Familienstress

Eigentlich wollte ich über das Wochenende schreiben. Wir haben eine sehr schöne Wanderung gemacht, das Wetter war toll, wir haben richtig vom Alltag abschalten können. Leider überschatten Ereignisse von gestern nachmittags alles, und die Erholung ist schon futsch.

Das S-Bahn-Chaos vom Wochenende war gestern das geringste Übel. Wie gefühlt jedes Wochenende fuhr so gut wie gar nichts durch die Stammstrecke. Wir sind von unserem Endpunkt der Wanderung mit der S7 zum Hauptbahnhof gefahren. Der Ehemann meinte, es gäbe Schienenersatzverkehr zwischen Donnersbergerbrücke und Pasing, aber ich habe damit sehr schlechte Erfahrung in München gemacht. Besser zum Hauptbahnhof fahren, und von dort die Regionalbahn nach Pasing zu nehmen. Die Regionalbahn war aber aufgrund des Ausfalls der S-Bahn überfüllt und ist so spät abgefahren, dass wir die S8 nach Herrsching verpasst haben. Die nächste S8 hatte natürlich Verspätung. Mit müden Beinen, schweren Rucksäcken und nach Schweiß stinkend war es kein Vergnügen, auf dem überfüllten Bahnsteig in der Hitze stehend zu warten. Vor allem, da in Pasing gerne in allerletzter Minute der Bahnsteig geändert wird, an dem die Bahn ankommt. Das ist uns gestern wenigstens erspart geblieben. Ich meinte von vorne rein, wir hätten die S7 in Harras schon verlassen sollen, mit der U-Bahn bis Martinsried fahren, und von dort mit dem Bus nach Hause. Es hätte länger gedauert, wäre aber wesentlich entspannter gewesen. Der Bus ist immer leer, und am Wochenende dürfte in Martinsried nichts los sein, da es an der Uni keine Vorlesung gibt. Der Ehemann wollte nicht Bus fahren. Beim nächsten Mal übernehme ich die Fahrtplanung.

Dadurch, dass wir so lange in Pasing auf die S8 warten mussten, habe ich meine Emails auf dem Handy gelesen. Dabei war eine Email von Bianca, die mir, meiner Mutter und meiner Schwester eine Email von meinem Vater weitergeleitet hatte. Der Inhalt seiner Email war eine bodenlose Frechheit. Wir hatten uns letztes Jahr geeinigt, dass Bianca weiterhin in dem Haus meines Bruders wohnen darf, das er gekauft hatte, um mit ihr zu leben. Ich höre es noch in meinem Kopf, wie mein Vater es für selbstverständlich erklärte. Wie er Bianca umarmt hatte und ihr gesagt hatte, sie wäre wie eine Tochter für ihn. Wir hatten Details mit Bianca beredet, und sie war einverstanden, die Laufkosten vom Haus zu übernehmen, und dafür ohne Miete im Haus zu wohnen. Es ist über ein Jahr her. Einen offiziellen Vertrag habe ich nie gesehen. Die Notarin hatte uns auch die endgültige Erbpapiere ziemlich verspätet geschickt und ich dachte, erst danach könnten wir einen solchen Vertrag machen. In seiner Email an Bianca, wo er sie nicht mehr duzt sondern siezt, schreibt mein Vater jetzt, er würde am nächsten Wochenende zu ihr kommen und sie soll ihm bitte schön die Schlüssel vom Haus händigen, sollte sie nicht bereit sein, das Haus von ihm abzukaufen. Eine solche Entscheidung hat er nicht alleine zu treffen! Das Haus gehört ihm nur zu einem Viertel, und wir sind drei weitere Mitbesitzerinnen dabei, die mit diesem Vorgehen nicht einverstanden sind! Und überhaupt, einen alleinigen Anspruch auf das Haus hat mein Vater nicht! Nach Beratung mit meiner Mutter hat Bianca also meinem Vater geantwortet und gefragt, ob wir von seiner Anforderung informiert wurden, und uns so offiziell ins CC gesetzt. Nein, mit uns hat er natürlich nicht darüber geredet. Jetzt muss ich also antworten und widersprechen. Ich frage mich, ob es angebracht wäre, rechtliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wenn mein Vater seinen Anteil am Haus an Bianca verkaufen will, gerne. Er hat uns allen aber nicht dazu zu zwingen, vor allem so hinterhältig ohne uns in Kenntnis zu setzen.

Ich war schon recht aufgewühlt, als ich meine Schwester anrief, um sie zu fragen, was sie nach der Email dachte zu tun. Die Email hatte sie noch nicht gesehen. Sie erzählte, sie wäre natürlich nicht einverstanden, Bianca aus dem Haus rauszuschmeißen. Andererseits steckt sie in finanziellen Schwierigkeiten, da sie nur Arbeitsverträge für wenige Monate kriegt, und auf Dauer wäre es für sie gut, wenn sie ihren Anteil vom Haus verkaufen könnte. Und überhaupt, an den Sommerferien habe sie vor, zu meiner Mami mit dem Neffen umzuziehen, um von Bertrand, dem Vater vom Neffen, zu fliehen. Weil sie ohne Festanstellung keine Wohnung kriegen würde. Verdammt. Dass es so schlecht zwischen ihnen ging, hatte ich keine Ahnung. Woher auch, wenn sie sonst nie was erzählt? Jetzt verstehe ich wenigstens, warum wir Bertrand bei unseren letzten Besuchen seit zwei Jahren nicht mehr gesehen haben. Von wegen, er ist auf Arbeit. Bertrand ist eigentlich ein Freund von unserem Bruder gewesen. Er hatte uns häufig erzählt, er wäre von seinem Vater als Kind regelmäßig geprügelt worden und würde deswegen niemals seinem Kind irgendwas antun. Dass er seiner Freundin, der Schwester von seinem Kumpel, Gewalt antun würde, hätte ich deswegen nicht gedacht. Vermutlich ist er wie mein Vater. Vor den Anderen macht er ein gutes Gesicht, heimlich ist er ein Tyrann. Ich mache mir jetzt Sorgen, ob meine Schwester rechtzeitig ihren Umzugsplan umsetzen kann. Und wenn sie es schafft, ob Bertrand sie bei meiner Mami abholen zu versuchen wird, und ob er dann allen Gewalt antun wird. Er wird schon wissen, wo sie ist, seine Schwester lebt im Dorf meiner Mami. Meiner Meinung nach ist kein von den drei mehr sicher. Ich habe meiner Schwester angeboten, erstmal zu uns zu kommen. Er kennt unsere Adresse nicht. Es ist ihr zu viel, mit Kind zu einem anderen Land umzuziehen. Obwohl sie gut Deutsch spricht und es in München eine französische Schule gibt. Sie möchte dem Neffen nicht zu viele Änderungen auf einmal zumuten.

Schlafen konnte ich trotz langer Wanderung heute Nacht kaum.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Danke DHL. Nicht.

Ich habe mir etwas bestellt.

Das passiert selten, das letzte Mal war vor fast drei Monaten. Der Ehemann bestellt viel häufiger online, und die Nachbarn auf der Etage noch mehr. Es gab Zeiten wo ich mehrmals am Tag von verschiedenen Lieferdiensten aus tiefster Programmiertätigkeit gerissen wurde, um ein Paket zu empfangen, das gar nicht für mich war. Das hat sich in den letzten Wochen beruhigt.

In Heimarbeit bin ich immer noch, und es ärgert mich jetzt richtig, wenn ich ausnahmsweise mal etwas für mich bestelle, eine Email mich informiert, die Lieferung kommt heute an, und plötzlich heißt es, das Paket kann ich ab morgen in einer Supermarktfiliale abholen, obwohl den ganzen Tag bei mir niemand geklingelt hat.

Man könnte meinen, die Person, die das Paket liefern sollte, hat es zeitlich nicht mehr geschafft und sich gedacht, scheiß drauf, ich tue als ob. Aber was für einen Sinn macht es, den Zettel in den Briefkasten zu werfen und die Klingel drei Meter weiter weg nicht zu tätigen?

Die Klingel funktioniert einwandfrei. Der Ehemann hat sie auf dem Weg nach Hause gerade getestet. Nicht zu überhören.

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Kein guter Aprilscherz

Draußen schneit es ununterbrochen, seitdem ich aufgestanden bin. Ich schlürfe kurz vor acht am ersten Kaffee des Tages und öffne wie üblich meine Dashboard-Seite[1], da ich von dort aus zum Reader komme.

Nicht zu übersehen, sticht mich diese Meldung ins Auge:

Seit heute.

Häh? Neulich hatte ich doch gerade 16% von meinem Speicherplatz benutzt. Ich hatte mir ausgerechnet, dass ich für die nächsten zehn Jahre bestimmt noch Fotos hochladen könnte. Wie konnte ich auf einmal den Speicherplatz überschritten haben? Und warum belege ich mehr als erlaubt? Ich vermute, der Speicherplatz wurde massiv runter geschraubt und als es passierte, lag ich knapp über 500MB. Gestern war noch alles in Ordnung. Dass diese Änderung so stillschweigend ohne Vorwarnung statt findet, ist eine Frechheit. Und ich bereue jetzt, dass ich letztes Jahr meinte, den verfügbaren Speicherplatz im Screenshot ausgrauen zu müssen. Wie man aus der Länge vom ausgegrautem Bereich sieht, war der Speicherplatz vorher auf jeden Fall größer als 1000MB.

„Und wie hast du es geschafft, dieses Screenshot hoch zu laden?“ höre ich fragen[2]. Ganz einfach zu meinem still gelegtem zweiten Blog, in dem ich über meine Misere mit dem Münchner ÖPNV schrieb – das ist Geschichte, seitdem ich zu Hause arbeite[3]. Die drei Tage, die ich 2021 im Büro verbringen musste, hatte mich der Ehemann mit dem Auto hin gefahren[4]. Auf dem zweiten Blog benutze ich jetzt 10% des Speicherplatzes, dort ist jetzt ebenfalls eine Grenze von 500MB. Die 10% sind hauptsächlich Bilder, die ich direkt vom Handy aus hochgeladen hatte, trotz eingebautes Fotoeditors sind sie größer als die Bilder, die ich hier vom Rechner aus nach Bearbeitung und Verkleinerung hochlade. Eine gute Dauerlösung ist es trotzdem nicht.

Speicherplatz auf dem MVV-Blog.

Ich hoffe immer noch auf einen schlechten Scherz, aber so ganz glaube ich nicht dran. Ich bin überrascht, in keinem der „Foto-Blogs“, denen ich folge, über eine solche plötzliche Begrenzung gelesen zu haben.

Nachtrag von 12:23. Es ist scheinbar ein Anzeige-Bug, wie in diesem Forum-Beitrag zu lesen ist.

[1] Inzwischen ist die Dashboard-Seite leichter zugänglich geworden. Und ja, die Datumskoinzidenz zwischen dem Beitrag letztes Jahres und heute ist mir aufgefallen. Scheinbar gehöre ich zur Gruppe von Nutzern, die jedes Jahr am ersten April Feature-Änderungen bekommen, weil WordPress nicht bei allen Nutzern gleichzeitig Änderungen anwendet.

[2] Probiert hatte ich es nicht mal, bis kurz bevor ich den Beitrag hochladen wollte. Es geht. Doch ein Scherz?

[3] Leider nicht für den Ehemann. Fast täglich erlebt es massive Ausfälle. Seine einzige Motivation, momentan weiterhin mit ÖPNV zu fahren, ist dass die Spritkosten so in die Höhe gekommen sind, und wir sehen es nicht ein, den Profiteuren vom Krieg noch mehr Geld zu geben.

[4] Obwohl ich trotz zwei Jahren Home Office mein Abo immer noch nicht gekündigt habe. Zuerst weil nicht abzusehen war, wie lange ich zu Hause arbeiten würde, dann aus der Idee, dass ÖPNV nicht mehr Verlust braucht, wenn es aus Umweltschutz-Gründen als Alternative zum Auto bleiben soll – obwohl man im Münchner Raum echt Nerven braucht, um dem ÖPNV treu zu bleiben. An den letzten Wochenenden sind wir mit ÖPNV zu Demos gefahren. Ich bin froh, mich nicht jedesmal noch um ein Ticket kümmern zu müssen. Vor allem, da die DB-App neulich auf meinem Handy nicht mehr funktioniert – aber da wäre Stoff genug für einen anderen Beitrag.

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Das Fass läuft über

Ich bin heute früh aufgewacht. In der Regel schlafe ich weiter durch, wenn der Wecker das Radio einschaltet. Ich werde nur wirklich wach, wenn der Ehemann zu meiner Seite vom Bett kommt und mich küsst, bevor er zur Arbeit fährt.

Heute war anders. Wenn man solche Nachrichten im Radio hört, kann man einfach nicht weiter schlafen. Seit Monaten frage ich den Ehemann, wenn er die Nachrichten ohne mich schaut, ob der dritte Weltkrieg ausgebrochen ist. Seit Monaten versucht er mir zu erklären, Putin wäre doch nicht so doof, einen Krieg anzuzetteln. Wie gerne ich im Unrecht geblieben wäre.

Da ich ungewöhnlich früh wach wurde, habe ich mich ungewöhnlich früh ans Laptop gesessen. Es war halb acht. Das hätte nicht sein müssen.

Seit Dienstag war die Höhle los auf Arbeit. Die Datenbank, die ich mit Arndt und Lukas betreue und weiterentwickle, und mit der die ganze Firma tagtäglich arbeitet, hat gewaltig gezickt. Mehrere Sichten, die seit Jahren benutzt werden, haben auf einmal nicht mehr funktioniert. Die Abfragen sind hängen geblieben, die CPU-Last vom Server ist zur Decke gesprungen und wir mussten laufende Abfragen manuell abbrechen. Wir haben die Kollegen darum bieten müssen, die LIMS nicht mehr zu benutzen. Was die Ursache fürs Problem war, haben wir bis heute nicht herausgefunden. Eine Inkonsistenz in den Indizes nach einem Refactoring wurde gefunden und behoben, aber nach der Korrektur liefen die Abfragen immer noch nicht. Gestern am späten Abend haben die Sichten auf einmal wieder funktioniert. Und keiner weiß warum. Ich hasse es, wenn Probleme sich von alleine lösen. Zwei Tage purer Stress und am Ende ist man nicht schlauer geworden.

Was mich länger irritiert ist die Art wie Arndt in letzter Zeit mit Lukas und mir umgeht. Am Dienstag hatte ich eine Notlösung gefunden, um eine Sicht wieder am Laufen zu bringen. Anstatt von INNER JOINs hatte ich LEFT JOINs benutzt und schwupps, die Anfrage lief wieder, mit den korrekten Ergebnissen und mehr Zeilen, wobei die neuen Zeilen in einigen Spalten leer waren, aber dieser Unterschied war für die Kollegen im Labor nicht hinderlich, und sie konnten weiter arbeiten. Arndt hat die Krise bekommen und mir vorgeworfen, ich würde mit meiner Arbeitsweise die Datenbankstruktur durcheinander bringen und Probleme umgehen, ohne die Ursache zu beseitigen. Dass ich in unserem Ticketsystem sofort einen neuen Eintrag für die fehlerhafte Sicht eröffnet hatte, war an ihm scheinbar vorbei gegangen. Dass man durch eine Änderung einer Sicht keine Änderung der Datenbankstruktur bewirkt, weil eine Sicht Daten nur darstellt, schien er auch in dem Moment völlig außer Acht gelassen zu haben. Nee, dafür musste er Lukas und mir mitteilen, er würde sich große Sorgen machen, mit der Art, wie wir arbeiten würden.

Dabei machen wir uns mit Lukas mehr Sorgen darüber, wie Arndt mit der Datenbank umgeht. Berechtigterweise. Arndt arbeitet seit einigen Monaten nur noch drei Tage die Woche. Regelmäßig macht er, ohne Absprache mit uns, halb fertige größere Änderungen an der Produktionsversion der Datenbank am Donnerstagabend, kurz bevor er ins Wochenende geht, ohne sie getestet zu haben. Wozu haben wir einen Testserver? Mit Lukas verbringen wir einen guten Teil der folgenden Tagen in seiner Abwesenheit damit, Bugs wegen seiner Änderungen zu beseitigen, anstatt unserer geplanter Arbeit nachzugehen. Weil sonst die ganze Arbeit im Labor stehen bleibt.

Zuletzt hat Arndt fürs Refactoring alle Indizes im VBA Code der LIMS von Integer auf Long ändern wollen, aber anstatt gezielt nach den Indizes im Code zu suchen um die Typänderung durchzuführen und zu prüfen, was mit den Variables geschieht und gegebenenfalls Datentypkonversionen anzupassen, hat er einfach pauschal „As Integer“ durch „As Long“ überall ersetzt, und ist dann ins Wochenende gegangen, mit dem Commit-Kommentar in der Repository, wir sollten bitte schön alle seine Änderungen prüfen. Wir haben mit Lukas zusammen mehr als einen Tag damit verbracht. Das Dämliche, der größte Teil seiner Änderungen bestand aus „Cancel As Integer“ → „Cancel As Long“, was gar keinen Sinn macht und die ganzen Formulare unbrauchbar gemacht hatte. Ich könnte heulen, wie schlampig der arbeitet.

Der Tropf zu viel war heute eine Diskussion zum Thema Urlaub. Ich hatte vor einem Monat eine Email mit Datum für meine Urlaubsplanung geschickt und gefragt, ob es so passt. Die Email ging an mein wissenschaftliches Team, an das ich offiziell gebunden bin, von Tim geführt, und an das Projektmanagement-Team, weil sicher gestellt werden muss, dass meine Kunden in meiner Abwesenheit betreut werden. Arndt war in den Empfängern der Email drin. Bis heute hatte niemand gesagt, es passt nicht, also habe ich Tim gesagt, ich würde jetzt den Urlaub beantragen. Tim, der offiziell meinen Urlaub genehmigen muss, meinte, ich sollte sicher stellen dass Arndt, Lukas und ich nicht gleichzeitig Urlaub haben, falls es Probleme mit der LIMS gibt. Ich habe also nochmal Arndt explizit gefragt. Seine Antwort: Von ihm aus kein Problem, aber von Lukas und mir muss eine Person immer verfügbar sein. Hallo, wir sind doch zu dritt im LIMS-Team! Arndt sollte auch Probleme alleine lösen können, schließlich hat er die LIMS ursprünglich konzipiert. Und ausgerechnet in meiner gewünschten Woche hat Lukas schon Urlaub geplant. Ohne uns irgendwas zu fragen. Jetzt bin ich die Doofe, weil ich angefragt habe. Zweimal, weil beim ersten Mal keine Antwort von Arndt kam. Wie soll ich denn Urlaub planen können, wenn ich mich mit drei Teams abstimmen soll? Und warum soll ich alle fragen, aber die zwei anderen Kollegen im LIMS-Team keine Rücksicht auf mich nehmen und Urlaub einfach buchen wie es ihnen passt?

Ich habe die Schnauze voll. So spannend der Job sonst sein mag, ich bewerbe mich weg. Gerade gibt es eine interessante Stelle in Berlin. Wieder im öffentlichen Dienst, nachdem ich es endlich in die Industrie geschafft hatte, aber immerhin unbefristet. Und im öffentlichen Dienst wird der Gehalt regelmäßig erhöht, im Gegenteil zu meiner aktuellen Stelle. Ich würde nicht vier Jahre lang auf meinem Einstiegsgehalt bleiben. Es ist ein Versuch wert. Der Ehemann hat eh Heimweh.

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Knäuel

Ich habe ein neues Häkel-Projekt gestartet. Nicht, weil ich gerade krank geschrieben bin. Die Idee kam mir schon vor zwei Wochen, als ich lernte, ein Quadrat zu häkeln.

Tetris-Decke. Der Anfang, aus Rest-Knäueln. Drunter, meine Schneidematte für Collage.

Ich habe verschiedene Anleitungen gefunden und ausprobiert. Eine meinte, man müsse nach jeder Reihe das Werk umdrehen und in die andere Richtung häkeln, damit es schön quadratisch bleibt und sich nichts verdreht. Dadurch sieht das Muster aber nicht so gut aus, siehe zum Beispiel das graue Quadrat unten links. Ich habe es nach einer Weile anders ausprobiert, indem ich die Arbeit nicht umdrehe, sondern aufpasse, dass ich jede neue Reihe wirklich in eine Ecke-Lücke starte. Dafür muss man für die erste Masche rückwärts den Faden holen, wenn man mit nur einer Farbe arbeitet. Das funktioniert ganz gut, wie man am gelben Quadrat sieht. Ich bleibe bei der Technik.

Was es werden soll: Eine Tetris-Decke. Mit einer Nadelstärke von 4 mm sind meine Quadrate 9×9 cm2 groß. Ich kann damit eine Decke von 126×198 cm2 machen, dazu kommt ein Rand. Ich muss 308 Quadrate machen. Bei nicht ganz einem Quadrat pro Tag bin ich das ganze Jahr beschäftigt. Dafür brauche ich viel mehr Knäuel, als ich jetzt noch als Reste aus früheren Projekten übrig habe. Als der Ehemann vor zwei Wochen in Pasing war, habe ich ihn darum gebeten, beim Wollladen Nachschub zu besorgen. Ging nicht. Die Baumwolle wird im Winter gar nicht angeboten, hat er erzählt bekommen. Erst ab März würde sie wieder im Laden sein.

Es war mir zu viel Wartezeit. Durch eine Suche nach dem Markennamen bin ich auf einen Laden in Aachen gestoßen, in dem ich früher gerne bei Bastel-Workshops mitgemacht hatte, als ich dort noch lebte. Und da alle Farben zur Verfügung standen, habe ich zugeschlagen. Letzte Woche kam die Lieferung an.

Als ich in freudiger Erwartung das Paket öffnete, stieg mir sofort ein ekliger Geruch in die Nase rein. Es stank intensiv nach kaltem Tabak und ich musste an die widerliche Zigarillos denken, die mein Vater immer zu rauchen pflegte, als er noch rauchte. Bläh. Von außerhalb war schon der Geruch wahrzunehmen, fiel mir im Nachhinein auf, aber im Briefumschlag war es extrem. Ich habe die Knäuel raus geholt, um sie zu lüften. Der Geruch saß ganz tief in den Knäueln drin. Da der Ehemann nicht da war, habe ich sie alle auf seinen Stuhl gelegt, und die geöffnete Tür zum Minibalkon neben seinem Schreibtisch mit dem Stuhl geklemmt. Es war kalt, aber egal, Hauptsache, der Geruch geht weg. Vergeblich. Ich saß an meinem Rechner hinter dem Raumtrenner zwischen unseren Arbeitszimmerhälften, der Geruch hat mich so gestört, dass ich nicht weiter arbeiten konnte. Es war klar, den werde ich nie ganz los, und es wäre eine Zumutung, stundenlang damit arbeiten zu müssen. Ich habe alle Knäuel wieder in den Briefumschlag gesteckt, den Retour-Aufkleber drauf geklebt und das Päckchen zurück zur Post gebracht. Das zweite Mal, dass ich eine Lieferung zurück schicken muss. Umwelttechnisch eine Katastrophe.

Es sind nur noch vier Wochen bis März. Ich bestelle meine Baumwolle beim Laden in Pasing.

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„Dreist“ hätte mein Geburtsname sein sollen

Da ich den Namen von meinem Vater bekommen habe.

Heute beim Aufstehen habe ich eine Nachricht von ihm auf dem Handy entdeckt. Das passiert sehr selten, höchstens an meinem Geburtstag, für Weihnachten und Neujahr. Das hatte er letztens sogar eingestellt, 2020 hatte ich keine Nachricht von ihm bekommen. Das war mir recht. Seit dem Tod von meinem Bruder nimmt er sporadisch wieder Kontakt auf.

Heute war es kurz nach zehn, als ich seine Nachricht gemerkt habe. Ich habe momentan, im Urlaub, den Ruhemodus von Handy bis halb elf ausgedehnt. Nur Nachrichten aus ausgewählten Nummern kommen durch – die vom Ehemann und meiner Mutter.

Mein Vater gehört nicht zu den Anruf-Ausnahmen. Eigentlich ist er der Grund, warum ich überhaupt bei jedem neuen Handy sofort den Ruhemodus konfiguriere. Wenn er mal Nachrichten schreibt, dann gerne um unmöglichen Uhrzeiten. Zuletzt um 05:21 morgens am Samstag nach Heiligabend, wie ich im Nachhinein gesehen habe. Das ist so frech dass ich gar nicht drauf antworte. Als ich als Doktorandin ganz weit weg nach Deutschland geflüchtet war und noch kein Handy hatte, hatte ich mich schon damals daran gewöhnt, nachtsüber den Stecker vom Festnetztelefon zu ziehen, weil er sonst gerne sonntags in aller Frühe angerufen hatte. Diese Art psychologischer Belästigung war alles, was ihm übrig geblieben war, da physische Gewalt nicht mehr ging.

Die Nachricht von meinem Vater, drunter meine Antwort.

Hier die heutige Nachricht und meine Antwort darauf, nachdem ich mit meiner Mutter telefoniert habe. Mein Vater schreibt, für den Notar[1] bräuchte er eine Kopie meines Ausweises, meine Mutter würde Bescheid wissen.

Als ich zuletzt im September bei meiner Mutter zu Besuch war, war ich beim Notar. Eine Kopie meines Ausweises hatte ich ihm bei der Gelegenheit persönlich gereicht und damals hieß es, die Dokumente für die Erbschaft von meinem Bruder wären vollständig und der Fall würde im Oktober abgeschlossen sein. Dass mein Vater mir jetzt sowas schreibt, und nicht der Notar selbst, der doch meine Kontaktdaten hat, fand ich… merkwürdig.

Ich habe meine Mutter angerufen und sie gefragt, ob sie wirklich von irgendwas mit dem Notar wüsste. Sie sagte, meine Schwester, die momentan mit ihrem Sohn bei ihr zu Besuch ist, hätte auch heute eine Nachricht von meinem Vater bekommen und wäre so sauer geworden, dass sie direkt zurück ins Bett gegangen wäre. „Worum geht es denn?“ habe ich nochmal gefragt. Es ginge um die Garage, die meinem Bruder gehört hatte. Davon steht in der Nachricht von meinem Vater kein Wort.

Von dieser Garage hatte ich nie etwas gewusst, bis mich mein Vater bei der Trauerfeier von meinem Bruder von ihrer Existenz in Kenntnis gesetzt hatte. Besonders wichtig war ihm an dem Tag zu betonen, dass diese Garage zwar auf dem Papier meinem Bruder gehörte, sie aber von meinem Vater bezahlt wurde, damit mein Bruder etwas von ihm bekommen und Erbschaftsteuer vermeiden könnte, wenn mein Vater stirbt. Dumm nur, dass mein Bruder früher ging. Mein Vater fühlt sich also betrogen. Rechtlich gesehen teilen wir uns jetzt alle vier diese Garage, mein Vater, meine Mutter, meine Schwester und ich. Als ich wegen Erbschaftsteuer zur Kasse gebeten wurde, waren Kosten für diese Garage enthalten. Ich weiß nicht mal, wo die Garage ist.

Ich vermute, die Situation stinkt meinem Vater, weil er meinen Bruder bevorzugen wollte[2]. Meine Mutter meinte noch, mein Vater wäre mit seiner Freundin gepacst[3] und würde ihr jetzt lieber die Garage überlassen. Aber die Garage hatte er schon meinem Bruder gegeben. Und jetzt will er also an meinen Ausweis ran, denn kein Notar würde über dritte Personen nach persönlichen Dokumenten fragen. Meine Mutter sagte, dass mein Vater versuchen will, die Garage wieder an sich zu ziehen. Ob er mit meinem Ausweis meine Unterschrift fälschen will? Mein Vater ist so hinterhältig, dem traue ich alles zu.

Jedenfalls habe ich ihm geantwortet, der Notar hat schon eine Kopie meines Ausweises und wenn er mehr braucht, kann er mich selber kontaktieren, auf offiziellem Weg. Er erwähnt die Garage in seiner SMS ja gar nicht.

Versehentlich zu mir geschickt.

Gerade als ich auf „Veröffentlichen“ klicken wollte, kam diese weitere Nachricht von meinem Vater an. Ich vermute, an meine Mutter gerichtet und versehentlich zu mir geschickt. Er sagt meiner Mutter, dass ich ihm scheinbar nicht traue und ob sie mich danach (nach meinem Ausweis) fragen kann. Danach könnte er die drei Akten zu irgendeiner Verwaltung nach Nizza schicken. Welche Akte? Ich weiß von nichts. Es klingt, als ob mein Vater Papiere in meinem Namen hinter meinem Rücken ohne mein Einverständnis ausfüllen möchte.

Meine Mutter klang am Telefon schon ziemlich genervt, als sie mir die Situation schilderte, und meinte, ihretwegen könne mein Vater ihren Anteil an die Garage bekommen. Ich vermute, er hat bei ihr so lange Druck ausgeübt, bis sie nachgegeben hat. Ob er sie gedroht hat? Von einem Streit über diese Garage mit meinem Vater hatte sie mir sonst nie etwas erzählt. Dabei hatte sie meiner Schwester und mir im September nachdrücklich gesagt, wir sollten uns auf keinen Fall von meinem Vater verarschen lassen, die Garage würde meinem Bruder gehören und wir hätten als Nachfolger einen Recht drauf. Mich hat mein Vater bis jetzt nicht gefragt, auf diesen Teil vom Erbe zu verzichten.

Mir wäre es viel lieber, mein Bruder wäre noch am Leben und ich wäre stattdessen im Februar zur Trauerfeier von meinem Vater gegangen.

[1] Der Notar, der das Erbe meines Bruders geregelt hatte.

[2] Wir Mädchen waren ihm ja immer nur eine Schande, weil wir nicht als Jungen geboren wurden.

[3] Davon wusste ich allerdings auch nichts.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Alle schlechten Dinge müssen nicht drei sein

Gestern ist der zweite Corona-Fall in der Firma vom Ehemann bekannt geworden. Zumindest der zweite Fall in dieser Welle. Ein weiterer Kollege wurde positiv getestet. Trotzdem verbietet der Firmenleiter nach wie vor Home Office, obwohl es beim Ehemann keine betriebliche Gründe dagegen gibt. Es wurde ihm nur heute ausnahmsweise bewilligt, weil er einen Termin angegeben hatte. Ich merke, wie er langsam nicht mehr so sehr an den Job hängt.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Verantwortungslos

Ich bin immer noch im Home Office. Seit die Chefin uns Mitte Februar 2020 als Vorreiterin nach Hause geschickt hat, bin ich genau fünf Tage im Büro gewesen. Als introvertierte Person passt es mir gut. Ich habe gerne meine Ruhe beim Arbeiten, es reicht, wenn ich mich per Videokonferenz mit den Kollegen austausche. Interessanterweise bekomme ich dadurch mehr Redezeit in Meetings als üblich war, wenn wir alle um einen Tisch gesessen hatten. Ute fällt einem bei Videokonferenzen nicht ins Wort.

Vor einigen Wochen wurde in Erwägung gezogen, uns einmal die Woche zurück ins Büro zu holen. Häufiger wäre es nicht möglich, da viele neue Kollegen in der Pandemie zu uns gekommen sind, wir aber immer noch so wenige Zimmer zur Verfügung haben. Jetzt, wo Infektionszahlen täglich auf bisher unerreichte Höhen steigen, liegt das Vorhaben erstmal auf Eis.

Dasselbe kann man beim Ehemann leider nicht sagen. Ich habe mich schon fürchterlich aufgeregt, als er mir den grippalen Infekt von der Arbeit nach Hause geschleppt hat, weil seine Kollegen es nach anderthalb Jahren immer noch nicht kapiert haben und meinen, krank ins Büro kommen zu müssen. Es hat mir eine ganze Woche gekostet.

Die Kollegen vom Ehemann sind vielleicht nur halb schuld, weil der Leiter der Firma ein Vollidiot ist. Selber hat er sich letztes Jahr mit Covid-19 anstecken lassen, was beim ihm nur Kopfschmerzen verursacht hatte. Ob er seitdem glaubt, wenn es bei ihm nicht so schlimm war, wären die ganzen Reaktionen um die Krankheit übertrieben? Wie kann man sonst erklären, dass er seinen Mitarbeitern explizit mitgeteilt hat, dass Home Office nicht erwünscht ist? Das hat er nicht nur vor einigen Wochen schon gesagt sondern gestern wiederholt, gerade als im Landkreis eine 7-Tage-Inzidenz von über 630 gemeldet wurde. Gestern haben sich alle Mitarbeiter vor der Arbeit testen lassen, wie es montags in der Firma üblich ist. Ein Test ist positiv ausgefallen. Der betroffene Mitarbeiter ist nach Hause geschickt worden. Die anderen Kollegen mussten bleiben. Für eine solche Lappalie schickt der Firmenleiter seine Leute doch nicht in Quarantäne. Ich könnte kotzen.

Der Ehemann und ich sind beide geimpft. Die Ärztin meint, die Kreuzimpfung war das Beste, war wir machen konnten, das meinte sie schon damals und die Daten scheinen ihr Recht zu geben. Trotzdem heißt eine vollständige Impfung nicht hundertprozentiger Schutz, und ob Kreuzimpfung, AstraZeneca, BioNTech oder Moderna, bei allen wird eine Reduzierung vom Schutz mit der Zeit beobachtet[1,2], bei AstraZeneca ist der Schutzeffekt sogar nach sechs Monaten verpufft. Angenommen, der Ehemann kommt mit einer Corona-Infektion von der Arbeit nach Hause, steckt mich an und ich werde krank genug, dass ich wieder nicht arbeiten kann. Kann mein Arbeitgeber gegen seinen Arbeitgeber juristisch vorgehen? Das wäre interessant.

[1] Dieser Artikel ist nur ein Preprint und muss noch begutachtet werden, also abwarten. Falls der Link nicht mehr klappt, hier die Zusammenfassung. Vielen Dank an Sven Meier für den Link zur Studie.

[2] Den Knick in der Kurve für die Kreuzimpfung kann ich mir nicht erklären. Er wird von den Autoren gar nicht diskutiert. Die Grafik selbst ist nicht im Preprint zu sehen, sondern wurde von Spektrum.de[3] aus den Daten zusammen gebastelt. Ich nehme einfach an, dass die Grafik richtig ist, ich habe sie nicht geprüft.

[3] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und Verlinkung.

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Zwangspause

Seit drei Stunden kann ich nicht arbeiten. Das hat nichts mit Home Office zu tun. Unsere Internetverbindung zu Hause läuft stabil, seitdem wir den Router gewechselt bekommen haben. Die Kollegen vor Ort können auch nicht arbeiten. Die Server sind nicht mehr erreichbar. Das heißt, unsere Datenbanksoftware kann man nicht benutzen, und auf Dateien kann man auch nicht zugreifen. Weil wir schon vor langer Zeit aus Sicherheitsgründen dazu aufgefordert wurden, keine Datei lokal auf Laptops zu speichern, sondern alles auf den Servern zu lassen.

Ich habe zur Zeit keine Kundenbetreuung mehr, mein letztes Projekt ist zu Ende gelaufen. Das wird sich bald ändern. Wissenschaftlich hat mich Tim entlastet, damit ich mehr Zeit habe, mich um Programmierung zu kümmern. Insbesondere gibt es immer noch Probleme zu beheben, seitdem wir die Firmendatenbank umgestellt haben. Ich wollte heute eine neue Version der Software auf dem Server für die Kollegen kopieren, als ich merkte, das Verzeichnis ist nicht mehr erreichbar. Kurz danach fragte mich Lukas über Skype[1], ob ich auch Verbindungsprobleme zum Server hätte.

Das letzte Mal, dass ich keinen Zugang zum diesem Verzeichnis hatte, war letzte Woche Donnerstagabend. Arndt war noch in Skype als online angezeigt, also hatte ich ihn gefragt, ob er auch Probleme hätte. Keine Antwort. Arndt antwortet in letzter Zeit gar nicht mehr, wenn man ihn etwas über Skype fragt. Wenn er überhaupt online ist.

Weil ich am nächsten Tag frei hatte, sowie Arndt, hatte ich Jerry, unseren IT-Spezialist, per Email gefragt, den Zugang zum Verzeichnis wieder herzustellen. Per Email, weil er, wie Arndt, kaum noch Skype benutzt, obwohl die Chefin mehrmals betont hatte, wir müssten alle während der Arbeitszeit erreichbar sein. Alle bedeutet wohl nicht alle. Meine Email war eigentlich höflich formuliert, aber Jerry hat sich angegriffen gefühlt, seiner Antwort nach zu beurteilen. Ich hätte unbegründet Vorwürfe gegen ihn gestellt. Ich lese meine Email nochmal durch und kann keinen Vorwurf gegen ihn entdecken. Jerry fühlt sich leider sehr schnell angegriffen und beleidigt, wenn man ihn dazu aufmerksam macht, dass Sachen nicht rund laufen. Wenn wir Meetings mit ihm haben, was sehr selten passiert, wenn die Chefin nicht explizit dahinter steckt, ist er stets in der Defensive, wenn wir nur nach Information fragen. Andererseits ist er jemand, der schnell Andere beschuldigt, wenn es Probleme gibt. In der Mehrzahl der Probleme, die ich erlebt habe, lag die Verantwortung bei ihm, aber einen Fehler zugeben und sich entschuldigen kann er nicht. Nur leugnen, heimlich beheben und die Kollegen für Dummköpfe halten. Vom Anfang an hatte ich gedacht, er sei eine Fehlbesetzung, er hätte gar nicht die Probezeit bestehen dürfen, wie unverschämt arrogant er sich mit allen verhalten hat. Mit der Chefin muss er doch charmant gewesen sein, nur deshalb kann er geblieben sein. Die Chefin lässt sich sehr einfach von männlichen Kollegen um den Finger wickeln.

Über unsere VPN-Problemen, als es mit Home Office anfing, habe ich schon geschrieben. Jerry wollte auch am Anfang seiner Arbeitszeit in meinem Team die Nutzung von sämtlichen wissenschaftlichen Programmen verbieten, weil sie von Akademikern entwickelt wurden. Wir müssten auf professioneller Lösung umsteigen. Dass diese Programme nicht ersetzbar sind, von allen Wissenschaftlern in der Branche weltweit benutzt werden, und unsere Kunden erwarten, dass wir damit arbeiten, wollte er nicht wissen. Vom Fach ist er nicht, aber er wollte uns trotzdem belehren, wie wir zu arbeiten haben. Tim konnte der Chefin erklären, wie wichtig es war, die Programme zu behalten. Sie zu verbieten hätte bedeutet, dass wir das ganze Team in die Arbeitslosigkeit hätten schicken können. Die Chefin hat dann Jerry gesagt, die Programme bleiben. Und Jerry hört nur auf die Chefin. Das weiß jetzt Philipp zu nutzen, mein Teamleiter für Projektmanagement. Wenn er etwas von Jerry braucht, setzt er die Chefin automatisch ins CC. Sonst läuft nichts.

Das neue Problem mit den Servern, also. Am Donnerstagabend soll angeblich jemand unbeabsichtigt das ganze Verzeichnis für die Datenbanksoftware gelöscht haben. Der Hacken ist, wir vom Entwicklungsteam haben gar keine Berechtigung, dieses Verzeichnis zu löschen. Wir können lediglich drin schreiben. Am nächsten Tag, als ich frei hatte, hat er zwei Stunden gebraucht, um das Verzeichnis wieder herzustellen. Und heute ist nicht nur das Verzeichnis sondern alle Server weg. Seit drei Stunden. Ich vermute Hardwareversagen.

Ich habe die Zwangspause in Clockify[1] als solche eingetragen. Wäre ich im Büro, wie die Kollegen, die vor Ort sein müssen, würde ich trotzdem nicht arbeiten können, aber die Uhr tickt weiter und irgendwann muss Feierabend sein. Ich sehe nicht ein, dass ich die Zwangspause nicht als Arbeitszeit anrechnen sollte. Meine Abende will ich nicht als Wiedergutmachung für die Fehler von Jerry opfern. Meine drei Stunden kosten der Firma schon 150€. Und ich bin nur eine von vielen hochqualifizierten Mitarbeitern.

Man hätte das Problem frühzeitig erkennen und etwas dagegen unternehmen können. Seit einigen Wochen läuft alles sehr langsam, wenn man im Windows Explorer Verzeichnisse auf dem Server öffnet, selbst wenn man mit RDP auf einer lokalen Maschine arbeitet. Aber, die Lieblingserklärung: Es liegt an der Internetverbindung zu Hause. Wenn man Probleme nicht sehen will, sieht man sie nicht.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Jetzt hat es mich auch erwischt

Kein April-Scherz. Meine übliche Blog-Ansicht ist nicht mehr zu erreichen. Nicht, wenn man sich auf WordPress durchklickt.

Zum Glück hatte ich mein Dashboard als Lesezeichen im Browser gespeichert und komme noch mit

https://AUTORNAME.wordpress.com/wp-admin/

zur klassischen Ansicht. Die neue Seite

https://wordpress.com/home/AUTORNAME.wordpress.com

scheint sich nicht mehr nach Geschmack gestalten zu lassen. Besonders die beiden Kästchen unten finde ich nützlich, um mal zu schauen, was gerade erschienen ist und vielleicht Sachen zu entdecken, obwohl es meistens eh Junk voll mit Hashtags war, oder ob die Spam-Liste geleert werden sollte. No, aquí no se inicia sesión. Und nein, Irina, Julia, Jenny usw., eure intime Fotos interessieren mich nicht.

Nerviger ist, dass jetzt bei den Beiträgen der Link zum klassischen Editor verschwunden ist. Ich hatte bis jetzt immer einen neuen Beitrag nur mit dem Titel angefangen, den Entwurf gespeichert und war zur Beiträge-Seite gegangen, um dort mit dem klassischen Editor den Beitrag zu bearbeiten. Nicht nur, dass er neue Editor zu langsam ist. Es gibt manchmal Elemente in meinen Beiträgen, die der neue Editor nicht bearbeiten konnte, und die schlicht gelöscht wurden, wenn ich mit dem neuen Editor alte Beiträge bearbeiten wollte. Deswegen ich beim klassischen Editor bleiben wollte. Die Möglichkeit, die Einige erwähnt haben, im neuen Editor zum Alten durch Klicks zu wechseln, habe ich nie gehabt.

Nun ist die Lösung gefunden: Den alten Beitrag im neuen Editor öffnen, im Adressfeld alles hinter &action=edit löschen und durch &classic-editor ersetzen. Beispiel:

https://AUTORNAME.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=BEITRAGSNUMMER&action=edit&classic-editor

Oder, für einen neuen Beitrag:

https://AUTORNAME.wordpress.com/wp-admin/post-new.php?classic-editor

Voilà, der klassische Editor ist wieder da. Fragt sich, wie lange noch.

Vielen Dank an alle, die das Problem vor mir hatten und ihre Lösungswege beschrieben haben, vor allem:


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.