Unerwartet

Ich bin im Urlaub bei meiner Mama. Ohne den Ehemann, der im neuen Job in der Probephase steckt und noch keinen Urlaub machen darf. Er kommt am Wochenende zum Geburtstag vom Neffen.

Mein letzter Urlaub war verdammt lange her. Um die Weihnachten-Neujahr-Zeit.

Die Woche in Februar, die ich mir frei genommen hatte, zählt nicht, da ich mich trotz Impfung mit der auf Arbeit kursierenden Grippe infizieren lassen hatte, und wir unsere Reise stornieren mussten.

Gut, es gab die eine Woche Ende Juni, als ich meine Mama zu uns eingeladen hatte. Sie war noch nie in München gewesen. Es war genau diese eine Woche, als es richtig heiß wurde. Selbst für uns aus der Provence, wo man vermeintlich an die Hitze gewöhnt sein müsste, wurde es unerträglich, und wir waren nur vormittags unterwegs.

Jetzt also Urlaub. Es ist zwei Uhr morgens und ich kann nicht schlafen. Dabei hatte ich gestern richtig entspannen können. Viel geschlafen. Vielleicht zu viel. Oder es liegt an der Mücke im Schlafzimmer. Ich höre sie, kann sie aber nicht entdecken. Ab und zu fliegt sie mir um die Ohren. Ich habe schon sieben Stiche, seit meiner Ankunft am Sonntag. Oder meine Gedanken kreisen zu sehr. Außerdem nervt ein Großhund in der Nachbarschaft, der draußen die ganze Zeit nur am Heulen ist. Jetzt um halb vier immer noch. Das ist ätzend.

Heute sind wir zum Lac de Sainte-Croix gefahren. Wir haben’s nicht weit. Seit meiner frühesten Kindheit verbringen wir dort Zeit im Sommer. Ich bin geschwommen. Das Wasser war fantastisch. Dabei meinte die Friseurin vorhin, es wäre deutlich abgekühlt und man könne nicht mehr drin gehen… Ich habe mich wohl abgehärtet. Ich war am letzten Samstag früh morgens mit dem Ehemann mal wieder nach Starnberg gefahren. Lecker in der französischen Bäckerei gefrühstückt, auf dem Markt eingekauft, und in dem See geschwommen. Boah war das kalt drin. Mir hatte das Steißbein geschmerzt und ich musste erstmal wieder raus, bevor ich los schwimmen konnte. Hier war das Wasser heute richtig gut. Und das tolle ist, die meisten Touristen sind weg, es waren nur sehr wenige Leute am Strand.

Als wir zu Hause waren, habe ich eine Nachricht von meinem Gruppenleiter auf WhatsApp entdeckt. Ich sollte ihn anrufen. Er hatte mir noch nie Nachrichten aufs Handy geschickt, außer als ich mich beworben hatte, und ich habe böses geahnt.

Am Freitag ist etwas auf Arbeit passiert. Unser Chef, der Gründer der Firma, ist bei einem Telefongespräch mit einem Kunden an seinem Schreibtisch kollabiert. Keiner hat es mitbekommen, da seine Tür geschlossen war, außer der Kunde, der daraufhin unser Sekretariat angerufen hat. Ein Notarzt wurde angerufen, und kurz danach sind Sanitäter an unsere offene Bürotür zum Aufzug vorbei gelaufen, mit ihm vollständig unter einer Decke versteckt auf einer Trage. Bei dem Anblick lief mir ein Schauer über den Rücken.

Kurz danach wurden wir von der Chefin, die die Stelle von CEO#2 übernommen hatte, zu einer Versammlung gerufen. Die Reaktion von Ute auf ihrer Email: „Weißt du, was das für uns bedeutet? Wir dürfen nicht mehr alleine im Büro sein, das ist, was jetzt kommt. Das ist blöd, da ich immer so spät abends im Büro bin…“ Die Frau ist unglaublich. Selbst an solchen Momenten kann sie nur an sich selbst denken. Darum ging’s in der Versammlung natürlich nicht, sondern darum, uns alle zu informieren, dass der Chef ins Krankenhaus gebracht wurde. Wie die Chefin über den Vorfall berichtete, klang es aber nicht so schlimm.

Als ich die Nachricht von meinem Gruppenleiter heute gelesen habe, hat es mich recht beunruhigt. Ich habe ihn angerufen und er hat mir unter Tränen vom Tod vom Chef berichtet. Hirnblutung. Das war ein Schock.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Ute

Mit Ute teile ich mir ein Büro, seitdem ich in der Firma arbeite. Mein erster Eindruck von ihr hat sich mit der Zeit nur bestätigt. Ich bin froh, dass wir im Büro mit Tim zu dritt sitzen. Mit Ute alleine wäre es unerträglich.

Ute kommt aus Berlin. Das hat sie mir mehrmals stolz erzählt, in meiner Anfangszeit, als ich so häufig gependelt war. Dafür sind ihre Ortskenntnisse von Berlin beeindruckend gering. Von Tempelhof, Südkreuz, Schöneberg, Friedenau, Steglitz, Dahlem, Zehlendorf hat sie noch nie was gehört. Charlottenburg, wenigstens? Kennt sie auch nicht. Sie glaubt, ich würde Namen erfinden. Langsam kriege ich den Verdacht, sie kommt in Wirklichkeit aus diesem Berlin, und keiner in ihrer Familie hat’s übers Herz gebracht, sie aufzuklären.

Ute redet viel und laut. Dabei ist das, was sie erzählt, meistens belanglos. Nicht nur, dass sie uns ständig fragt, welchen Tag wir denn heute hätten, oder uns nach zwei Stunden des Zusammensitzens plötzlich fragt, ob X oder Y noch im Hause wäre (wir können weder durch Wände sehen, noch melden sich die Kollegen bei uns ab, wenn sie Feierabend machen). Sie wiederholt gerne immer wieder dasselbe, entweder bis alle ihr zustimmen oder, wie im Büro häufig der Fall ist, bis keiner widerspricht, was nicht lange dauert, weil Tim und ich vertieft in unserer Arbeit stecken und ihr nur mit einem halben Ohr zuhören. Wenn sie bei uns keine Zustimmung bekommt, geht sie von Büro zu Büro und man hört, wie sie mit den anderen Kollegen genau die gleiche Diskussion führt, oder eher das gleiche Monolog.

Ihr zustimmen kann man leider selten tun, denn, obwohl sie als Wissenschaftlerin ausgebildet wurde, verhält sie sich in ihrer Denkweise gar nicht so. Wissenschaft ist objektiv, sie kann nur subjektiv argumentieren. Anstatt eine Erklärung zu suchen, warum ein Experiment einmal ausnahmsweise nicht wie erwartet gelaufen ist, wirft sie lieber Fachwissen über Bord und baut sich esoterische Theorien. Man kann sich mit ihr schlecht als Wissenschaftler unterhalten. Ich habe mich häufig gefragt, warum sie überhaupt eingestellt wurde. Sie soll in einem Bereich sehr gute Kenntnisse haben. Ein Bereich, in dem man nach Schema F ohne viel Nachdenken arbeiten kann. Für den Rest ist sie eine Katastrophe. Einfache Entscheidungen kann sie nicht treffen, ohne vorher alle Kollegen nach ihrer Meinung gefragt zu haben. Sicherlich musste es damals bessere Kandidaten gegeben haben[1].

Ute versteht vieles nicht. Auch das ist etwas, was sie selber gerne von sich selbst sagte, am Anfang. Sie stellte mir viel zu viele private Fragen, und wenn die Antworten ihrer eigenen Vorstellungen nicht entsprachen, war ihre Lieblingsreaktion „Das verstehe ich nicht“, neben „das ist ja abartig“. Selbst für die banalsten und unwichtigsten Sachen. Es wirkte so übertrieben, dass ich mich gefragt habe, was bei ihr nicht stimmt. Ich glaube, sie hat versucht, mich in ihrer eigenen Vorstellung herunter zu spielen, weil sie mich als Bedrohung wahrgenommen hat. Ich habe ja in meinem früheren Job Programme geschrieben, die ihre Arbeit zum großen Teil automatisieren. Sie macht sich Sorgen, dass sie irgendwann als überflüssig in der Firma angesehen wird. Ihr muss bewusst sein, dass sie außerhalb ihres Faches nichts anbieten kann.

Tim und ich programmieren viel, neben unserer wissenschaftlichen Tätigkeit. Tim ist eher der Shellprogrammierer und hat als Netzwerkadministrator fungiert, was gar nicht seiner Fachrichtung entspricht, bis wir endlich vor vier Monaten einen dedizierten IT-Mitarbeiter bekommen haben. In den anderthalb Jahren, in denen er diese Tätigkeit ausgeübt hat, ist es an Ute scheinbar vorbei gegangen. Sie war vor kurzem ernsthaft überrascht zu hören, dass Tim überhaupt programmiert. Obwohl die Beiden ein halbes Jahr im gleichen Büro gesessen haben, bevor ich dazu gekommen bin, und er so viele Skripte für unsere tägliche Arbeit geschrieben hat. Für meinen Teil kümmere ich mich um die Instandhaltung und Weiterentwicklung der Firmendatenbank.

Dafür braucht man Ruhe. Tim und ich haben uns Kopfhörer zugelegt, um Ute heraus zu filtern. Meine Kopfhörer reduzieren Geräusche. In Wahrheit kann man Ute nicht komplett ausschalten, aber ich tue als ob, und hinter meinen vier Bildschirmen kann ich sie gut ignorieren. Es hat geholfen. Sie stört uns weniger für Lappalien, da sie zu häufig ins Leere geredet hat. Sie muss auffällig winken, wenn sie unsere Aufmerksamkeit auf sich lenken will, und das macht sie doch nur, wenn sie wirklich etwas braucht[2].

Auf Arbeit haben wir eine Kernarbeitszeit, obwohl wir kein Zeiterfassungssystem benutzen. Zwischen halb zehn und halb vier haben alle anwesend zu sein. Das gilt für alle, außer für Ute. Als ich in der Firma angefangen habe, kam sie morgens nie vor elf an. Aus elf wurden halb zwölf, dann zwölf, und schleichend hat sich der Beginn ihres Arbeitstages immer später verschoben. Am Anfang des Jahres wurde es mal gerne ein oder zwei Uhr nachmittags. Ich habe mich nicht darüber beschwert. Ich komme früh morgens an, gegen acht, und genieße die Ruhe vor dem Sturm. Genau wie Tim. Es ist viel besser, wenn wir sie nur einen halben Tag aushalten müssen. Sie muss doch von der Leitung eins auf den Deckel bekommen haben, weil sie seit letzter Woche plötzlich wieder früher kommt. Also, gegen zwölf.

Das Unverschämte an ihr ist dabei ihre Behauptung, sie würde so gerne spät kommen und spät bleiben, weil sie abends ihre Ruhe hätte und keiner sie stören würde. Ob ihr auch entkommen ist, dass Tim und ich wegen ihr ausschließlich mit Kopfhörern arbeiten, weil sie selber die Ursache für die Unruhe ist? Dabei hatte sie schon das Büro wechseln müssen, als Tim eingestellt wurde, weil sie sich wegen den Kollegen auf ihre Arbeit nicht konzentrieren konnte, sie hätten zu sehr geredet. Wenn ich jetzt ans Zimmer ihrer ehemaligen Bürokollegen vorbei laufe, beneide ich sie um ihre Ruhe, die drin herrscht. Ute beschwert sich ständig, wenn Leute sich im Flur oder in ihren Zimmern unterhalten, es würde sie zu sehr ablenken. Sie ist einfach nicht der Lage, ihre Umgebung auszuschalten und sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Es klingt alles sehr wie ADHS, und ich versuche deswegen, mich mit ihr geduldig zu verhalten, auch wenn sie mir gewaltig auf den Keks geht.

Dadurch, dass Ute als Einzige so spät auf Arbeit kommt, erwartet sie, dass wir unmittelbar vor Feierabend Sachen für sie erledigen. Sie schafft es immer, kurz vor fünf einen „dringenden“ Bericht für einen Kunden fertig zu schreiben und fragt uns, ob wir ihn korrigieren können, damit sie ihn „heute noch“ schicken kann. Das machen wir nicht. Der Chef hat ihr mehrmals gesagt, sie kann von uns nicht erwarten, dass wir für sie Überstunden leisten, wenn sie selber so spät ankommt. Das hat ihr Tim wiederholt, der übrigens recht schnell Vertreter von unserem Teamleiter geworden ist und nun über sie entscheidet[3].

In letzter Zeit passiert es trotzdem häufiger, dass sie von uns abends etwas verlangt. Letzte Woche war Tim im Urlaub und ich war nicht erfreut, als ich abends auf der Couch neben dem Ehemann saß und auf dem Handy eine WhatsApp-Nachricht von ihr bekam[4], zwecks Bericht korrigieren. Es war 18:42 und ich habe beschlossen, diese Nachricht zu ignorieren. Am nächsten Tag fragte sie mich, ob ich den Bericht lesen könnte, ohne etwas von ihrer Nachricht zu erwähnen. Als ich gestern früh aufwachte und einen Blick auf Handy warf, wurde ich recht sauer, eine weitere Nachricht von ihr am Abend um 23:00 bekommen zu haben. Wofür hält sie sich, Arbeitskollegen an einem Feiertag so spät abends zu belästigen? Immerhin gut, das ich es erst am Morgen gesehen habe, sonst hätte ich vor lauter Empörung nicht schlafen können. Den Bericht hat Tim gestern selber korrigiert, nachdem ich ihm von dem Vorfall erzählt habe. Als ich Ute später bei ihrer Ankunft mitteilte, sie sollte bitte für die Arbeitsanfragen meine dienstliche Email-Adresse statt meine private Handynummer benutzen, hat sie noch die Frechheit besessen, darauf beleidigt zu reagieren. Hoffentlich stellt sie wenigstens ihr Verhalten ein. Ich kann für viele Sachen Verständnis aufbringen, aber bei Belästigungsversuchen hört’s auf.

[1] Sie war eigentlich Studentin bei Geert, vor zwanzig Jahren, das merkt man ihr gar nicht an. Ich glaube, ich habe selber mehr von Geert in unseren wenigen Treffen gelernt, als sie von ihm. Als ich ihn letzten Monat getroffen habe, habe ich erwähnt, dass sie bei uns im Büro sitzt. Er war überrascht und meinte nur, „Ach, da ist sie also gelandet.“ Es klang nicht, als ob er sie vermisst hätte. Das wundert mich nicht.

[2] Zum Beispiel wenn sie Schwierigkeiten mit unserer Projektmanagementsoftware hat. Sie kann sich nie merken, wie was zu tun ist. Es gibt Sachen, die wir ihr gefühlt tausend Male erklärt haben, er dringt einfach nicht in ihren Schädel rein. Der Hammer war in meiner ersten Arbeitswoche, als sie mich gefragt hatte, wie ein Programm, das mein Chef entwickelt hat, in einem bestimmten Fall zu bedienen wäre. Sie sollte doch die sein, die mich einarbeitet, schließlich ist sie seit zehn Jahren in dem Laden! Ohne Tim wäre mein Anfang sehr schwierig gewesen.

[3] Das hatte sie damals schwer verdaut und war stinksauer, dass ein Jüngling ihr vorgezogen wurde, aber sie wäre selber dafür nie in Frage gekommen.

[4] Ich hatte letztes Jahr die Ehre, unseren Betriebsausflug zu organisieren. Dadurch haben alle Kollegen im Team meine Handynummer bekommen.


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Migräne

Seit Freitag leide ich an Migräne. Mir war es zu heiß, obwohl wir eine Klimaanlage im Büro haben. Viel Wasser getrunken. Ich musste mir auf Toilette den Kopf unter Wasser stellen, was im Nachhinein vielleicht keine so gute Idee war.

Am Freitag mussten andauernd Leute bei uns ins Büro platzen, um Sachen zu diskutieren. Vor allem Fergus, der noch am Tag davor in einem Meeting von der Leitung einen Hinweis bekommen hatte, dass er mit seinem Verhalten die Kollegen von der Arbeit abhalten würde und damit aufhören sollte. Eine Email tät’s doch auch. Es nützt bei ihm nicht. Vielleicht dachte er, jemand anders wäre gemeint.

Ich war jedenfalls müde. Als ich Feierabend gemacht habe, waren es noch leichte diffuse Kopfschmerze. Im Bus habe ich mich schlecht gefühlt, und als ich wegen Verspätung zur S-Bahn sprinten musste, hat es im Kopf gepocht.

Zu Hause angekommen, habe ich mich auf die Couch geschmissen. Paracetamol geschluckt, Wasser getrunken. Keine Wirkung, jedenfalls nicht die, die ich mir erhofft hatte. Mein Magen hat angefangen zu schmerzen, und ich musste mich kurz danach übergeben. Um uns drehte sich das Gewitter. Donner. Aber es ist woanders ausgebrochen.

Um neun war ich im Bett. Um eins bin ich aufgewacht, als der Ehemann vom Arbeitszimmer runter gekommen ist. Bis vier konnte ich nicht mehr schlafen. Um halb acht bin ich zuletzt aufgewacht und aufgestanden.

Den ganzen Tag habe ich mich komisch gefühlt. Migränekater. Ich bin zu Hause geblieben. Am Abend bin ich gegen halb zehn vor dem Fernseher eingeschlafen. Um zwölf wollte der Ehemann ins Bett, ich bin ihm gefolgt. Wir haben wieder die Fenster gekippt, um frische Luft rein zu lassen.

Ich war dabei einzuschlafen, als es draußen plötzlich einen lauten Knall gegeben hat, wie ein Luftballon der platzt. Eine Frau hat hysterisch gelacht, Männer haben laut geredet. Das war’s dann auch, mit dem Einschlafen. Die Kopfschmerze sind wieder da. Ich bin müde und will schlafen, es klappt aber nicht.


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Fehlende Privatsphäre

Ich war in einer mir unbekannten Wohnung. Ich musste mich anziehen. Ich stand gerade in Unterwäschen mitten im Raum, als ich aus dem großen Fenster ohne Gardine einen jungen Mann auf der anderen Seite vom Innenhof in einem mir gegenüber stehenden Gebäude merkte. Er war mit Kittel und Schutzbrille bekleidet und hielt einen Kulturkolben in der Hand. Aber statt auf seine Arbeit zu achten, glotzte er mich nur an. Ich habe ihm den mittleren Finger gezeigt und mich unter dem Fenster geduckt, um mich weiter anzuziehen.

Szenenwechsel. Der Ehemann und ich waren im Frühstücksraum eines Hotels. Es waren viele Leute da und der Raum wirkte unordentlich. In einer Ecke vom Frühstücksraum war unser Schlafzimmer. Keine Wand. Das Bett war noch nicht bezogen, die Decke lag noch halb auf dem Bett und halb am Boden. Die Dusche war ebenfalls vom Frühstücksraum ohne Tür frei zugänglich.

Ich denke, die Botschaft der Träume ist diesmal ganz klar. Mir fehlt’s an Privatsphäre. Auf Arbeit.

Ich war gestern richtig sauer, als ein bestimmter Kollege zum xten Mal ins Büro geplatzt ist. Das tut er regelmäßig. Nennen wir ihn Fergus, denn er ist Schotte. Morgens dreht er seine Runde, um mit anderen Kollegen zu reden. Ich habe ihn schon mal gefragt, ob er denn nichts zu tun hätte. Gestern musste er sich zweimal mit Ute über ein Projekt unterhalten. Dagegen kann ich schwer etwas sagen. Mein Pech, dass ausgerechnet Ute und er die zwei lautesten Kollegen in der ganzen Firma sind. Am anderen Ende vom Flur hört man die Beiden immer noch sehr gut, wenn sie sich unterhalten. Und mittendrin Tim (gerade in Elternzeit) und ich, die versuchen zu programmieren.

Als Fergus gestern Abend erneut rein kam, um mir mitzuteilen, dass etwas in unserem Datenbanksystem nicht funktionierte, ist mir der Kragen geplatzt. Denn ich war gerade vertieft dabei, mich genau diesem Problem zu widmen. Beim Programmieren brauche ich meine Ruhe, was allein mit Ute im Büro schon schwer genug ist. Beim Programmieren ist es für mich, als ob ich im Kopf mehrere lose Stränge halten würde, um sie zusammen zu binden. Kommt jemand plötzlich rein und spricht mich laut an, weil Fergus nicht anders als laut reden kann, ohne Rücksicht auf meine Arbeit zu nehmen, fallen mir alle Stränge am Boden. Danach darf ich sie wieder sammeln, und häufig ist es auch die Ursache für Fehler, die ich danach beheben muss. Mega kontraproduktiv.

Eigentlich haben wir eine festgelegte Prozedur, für Bugs. Wir haben ein Projektmanagementsystem, mit dem alle in der Firma arbeiten, und drin ein Projekt für Bugs eingerichtet. Jeder, der ein Problem feststellt oder Änderungswünsche hat, soll es dort schriftlich mitteilen. Aber Fergus hält sich nie an Vorschriften. Unter der Begründung, es wäre für ihn einfacher, mir Sachen mündlich zu erklären, pfeift er drauf und reißt mich regelmäßig von meiner Programmiertätigkeit raus. Das nervt. Daher die Träume heute Nacht.


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Schlaflos durch die Nacht

Nee, ich bin keine Fan von Helene Fischer. Schuld an der Titelfindung ist die Schlaflosigkeit. Mal wieder.

Blöd ist, ich war heute, oder gestern, je nachdem, wie man es sieht, jedenfalls am Dienstag, richtig müde.

Beim Sport am Montagabend habe ich mich ausgetobt, um zehn Uhr abends war ich dann im Bett.

Am Dienstag hat mich der Wecker um halb sieben geweckt. Ich habe mich beim Aufstehen recht fit gefühlt. Das hat bis etwa 15:00 angehalten.

Ute hat mal wieder genervt. Weil ich meine Kopfhörer zu Hause vergessen hatte, dachte sie, ich wäre für jeden Scheiß ansprechbar. Tim ist gerade in Elternzeit und wir sind nur noch zu zweit im Büro. Mein Pech. Ihr Problem ist, obwohl sie eine der ältesten Mitarbeiter in der Firma ist, ist sie nicht in der Lage, selbstständig Entscheidungen zu treffen, und sie muss uns ständig nach unserer Meinung fragen. Selbst für die unwichtigsten Lappalien. Das ist ätzend, wenn man beim Programmieren beschäftigt ist.

Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ich für die Mittagspause notgedrungen auf Obst und Kuchen greifen musste. Ich habe gegen 15:00 wieder Hunger bekommen, und kurz danach sind Kopfschmerze gekommen. Ein jüngerer Kollege hat mich noch besucht, um nach Hilfe bei einer Programmieraufgabe zu fragen. Da er mich unterstützen soll, musste ich durch. Meine eigene Aufgabe für den Tag habe ich erst um halb sechs fertig gekriegt. Vor der Heimreise habe ich Paracetamol geschluckt.

Auf dem Weg nach Hause habe ich mir bei der Bäckerei vor dem Bahnhof in Pasing eine Kleinigkeit zum essen geholt. Es hat nicht geholfen. Einmal zu Hause, bin ich auf der Couch liegen geblieben. Der Ehemann ist aus seinem Vorstellungsgespräch mit der nächsten S-Bahn zwanzig Minuten nach mir angekommen. Er hat mir nochmal Paracetamol gegeben und für uns Abendstulle vorbereitet.

Mir ging’s danach geringfügig besser. Wir haben zusammen für die Mittagspause von Mittwoch gekocht, nachdem ich große Schwierigkeiten hatte, mich von der Couch zu lösen. Danach bin ich wieder auf der Couch vor dem Fernseher gefallen, und von halb neun bis halb zwölf habe ich gedöst und geschlafen.

Um halb zwölf hat mich der Ehemann geküsst, bevor er aufgestanden ist, um ins Bett zu gehen. Ich bin aufgewacht, habe Zähne geputzt und bin auch ins Bett gegangen. Einschlafen konnte ich bis jetzt nicht.

Nach einer Stunde habe ich mir eine heiße Milch mit Honig gemacht, weil es mich während der Krankheit schön schläfrig gemacht hatte, aber heute klappt’s nicht.

Um zwei bis ich zurück zur Couch gegangen. Die Augen sind noch nicht müde. Morgen wird es hart auf Arbeit. Ich meine, heute.


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Jahresrückblick 2018

Stöckchen gefangen! Ich dachte, auf dem Weg zurück nach München hätte ich ganz viel Zeit, um zum schreiben. Das WLAN im Zug hat beim Start in Frankfurt funktioniert, fünf Minuten später war es aus. Das Netzwerk war nicht mal sichtbar. Dass alles reibungslos wie am letzten Samstag klappt, ist bei der Deutschen Bahn wohl eher die Ausnahme. Wobei es auch an der Deutschen Telekom liegen könnte.

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war 2018?
7. Der neue Job ist spannend, die Mietwohnung wunderschön und ein Schnäppchen, für die Gegend, und wir haben tolle Ausflüge gemacht. Punktabzüge gibt es für das Pendeln zwischen Berlin und München im ersten halben Jahr, die quasi leere und somit ungemütliche Wohnung in diesem Zeitraum, den miserablen ÖPNV-Zustand bei der MVG und die grundlose Entlassung vom Ehemann in der Probezeit.

Zugenommen oder abgenommen?
Zugenommen. Ich habe mich lange nicht mehr gewogen, aber ich fühle mich wieder um die 70 Kilogramme. Dabei war ich Ende Juni super schlank geworden. Ich hatte dreimal die Woche das Fitnessstudio besucht, war mit einer Kollegin regelmäßig in der Mittagspause joggen gegangen… Seitdem der Ehemann aus Berlin zu mir gezogen ist, nehme ich wieder zu. Das Fitnessstudio in Laim ist mir zu weit weg, ich verbringe lieber die Zeit mit dem Ehemann.

Haare länger oder kürzer?
Kürzer. Ich war letzte Woche beim Friseur.

Kurzsichtiger oder Weitsichtiger?
Das hat sich nicht geändert.

Mehr Geld oder weniger?
Weniger. Das Pendeln mit der Deutschen Bahn war nicht billig, vor allem, wenn man lieber erste Klasse fährt. Die Mieten bei München sind viel teurer. Ich habe im ersten halben Jahr zusätzlich zu meinem Anteil für die Wohnung in Berlin die neue Miete selber vollständig bezahlt, sowie die Kaution. Der Umzug von Berlin nach München war schmerzhaft, und die Firma hat mir keinen Cent für die Umzugskosten bezahlt. Nicht mal einen freien Tag habe ich dafür bekommen. Von meinen Ersparnissen war im Sommer fast nichts mehr übrig. Dank des üppigeren Gehalts als in Berlin erholt sich mein Konto zum Glück schnell, und ich habe jetzt schon genug gesammelt, um bei Bedarf die Hälfte eines neuen Autos sofort zur Verfügung stellen zu können. Das haben wir noch vor. Ein Trost ist, dass wir bei der nächsten Steuererklärung einiges an Geld zurück bekommen werden.

Besseren Job oder schlechteren?
Definitiv besser. Nicht nur des Gehalts wegen. Ich bin endlich unbefristet eingestellt. Die Kollegen sind lieb. Der neue Job ist abwechslungsreich, interessant, und vor allem: Ich habe keine Rufbereitschaft mehr! Was für ein herrliches Gefühl! Und endlich bin ich raus aus der akademischen Welt.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Da fällt mir nichts ein. Glücksspiele spiele ich nicht.

Mehr bewegt oder weniger?
Im ersten halben Jahr mehr. Im zweiten weniger.

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Ich war kein einziges Mal krank geschrieben. Einmal habe ich die Arbeit wegen Migräne früher verlassen müssen. Das war’s. Das eine oder andere Problemchen gab’s meistens am Wochenende.

Der hirnrissigste Plan?
Jahresplaner für die Nichten vom Ehemann für Weihnachten selber basteln zu wollen. Ich habe seit November kaum etwas anderes machen können. Ein bisschen wie damals, als ich mein Hochzeitskleid selber genäht hatte.

Die gefährlichste Unternehmung?
Wohl diese eine Rückfahrt nach Hause.

Die teuerste Anschaffung?
Eine Mandoline von De Buyer, zum Geburtstag. Ziemlich die teuerste, die es zur Auswahl gab. Ich habe sie bei Gourmenage[1] bestellt, einem Kochustensilienladen in München. Weil ich seit Jahren kein Amazon-Konto mehr habe. Es hat doch was, sich auf den Anruf vom Verkäufer zu freuen, der endlich ankündigt, dass die bestellte Ware abholbar ist. Notiz zu selbst: Ich brauche jetzt Sicherheitshandschuhe, um das Ding zu benutzen. Die Klinge klemmt gerne beim Rausziehen, und die tiefe Schnittwunde am rechten Ringfinger brauchte über zehn Tage lang ein Pflaster. Der selbst komponierte Feldsalat mit hauchdünnem schwarzen Rettich und Walnüssen war es aber wert.

Das leckerste Essen?
Bei Bamyan Narges[1], ein afghanisches Restaurant im Glockenbachviertel. Aus der Pendelzeit, als wir noch keine Küche hatten.

Das beste Buch?
The Buried Giant, von Kazuo Ishiguro.

Der beste Film?
Im Kino war ich dieses Jahr sehr wenig. Der letzte Film, den ich mit dem Ehemann im hiesigen Kino[1] gesehen habe, war Aufbruch zum Mond, gleich am ersten Tag, als er gezeigt wurde. Der Saal war fast leer. Loving Vincent hat mir dieses Jahr am besten gefallen.

Die beste CD?
Ich habe schon lange keine neue CD mehr gekauft. Ace of Spades von Motörhead habe ich u. a. immer wieder gerne im Büro gehört, um den Lärm von Ute zu übertönen und „in Ruhe“ programmieren zu können.

Das schönste Konzert?
Wir haben nicht so viele Konzerte besucht. Nightwish[1] war ok. Nicht wirklich meine Lieblingsband. Also, wenn ich ehrlich bin, gehen sie mir eher auf den Kecks. Ich habe den Ehemann begleitet. Das schlechteste Konzert habe ich aber sehr wohl in Erinnerung, und zwar, als wir La Traviata in der Bayerischen Staatsoper gesehen haben. Ich war bis dahin noch nie sauer aus einem Konzert raus gekommen. Wir hatten nicht mal die billigsten Karten gekauft, saßen aber links, und scheinbar hatte der Regisseur einen Groll gegen Leute die links sitzen. Anders kann ich nicht erklären, warum deutlich über die Hälfte der Szenen unten auf der Bühne ganz ganz links statt gefunden hat und wir gar nichts sehen konnten. Die Krönung war während der Sterbeszene von Violetta, als plötzlich ein starker Lichtprojektor direkt in unsere Richtung gestrahlt hat, uns die Stimmung völlig verdorben hat und wir nur noch die Wahl zwischen verblendet mit gekneiften Augen den Rest zu gucken oder den Kopf zum Rest des Publikums nach rechts zu drehen hatten — über zehn Minuten lang. Unsere ganze Reihe hat zum Schluss kaum Applaus gegeben und den Saal verlassen, während die Darsteller noch auf der Bühne standen. Ich war wohl nicht die Einzige, die stinksauer war.

Das beste Theaterstück?
Trifft nicht zu.

Die meiste Zeit verbracht mit?
Dem Ehemann. Ich meine, außerhalb der Arbeit.

Die schönste Zeit verbracht mit?
Dem Ehemann.

2018 zum ersten Mal getan?
Eine mehrtägige Wanderung mit Rucksack.

2018 nach langer Zeit wieder getan?
Auf dem Wacom-Tablett gemalt.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Scheinbar, die selbst gemachten Jahresplaner!

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Das Wochenende in Lindau.

Dein Wort des Jahres?
Teuer! Das kommt davon, wenn man von Berlin nach München umzieht.

Dein Unwort des Jahres?
Darüber habe ich nicht nachgedacht.

Zum Vergleich: Verlinke dein Stöckchen vom vorigen Jahr!
Es gab keins.

[1] Unbezahlte Werbung, da Verlinkung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Die Beschwörung — Verfolgung

Ich war auf Arbeit. Unweit von unserem Gebäude stand ein Turm. Wir wollten dort mit der Arbeitsgruppe Pause machen und eine Kollegin besuchen. Sie lebte drin und wollte mit uns eine Beschwörung machen[1], um sich selbst in irgendetwas zu verwandeln.

Als wir oben im Turm waren, lag ein Zettel im Vorraum auf dem Boden, auf dem sie geschrieben hatte, sie bäte uns um Verzeihung, aber sie wäre wirklich menschlich und würde erst in zehn Minuten ihre ursprüngliche Form wieder erlangen. In dem runden Beschwörungsraum nebenan fingen meine Kollegen an, sich im Kreis zu sortieren. Auf dem Boden waren Markierungen, um zu zeigen, wo wir zu stehen hatten.

Ich hatte große Zweifeln, ob wir es wirklich durchziehen sollten. Es war gruselig und könnte schief gehen. Ich wollte damit nichts zu tun haben und während alle noch mit sich selbst beschäftigt waren, bin ich geflohen.

Nach einer längeren Pause bin ich zum Büro zurück gekehrt. Ute saß schon an ihrem Schreibtisch, als ob nichts geschehen wäre. Ich fühlte mich unwohl und beschloss, mir erstmal die Haare zu waschen. Im Büro verteilte ich mir Shampoo in die Haare und massierte alles schäumig. Um sie zu spülen, ging ich zum Waschbecken in die Toilette. Der Hahn war leider zu tief und am Boden vom Waschbecken lagen Essensreste, wie glasierte Zwiebelstücke. Ich wollte mir die Haare nicht dort spülen und ging zur Küche, wo ich ewig warten musste, weil Kollegen am Becken beschäftigt waren.

Ich ging wieder raus, um mir die Haare woanders zu spülen, und bemerkte bewaffnete Männer, die die Flure nach mir durchsuchten[2]. Ich musste mich versteckten, aber wohin? Auf dem Weg zum Ausgang auf der Etage traf ich Björn[3], einen ehemaligen Arbeitskollegen, der jetzt in einer Schule arbeitet. Er meinte, er hätte mit meinem Chef geredet und wir müssten zusammen Klausuren korrigieren[4], wie Björn mit mir schon diskutiert hatte. Ich konnte mich daran gar nicht erinnern und außerdem, die bewaffneten Typen liefen mir immer noch hinterher. Wir sind nach draußen gelaufen.

Am nächsten Tag suchten die Männer immer noch nach mir. Es waren viele und es war kein Leichtes, mich ungemerkt ins Gebäude zu schleichen. Beim Feierabend haben wir mit Kollegen auf der Wiese gelegen und Bier getrunken, hinter einem Hügelchen am Sportplatz versteckt. Die Männer suchten immer noch nach mir, aber sie wechselten sich ab und einige wussten nicht, wie ich aussah. Ein dieser Mann ist mir sogar über den Weg gelaufen, als ich aus der Toilette kam, und hat mich nicht erkannt. Ich konnte weg gehen, ohne dass er mir folgte.

[1] Den Film Conjuring haben wir diese Woche gesehen.

[2] Wir haben gestern Fallout geguckt.

[3] Björn hat mir gestern frohe Weihnachtswünsche per WhatsApp geschickt.

[4] Das haben wir in der Tat früher häufig zusammen gemacht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Zum letzten Mal nach Berlin pendeln

Wir sitzen seit schon fast drei Stunden in dem Zug. Aktuell haben wir etwas wie zwanzig Minuten Verspätung. Es ist uns in unserem exklusiven Abteil in ersten Klasse egal. Exklusiv, weil außer uns keiner einen Sitzplatz in dem Abteil reserviert hat. Die Verbindung hatten wir gebucht, weil sie ziemlich günstig war, auch wenn ich dafür den halben Tag frei nehmen musste[1]. „Wir“, weil der Ehemann mitreist. Wir haben morgen eine Abschiedsfeier in unserer Berliner Wohnung geplant, bevor der Umzug nächste Woche statt findet.

Der Grund für die Verspätung ist „eine technische Störung am Zug“. Das könnte erklären, warum wir nahe Nürnberg so sehr geschüttelt wurden. Es muss irgendeine Resonanz gegeben haben, die den ganzen Wagen extrem zum Ratteln gebracht hat.

Wir fahren auch nicht die schnellste Strecke nach Berlin. Fünf Stunden (oder zwanzig Minuten mehr, mit der Verspätung) sind aber immer noch ein Luxus, verglichen mit November, als man noch fast sieben Stunden für die Fahrt brauchte. Oh, wir bleiben wieder mitten im Nichts stehen. Bei Truckenthal, sagt mein Navi. Gerade hat es fürchterlich gestunken, als ob etwas brennen würde. Und wir fahren weiter los.

Heute bin ich platt, und ich kann mich schwer für die Abschiedsfeier morgen begeistern. Schlafmangel. Aus irgendeinem Grund wache ich regelmäßig um halb sechs auf, selbst wenn es reichen würde, mit dem Wecker um sieben aufzustehen. Ich bin immer vorher wach. Vor Mitternacht kann ich aber schlecht einschlafen. Daher habe ich in letzter Zeit weniger Sport gemacht. Ich fühle mich nicht gut genug. Heute kommen leichte Kopfschmerze dazu. Ich habe die erste Stunde im Zug gedöst, bin aber trotz Cola wieder platt. Daran, dass ich überhaupt Cola trinke, erkennt man, wie schlecht es mir geht. Ich bin sonst mit Wasser sehr zufrieden. Der andauernd wechselnde Druck wegen den vielen Tunnels hilft jetzt auch nicht. Wenigstens ist der Brenngeruch vorbei.

Vielleicht bin ich allgemein müde. Seit Januar habe ich ununterbrochen gearbeitet und bin regelmäßig an Wochenenden zwischen München und Berlin gependelt. Außerdem geht jetzt die Arbeit in eine Richtung, die mir nicht wirklich gefällt. Unsere neue Leitung hat beschlossen, dass die Wissenschaftler mehr Management-Aufgaben bekommen sollen. Ich inklusiv. Ich bin plötzlich für Verträge verantwortlich, mit denen ich bis dahin nichts zu tun hatte, und über die ich kaum informiert wurde, und muss schauen, dass ich die richtigen Ansprechpersonen finde, um sicher zu stellen, dass die Projekte rechtzeitig laufen. Dafür habe ich nicht Physik studiert! Mit Physik hat meine Stelle jetzt auch nur wenig zu tun, aber meine Programmierfähigkeiten und letzten wissenschaftlichen Arbeiten waren der Grund für meine Einstellung! Das hat bis jetzt auch Spaß gemacht! Aber Management? Bläh. Deswegen war mir eine Karriere als Professorin oder Gruppenleiterin nie attraktiv. Als Wissenschaftler hat man scheinbar nur wenige Jahre, wo die Arbeit richtig spannend ist, egal ob an der Uni oder in der Industrie. Danach muss man sich mit Gremien, Berichten, Erklärungen für die Nichteinhaltung von Fristen und anderen langweiligen Tätigkeiten rumschlagen, ob man es will oder nicht. Hmf.

Noch über eine Stunde bis Berlin. Ich versuche wieder zu schlafen.

[1] Bin ich froh, jetzt nur halbe Tage frei nehmen zu können! In meiner früheren Arbeit in Berlin war das nicht möglich.


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Eine gute Nachricht

Ich hab’s geschafft!

Kurz vor Feierabend ist mein Chef zu mir gekommen. Ob ich eine Minute Zeit hätte? Da ich den ganzen Tag, und eigentlich seit zwei Wochen, ständig Änderungen und neue Funktionalitäten in unserem Datenbanksystem für ihn einbaue, dachte ich, er hätte noch was neues für mich zu tun. In seinem Büro meinte er dann mit breitem Grinsen, nachdem er ungewöhnlicherweise die Tür geschlossen hatte, dass ich die Probezeit bestanden habe.

Mit der Meldung hatte ich nicht so früh gerechnet, da wir noch Dreieinhalbwochen Wochen bis Juli haben. Obwohl, beim letzten Mal waren es noch zwei Wochen vor Ende der Probezeit. Ich freue mich riesig. Ich freue mich noch mehr, wenn ich es schwarz auf weiß auf einem Dokument sehe. Jedenfalls wird am Wochenende angestossen, wenn der Ehemann zu Besuch kommt. Aber nicht zu viel.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Wasserrohrbruch

Ich musste am letzten Samstag zur Arbeit. Es gibt Sachen, die man besser dann macht, wenn sonst niemand arbeitet, wenn man programmiert. Konkret ging es darum, eine flächendeckende Änderung in der Datenbank der Firma durchzuführen. Die Änderung an sich war dank Python nicht schwierig, aber ich musste danach sicher stellen, dass es bei der Verwendung in Access kein Problem geben würde. Sprich, ich musste den ganzen VBA Code in den vielen Formularen auf mögliche Bugs prüfen. Daher hatte ich erst am Freitagabend mit dieser Aufgabe angefangen. Ich wurde an dem Tag trotz der späten Stunde nicht fertig und musste am Samstag ins Büro.

Ich habe es mir gemütlich gemacht und habe zuerst in der Sonne gefrühstückt, bevor ich mich gegen mittags auf den Weg zur Arbeit gemacht habe. Das Wetter war schön, ich wollte davon profitieren. Den Rucksack mit meinen Sportsachen hatte ich mit, um danach zum Fitnessstudio zu gehen. So gesehen lag die Arbeit nur auf dem Weg zum Sport.

Meine MVV-App hatte mir die Strecke mit zweimal umsteigen angeboten. Die erste Fahrt mit der S-Bahn ging ohne Problem, was bei uns nicht selbstverständlich ist. Mit dem ersten Bus ging’s auch gut. Als ich zur Haltestelle vom zweiten Bus gehen wollte, habe ich mich gewundert, dass die Straße von der Polizei gesperrt war. Ein Wagen stand quer, der Bus kam bis zur Kreuzung und musste zu einer anderen Straße umgeleitet werden. Zur Haltestelle ist er nicht gekommen. Ein Polizist hat mir gesagt, hier würde der Bus wegen Wasserrohrbruch nicht fahren und ich müsste zur nächsten Haltestelle laufen. Auf der Straße floss Wasser, aber nicht so viel. Ich habe mich gefragt, warum so ein Aufwand nötig war.

An der nächsten Haltestelle standen zwei älteren Damen. Als ich ankam beschwerten sie sich, dass sie schon fast eine Stunde lang da gewartet hatten. Der Bus schien nicht zu fahren. Ich habe beschlossen, dass ich bei dem schönen Wetter zu Fuß gehen könnte. Ich hatte Zeit. Die Strecke kenne ich gut, und die bin ich auch mit dem Fahrrad gefahren. Meine Navi-App hat behauptet, ich würde knapp über eine Stunde brauchen. Ich weiß nicht, wie sie drauf kommt. Nach einer halben Stunde unter der knallenden Sonne war ich schon am Gebäude. Jetzt, seitdem ich weiß, wie schnell ich diese Busstrecke zu Fuß machen kann, habe ich sie wieder zweimal zum Spaß gemacht. Besser als nichts, wenn ich die Arbeit zu spät verlasse, um zum Fitnessstudio zu gehen.

Nach zwei Stunden war ich mit meiner Aufgabe fertig. Ich bin mit U-Bahn und Bus zum Sport gefahren. Und wer begrüßte mich so freundlich, als ich in den Bus einstieg? Die zwei älteren Damen von vorher! Sie hatten an der Haltestelle gewartet, bis sie beschlossen haben, mit einem anderen Bus zu fahren, der aber eine Stunde für die Strecke gebraucht hatte.


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