Reizhusten

Corona habe ich offiziell nicht mehr, das Virus ist durch PCR nicht mehr nachweisbar. Ich habe trotzdem immer noch einen fiesen, hartnäckigen Husten.

Das ist lästig. Bei Videokonferenzen mit den Kollegen kann ich nicht lange reden, ohne husten zu müssen. Ich wache nachtsüber gegen fünf Uhr morgens auf und kriege so einen heftigen Hustenanfall, dass ich erstmal aufstehen und ein Glas Wasser zur Beruhigung trinken muss. Danach klappt es mit dem Weiterschlafen nicht mehr. Wenn ich zurück im Bett bin, bin ich schon wach. Wie gestern. Deswegen bin ich müde. Und deswegen schlafe ich momentan immer noch getrennt vom Ehemann, obwohl er keine Symptome mehr hat. Er soll wenigstens seinen Schlaf kriegen. Morgen ist sein letzter Tag Quarantäne.

Gegen Husten gewappnet[1].
Heute Nacht habe ich ausnahmsweise keinen Husten bekommen. Ich bin kurz nach vier aufgewacht, draußen war es laut, und ich konnte wieder einschlafen. Ich war gestern Abend bei der Apotheke und habe mir etwas gegen Husten empfehlen lassen. Hauptsache keine Homöopathie, habe ich der Frau hinter der Theke gesagt. Die Frage, wie mein Husten ist, war schwierig zu beantworten. Meistens ist er trocken, manchmal kommt Schleim mit, aber dann tagsüber. Ich habe erwähnt, dass ich gerade eine Corona-Erkrankung hinter mir habe. Ich habe zwei Medikamente bekommen, ein für die Nacht, ein für tagsüber. 22 €. Ich probier’s zwei, drei Tage aus und werde dann sehen, wie es am Wochenende aussieht. Wenn der Husten zurück kommt gehe ich zur Arztpraxis.

Direkt danach bin ich zu einem lang ersehnten Arzttermin gegangen. Ich hatte ja im Herbst Augenmigräne. Die Häufigkeit ist danach so hoch gestiegen, dass ich im November, eine Woche nach dem grippalen Infekt, vier Anfälle in einer Woche hatte. Die Hausärztin meinte, Augenmigräne sind in sich nichts Schlimmes, aber es wäre jetzt auffällig häufig und ich sollte mich neurologisch untersuchen lassen. Ich habe den Termin selbst geplant, anstatt dass meine Ärztin für mich anruft. Sie ist seit dem Anfang der Impfkampagne im Dauerstress. Die Folge war, dass ich einen Termin erst ab gestern bekommen konnte. Wenn meine Ärztin persönlich anruft, erfolgen Termine viel schneller. Blöderweise haben die Augenmigräne-Anfälle nach dieser Woche im November aufgehört. Ich vermute, weil ich in dem Moment meine Tätigkeit auf Arbeit geändert habe, von intensiver Modellierung, die auf Dauer auf dem Laptop für die Augen recht anstrengend ist, zur reinen Programmierung. Das geht wieder, seitdem wir einen neuen Kollegen bekommen haben. Ob es Sinn macht, nach der langen Zeit ohne Symptome den Termin wahrzunehmen? Ja, meinte der Ehemann.

Gestern Abend war ich also bei der Neurologie-Praxis. Zum ersten Mal. Es war dunkel. Ich war dabei, mich umzuschauen, wo sich der Türöffner bei den Briefkästen befindet, wie auf dem Zettel an der Tür beschrieben, aber ich kam nicht dazu, weil eine Frau, klein, geschätzt um die sechzig, die sich hinter der Tür aufhielt, mich gesehen und die Tür geöffnet hat. Nett, dachte ich zuerst, aber die Frau wurde mir schnell lästig, wie sie anfing, mit mir reden zu wollen, nur um zu erklären, dass sie hier auf eine Freundin wartete. Ein ununterbrochener Redefluss. Ohne Maske, übrigens. Mich interessierte ihre Geschichte nicht und ich war damit beschäftigt, herauszufinden, wo ich hin musste. Es gab keine Beschilderung, im Aufzug auch nicht. Ob ich im richtigen Haus war? Ich musste zurück an die Frau vorbei und war nach der kurzen Begegnung schon genervt von ihr. Als ich zurück in ihre Richtung kam, sagte ich, ich wüsste nicht, wo ich hin musste, ich wollte draußen auf den Briefkästen nochmal schauen. Sie meinte, hilfreich sein zu müssen, aber selber hatte sie auch keinen Schimmer, obwohl sie so selbstsicher tat. Sie ging sofort Richtung Aufzug mir entgegen und da der Flur so eng war, musste ich mit, um den direkten Körperkontakt mit ihr zu vermeiden. Zurück in den Aufzug gedrängt, kam sie mir unheimlich nah, um mir zu zeigen, wo ich drücken müsste, um dann festzustellen, es gab keine Beschilderung und sie könnte auch nicht helfen. Sehe ich so blöd aus, dass Leute denken, ich wäre selber nicht in der Lage, eine Beschilderung in einem Aufzug zu lesen? Selbst vor der Pandemie wäre mir ihr Drängeln viel zu viel Nähe von einer fremden Person gewesen. Ich habe tatsächlich gedacht, schade, dass ich Corona nicht mehr habe, bei ihrem Verhalten hätte sie es verdient, angesteckt zu werden. Verdammt. Ich gehe seit zwei Jahren kaum aus dem Haus, wenn ich nicht einkaufen muss, mache lieber Aktivitäten im Freien, Urlaub in Zeiten niedriger Inzidenz, treffe mich privat nur mit geimpften Personen, wie die Familie für Weihnachten, wasche mir die Hände andauernd und gehe nicht ohne Maske raus, um dann nach Booster-Impfung in einer Taxifahrt Omikron zu kriegen, und die Frau kuschelt quasi mit jeder fremden Person rum, die an ihr zufällig vorbei läuft? Wo ist die Gerechtigkeit[2]?

Ich bin auf gut Glück zur ersten Etage geflüchtet. Das Licht war aus und der Schalter nicht leicht zu finden. Als ich ihn fand war ich erleichtert, eine Tür mit den Namen von den Ärzten zu finden. Drin war der Empfang überfüllt. Ich konnte nicht mal die Tür öffnen, direkt dahinter stand ein Mann. Ich habe nur seine gelbe Jacke zu Gesicht bekommen, und ich habe gleich gehört wie eine weibliche Stimme sagte, „so geht es nicht, sie müssen draußen warten“. Der Mann mit der gelben Jacke kam raus, ich stellte mich hinter ihm an. Kurz danach kam eine Frau und stellte sich hinter mir an, dann noch eine, die es sich nach keinen zwei Minuten anders überlegte und weg ging, dann kam ein Mann. Der Flur vor der Praxis war genau so eng wie unten am Hauseingang. Ich war froh, dass der Mann in gelber Jacke rein konnte, bevor ein weiterer Patient kam. Kurz danach war ich dran, es war schon nach meinem Termin, obwohl ich eine Viertelstunde im Voraus gekommen war, aber es war klar, dass die Ärzte Verspätung hatten.

Ich habe mich nach der Anmeldung im halb vollen Warteraum hingesessen. Ich hatte ein Buch zur Überbrückung der Wartezeit mitgebracht, aber zum Lesen bin ich nicht gekommen. Reizhustenattacke. In der Maske ein Genuß. Nicht. Ich habe ein Glas Wasser getrunken und eine der gerade erworbenen Kapseln gegen Reizhusten geschluckt, keine Hilfe. Ich bin schließlich aus der Praxis raus gegangen und habe an der Rezeption gesagt, ich warte vor der Tür. Meinen Namen habe ich nochmal wiederholt. Zum Glück war das Treppenhaus zu dem Zeitpunkt leer, und kurz nachdem sich mein Hals beruhigt hatte, hörte ich, wie mein Name gerufen wurde. Die Rezeptionistin hatte den Namen schon nicht mehr erkannt.

Nach dem Termin bin ich zurück nach Hause gegangen. Seit dem Hustenanfall im Wartezimmer habe ich jetzt einen stechenden Schmerz oberhalb vom rechten Busen, wenn ich mich nach vorne bücke. Ob ich mir beim Husten einen Nerv in der Wirbelsäule eingeklemmt habe? Das ist mir schon mal vor vielen vielen Jahren passiert, als ich Doktorandin war. Ich hatte nach einer Bronchitis immer stärker werdende Schmerze unterhalb vom linken Busen und dachte, es wäre Muskelkater vom vielen Husten. Zum Schluß konnte ich nicht mal gerade stehen. Der Arzt meinte, ein Nerv wäre eingeklemmt, ich hatte mir eine Wirbel raus gehustet. Er hatte sie mir zurecht gedrückt, Knack, danach ging’s mir spürbar besser, der Schmerz hatte aber einen Monaten lang gebraucht, um komplett zu verschwinden.

Wenigstens hat die Kapsel gegen Reizhusten scheinbar heute Nacht geholfen.

[1] Unbezahlte Werbung.

[2] Gerechtigkeit ist nur eine menschliche Erfindung. Der Natur ist es Schnuppe. Sonst wären die Trumps und Bolsonaros dieser Welt schon durch Corona ins Jenseits befördert worden.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Schulterschmerze

Am Donnerstag habe ich Schmerze in der rechten Schulter bekommen. Es hat leicht angefangen. Als ich am Schreibtisch saß wurde es im Laufe des Nachmittags immer schwieriger, die Maus zu bedienen. Am Abend, als ich ins Bett gehen wollte, wurde das Ausziehen richtig schmerzhaft, ich konnte den Arm nicht mehr heben. Und einmal im Bett, konnte ich nicht richtig liegen. Ich schlafe normalerweise seitlich. Rechts ging gar nicht, ohne vor lauter Schmerzen zu schreien, da es zu sehr auf die rechte Schulter drückte, links ging aber auch nicht, weil der rechte Arm durch die Schwerkraft rutschte, was, ob nach vorne oder nach hinten, wieder mit Schmerzen verbunden war. Nach einer Stunde bin ich aufgestanden, habe meinen Kopfkissen genommen und bin nach oben zum Gästezimmer gegangen, um wenigstens dem Ehemann seinen Schlaf zu gönnen.

Am nächsten Morgen wurde es nicht besser. Nicht mal duschen konnte ich, dabei hätte ich mir so gerne die Haare gewaschen. Ich bin zu meiner Hausarztpraxis gegangen, nachdem ich telefonisch einen Termin vereinbart hatte. Trotzdem habe ich eine ganze Stunde im Warteraum sitzen müssen und durfte, nacheinander, einen älteren Herren, der ganz laut alle seine Klingeltöne am Handy durchprobierte, und einen jungen Mann mit affigem Rapper-Gang und dämlicher Bekleidung, der offensichtlich nach Aufmerksamkeit rang und ständig laut auf sein Handy fluchte, ertragen. Die Diagnose, als ich endlich untersucht wurde: Impingement. Warum Ärzte nicht einfach Einklemmung sagen, frage ich mich. Ibuprofen[1] und Physiotherapie wurden angeordnet. Die Ärztin fragte mich, ob ich Hilfe bei der Praxissuche bräuchte und ich habe leichtsinnig gesagt, ich könnte selber danach suchen. Der Ehemann hat mir die Kontaktdaten von der Physiotherapie-Praxis bei uns geschickt, die er wegen Achillessehne schon besucht hatte. Keiner ging ran außer der Anrufbeantworter, der mich informierte, freitags hätte die Praxis nur bis mittags auf. Zu spät.

Auf dem Rückweg aus meiner Arztpraxis habe ich Gemüse für eine Suppe am Abend eingekauft. Der Ehemann musste das Schneiden vom Kürbis übernehmen, das hätte ich nicht geschafft. Ich habe beschlossen, danach warm zu baden, um die Schulter zu entspannen. Es war ein Fehler. Aus der Badewanne wieder heraus zu kommen war die reine Folter. Geschlafen habe ich wieder oben alleine.

Als ich heute jemanden in der Praxis erreichen konnte, wurde mir erzählt, dass dort keine Kassenleistungen angeboten werden. Nur Privatpatienten und Selbstzahler würden sie nehmen. Komisch, der Ehemann ist doch auch freiwillig gesetzlich versichert. Wie viel würde eine Behandlung kosten, wollte ich wissen. Die Frau hat kurz gezögert und anstatt zu antworten, fiel ihr plötzlich ein, sie würden mit einer anderen Praxis arbeiten, die bei mir direkt um die Ecke liegt – genau die Praxis, wo der Ehemann auch gewesen war. Sie hat mir die Nummer gegeben. Erreicht habe ich dort niemanden. Ich habe am Ende alle Physiotherapie-Praxen in der Umgebung angerufen, was ich schon am Freitag hätte machen können, wenn der Ehemann mir nicht die eine Telefonnummer geschickt hätte. Die einzige Praxis, die ans Telefon ging, hat mir den ersten Termin in einem Monaten angeboten.

Einen ganzen Monat Wartezeit! Mit den teuflischen Schmerzen, die ich am Freitag hatte, wäre ich durchgedreht. Ibuprofen hatte keine Linderung gebracht. Ich habe aber Glück. Am Samstag konnte ich gar nichts machen, nicht mal Gitarre üben, und ich habe beschlossen, nach langer Zeit mal wieder am Rechner zu spielen. Vielleicht nicht so klug, da die Schmerzen beim Arbeiten am Schreibtisch entstanden waren? Ha! Nach einigen Stunden entspanntes Liegen vom Arm auf dem Schreibtisch sind die Schmerze tatsächlich von alleine verschwunden, und der Arm hat seine Beweglichkeit wieder gefunden! Nur noch leichte Erinnerungsschmerze sind noch da. Die Krankengymnastik will ich trotzdem wahrnehmen. Was auch immer letzte Woche passiert ist, es muss untersucht werden, auch wenn ich daran zweifle, dass man nach einem Monat noch etwas heraus finden kann.

Es bleibt weiterhin ein Skandal, dass man so lange nach einem Termin für eine Behandlung warten muss, wenn man akut leidet. Wie bei meiner Ischias-Geschichte. Trotzdem werde ich aus Prinzip nicht zu einer privaten Krankenversicherung wechseln. Diese Zwei-Klassen-Medizin ist eine Schande und gehört abgeschafft.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Pieks die Zweite

Wir haben gestern die zweite Impfung in unserer Arztpraxis bekommen.

Der Ehemann hatte dafür Home Office beantragt. Seitdem Arbeitgeber offiziell nicht mehr verpflichtet sind, Home Office zu ermöglichen[1,2], muss er wieder täglich ins Büro, obwohl seine Tätigkeit es nicht täglich erforderlich macht. In seinem Fall finde ich es trotzdem sinnvoll, wenn er nicht zu Hause arbeitet. Er wird schnell abgelenkt und leistet viel weniger Arbeitsstunden als ich – die acht Stunden am Tag sind meistens bei ihm nicht drin, zu Hause. Dabei kriegt er häufig Lob vom Chef zu hören und sein Gehalt hat sich erhöht. Ich fühle mich verarscht, wenn ich sehe, wie viel ich arbeite und wie wenig Anerkennung ankommt – mein Gehalt ist seit meiner Einstellung gleich geblieben. Das heißt, je mehr die Inflation steigt, desto weniger verdiene ich. Das war im öffentlichen Dienst nicht so, damals hatte ich regelmäßig Gehaltserhöhungen, jedes Jahr oder jedes zweite Jahr, ich weiß nicht mehr. Wenigstens darf ich erstmal im Home Office bleiben. Anders wäre es auch nicht möglich. Die Firma ist gewachsen, wir haben viele neue Mitarbeiter, und es war schon eng in den Büros, bevor die Pandemie angefangen hat. Wenn wir uns nicht gegenseitig auf dem Schoß sitzen wollen, müssen die Schreibtischkollegen weiterhin zu Hause arbeiten.

Diesmal mit Sonnenblumen.

Ich schweife vom ursprünglichen Thema ab. Gestern also die zweite Impfung, genau in der Mittagspause. Nachdem wir beim ersten Mal mit dem AstraZeneca-Impfstoff geimpft wurden, haben wir den BioNTech-Impfstoff bekommen. Die sogenannte Kreuzimpfung[1], die sogar besser als eine doppelte Impfung mit BioNTech sein soll, laut noch nicht veröffentlichten und daher mit Pinzetten zu nehmen Daten, sagt der verlinkte Artikel. Ich hatte mir Sorgen wegen den Nebenwirkungen gemacht. Es hieß ja, die erste Impfung mit AstraZeneca hat die stärksten Nebenwirkungen, bei BioNTech ist es die zweite Impfung. Yeah, wir dürfen zweimal nach der Impfung flach liegen, habe ich gedacht. Dabei war ich gestern schon mit Kopfschmerzen und Müdigkeit aufgestanden, ich hatte gefürchtet, im Laufe des Tages richtig üble Migräne zu bekommen. Nein. Ich war erstaunt, dass meine Kopfschmerze sogar nach der Impfung schwächer wurden und ich mich geringfügig fitter gefühlt habe. Die Müdigkeit ist geblieben, aber die hatte ich schon vorhin und es war ein sehr warmer Tag, auch im Wartezimmer der Arztpraxis, wo ich fast eingeschlafen wäre.

Im Wartezimmer vor der Impfung saßen eine Frau und ein älterer Herr. Der Ehemann musste deswegen draußen im Treppenhaus warten. Die Frau meinte, mit uns über Impfung und wie schwer es für die Kinder ist diskutieren zu müssen. Dabei fiel mir schnell auf, diskutieren wollte sie nicht, ihr ging’s darum, uns ihre Meinung aufzuzwingend, ohne sich dafür zu interessieren, was wir dachten, und ich habe mich nach zwei Wörtern nicht mehr beteiligt. Ich war zu müde dafür. Der ältere Herr war beim Reden so laut dass ich es kaum ertragen konnte. Er meinte, er würde sich nur impfen lassen, damit er nicht jedes Mal einen negativen Test vorweisen muss. Ich denke, so einfach wird es nicht lange bleiben, nach der Impfung, da wir jetzt wissen, dass selbst Geimpfte sich mit der Delta-Variante infizieren[3] und so zur Verbreitung vom Virus beitragen können. Abgesehen davon weiß man, dass Genesene nach einer bestimmten Zeit nur noch wenig Immunität haben, der Schutz der Impfung ist vermutlich auch nicht für immer. Irgendwann werden sich Geimpfte wieder testen lassen müssen.

Mittagspause.

Nach der Impfung sind wir essen gegangen. Die Terrasse vom mexikanischen Restaurant hatte viele freie Tische im Schatten. Ich habe mir einen süßen alkoholfreien Cocktail bestellt – wie immer wenn ich Kopfschmerze habe, hatte ich Lust auf Zucker. Der Salat mit Tintenfischringen war genau richtig, vor allem, weil die Ringe nicht paniert und frittiert wurden, wie so häufig der Fall ist, sondern nur in der Pfanne angebraten waren. Wir waren noch auf dem Markt einkaufen, bevor wir zurück nach Hause gelaufen sind, und ich konnte zwei Stunden gut arbeiten, während der Ehemann Feierabend erklärt hatte.

Heute geht’s mir blendend. Der Ehemann ist mit Kopfschmerzen und Gliederschmerzen aufgewacht, er hat sich krank gemeldet und bleibt erstmal im Bett.

[1] Unbezahlte Werbung, da Verlinkung.

[2] Ein weiterer Grund, warum mir ein Regierungswechsel ohne CDU (und bitte auch ohne AFD) wünschenswert erscheint.

[3] Ein Überblick über den Schutz der verschiedenen Impfstoffen gegen die Delta-Variante[1].

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Gedanken im Zug

Ingolstadt.

Ich sitze am Tisch und nasche am Schokoladenstück, das uns der Kontrolleur mitgebracht hat. In unserem Abteil ist es angenehm. Wir sitzen nur zu zweit und die Temperatur ist gerade richtig eingestellt. Ich hatte ein Pulli gepackt, weil ich es schon ganz anders erlebt habe, im Zug im Sommer. Das wäre doch egal gewesen, da wir im Abteil selber die Temperatur regeln können.

Wir sind unterwegs nach Berlin. Der Anlass ist nicht fröhlich. Der Ehemann hatte auf den Sommer gesetzt, in der Hoffnung, dass die Corona-Fallzahlen wie letztes Jahr genug sinken und sich mehr Leute treffen können, um die Trauerfeier für seinen Vater zu organisieren. Das ist wichtig, weil so viele von seinen Freunden im hohen Alter sind. Inzwischen sind die meisten von ihnen vollständig geimpft.

Gerade sind wir aus Nürnberg weiter gefahren. Wir haben die Dame vom Bistro glücklich gemacht. Ab heute gibt es nämlich wieder gastronomischen Service in der ersten Klasse, und bis zu unserem Abteil wollte niemand von ihr etwas haben. Die Leute haben sich an die Monate ohne Service gewöhnt. Ich freue mich aber immer auf einen schwarzen Kaffee.

Da die Mietwohnung vom Schwiegervater jetzt neu vermietet wurde, haben wir uns ein Hotelzimmer gebucht. Bei Christina, seiner Cousine in Berlin, meint der Ehemann nicht gut schlafen zu können. Berlin fühlt sich nicht mehr wirklich wie zu Hause an. Ich habe lange die Hauptstadt vermisst, aber nach über einem Jahr Home Office ist es mir egal geworden, wo ich lebe. So lange die Vermieterin die Miete nicht erhöht. Da trauere ich unserer Eigentumswohnung schon nach. Aber ich habe gemerkt, es hat was, nicht mehr in einer Hauptstadt zu leben. Die ärztliche Versorgung ist besser. Das ist ein wichtiger Punkt. Jünger wird man nicht. Man muss hier nicht Monate warten, um einen Termin zu bekommen. Wenn ich ein Problem habe, gehe ich zu meiner Hausarztpraxis, und dort wird bei den Kollegen telefoniert, ob ich gleich an dem Tag ran komme, wenn ich zu einer Fachpraxis überwiesen werden muss. In Berlin hatte ich selbst nach einem von meinen vielen Spontanaborten keine Gynäkologie-Praxis in meinem neuen Kiez gefunden, nach dem Umzug mit dem damals noch nicht Ehemann, die mich als neue Patientin annehmen wollte.

Mist. Auf einmal wird es mir viel zu warm. Dabei trage ich nur einen kurzen Jeansrock und ein T-Shirt. Ich frage den Ehemann, ob es ihm auch zu warm ist. Nein, sagt er. Es muss die Menopause sein. Meine letzte Regelblutung liegt jetzt fast drei Monate her. Oder liegt es an der Schokolade-Kaffee-Kombination am frühen Morgen? Der Ehemann hat ganz lieb die Temperatur runter gestellt.

Apropos Gesundheit, ich frage mich, warum es keine Möglichkeit gibt, sich im Zug testen zu lassen. Ich meine nicht den Kanton Zug in der Schweiz, das ist nämlich das, was ich als Ergebnis bekomme, wenn ich „Corona Schnelltest im Zug“ in Suchmaschinen eingebe. Wir haben für heute Abend einen Tisch in einem Restaurant reserviert, und müssen ein negatives Testergebnis vom Tag vorweisen. Heute früh sind wir durch den ganzen Hauptbahnhof in München gelatscht und haben keine einzige Apotheke gefunden. Wir kommen nachmittags in Berlin an und an einem Samstag kann ich mir vorstellen, dass die Leute Schlangen stehen werden, um sich testen zu lassen. Wenn wir keinen Test bekommen, holen wir uns ein Sandwich. Dabei sitzen wir gut viereinhalb Stunden im Zug. War es in all den Monaten nicht möglich, ärztliches Personal an Bord einzustellen, um Schnelltests anzubieten? Von mir aus nur an den Haltestellen, wenn es nicht wackelt. Oder hat keiner dran gedacht? Selbst wenn es teurer als in Apotheken gewesen wäre, hätte ich das Angebot heute gerne wahrgenommen. Da hat die Bahn die Gelegenheit verpasst, Geld zu verdienen.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Und es hat Pieks gemacht

#TeamAstraZeneca

In der Praxis läuft die Impfung wie am Fließband. Wegen der Abstandsregelung mussten Leute teilweise im Treppenhaus warten, und uns wurde empfohlen, eher zehn als fünfzehn Minuten nach der Impfung in der Praxis zur Beobachtung zu bleiben. „Beobachtung“ ist übertrieben, da das ganze Personal zwischen Patientenempfang und Impfung eingespannt war, und keine Zeit für etwas anderes hatte. Aber zwischendurch kam jemand ins Zimmer rein, wenn nur um zu schauen, wo die neuen Ankömmlinge denn verweilen dürfen.

Nach den zehn Minuten haben wir die Praxis verlassen. Wir sind zum Markt einkaufen gegangen. Ich habe kurz einen leichten Schmerz an der Stichstelle gespürt, das ist schon vorbei. Vielleicht fühlt sich jetzt mein Nacken links gespannt an. Vielleicht bilde ich es mir ein. Nach fast drei Stunden geht es mir noch gut. Mal schauen.

Über das Marienkäferpflaster habe ich mich wie ein Kind gefreut. Ich hatte es bei der FSME-Impfung angeboten bekommen und habe heute frech danach gefragt. Das Highlight jeder Impfung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Impftermin am Donnerstag

Dank des Ehemannes haben wir einen Termin bei unserer Arztpraxis bekommen. Ich hatte uns vor einigen Wochen beim Bayerischen Impfzentrum angemeldet, aber seitdem habe ich keine Rückmeldung bekommen, automatische Bestätigungsemails ausgenommen. Das ist schon über einen Monat her. Der Ehemann hat neulich während einer ärztlichen Untersuchung gefragt, ob wir nicht in der Praxis geimpft werden könnten. Es würde ab und zu passieren, dass Leute ihre Termine absagen, hat er erzählt bekommen. Letzte Woche kam ein Anruf der Praxis, am Donnerstag sind wir dran. Voraussetzung war, dass wir uns einverstanden erklären, mit dem Impfstoff von AstraZeneca geimpft zu werden.

Mein deutscher Impfpass.

Urlaub im Sommer dürfte dann nichts im Wege stehen. Ob wir bis dahin einen elektronischen Impfpass bekommen? Es gab vor einigen Tagen in den Nachrichten einen Bericht über den illegalen Handel mit Impfpässen, die mit gefälschten ärztlichen Stempeln und Aufklebern von Impfstoffen gegen Covid-19 versehen sind. Mein deutscher Impfpass ist um die fünfzehn Jahre alt und trägt Gebrauchsspuren, aber irgendwann kommt bestimmt jemand auf die Idee, nicht nur nagelneue gefälschte Impfpässe zu verkaufen, sondern gegen Zahlung den gefälschten Eintrag in den legitimen Impfpass zu machen, wenn es nicht schon so läuft. Das würde mich nicht wundern, und ich frage mich, wie man dann noch kontrollieren soll, ob man wirklich geimpft wurde, wenn Freiheitseinschränkungen bedingt aufgehoben werden sollen. Allein die Prüfung von meinen negativen Tests an Flughäfen bei meinen Ein- und Ausreisen nach Frankreich fand ich dürftig. Die Beamten bei der Passkontrolle in Nizza hatten nur gesucht, wo das Ergebnis steht, da jedes Labor sein eigenes Format hat, und keiner hatte geprüft, ob das Labor überhaupt existiert. Da wird bestimmt auch massiv betrogen.

Ich schleppe mit mir sonst auch mein altes französisches Gesundheitsheft mit. Es fällt auseinander und ich hatte schon in der Schule die Seiten mit Tesaband[1] (pardon, Scotch[1], wie wir in Frankreich sagen) befestigen müssen. Handschriftliche Einträge mit Sauklaue (wobei es auf den unten fotografierten Seiten geht) und ohne Impfung-Aufkleber, es ist mühsam, bei jedem Arztwechsel alles neu zu entziffern. Einen elektronischen Impfpass würde ich begrüßen.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Wasserstandmeldung

Ich bin erschöpft. Kaum zu glauben, dass der letzte Urlaub keine zwei Monate her liegt. Heute mittags habe ich mich im Spiegel angeschaut und einen Schreck bekommen. Solche dunkle Ringe unter den Augen sind mir neu.

Auf Arbeit gibt es immer mehr zu tun. Nicht ganz unerwartet, in meiner Branche, in Pandemie-Zeiten. Meinem Arbeitgeber geht’s richtig gut. Ich bin trotz Home Office platt. Seit dem Anfang des Jahres hat sich meine Überstunden-Situation nicht gebessert, und so lange wir keine Zeiterfassung haben, kriege ich nichts davon:

KW 39 40 41 42 43 44 45
Arbeitszeit 44:07:37 42:34:13 43:40:48 41:19:45 34:37:01 49:31:49 48:33:29
Überstunden 4:07:37 2:34:13 3:40:48 1:19:45 2:37:01 9:31:49 8:33:29

Kein Wunder, dass ich hier in letzter Zeit so wenig schreibe.

Dabei war ich in der 43ten Woche ein Tag krank. An dem Mittwochabend lag ich alleine im Wohnzimmer auf der Couch und las auf dem Handy, während der Ehemann oben im Arbeitszimmer war. Ich habe kurz den Kopf minimal zur Seite geneigt und auf einmal hat sich der ganze Raum gedreht. Ich dachte zuerst, es hört gleich auf, aber nein, im Gegenteil drehte sich der ganze Raum schneller und schneller. Ich könnte meine Umgebung gut scharf sehen, nur ruhig blieb sie nicht. Mit geschlossenen Augen ging es mir noch gut. Kein Schwindelgefühl, keine Übelkeit oder sonst was. Mit geöffneten Augen hatte ich den Eindruck, ich würde gleich von der Couch fallen. Panik. Ehemann gerufen, mehrmals, ich glaube, er hört langsam nicht mehr so gut. Das Handy konnte ich nicht benutzen, um ihn anzurufen, da ich nichts mehr fokussiert schauen konnte. Als er endlich die Treppe runter kam, hörte es auf, und ein Rauschen wurde plötzlich laut in meinem linken Ohr. Das Ohr vom Hörsturz, das sich inzwischen völlig erholt hatte, Corona und Home Office sei dank. Das Rauschen ging nach dem Schwindel schnell zu Ende. Übrig blieb die Angst, was denn gerade los war.

Am nächsten Tag bin ich nach einer schlechten Nacht gleich bei der Eröffnung zu meiner Arztpraxis gerannt. Genauer gesagt, der Ehemann hat mich hin gefahren, da ich Angst hatte, die Strecke alleine zu laufen. Man sollte eigentlich nicht mehr einfach so auftauchen, wegen Corona, mahnte mich die Sekretärin in der noch leeren Praxis, aber bleiben durfte ich doch. Nach der Untersuchung bin ich zum hiesigen HNO-Arzt überwiesen worden, worüber ich mich gefreut habe, da ich mit der Notlösung in der Nachbarstadt nicht richtig zufrieden war. Am Nachmittag wurde ich gleich untersucht. Mir wurde warme und kalte Luft in die Ohren geblasen, und anschließend die Augenbewegung gemessen. Beim ersten Versuch rechts habe ich mich ganz schwindelig gefühlt, bei den Anderen habe ich gar nichts gespürt. Ich dachte schon, ich hätte ein größeres Problem. Das Ergebnis: Nichts. Der Arzt konnte keine Ursache für den Schwindel feststellen. Seine Vermutung: Kleine Kristalle hätten sich gelöst und auf die Härchen im Innenohr gerieselt. Es scheint häufig zu passieren[1]. Dass ich beim ersten Versuch so stark reagiert habe, wäre ein Zeichen für Hypersensibilität, aber eigentlich hätte ich bei allen Messungen eine Reaktion gezeigt. Ich habe nichts davon gemerkt.

Am letzten Wochenende sind wir gewandert. Der Schwindel war schon Geschichte, aber an dem Tag ging es mir nicht gut. Unsere neuen Nachbarn in der kleinen Wohnung neben uns, die ich seit ihrem Einzug in März noch nie gesehen und kaum gehört habe, meinten wohl, am Freitagabend die Wohnung gründlich zu säubern. Bis zwei Uhr morgens haben sie völlig rücksichtslos Möbel verrückt und staubgesaugt. Der Ehemann schlief seelenruhig neben mir, als ich beschlossen habe, im Gästezimmer oben zu schlafen. Kurz danach haben die Nachbarn ihre Wohnung verlassen, und als ich die Jalousie am Fenster oben herunter gezogen habe, habe ich sie ins Auto einsteigen und verschwinden gesehen. Danke. Nicht. Ich habe in der Nacht kaum schlafen können, und das Wandern am nächsten Tag war hart, obwohl die Strecke diesmal richtig schön war. Ob die Nachbarn wieder ausziehen? Seitdem wir hier wohnen, sind sie schon der dritte Haushalt drin. Nein. Am nächsten Abend war Party. So kurz vor dem neuen Lockdown. Na toll, habe ich gedacht, es fehlt nur noch, dass die sich anstecken, und der Ehemann in Quarantäne muss, weil die Corona-Warn-App meint, wir wären mit den Nachbarn zusammen gewesen. Unser Schlafzimmer ist recht nah an die andere Wohnung. Jedenfalls konnte ich die zweite Nacht in Folge nicht gut schlafen, und am nächsten Tag hatte ich richtig schlimme Migräne. Diese Woche habe ich zu viel gearbeitet, und heute Nacht wurde es wieder laut in der Wohnung nebenan. Nicht so laut dass man sich beschweren könnte, aber laut genug, um mich am Einschlafen zu hindern. Bis um halb zwei die Wohnung verlassen wurde. Verdammt. Ich hoffe, es wiederholt sich nicht jedes Wochenende.

Der Ehemann war am Wochenende wieder in Berlin. Der Schwiegervater ist seit März im Pflegeheim und wird zunehmend dement – mein Eindruck. Wir wissen, dass er nicht mehr in der Lage ist, sich lange zu unterhalten, und nach keiner Stunde wieder anfängt, dasselbe zu erzählen, weil er vergessen hat, was er gesagt hat (abgesehen davon, dass er seit seinem Schlaganfall nur noch schwer reden kann). Jetzt vergisst er Verabredungen mit dem Ehemann, wie gestern. Er meint, seine Wohnung leeren zu müssen. Der Ehemann hilft ihm schon seit Monaten dabei und fährt zweimal im Monat hin, letztens mit dem Auto. Gestern war er mit seinem Vater im Heim verabredet, um zusammen zur Wohnung zu fahren. Das hat er ihm mehrmals am Telefon gesagt, und was war gestern? Der Schwiegervater ist alleine zur Wohnung gegangen und hat angefangen, selber schwere Gegenstände herum zu schleppen. Dafür ist er wirklich nicht mehr fit genug.

Der Ehemann ist heute am späten Nachmittag zurück gekommen. Es hat uns Crémant de Bourgogne zum Anstoßen mitgebracht. Mit meiner Müdigkeit war mir ein Glas schon zu viel.

[1] Unbezahlte Werbung, da Verlinkung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Selbstbildnis mit Gehirn

Die Hörsturzgeschichte, Fortsetzung. Bei meinem letzten Besuch in der HNO-Praxis letzte Woche meinte der Arzt, einen Hörunterschied feststellen zu müssen. Links reagiere ich ein Tick langsamer als rechts. Obwohl ich überzeugt bin, jetzt wieder ganz normal zu hören, und Zweifel an die Aussage vom Test bekommen habe, weil es im angeblich gedämpften Testraum teilweise so laut war, weil jemand eine Etage höher dabei war, herum zu rennen und Möbel zu verrücken, dass ich die leisen Töne kaum hören konnte. Die Arzthelferin so: „Sie müssen sich ja auf die Geräusche im Kopfhörer konzentrieren“. Ich gedanklich so: „Beim nächsten Mal besuche ich besser die Praxis in meinem Dorf[1]„. Ich bin ja nur in Germering gelandet, weil am Hörsturztag die Praxis bei mir geschlossen war.

Also war ich heute zur MRT-Untersuchung, weil man nie weiß, vielleicht drückt ein Tumor oder sonst was gegen mein linkes Ohr. Befund: Alles gut.

Zum Bild: Es sind vier ausgewählte Bilder aus der MRT-CD mit GIMP[2] kombiniert worden.

[1] Gut, offiziell eine Stadt. Es fühlt sich nur nicht so an.

[2] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und Verlinkung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

K.O.

So lässt sich der Anfang des Jahres gut beschreiben. Ich bin seit einem Monat nicht mal dazu gekommen, hier in meinem Tagebuch irgendwas zu schreiben. Wenn ich mal Zeit gehabt hätte, hat mir die Motivation einfach gefehlt. Gekocht? Nur selten, und nichts, was ich hier fest halten möchte, wenn es was neues war.

Zum einen bin ich müde. Mein Entschluss, mit den Überstunden aufzuhören, stimmt mit der Realität nicht überein. Clockify[1] verrät es mir:

Kalenderwoche 2 3 4 5 6
Arbeitszeit 30:12:20 45:35:37 38:52:13 46:31:50 29:13:21
Überstunden -1:47:40 5:35:37 6:52:13 6:31:50 5:13:21

Dabei war in der 2. Kalenderwoche der Montag frei (Dreikönigfest), den Nachmittag des ersten Arbeitstages hatte ich beim Arzt verbracht, in der 4. Woche hatte ich mir den Freitag frei genommen, und diese Woche bin ich heute und morgen krank geschrieben.

K.O. fasst aber aus einem anderen Grund die letzten Wochen sehr gut zusammen: Zuerst das Knie, dann das Ohr. Bäm.

Das Knie habe ich mir gleich am ersten Arbeitstag des Jahres verletzt. Ich bin an einem nicht so kalten Morgen aus dem Bus ausgestiegen, nachdem es unterwegs angefangen hatte leicht zu regnen, habe die Straße überquert und bin von der glatten Eisfläche auf dem Bürgersteig auf der anderen Seite der Straße sehr überrascht worden. Die Luft war nicht kalt, aber der Boden noch gefroren, und durch das Regen hatte er sich im Nu zu einer Eisbahn umgewandelt. Es hat nur den Bruchteil einer Sekunde gedauert: Der rechte Fuß ist in seinem starren Lederstiefel nach links gerutscht, ich habe das Gleichgewicht verloren und bin mit dem Gesäß auf dem rechten Unterschenkel gelandet, wodurch das Kniegelenk gezerrt wurde. Ich konnte nicht mal wieder aufstehen, weil es so glatt war, dass ich keinen Halt unter den Füßen mehr finden konnte. Eine Frau hat mir wieder hoch geholfen und ist weiter gezogen. Panik. Ich habe gute zwanzig Minuten für den Rest der Strecke zur Arbeit gebraucht, dreimal so lange wie sonst.

Am Anfang lässt sich das Knie nichts anmerken, aber nach drei Stunden am Schreibtisch tut er plötzlich weh, als wir mit Kollegen essen gehen. Ich verbringe den Nachmittag beim Durchgangsarzt in meinem Dorf, kriege eine fürchterlich nach Erdöl stinkende Salbe auf dem Knie geschmiert, eine Bandage herum, soll diese erst in drei Tagen abmachen und Hitze vermeiden. Ich halte den Geruch der Salbe nach zwei Tagen nicht mehr aus, packe das Knie wieder frei und bade ausgiebig. Zwei Wochen lang halten die Schmerzen an, vor allem, wenn ich Treppen runter gehe. Bis ich an einem eiskalten Samstag nach dem Einkauf im Dorfzentrum zu Fuß nach Hause gehe, weil ich die S-Bahn verpasst habe. Ich trage einen kurzen Rock mit dicken Strumphosen, die gegen die Kälte nicht mehr helfen, als der starke Schneeregen anfängt. Ich komme nach zwanzig Minuten klatschnaß und gefroren zu Hause an und ziehe mich erstmal um. Seitdem sind die Schmerzen aber völlig verschwunden.

Dann das Ohr. Ich habe den heutigen Tag in Arztpraxen verbracht, weil ich seit Dienstagabend plötzlich eine ganz andere auditive Wahrnehmung erlebe. Rechts ist alles gut. Links kommen die Geräusche auch normal an, aber obendrauf höre ich leise die Geräusche deformiert und metallisch klingend, vor allem bei hohen Frequenzen. Und wenn es hoch und laut ist, wie beim Mädchen, das heute Morgen im Bus auf einmal laut kreischen musste, ist es schmerzhaft. Wenn ich rede, höre ich meine Stimme doppelt. Ich war eigentlich zuerst zur Arbeit gefahren, weil ich dachte, es würde sicherlich nach einigen Tagen wieder abklingen. Arndt, mein Chef, hat meine Geschichte gehört[2] und mich sofort ohne Ausrede zum Arzt geschickt. Meine Hausärztin hat mich zu einer HNO-Praxis überwiesen, wo ein harter Pfropfen festgestellt wurde. Nach dessen Beseitigung wurde ein Hörtest durchgeführt, und die Diagnose: Hörsturz bei hohen Frequenzen. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich zu der Hörstörung keinen begleitenden Tinnitus oder Schwindel habe.

Was einen Hörsturz auslösen kann ist unklar. Häufig wird Stress als mögliche Ursache benannt. Stress habe ich, auf Arbeit. Aber ich kann mir andere Ursachen ausdenken. Zum Beispiel, dass ich am letzten Wochenende am Rechner vom Ehemann gespielt habe, der in Berlin war, und ich seine Kopfhörer benutzt habe, die enger als meine eingestellt sind und mir auf Dauer Schmerze verursacht haben. Seitdem spüre ich eine Störung im Ohr, und die Tondeformation hat sich erst drei Tage später bemerkbar gemacht. Oder die Tatsache, dass mir der Ehemann für Weihnachten eine Gitarre geschenkt hat, und ich seit vier Wochen fleißig lerne. Alleine, ohne Lehrer, denn ich mit Arbeits- und Pendlerpensum keine Zeit für einen regelmäßigen Unterricht hätte. Meine Haltung war am Anfang falsch und ich habe schnell Schmerze in der linken Schulter gespürt, die bis zum Hals und fast zum linken Ohr gestiegen sind. Jetzt geht’s besser. Oder ist es kein Zufall, dass ich Migränen vorwiegend links habe, und jetzt das linke Ohr einen Schaden hat? Behandlungsmöglichkeiten sind auch unklar. In vielen Fällen klingt ein Hörsturz von alleine wieder ab. Bei mir ist es seit Dienstag eher schlechter geworden, und der Arzt hat mir empfohlen, Cortison einzunehmen. Als Infusion. Keine Kassenleistung, die 80€ Medikation + 60€ Behandlung in der Praxis zahle ich aus eigener Tasche. Ich habe heute Nachmittag am Tropf gehangen, dann nochmal morgen und übermorgen. Ob es etwas bringt ist umstritten, es soll die natürliche Heilung unterstützen, sofern eine natürliche Heilung statt findet. Ich hoffe es sehr, weil es jetzt grauenhaft geworden ist, auf der Gitarre zu üben. Ich kann nicht mehr mit dem Ohr die Saiten relativ zu einander stimmen und muss das Stimmgerät benutzen, Akkorde klingen auf einmal ganz falsch. Es wäre echt blöd, in so kurzer Zeit das Lernen einstellen zu müssen. Kleiner Trost, Motörhead hören wird dadurch nicht wesentlich beeinträchtigt sein.

K.O. will ich aber nicht sein. Der Ehemann braucht mich, momentan umso mehr, seitdem sein Vater Anfang Januar einen leichten Schlaganfall erlitten hat. Als er ins Krankenhaus gebracht wurde, konnte er sich nicht mehr richtig ausdrücken. Der Ehemann hat seitdem fast jedes Wochenende in Berlin verbracht und ihn im Krankenhaus besucht. Jetzt fühle ich mich auch noch schuldig, dass wir wegen meiner neuen Stelle von Berlin nach München umgezogen sind. Es wäre nicht so stressig, würden wir noch in Berlin wohnen. Der Schwiegervater ist letzte Woche vom Krankenhaus entlassen worden. Entscheidend war dabei, dass sie den Ehemann gefragt haben, ob Pflege und weitere Behandlung für den Schwiegervater organisiert wurden. „Nein“, hat der Ehemann geantwortet, „aber zur Not werden wir es machen (müssen).“ Und Schwupps wurde der Schwiegervater an dem Tag auch entlassen. Völlig unzulässig, wie der Arzt gestern dem Ehemann mitteilte, der wieder in Berlin ist und dank Vorsorgevollmacht bei Terminen anwesend sein darf und Entscheidungen treffen kann. Der Schwiegervater ist nicht mehr in der Lage alleine zu leben und muss in ein Pflegeheim. Eine leichte Demenz wurde ihm schon vor einigen Monaten diagnostiziert, und seitdem er am Ende vom extrem heißen Sommer kollabiert hatte, hat der Ehemann einen Pflegedienst für seinen Vater organisiert, der ihn in die Wohnung besuchen soll. Das hatte der Schwiegervater akzeptiert, als er im Krankenhaus war, um dann fürchterlich mit der armen Frau zu schimpfen und sie weg zu schicken, als er dachte, ihm ginge er besser und er bräuchte keine Hilfe. Am Wochenende selbes Spielchen. Dem Ehemann hat er alles zugestimmt, als er im Krankenhaus war, um dann am Montag zu Hause wieder dem Pflegedienst abzusagen. Daher ist der Ehemann wieder nach Berlin gefahren, und arbeitet von dort aus, wenn er Zeit dafür findet. Insofern ist es gut, dass der Arzt auch dem Schwiegervater sagt, es geht jetzt alleine nicht mehr weiter so. Die nächsten Wochen werden noch stressig.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und Verlinkung.

[2] Ich habe gestern von zu Hause aus gearbeitet, da ich am Vormittag die Kontrolluntersuchung für das Knie hatte.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Doch wieder die Pille


Ich dachte, ich würde nie wieder die Pille nehmen. Jetzt habe ich ein Rezept für vier Monate bekommen. Heute Morgen in Anwesenheit vom Ehemann die erste Pille geschluckt, direkt nachdem ich aus der Gynäkologie-Praxis raus kam.

Es war nicht leicht, aber die Entscheidung musste ich doch treffen. Erstmal aus gesundheitlichen Gründen. Ich bin es satt, dass meine Periode seit der Fehlgeburt so unregelmäßig geworden ist. In meinem Kalender habe ich Kreise an den Tagen mit extrem starken Blutungen gemacht. Der Höhepunkt der Periode, sozusagen. Gestern war so ein Tag. Davor war vor 23 Tagen. Und der vorherige Zyklus war 18 Tage lang. Der Zyklus noch davor 38 Tage. Ich dachte schon, ich wäre wieder schwanger, aber meine morgendliche Temperatur war die ganze Zeit genau zwischen „vor dem Eisprung“ und „nach dem Eisprung“, und die drei Tests, die ich gemacht habe, sind negativ ausgefallen. Wenn ich gucke, wie lange meine Zyklen seit der Fehlgeburt waren: 23, 18, 38, 24, 26, 25, 27, 41, 24, 33 Tage. Vor der Schwangerschaft war ich wie eine Uhr eingestellt, alle 28 Tage. Jetzt weiß ich gar nicht mehr, wann der Eisprung dran wäre, und die Temperatur hilft nicht, weil sie sich nicht mehr so binär wie vor der Schwangerschaft verhält. Vorher waren es etwa 36,0°C vor dem Eisprung, 36,5°C danach. Seit einiger Zeit bleibt es um die 36,2°C.

Vielleicht ist etwas dran, was die Gynäkologin heute Morgen sagte. Die Menopause fängt an. In meinem Alter kann es schon sein, auch wenn es bei meiner Mutter viel später passiert ist. Oder die Fehlgeburt hat mein Zyklus durcheinander gebracht, wie Kate meinte, oder vielmehr ihre Mutter, die Gynäkologin ist. Die Pille würde dann helfen, den Zyklus wieder in Ordnung zu bringen. Damit wäre es mit dem Kinderwunsch auch vorbei, sagte meine Gynäkologin heute Morgen. Nicht, weil die Pille nach dem Aussetzen Unfruchtbarkeit bringt, sondern weil ich danach einfach ein paar Monate älter bin, und nach vierzig kann man sich sehr glücklich schätzen, schwanger zu werden. Der Kinderwunsch kommt aber vor allem vom Ehemann, und ich denke, er kann auch damit leben, wenn wir keine Kinder bekommen.

Man könnte auch den Zyklus mit anderen Mitteln als mit der Pille korrigieren. Aber verhüten will ich jetzt auch, und der Ehemann hat keine Lust mehr, wieder Kondome zu benutzen. Denn ab Januar fange ich eine neue Arbeit an. Der Vertrag ist jetzt angekommen. Heißt, ich habe wieder eine sechsmonatige Probephase zu bestehen. Schwanger werden ist keine Option. Ich meine, in München? Mit der Pendlerei? Während der Ehemann noch in Berlin ist und nach einer neuen Arbeit zum Umziehen sucht? Wo ich das Doppelte von ihm verdiene? Wenn ich dann ausfalle, wird es kein Spaß, bei den Preisen für Wohnungen.

Und dann kommt der Schwindel dazu. Diese Woche recht heftig. Es hat am Montag angefangen, kurz vor Feierabend. War ich froh, dass der Ehemann mich von der Arbeit mit dem Auto abgeholt hatte! Beim Aufstehen musste ich mich plötzlich gegen die Wand im Büro fest halten, weil alles schwankte. Am Mittwochabend, an der Haltestelle, dachte ich plötzlich, dass die Bank, neben der ich stand, total am wackeln war. Ich habe sie angefasst und versucht zu bewegen, aber sie war fest verankert und bewegte sich nicht. Die Frau neben mir hat mich ganz schief geschaut. Die Gynäkologin meinte heute, es könnte eine Folge der Unregelmäßigkeit meiner Periode sein. Vielleicht habe ich Eisenmangel? Eine Blutprobe wurde genommen, aber eigentlich habe ich es schon vor einem Monat beim neuen Hausarzt gemacht, und er meinte, alles wäre in Ordnung. Vielleicht bin ich einfach erschöpft.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.