Osterwochende

Besser spät als nie. Fotos sortieren dauert ewig, und ich finde erst jetzt, wo ich mir ein paar Tage zu Hause gönne, ein bisschen Zeit, um meine Erinnerungen festzuhalten.

Das Osterwochenende hat am Donnerstagabend angefangen, als ich mich nach Feierabend in den Zug nach Berlin gesetzt habe. Der Ehemann, der schon einige Tage vorher zu seinem Vater mit dem neuen Auto gefahren war, hat mich am Südkreuz abgeholt und wir sind direkt zum Anhalter Bahnhof gefahren. Unser Ziel: Das Solar! Eine gemütliche Cocktailbar, von außen ziemlich unauffällig, da sie auf der letzten Etage eines etwa verstecktes Gebäudes liegt. Schon die Auffahrt mit dem Aufzug ist ein Erlebnis, da der Glasaufzug an der Außenseite des Gebäudes angebracht ist, und man nach und nach eine tolle Aussicht über die Stadt entdeckt. Die Cocktailbar selbst liegt über das gleichnamige Restaurant[1], und hat auf drei Seiten riesige Glasfenster, wo man beim Sonnenuntergang auch Heiratsanträge machen kann. Also, ja, wir mussten unbedingt nochmal hin.

Am nächsten Morgen haben wir uns Zeit für einen kurzen Spaziergang im botanischen Garten genommen. Durch die Bauarbeiten am Königin-Luise-Platz mussten wir den Eingang vom Museum benutzen. Wir sind nicht wie üblich durch die Tür rechts von der Kasse ins Garten gelangen, sondern mussten einem etwa komplizierteren Weg zum Moosgarten folgen. Dadurch habe ich neue Ecken entdeckt, die ich noch nicht kannte. Zum Beispiel die Grabstätten von Wissenschaftlern, die eine bedeutende Rolle in der Geschichte vom botanischen Garten gespielt haben. Einen schöneren Ort kann man sich schwer aussuchen. Der italienische Garten wurde mit Tulpen bepflanzt, wobei sich in der schön periodischen Anordnung wenige Punktdefekte befinden — was ich eher lustig finde, ich bin froh, dass die rote Tulpe nicht entfernt wurde. Vor allem müssen wir heraus finden, wie die üppige gelb-rote Tulpe in Inneren des Arrangements heißt. Die will ich nächstes Jahr auf dem Balkon wachsen sehen. So nah kam man leider nicht ran, um sie gut zu fotografieren. Nicht mit meiner Kamera. Oder ich müsste einarmigen Liegestütz üben.

Nach einem letzten Blick bei den japanischen Kirschbäumen[2] sind wir mit dem Auto nach Usedom gefahren. Ja, wir auch, aber zur Küste. Mit Pause in Prenzlau, wo ich noch nie war. Die Marienkirche hätten wir gerne besucht, aber sie war am Karfreitag geschlossen. Gullydeckel fotografieren mache ich auch gelegentlich. Dieser trägt die Inschrift[3] Made in GDR, was mich ein wenig irritiert hat, da ich kein Englisch für einen Gegenstand erwartet hätte, der in der ehemaligen German Democratic Republic erstellt wurde. So kann man sich täuschen.

Am frühen Abend sind wir zu unserem Ziel angekommen, wo der Rest der Familie vom Ehemann schon eingetroffen war. Die aus Frankfurt. Und da es klar war, dass wir an dem Wochenende viel zu viel essen würden, hatten wir Laufsachen in den Koffer gepackt. So konnten wir jeden Morgen Dreiviertelstunde am Strand laufen, was in der Frühe fantastisch war. Am Strand spazieren haben wir ausgiebig gemacht. Die Temperatur war so unerwartet angenehm, dass man sogar barfuß und im Wasser laufen konnte.

Am Ostersonntag wurde eine Bootsfahrt zur benachbarten Swinemünde organisiert, da einige Familienmitglieder in ihrem Alter sich nicht gut lange bewegen können. Die Bootsfahrt wurde eine Enttäuschung. Bei strahlendem Sonnenschein und über fünfzehn Grad Temperatur fuhr ein kleines Boot mit winzigem Deck und einem abgeschlossenen Innenraum, wo man nicht mal die Fenster kippen konnte. Auf den Bildern sah es viel besser als in der Realität aus. Ich habe es geschafft, bei einer Anlegepause in Ahlbeck einen Außentisch für die ganze Verwandtschaft zu ergattern. Es war auf dem Deck genau so eng wie drin, aber wenigstens konnte man Luft schnappen. Ich kann nicht glauben, dass das Boot für so viele Menschen an Bord gebaut wurde. Jedenfalls kann ich jedem davon abraten, so eine Bootsfahrt zu machen, da man zu Fuß fast genau so schnell unterwegs wäre. Ich war froh, als wir ausgestiegen sind. Und sonst: Swinemünde kann man sich anschauen, muss man aber nicht unbedingt, ist mein persönlicher Eindruck. Es sei denn, man braucht „billige Zigaretten“. Wenigstens ist ein neuer Gullydeckel zu meiner Sammlung gekommen. Abseits vom Stadtzentrum sind schon ein paar nette Ecken zu entdecken, wie der Park mit der Klavier-Blumenbett -Skulptur. Ich bin sogar ganz oben in den Turm der Lutherkirche mitgestiegen (die Pobacken wurden zweimal angestrengt, erstmal vom Treppen steigen, und dann von der schieren Höhenangst, an die ich irgendwann mal arbeiten müsste).

Da das Boot auf der Hinfahrt so überfüllt war, haben wir mit dem Ehemann beschlossen, die knapp acht Kilometer zurück zu laufen, während der Rest der Familie sich den Stress von der Hinfahrt nochmal antun wollte. Unser Weg hat uns durch einen Park mit interessanten sportlichen Möglichkeiten und ein Stück Wald geführt. Kurz vor der Grenze sind wir zum Strand gebogen. Den Rest der Strecke haben wir barfuß auf dem Strand und im Wasser zurückgelegt, und das hat sich so toll angefühlt!

Am Montag sind wir nach Berlin zurück gefahren, und am Dienstag weiter nach München. Über die Rückfahrt ist nicht viel zu erzählen, außer, dass wir relativ viel Glück mit Staus auf Usedom hatten, denn wir haben gar keine erlebt. Auf der Autobahn nach München schon, aber ich habe quasi die ganze Zeit weiter fleißig gehäkelt, so gemütlich ist unser Auto.

[1] Wo wir einmal zu meinem Geburtstag wunderbar gegessen haben.

[2] Ich habe übrigens heute Nacht wieder von Kirschblüten geträumt, die mir so schön vor dem Balkon wuchsen. „Das Glück ist nah“, behauptet der Traumdeuter. Ich hätte mir eher psychologische als esoterische Bedeutungen in meinen Suchergebnissen gewünscht, aber die meisten reden nur von Kirschbäumen mit Früchten, nicht mit Blüten.

[3] Oder heißt es Aufschrift?


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Gähn

Wir mussten heute ganz früh aufstehen. So kurz vor fünf. Um elf waren wir schon im Bett, aber ich war nicht müde genug zum Einschlafen. So gegen zwölf muss es geklappt haben. Und danach bin ich sowieso jede Stunde aufgewacht. Das letzte Mal um viertel nach vier.

Ich habe darauf gewartet, dass der Radiowecker den Ehemann weckt, und bin sofort duschen gegangen. Kaffee und Banane geschluckt. Am Abend gepackte Taschen geholt. Und runter zur Tiefgarage.

Zum Glück hat mich der Ehemann zum Flughafen gebracht. Denn sonst hätte ich noch früher aufstehen müssen. Die S8 fährt zwar gleich um die Ecke, aber sie braucht über eine Stunde bis zum Flughafen. Mit dem Auto spare ich eine gute halbe Stunde, um die Uhrzeit. Gut, der Ehemann muss dann zurück nach Hause fahren, und mit dem Stau mit Blaulicht, den wir in die andere Richtung gesehen haben, wird es kein Spaß.


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Mit dem Auto unterwegs

Der Ehemann hatte mich mit dem neuen Auto[1] zu einem großen, fast leeren Parkplatz gebracht, und war dann zu Fuß verschwunden.

Ich blieb im Auto auf dem Parkplatz. Ich war aber noch verschnupft und die Taschentücher wurden viel. Ich habe sie gesammelt und bin aus dem Auto ausgestiegen, um sie weg zu werfen.

Einen Mülleimer konnte ich erst am Eingang vom Parkplatz finden. Direkt davor stand ein junger Mann. Er hatte eine komische Haltung, mit dem Kopf nach unten und geschlossenen Augen, als ob er schlafen würde. Er reagierte nicht, als ich näher kam. Ich musste ihn schubsen, um an den Mülleimer ran zu kommen. Er ist gefallen, hat mich dann erst gemerkt und ist weg gelaufen.

Auf dem Weg zurück zum Auto[2] ist mir dann aufgefallen, wie viele Mülleimer es doch gab. Fast hinter jedem Auto. Wie konnte ich sie übersehen haben?

Der Ehemann war immer noch nicht zurück und ich habe beschlossen, selber mit dem Auto nach Hause zu fahren.

Erstmal raus aus dem Parkplatz. Erstmal zum Fahrersitz wechseln, vom Beifahrersitz aus lässt sich das Auto nicht so gut steuern. Ich halte also das Auto an. Wo ist denn die Handbremse? Ein anderer Fahrer hupt mich an. Er ist sauer, weil er dachte, er könnte schnell in meiner Lücke parken, und es dauert doch länger. Soll er hupen.

Der Parkplatz ist inzwischen richtig voll geworden. Beim Aussteigen aus dem Beifahrersitz stört mich die offene Tür des benachbarten Autos, die sich im Öffnungswinkel von meiner weiter geöffneten Tür befindet. Diese physikalische Unmöglichkeit beachte ich nicht. Ich passe bloß auf, beim Aussteigen das andere Auto nicht zu beschädigen.

Endlich hinter dem Lenkrad. Wohin jetzt? Ich weiß nicht mal wo ich bin. Ich schaue auf dem Navi. Wenn ich Lochham finde, kann ich weiter nach Hause fahren. Lochham glaube ich auf der Karte zu finden, aber der Name ist komisch geschrieben.

Ich fahre los und komme ziemlich schnell nach einem Kreisverkehr zu einer Autobahneinfahrt. Ich muss beschleunigen und will vorher links hinter mir schauen, ob jemand kommt. Es klappt aber nicht. Ich kann den Kopf nicht drehen und das Auto fährt zu schnell. Ich komme ohne Krach auf die Autobahn.

Die Fahrt ist stressig. Ich muss aufpassen, dass ich schnell genug bin. Meiner Meinung nach bin ich schon ganz flott unterwegs, aber der Tacho zeigt nur 50km/h. Ich muss schneller fahren. In dem Moment fängt es aber an, vor mir zu stauen. Ich muss bremsen. Das Auto kann ich nicht so gut kontrollieren und beinahe wäre ich in das Auto vor mir rein gefahren, wäre es nicht im letzten Moment vorwärts gekommen.

Ich komme zu Hause an. Ich parke einfach so mitten im Garten von der Villa meiner Eltern[3,4]. Dort stehen sonst viele Autos rum. Ich ziehe mich schnell um und gehe rein. Der Ehemann sitzt mit meinen Verwandten am Tisch.

Wir gehen in den Garten raus, um das Auto nach der langen Fahrt zu prüfen. Kein Kratzer, aber das Nummernschild vorne ist entzwei. Man kann beide Seiten wieder zusammen fügen, das Schild hängt ja nur mit einem Magnet, aber beim Fahren würden beide Seiten wieder auseinander gedrückt werden. Es muss schon beim Kauf kaputt gewesen sein. Man könnte auch das Schild komplett abmachen, darunter ist auch eine Nummer, aber eine andere, in einem komischen Format.

Kurz nach fünf wache ich auf. Alleine im Bett, denn der Ehemann schläft momentan im Gästezimmer oben, bis es mir besser geht. Scheinbar ist das Fieber endlich vorbei. Ach, das dachte ich gestern schon.

[1] Neu gekauft, aber der Ehemann muss es noch abholen und ich habe es selber noch gar nicht gesehen.

[2] Übrigens von der falschen Farbe.

[3] Ist schon längst verkauft, nachdem sie sich getrennt haben, vor dreizehn Jahren.

[4] In der Provence. Ganz weit weg von Lochham. Ich bin froh, nicht die ganze Fahrt geträumt zu haben.


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Im Auto unterwegs

Ich war zu Hause. In unserer aktuellen Wohnung. Ich bin zum Arbeitszimmer nach oben gegangen. Am linken Fuß von meinem Schreibtisch lag zusammen gerollt eine kleine weiß- und braunhaarige Katze. Ich ging zu ihr. Sie traute mir scheinbar nicht ganz. Wir haben uns im Flur vor dem Arbeitszimmer hingelegt und geschmust. Ich erzählte ihr von Chipie, die sie nicht gekannt haben konnte.

Szenenwechsel. Ich sitze im Auto mit dem Ehemann. Hinter uns ist Chipie. Wir sind in der Stadt. Das Wetter ist herrlich sonnig. Der Ehemann steigt mitten auf der Straße aus dem Auto aus, um etwas zu erledigen. Ich soll auf ihn warten.

Der Ehemann kommt nicht zurück und ich überlege, ob ich nicht selber weiter fahren soll. So schwer kann es nicht sein. Ich setze mich auf seinen Sessel. Die Ampel ist gerade wieder rot geworden, aber obwohl hinter mir ein Auto steht, beschwert sich noch niemand.

Ich stehe auf der linken Spur und blinke, um in die kleine Straße links abzubiegen. Die Kurve ist scharf, aber ich schaffe es. Ich fahre die Straße runter, die immer enger wird. Sie wird nicht mehr asphaltiert, Fußgänger und Fahrradfahrer sind unterwegs.

Ich komme zu einem großen grünen Fleck hinter einem mir bekannten Gebäude, das in der Nähe von unserer Wohnung stehen soll. Es ist schwer, weiter voran zu fahren. Ich trete, denn das Auto hat sich in ein Fahrrad, von der selben Farbe, verwandelt. Ein schweres Fahrrad. Es ist immerhin ein altes Diesel-Polo. Chipie läuft im Feld neben mir. Ich muss aussteigen und das Fahrrad schieben, ich schaffe es nicht mehr.

Der Ehemann geht aufs Klo. Ich wache auf. Halb sieben.


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Die verletzte Katze

Ich war mit meiner Mutter unterwegs. Wir wollten eine Freundin von ihr besuchen. Sie wohnte in einem Dorf mit sehr steilen Straßen. Die Häuser wirkten alt. Ihre Wände bestanden aus unregelmäßig geformten dicken Steinen. Wir fuhren eine Straße hochwärts. An einigen Stellen hatte ich Bedenken, dass das Auto es nicht mehr schaffen würde und anfangen würde, rückwärts zu rutschen, aber angekommen sind wir doch. Meine Mutter hat das Auto mitten in einer engen steilen Straße geparkt und wir sind ausgestiegen.

Aus welchem Grund auch immer bin ich zuerst nicht ins Haus gegangen, sondern bin auf der Straße geblieben. Vielleicht, weil ich ein schlechtes Gefühl hatte, weil das Auto mir so nicht sicher geparkt vorkam. Und recht hatte ich, das Auto fing plötzlich an, von alleine die Straße runter zu rollen. An der nächsten Biegung konnte es natürlich nicht wenden. Das Auto ist gegen eine Hauswand geknallt. Chipie, meine Katze, ist aus dem Auto raus gekommen und hat sich auf dem Weg zum Haus der Freundin meiner Mutter gemacht. Ich bin ihr gefolgt. Sie sah gar nicht gut aus, nach dem Unfall. Blut befleckte ihr weißes Fell am Bauch. Sie hat versucht, sich zu lecken, und dabei habe ich gemerkt, dass ihr Bauch offen lag. Ein langer Schnitt war zu sehen.

Ich habe Panik bekommen und meine Mutter gesucht, damit sie einen Tierarzt anruft. Ich wusste nicht wo sie war. Auf meine Rufe hat sie nicht reagiert. Ich bin durch alle Räume der mir unbekannten Wohnung gegangen. Die Wohnung war groß. Es war dunkel. In einem großen Wohnzimmer habe ich sie gefunden. Meine Mutter und ihre Freundin schliefen auf einer langen Eckcouch, jede auf einer Seite der Couch, und waren in Decken kuschelig eingerollt.

Um halb vier bin ich aus dem Traum aufgewacht. Ich bin kurz aufgestanden, um die Toilette zu besuchen und ein Glas Milch zu trinken. Wieder einschlafen konnte ich gut. Ich habe geträumt, wie ich dem Ehemann meinen vorherigen Traum beschrieben habe. „Es war sooo steil!“ habe ich ihm erzählt, und es verdeutlicht, indem ich die linke Hand fast senkrecht gehoben habe.


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Blödes Missverständnis

Fast genau ein Jahr nach unserem gemeinsamen Umzug in die Eigentumswohnung haben wir eines Abends einen Brief von der Kripo im Briefkasten gefunden. Und von dem, was der Ehemann mir nach seinem Telefonat mit der Polizei am darauf folgenden Tag erzählt hatte, war ich die ganze Zeit fest davon überzeugt, es ginge um die Nachbarn direkt unter uns. Ein verheiratetes Paar. Der Ehemann hatte mir erzählt, dass der Mann irgendeine Versorgungspflicht nicht eingehalten hatte. Daher die Ermittlungen.

Hätte ich damals den Begriff gegoogelt, hätte ich gemerkt, dass es nicht sein konnte. Versorgungspflichten haben Anbieter von Diensten, wie Strom oder Telefon zum Beispiel. Es ging eigentlich um Fürsorgepflicht. Klingt ähnlich. Verstanden hatte ich dabei, dass der Mann vermutlich einer ehemaligen Ehefrau oder einem leiblichen Kind kein Geld zahlen wollte, obwohl er es müsste. Ich glaube, ich hatte sogar den Ehemann gefragt, was das Wort bedeutet, und er hatte es mir erklärt.

P1110819Er hatte zeitgleich aus einem anderen Grund bei der Hausverwaltung angerufen, und dabei die Auskunft bekommen, dass unsere Nachbarn schon mal Probleme hatten, weil sie sich sehr unordentlich verhalten. Das vor sich hin verderbende Auto auf dem Parkplatz vor dem Haus sollte ihnen gehören.

Erste Zweifel an der Geschichte hatte ich vor zwei Wochen, als die Frau vom gesagten Ehepaar uns darum gebeten hatte, ihre Pflanzen zu gießen, wenn die Beiden im Urlaub sind. Ich hatte gestaunt, wie ordentlich ihre Wohnung aussieht. Dort können unmöglich Messies leben. Ich habe dem Ehemann meine Bewunderung mitgeteilt, und er hat nichts Besonderes dazu gesagt.

Heute bin ich von der Arbeit direkt nach Hause gefahren. Es war schon kurz nach sieben, als ich am Bahnhof ausgestiegen bin. Ich habe Mei angerufen. Es hat anderthalb Stunden gedauert. In der Zeit bin ich vom Bahnhof nach Hause gegangen. Vor der Haustür stand ein Mann vom Ordnungsamt. Ich habe mein Telefonat kurz unterbrochen und den Mann gefragt, ob er Hilfe braucht. Er meinte, die Leute, mit denen er reden wollte, wären offensichtlich nicht da, also würde es ihm nichts nutzen, ins Haus zu kommen. Dann hat er mich gefragt, ob ich wüsste, wem das rote Auto auf dem Parkplatz gehören würde. „Ja, es gehört unseren Nachbarn“, habe ich gesagt (ohne Namen zu nennen). „Die sind aber momentan im Urlaub“, habe ich hinzugefügt. Der Mann hat sich bedankt und ist gegangen. Der Parkplatz ist nicht privat, daher kann es passieren, dass das Ordnungsamt sich für Autos drauf interessiert. Privat haben wir alle Tiefgaragen unter dem Haus. Warum das Auto von unseren Nachbarn nicht drin ist, weiß ich nicht. Sein Parkplatz in der Garage steht leer. Vermutlich fährt das Auto längst nicht mehr.

Ich habe, immer noch am Telefon mit Mei, die Pflanzen der Nachbarin versorgt. Danach bin ich zu unserer Wohnung gegangen und habe unsere Pflanzen versorgt. Kurz vor neun haben wir uns ausgeplaudert und aufgelegt. Ich habe mein Handy wieder aufladen müssen.

Der Ehemann hat mich kurze Zeit später aus Norwegen angerufen. Ich habe ihm das heutige Ereignis vor der Haustür erzählt. Und da meinte er, nicht die Nachbarn direkt unter uns waren damals gemeint, sondern die gaaaanz unter uns. Im Erdgeschoss. Er hatte es damals falsch verstanden, und später seinen Fehler erkannt. Mich hatte er aber die ganze Zeit im falschen Glauben gelassen, das Auto würde dem Paar unter uns gehören. Es hat mich geärgert, weil ich dadurch dem netten Mann vom Ordnungsamt eine falsche Information gegeben habe. „Aber ich hatte dir doch Bescheid gesagt“, hat er versucht, mir zu erzählen. Dann hätte ich es noch gewusst. Schließlich schreibe ich nicht umsonst Tagebuch. Gut, das weiß er nicht. Genervt bin ich immer noch.


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Letzter Urlaubstag

Morgen fliege ich zurück nach Berlin.

Der Urlaub war super. Vor allem, die Überraschungsfeier für den Geburtstag meiner Mami, die den Anlass für den Urlaub überhaupt gegeben hat, ist gut gelungen. Es hat ihr sehr gefallen und sie hat sich riesig gefreut, dass wir anwesend waren, obwohl sie es gar nicht erwarten konnte (ich hatte sie am Tag davor aus Prag angerufen). Mein Bruder hatte es sogar geschafft, meine Schwester zu überzeugen, vorbei zu kommen. Es muss das erste Mal seit über zehn Jahren sein, dass alle ihre Kinder zusammen mit ihr waren. Es gab auch Cousins und Cousinen, die ich kaum bis gar nicht kannte (meine Mutter hat sechs Geschwister). Wir haben aber nicht viel Gemeinsames, und ich habe mich meistens mit meinem jüngsten Cousin unterhalten, den ich seit seiner Geburt kenne und der jetzt Medizin studiert — er versteht sogar, wenn ich von meiner Arbeit erzähle.

Wir sind sonst viel unterwegs gewesen. Autofahren mag ich nicht wirklich, selbst als Beifahrerin. In meiner Gegend noch weniger, weil es so viele Kurven gibt, und mir wird es schnell übel. Es gab aber viele Orte, die Martin noch nicht kannte, mit denen ich aufgewachsen bin und die ich ihm zeigen wollte. Manchmal, in den langen kalten Wintern in Deutschland, frage ich mich, wie ich diese Gegend verlassen konnte. Ach ja, des Studiums wegen. Und Berlin mag ick ooch.

Ursprünglich sollte ich morgen nicht alleine zurück fliegen, aber Martin hat ein Vorstellungsgespräch für heute bekommen und musste auf gestern umbuchen. Wir hatten uns am Freitag die Bus- und Bahn-Verbindungen angeschaut, damit er zum Flughafen in Nizza ankommt. Dann gab’s die Ereignisse vom Wochenende. Hier im Var haben wir am Samstag nur starken Regen bekommen. Angesichts der Wetterwarnung hatten wir beschlossen, zu Hause zu bleiben. Erst als wir am Sonntag nach dem Spaziergang in Moustiers zurück gekommen sind, haben wir im Fernseher das Ausmaß der Überflutungen im Nachbardépartement begriffen — und erfahren, dass es zur Zeit keine Züge nach Nizza gibt (wie auch?). Meine Mami hat sich gleich angeboten, um Martin mit dem Auto zum Flughafen zu fahren. Ich bin natürlich mitgekommen. Im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass ich hätte fahren können. Wenn ich nicht über fünfzehn Jahre her zum letzten Mal ein Auto gefahren hätte.

Die Fahrt war lang. Wir haben anderthalb Stunden mehr als sonst gebraucht. Die Autobahn hatte schon wieder alle ihre Spuren frei, aber es gab viele Staus ab Mandelieu. Und Google Maps zeigte noch mehr Staus in die andere Richtung, eigentlich war die Autobahn kontinuierlich rot ab Nizza. Wir haben gesehen, wie alle Vehikel in die Gegenrichtung hinter einander standen. Wir haben beschlossen, für die Rückfahrt erst ab Mandelieu die Autobahn zu benutzen. Durch Cannes zu fahren war aber keine gute Idee. Ich habe diese Stadt nie gemocht, weil es mit dem Auto immer die Hölle war. Dazu kamen die Umleitungen und Absperrungen wegen den Notmaßnahmen, um Matsch, Kies und komisch gelandete Autos zu entfernen. Auf dem Rand einer Landstraße hinter Cannes waren komplette Bäume mit dem Schlamm den Hügel herunter gerutscht. Auf die sonst gut befahrbaren Straßen hat man kilometerlang die rotbraunen Spuren der hiesigen Erde gesehen. Die Straßenarbeiter haben seit dem Wochenende ordentlich geschuftet.


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Autofahren

„Kartoffel“. Das ist das erste Wort, das ich gehört habe, als der Radiowecker an ging. Es waren die Werbungen vor den Nachrichten um 07:00. Ich war schon länger wach. Mein letzter Traum war stressig.

Ursprünglich war ich zu einem kleinen Dorf dienstlich gefahren. Es hatte mir so gut gefallen, dass ich beschlossen hatte, dorthin mit Martin für ein Wochenende zurück zu fahren. Wir sind nachtsüber mit dem Auto seines Vaters gefahren. Es war stockdunkel, man konnte kaum die weißen Markierungen auf dem Asphalt sehen. Martin fuhr viel zu schnell. Ich habe es ihm gesagt, aber es hat ihn nur geärgert. Plötzlich war eine T-Kreuzung da. Links die Straße, rechts die Straße, geradeaus das Meer. Von der linken Seite kam ein Auto. Martin hat nicht gebremst. Er wollte keine Zeit wegen der Vorfahrt verlieren und ist mit voller Geschwindigkeit nach rechts gebogen. Das Auto war dabei nicht so gut zu kontrollieren und wir wären fast ins Wasser gerutscht. Ich habe geschrien, was Martin noch mehr geärgert hat. Es wäre doch nichts schlimmes passiert, meinte er. Wir sind endlich zum Hotel angekommen. Ich wollte aber nicht mehr mit Martin sein und bin alleine zum mittelalterliche Viertel gegangen, das abseits vom Dorf lag, während er noch im Badezimmer von unserem Zimmer war. Das Viertel bestand aus vielen kleinen Holzhütten, alle ohne Etage. Die kleinen Straßen selbst waren aus Baumstämmen gebaut. In einem Lokal habe ich etwas gegessen, in einem anderen ein Bier getrunken. Es wurde spät. Ich wollte in einem der Häuschen übernachten, hatte aber meinen Koffer im Hotelzimmer gelassen. Ich wollte nicht, das Martin mich sieht. Er konnte von mir aus alleine bleiben. Ich habe mich im Hotel hereingeschlichen. Martin war gerade nicht da. Ich habe meinen Koffer geholt und meine Unterwäsche gewechselt.

Zufällig war der Traum nicht. Es passiert ab und zu, dass Martin beim Autofahren zu schnell und aggressiv fährt. Wir wären schon vor drei Wochen beim Verlassen der Wohnung fast in ein Auto gefahren, das zur roten Ampel fuhr. Einfach, weil Martin nach unserer Ausfahrt sofort zur linken Spur der Straße wechseln wollte, ohne zu beachten, dass Autos aus der anderen Fahrtrichtung einige Meter weiter ebenfalls dabei waren, in unsere Richtung abzubiegen. Nur im letzten Moment hat er es geschafft, das langsam fahrende Auto zu vermeiden und vor den abbiegenden Autos an der Ampel zu kommen. Dass ich völlig entsetzt war konnte er nicht verstehen. Es gab noch genug Platz, meinte er. Immerhin hat er sich danach entschuldigt. Gestern kam wieder so eine blöde Situation. Wir waren auf einer vierspurigen Straße rechts sortiert und wollten geradeaus fahren. Vor uns stand ein Auto, das nach rechts blinkte, an der roten Ampel. Geradeaus war die Ampel grün. Links hinter uns kamen rasende Autos. Statt zu bremsen ist Martin aber schneller gefahren, um sich zwischen den ankommenden Autos einzuschleichen. Als er die Spur gewechselt hat, wäre er nicht mehr in der Lage gewesen, rechtzeitig zu bremsen, um das stehende Auto zu vermeiden. Was wäre gewesen, wenn die Fahrer hinter uns sich genau so stur wie er verhalten hätten und beschleunigt hätten, um ihn nicht durchfahren zu lassen? Ein in Berlin durchaus plausibler Szenario. Ich bin in Panik geraten. Die Folgen sind klar: Mein Unterleib hat kurz danach plötzlich heftig gezittert und geschmerzt. Und heute Morgen war meine Temperatur gesunken. Ich habe noch leichte Schmerzen gespürt. Ich gehe jetzt davon aus, nicht mehr schwanger zu sein, warte aber noch erstmal ab, um sicher zu sein. Ich bin richtig sauer. Dass er sich wiederholt entschuldigt reicht langsam nicht mehr, wenn er sein gefährliches Verhalten nicht einstellt. Mit ihm Auto fahren kommt auf jeden Fall nicht mehr in Frage.


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Wechselnder Traum

Es war heute Nacht sehr konfus.

Ich war zuerst in der Wohnung meiner Mutter, mit meinem Freund — Martin, mein reizender neuer Arbeitskollege, der im wahren Leben leider nur ein Kollege ist. Die Wohnung war sehr groß und wir haben nach einem Schlafzimmer für Martin gesucht. Der Raum, der ausgewählt wurde, war sehr klein. Da war gerade genug Platz für eine große Matratze am Boden, die beide Wände auf jeder Seite berührte. Es war gut, dass die Tür zum Zimmer sich in Richtung Flur öffnete, sonst hätte die Matratze gar nicht im Zimmer gepasst. Den Rucksack von Martin haben wir hinter der Tür auf der Matratze gelassen. Wir sind in die Stadt spazieren gegangen und haben uns ständig geküsst, aber ich war ein bisschen perplex, weil sein Aussehen sich ständig änderte. Als ich ihn am Kopf angefasst habe und Haare gespürt habe, habe ich mich kurz gefragt, ob ich wirklich noch mit Martin war, da er sonst kahl ist, und ob er nicht sauer auf mich wäre, falls ich mich doch mit einem anderen Mann befand.

Ich habe nicht lange darüber gerätselt, weil es plötzlich einen Ortswechsel gab und ich am Steuer im Auto mit meiner Mutter unterwegs war. Wir sind an einer Kreuzung angekommen, ein Mann stand vor uns in einem kleinen weißen Nutzfahrzeug und blockierte die Straße. Ich bin an ihm auf dem Bürgersteig vorbei gefahren und habe ihn heftig beschimpft. Daraufhin ist er ausgestiegen. Ich dachte zuerst, er würde uns wegen meiner Beleidigung angreifen wollen, aber er hat ein Gerät aus seiner Tasche geholt, wie ein Lesegerät für Strichcodes, und hat es zum Himmel hoch gehalten. Ich habe meiner Mutter gesagt, er würde gerade eine online Bestellung machen wollen und deswegen den ganzen Straßenverkehr aufhalten. Als ich weiter fuhr, merkte ich auf einmal, wie die Mauer der Häuser auf der rechten Seite der Straße pixelweise grob flackerten. Es kam mir sehr komisch vor. Ich habe es meiner Mutter gezeigt, aber für sie war es normal. Wir sind ausgestiegen und zu Fuß weiter gegangen. Ich habe die Mauer neben mir genauer beobachtet, sie verhielt sich wieder normal als ob nichts wäre.


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Die Stadt stinkt

Ich musste heute raus gehen. Die Agentur für Arbeit erwartet ja meine Rückmeldung für die Stelle, die sie mir geschickt hatten, mit Begründung für die eventuelle Absage. Das Formular habe ich jetzt ausgefüllt und geschickt. Abgehackt. Die Bewerbung nach England habe ich doch nicht geschrieben, nachdem ich den vorgesehenen Gehalt gemerkt habe. Was promovierte Wissenschaftler am ISIS verdienen entspricht gerade das Gehalt von unseren Doktoranden auf 3/4 Stellen in Deutschland. Oder 1/2 Stellen, wenn es brutto war.

Das Wetter ist wieder traumhaft. Die Temperatur macht mit. Die Magnolienbäume sind gerade beim Erblühen. Die Leute sind mit Sommerkleidung und Sonnenbrillen unterwegs. Heute ist Donnerstag – warum war ich gestern so fest überzeugt, schon am Donnerstag zu sein? Egal, das hat mit dem jetzigen Eintrag nichts zu tun.

Ich bin die Theaterstraße runter gegangen. An einer Haltestelle waren viele Busse angehalten. Nicht nur die aus dem öffentlichen Nahverkehr, auch Reisebusse. Ihre Abgase mag ich nicht. Einige können wirklich aggressiv riechen. Ich bin möglichst schnell an ihnen vorbei gegangen. Nach der Post wollte ich noch ein paar Sachen kaufen, wie Katzenstreu. Auf dem Rückweg gab es viel mehr Leute auf der Straße, es war schon über mittags. Ich bin an vielen kleinen Gruppen vorbei gegangen, die am Rauchen waren. Mit riesigen Rauchwolken. Bei einigen war es auch nicht bloß Tabak. Den Geruch mag ich noch weniger. Eine neue Baustelle gab’s auch, ich bin die Theaterstraße auf der anderen Seite wieder hoch gegangen. Die haben viel Staub verursacht. An meiner Kreuzung gab es einen riesen Stau, mit entsprechenden Abgasen. Autos überall quer, man musste sich mit Einkaufswagen dazwischen einen Weg finden, niemand konnte richtig weg fahren, egal welche Farbe die Ampel zeigte. Der Bus vor meiner Haustür konnte nicht weg aus seiner Haltestelle. Ich bin froh, Fußgängerin zu sein.

Ich muss auch noch essen. Mir ist nicht danach. Und ich habe gerade festgestellt, dass ich heute schon 19 Seitenaufrufe habe, obwohl ich noch nichts geschrieben habe. Das Tagebuch einer arbeitslosen Wissenschaftlerin wird im Durchschnitt drei Mal mehr gelesen, als mein selbst verfasster Artikel über das Friedelsche Gesetz auf Wikipedia (in meiner Muttersprache). Irgendwie deprimierend.


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