Die Bewerbung ist raus

Nicht einfach, sich mit einem Vollzeit-Job abends an das Verfassen eines Motivationsbriefes zu setzen. Es ist endlich vollbracht. Jetzt bleibt nur noch, die Finger zu kreuzen, oder auf Deutsch, die Daumen zu drücken.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Das Fass läuft über

Ich bin heute früh aufgewacht. In der Regel schlafe ich weiter durch, wenn der Wecker das Radio einschaltet. Ich werde nur wirklich wach, wenn der Ehemann zu meiner Seite vom Bett kommt und mich küsst, bevor er zur Arbeit fährt.

Heute war anders. Wenn man solche Nachrichten im Radio hört, kann man einfach nicht weiter schlafen. Seit Monaten frage ich den Ehemann, wenn er die Nachrichten ohne mich schaut, ob der dritte Weltkrieg ausgebrochen ist. Seit Monaten versucht er mir zu erklären, Putin wäre doch nicht so doof, einen Krieg anzuzetteln. Wie gerne ich im Unrecht geblieben wäre.

Da ich ungewöhnlich früh wach wurde, habe ich mich ungewöhnlich früh ans Laptop gesessen. Es war halb acht. Das hätte nicht sein müssen.

Seit Dienstag war die Höhle los auf Arbeit. Die Datenbank, die ich mit Arndt und Lukas betreue und weiterentwickle, und mit der die ganze Firma tagtäglich arbeitet, hat gewaltig gezickt. Mehrere Sichten, die seit Jahren benutzt werden, haben auf einmal nicht mehr funktioniert. Die Abfragen sind hängen geblieben, die CPU-Last vom Server ist zur Decke gesprungen und wir mussten laufende Abfragen manuell abbrechen. Wir haben die Kollegen darum bieten müssen, die LIMS nicht mehr zu benutzen. Was die Ursache fürs Problem war, haben wir bis heute nicht herausgefunden. Eine Inkonsistenz in den Indizes nach einem Refactoring wurde gefunden und behoben, aber nach der Korrektur liefen die Abfragen immer noch nicht. Gestern am späten Abend haben die Sichten auf einmal wieder funktioniert. Und keiner weiß warum. Ich hasse es, wenn Probleme sich von alleine lösen. Zwei Tage purer Stress und am Ende ist man nicht schlauer geworden.

Was mich länger irritiert ist die Art wie Arndt in letzter Zeit mit Lukas und mir umgeht. Am Dienstag hatte ich eine Notlösung gefunden, um eine Sicht wieder am Laufen zu bringen. Anstatt von INNER JOINs hatte ich LEFT JOINs benutzt und schwupps, die Anfrage lief wieder, mit den korrekten Ergebnissen und mehr Zeilen, wobei die neuen Zeilen in einigen Spalten leer waren, aber dieser Unterschied war für die Kollegen im Labor nicht hinderlich, und sie konnten weiter arbeiten. Arndt hat die Krise bekommen und mir vorgeworfen, ich würde mit meiner Arbeitsweise die Datenbankstruktur durcheinander bringen und Probleme umgehen, ohne die Ursache zu beseitigen. Dass ich in unserem Ticketsystem sofort einen neuen Eintrag für die fehlerhafte Sicht eröffnet hatte, war an ihm scheinbar vorbei gegangen. Dass man durch eine Änderung einer Sicht keine Änderung der Datenbankstruktur bewirkt, weil eine Sicht Daten nur darstellt, schien er auch in dem Moment völlig außer Acht gelassen zu haben. Nee, dafür musste er Lukas und mir mitteilen, er würde sich große Sorgen machen, mit der Art, wie wir arbeiten würden.

Dabei machen wir uns mit Lukas mehr Sorgen darüber, wie Arndt mit der Datenbank umgeht. Berechtigterweise. Arndt arbeitet seit einigen Monaten nur noch drei Tage die Woche. Regelmäßig macht er, ohne Absprache mit uns, halb fertige größere Änderungen an der Produktionsversion der Datenbank am Donnerstagabend, kurz bevor er ins Wochenende geht, ohne sie getestet zu haben. Wozu haben wir einen Testserver? Mit Lukas verbringen wir einen guten Teil der folgenden Tagen in seiner Abwesenheit damit, Bugs wegen seiner Änderungen zu beseitigen, anstatt unserer geplanter Arbeit nachzugehen. Weil sonst die ganze Arbeit im Labor stehen bleibt.

Zuletzt hat Arndt fürs Refactoring alle Indizes im VBA Code der LIMS von Integer auf Long ändern wollen, aber anstatt gezielt nach den Indizes im Code zu suchen um die Typänderung durchzuführen und zu prüfen, was mit den Variables geschieht und gegebenenfalls Datentypkonversionen anzupassen, hat er einfach pauschal „As Integer“ durch „As Long“ überall ersetzt, und ist dann ins Wochenende gegangen, mit dem Commit-Kommentar in der Repository, wir sollten bitte schön alle seine Änderungen prüfen. Wir haben mit Lukas zusammen mehr als einen Tag damit verbracht. Das Dämliche, der größte Teil seiner Änderungen bestand aus „Cancel As Integer“ → „Cancel As Long“, was gar keinen Sinn macht und die ganzen Formulare unbrauchbar gemacht hatte. Ich könnte heulen, wie schlampig der arbeitet.

Der Tropf zu viel war heute eine Diskussion zum Thema Urlaub. Ich hatte vor einem Monat eine Email mit Datum für meine Urlaubsplanung geschickt und gefragt, ob es so passt. Die Email ging an mein wissenschaftliches Team, an das ich offiziell gebunden bin, von Tim geführt, und an das Projektmanagement-Team, weil sicher gestellt werden muss, dass meine Kunden in meiner Abwesenheit betreut werden. Arndt war in den Empfängern der Email drin. Bis heute hatte niemand gesagt, es passt nicht, also habe ich Tim gesagt, ich würde jetzt den Urlaub beantragen. Tim, der offiziell meinen Urlaub genehmigen muss, meinte, ich sollte sicher stellen dass Arndt, Lukas und ich nicht gleichzeitig Urlaub haben, falls es Probleme mit der LIMS gibt. Ich habe also nochmal Arndt explizit gefragt. Seine Antwort: Von ihm aus kein Problem, aber von Lukas und mir muss eine Person immer verfügbar sein. Hallo, wir sind doch zu dritt im LIMS-Team! Arndt sollte auch Probleme alleine lösen können, schließlich hat er die LIMS ursprünglich konzipiert. Und ausgerechnet in meiner gewünschten Woche hat Lukas schon Urlaub geplant. Ohne uns irgendwas zu fragen. Jetzt bin ich die Doofe, weil ich angefragt habe. Zweimal, weil beim ersten Mal keine Antwort von Arndt kam. Wie soll ich denn Urlaub planen können, wenn ich mich mit drei Teams abstimmen soll? Und warum soll ich alle fragen, aber die zwei anderen Kollegen im LIMS-Team keine Rücksicht auf mich nehmen und Urlaub einfach buchen wie es ihnen passt?

Ich habe die Schnauze voll. So spannend der Job sonst sein mag, ich bewerbe mich weg. Gerade gibt es eine interessante Stelle in Berlin. Wieder im öffentlichen Dienst, nachdem ich es endlich in die Industrie geschafft hatte, aber immerhin unbefristet. Und im öffentlichen Dienst wird der Gehalt regelmäßig erhöht, im Gegenteil zu meiner aktuellen Stelle. Ich würde nicht vier Jahre lang auf meinem Einstiegsgehalt bleiben. Es ist ein Versuch wert. Der Ehemann hat eh Heimweh.

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Häusliche Quarantäne, Tag 11

Heute wäre theoretisch mein letzter Tag Quarantäne. Ich habe die Tage durchgezählt ab dem Moment, wo ich mich beim Gesundheitsamt gemeldet habe und die häusliche Quarantäne angeordnet bekommen habe. Es sind eigentlich vierzehn Tage ab dem Tag von den erstem Symptome, nachträglich gerechnet, weil am Tag meiner ersten Symptome der Schnelltest negativ war, heute ist also in Wirklichkeit der vierzehnte Tag.

Ich bin zu Fuß zum Testzentrum gegangen. Das erste Mal, dass ich das Haus verlasse, seitdem wir zurück gefahren sind. Ich bin mit der Maske gelaufen. Eine halbe Stunde hin, durch die Felder, zwanzig Minuten zurück auf direkterem Weg. Am Testzentrum zehn Minuten in der Kälte gestanden, es gab eine lange Schlange, trotz Terminvergabe. Eine Frau vor mir stand mit ihren zwei Kindern, weil sie vor der Schule getestet werden mussten, einen Termin hatte sie aber nicht. Sie ist weg geschickt worden. Mir ist eine Strichprobe aus dem Rachen für PCR genommen worden. Als ich zurück nach Hause gekommen bin, habe ich mir eine heiße Schokolade gemacht, und bin dann auf der Couch eingeschlafen.

Mit der erhöhten Anzahl an angefragten PCR-Tests ist es nicht sicher, dass ich das Ergebnis wirklich morgen bekomme. Ich werde also meinen ersten Arbeitstag des Jahres normal anfangen. Wenn ich aber immer noch positiv bin, muss ich krank geschrieben werden. Ich habe noch nicht Bescheid gesagt, dass ich seit dem 3. Januar krank geschrieben bin. Eigentlich war ich nicht mal krank geschrieben worden, als ich meine Praxis telefonisch informiert hatte. Das hat die Ärztin erst gemacht, nachdem der Ehemann ausdrücklich danach gefragt hat, als er sein positives Testergebnis bekommen hatte. Sie hat uns den Schein per Post geschickt und ich habe ihn erst vorgestern, am Freitagabend, bekommen. Ich habe offiziell noch Urlaub. Die erste Woche musste ich im Januar nehmen, weil ich letztes Jahr zu wenig Urlaub genommen hatte. Ich habe schon schlechtes Gewissen, wenn ich wegen der Krankschreibung den Urlaub nachholen muss. Das hatte ich schon mal. Vielleicht kann ich mir die übrig gebliebene Woche einfach auszahlen lassen. Ich weiß nicht, ob die Chefin einverstanden wäre.

Es ist gut wahrscheinlich, dass das Ergebnis positiv sein wird. Ich habe immer noch Symptome. Heute Nacht bin ich wieder wegen Hustenanfalls aufgewacht. Reden ist schwierig, ich komme schnell außer Atem und muss viel husten. Das ist mir heute Abend am Telefon mit meiner Mami wieder passiert. Gestern hatte ich sogar plötzlich leichtes Fieber, obwohl ich die ganze Quarantäne lang sonst fieberfrei war. Der Ehemann ist dagegen wieder symptomfrei, obwohl ich ihn scheinbar angesteckt hatte.

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Mein Tag mit Migräne

Heute habe ich mich beim Aufwachen eigentlich in Ordnung gefühlt. Ungewöhnlich war, dass ich schlafen konnte, bis der Wecker los ging. Meistens bin ich früher wach. Vielleicht weil ich gestern schon um sieben Uhr morgens am Laptop sitzen musste, weil wir eine neue Kollegin aus dem Reich der Mitte kennen lernen wollten.

Als ich heute deutlich später den Laptop aufklappte, merkte ich, ich musste diese Woche nur noch zwei Stunden arbeiten. Weil ich mir den Nachmittag frei genommen hatte. Es wäre blöd gewesen, Überstunden zu arbeiten. Ich habe Skype[1] geöffnet und erstmal auf meinem privaten Rechner meinen letzten Traum niedergeschrieben. Dabei habe ich angefangen, mich sehr müde zu fühlen.

Ich habe die zwei Stunden gearbeitet. Eine kleine neue Funktionalität musste in der LIMS implementiert werden. Ich hätte es normalerweise in einer halben Stunde geschafft, aber es hat anderthalb Stunde gedauert. Diffuse leichte Kopfschmerze sind aufgetaucht. Ich habe zwei Paracetamol geschluckt. Zum Schluß gab es in der Mittagszeit ein firmenübergreifendes Meeting mit der Chefin, und ich war froh, meine Kamera ausschalten zu können, weil ich nicht zeigen wollte, wie mies es mir auf einmal ging. Eine Übelkeit stieg und ich konnte nur noch mit Mühe am Schreibtisch sitzen bleiben.

Nach dem Meeting habe ich den Laptop zu geklappt, mich ausgezogen und ins Bett gepackt. Ein Glück, dass ich diesmal meinen Magen nicht leeren musste. Das ist mir nämlich schon letzte Woche Mittwoch passiert, als mich eine heftige Migräne-Attacke heim besucht hatte. Ich habe heute bis drei geschlafen, bis ein Postbote bei mir klingelte. Ich bin nicht ran gegangen. Ich lag nackt im Bett und konnte hören, wie ein Nachbar die Tür schon geöffnet hatte. Danach war nichts mehr zu hören. Wie ich es hasse, wenn Postboten alle Klingeln auf einmal tätigen!

Ich bin aufgestanden. Mir ging’s besser aber nicht top. Reis mit roten Linsen gekocht und gegessen. Netflix[1] geguckt. Ich warte jetzt drauf, dass der Ehemann aus der Arbeit zurück kommt.

Doof ist, dass ich mir heute den Nachmittag frei genommen hatte, weil ich mich mit den Kollegen aus der Gruppe zu einer inoffiziellen Weihnachtsfeier treffen wollte. Ich habe absagen müssen. Dabei hatte ich mich richtig gefreut, sie alle wieder zu sehen.

Ob die Migräne eine verspätete Nebenwirkung der Booster-Impfung von vorgestern ist? Ich mache eher den Wetterumschwung dafür verantwortlich. Als ich heute früh zum Lüften alle Fenster aufgerissen hatte, war eine dicke dunkelgraue Wolkendecke in der Nähe zu sehen. Als es mir schlecht wurde, war blauer Himmel und strahlender Sonnenschein. Als ich dann um drei geweckt wurde und mich besser gefühlt hatte, war es wieder grau.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.

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Träge

Ich war mit dem Ehemann in einer großen Halle. Die Halle war rund, sie war eher ein runder Gang, wie ein Donut, mit hoher Decke, und gelb/orangefarbenen Wänden. Viele technische Gegenstände lagen rum neben der Wand, Röhre, Teile von wissenschaftlichen Geräten. Es sah wie in einem Forschungsreaktor aus.

Wir haben uns mit einer Bekannte auf einem breiten, mit blauem Stoff bezogenen Tisch hingesessen. Mehr hingelegt als hingesessen, wirklich. Links von mir war auch Winfried. „Hey, das Team von Programm #1 ist auch da!“ rief plötzlich meine Bekannte aus. Uschi lief tatsächlich an uns vorbei, nach rechts. „Stimmt, er ist zurück zur Gruppe gekommen, das muss eine Umstellung gewesen sein“, sagte ich[1]. „Ja, jetzt bin ich der Chef“, sagte Winfried. „Das gebe ich nicht zurück.“

Später. An dem Tisch, auf dem wir gesessen hatten, hatten wir scheinbar gegessen. Es was nach dem Essen. Der Ehemann räumte alles auf, während ich auf meinem Stuhl nur saß und zuschaute. Kein Bock, irgendwas zu machen. Ein bisschen schlechtes Gewissen habe ich doch bekommen, da der Ehemann so viel getan hatte, und ich habe einen Staubsauger in die Hand genommen, um die Krümel am Boden zu entsorgen. Dabei fiel mir ein, ich hatte keine geeignete Schuhe dafür, nur kleine, hübsche Sandalen, die zu meinem weißen Sommerkleid gut passten. Winfried meinte, ich könnte mich um die Spinnen ganz hinten an der Decke kümmern. Ich bin hin gegangen. Es gab schwarze Flecken, aber als ich näher kam waren sie wirklich nur das – Flecken. Ich bin zurück gekommen.

Wir waren mit dem Ehemann draußen auf einer asphaltierten Brücke. Er schlug vor, einen Spaziergang zu machen. Ich schaute unter der Brücke. Da lief ein Fluss, es wäre schön, am Ufer zu gehen. Aber der Weg sah steinig aus, ich hatte immer noch mein weißes Kleid und meine kleine Sandalen an, und ich lag so gemütlich da. Ich sagte, ich würde nur auf der Straße laufen wollen. Oder er müsste ohne mich spazieren gehen. Er ging ohne mich. In dem Moment kam eine Frau aus der anderen Richtung auf ihn zu. Die Frau sah auf dem ersten Blick nicht so dick aus, aber dann fiel mir auf, wie ihre Oberschenkel in ihrer hellen Jeanshose zwei aufeinander gestapelten Wülste bildeten und so breit waren, dass die Unterschenkel nicht mehr parallel zu einander stehen konnten. Die Frau war in Begleitung einer älteren Frau, vermutlich ihrer Mutter, und die Beiden sperrten dem Ehemann absichtlich dem Weg, damit er gezwungen wurde, zwischen ihnen zu gehen. Dabei fasste ihn die dicke Frau an und versuchte, mit ihm zu flirten, aber er ging nur durch und lief weiter, ohne die Frauen wahrzunehmen. Ich war vom Verhalten der Frau schockiert, und als sie an mir vorbei lief, rief ich „Connasse!“ zu ihr[2]. Etwas passenderes fiel mir nicht ein. Sie lief einige Meter weiter, drehte sich dann doch zu mir und wiederholte, „Connasse!“ Es war aber klar dass sie keine Ahnung hatte, was das bedeutete.

Das Radio weckte mich. Mir fiel auf, wie sehr ich im Traum keine Lust hatte, irgendwas zu unternehmen. Es ist momentan auch so. Vielleicht liegt es daran, dass es auf Arbeit so viel zu tun gibt und ich abends nur noch schwer etwas anderes tun kann als mit dem Ehemann auf der Couch vor dem Fernseher zu sitzen, oder genauer gesagt zu schlafen. Selbst fürs Kochen fehlt mir die Begeisterung. Ich habe sowieso keinen so großen Hunger, wenn ich den ganzen Tag zu Hause im Home Office sitze. Ich fühle mich nur sehr müde. Es könnte auch gerade an die Booster-Impfung vorgestern liegen, obwohl ich sonst kaum Nebenwirkungen hatte. Wieder BioNTech. Es wird jedenfalls dringend Zeit für Urlaub. Ich freue mich drauf.

[1] Das stimmt tatsächlich. Nachdem Uschi uns überraschenderweise verlassen hatte, ist er genau so überraschend vor zwei Jahren zurück zur Gruppe gekommen. Ob es damit zusammen hängt? Mr Keen hat kurz danach gekündigt. Hätte ich damals gewusst, dass ich ihn nur noch zwei Jahre ertragen müsste, hätte ich mich vielleicht nicht so eifrig weg beworben.

[2] Ich finde es nach über zwanzig Jahren in Deutschland immer noch unheimlich schwer, mir deutsche Schimpfwörter anzueignen. Ich habe deutsche Kolleginnen gehabt, für die „blöde Kuh“ schon eine starke Beleidigung war, was auf Französisch eher lustig klingeln würde.

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Alle schlechten Dinge müssen nicht drei sein

Gestern ist der zweite Corona-Fall in der Firma vom Ehemann bekannt geworden. Zumindest der zweite Fall in dieser Welle. Ein weiterer Kollege wurde positiv getestet. Trotzdem verbietet der Firmenleiter nach wie vor Home Office, obwohl es beim Ehemann keine betriebliche Gründe dagegen gibt. Es wurde ihm nur heute ausnahmsweise bewilligt, weil er einen Termin angegeben hatte. Ich merke, wie er langsam nicht mehr so sehr an den Job hängt.

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Verantwortungslos

Ich bin immer noch im Home Office. Seit die Chefin uns Mitte Februar 2020 als Vorreiterin nach Hause geschickt hat, bin ich genau fünf Tage im Büro gewesen. Als introvertierte Person passt es mir gut. Ich habe gerne meine Ruhe beim Arbeiten, es reicht, wenn ich mich per Videokonferenz mit den Kollegen austausche. Interessanterweise bekomme ich dadurch mehr Redezeit in Meetings als üblich war, wenn wir alle um einen Tisch gesessen hatten. Ute fällt einem bei Videokonferenzen nicht ins Wort.

Vor einigen Wochen wurde in Erwägung gezogen, uns einmal die Woche zurück ins Büro zu holen. Häufiger wäre es nicht möglich, da viele neue Kollegen in der Pandemie zu uns gekommen sind, wir aber immer noch so wenige Zimmer zur Verfügung haben. Jetzt, wo Infektionszahlen täglich auf bisher unerreichte Höhen steigen, liegt das Vorhaben erstmal auf Eis.

Dasselbe kann man beim Ehemann leider nicht sagen. Ich habe mich schon fürchterlich aufgeregt, als er mir den grippalen Infekt von der Arbeit nach Hause geschleppt hat, weil seine Kollegen es nach anderthalb Jahren immer noch nicht kapiert haben und meinen, krank ins Büro kommen zu müssen. Es hat mir eine ganze Woche gekostet.

Die Kollegen vom Ehemann sind vielleicht nur halb schuld, weil der Leiter der Firma ein Vollidiot ist. Selber hat er sich letztes Jahr mit Covid-19 anstecken lassen, was beim ihm nur Kopfschmerzen verursacht hatte. Ob er seitdem glaubt, wenn es bei ihm nicht so schlimm war, wären die ganzen Reaktionen um die Krankheit übertrieben? Wie kann man sonst erklären, dass er seinen Mitarbeitern explizit mitgeteilt hat, dass Home Office nicht erwünscht ist? Das hat er nicht nur vor einigen Wochen schon gesagt sondern gestern wiederholt, gerade als im Landkreis eine 7-Tage-Inzidenz von über 630 gemeldet wurde. Gestern haben sich alle Mitarbeiter vor der Arbeit testen lassen, wie es montags in der Firma üblich ist. Ein Test ist positiv ausgefallen. Der betroffene Mitarbeiter ist nach Hause geschickt worden. Die anderen Kollegen mussten bleiben. Für eine solche Lappalie schickt der Firmenleiter seine Leute doch nicht in Quarantäne. Ich könnte kotzen.

Der Ehemann und ich sind beide geimpft. Die Ärztin meint, die Kreuzimpfung war das Beste, war wir machen konnten, das meinte sie schon damals und die Daten scheinen ihr Recht zu geben. Trotzdem heißt eine vollständige Impfung nicht hundertprozentiger Schutz, und ob Kreuzimpfung, AstraZeneca, BioNTech oder Moderna, bei allen wird eine Reduzierung vom Schutz mit der Zeit beobachtet[1,2], bei AstraZeneca ist der Schutzeffekt sogar nach sechs Monaten verpufft. Angenommen, der Ehemann kommt mit einer Corona-Infektion von der Arbeit nach Hause, steckt mich an und ich werde krank genug, dass ich wieder nicht arbeiten kann. Kann mein Arbeitgeber gegen seinen Arbeitgeber juristisch vorgehen? Das wäre interessant.

[1] Dieser Artikel ist nur ein Preprint und muss noch begutachtet werden, also abwarten. Falls der Link nicht mehr klappt, hier die Zusammenfassung. Vielen Dank an Sven Meier für den Link zur Studie.

[2] Den Knick in der Kurve für die Kreuzimpfung kann ich mir nicht erklären. Er wird von den Autoren gar nicht diskutiert. Die Grafik selbst ist nicht im Preprint zu sehen, sondern wurde von Spektrum.de[3] aus den Daten zusammen gebastelt. Ich nehme einfach an, dass die Grafik richtig ist, ich habe sie nicht geprüft.

[3] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und Verlinkung.

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Zwangspause

Seit drei Stunden kann ich nicht arbeiten. Das hat nichts mit Home Office zu tun. Unsere Internetverbindung zu Hause läuft stabil, seitdem wir den Router gewechselt bekommen haben. Die Kollegen vor Ort können auch nicht arbeiten. Die Server sind nicht mehr erreichbar. Das heißt, unsere Datenbanksoftware kann man nicht benutzen, und auf Dateien kann man auch nicht zugreifen. Weil wir schon vor langer Zeit aus Sicherheitsgründen dazu aufgefordert wurden, keine Datei lokal auf Laptops zu speichern, sondern alles auf den Servern zu lassen.

Ich habe zur Zeit keine Kundenbetreuung mehr, mein letztes Projekt ist zu Ende gelaufen. Das wird sich bald ändern. Wissenschaftlich hat mich Tim entlastet, damit ich mehr Zeit habe, mich um Programmierung zu kümmern. Insbesondere gibt es immer noch Probleme zu beheben, seitdem wir die Firmendatenbank umgestellt haben. Ich wollte heute eine neue Version der Software auf dem Server für die Kollegen kopieren, als ich merkte, das Verzeichnis ist nicht mehr erreichbar. Kurz danach fragte mich Lukas über Skype[1], ob ich auch Verbindungsprobleme zum Server hätte.

Das letzte Mal, dass ich keinen Zugang zum diesem Verzeichnis hatte, war letzte Woche Donnerstagabend. Arndt war noch in Skype als online angezeigt, also hatte ich ihn gefragt, ob er auch Probleme hätte. Keine Antwort. Arndt antwortet in letzter Zeit gar nicht mehr, wenn man ihn etwas über Skype fragt. Wenn er überhaupt online ist.

Weil ich am nächsten Tag frei hatte, sowie Arndt, hatte ich Jerry, unseren IT-Spezialist, per Email gefragt, den Zugang zum Verzeichnis wieder herzustellen. Per Email, weil er, wie Arndt, kaum noch Skype benutzt, obwohl die Chefin mehrmals betont hatte, wir müssten alle während der Arbeitszeit erreichbar sein. Alle bedeutet wohl nicht alle. Meine Email war eigentlich höflich formuliert, aber Jerry hat sich angegriffen gefühlt, seiner Antwort nach zu beurteilen. Ich hätte unbegründet Vorwürfe gegen ihn gestellt. Ich lese meine Email nochmal durch und kann keinen Vorwurf gegen ihn entdecken. Jerry fühlt sich leider sehr schnell angegriffen und beleidigt, wenn man ihn dazu aufmerksam macht, dass Sachen nicht rund laufen. Wenn wir Meetings mit ihm haben, was sehr selten passiert, wenn die Chefin nicht explizit dahinter steckt, ist er stets in der Defensive, wenn wir nur nach Information fragen. Andererseits ist er jemand, der schnell Andere beschuldigt, wenn es Probleme gibt. In der Mehrzahl der Probleme, die ich erlebt habe, lag die Verantwortung bei ihm, aber einen Fehler zugeben und sich entschuldigen kann er nicht. Nur leugnen, heimlich beheben und die Kollegen für Dummköpfe halten. Vom Anfang an hatte ich gedacht, er sei eine Fehlbesetzung, er hätte gar nicht die Probezeit bestehen dürfen, wie unverschämt arrogant er sich mit allen verhalten hat. Mit der Chefin muss er doch charmant gewesen sein, nur deshalb kann er geblieben sein. Die Chefin lässt sich sehr einfach von männlichen Kollegen um den Finger wickeln.

Über unsere VPN-Problemen, als es mit Home Office anfing, habe ich schon geschrieben. Jerry wollte auch am Anfang seiner Arbeitszeit in meinem Team die Nutzung von sämtlichen wissenschaftlichen Programmen verbieten, weil sie von Akademikern entwickelt wurden. Wir müssten auf professioneller Lösung umsteigen. Dass diese Programme nicht ersetzbar sind, von allen Wissenschaftlern in der Branche weltweit benutzt werden, und unsere Kunden erwarten, dass wir damit arbeiten, wollte er nicht wissen. Vom Fach ist er nicht, aber er wollte uns trotzdem belehren, wie wir zu arbeiten haben. Tim konnte der Chefin erklären, wie wichtig es war, die Programme zu behalten. Sie zu verbieten hätte bedeutet, dass wir das ganze Team in die Arbeitslosigkeit hätten schicken können. Die Chefin hat dann Jerry gesagt, die Programme bleiben. Und Jerry hört nur auf die Chefin. Das weiß jetzt Philipp zu nutzen, mein Teamleiter für Projektmanagement. Wenn er etwas von Jerry braucht, setzt er die Chefin automatisch ins CC. Sonst läuft nichts.

Das neue Problem mit den Servern, also. Am Donnerstagabend soll angeblich jemand unbeabsichtigt das ganze Verzeichnis für die Datenbanksoftware gelöscht haben. Der Hacken ist, wir vom Entwicklungsteam haben gar keine Berechtigung, dieses Verzeichnis zu löschen. Wir können lediglich drin schreiben. Am nächsten Tag, als ich frei hatte, hat er zwei Stunden gebraucht, um das Verzeichnis wieder herzustellen. Und heute ist nicht nur das Verzeichnis sondern alle Server weg. Seit drei Stunden. Ich vermute Hardwareversagen.

Ich habe die Zwangspause in Clockify[1] als solche eingetragen. Wäre ich im Büro, wie die Kollegen, die vor Ort sein müssen, würde ich trotzdem nicht arbeiten können, aber die Uhr tickt weiter und irgendwann muss Feierabend sein. Ich sehe nicht ein, dass ich die Zwangspause nicht als Arbeitszeit anrechnen sollte. Meine Abende will ich nicht als Wiedergutmachung für die Fehler von Jerry opfern. Meine drei Stunden kosten der Firma schon 150€. Und ich bin nur eine von vielen hochqualifizierten Mitarbeitern.

Man hätte das Problem frühzeitig erkennen und etwas dagegen unternehmen können. Seit einigen Wochen läuft alles sehr langsam, wenn man im Windows Explorer Verzeichnisse auf dem Server öffnet, selbst wenn man mit RDP auf einer lokalen Maschine arbeitet. Aber, die Lieblingserklärung: Es liegt an der Internetverbindung zu Hause. Wenn man Probleme nicht sehen will, sieht man sie nicht.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

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In der Mittagspause

Ein kleiner Spaziergang mit dem Ehemann.

Seit gestern ist er zu Hause. Krankgeschrieben, zum Glück ist es nur eine Erkältung. Er hat sich auf Arbeit von einem Kollegen anstecken lassen, der von einem anderen Kollegen angesteckt wurde, weil sein Chef so doof gewesen ist, alle Mitarbeiter aus dem Home Office zwangsweise zurück ins Büro zu holen, sobald die Pflicht zum Home Office nicht mehr bestand. Und die Kollegen sind genau so doof, denn sie meinen, ins Büro kommen zu müssen, wenn sie krank sind. Der Ehemann ist also wenigstens der dritte Mitarbeiter, der deswegen ein paar Tage ausfallen muss, und das wäre mit Home Office völlig vermeidbar gewesen. Ob ich demnächst dran bin?

Jedenfalls. Heute geht’s ihm schon besser, und ich habe die Gelegenheit ausgenutzt, um raus zu gehen. Sonst bin ich alleine von morgens bis abends am Schreibtisch. Es sind ein paar nette Bilder entstanden.

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Augenmigräne, die Zweite

Ich war auf Arbeit, in dem Institut, in dem ich meine Doktorarbeit gemacht habe. Ich saß am Schreibtisch. Plötzlich konnte ich nicht mehr richtig sehen, meine Sicht wurde trüb und es gab einen farbigen Klumpen in meinem Blickfeld. Augenmigräne. Ich bin aufgestanden und zum Büro von meinem Doktorvater gegangen, um ihm Bescheid zu sagen, dass ich gerade nicht arbeiten konnte. Sein Büro war leer. Ich habe eine Nachricht beim Sekretariat gegeben.

Als ich wieder im Flur war, traf ich meinen IT-Kollegen aus meiner zweiten Postdoc Stelle in Berlin. Ich habe ihm das mit der Augenmigräne erzählt, ein kleiner bunter Halbkreis hatte sich schon in meinem linken Auge gebildet. Die IT-Kollegin hat sich zu uns mitten im Flur gesellt. Ich habe meinen IT-Kollegen gefragt, „wie geht es dir sonst so?“ Ich hatte ihn ewig nicht mehr gesehen. Er hat etwas Unverständliches wie „ra ra ra ra“ geantwortet, mehrmals, es wurde mich unheimlich.

Ich bin aufgewacht. Der Ehemann neben mir war am Schnarchen. Genau das Geräusch, das mein IT-Kollege im Traum von sich gegeben hatte. Ich habe den Ehemann an der Schulter geschubst. Er hat sich umgedreht und war so genervt, dass er mich schlagen wollte. Mir wurde kalt in den Rücken.

Ich bin aufgewacht. Der Ehemann neben mir war immer noch ruhig am Schnarchen, mit dem Rücken zu mir gedreht. Meine Arme waren noch unter der Decke, ich konnte ihn nicht im Traum angeschubst haben. Ich habe ihm gesagt, „du schnarchst“. Er hat sich umgedreht, das Schnarchen eingestellt und weiter geschlafen. Die Augenmigräne war immer noch im Gange. Wie letzte Woche ist der bunte Halbkreis genau an der gleichen Stelle gewachsen und gewachsen, bis er links aus meinem Sichtfeld verschwunden ist.

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