gekommen sind. Wenigstens habe ich einen Sitzplatz bekommen können, danach wurde es überfüllt und stickig, und die Bahn fuhr erstmals nicht weg. Keine Ahnung warum, die Durchsagen vom Fahrer waren unverständlich. Nach einer Weile konnten wir doch starten, um zwei Stationen weiter zu erfahren, dass wir alle aussteigen sollen. Der Zug war defekt. Ich bin also doch zum Bus umgestiegen. Das hätte ich von vorne rein machen sollen. Ich bin am Ende so spät angekommen, dass ich keine Lust mehr hatte, zum Fitnessstudio zu gehen. Anderthalb Stunden Training, duschen, nach Hause gehen, ich wäre nicht vor neun angekommen, und wir müssen diese Woche recht früh aufstehen. Stattdessen konnte ich den Ehemann überzeugen, joggen zu gehen. Das haben wir nur eine halbe Stunde durchgezogen, danach musste er aufhören. Achillessehne.

Gestern früh schien laut BVG-App alles wie gewöhnt zu laufen, und ich habe tatsächlich „nur“ eine Stunde zur Arbeit gebraucht. Es war ungewohnt früh, ich bin um sieben angekommen. Der Ehemann muss die ganze Woche ab sechs die Arbeit anfangen. Der Glückliche braucht jetzt nur zehn Minuten zur Arbeit und ist ÖPNV-unabhängig geworden. Ich musste gestern im Labor arbeiten, und habe mir gedacht, je früher ich anfange, desto besser. Danach könnte ich früh nach Hause fahren und zum Fitnessstudio gehen, bevor es zu voll wird. So viel zur Theorie.

Kurz vor vier habe ich mich von meiner Arbeit gerissen, um endlich mal einen frühen Feierabend genießen zu können. Ich hätte problemlos weiter arbeiten können, da ich gerade dabei bin, Programm#1 für Qt5 kompatibel zu machen (alles wegen Mac-Nutzer, weil Qt4 seit Sierra nicht mehr auf Mac zu benutzen ist, wie ich am eigenen Arbeitsrechner feststellen musste). Bewusst habe ich mich gezwungen, die Arbeit liegen zu lassen, und bin gegangen. Mit dem Bus? Ach nee, ich mache nicht ausnahmsweise so früh Feierabend, um eine Viertelstunde länger nach Hause zu fahren… Spoiler: Ich wäre doch schneller angekommen. Wenn ich der BVG in Rechnung stellen würde, wieviele Überstunden auf Arbeit ich hätte machen können, statt auf einem Gleis zu verharren, könnte ich das ganze Jahr kostenfrei fahren.

Angefangen hat es, als ich die S46 gerade verpasst habe. Von der Tram ausgestiegen, die Treppe hoch gelaufen, und ich konnte sie von hinten weg fahren sehen. Also Umweg über Treptower Park. In der Ringbahn habe ich dann auf der BVG-App erfahren, dass die S1 wegfallen würde. Das war nur sichtbar, wenn man sich die Details der Strecke anzeigen ließ, weil die Verbindung trotzdem vorgeschlagen wurde. Gut, ich kann eine Station weiter fahren und die Buslinie M48 benutzen, die ja scheinbar pünktlich ist… Ist die Frau denn nicht lernfähig? Die M48 ist doch nie pünktlich, ich hätte wissen sollen, dass es zu schön war, um wahr zu sein! Und tatsächlich, obwohl BVG-App und Webseite nichts ahnen ließen, war auf der Anzeige an der Haltestelle keine M48 in den nächsten zwanzig Minuten zu sehen. Dafür lief die Nachricht, dass sie zur Zeit unregelmäßig fährt. Also noch eine Station mit der nächsten Ringbahn gefahren, und ab in die U9. An der Endstation war es aber genau so blöd, da ich wieder vor der Wahl stand, S1 oder M48. Beide noch stark verspätet. Verflucht. Um zwanzig vor sechs war ich zu Hause, und so sauer, dass ich nicht mehr zum Sport wollte. Lieber hätte ich jemanden verprügelt. Ob ich beim Boxkurs vom Fitnessstudio doch schnuppern sollte? Mit einem Bier habe ich mich auf der Terrasse hingesessen und auf den Ehemann gewartet, der einen unglaublich langen Tag auf Arbeit machen musste.

Ach, was soll, dann fahre ich heute halt Fahrrad… Nicht. Um elf im Bett, um halb drei wach. Aus einem Traum erwacht. Ich saß am Rechner und bekam plötzlich die Meldung, dass meine Dateien verschlüsselt wurden. Um sie zu entschlüsseln, müsste ich eine bestimmte Geldsumme überweisen. Die Meldung erschien sogar auf der Klobrille. Ich bin ins Bett gegangen und habe dem Ehemann gebeichtet, dass ich Opfer einer Ransomware geworden war. Dabei hatte ich den Rechner heruntergefahren, was man in solchen Fällen gar nicht machen soll. Mit einer bestimmten Tastenkombination war es doch möglich, zu seinen Dateien wieder Zugriff zu bekommen… Das Schnarchen vom Ehemann hat mich geweckt. Seitdem kann ich nicht mehr schlafen, ich fühle mich aber nicht gut, und mit nicht mal vier Stunden Schlaf will ich nicht so lange mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Ich glaube, ich bleibe heute wegen Migräne zu Hause.

Der verlorene Regenschirm

Meinen letzten Regenschirm habe ich vor vielen Jahren erworben. Vorher hatte ich immer ganz billige Regenschirme gekauft, die recht schnell zerbrachen, sobald es zum Regen ein bisschen Wind gab. Also ziemlich häufig, vor allem, wenn man in Aachen lebt. Nachdem der letzte billige Regenschirm nicht mal einen halben Tag gehalten hat, habe ich beschlossen, mehr zu investieren, und habe mir einen schicken Tachenregenschirm von Knirps geholt. Die von der Verkäuferin angepriesene Windstabilität hat mich überzeugt, sowie der Knopf, der nicht nur den Regenschirm öffnet, sondern den auch zusammen falten lässt. Es war damals ein Schock, vom üblichen 5€ Regenschirm zur 30€ Variante zu wechseln, hat sich aber definitiv gelohnt. So lange hatte ich noch nie einen Regenschirm behalten.

Das war vorher. Jetzt lebe ich nicht mehr alleine, und weil mein Regenschirm so schick aussieht, grau-schwarz mit Hahnentritt-Muster, ist er vom Ehemann recht häufig benutzt worden. Ich habe noch nie gesehen, dass jemand den selben Regenschirm dabei hatte. Bei Regenschirmen dürfte es wie bei Schneeflocken sein: Sie sind alle einzigartig 😀

Ich muss sagen, mit den Jahren ist der Regenschirm nicht mehr so gut geworden. Gegen Wind ist er immer noch recht stabil, aber er tropft jetzt ein bisschen, wenn er naß ist. Man hält ihn über den Kopf und kriegt trotzdem den einen oder anderen Tropf ab. Das sieht man auch daran, dass die Kiele leicht verrostet sind, und der Stoff durchnäßt aussieht an den Stellen, wo das Wasser nicht mehr abperlt. Nicht mehr ganz dicht, der Regenschirm. Trotzdem mochte ich ihn.

Groß war meine Enttäuschung, als der Ehemann mir vor zwei Monaten beichten musste, dass er meinen Regenschirm in der S-Bahn liegen lassen hatte. Er war gerade in Potsdam angekommen und hatte nach dem Aussteigen gemerkt, dass er den Regenschirm nicht dabei hatte. Er ist schnell zurück zum Wagen gerannt, hat aber nichts mehr gefunden. Vermutlich hatte jemand den Regenschirm sofort mitgenommen. Es regnete ja.

Ich komme wieder drauf, weil es momentan so häufig regnet. Wie heute Morgen. Ich bin mit meiner Regenjacke zur S-Bahn gegangen. Habe mich in der S1 hingesessen, zwischen zwei Männern. Ich musste kurz in meiner Tasche zwischen meinen Füßen etwas suchen, und mein Blick ist zufällig zum Regenschirm zwischen den Füßen von meinem Sitznachbarn gewandert — ein asiatisch aussehender gepflegter Mann mittleres Alters mit Anzug, der etwas auf seinem Tablet las. Und ich konnte es nicht fassen: Genau zwischen seinen Füßen lag mein Regenschirm! Ja, genau wie ich ihn in Erinnerung habe, mit seinem Hahnenschritt-Muster und seinen nicht mehr dicht aussehenden Flecken! Was kann man in einer solchen Situation sagen? Leider nichts… Ich hoffe, der neue Besitzer behandelt ihn gut.

In der S-Bahn

Ich bin wieder spät bei der Arbeit geblieben. Die Sporttasche hatte ich gestern zum Büro mitgenommen und war dann so spät am Arbeiten, dass ich das Training ausfallen lassen musste. Sowie heute. Die Sporttasche habe ich zurück nach Hause gebracht. Bis Samstag finde ich bei meinem Terminkalender keine Zeit mehr.

Es ist mir schon zu spät, um mit dem Bus zu fahren. Ich gehe zur S-Bahn. Es geht schneller. Um die Uhrzeit sind nicht mehr so viele Menschen unterwegs. Man kann gemütlich und ganz in Ruhe sitzen. In Schöneberg steige ich in die S1 um. Dort ist es voller. Ich gehe zum Ende von einem Wagen. Links ist ein Viererplatz, rechts auch. Rechts sind zwei Plätze frei, aber mit Taschen belegt. Links, in Fahrtrichtung, neben dem Fenster, ist nur ein Sitz frei, dafür ohne Tasche. Ich setze mich dort hin.

Vorher prüfe ich mit dem Rücken der Hand den Zustand vom Sessel. Das mache ich immer, seitdem ich einmal im Bus bei der ASEAG die unangenehme Erfahrung machen musste, dass mein Sessel nicht trocken war… Beim Hinsetzen mit der Jeans nicht gemerkt, beim Aufstehen die große Überraschung. Und die Oma hinter mir, die dann plötzlich sagte, ja, da hätte vorher ein kleines Kind Pipi gemacht. Hätte die blöde Kuh nicht vorher den Mund aufmachen können? Glück im Unglück, an dem Tag kam ich direkt vom Shoppen zurück. Die Haltestelle, wo ich umsteigen musste, lag einem Freund direkt vor der Tür, und dieser Freund befand sich sogar zu Hause, ich durfte bei ihm duschen und mich umziehen. Seitdem prüfe ich grundsätzlich meinen Sessel, bevor ich mich im ÖPNV hinsetze.

Heute also auch. Der Sessel ist in Ordnung, ich setze mich hin. Einige Stationen weiter steigt meine Sitznachbarin aus. Der Zug wird langsam leerer. Am Viererplatz auf der anderen Seite vom Gang sitzt nur noch ein junger Mann asiatischer Herkunft, der mit seinem Handy beschäftigt ist und Ohrhörer trägt. Mir gegenüber sitzen zwei gut geplegte Männer. „Vater und Sohn“, denke ich zuerst. Der am Fenster wirkt deutlich älter als der am Gang. Aber beide mit ähnlichen grauen Anzughosen und Sporttaschen, vielleicht doch Arbeitskollegen, die gemeinsam Feierabend beim Fitnessstudio machen? Oder zwei Liebhaber? Die Sporttaschen sind der gleichen Marke. Genau wie meine. Ach, ist auch egal. Ich lese die Nachrichten auf meinem Handy.

Am botanischen Garten, oder eine Station weiter, steigt der junge Mann vom anderen Viererplatz aus. Der Zug fährt weiter. Ich starre etwa geistesabwesend, wo der Mann vorher gesessen hat. Und kann auf einmal nicht glauben, was meine Augen sehen. Auf dem Platz, direkt rechts davon, wo der junge Mann gesessen hat, neben dem Fenster, steht ein sehr dünner, hellgrauer Gegenstand senkrecht auf dem Sessel. Kaum zu sehen. Ich denke an eine Stricknadel. Ich stehe auf und schaue es mir genauer an. Keine Stricknadel, aber ziemlich dick und vor allem spitz. Die Nadel, die man leicht übersehen könnte, vor allem von oben aus, ist wenigstens zwanzig Zentimeter lang und wirkt sehr robust. Robust genug, um jemanden ernsthaft zu verletzen, der sich aufs Versehen drauf hinsetzen würde. Sie steckt in einem kleinen runden Loch im Stoff vom Sessel, genau im Zentrum der Sitzfläche. Das Loch scheint durch Feuer verursacht gewesen zu sein, der Farbe vom Rand nach zu beurteilen.

Wie kann es sein, dass der junge Mann daneben gesessen hat, seine Tasche auf dem Sessel neben ihm gelegt hat, und dabei die Nadel nicht gemerkt hat? Oder sie gemerkt hat, aber nicht auf die Idee gekommen ist, sie weg zu nehmen? Oder hat er sie selber da rein gesteckt? Welcher kranker Geist macht denn so was? Ich ziehe die Nadel raus, die tief im Sessel fest stand, und lege sie zur Seite. Die zwei Männer aus meinem Viererplatz beobachten mich dabei und wirken auf einmal gestört. Wahrscheinlich stellen sie sich vor, wie es ihnen gegangen wäre, hätten sie sich auf die Nadel fallen lassen. Das habe ich mir auch vorgestellt. Wie gut dass ich, häufig zur Belustigung meiner Mitreisenden, meinen Sitzplatz so gründlich prüfe.

Und das ist also die Botschaft des Tages. Setzt euch bitte niemals irgendwo hin, ohne vorher euren Sessel geprüft zu haben. Bitte.

Telekom Hotspot im ICE — Die volle Verarschung

Ich bin wieder mal richtig geärgert. Dazu braucht es nur, mit der Bahn zu fahren. Letzte Woche war schon kein Spaß.

Ich hätte eigentlich zur Tagung fliegen können. Die Bahnstrecke kostet mir zeitlich einen ganzen Arbeitstag. Es war günstiger, was die Finanzabteilung von meinem Arbeitgeber vor allem interessiert, aber das Fliegen wäre schneller gewesen und hätte vielleicht eine Übernachtung überflüssig machen können. Ich habe gedacht, die lange Reisezeit könnte dadurch kompensiert werden, dass ich im Zug am Tisch mit dem Laptop arbeiten kann und das HotSpot-Angebot der Telekom benutzen könnte.

Während es letzte Woche, bei meiner allerersten Benutzung von einem Telekom-HotSpot, halbwegs ging, war die aufgebrachte Leistung bei der Rückfahrt heute absolut katastrophal. Beim Losfahren habe ich einen Tagespass für 5€ erworben. Wie letzte Woche. Es ging gerade eine Stunde lang, danach wurde die Internetverbindung ständig abgebrochen und war nicht mehr zu benutzen.

Ich habe die Kontrolleure darauf aufmerksam gemacht, dass der WLAN nicht mehr ging. Am Anfang haben sie versucht, ihre Router oder was auch immer neu zu starten. Danach meinte ein Kontrolleur, im Ruhebereich wäre der WLAN Signal nicht verstärkt, was zu Probleme führen würde. WLAN sollte man in anderen Wagen benutzen. Prompt war mein gegenüber sitzender Nachbar (der auch trotz offenen Sandalen stinkende Füße mitgebracht hatte) dabei, mit einem süffisanten Lächeln, dem Kontrolleur nach zu plappern und mir zu sagen, „Sie hätten bei der Reservierung besser aufpassen sollen“. Pure Schadensfreude (oder 100% Boche, wie mir immer in solchen Momenten durch den Kopf geht). Der Ehemann hat sich für mich von zu Hause aus schlau gemacht, das mit dem Ruhebereich stimmt gar nicht. Auf der Webseite der Bahn steht, dass WLAN überall zur Verfügung steht. Außerdem saß ich letzte Woche schon dort und hatte fast kein Problem — also, verglichen mit heute hatte ich doch kaum Gründe, mich zu beschweren.

Am Anfang war der Zug so voll, dass ich an meinem reservierten Platz im Ruhebereich bleiben musste. Danach habe ich einen freien Tischplatz außerhalb vom Ruhebereich gefunden. WLAN ging. Wenigstens konnte ich arbeiten, dachte ich. Ich habe einige Emails bearbeitet. Dafür musste ich die Sitzplatzreservierung aufgeben. Aber eine Stunde später ging das Internet wieder nicht mehr. Entgültig. Die darauf angesprochene Kontrolleurin war schon genervt und hat jede Schuld oder Verantwortung von der Bahn erstmals grundsätzlich zurück gewiesen. Die Telekom ist schuld. Die Telekom kann nicht wissen, dass wir eine andere Strecke als ursprünglich geplant fahren und kann dadurch ihre Leistung nicht bringen. Das war letzte Woche doch kein Problem, obwohl wir auch eine abweichende Strecke gefahren sind. Die Startseite vom ICE-Portal selbst sagt dabei die ganze Zeit: „Leider ist das ICE Portal im Augenblick nicht erreichbar. Wir bitten Sie um etwas Geduld.“ Wenn das schon mal nicht geht, geht gar nichts. Nach über sieben Stunden Fahrt ist meine Geduld definitiv aufgebrochen.

Ich werde mich bei beiden Gesellschaften schriftlich beschweren. Ich glaube nicht, dass ich eine Antwort bekommen werde. Sollte ich mich doch irren, teile ich die dadurch entstandene Erheiterung hier mit.

Dazu kommt noch, dass wir schon wieder fast aber nicht ganz eine Stunde Verspätung haben. Wie letzte Woche. Verständnis dafür kann ich nicht mehr aufbringen. Man muss wenigstens zugeben, die Deutsche Bahn kann eines richtig gut: Die Verspätungen konsistent so knapp unterhalb einer Stunde halten, dass man keinen Anspruch auf Entschädigung hat.

Einige Stunden später…

Ich sitze noch im Zug. Gestartet sind wir heute Morgen mit einer Viertelstunde Verspätung. Grund dafür war eine technische Störung am Zug, oder Ähnliches. Einige Bahnhöfe später wurde sie zu einer halben Stunde. Es gab einen Polizeieinsatz, weil ein Fahrgast andere Passagiere belästigt hatte. Dann hieß es plötzlich, wir wären eine andere Strecke als geplant gefahren und hätten die Verspätung einigermaßen aufgeholt. Nur noch zehn Minuten Verspätung! Ein Zugbegleiter erzählte uns in einer fröhlichen Durchsage, dass wir sogar einen anderen Zug überholt hatten, den die Fahrgäste sonst verpasst hätten. Um direkt danach zu sagen, „es macht keinen Sinn, der ist sowieso überfüllt, man kommt nicht mehr rein“. Es hat mich an meinen Rückflug aus Israel erinnert, als eine Stewardess eine lange Durchsage gehalten hatte, für die, die gerade noch Hunger hatten, und vielleicht ein Sandwich möchten, leider leider gäbe es nichts mehr, alles wäre schon aufgegessen worden. Ich habe lachen müssen. Eine Station später mussten wir aus irgendeinem Grund lange am Gleis bleiben. Ich habe es nicht ganz mitgekriegt, ich hatte meine Kopfhörer an. Jetzt beträgt die Verspätung siebenundfünfzig Minuten[1]. Nachdem wir nach einem ziemlich brutalen Bremsen mitten im Nichts stehen geblieben sind. Bin ich froh, mir wenigstens eine direkte Verbindung ohne Umsteigen ausgesucht zu haben.

Seit Berlin sitze ich an einem Tisch. Am Nachbartisch saß ein nicht mehr so junger Mann, der ebenfalls mit seinem Laptop beschäftigt war. Er sah gar nicht schlecht aus, wobei ich es mir nur am Rande notiert hatte. Wir haben einige Banalitäten getauscht, aus Höfflichkeit, das war’s. Ich hatte mich zwecks Privatsphäre am freien Sitzplatz am Fenster verschoben und schief dort gesessen, um den Bildschirm von neugierigen Blicken zu schützen. Ich mag es nicht, wenn Fremde zuschauen, was ich gerade am Rechner mache. Der Typ am Nachbartisch ist nach drei Stunden ausgestiegen, nachdem er sich verabschiedet hat. „Untypisch, diese Freundlichkeit“, habe ich noch gedacht. Und ihn aus meinen Gedanken gelöscht.

Ich habe mich kurz danach auf Facebook eingeloggt, um meine Mami zu informieren, dass ich unterwegs war. Groß war meine Überraschung, als ich dort eine Freundschaftseinladung gesehen habe. Facebook nutze ich erstmals sehr selten und zweitens nur für enge Freunde und die Familie, die weit weg von mir wohnt. Nicht mal meine Kollegen lasse ich ran, und mein Profil ist so eingeschränkt wie es geht. Nicht suchbar, außer von Freunden. Dem Profilfoto nach zu beurteilen, stammte die Freundschafteinladung vom Typ vorhin im Zug. Äußerst unangenehm. Namentlich vorgestellt hatte ich mich nicht, und ich hätte erwartet, dass man wenigstens um die Erlaubnis bittet, wenn man schon die ganze Zeit zusammen reist. Und überhaupt, wie war er an mein Profil gekommen? Ah ja… Meine Laptop-Tasche lag die ganze Zeit auf dem Sitzplatz neben mir, den ich am Gang reserviert hatte, weil der Zug angeblich voll war[2]. Ich habe schon so lange eine Visitenkarte in der dafür vorgesehenen Hülle der Tasche, dass ich gar nicht mehr daran denke. Die Tasche lag mit der Visitenkarte sichtbar. Und Facebook hat ja die Profiladresse so eingestellt, dass man mit vorname.nachname leicht zu finden ist. Daher hatte ich meine Adresse als vorname.nachname.nummer geändert. Echte Freunde sollten mich doch noch finden können. Tja. Hätte ich wenigstens meine Visitenkarten mit meinem Ehenamen aktualisieren lassen…

[1] Mehr als eine Stunde wird es nie. Sonst müssen sie deutlich mehr Geld zurück erstatten.

[2] Pustekuchen. So leer habe ich einen Zug selten erlebt. Schön. Es ist auch angenehm kühl hier drin. Die Internetverbindung vom HotSpot der Telekom ist leider nicht so stabil, wie man es sich für 5€ wünschen würde.

Unterwegs

Ich bin für eine Woche auf Dienstreise. Es war schon lange geplant, obwohl ich nicht besonders Lust darauf hatte. Es war mal im Gespräch, dass Pawel und ich an dieser Konferenz teilnehmen. Am Ende bin ich die Einzige in der Gruppe, die hinfährt. Und diesmal halte ich nicht mal einen Vortrag. Nur ein Poster wurde angenommen. Ich bin enttäuscht. Es ist weniger Arbeitsaufwand, aber man verbreitet seine Ergebnisse nicht so effektiv. Vorträge sehe ich auch als Werbung für mich, wenn ich mich wegbewerben will. Ich nehme an, ich habe schon zu häufig über meine Arbeit bei Konferenzen geredet. Jetzt sind andere dran. Bei tausend Teilnehmern ist es klar, dass nicht jeder einen Vortrag bekommt. Kate hätte sich gefreut. Sie hasst es, Vorträge halten zu müssen.

Mein Mangel an Begeisterung für diese Konferenz hat dazu geführt, dass ich mich ziemlich spät um die Organisation meiner Reise gekümmert habe. Zug und Hotel erst am Montag gebucht. Ich hatte Glück und konnte noch ein preiswertes Hotel finden. Na ja, ziemlich teuer eigentlich, aber für das Land ist es preiswert. Die Finanzabteilung hat es genehmigt. Mit den Bahnkarten war es nicht optimal. Vor einigen Monaten hätte ich Fahrkarten für 25€ bekommen können. Jetzt nicht mehr, es ist trotzdem immer noch billiger als fliegen, also habe ich gebucht. Es dauert länger, ist aber umweltfreundlicher. Das hört man mindestens immer wieder. Der Zug ist direkt und der Bahnhof nah am Hotel. Direkt ist gut. Ich habe schlechte Erfahrungen mit Verspätungen mit der Bahn gemacht. Ein oder zweimal im Jahr kann ich ja Bahn fahren. Die Sitzplatzreservierung habe ich nur gestern am sehr späten Abend gemacht. Fast hätte ich es vergessen. Sitzplätze am Tisch und am Fenster gab es nicht mehr. Ich habe einen am Tisch am Gang ergattert. Hauptsache am Tisch.

Heute Morgen hat mich der Ehemann zum Bahnhof begleitet. Ich musste nur zum Bahnhof Südkreuz, also nicht weit von zuhause. Wir sind trotzdem sehr früh angekommen. Ich will immer eine halbe Stunde vor Abreise am Bahnhof sein, wenn ich weit weg muss. Das war gut so. Als der Zug angekündigt wurde, hieß es, er wäre gestrichen. Das hat mich schon ganz schön genervt. Bei der Sitzplatzreservierung heute Nacht kurz vor eins war noch keine Rede davon. Wir sind zur Information der Bahn gegangen, und der Mann am Schalter sagte, wir sollten mit einem RE Zug, der zehn Minuten vor dem ursprünglich geplanten ICE fuhr, zum Hauptbahnhof und dort in den ICE einsteigen. Er würde auf den RE warten. Also los. Den Hauptbahnhof mag ich nicht. Er ist mir zu groß. Wir mussten heute von der tiefsten Ebene zu den Gleisen ganz nach oben gehen. Dort haben wir erfahren, dass der Zug eine Viertelstunde Verspätung hatte. So war es also. Der ICE hatte schon vor dem Start eine so lange Verspätung, dass der Halt in Südkreuz gestrichen wurde.

Als der Zug angezeigt wurde, war die erste Klasse bei den Abschnitten E-F angekündigt. Mein Wagen sollte im Abschnitt B sein. Wir haben dort gewartet. Es war angenehm, es waren nur sehr wenige Leute dort. Wahrscheinlich alle blauäugig wie ich, die den Durchsagen der Bahn blind vertrauen. Es kam genau andersrum. Die erste Klasse bei A-B, mein Wagen auf der ganz anderen Seite. Chaos auf dem Gleis, als die Reisenden quer durcheinander versuchten, zu ihren Wagen zu gelangen. Wir sind nur so lange gelaufen, bis die Menschendichte deutlich geringer wurde. Ich bin mitten im Zug eingestiegen. Sonst hätte es passieren können, dass ich bis zu meinem Wagen gegangen wäre, um den Zug ohne mich weg fahren zu sehen. Drin war es natürlich chaotisch. Stau in den engen Fluren. Ich habe den Ehemann noch neben dem Zug gesehen, als wir los gefahren sind. Ich hätte den Zug verpasst, wenn ich versucht hätte, am Gleis zu meinem Wagen zu kommen. Zehn Minuten nach Abfahrt bin ich zu meinem Sitzplatz angekommen. Der Wagen war fast leer. Alle Tische frei. Meine Reservierung war oberhalb von meinem Platz nicht vermerkt. Bei allen Sitzplätzen sind eigentlich bis kurz vom Ziel keine Reservierungen vermerkt. Vermutlich auch eine Panne.

Unangenehmer Tag

Angefangen hat er gut. Ich habe die Nacht durchgeschlafen, auch wenn ich vor dem Wecker um halb sieben aufgewacht bin. Die Waage hat mich bis jetzt noch nicht enttäuscht und zeigt immer kleiner werdende Zahlen.

Ich habe zum Frühstück den Chiasamen-Pudding gegessen. Nicht mein Ding. Eine feste Gelee-Konsistenz hatte es doch nicht. Die Samen waren gestern einfach so geschwollen, dass sie eine kompakte Masse gebildet haben. Es war glibberig und hat mir nicht geschmeckt. Ich höre hier mit solchen Experimenten auf. Die mit Haselnussmilch über Nacht eingeweichten Haferflocken gefallen mir sehr gut, noch besser als mit Mandelmilch, ich bleibe dabei. Heute Mittag habe ich mit den Kollegen gegessen. Es gab Zanderfilet mit Kartoffeln und Möhren. Super gesund, dachte ich. Leider war alles in Öl ertränkt.

Ich war heute Morgen mit der Idee aufgestanden, nach der Arbeit zu joggen. Ich war die ganze Woche nicht sportlich. Gut, am Dienstag bin ich Fahrrad gefahren. Es war aber keine so lange Strecke wie zwischen Arbeit und zuhause. Am Montag und gestern kam es nicht in Frage, weil ich es wegen Schlafmangel für zu gefährlich gehalten habe.

Um besser zu joggen, wollte ich mir eine Pulsuhr besorgen. Daher habe ich um halb fünf die Arbeit verlassen. Es gibt ein Einkaufzentrum auf der S-Bahn-Strecke, das ein Sportladen hat. Es hat leider nicht geklappt. Als ich an der S-Bahn-Station angekommen bin, hieß es, aufgrund eines Feuerwehreinsatzes zwei Stationen weiter wäre der Zugverkehr unregelmäßig. Er war so unregelmäßig, dass gar kein Zug fuhr, wie wir wenig Zeit später erfahren haben.

Ich habe also beschlossen, mit dem Bus zu fahren. Wie viele andere. An den Kreuzungen kamen mir alle Ampelphasen extrem langsam vor. Den Bus habe ich verpasst. Der nächste kam zehn Minuten später. Voll. Ich bin bis zur U-Bahn gefahren. Dort war auch der Zugverkehr unregelmäßig. Wir haben ewig am Gleis gewartet. Aber wie es so schön auf der Seite der BVG hieß: „Derzeit fließt der Verkehr der BVG weitgehend ohne Störungen“. Als ich danach umgestiegen bin, war mein nächste Bus in zehn Minuten angekündigt. Es wurden fünfzehn Minuten. Weiter hinter mir haben zwei Typen angefangen, sich zu prügeln. Warum, keine Ahnung. Ich habe Schreie gehört und mich umgedreht. Ein Typ war am Boden, ein anderer über ihn gebeugt und hat ihn heftig getreten. Leute sind zum Glück schnell gekommen, um sie zu trennen.

Als mein Bus kam, waren zwei Busse der Linie hintereinander. Der erste war klein und voll, der zweite war ein Doppeldecker. Alle Leute sind zum ersten Bus gegangen. Ich bin in den zweiten eingestiegen. Die Fahrt war anstrengend. Irgendwann hat ein Baby unten minutenlang lauthals gebrüllt. Dann wurde es still. Ich nehme an, die Mutter hatte ihm etwas zu essen gegeben. Und was ich kurz danach gehört habe, hat mich völlig entsetzt: Der Busfahrer musste eine Durchsage machen, weil essen im Bus verboten ist. Es ist doch etwas ganz anderes, ob ein Baby die Flasche bekommt oder jemand ein Döner im Bus verspeist.

Als ich ausgestiegen bin, war es schon halb sieben. Ich habe zwei Stunden zwischen Feierabend und zu Hause gebraucht. Hätte ich doch das Fahrrad mitgenommen, statt joggen zu wollen… Andererseits waren auf der ganzen Fahrt unglaublich viele Feuerwehr- und Krankenwagen unterwegs. Wegen der Halbfinale? Es war vielleicht kein guter Tag, um Fahrrad zu fahren.

Ach, übrigens, ich freue mich, dass ich heute Nacht in Ruhe schlafen werde, ohne von Böllern und hupenden Autos gestört zu werden. Yeah!

Mit der Bahn durch Berlin unterwegs…

Ich bin mit der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Heute ohne Fahrrad, weil es bei der Arbeit spät wird. Eigentlich hätte ich den Hinweg radeln können. Hätte ich machen sollen. Nur die Aussicht auf Regen hat mich davon abgehalten. Ein Fehler. Ich hätte mir Ärger gespart und wäre noch schneller angekommen.

Heute herrscht wieder mal Bahn-Chaos. Der Gleis bei mir war unglaublich voll mit Menschen gepackt, der Zug vorher muss ausgefallen sein. Beim Umsteigen in Schöneberg ist auch eine Ringbahn ausgefallen, die nächste kam zehn Minuten später. Beim nächsten Umsteigen habe ich nochmal zehn Minuten warten müssen. Und andauernd hört man die Durchsagen wegen Zugausfällen und Verspätungen.

In der S1 war es besonders schlimm. Weil so viele Leute auf die Bahn gewartet haben, war der Zug voll. Einen Sitzplatz im Fahrradabteil konnte ich ergattern. Fünf Fahrräder waren schon drin. Gegenüber von mir saß eine ältere Dame mit ihrem Fahrrad. Direkt nach einer Haltestelle hat ihr Sitznachbar sie plötzlich angebrüllt, dass sie ihn aussteigen lassen soll. Um die fünfzig Jahre alt, graue Haare, buschiger Bart, olivgrüne Jacke ohne Ärmel und voll tätowiert. Sie hat sich verbal gut und ruhig gewehrt. Als der Mann aufgestanden ist, um noch einige Minuten bis zur nächsten Haltestelle vor der Tür zu stehen, ist sein Gestank bei meiner Nase angekommen. Volle Pulle Alkohol. Die Fahrradfahrerin hat ein Fenster geöffnet. Als nächste ist eine junge Frau eingestiegen, und musste gleich die  Dame schimpfen, weil die Fahrräder vor leeren Sitzplätzen standen. Höfflich fragen, ob man durchkommen darf, liegt wohl längst nicht mehr im Trend. Wozu gute Erziehung, wenn es agressiv auch geht?