Hausarzt gewechselt

Ich war schon länger mit unserem Hausarzt unzufrieden. Der Ehemann hatte ihn uns ausgesucht, bevor wir zusammen umgezogen sind. So praktisch auf der anderen Seite der Straße. Das war vor drei Jahren.

Mich hat es vom Anfang an gestört, wie sehr es im Treppenhaus und in der Praxis nach Zigarettenqualm stinkt. Sobald man die Haustür öffnet, wird man von dem Mief begrüßt. Meistens hat es in der Praxis nicht so stark gestunken, und ich hatte immer gedacht, es wäre ein Nachbar im Haus, der die ganze Zeit so raucht. Nein. Es lag daran, dass die Fenster in der Praxis häufig weit geöffnet sind, um zu lüften. Der Arzt hat eine Küche hinter dem Warteraum, und als ich eines Morgens bei der Eröffnung vor dem Schreibtisch seiner Sekretärin stand, saß er da am Küchentisch mit breit geöffneter Tür und rauchte. In seiner Praxis. In völliger Verachtung seiner Patienten. Das darf doch nicht wahr sein! Der Arzt ist auf Bewertungsportalen dafür bekannt, dass er seine Patienten leicht krank schreibt, wahrscheinlich deswegen ist seine Praxis trotzdem gut gefüllt, überwiegend von kerngesund aussehenden jungen Menschen.

Als er mich vor zweieinhalb Jahren mit Verdacht auf Appendizitis wegen Bauchschmerzen zur Notaufnahme vom nächsten Krankenhaus geschickt hatte, dachte ich nach der OP, immerhin hat er mich dahin geschickt und mir so das Leben gerettet. Ich hatte innerlich viel Blut verloren. Gut, es war keine Appendizitis sondern eine Bauchhöhlenschwangerschaft, aber wie soll man bei so starken Schmerzen so schnell die richtige Diagnose stellen? Die Möglichkeit einer Extrauteringravidität hatte er erwähnt, obwohl er nicht daran glaubte und die zusätzlichen Schulterschmerzen ignoriert hatte. Im Nachhinein: Er hätte drauf kommen sollen. Wir hätten auf jeden Fall viel Zeit gespart, wenn er mich gleich zu einem Krankenhaus mit einer Gynäkologie-Abteilung geschickt hätte.

So sah mein Radiusköpchen im letzten Sommer aus.

Nach der Fehlgeburt am Anfang des Jahres bin ich bei ihm gewesen. Ich hatte einige Wochen zuvor Schmerzen in meinem linken Ellbogen gespürt. Ein Dreivierteljahr davor hatte ich mir den Radiusköpchen angebrochen, und nach der Behandlung wurde der Riss nicht geprüft. Nicht, dass es den Arzt interessiert hätte, er hatte sich damals die Tomographie-Erbegnisse gar nicht angeschaut. Der Bruch war komplizierter als gedacht. Als ich also während der Schwangerschaft Schmerzen bekommen hatte und den Unterarm nicht mehr so weit drehen konnte, bin ich zur Orthopädie gegangen. Wegen meines Zustandes kam Radiologie nicht in Frage, der Unterschied zum rechten Arm war aber deutlich zu sehen. Nach der Fehlgeburt bin ich zurück zum Hausarzt gegangen. Der Schmerz war wieder weg, der Arm sah normal aus, es gab kein akutes Problem, was die Nutzung der Sprechstunde bei der Orthopädie rechtfertigen würde. Außerdem hatte der Hausarzt damals die Tomographie angefordert. Tja. Alles, was er mir verordnet hat, waren Antidepressiva. „Mit ihrem Arm ist alles in Ordnung, Sie haben ein Problem im Kopf“, verkündete er mir. Ist ja klar, nach der Fehlgeburt drehe ich jetzt durch, war seine Schlussfolgerung. Es hat mich recht sauer gemacht. Ich habe beschlossen, nie wieder zu ihm zu gehen.

Einen neuen Arzt hatte ich mir leider noch nicht ausgesucht, als ich vor zehn Tagen aus heiterem Himmel eine Blasenentzündung bekommen habe. Ich war gerade aus einem zweitägigen Workshop mit dem Bus aus dem Flughafen zurück nach Hause gefahren. Nach der Haltestelle hatte ich gut zehn Minuten Fußweg, worüber ich mich freute. Mir ging’s blendend. Beim Aussteigen habe ich plötzlich so einen schmerzhaften Harndrang gespürt, das war unglaublich. Ich konnte keine zehn Meter laufen, ohne eine kurze Pause einlegen zu müssen, um den Urin in der Blase zu halten. Die Nacht war hereingebrochen, die Gegend nicht so stark besiedelt, und obwohl ich so gerne einfach am Straßenrand meine Blase geleert hätte, konnte ich nicht. Es war mir zu hell beleuchtet, vereinzelte Leute waren noch unterwegs. Ich trug einen langen Mantel und habe ernsthaft daran gedacht, mir in die Hose zu pinkeln. Aber dann, die Sauerei in den Schuhen… Ich habe es bis nach Hause geschafft. Habe alles am Boden fallen lassen, bin am erstaunten Ehemann vorbei gerauscht und samt Schuhe und Mantel zum Klo gerannt. Hat es weh getan! Und zum Schluß war der Urin rötlich gefärbt. Den ganzen restlichen Abend hatte ich Harndrang, obwohl ganz wenig zu entsorgen war, und es gab Blut im Urin. Am nächsten Morgen musste ich zum Arzt. Als ich ihn gefragt habe, ob er eine Urinprobe wollte, hat er gelacht. Ich habe pauschal Antibiotika gegen E. Coli bekommen. Wie lange möchte ich denn krank geschrieben werden, wollte er wissen. Gar nicht, war meine Antwort. Ich programmiere, habe also keine schwere körperliche Arbeit, und es macht mir Spaß. Das war für ihn unbegreiflich. Eine junge Frau soll hübsch sein und nicht so viel denken, hat er mir gesagt. Was will ich mit Programmieren? Ah ja, ich hatte schon mitgekriegt, wie frauenfeindlich er seine weiblichen Hilfskräfte behandelt. Und er war schon dabei, mir geistesabwesend das Formular für eine Krankschreibung zu füllen. Die habe ich abgelehnt.

Mir hat’s gereicht. Der Ehemann hat sich letzte Woche einen grippalen Infekt geholt und ich habe etwas davon bekommen. Wir mussten beide zum Arzt. Diesmal war eine Krankschreibung nötig. Wir haben einen anderen Arzt gefunden, der zwar weiter weg liegt, dafür einen viel besseren Eindruck macht. Die Praxis stinkt nicht wie ein Rauchsalon, der Empfangsbereich sieht sauberer und professioneller aus, das Wartezimmer ist viel angenehmer gestaltet, und der Arzt nimmt mich ernst, wenn ich etwas erzähle! Dass ich übrigens nach der Behandlung mit Antibiotika eine vaginale Mykose entwickelt habe, überrascht ihn nicht, es ist bekannt. Das ist die Art von Information, die ich gerne von meinem ehemaligen Arzt bekommen hätte. Ich habe es nicht kommen gesehen. Ich finde nun, langsam könnten die Wehwehchen aufhören. Einen Monat dauert es schon an. Was der neue Arzt sonst angesprochen hat ist, dass wir einen Termin für einen Gesundheitscheck vereinbaren sollen. Darauf hat jeder Versicherter ab 35 alle zwei Jahre einen Anspruch, und das hatte mir der vorherige Arzt verschwiegen! Ich bin froh, dass wir die Praxis gewechselt haben.

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Gut geschlafen, und Arztgeschichten

Kurz vor zwölf im Bett, um halb neun heute aufgewacht. Unglaublich. So was passiert mir so selten. Ich hatte seit Anfang des Jahres Schlafprobleme, aber selbst vor der Schwangerschaft konnte ich nie so lange schlafen. Ein paar mal bin ich aufgewacht, um halb sechs, wie häufig in letzter Zeit, um sieben, und zuletzt um halb neun, weil der Ehemann mir aus seiner Dienstreise eine „guten Morgen“ Nachricht geschickt hat. Meine kleine innere Stimme behauptet ganz frech, ich hätte vielleicht nicht so gut geschlafen, wenn er zu Hause gewesen wäre. Wegen schnarchen und so. Womöglich hat sie recht.

Heute Nacht tat gut, und das kann ich momentan echt gebrauchen. Gestern fühlte ich mich noch so schlapp. Ich habe mich ins Fitnessstudio geschleppt, wie am Sonntag, weil Sport gut für die Seele sein soll, aber es war ein Kampf. Ich habe seit der Fehlgeburt Schwierigkeiten einzuschlafen. Bin häufig bis zwei, drei Uhr morgens oder später wach geblieben. Wie gut, dass ich krank geschrieben bin.

Am Montag war ich beim Arzt. Ich sollte nochmal die Konzentration vom β-HCG Schwangerschaftshormon im Blut prüfen lassen. Entweder bei meiner Frauenärztin, wofür ich zwei Stunden hin und zurück mit ÖPNV bräuchte, oder im Krankenhaus, zwanzig Minuten von zu Hause aus. Ich dachte, ich frage mal zuerst beim Hausarzt. Ich hatte schon bei ihm eine Blutabnahme machen lassen, aber speziell für β-HCG konnte er nichts machen.

Also bin ich zum Krankenhaus gefahren. Ich bin dort über drei Stunden geblieben, was nicht anders zu erwarten war, da Notfälle Vorrang haben. Ich habe am Schal vom Ehemann weiter gehäkelt. Als die Ergebnisse der Blutuntersuchung bekannt wurden, bin ich von einer anderen Ärztin untersucht worden. Der β-HCG Wert ist gut gefallen. Sie hat noch eine Echographie gemacht. Das war die unsanfteste Untersuchung, die ich je erlebt habe. Die Sonde hat sie in allen Richtungen gedreht, was recht unangenehm war. Die Gebärmutter scheint in Ordnung zu sein, Blutungen sollten noch nicht so schnell aufhören. Irgendwann meinte sie, „Ihr Darm ist gerade am Arbeiten, ich sehe Flüssigkeit“. Häh? Erstens will ich hoffen, dass mein Verdauungssystem funktioniert. Mir ist da nichts aufgefallen. Aber ich dachte, sie prüft meine Gebärmutter, was hat sie beim Darm zu suchen?

Ich bin danach zu Fuß nach Hause gegangen. Das Wetter war am Vormittag toll gewesen, jetzt war es dicht bewölkt. Zum Glück ohne Regen. Laut Navi-App hätte ich eine knappe Stunde brauchen sollen. Es wurden doch nur fünfig Minuten, und ich war zwischendurch bei einer Pommesbude. Es war schon nachmittags, und mir war danach. Pommes mit Mayo. Den Rest des Tages habe ich mit Schmerzen im Bauch und im unteren Rücken zu Hause verbracht, obwohl ich seit der Fehlgeburt so gut wie keine gespürt hatte. Ich habe gedacht, ich könnte mir gut vorstellen, dass man nach einer Vergewaltigung solche Schmerze spürt. Nur am nächsten Morgen sind sie verschwunden. Es muss von der Untersuchung gekommen sein. Verflucht sei diese Frau.

7. SSW geschafft

Heute war mein erster Untersuchungstermin bei der Gynäkologin. Früher hätte es keinen Sinn gemacht, weil man nichts beim Ultraschall gesehen hätte. Und es war mir wichtig, bei der ersten Ultraschalluntersuchung etwas zu sehen. Um sicher zu sein, dass das Embryo diesmal an der richtigen Stelle sitzt. Das tut es. Die seitlichen Stiche, die ich am Wochenende gespürt habe, sind normal. Ausatmen. Wahrscheinlich habe ich mir umsonst Sorgen gemacht, weil ich fast alle zu erwartende Symptome einer Schwangerschaft beobachtet habe, minus der Übelkeit. Ich musste sogar am Wochenende neue BHs kaufen, weil die neueste, die ich vor Weihnachten gekauft hatte, schon (zur Freude des Ehemannes) zu klein sind. Bei einer unnormalen Schwangerschaft wäre es nicht so gewesen.

Ich kann nicht behaupten, dass ich beim Anblick vom Embryo etwas wie Glück oder Stolz oder Liebe empfunden habe. Und das, obwohl die Gynäkologin mir den Herzschlag gezeigt hat. Das Embryo, das fünf Wochen alt ist[1], sieht gerade wie ein Wurm aus, wobei man schon den Kopf vom noch vorhandenen Schwanz differenzieren kann, und ich habe mich ein bisschen unwohl gefühlt, dieses Ding in meinem Bauch zu wissen. Komisch. Bis jetzt muss ich feststellen, dass die Schwangerschaft mich nicht besonders glücklich macht. Es freut mich eher zu sehen, wie der zukünftige Vater sich freut. Mir ist es noch egal, obwohl ich körperlich alles tue, um das Kind nicht zu gefährden. Ich bin vor allem froh, dass mir durch die Schwangerschaft keine schwere gesundheitliche Probleme drohen. Ich frage mich, ob ich normal bin. Das ändert sich vielleicht, wenn ich weiß, dass wirklich alles in Ordnung ist. Ich hoffe sehr. Diese Gefühllosigkeit finde ich erschreckend.

[1] Die Schwangerschaftswochen werden ab dem ersten Tag der letzten Periode gezählt, also zwei Wochen vor der Empfängnis.

Es wird wieder

So kann man den Tag zusammen fassen.

Bei der Orthopädie habe ich mit der Vertreterin einer Ärztin gesprochen. Sie war ganz nett und hat sich Zeit genommen. Es sollte noch sechs Wochen dauern, bis ich meinen Arm wieder belasten kann. Der Bruch sieht gut aus und benötigt keinen chirurgischen Eingriff. Die Krankengymnastik soll ich auf jeden Fall machen.

Es traf sich gut, ich hatte heute den ersten Termin. Wie vereinbart, bin ich mit Sportkleidung und Handtuch zur Praxis gegangen. Ich habe mich seitlich hingelegt und der Arzt hat meinen Arm manipuliert. Es war der Wahnsinn. Nach ein paar Massagen und Übungen konnte er schon meinen Arm wieder gerade bringen. Die Muskeln sind jetzt anscheinend schuld, dass sie sich nicht entspannen und den Arm immer gebeugt halten. Zwischendurch hat er sich an ein bisschen Small Talk versucht. Am Anfang natürlich, wie es zum Knochenbruch gekommen ist. Und dann, ob ich in Berlin studieren würde. „Nein, ich arbeite“, habe ich geantwortet. „Schon!“ hat er überrascht gemurmelt. Och Menno! Dass man mich mit vierzig immer noch für eine Studentin hält…

Ich habe Übungen für zu Hause bekommen und soll sogar mit kleinen Gewichten arbeiten. Ein guter Grund, morgen zurück zum Fitness-Studio zu gehen. Für einen ersten Termin war der Erfolg beeindruckend. Ich habe plötzlich wieder mehr Kraft und kann Sachen machen, die vorher nur Schmerz verursacht haben. Eine Flasche öffnen zum Beispiel. Am Freitag ist der nächste Termin geplant.

Dienstag

Ich komme momentan mit den Tagen durcheinander. Wir sind nur seit zwei Wochen zurück aus dem Urlaub geflogen. Es kommt mir viel länger vor. Sicherlich, weil ich krank geschrieben bin und meistens zu Hause bleibe.

Heute habe ich kurz eingekauft. Kleinigkeiten, die in meine Stofftüte passen und die ich nur mit der rechten Hand tragen kann. Einem Topf Oregano konnte ich nicht widerstehen und habe mit nach Hause genommen. Auf dem Weg bin ich einem Marienkäfer begegnet. Ich habe ihn überlistet und mit dem Oregano transportiert. Er ist die ganze Zeit drauf geblieben. Zu Hause angekommen, habe ich dem Marienkäfer unsere Rosen auf der Terrasse vorgestellt und ihn auf einem Blatt gelassen. Ich weiß nicht, ob er dort geblieben ist. Den Oregano habe ich in einen Kübel umgepflanzt. Hoffentlich gefällt es ihm dort. Danach habe ich mich um die Pflanzen der Nachbarin unter uns gekümmert.

Nachmittags habe ich mich in den Hinten getreten und bin zum ersten Mal seit über einem Jahr zurück zum Fitness-Studio gegangen. Trotz starker Periode. Ich brauchte Bewegung. Ich kann natürlich vieles nicht machen, da mein Arm noch nicht heil ist. Er lässt sich immer noch nicht richtig bewegen und ich bekomme Schmerzen, wenn ich nur versuche, einen Topf Honig zu öffnen. Aber ich dachte, auf dem Ergometer kann ich bestimmt was machen. Es ging sehr gut. Ich bin zweimal eine halbe Stunde geradelt. Dabei habe ich laut dem Gerät nur 350 kcal verbrannt. Ich habe unglaublich viel geschwitzt und mir ständig die Tropfen aus dem Gesicht gewischt. Zwischen beiden Radeinheiten habe ich Gerätetraining für die Beine gemacht. Ab- und Adduktoren. Die Beinpresse konnte ich nicht benutzen, weil der Hebel für die Sperre links vom Stuhl liegt. Ich habe es meinem Arm nicht zugemutet.

Den Weg nach Hause habe ich zu Fuß gemacht. Zwanzig Minuten. Er führte an der Praxis von meinem Hausarzt vorbei, und sie hatte gerade auf, also habe ich gefragt, ob der Bericht von der CT-Untersuchung inzwischen angekommen war. Ja, er war da! Ich habe eine Kopie bekommen und der Arzt hat ihn schnell zwischen zwei Terminen gelesen. Es ist also wirklich nicht nur ein Riss sondern eine Fraktur. Sonst ist alles an seinem Platz. Ich frage mich, ob die Fraktur vom Anfang an da war, und vom Arzt in Spanien nicht richtig identifiziert wurde, oder ob der Vorfall mit der Tür vom Umzug am Flughafen Barcelona den Riss in eine Fraktur umgewandelt hat. Es hatte extrem weh getan, als die Tür gegen den Gips zu geknallt hatte.

Ich soll morgen den ersten Termin bei der Krankengymnastik wahrnehmen, aber vorsichtig sein. Da es mir grundsätzlich nicht gefiel, eine Behandlung anzufangen, ohne dass der Arzt sich die Ergebnisse der Untersuchung anschaut, hatte ich sowieso einen Termin bei der Orthopädie-Praxis für morgen Nachmittag ausgemacht. Obwohl ich nicht mehr hin wollte. Der Ehemann hat den Termin für mich ausgehandelt. So bekomme ich eine zweite Meinung.

Krankschreibung verlängert

Ich hatte es anders gehofft, aber es war doch zu erwarten, da ich mit meinem Arm immer noch nicht viel anfangen kann.

Was ich mir gewünscht hatte war, dass mein Arzt sich die CD von den CT-Ergebnissen anschaut, wie am Montag versprochen. Das hat er nicht hingekriegt. Der Bericht der Radiologie-Praxis ist auch nicht eingetroffen.

Der Arzt ist auf die Schnelle zu seiner Sekretärin gegangen, um die CD zu lesen. Sie wird mit einem Java-basierten Programm geliefert, um die Bilder zu sehen. Java war auf dem Rechner der Sekretärin nicht aktualisiert, und das Programm konnte nicht gestartet werden. Eine Internetverbindung hat der Rechner wegen Datenschutz nicht. Die benötigte Java-Version war zwar auf der CD vorhanden, aber die Sekretärin hat sich geweigert, sie zu installieren. Oder sie hat nicht verstanden, was sie gerade angeklickt hatte. „So viel Technik, das ist furchtbar“, meinte der Arzt. Ich denke nicht zum ersten Mal, ich könnte die Praxis wechseln. Aber er bietet jeden Tag Sprechstunden ohne Termine an, und ist so bequem nur auf der anderen Straßenseite. Ich brauche nicht mal zehn Minuten zu Fuß (die Ampel dauert am längsten).

Der Arzt hat also ohne weitere Informationen meine Krankschreibung verlängert und mir Krankengymnastik verordnet. Es gefällt mir gar nicht.

Doch nicht nur ein Riss

Für diese Erkenntniss habe ich gerade zweieinhalb Stunden in der Praxis gesessen. Dreiundneunzig Prozent davon wartend. Und ich bin großzügig, ich denke nicht, dass die Untersuchung zehn Minuten gedauert hat.

Ich muss zugeben, ich habe es mit dem Gips nicht bis heute ausgehalten. Es hat fürchterlich gejuckt und durch das Gewicht Schmerzen in meinem Oberarm verursacht. Der Ehemann meinte, er könnte mir den Gips abmachen und später wieder binden. Sein Angebot habe ich sofort angenommen. Was für ein Befreiungsgefühl! Es wäre gegangen, den Gips wieder anzubringen, aber ich habe gemerkt, dass ich jetzt ohne besser klar komme. Und den Gips wollte ich nicht mehr.

Mein Termin bei der Radiologie war um kurz nach zehn geplant. Ich bin sehr knapp in der Zeit angekommen. Ich war zum ersten Mal dort und habe den Abstand zwischen Bushaltestelle und Praxis unterschätzt. Das war aber egal, weil bei meiner Ankunft mehrere Personen bei den Sekretärinnen standen. Bis ich dran kam, war es schon fünf Minuten nach dem Termin. Die waren eh verspätet, wie überall.

Nach einer halben Stunde im Warteraum bin ich zu einem Untersuchungsraum gebeten worden. Die Assistentin hat mir Fragen gestellt und nach den Röntgenaufnahmen vom Krankenhaus in Spanien gefragt. Ich habe ihr dazu den Bericht vom Arzt gegeben. Alles auf Spanisch und Katalanisch. Sie ist aus dem Raum verschwunden und hat mit der Ärztin hinter dem Raum diskutiert. Nach einiger Zeit ist die Ärztin selbst gekommen und meinte, statt eine Radiographie möchte sie lieber eine Computer-Tomographie (kurz CT) machen lassen, um sich eine bessere Meinung zu bilden. Sie hätte schon bei der Praxis von meinem Hausarzt angerufen und die Überweisung für eine CT würde sie anfordern, wenn ich einverstanden wäre. Was hätte ich dagegen finden sollen? Wenn sie es für nötig hält, mache ich das natürlich mit. Meine erste Erfahrung mit CT war zwar furchtbar gelaufen, aber damals lag es daran, dass ich an eine bestimmte Stelle mit einer Monsternadel eine Injektion bekommen sollte, was sehr schmerzhaft war.

Ich bin zurück zum Warteraum gegangen. Ich sollte nur eine halbe Stunde warten. Die Ausgabe vom Stern habe ich durchgelesen. Es wurde eine ganze Stunde. Die Untersuchung selbst lief ohne großes Problem. Es war ein bisschen umständlich, mich auf dem Bauch hinzulegen und den Arm möglichst gerade über den Kopf zu strecken. Ich hatte mehr Angst, Schmerzen dabei zu bekommen, als ich wirklich Schmerzen gespürt habe.

Danach, nochmal im Warteraum sitzen, bis ich die Bilder bekomme. Nochmal eine Viertelstunde. Als ich die CD bekommen habe, hieß es, es wäre doch kein Riss sondern etwas Komplizierteres im Ellbogen. Der Bericht würde in Kürze zu meinem Hausarzt geschickt und ich müsste noch heute Nachmittag dahin. Also um vier. Diesmal bin ich sicher, dass die Praxis auf hat. Ich habe am Donnerstag mit dem Handy das Schild an der Tür fotografiert.

Radiologie-Termin am Montag

Ich freue mich so drauf. Am Montag wird mein Ellbogen wieder geröntgt, und dafür muss der Gips weg. Au ja!

Seit vier Tagen trage ich den schon. Gestern hat der Arm angefangen, richtig anfällig für Juckreiz zu werden. Zum Glück haben sich die zwei Mückenstiche auf dem Arm nicht mehr gemeldet. Ich glaube, die Nesselsucht schon. Meine Finger werden dick und taub. Ich denke daran, sie ab und zu zu bewegen. Die Hygiene leidet. Keine Dusche ist möglich, der Gips soll trocken bleiben. Ich kann mich nur mit dem Lappen waschen. Egal, wie häufig und gründlich ich das tue, habe ich immer den Geruch von Schweiß in der Nase. Haare waschen geht erst recht nicht. Sowie Haare binden. Mich umziehen kann ich nicht alleine. Und das war bis gestern Abend blöd, weil der Ehemann die letzten zwei Tage schon wieder auf Dienstreise war.

Vorgestern war ich bei meinem Hausarzt. Wegen der Krankschreibung, aber auch um zu wissen, wo ich die neue Untersuchung machen lasse. Eine Überweisung für die Radiologiepraxis wollte er mir vorbereiten. Zuerst die Krankschreibung. Dabei hat er meinen Namen laut gesagt, und es stimmte gar nicht. Die Sekretärin hatte ihm meine Mappe nicht gebracht, und er hatte in der Mappe der vorherigen Patientin, die noch auf seinem Schreibtisch lag, alles geschrieben. Das hat ihn sauer gemacht. Die Sekretärin ist als Urlaubsvertretung für die übliche junge Frau da, und ist anscheinend mit ihren Aufgaben überfordert. Es war mir vorher im Warteraum aufgefallen, wie der Arzt nach jedem Patienten mit ihr gestritten hatte und sie mit lauten Gegenvorwürfen geantwortet hatte. Bei mir hatte es schon ewig gedauert, bis sie meine Karte genommen hatte, als ich die Praxis betreten hatte. Nicht, weil sie viel zu tun hatte, sondern weil sie sich sehr viel Zeit genommen hatte. Ich habe gedacht, sie lernt noch. Mit Gips um den Arm und schmerzendem Knöchel war ich selber irritiert, dass sie mich so lange stehen lassen hat. Ich kann den Ärger vom Arzt verstehen, es ist ziemlich blöd, Zeit für die Patienten über Sachen zu verschwenden, die sonst immer glatt laufen. Er hat alles in meiner Mappe neu geschrieben und meine Krankschreibung fertig gemacht. Die habe ich gleich per Post zu meinem Arbeitgeber geschickt.

Gestern habe ich während der Öffnungszeit der Radiologiepraxis für eine Terminvereinbarung angerufen. Die Frau am Telefon wollte irgendwas aus meiner Überweisung wissen. Überweisung? Stimmt, ich hatte am Ende gar keine bekommen! Ich habe gesagt, ich rufe nochmal an. Da mein Hausarzt keine Internetseite hat, habe ich seine Öffnungszeiten gegoogelt und auf Jameda gefunden. Um vier Uhr nachmittags stand ich unten vor seiner Tür, wie fünf andere Personen. Ich war nicht begeistert, nochmal hin gehen zu müssen, da ich in der Abwesenheit vom Ehemann die Kleider vom Vortag noch an hatte, in denen ich geschlafen hatte. Meine Haare waren eine echte Katastrophe. In meiner Vorstellung hätte ich den ganzen Tag zu Hause verbracht. Tja. Die Praxis war für den Rest des Tages geschlossen, das Schild an der Tür kündigte andere Öffnungszeiten als Jameda an. Wir sind alle weg gegangen.

Was nun? Ich war von meinem letzten Besuch bei der Orthopädiepraxis so genervt, dass ich inzwischen beschlossen hatte, nie wieder hin zu gehen. Aber es war ein Notfall. Ich habe bei der Praxis angerufen, da sie noch auf hatte. Ich hätte es mir sparen können. Die Sekretärin meinte, ich würde keine Überweisung für die Radiologie bekommen und sollte zu meinem Hausarzt gehen. Ob es an meinem französischen Akzent liegt? Ich bin nur dort Patientin geworden, weil der Ehemann es mir empfohlen hatte. „Ein Freund von einem Freund“ arbeitet dort als Arzt. Den habe ich nie zu Gesicht bekommen. Der Ehemann ist jetzt richtig entsetzt, da er mitbekommt, was ich für Erfahrungen dort mache. Er selber wird in der Praxis ganz anders behandelt, und er ist nicht mal Privatpatient.

Heute Morgen bin ich wieder zum Hausarzt gegangen. Ich habe nur mit der Ersatz-Sekretärin geredet und ihr gesagt, dass ich die Überweisung zur Radiologie vermisse. Sie hat überrascht geguckt und sie dann gedruckt. Sie hat sie am Mittwoch wahrscheinlich übersehen. Die Überweisung trägt jetzt das heutige Datum. Zu Hause angekommen, habe ich also nochmal bei der Radiologie angerufen. Eine andere Frau als gestern war dran, die mir den Termin für Montag gemacht hat. Keine Rede von einer Überweisung. Der ganze Stress war umsonst.

Das Fieber von Mittwochabend

Es scheint jetzt ein eindeutiger Trend zu sein: Bei oder nach jeder Tagung bin ich krank.

Am Dienstagabend habe ich gehüsltet. Das hat meine Mami am Telefon sofort gemerkt. Ich dachte, ich bin gerade zurück geflogen, hier ist es kälter, und die Luft im Flugzeug ist anders, es wird gleich besser. Die Migräne von Montag war nicht mehr zu spüren. Gestern war ich wieder bei der Arbeit. Aufstehen war hart. Gehustet habe ich mehr. Ein trockener Husten. Mein Kopf hat sich ein bisschen stumpf angefühlt.

Um zwei habe ich schon Feierabend gemacht, da ich nachmittags einen Arzttermin wegen Ischias hatte (schon seit Juli geplant), und die Orthopädiepraxis liegt in der Nähe der Wohnung. Es geht mir viel besser, aber ab und zu habe ich noch Schmerze, wenn ich im Labor den ganzen Tag stehen muss zum Beispiel (was zum Glück selten passiert). Der Arzttermin hat gerade drei Minuten gedauert und war völlig unbefriedigend. Es hat den Typ überhaupt nicht interessiert zu wissen, wie die Schmerze entstanden waren oder sonst was. Ich habe mich nicht besser behandelt gefühlt als wenn ich zur Sprechstunde gekommen wäre. Beim nächsten Mal muss ich drauf bestehen, dass ich bei meiner üblichen Ärztin den Termin bekomme. Ich habe einen Antrag auf Kostenübernahme für Rehasport bekommen, den ich bei der Krankenkasse einreichen muss.

Nach dem Termin bin ich nach Hause gegangen. Ärzte sind bei Terminen so pünktlich, dass es schon fast sechs war. Ach ja, ich habe unterwegs Kuchenteller bei Butlers gekauft, wir haben nicht genug davon zu Hause. Kurz danach haben sich meine Beine sehr müde angefühlt. Als ob ich viel gegangen wäre. Das war gestern nicht der Fall, und ich war bei der Tagung und im Urlaub so viel zu Fuß unterwegs, dass ich daran gewöhnt sein sollte. Nein, es waren Gliederschmerzen. Leichtes Fieber hatte ich, 37,1°C. Ich bin um neun ins Bett gegangen und habe gelesen, um zehn habe ich das Licht ausgemacht.

Um Punkt Mitternacht bin ich aufgewacht. Durst, Hals gereizt, fiebriege Schmerze in den Beinen und im unteren Rücken. 38,4°C. Aspirin genommen, viel Wasser getrunken, ein Löffel Honig und zurück ins Bett. Bis halb vier habe ich mich rumgewälzt und war voll nass vom Schwitzen. Danach konnte ich wieder schlafen. Heute morgen war meine Temperatur wieder bei 37,1°C, was höher als sonst ist. Am unteren Rücken habe ich noch Schmerze. Ich bleibe zu Hause.

Jetzt ist der Fuß dran

Es ist am Sonntagabend passiert. Wir sind nach der Geburtstagsfeier mit dem Bus nach Hause gefahren. Beim Aussteigen habe ich ein paar Schritte gemacht und plötzlich einen lauten Knall im rechten Fuß gespürt, obwohl ich ganz normal gegangen bin. Danach ging’s, wir sind gut zu Hause angekommen und ich habe nicht mehr daran gedacht. Manchmal knackt’s leise und es stört nicht weiter.

Am Montag bin ich zur Arbeit gegangen, und ich habe einen leichten Schmerz im Fuß gespürt. Am Dienstag ist es schlimmer geworden. Es hat an den außeren Seite vom Fuß geschmerzt und ich musste vermeiden, mit dem Fuß zu rollen, um gehen zu können. Ich hatte aber so viel zu tun, dass ich keine Zeit hatte, mich um einen Arztbesuch zu kümmern. Und wenn ich länger gesessen habe, gab es kein Problem mehr. Ich bin sogar abends schmerzfrei zur S-Bahn nach der Arbeit gegangen und dachte, es wäre vorbei. Als ich ausgestiegen bin, war der Fußweg nach Hause wieder hart, ich konnte nur noch sehr langsam gehen. Am Mittwoch und gestern hat mich Martin mit dem Auto hin und zurück zur Arbeit gefahren. Die untere Seite vom Fuß tut mittlerweile auch weh.

Heute Morgen bin ich zu meiner Orthopädin gegangen. Nottermin um 10:50 telefonisch vereinbart, tatsächlich war ich um 11:50 dran. Es war ein Nottermin, also noch in Ordnung. Die Ärztin meinte, es wäre ein Bänderriss im oberen Sprunggelenk, obwohl ich den Knall unter dem Fuß gespürt hatte. Unterhalb vom Knöchel habe ich einen Bluterguss, und es wäre die Ursache für den Schmerz. Sie hat mich zur MRT geschickt, nachdem mir ein Verband mit Voltaren angefertigt wurde. Sobald ich die Ergebnisse habe, sollte ich einen neuen Termin vereinbaren; es wäre momentan nicht viel los in der Praxis und ich könnte locker in einer oder zwei Wochen zurück kommen. Ich habe die verschriebene Schiene beim Sanitärhaus in der gleichen Straße geholt und befestigt bekommen. Ich konnte dadurch meinen Schuh nicht mehr richtig anziehen. Wir sind schnell nach Hause gefahren, um andere Schuhen zu finden, die mit der ganzen Bastlerei um den Fuß noch passen. Meine Bade-Flip-Flops.

Zur MRT konnte ich schon heute Nachmittag gehen, in dem Krankenhaus, wo ich wegen der Bauchhöhlenschwangerschaft zuerst war. Ursprünglich hatte ich noch vor, nachmittags arbeiten zu gehen, aber es wurde zeitlich nicht mehr realistisch. Ich habe mich als Freizeitausgleich für den Tag gemeldet. Ich habe eh wieder zu viele Überstunden diese Woche gemacht.

Ich habe bei der RMT die Anweisung bekommen, ruhig zu liegen und mich nicht zu bewegen, während den ganzen zehn Minuten, die für die Untersuchung nötig waren. Ich habe mich gewundert, warum ich dicke Kopfhörer um die Ohren bekommen habe, aber es wurde schnell klar. Die Maschine macht einen unglaublichen Lärm. Es war nicht einfach, dabei zu entspannen. Ich habe die Bilder sofort bekommen, der Bericht kommt noch per Post. Der Folgetermin bei der Orthopädin scheint schwieriger zu sein, als sie mir versicherte. Ihre Sekretärin meinte am Telefon, es ginge nicht vor Mitte August, und ich sollte erst den Termin vereinbaren, wenn der Bericht vorliegt. Ich glaube, ich lasse Martin für mich den Termin machen, er kann viel besser als ich handeln.

Dabei hatte ich mich so gefreut, ab dieser Woche wieder zum Fitness-Studio zu gehen. Jetzt muss ich wohl länger warten. Die Orthopädin meinte, es könnte eine Folge der OP sein, da man sich anders als sonst hält und die Belastung auf die Füße anders wird.