Ein Vermittlungsvorschlag der Arbeitsagentur

Vorgestern habe ich eine Email der Arbeitsagentur bekommen. Ich habe zuerst an eine Art Spam oder Phishing gedacht, weil die Email so aussah:

Völlig anonymisiert und mit einer mehr als bedürftige Formatierung, das wirkt sehr unseriös. Aber es gab weder dubiosen Link zum Anklicken noch verdächtigen Anhang, und die ursprüngliche IP-Adresse des Absenders gehört tatsächlich der Arbeitsagentur. Es könnte echt sein.

Ich müsste mich also in meinem Konto bei der Arbeitsagentur einloggen, um den Ermittlungsvorschlag zu lesen. Das ist immer so eine Sache, bei der Arbeitsagentur. Ich habe schon so viele verschiedene Nutzernamen und Passwörter bekommen, dass ich nicht mehr weiß, mit welchen ich mich nun einloggen soll. Mit den letzten, die geklappt haben, das müsste schon gut ein halbes Jahr her sein. Ich habe meine Login-Daten mit Sicherheit in meinem Firefox-Profil gespeichert. Der Hacken: Es war unter Windows, nicht unter Ubuntu. Windows habe ich immer noch nicht auf meinem Rechner reinstalliert. Und ich täte gut, daran zu denken, vorher eine Sicherheitskopie von meinem Windows-Firefox-Profil zu machen.

Seit Mittwoch habe ich mich gar nicht darum gekümmert. Mit dem Stress auf Arbeit hatte ich die Email schon total vergessen. Es war also gut, dass die Arbeitsagentur mir den Ermittlungsvorschlag zusätzlich per Post zugeschickt hat. Der Allererste, den ich seit meiner Anmeldung im Dezember letzten Jahres bekomme! Dadurch weiß ich allerdings, dass ich dort immer noch als Arbeitssuchende gelte. Ich brauche mich also nicht nochmal darum zu kümmern. Die Arbeitslosigkeit kann kommen.

Leider, aber auch nicht unerwarteterweise, hat sich der Ermittlungsvorschlag als nutzlos entpuppt. Und das ist etwas, das ich immer wieder feststellen muss: Die Leute bei der Arbeitsagentur haben keine Ahnung, was sie Wissenschaftlern anbieten sollen, selbst wenn es ein spezielles Team für Akademiker gibt. Worum es in der Ausschreibung geht: Eine Universität für Verwaltungswissenschaften sucht nach Forschungsreferenten. Die zwei ersten Punkte des Anforderungsprofils:

  • überdurchschnittlicher Universitätsabschluss (Master oder gleichwertig) in Politikwissenschaft oder einer anderen Sozialwissenschaft oder Wirtschaftswissenschaft mit volkswirtschaftlicher Ausrichtung,
  • gute Kenntnisse der Methoden der empirischen Sozialforschung.

Als promovierte Physikerin meint die Arbeitsagentur, ich würde wie Faust auf Auge auf die Stelle passen? Physik und Politik fangen beide mit „P“ an und enden beide mit „ik“, das ist ungefähr alles, was beide Fächer verbindet (Frau Merkel ausgenommen). Überqualifiziert wäre ich mit meiner Promotion sowieso, da sie nach Leuten mit Master suchen. Das wissen sie, bei der Arbeitsagentur, immerhin fängt der Brief mit „Sehr geehrte Frau Dr.“ an. Und vom Wissenschaftszeitvertragsgesetz scheint die Arbeitsagentur auch nie was gehört zu haben, denn die Stelle ist befristet, und somit komme ich auch nicht in Frage.

Was ist das für eine schlampige Arbeitsvermittlung? Würden sie auch einem ausgebildeten Frisör vorschlagen, sich als Maurer zu bewerben? Oder haben sie meine Unterlagen mit denen von einem arbeitssuchenden Politikwissenschaftler verwechselt?

Hallo Du, der diese Zeilen liest. Du bist Politikwissenschaftler, Sozialwissenschaftler oder Wirtschaftswissenschaftler (m/w) und hast aus unbegreiflichen Gründen von der Arbeitsagentur ein unpassendes Stellenangebot für einen Physiker (m/w) mit Programmierkenntnissen bekommen? Melde Dich, ich tausche gerne!


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Ein Anruf der Arbeitsagentur

Ich bin letzte Woche im Urlaub angerufen worden. Die Nummer war versteckt, auf dem Display stand nur „Privat“. Normalerweise Grund genug für mich, um nicht ran zu gehen. Vor allem, da ich mich im Ausland befand und mit meinem O2 Vertrag für jeden eingehenden Anruf 0,75€ zahlen muss. Aber vielleicht war es doch etwas Wichtiges. Ich bin also vorsichtig mit meinem in solchen Fällen üblichen, nichts verratenden französischen „Allo?“ ran gegangen. Nach einer kurzen Verzögerung: „Guten Tag, ich bin Frau Dingsbums von der Arbeitsagentur, mit wem rede ich?“ Da sie angegeben hatte, von der Arbeitsagentur zu sein, habe ich nach einer ebenfalls kurzen Verzögerung meinen Nachnamen verraten. „Gut, das ist die Person, mit der ich reden wollte.“ Eine gute Dosis typisches deutsches Misstrauens, gleich am Anfang vom Gespräch.

Ab dem Zeitpunkt habe ich mich schon gefragt, warum sie mich anruft. Hätte ich meinen Arbeitsvertrag nicht verlängert bekommen, wäre ich ab dem 1. März arbeitslos geworden. Mein Vertrag wurde aber verlängert. Ich hatte natürlich schon im Februar meine Daten auf der Jobbörse der Arbeitsagentur aktualisiert, sobald ich den Vertrag unterschrieben hatte. Also hatte ich es sofort versucht. Das hatte sich als doch nicht so einfach erwiesen. Dazu eine etwas längere Erläuterung.

Ich habe mich schon mehrmals als Arbeitssuchende eintragen müssen. Beim ersten Mal, nach meiner Doktorarbeit, als eine Internet-Verbindung zu Hause für mich noch nicht in Frage kam, hatte ich zusammen mit einer Bearbeiterin des noch Arbeitsamtes ein Profil samt Lebenslauf erstellt. Ich habe erzählt und sie hat eingetragen. Ich habe mich danach für die kurze Dauer der Arbeitslosigkeit nicht mehr darum gekümmert, da ich keinen Zugang zu meinen Daten hatte. Ich hatte sowieso keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld und musste daher keine Bewerbungsversuche vorweisen, da ich, zu meiner großen Überraschung, in den dreieinhalb Jahren meiner Beschäftigung an der Uni keinen Beitrag zur Arbeitslosenversicherung bezahlt hatte. Ich konnte damals beim Unterschreiben vom Arbeitsvertrag kein Deutsch, aber es wurde drin auch nicht erwähnt… Oder lag es daran, dass ich gleichzeitig als Doktorandin an der Uni angemeldet war und somit einen Studentenstatus hatte? Wie auch immer.

Viele Jahre später, als ich wegen des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes und trotz vieler Bewerbungen wieder arbeitslos wurde, habe ich mit neuen Zugangsdaten von zu Hause aus mein Lebenslauf aktualisieren wollen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Bearbeiterin Jahre zuvor ziemlich viel Müll reingeschrieben hatte. Bestimmte Stichwörter passten nur ungenau, einige Fähigkeiten stimmten einfach nicht. Die Beschreibung von Tätigkeiten lag total daneben. Blöderweise konnte ich nichts editieren, weil ich keine Rechte dazu hatte. Für meinen eigenen Lebenslauf in meinem eigenen Profil! Ich habe die Jobbörse deswegen nicht mehr benutzt und mir die Mühe auch nicht gegeben, die neuen Arbeitserfahrungen zu erfassen. Es war auch nicht so, als ob ich jemals von einem Arbeitgeber über diese Plattform kontaktiert worden wäre…

Ich habe mich zuletzt im Dezember als Arbeitssuchende gemeldet. Mit Verspätung, da ich auf Arbeit ziemlich viel zu tun hatte, und erst nachdem mir bewusst wurde, dass es ganz bequem online geht. Wenn man Zugangsdaten hat. Meine alten Daten habe ich nicht mehr gefunden. Außerdem war ich umgezogen, hatte inzwischen geheiratet und einen neuen Namen… Viel einfacher, sich ein neues Profil anzulegen. So konnte ich sauber mein Lebenslauf von vorne richtig angeben, damit die Jobbörse doch nützlich wird. Einige Zeit später bin ich von einer freundlich klingenden Frau der Arbeitsagentur angerufen worden, um Details über meine Anmeldung zu besprechen. Ich habe erwähnt, dass ich früher schon als Arbeitssuchende angemeldet war, und sie meinte, sie würde beide Konten zusammenfügen. Ich habe darauf bestanden, das alte Lebenslauf zu vergessen und nur das neue zu behalten. Kurz danach kamen Briefe mit neuen Zugangsdaten. Meine gespeicherten Nutzernamen und Passwort, die ich mir mühsam ausgesucht hatte, konnte ich vergessen.

Als ich im Februar die Verlängerung von meinem Arbeitsvertrag in der Jobbörse angeben wollte, habe ich die neuen Zugangsdaten benutzt. Es ging nicht. Eine Nachricht ist erschienen, in der stand, dass mein Konto stillgelegt wurde und ich mich an eine Hotline wenden musste. Am Telefon habe ich dann erfahren, dass die Stilllegung aufgrund der Zusammenfügung meiner alten und neuen Konten statt gefunden hatte. Die Frau hat mir neue Zugangsdaten am Telefon diktiert und das Konto entsperrt. Warum hatte ich dann im Dezember nach dem ersten Telefonat neue Zugangsdaten bekommen? Und warum bin ich nicht schriftlich über die Sperrung von meinem Konto in Kenntnis gesetzt worden? Das weiß nur die Arbeitsagentur, falls es wirklich eine Begründung dafür gibt. Und beim Bearbeiten von meinem Lebenslauf habe ich festgestellt, dass es neue Einträge gab… Alle meine bisherige Einträge wurden dupliziert, aber die Kopien darf ich nicht editieren. Die Kontenverwaltung bei der Jobbörse ergibt für mich keinen Sinn.

Ich habe also im Februar die Verlängerung meines Arbeitsvertrages angegeben, und war deswegen nicht wenig überrascht, letzte Woche von der Arbeitsagentur angerufen zu werden. Das oben angefangene Gespräch lief in etwa weiter so: „Sie haben angegeben, bis zum 28. Februar beschäftigt zu sein.“ „Äh, nein, mein Arbeitsvertrag ist verlängert worden, wie ich in meinem Lebenslauf in der Jobbörse eingetragen habe.“ „Sie hätten sich am 1. März als arbeitslos in der Arbeitsagentur persönlich anmelden sollen.“ „Wie gesagt, mein Arbeitsvertrag wurde verlängert, ich bin nicht arbeitslos. Das habe ich in meinem Lebenslauf bereits angegeben.“ Kurze Pause. „Ah ja, sehe ich…“ „Habe ich etwas vergessen zu tun, um Sie darüber in Kenntnis zu setzen?“ „Hmm, dann sollten Sie aber am ersten Tag der Arbeitslosigkeit zur Arbeitsagentur kommen, um sich als arbeitslos anzumelden. Sie können es aber auch früher machen, Sie müssen nicht bis Ende Dezember warten.“ Erstaunen meinerseits, das wusste ich nicht und es trifft sich gut, da ich sonst am 2. Januar dort erscheinen soll, was den üblichen längeren Besuch bei den Eltern ausschließt. Meine Frage hatte sie aber nicht geantwortet. „Was hätte ich zusätzlich machen sollen, damit Sie wissen, dass ich doch nicht ab dem 1. März arbeitslos bin?“ Keine Antwort, sondern gleich die Ankündigung: „Dann werde ich Sie wohl als Arbeitssuchende abmelden.“ „Nein, bitte nicht! Bis Dezember ist es nicht lang, ich will weiter als Arbeitssuchende bleiben!“ „Na gut, ich melde Sie nicht ab. Auf Wiederhören!“

Ich muss prüfen, dass ich immer noch als Arbeitssuchende gemeldet bin. Wenn ich weiß, wo ich danach suchen muss. Sonst verpenne ich bestimmt wieder die nächste Anmeldefrist.


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Heute Morgen

Ich bin zu meinem Termin beim Arbeitsamt gegangen. Besser gesagt, mit dem Bus gefahren. Vorne war ein Sitzplatz frei, den ich beansprucht habe. Es war ziemlich warm im Bus, bei mir in der Wohnung friere ich zurzeit. Drei Haltestellen und eine Bauarbeit später, hat es einen Fahrerwechsel gegeben. Ein gut aussehender und sehr netter junger Fahrer hat unseren Bus übernommen. Blöderweise war ich trotz zwei Kaffees genau in dem Moment nur noch am Gähnen, was er ziemlich lustig fand. Ich sollte häufiger um die Uhrzeit mit dieser Linie fahren, es war eine gute Abwechslung von unseren sonst Muffelfahrern.

Nach dem Bus brauchte ich nur fünf Minuten bis zur Arbeitsagentur. Ich war ein bisschen früh da und habe im Flur vor der Tür gewartet. Es war sehr warm dort, sie heizen bestimmt noch, ich musste meine Jacke aus Wolle ausziehen (ich habe sie gerade zu Hause wieder angezogen, Mitte Mai heize ich definitiv nicht mehr, verflucht noch mal). Um 09:00 habe ich an der Tür geklopft und habe meinen Bearbeiter zum ersten Mal gesehen. Ich hatte sonst nur Email-Kontakt oder Telefongespräche mit ihm gehabt. Er sah gar nicht aus, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Er ist bestimmt über 50, mit schon grauem kurzem Bart, pummelig, und sehr nett. Ich muss hier schon Glück haben, wenn man hört, wie es in anderen Jobcenters ist, bisher fand ich meine Bearbeiter bei persönlichen Gesprächen immer sehr freundlich und hilfreich. Er hat angefangen, mir über die Firmen zu erzählen, die die Weiterbildung Qualitätsmanagement anbieten. Er hat mir die Flyers der Firmen gedruckt, und alle bieten sogar zusätzlich zur QM-TÜV-Zertifizierung das Six Sigma Green Belt an. Da ich es in vielen Stellenausschreibungen gefragt gesehen habe, bin ich von der Weiterbildung begeistert. Mein Berater hat dann gesagt, dass ich weiterhin das volle Arbeitslosengeld bekommen würde. Ich hatte es nicht erwartet, aber es stimmt. Es ändert sich etwas, aber gar nicht, wie ich dachte, da ich sogar durch die Weiterbildung einen Monat mehr an Arbeitslosengeld bekomme. Ich habe gestaunt. Mir bleibt jetzt nur noch die Unterlagen genau zu lesen, und Terminen bei beiden Firmen in der Stadt zu vereinbaren, um mehr über die Weiterbildung zu erfahren, bevor ich entscheide, zu welcher ich gehe. Und die Weiterbildung ist zwar Vollzeit geplant, aber ich hatte im Kopf „meine“ Vollzeit an der Uni, und sie entspricht gar nicht der normalen Vollzeit, da der Tagesablauf nur bis 16:30 geplant ist, es bleibt also noch viel Zeit abends übrig.

Nach dem Termin wollte ich zu Fuß nach Hause gehen, und unterwegs Lebensmittel einkaufen. Ganz untypisch für mich, mitten in der Woche. In meinem üblichen Supermarkt am Theater war eine Frau an der Kasse, die ich sonst nur selten sehe, eine andere Französin, wie ich. Es ist blöd, dass wir nur an der Kasse ab und zu plaudern. Ich habe viel Obst und Gemüse gekauft, und zum ersten Mal im Jahr sogar Aprikose. Die sind klein, rötlich orange und kommen aus Spanien. Und sie schmecken super, obwohl für mich die Aprikosenzeit erst Juni-Juli ist (wir hatten früher im Garten bei meinen Eltern einen Aprikosenbaum). Ich habe viel mehr gekauft als ich wollte, da mir einfiel, dass ich noch Milch brauchte, und Gnocchi waren im Angebot – da ich noch Kapern von meiner letzten Caponata übrig hatte, konnte ich mittags Gnocchi mit einfacher scharfer Tomaten-Kapern-Sauce machen, lecker.

Mit meinen Schuhen war es übrigens doch nicht so toll, nach Hause zu gehen, ich habe hinter beiden Knöcheln jetzt dicke Blasen, die rechts ist beim Gehen auch geplatzt. Es sind flache schwarze Mokassins, ich hatte sie seit dem Anfang vom Winter nicht mehr getragen. Und mein Ischias hat mir wieder weh getan. Das tut er seit letzter Woche, deshalb bin ich noch nicht zurück zum Fitness-Studio gegangen. Na ja, ich war wieder dort Sonntagnachmittag, habe eine Stunde Cross-Training gemacht, über 500kcal gebrannt, und habe Schmerze. So ein Mist.


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Versäumter Termin beim Arbeitsamt

Es war eine unruhige Nacht. Ich bin zuerst gegen 02:30 aufgewacht.

Ich war in unserem früheren Familienhaus. Da ich nicht schlafen konnte, habe ich den Rechner hochgefahren und das Licht im Flur eingeschaltet. Mein Bruder ist zu mir ins Zimmer gekommen. Er sagte, ich sollte den Rechner nicht anmachen, da ich sonst nicht mehr schlafen würde. Er hat sich in seinem Bett auf dem Bauch hingelegt und sagte, seine Mückenstiche würden ihn wahnsinnig machen. Es gab zwei kleine rote Stiche auf seinem Rücken. Ich habe den Rechner ausgemacht und bin selber zurück ins Bett gegangen.

Beim zweiten Aufwachen war ich in meiner aktuellen Wohnung[1]. Meine Mutter war auch da, sie hatte über Nacht bei mir im Wohnzimmer geschlafen. Es war noch früh morgens. Ich habe den Rechner hochgefahren, es war gerade 07:00. Mein Handy zeigte aber 02:00. Ich habe Kaffee gemacht und wollte mich vorbereiten, da ich heute um 09:00 einen Termin mit meinem Berater im Jobcenter für meine Weiterbildung habe[2]. Meine Mami hat angefangen zu bügeln. Sie hatte mehrere Kleidungsstücke zu sich genommen, wie meine schwarze Hose und meine rosafarbene Bluse. Die beide wollte ich heute anziehen. Ich bin zurück zur Küche gegangen. Schreck. Die Wanduhr zeigt 08:50. Ich brauche aber mindestens 20mn, um mit dem Bus zum Termin zu fahren. Und ich bin noch nicht angezogen. Zurück ins Schlafzimmer, schaue ich auf dem Bildschirm meines Rechners: Es ist 07:30. Mein Handy zeigt immer noch 02:00. Welche Uhr stimmt? Meine Mami sagt, es ist wirklich fast 09:00. Ich versuche, meinen Berater vom Handy aus anzurufen, während meine Mami in Hektik meine Kleider noch bügelt. Ich bekomme nur einen Tonband mit Musik und einer weiblichen Stimme, die mich um Geduld bittet und ärgere mich total darüber, dass es so lange dauert, weil es diese schweineteure Nummer ist, mit 42cts/mn auf dem Handy[3]. Gleichzeitig versuche ich, mich anzuziehen, was mit dem Handy in der Hand am Ohr geklebt nicht richtig klappen will. Das Tonband hört auf, ich höre etwas auf der anderen Seite der Leitung, aber keiner hört mich. Ich höre, wie mein Berater sich in seinem Zimmer bewegt und mit anderen Kollegen redet. Ich schreie ins Handy: „Hallo, hallo, ist jemand da? Hört mich jemand?“ Ich bitte meine Mami, ins Telefon zu pfeifen[4]. Mein linkes Ohr wird dadurch fast schmerzhaft, aber keiner am Arbeitsamt reagiert. Ich lege auf. Es ist jetzt schon 09:05. Jetzt wird er bestimmt denken, ich versäume den Termin. Ich muss ihm unbedingt sagen, dass ich komme. Meine Mami ist bereit, mich mit dem Auto hin zu fahren (und ich frage mich kurz, wo sie denn in meiner Straße ihr Auto parken konnte). Ich rufe nochmal an. Wieder Tonband. Nach kurzer Zeit bekomme ich den Anrufbeantworter meines Beraters. Es täte ihm leid, er wäre momentan abwesend, weil er einen Mörser zur Abteilung auf einer niedrigeren Etage ins Chemielabor bringen musste. Ich bin verzweifelt. Ich habe mich inzwischen fertig angezogen. Ich ziehe meine schwarze Stiefelette an. Meine Mami mag sie. Mei oder Yong Jin, die gerade plötzlich im Zimmer aufgetaucht ist, sagt, die Schuhen würden aber komisch mit meiner schwarzen Hose aussehen. Ich schaue noch mal auf meine Füße und muss ihr Recht geben. Egal, jetzt wird die Wohnung verlassen, ich bin spät. Ich bin mit meiner Mami im Treppenhaus und mache meine Tür zu. Eine Frau kommt gerade die Treppe hoch mit einem großen Schlüsselbund. Ich frage mich, was sie da zu suchen hat, da ich alleine auf der Etage unter dem Dach wohne. Aber sie geht gar nicht zu meiner Tür, sondern zu ihrem Fahrrad, das hinter mir gegen die Wand im Treppenhaus angelegt ist.

Ich wache auf, diesmal in Wirklichkeit. Es ist 06:30.

[1] Immerhin 1200km entfernt von dem Bett, in dem ich eingeschlafen war.
[2] Das ist wahr.
[3] An dem Preis kann ich mich sogar im Traum erinnern.
[4] Ich kann’s selber nicht, trotz vieler Versuche als Kind.


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Homepage – Weiterbildung – Einladung

Irgendwie sind die letzten Tage sehr schnell vergangen. Ich habe angefangen, an meiner persönlichen Homepage zu arbeiten. Zuerst offline, auf meinem Rechner. Ich kümmere mich später um den Provider und die Domain-Registrierung. Wie ich das mache: Kein besonderes Programm, „einfach“ .html Dateien in meinem Lieblingstexteditor bearbeiten, Emacs. Ich habe sogar ein Stylesheet in .css gemacht, zum allerersten Mal. Das hat also viel Zeit gekostet. Ich gehöre auch zu den Leuten, die nichts merken, wenn sie intensiv am Arbeiten sind. Das heißt, dass ich mich schon dazu gezwungen habe, ins Bett zu gehen, weil es schon über 01:00 morgens war. Aber es macht Spaß. Mein Design ist fertig, ich brauche nur noch den Inhalt zu schreiben. Warum ich das tue? Ich habe in mehreren Artikeln gelesen, dass man als Bewerber eine persönliche Homepage haben sollte. Also los. Ich konnte sogar ein der neuesten Bewerbungsfotos benutzen, die ich gestern bei meiner Fotografin abgeholt habe. Mein einziges Problem ist das Einfügen eines Kontaktformulars mit captcha in meiner Kontaktseite. Es gibt verschiedene Versionen im Internet, die man mit einem Link einbetten kann, aber damit gebe ich mich nicht zufrieden. Ich möchte lieber einen Stück Code haben, statt irgendein Link einzufügen, bei dem ich nicht weiß, wie lange es gültig bleibt. Und auch weil ich für jede Seite drei Versionen habe, auf Deutsch, Englisch und Französisch. Das Formular soll bitte schön in allen drei Sprachen gleich aussehen, nur mit übersetzten Feldern. Natürlich schaut man sich den Quelltext von professionellen Seiten an. Aber der Code ist auf so vielen Seiten verteilt… Ich gebe erstmal auf, ich versuche es am Schluss wieder. Mit JavaScript habe ich noch nie gearbeitet.

Gestern ist Mei zu Besuch gekommen. Da ich viel Caponata gekocht hatte, haben wir mittags bei mir gegessen. Sie ist mit Datensätzen gekommen und brauchte Hilfe bei deren Auswertung. Irgendwas stimmte nicht, wir haben das Problem noch nicht gelöst. Sie hat mir den letzten Klatsch vom Institut erzählt. Natürlich ging’s um Lars. Er hat anscheinend bei einer Lehrveranstaltung, die Mei besucht hat, einen großen Quatsch erzählt. Mei hat ihm zuerst geglaubt und in ihrem Institut das frisch Gelernte weiter erzählt. Eine Kollegin dort wusste aber besser und hat ihr bewiesen, dass es falsch war (was nicht schwierig ist). Damit steht das Institut ziemlich blöd rum. Nicht nur bei uns, auch Wissenschaftler in anderen Instituten wissen jetzt, was für einen Clown wir da auf Dauer eingestellt haben, und dass man keine zuverlässige Information von uns bekommen kann. Mir soll’s egal sein, ich arbeite nicht mehr dort. Aber meine Chancen auf einen neuen Job verringern sich, wenn das heruntergekommene Niveau von unseren Lehrveranstaltungen sich rum spricht.

Ich habe heute sonst weiter fleißig Bewerbungen geschickt. Mein Bearbeiter am Jobcenter hat mir eine Einladung geschickt, um mit ihm nächste Woche über die Weiterbildung in Qualitätsmanagement ab Juni zu diskutieren und den Bildungsgutschein zu bekommen. Ich muss ihn dabei definitiv fragen, ob ich dadurch weniger Geld vom Arbeitsamt bekomme. Ich hatte nicht daran gedacht, bis meine Mami mich am Telefon fragte, ob ich während der Weiterbildung weiterhin Geld bekommen würde. Und tatsächlich:

Die Anspruchsdauer des Arbeitslosengeldes mindert sich während der geförderten Weiterbildung für jeweils zwei Tage des Bezuges nur um jeweils einen Tag. Eine Minderung der Anspruchsdauer unterbleibt ganz, wenn bereits zu Beginn der Weiterbildung die Anspruchsdauer 30 Tage oder weniger beträgt. Wird durch die Minderung während der Weiterbildung eine Anspruchsdauer von 30 Tagen erreicht, unterbleibt eine weitere Minderung der Anspruchsdauer. So ist sichergestellt, dass Sie nach Ende der Weiterbildung bei ggf. weiterhin vorliegender Arbeitslosigkeit noch einen Anspruch auf Arbeitslosengeld für mindestens 30 weitere Tage – wenn Sie zu Beginn der Weiterbildung nur noch einen Restanspruch von weniger als 30 Tagen hatten, höchstens diesen Restanspruch – geltend machen können.

Ich glaube, in meinem Fall gäbe es keine Änderung, denn ich seit Oktober arbeitslos bin. Hmm, vielleicht doch. Ich frage trotzdem lieber nach.

Und, tadaaa! Ich habe heute einen neuen Termin für ein Vorstellungsgespräch Ende Mai bekommen. Eine der Stellen, die sich bei der Tagung in März ergeben haben, bei der ich aber dachte, dass ein der beiden Chefs von mir nicht begeistert wäre. Er hat eine Rundmail an allen Kandidaten geschickt. Wir machen an dem Tag anscheinend eine Art Gruppenvorstellungsgespräch. Außer mir sind noch drei anderen Personen eingeladen. Wenn es klappt muss ich Python lernen. Es geht um Programmierung (mit wissenschaftlichem Bezug). Ich hätte Informatik statt Physik studieren sollen.


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Einschlafen

Ich habe heute Nacht schlecht geschlafen. Ich konnte einfach nicht einschlafen, bis etwa 03:00. Und heute Morgen, wie jeden Dienstag, bin ich kurz nach 07:00 von der Müllabfuhr geweckt worden.

Der Grund fürs schwierige Einschlafen ist mir um 02:30 klar geworden. Meine chinesische Freundin Mei hat mich gestern angerufen und wollte nach der Arbeit in die Stadt. Sie ist mit einer anderen chinesischen Frau, Li, gekommen, die in Kürze ihre Doktorarbeit anfangen wird, und die ich seit einigen Monaten kenne. Sie haben vorgeschlagen, zu einem kleinen Lokal zu gehen, wo man Bubble Tea trinken kann. Bubble Tea kannte ich noch nicht und habe es also zum ersten Mal probiert. Ich habe danach nicht mehr dran gedacht. Aber Tee nach 17:00 zu trinken, wie Kaffee, Cola oder Orangensaft, ist bei mir eine sehr schlechte Idee. Es gab eine Zeit, als ich mit Kollegen jeden Tag nach dem Mittagessen Kaffee getrunken hatte. In dieser Zeit hatte ich extreme Schwierigkeiten beim Schlafen. Ich habe aber nicht sofort gewusst, woran es lag. Erst als ich ein paar Mal ausnahmsweise keinen Kaffee getrunken hatte und direkt danach gut schlafen konnte, habe ich mit der Gewohnheit nach dem Mittagessen aufgehört. Morgens kann ich aber ohne Problem Kaffee trinken. Kein Wunder also, dass ich heute Nacht nicht früh schlafen konnte.

Andererseits ist es gut, dass ich lange wach geblieben bin. Gegen 02:30 habe ich wieder an den Kater meiner Vermieterin gedacht. Sie ist aus ihrem kurzen Urlaub noch nicht zurück gekommen. In der Woche brauche ich mich nicht um den Kater zu kümmern, da die Kollegin meiner Vermieterin in der Praxis tagsüber da ist, sie versorgt ihn schon. Wie war das noch? Abends soll ich ihn in die Praxis wieder rein lassen, stimmt… Ach du Sch…! Steh auf, zieh dich wieder an, mach ganz leise die Tür auf, geh die Treppe runter bis zum Erdgeschoss, öffne die Tür der Praxis, mach die Tür zum Garten auf, der Kater kommt sofort angerannt, mach die Tür und die Rollladen zu, Entschuldigungsschmusen, gib ein paar Leckerlies, mach die Tür wieder zu, gehe die vier Etagen leise wieder hoch, zurück in die Wohnung, ausziehen, zurück ins Bett… Und dann, nach ein bisschen Lesen, bin ich endlich eingeschlafen.

Ich habe sonst gestern etwas von meinem Bearbeiter beim Jobcenter doch gehört. Er hat versucht, mich anzurufen, als ich beim Fitness-Studio war. Zurück rufen konnte ich nicht, die Nummer wurde nicht angezeigt. Als ich wieder zu Hause war und Thunderbird geöffnet habe, habe ich eine Email von ihm gefunden. Er hat mir eine vom Arbeitsamt bezahlte Weiterbildung für Qualitätsmanagement ab Juni in meiner Stadt angeboten, mit anschließender TÜV-Zertifizierung. Da bin ich sofort auf die Gelegenheit gesprungen und habe mein Interesse angekündigt. Es gibt immer wieder Stellenanzeigen für QM, da könnte ich eine sinnvolle neue Fähigkeit erwerben. Die Weiterbildung soll nun drei Monaten Vollzeit dauern. Ich habe gleich angemerkt, dass man bei einem solchen Zeitaufwand nicht erwarten kann, dass ich mich so intensiv wie jetzt bewerben werde. Er hat mich für die Weiterbildung vermerkt, ich hoffe, ich kann tatsächlich daran teilnehmen.

Und heute Nachmittag habe ich einen Termin bei einer Fotografin in meinem Viertel, um neue Bewerbungsfotos zu machen. Ich denke, mit meinen zurzeit vermerkten Stellenanzeigen werde ich warten, bis ich das neue Foto habe. So lange wird es nicht dauern, sie meinte, bis nächster Woche sollten sie fertig sein. Wir machen gleich eine Serie von Fotos und ich soll danach entscheiden, welche ich behalten will. Der Preis ist schon hoch, aber ich habe ihre Arbeiten auf ihrer Internet-Seite gesehen und bin begeistert.


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Ich mache mir Sorgen

Sollte ich eine Vermisstenanzeige bei der Polizei aufgeben? Seit Tagen bin ich ohne Nachricht, meine Emails bleiben immer unbeantwortet, die letzte war von heute Morgen… Was kann denn den Mitarbeitern meines Jobcenters bei der Arbeitsagentur geschehen sein? Sind sie alle entführt worden? Angerufen habe ich nicht, aus Prinzip, bei den Preisen… Am Ende der letzten Email meines aktuellsten Bearbeiters vor zwei Wochen stand in den Kontaktdaten:

01801 555 111*
[…]
* Festnetzpreis 3,9 ct/min; Mobilfunkpreise höchstens 42 ct/min

Das heißt, Arbeitslose müssen bezahlen, wenn sie mit ihrem Bearbeiter sprechen wollen, es gibt nur diese 01801 Sonderrufnummer, die Flatrate der Telekom hilft nicht mehr weiter. Das ist ganz schön unverschämt, dass man sich noch auf dem Rücken der Arbeitslose auf dieser Weise Geld verdient. Da mache ich nicht mit.

Dabei wollte ich nur wissen, ob ich mich bei einem bestimmten Personaldienstleister bewerben sollte, da eine Anzeige von ihnen in meiner heutigen Email der Jobbörse stand. Ich hatte nie drauf geachtet, aber bei diesem Vermittlungsunternehmen stand auf der Internet-Seite, dass sie bei erfolgreich vermittelten Bewerbern 10% des monatlichen Gehaltes zu sich nehmen. Blutsäuger. Jetzt weiß ich, warum meine ehemalige Beraterin mir sagte, ich sollte die Finger von solchen Angeboten lassen. (Ist es der Grund, warum sie anscheinend nicht mehr dort arbeitet?) Wer aber einen Vermittlungsgutschein der Arbeitsagentur hat, kann kostenlos ermittelt werden. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich einen solchen Gutschein habe, oder Anspruch drauf hätte.

Dann frage ich mich, ist es nicht besser, doch auf einen Teil des eigentlich verdienten Gehaltes zu verzichten, wenn man endlich wieder arbeiten kann? Seit einigen Tagen frage ich mich schon, sollte ich nicht bezahlen, um wieder arbeiten zu dürfen? Vermittler von Arbeitskräften haben ein großes Interesse daran, Bewerber zu einem neuen Job zu schicken, vielleicht geben sie sich mehr Mühe oder können bei den Arbeitgebern mehr Druck machen, um den gewünschten Kandidaten einzustellen.

Die wichtige Frage ist: Haben sie auch eine Ahnung von den Anforderungen für die Stellen, und verstehen sie wirklich, was auf dem Lebenslauf der Bewerber steht? Ich habe da meine Zweifel. Anfang Dezember habe ich eine Jobmesse besucht und bin ins Gespräch mit dem Leiter einer solchen Personalleihfirma gekommen. Er hat mich dann schnell zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, wo ich ihm konkret erklärt habe, wo meine Stärken liegen und was meine Spezialisierung ist. Ich hätte doch vorher besser auf seiner Visitenkarte aufpassen sollen. Magister Artium. Der Mann vermittelt Ingenieure und Wissenschaftler, versteht aber nur Bahnhof davon, was sie machen sollen, er ist nur Manager. Ich habe angefangen, ihm grob und vereinfacht von Magnetismus und frustrierten Spin-Systemen in Kupferverbindungen zu erzählen, und habe seinen wilden verrückten Gesichtsausdruck gemerkt, als er mir zuhörte. Als ich von den Cu2+ Ionen erzählt habe, sagte er dann: „Ja, wir haben Kontakte mit einer Firma, die Kupfer herstellt und umformt, da könnten Sie also arbeiten“. Ich muss gestehen, ich habe mich nicht getraut, ihm zu widersprechen. Er sah so erleichtert aus, das Stichwort „Kupfer“ gehört zu haben, endlich hatte er den Eindruck, etwas zu verstehen. Mit Metallurgie habe ich aber gar nichts zu tun. Ich habe gedacht, ich wäre für seinen Job vielleicht besser als er geeignet. Ein anderes Beispiel habe ich letzte Woche bekommen. Eine Frau aus einer anderen Ingenieurdienstleistungsfirma hat mich angerufen und wollte wissen, ob ich an eine Stelle interessiert wäre. Ich habe ihr gesagt, sie sollte mir den Ausschreibungstext per Email schicken, damit ich es beurteilen kann. Die Anforderungen über die Kenntnisse waren aber sehr weit von dem entfernt, was ich studiert habe. Ich habe ihr gesagt, ich könnte es gerne machen, ich traue mir zu, die neuen Methoden zu lernen, aber ich könnte aufgrund meiner Kenntnisse nicht sofort einsatzbereit sein, da ich schon Einarbeitungszeit brauchen würde. Hätte ich vielleicht lügen sollen, Hauptsache arbeiten? Ich denke immer noch, wenn ich arbeite, will ich auch gut sein, sonst bringt es nichts, weder mir noch dem Arbeitgeber.


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Eine Email der Arbeitsagentur

Gestern habe ich eine Email ohne Betreff aus der Agentur für Arbeit bekommen. Drin stand:

„in dem letzten Gespräch haben wir vereinbart, dass Sie mir regelmäßig Informationen über den aktuellen Bewerbungsstand übersenden (ca alle 2 Monate).
Leider liegen mir keine Infomationen von Ihnen vor. Bitte teilen Sie mir innerhalb einer Woche den Stand Ihrer Bewerbungsbemühungen mit.“

Unterschrieben wurde sie von einem Mann, der meine letzte Email an meiner Beraterin in Dezember beantwortet hatte. Ich hatte angenommen, die Frau wäre vielleicht im Urlaub und er hätte sie vertreten – die Email-Adresse ist sowieso von allen Mitarbeitern dort zugreifbar. Anscheinend gibt’s meine „Beraterin“ dort gar nicht mehr.
Tja, der gute Mann hatte mich gefragt, Mitte Februar meinen Bewerbungsstand zu schicken, was ich auch gemacht hatte, die Email steht bei mir immer noch im Ordner Gesendet. Mitte April hatten wir gestern noch nicht, es waren noch keine zwei Monate vergangen. Es ist schon merkwürdig, dass er meint, er hätte so lange nichts mehr von mir gehört. Ich vermute, meine Email von Februar wurde einfach nicht richtig bearbeitet. Also habe ich in meiner Antwort mit den aktuellen Stand erwähnt, dass ich doch vor noch nicht ganz zwei Monaten meinen letzten Bewerbungsstand geschickt hatte, und diese Email nach Bedarf gerne weiterleiten würde.

Ich habe durch diese Email auch eine neue Definition des Wortes „Gespräch“ gelernt. Den Mann habe ich noch nie persönlich kennen gelernt, noch nie gesehen, und telefonisch hatten wir auch bis jetzt kein Kontakt. Daraus folgt, dass man einen Email-Austausch als „Gespräch“ bezeichnen kann. Interessant.

Ebenfalls interessant wäre der in der Email erwähnte Kurs „Businessenglisch für Akademiker“. Aber sieben Wochen lang jeden Vormittag, plus Bearbeitungszeit… Wo bleibt dann die Zeit, Bewerbungen zu schreiben? Englisch kann ich, schließlich hatte ich mich nur auf Englisch mit meinen Kollegen unterhalten, als ich frisch für meine Doktorarbeit damals angekommen war und kein Deutsch konnte, und habe alle meine wissenschaftliche Artikel in Fachzeitschriften auf Englisch geschrieben, sonst wird man auch kaum international gelesen. Wenn es nur darum geht, neue Vokabeln zum Thema Business zu lernen, kann ich es zu Hause selber machen, und brauche nicht so lange täglich von 8:00 bis 13:15 einen Kurs zu hören. Sinnvoller fände ich es, wenn ich eine kompetente Person hätte, die meine Bewerbungsunterlagen unter die Lupe nehmen würde, und mir Verbesserungsvorschläge machen würde. Aber das hielt damals meine Beraterin für unnötig.


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