In Marseille — Le Panier

Mit Marseille bin ich immer noch nicht befreundet. Die Stadt ist dreckig und stinkt. Überall dicke Hundehaufen und Uringestank. Alte, heruntergekommene Gebäude. Autofahrer, die ohne Rücksicht auf Fußgänger am Hafen rasen, selbst wenn sie eigentlich rot haben. Wen interessiert’s? Die Fußgänger gehen nicht auf Grün los, sondern schauen erstmal um sich um und warten, bis alle Autos durch sind, bevor sie sich auf der Straße trauen. Etwas Anderes wäre Selbstmord.

Dazu kommt die allgegenwärtige sexuelle Belästigung. In Marseille kann man als Frau einfach nirgendwo Ruhe haben. Das habe ich in meiner Jugend mit Freundinnen festgestellt und am Wochenende aus der Ferne leider wieder beobachtet. Frau sitzt auf einer Bank und liest, Jugendlicher setzt sich dicht neben ihr und belästigt sie derart, dass die Frau aufsteht und den Platz verlässt. Obwohl ein anderer, unbeteiligter Mann auf der anderen Seite der Bank saß. Nichts hat er unternommen. Unterlassene Hilfeleistung ist in Frankreich weit verbreitet.

Aber zurück zur Stadt selbst. Der Ehemann wollte vor unserer Abreise eine Nacht in Marseille verbringen. Ich war nicht begeistert. Wir haben ein Apéro am Hafen getrunken. Ich wollte danach zurück zum Hotel. Es wurde schon dunkel.

Anstatt am Hafen lang zu gehen, nehmen wir die Rue de la République. Ein Schild zeigt den Weg zum Panier. Ich habe keine Ahnung, worum es geht, und beschließe, dem Schild zu folgen. Erstmal Treppen hoch. Wir entdecken ein entzückendes Viertel. Immer noch dreckig und stinkend, aber mit interessanten Graffiti und vielen, besser als am Hafen aussehenden gastronomischen Lokalen. Wir essen eine Kleinigkeit am „Panier Marseillais“. Fisch-Tapas.

Am Sonntag gehen wir wieder hin, zu einem anderen Lokal. Essen kann man in dem Viertel toll. Leider, und man glaubt es nicht, wenn man es nicht selber erlebt, sind die engen Straßen nicht für den motorisierten Verkehr gesperrt. Oder die Anwohner pfeifen drauf. Mofas fahren dicht an uns vorbei, als wir am Tisch mitten auf der Straße sitzen und essen. Ich meine, die Terrasse vom Lokal beanspruchte schon die Hälfte der Gasse. Gegenüber standen zwei Frauen aus einem Laden und diskutierten. Und da lang fahren Leute mit Mofas durch. Völlig rücksichtslos.

Am Sonntagabend war unser Rückflug nach München geplant. Über Frankfurt. Tja. Wegen Unwetter wurde der Flug gestrichen. Unmut bei den Passagieren und Chaos am Flughafen, als wir nur hin und her geschickt wurden. Wir sind dadurch eine extra Nacht in Marseille geblieben. Diesmal haben wir in einem besseren Hotel geschlafen. Ich war vom Golden Tulip enttäuscht. Die Lage war lange nicht so toll wie auf den Bewertungen gepriesen. Nicht mal Margaritas konnte der Barman richtig machen. Der Radisson Blu hat mir viel besser gefallen. Wir konnten sogar im Außenpool am späten Abend schwimmen. Leider mussten wir am Montag um vier aufstehen, um unseren Flug von 06:20 nach München zu kriegen. Wenigstens sind wir direkt geflogen und konnten halbwegs pünktlich auf Arbeit erscheinen. Ich fühle mich immer noch müde davon.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Es wird langsam

Nachdem wir am Sonntag die Strecke zur Arbeit ausprobiert haben, bin ich sie gleich am Montag mit dem Fahrrad alleine gefahren. Bevor ich die Details vergesse. Einfach war es nicht, ich habe mich zweimal verfahren, einmal im ersten Stück Wald und danach, um zum zweiten Stück Wald zu kommen. Die Kreuzungen waren nicht in der richtigen Reihenfolge in meinem Kopf. Ich habe anderthalb Stunden gebraucht, und das nur, weil ein freundlicher Fahrradfahrer mir entgegen gekommen ist, als ich rätselnd auf dem Handy schaute (mein Navi kennt keine Waldwege) und fragte, wo ich hin wollte. Sonst hätte ich länger gebraucht. Das angenehmere Stück ohne Radweg auf der engen Straße, das wir bei der Rückkehr benutzt hatten, war im Berufsverkehr mehr befahren, aber es war noch in Ordnung. Die Sichtweite ist dort sehr gut, da kann man mich nicht im letzten Moment sehen, es gibt also kein Grund, so dicht an mich vorbei zu fahren, es sei denn, man trägt Arschloch-Gene in sich. Das gibt’s. Meistens zeigen die Autofahrer doch Rücksicht. Auf der Rückfahrt habe ich am Montag schon nur noch eine Stunde zwanzig Minuten gebraucht. Ich habe eine Kreuzung verpasst, und im letzten Stück Wald sind mir zu meiner Überraschung zwei Autos hinter einander entgegen gekommen. Ich dachte, dort würden keine motorisierte Fahrzeuge durchfahren. Ich musste am Rand vom Weg mit dem Fahrrad stehen bleiben, um nicht überfahren zu werden. Gebremst hat das erste Auto nicht, und ich war über die Staubwolke danach nicht erfreut, auch wenn der Fahrer vom zweiten Auto sich bedankt hat.

Gestern hatte ich geplant, nach Feierabend zum Fitnessstudio zu gehen. Mit der Sporttasche wollte ich nicht Fahrrad fahren, und auch nicht, weil ich sonst nachtsüber nach Hause durch den Wald hätte fahren müssen. Ich bin also, wie ich es seit fast drei Wochen gewöhnt bin, zur Bushaltestelle gegangen, um den SEV bis Germering zu nehmen, und weiter mit einem anderen Bus zur Arbeit zu fahren. Zu meiner Überraschung fuhr der Bus nur bis Gilching-Argelsried, weil die S8 jetzt bis dahin kommt. Ich hätte in der App schauen sollen. Zu Fuß wäre ich schneller gewesen. Das hätte mir doch nicht geholfen, weil die S-Bahn sehr lange einfach nicht kam. Keine Durchsage, wie immer, aber diesmal lag es daran, dass die Bauarbeiten am Bahnsteig nicht fertig waren. Die Männer waren am Bahnsteig tatsächlich dabei, auf der anderen Seite der Sperre auf Säulen die Lautsprecher zu befestigen. Man muss sich vorstellen, wie so viele Leute, die theoretisch zwei verschiedenen Zügen genommen hätten, sich auf dem nicht ganz halben Bahnsteig verteilt haben, um vierzig Minuten lang auf eine Bahn zu warten. Weil der nächste Bus inzwischen seine Ladung gebracht hatte. Als der Zug endlich kam, ist er auch nicht sofort weggefahren, nein, ein paar Minuten hat es noch gedauert. Ich habe für eine Strecke, die im Normalbetrieb von zu Hause aus fünf Minuten dauert, eine ganze Stunde wegen MVG-Chaos verschwendet, und habe insgesamt zwei Stunden zur Arbeit gebraucht. Begeistert war ich nicht.

Heute bin ich wieder Fahrrad gefahren, weil ich so sauer auf die MVG war. Siebzig Minuten für den Hinweg, wobei eine Kreuzung noch nicht optimal ist. Ich sollte sie vermeiden. Man kommt nach einer Brücke aufwärts auf die Kreuzung zu, die zu einer viel befahrenen Straße führt, und muss mit dem Fahrrad da mittig stehen und warten, bis eine Lücke entsteht. Tut sie das, kann man aber nicht gut los nach links radeln, weil dann aus einer anderen Richtung Autos kommen. Aussteigen, Fahrrad zur Ampel schieben, auf dem Knopf drücken um grün zu bekommen… Blöd. Es muss einen besseren Weg geben. Auf dem Rückweg nach Hause habe ich nur noch eine Stunde gebraucht. Fast genau so lange wie mit ÖPNV, wenn es normal ohne SEV fährt. Und entspannter, wenn man keinen Idioten begegnet. Wie die Frau heute hinter mir, die nur noch hupen konnte, weil ich auf der Straße fuhr. Einen Radweg gab es gerade nicht, und ich war noch bemüht, rechts dicht am Straßenrand zu fahren, und sie hätte mehrmals die Gelegenheit gehabt, mich bequem zu überholen, statt hinten zu bleiben und zu hupen. Oder der Opa in seinem grauen Cabrio (M RP 17), der mich mit „Fick dich!“ begrüßte, als er mich nach einem ganz engen Tunnel überholte, wo man eh langsam zu fahren hat. Da gab’s auch gerade keinen Radweg, er fängt erst die Kreuzung danach an. Blöd, dass ich alleine war und keine Zeugen für eine Anzeige hatte.


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Am letzten Montag

Heute war der erste Arbeitstag des Jahres. Es war kalt und teilweise recht glatt auf den Gehwegen. Für mich jedenfalls. An Glätte werde ich mich wohl nie gewöhnen können.

Letzter Montag war besser. Ich habe den Ehemann zurück zum Flughafen in Nizza begleitet, und bin entlang der Prom‘ spazieren gegangen. Ich hatte mir mehr Urlaub genommen, um bei meinen Eltern länger zu bleiben. Vor allem bei meiner Mutter, die momentan eine schwere Zeit wegen eines schlimmen Bandscheibenvorfalls erlebt.

Das Wetter war traumhaft. Strahlende Sonne, blauer Himmel, und über 15 Grad. Man sieht, dass es Winter ist, weil der großer Weihnachtsmann gegenüber vom Hôpital Lenval steht – ein Kinderkrankenhaus. Die Einheimischen waren alle mit dicken Daunenjacken unterwegs. Nur die gelegentlichen Sportler trugen leichte Bekleidung. Angefangen habe ich mit Mantel, leichter Strickjacke, Bluse und Spaghetti-Top. Mir wurde beim Gehen immer wärmer, und am Ende hatte ich nur den Spaghetti-Top an behalten. Auf dem Schattenbild auf der Place Masséna mit frischer neuer Frisur, vorne kürzer und wilder. Früher, als ich noch hier wohnte, hätte ich nie daran gedacht, im Winter mit nackigen Armen zu spazieren. Ich habe mich an die Kälte gewöhnt.

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Eine positive Entwicklung in Nizza ist, dass es viel mehr Radwege gibt. An der Prom‘. Ich glaube, weiter nördlich dürfte es immer noch so umständlich sein. Obwohl, in vielen Straßen kann man nicht mehr rechts und links am Rand parken. Das Risiko, von unaufmerksamen Autopassagieren eine Tür ins Fahrrad geknallt zu bekommen ist gesunken. Die Stadt will weniger Autos fahren sehen. Seit der Einführung der Tram gibt es sogar große Parkplätze, wo man für 2€ am Tag parken kann und mit dem Ticket überall mit ÖPNV fahren darf. Und Stationen mit blauen Leihfahrrädern sieht man recht häufig. Die Fahrräder sind leider leicht zu klauen, weil mein Bruder meinte, ein LKW auf dem Weg nach Nordafrika wäre vor Kurzem mit einer voller Ladung davon noch rechtzeitig entdeckt.

Wie immer wenn ich zurück in der Heimat bin, spiele ich mit dem Gedanke, mich wieder hier niederzulassen. Aber. Das Leben in Frankreich ist teuer. Umso mehr in Südfrankreich. Wohnungen kann man sich kaum leisten. Und dreckig ist es. Überall Hundekacke. Selbst in der Unterführung zu den weiteren Gleisen am Hauptbahnhof von Nizza. Im Sommer ist der Gestank furchtbar. Und die Leute fahren Auto wie Bescheuerte. Kaum waren wir bei unserer Ankunft aus dem Flughafen raus und auf der Autobahn, dass wir fast in einem Unfall verwickelt worden wären. Rechts von einem rasenden Auto überholt, das sich dann ganz links eingeordnet hat, um plötzlich hinter einem normal fahrenden Auto eine Vollbremse zu machen. Hinter ihm kann noch so ein Raser, der auch voll bremsen musste. Stresslevel 100%.

Aber die Leute sind sonst super freundlich, das fehlt mir in Deutschland. Sie gehen auf Fremden zu und reden gerne mit ihnen. So habe ich zum Beispiel meine Sitznachbarin im Flugzeug am Samstag kennen gelernt. Sie wusste nicht wohin sie gehen sollte, nach dem Sicherheitscheck. Der Flughafen ist vor Kurzem völlig umstrukturiert worden. Nachdem ich ihr den Weg geschildert habe, haben wir ganz natürlich weiter geredet. Da wir beide zu früh waren, haben wir einen Kaffee zusammen getrunken. Über unsere Reiseziele diskutiert. Sie wollte nach Málaga in den Urlaub fliegen. Über Zürich, wie ich. Der Mann am Tisch hinter uns, auch ein Franzose, ist dann zu uns gekommen, weil er sich in Málaga eine Wohnung gekauft hat. Es ist ja „so kalt“ im Winter in Südfrankreich, da muss man in den Süden 😀 Er hat uns viele interessante Sachen über die Stadt erzählt. Solche Begegnungen macht man in Frankreich häufig. Am Tag davor im Zug habe ich mich mit meiner Nachbarin auch sehr freundlich unterhalten. In Deutschland wirken die Leute eher misstrauisch, wenn man als Fremder mit ihnen redet.


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Heute wieder nicht überfahren

Das grenzt langsam an einem Wunder.

Heute Morgen fuhr ich nicht besonders schnell mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit. Ich habe mir am Wochenende einen neuen Lenker besorgt, um die Schmerze in den Handgelenken zu vermeiden. Das scheint zu klappen, aber ich muss mich an die geänderte Haltung gewöhnen, es fühlt sich nicht mehr so stabil an. Vielleicht ist er zu hoch gestellt. Heute Morgen fuhr ich also hinter einem helmlosen Opa mit weißen Haaren auf dem Radweg, zwischen geparkten Autos und Bürgersteig. Auf einmal ist eine Autofahrerin nach rechts abgebogen, um zu einem Gebäude zu fahren, und hat den Opa erst gemerkt, als er kurz vor ihr war, obwohl das Sichtfeld an der Stelle sehr gut ist. Sie hat halbwegs auf dem Radweg notgebremst, das Auto hat einen leichten Sprung gemacht und der Motor ist ausgegangen. Schreck für den Opa, zum Glück hat sie ihn gerade nicht erwischt. Er ist weiter gefahren. Ich kam einige Sekunden hinterher und dachte, sie muss jetzt gemerkt haben, dass es hier einen Radweg gibt. Nein. Ich war gerade dabei, den Ausweichbogen vor ihrer Haube auf dem Bürgersteig zu machen (kein Rentner in Sicht), als sie den Motor wieder startete und schnell weiter fahren wollte, wieder ohne vorher rechts zu schauen. Wieder notgebremst, erneuter Motorstillstand. Es war sehr knapp. Die blöde Kuh hat noch geschimpft.

Heute Abend war es ein alter Motorrad- oder Scooterfahrer mit dickem weißem Schnurrbart, der mich auf dem Radweg überfahren wollte. Wieder eine Stelle mit sehr gutem Blickfeld, eigentlich, es hätte echt nicht passieren dürfen. Der Mann kam sehr schnell aus der entgegengesetzten Richtung und hat im letzten Moment auf dem feinen Kiesel vor dem Radweg und links von mir gebremst. Fast wäre er ausgerutscht. Sehr wahrscheinlich wollte er zum Scooter-Laden. Ich habe einen großen Schreck bekommen. Selbst die Autos auf der Straße haben kurz angehalten.

Ich frage mich, ob ich die neue Streikperiode der Bahn heil überleben werde. Es fängt erst morgen an.


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Nach Hause geradelt

Heute bin ich zum dritten Mal seit letzter Woche mit dem Fahrrad nach der Arbeit gefahren. Ich bin frustriert, dass ich jedes Mal um die zwei Stunden gebraucht habe, obwohl zwischen Arbeit und Wohnung 21 km liegen. Letzte Woche dachte ich, es läge daran, dass ich den Weg noch nicht kannte. Und mit Martin sind wir viel am Ufer entlang gefahren, was nicht die schnellste Route ist.

Am Freitag habe ich mir nach dem Vorschlag von einem Kollegen eine neue Route mit BBBike rechnen lassen. Ich habe schon am Anfang eine gute halbe Stunde verloren, weil ich eine Straße auf Anhieb nicht gefunden habe und auf dem Handy suchen musste. Blöderweise gab es zwei Straßen mit dem gleichen Namen im Umkreis von 3 km, beide genau so weit entfernt von meiner vorherigen Straße, und ich habe zuerst in der falschen Straße nach dem weiteren Weg gesucht. Danach gab es einfachere Strecken, wo ich nur gerade aus fahren musste. Das erste Stück am Wildmeisterdamm war aber durch eine grüne Fläche mit vielen Kleinkindern überall, schnell fahren kam nicht in Frage. Das zweite lange Stück an oder nach der Marienfelder Chaussee will ich auch nicht mehr machen, es war mir zu gefährlich. In einem Industriegebiet waren rechts vom Radweg nur Gewerbeflächen mit riesigen Parkplätzen, links die Straße mit schnell fahrenden Autos, und Parkplätzen zwischen Straße und Radweg. Alle Parkplätze waren mit riesigen Anhängern oder LKWs belegt. Kurz vor einer Tankstelle wäre ich fast von einem abbiegenden Auto erfasst worden, weil ich durch die parkenden LKWs von der Straße aus nicht zu sehen war. Ich konnte selber nicht sehen, ob Autos von hinten kamen. Es war auch insgesamt zu laut, um kommende Autos zu erkennen. Ich habe richtig Angst bekommen. Nie wieder fahre ich da lang. Danach habe ich mich noch verfahren, ein Straßenschild war gedreht und ich habe eine Straße rechts verpasst, was dazu führte, dass ich ein langes Stück zurück fahren musste. Insgesamt habe ich zwei Stunden und zwanzig Minuten gebraucht. Noch länger als mit Martin.

Meine heutige Strecke hatte ich angepasst, um die gefährliche Stelle mit den LKWs zu vermeiden. Ich habe mich diesmal nicht verfahren (ok, nur einmal kurz), musste aber zwischendurch halten, um meinen Standort zu prüfen. Ich war zwei Stunden unterwegs. Es gab wieder ein Stück am Ufer entlang, das ich von letzter Woche schon kannte. Blöd. Viele Promenaden mit Fußgängern, Kindern und Hunden. Schön, keine Frage, nur nicht gut, um schnell nach Hause zu fahren. Einige Radler sind trotzdem wie Bescheuerte zwischen den Fußgängern gefahren. Meine Route ging auch entlang schmale Straßen ohne Radwege, aber ich bin dem Rat von Radioeins gefolgt und bin mittig gefahren, wenn es zu eng war, um sicher überholt zu werden. Es gab einen Autofahrer, der anscheinend so genervt war, zehn Sekunden hinter einem Fahrrad auf reduziertem Tempo fahren zu müssen, dass er an der nächsten Ampel mit Vollgas über die Kreuzung gefahren ist. Ich bin auch vielen vorsichtigen und freundlichen Autofahrern begegnet. Und richtigen Idioten auf Fahrrädern, wie der junge Mann, der wie ein Pfeil aus einer Kreuzung gegenüber von mir geschossen kam, obwohl er wie ich rot hatte, und direkt auf eine andere Fahrradfahrerin aus meiner linken Seite fuhr, die gerade über die Kreuzung ankam. Er hat weder gebremst noch ausgewichen, das musste die Frau machen, was sehr gefährlich war, da Autos hinter ihr kamen. Natürlich hat sie geschrien und geschimpft. Der Mann hat daraufhin seine Richtung geändert, ist ihr vom Bürgersteig aus hinter mir gefolgt und hat angefangen, einen lauten dementen Lachen von sich zu geben. Mist, ich hätte zurück fahren sollen, falls er sie noch angreifen wollte. Daran habe ich in dem Moment nicht gedacht.


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Ist heute „Töte-ein-Fahrradfahrer“-Tag?

Ich wäre heute beinahe in zwei Unfällen gerieten. Jedesmal genau in der gleichen Situation: Ich fahre rechts auf dem Radweg, komme an einer Kreuzung an, will weiterhin geradeaus fahren, und das Licht ist grün. Es gibt kein separates Licht für Fahrradfahrer, was bedeutet, dass das Lichtsignal für den motorisierten Verkehr gilt. Und jedes Mal bin ich dabei fast von einem Auto erwischt worden, das rechts abbiegen wollte.

Heute Morgen, auf dem Weg zur Arbeit, hat mich noch die Frau im Auto beschimpft. Ich hatte sie die ganze Zeit im Auge behalten und die Hände auf die Bremse parat vorbereitet, so dass ich rechtzeitig bremsen konnte. Es gibt eine andere Kreuzung auf meinem alternativen Weg, wo Autofahrer mir jedesmal die Vorfahrt gelassen haben, daher dachte ich schon, in einer solchen Situation eine Vorfahrt zu haben. Ich habe danach gegoogelt: Es stimmt auch. Ich vermute, die Frau hatte mich entweder nicht gesehen, oder sie wusste einfach nicht von dieser Regel Bescheid.

Beim Abbiegen gilt – egal für welchen Verkehrsteilnehmer – wer abbiegt, muss warten, bis diejenigen, die geradeaus fahren oder gehen die Straße überquert haben. Gerade Autofahrer biegen gerne einmal ab, ohne auf überquerende Füßgänger oder Fahrradfahrer zu achten, das ist aber entgegen der Verkehrsordnungen. Auch bei grünen Ampeln (etwa beim Abbiegen) gilt, dass der Verkehrsteilnehmer, der bei Grün geradeaus geht, immer Vorfahrt hat.

Heute Abend, als ich die Arbeit verlassen habe, ist mir fast das gleiche in krasserer Version passiert. Ich fuhr auf dem Radweg und kam an einer Kreuzung an, bei der ich geradeaus fahren wollte. Neben mir blinkte ein Auto, um nach rechts abzubiegen, hinter mir auch. Ich bin langsamer gefahren und habe noch das rote Auto vor mir fahren gelassen. Das Auto hinter mir ist ebenfalls langsamer gefahren und hat mir Platz gelassen. Super, dachte ich. Ich fuhr hinter dem roten Auto und wartete darauf, dass es fertig abbiegt, um schneller geradeaus fahren zu können. Auf den Zebrastreifen war nichts, aber das rote Auto hat plötzlich ohne Grund auf dem Radweg eine Vollbremse gemacht und ist für einige Sekunden zum Stillstand gekommen. Hätte ich selber nicht vollgebremst, wäre ich ins Auto gefahren. Es hätte einfach ein Zufall sein können. Aber da das kleine Mädchen auf der hinteren Sitzreihe sich in dem Moment umgedreht hat und mich angeschaut hat, vermute ich zwei Möglichkeiten:

  • Der oder die MitfahrerIn vorne hat dem oder der FahrerIn gesagt, dass es gerade gefährlich gewesen war, weil es hinter dem Auto ein Fahrrad gab. Das halte ich für unwahrscheinlich, weil das Auto schon vor der Ampel gezögert hatte, ob es mich fahren lassen sollte oder nicht, und der oder die FahrerIn muss mich wahrgenommen haben – mit meiner Erfahrung vom Morgen bin ich deswegen langsamer geworden und habe die Vorfahrt gelassen, wo es eigentlich keine gab.
  • Die wahrscheinlichere Variante: Der oder die FahrerIn fand’s einfach lustig. Schließlich trug ich ein kurzes Kleid, wenn auch mit dicken bunten Strumpfhosen, man müsste ja der Schlampe auf dem Fahrrad mal was beibringen. Eine Denkweise, von der ich leider häufig in meinem Herkunftsdorf als Kind Zeugin wurde.


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Szene an der Ampelkreuzung

Diese neue Fußgängergeschichte an der Ampelkreuzung bei mir um die Ecke ist heute Morgen gegen 11:20 geschehen, sie ist leider nicht so nett wie die Vorherige.

Eine Kreuzung zwischen zwei aufeinander senkrechten Straßen. Normaluhr. Eigentlich eine der Hauptkreuzungen der Stadt, um die Uhrzeit aber ziemlich ruhig. Ich stehe unten links und warte. Vor mir gegenüber kniet ein Mann allein vor dem Hotel und macht kleine Bauarbeiten am Bürgersteig. Ein blinder Mann mit weißem Stock kommt langsam von links die Straße hoch. Als er mit dem Stock fast in die Grube vor dem Hotel kommt, merkt ihn erst der Bauarbeiter. Er sagt ihm, er soll doch herum gehen. Im gleichen Moment kommt ein junger Mann mit Rucksack auf diesem Paar zu, der gerade die Kreuzung oben überquert hat. Er schaut sich die Szene an, sagt aber gar nichts, dreht sich nach rechts und geht seinen Weg weiter nach oben, ohne Hilfe anzubieten. Der blinde Mann kommt zur Ampel an, mir gegenüber, und wartet auf das Tonsignal, um zu meiner Richtung zu überqueren. Ich schaue mir die Autos an, die, von oben kommend, ebenfalls warten, um nach links abzubiegen (na ja, von ihnen gesehen, nach rechts). Das erste Auto ist ein rotes Honda, glaube ich wenigstens, das Logo vorne sieht komisch aus, als ob der obere Teil vom H mit einem grauen Stoff gefüllt worden wäre. Das Auto habe ich mir gemerkt, weil eine frühere Arbeitskollegin auch ein rotes Honda besitzt – sie war’s aber nicht. Das Männchen wird grün. Ich mache mich wieder auf dem Weg, der blinde Mann kommt mir entgegen. Der oder die FahrerIn des Hondas sah anscheinend nicht ein, warum man auf Fußgänger warten sollte, und hätte noch fast den blinden Mann überfahren, der sich schon über die Kreuzung engagiert hatte. Leider konnte ich mir das Kennzeichen nicht merken, es ging viel zu schnell. Leider. Ein so unverschämtes Verhalten hätte ich sonst schon gemeldet. Eine Schande, dass solche Autofahrer ihren Führerschein noch besitzen. Besonders an meiner Kreuzung gibt es viele, die sich regelrecht benehmen, als ob sie alleine auf der Kreuzung wären. Ich weiß nicht, wie oft ich selbst bei Grün hätte überfahren werden können, wäre ich nicht im letzten Moment zurückgetreten, weil Autos aus der Theaterstraße beim Abbiegen einfach vorbei rasen.

20130403-Ampelkreuzung


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