Handwerker zu Hause

Es ist so weit, die Renovierung vom großen Badezimmer hat angefangen. Den Auftrag hatten wir schon Ende April erteilt, aber die Handwerker konnten erst ab dieser Woche bei uns arbeiten.

Da wir beide arbeiten müssen, blieb uns keine andere Wahl als die Handwerker den ganzen Tag alleine zu Hause zu lassen. Die ganze Renovierung soll zehn Tage dauern, das ist alles, was ich an Urlaubstagen für dieses Jahr noch übrig habe, und davon brauche ich noch etwas, um eventuell zu Vorstellungsgesprächen zu gehen oder für andere Gelegenheiten. Ich verlasse mich auf den Ehemann, der meint, man kann denen schon vertrauen. Ich habe die Handwerker selber noch nicht mal zu Gesicht bekommen, da ich momentan beschlossen habe, morgens ganz früh zur Arbeit zu fahren, um am späten Nachmittag  früher zum Sport zu gehen, oder um die letzten schönen Sommertage zu genießen.

Als wir gestern Abend nach Hause kamen, nach dem ersten Arbeitstag der Handwerker, war der Anblick im Badezimmer recht beeindruckend. Es war schon alles weg, die häßlichen Fliesen, die uns von vorne rein gestört haben, die Badewanne, das Klo, der viel zu große Waschbecken… Alles anderes in der Wohnung wurde mit einer dünnen Kunststofffolie als Schutz gegen Staub bedeckt. Selbst der Rahmen der Tür zu meinem Arbeitszimmer, direkt neben dem Badezimmer. Klasse, habe ich mir gedacht. Als ich jedoch rein kam, um an meinem Rechner zu sitzen, begrüßte mich der Duft von billiger deutscher Salami, den ich völlig verabscheue. Der Ehemann merkte aber nichts besonderes, und ich habe mir eingeredet, dass der Gestank imaginär war. Einmal kräftig durchlüften, und vorbei war’s. Komisch aber auch, dass mein Sessel unter dem Schreibtisch so verklemmt war, als ich mich hinsetzen wollte, ich musste ihn mit Kraft heraus ziehen. So weit stecke ich meinen Sessel nie unter dem Tisch. Vielleicht war’s der Ehemann, da er später als ich die Wohnung verlassen hatte, nachdem die Handwerker mit der Arbeit angefangen hatten? Er konnte sich nicht mehr daran erinnern. Über den Zustand vom Klo im Gästebadezimmer habe ich mich leider nicht gefreut. Vertrocknete Urintropfen und Haare am Rand der Klobrille, obwohl ich den Ehemann gebeten hatte, die Handwerker explizit zu fragen, sich äußerst sauber zu verhalten. Ich hatte schon eklige Erfahrungen mit Handwerkern gemacht, als ich alleine wohnte. Zum Beispiel gab es die frisch gewaschenen weißen Bettwäschen, die auf dem Ständer in einer Ecke trockneten, und die ich an einem Abend nach einem Besuch von Handwerkern mit dicken schwarzen Daumflecken gefunden hatte…

Heute Abend war der Fortschritt im Badezimmer nicht wirklich zu erkennen. Irgendwas müssen sie gemacht haben, weil es im Treppenhaus noch dreckiger war. Beim Öffnen meiner wieder zugeklebten Tür kroch mir diesmal der Geruch von Käse in die Nase. Selbst dem Ehemann wurde es bewusst. Und mein Sessel war wieder völlig unter meinem Schreibtisch verklemmt. Ich fasse es nicht, aber anders kann ich es mir nicht erklären: Diese Schurken erlauben sich, in unserer Abwesenheit sich an meinem Schreibtisch auf meinem Sessel vor meinem Rechner hinzusetzen, um ihre Mittagspause da zu verbringen! Dabei haben wir eine richtig große Küche und einen Balkon, beide mit einem großen Tisch und genug Stühlen, was haben sie in meinem Arbeitszimmer zu suchen? Wenigstens funktioniert Windows immer noch nicht, ich habe mich nicht weiter darum gekümmert, und um Ubuntu zu starten, muss man zuerst durch Drücken einer Taste zur anderen Boot-Festplatte wechseln, das macht man nicht, wenn man nicht Bescheid weiß. Wenigstens war das Klo heute sauber.

Morgen werden wir alle Zimmer, die die Handwerker für ihre Arbeit nicht betreten müssen, abschließen und die Schlüssel mitnehmen. Sie werden wohl nicht auf die Idee kommen, die Türe aufzubrechen, oder?


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.