Drei Kumpel auf einer Bank

Dieses Foto habe ich vor vierzehn Jahren aufgenommen und beim Aufräumen auf meinem Rechner wieder gefunden. Ich war im Winter durch Burtscheid spazieren gegangen. Die drei allein gelassene Teddybärchen waren einfach zu süß, um nicht fotografiert zu werden.

Drei Teddybärchen auf einer Bank


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Werbeanzeigen

Entsetzlich

Bevor ich nach Berlin gekommen bin, hatte ich schon lange in Deutschland gelebt. Aachen war mein Zuhause. Eine der ersten Sehenswürdigkeiten, die ich zufällig entdeckt habe, ist der Lousberg. Es hat mich sehr beeindruckt. So nah am Stadtring geht man in einer Straße ein paar Treppenstufen hoch und plötzlich steht man völlig im Grüne. Riesige Wiesen mit Kühen und schöne Wege im Schatten. Jahre später habe ich sogar mehrmals am Lousberglauf teilgenommen.

Die Legende über die Entstehung vom Lousberg kennt jeder, der in Aachen gelebt hat. Sie ist ein wichtiger Teil vom lokalen Folklore. Die Geschichte kann man hier nachlesen. Ich war damals einfach so spazieren gegangen und hatte an einer Kreuzung zufällig die Statuen vom Teufel und der Marktfrau entdeckt (Bild aus Wikimedia Commons).

20151111_Lousberg1

So bin ich mit der Geschichte vom Lousberg vertraut geworden (Bild von mir).

20151111_Lousberg2

Statuen aus Bronze sind in Aachen fast um jede Ecke zu finden. Ich war von Südfrankreich aus gar nicht daran gewöhnt und war total entzückt davon. Das Printenmädchen vor Leo van Daele, die drei Schwester mit Regenschirmen, die Leserin bei der Mayersche, der Hühnerdieb, der Klenkes, die bewegliche Puppe auf dem Brunnen, die Pferde am Hauptbahnhof… Aachen ohne diesen Statuen ist nicht mehr Aachen.

Heute habe ich die traurige Nachricht gelesen, dass Unbekannte gestern wohl versucht haben, die Marktfrau am Lousberg zu klauen. Die ist vom Boden am Fuß abgesägt geworden (Bild von der Stadt Aachen). Laut den Berichten sind die Diebe überrascht gewesen und geflohen. Die Marktfrau ist von der Polizei am Boden gefunden worden und ist jetzt in einem Gebäude in Sicherheit gebracht worden. Ich bin von den Ereignissen fassungslos. Dreistigkeit kennt keine Grenzen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Hallo Frühling!

Das Wetter ist so herrlich, dass ich es mir gegönnt habe, bei meinem Stammcafé spät frühstücken zu gehen, und für ein paar Stunden die Sonne zu genießen.

Gegenüber von der Terrasse steht auf der Wiese ein wunderschöner Baum:

Baum mit BlumenBaum
Und auf dem Rückweg gab’s eine schöne Überraschung:

Kirschblüten
Es wurde aber Zeit!


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Szene an der Ampelkreuzung

Diese neue Fußgängergeschichte an der Ampelkreuzung bei mir um die Ecke ist heute Morgen gegen 11:20 geschehen, sie ist leider nicht so nett wie die Vorherige.

Eine Kreuzung zwischen zwei aufeinander senkrechten Straßen. Normaluhr. Eigentlich eine der Hauptkreuzungen der Stadt, um die Uhrzeit aber ziemlich ruhig. Ich stehe unten links und warte. Vor mir gegenüber kniet ein Mann allein vor dem Hotel und macht kleine Bauarbeiten am Bürgersteig. Ein blinder Mann mit weißem Stock kommt langsam von links die Straße hoch. Als er mit dem Stock fast in die Grube vor dem Hotel kommt, merkt ihn erst der Bauarbeiter. Er sagt ihm, er soll doch herum gehen. Im gleichen Moment kommt ein junger Mann mit Rucksack auf diesem Paar zu, der gerade die Kreuzung oben überquert hat. Er schaut sich die Szene an, sagt aber gar nichts, dreht sich nach rechts und geht seinen Weg weiter nach oben, ohne Hilfe anzubieten. Der blinde Mann kommt zur Ampel an, mir gegenüber, und wartet auf das Tonsignal, um zu meiner Richtung zu überqueren. Ich schaue mir die Autos an, die, von oben kommend, ebenfalls warten, um nach links abzubiegen (na ja, von ihnen gesehen, nach rechts). Das erste Auto ist ein rotes Honda, glaube ich wenigstens, das Logo vorne sieht komisch aus, als ob der obere Teil vom H mit einem grauen Stoff gefüllt worden wäre. Das Auto habe ich mir gemerkt, weil eine frühere Arbeitskollegin auch ein rotes Honda besitzt – sie war’s aber nicht. Das Männchen wird grün. Ich mache mich wieder auf dem Weg, der blinde Mann kommt mir entgegen. Der oder die FahrerIn des Hondas sah anscheinend nicht ein, warum man auf Fußgänger warten sollte, und hätte noch fast den blinden Mann überfahren, der sich schon über die Kreuzung engagiert hatte. Leider konnte ich mir das Kennzeichen nicht merken, es ging viel zu schnell. Leider. Ein so unverschämtes Verhalten hätte ich sonst schon gemeldet. Eine Schande, dass solche Autofahrer ihren Führerschein noch besitzen. Besonders an meiner Kreuzung gibt es viele, die sich regelrecht benehmen, als ob sie alleine auf der Kreuzung wären. Ich weiß nicht, wie oft ich selbst bei Grün hätte überfahren werden können, wäre ich nicht im letzten Moment zurückgetreten, weil Autos aus der Theaterstraße beim Abbiegen einfach vorbei rasen.

20130403-Ampelkreuzung


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Aktionstag in den Thermen

Ich habe mich gestern richtig auf einen Entspannungstag in den lokalen Thermen gefreut. Freunde angerufen, die konnten doch nicht mitkommen, egal, alleine geht’s auch, ich gehe so gerne hin… Mal abschalten, das habe ich wirklich nötig, letzte Woche war ziemlich anstrengend.

Knapp nach 10:00, an der Kasse begrüßt mich eine Angestellte, sie gibt mir ein Chip Coin und ich gehe rein. Runter zu meinen üblichen Umkleidekabinen… Augen reiben, nein, ich sehe richtig, alle 200 Fächer sind schon benutzt. Das habe ich noch nie erlebt. Zurück zum Erdgeschoss, um festzustellen, dass dort auch alle Fächer voll sind, ein Mann ist gerade dabei, seine Sachen im letzten unbenutzten Fach zu packen. Pfff… Das kann doch nicht sein, über 700 Menschen[1] sind an einem Montag so früh schon da? Nun, jetzt wo ich den Chip in der Hand habe, denke ich, erst mal hier bleiben, vielleicht ist es drin doch nicht so schlimm… Also hoch zur ersten Etage, es sind noch einige freie Fächer da, ich kriege einen Schlüssel, um mich umziehen zu können (Nr 786). Auf der Etage sind keine Einzelkabine; nach mehr als 10 Jahren in Deutschland habe ich mich aber an die etwas andere Definition von Anstand in Deutschland gewöhnt[2], außerdem ist die Großraumumkleide links nur für Frauen, den großen Schild mit einer skizzierten Frau und der Schrift „Nur Frauen“ an die Tür kann man nicht übersehen. Tja, unglaublich, wie viele Männer „versehentlich“ in unsere Umkleide gekommen sind. Sind sie alle blind oder zu blöd, um den Schild zu verstehen? Ich denke, sie waren einfach nur geile Böcke.

Geduscht, ab zum eigentlichen Thermenbereich… Überall nur Menschen, man weißt nicht mehr richtig, wie man sich frei bewegen kann. Ich habe es so wirklich noch nie erlebt. Selbst am Wochenende im Sommer. Na gut, ich gehe sonst immer früh nachmittags wieder weg, genau um den großen Drang zu vermeiden. Nun, da war’s relativ früh morgens, und an einem Arbeitstag auch noch. Ich gehe also Richtung Außenbecken, es ist so kalt draußen, da werden bestimmt weniger Leute sein. Ich gehe die Treppen runter zum Becken, vor mir geht eine andere Frau die Treppe ins Wasser runter. Als sie Wasser bis zur Brust bekommt beschließt sie plötzlich, schwimmend ins Wasser zu gehen. Ich bekomme mit voller Kraft ihren rechten Fuß in den unteren Bauch getreten. Auf einmal von Schmerz in zwei gebeugt, die Frau denkt auch noch, ich würde simulieren, da sie halb lachend mich fragt, ob es mir gut geht. Blöde Zicke. Hoffentlich bekommt sie das zurück bezahlt. Mir tut heute der Bauch noch ein bisschen weh. Ich hätte darauf bestehen sollen, eine Unfallmeldung zu machen, nur aus Prinzip und weil ihre Reaktion so unpassend war. So schlimm ist es auch nicht[3], aber ich möchte nicht wissen, wie es einer schwangeren Frau dabei gegangen wäre.

Nach einer Stunde Aufenthalt, in der ich mich nun wirklich nicht entspannen konnte, beschließe ich, wieder nach Hause zu gehen. Gesamte Aufenthaltsdauer: mit Duschen gerade anderthalb Stunden (wo ich sonst üblicherweise 5 Stunden bleiben kann), Erholungsgrad null, Gereiztheit aufs Maximal gedreht. Der Grund für die überfüllten Thermen: Aktionstag, Eintrittspreis um 40% reduziert. Nie wieder will ich an einem Aktionstag zu den Carolus Thermen gehen. Definitiv. Selbst mit dem Rabatt war jeder Euro zu viel, da man die in der Werbung versprochene Entspannung nicht bekommen kann. Wenigstens hätte die Frau am Eingangsbereich mich warnen können, hätte ich gewusst, wie viele Leute schon da waren, wäre ich gleich wieder nach Hause gegangen, und hätte mir den ganzen Ärger gespart. Gut, dass meine Freunde doch nicht mitkommen konnten.

[1] Kann nicht sein, also im Ernst, kann es wirklich so viele Leute in den Thermen geben? Beim nächsten Mal zähle ich die Fächer durch. Es kommt mir doch viel zu viel vor.
[2] Als meine Mami zu Besuch kam haben wir natürlich die Thermen besucht. Ich habe nicht daran gedacht, sie zu warnen; sie war schon schockiert zu sehen, dass Leute im Duschenbereich einfach ungeniert vor Anderen nackt spazieren gehen.
[3] Verflucht, mein Bauch tut mehr weh, als ich dachte. Vielleicht muss ich doch zum Arzt gehen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

An der Ampelkreuzung

Ein Vormittag im späten Frühling, schon lange her. Das Wetter war angenehm. Ich stand an der Ampelkreuzung, auf dem Weg zur Arbeit. Neben mir zwei anderen Personen, gegenüber drei, wir warteten, dass das Männchen grün wird. Plötzlich wehte eine Brise, die unsere Haare und Klamotten leicht bewegte, sowie die Blätter in den Bäumen. Ich kam mir wie in einer Zeitlupe in einem Western-Film vor und hätte fast erwartet, dass einer gleich mit der Hand zum Gürtel greifen würde. Ich musste mich zusammen reißen, um nicht wegen des absurden Bildes in meinem Kopf lauthals zu lachen. Die Frau auf der anderen Straßenseite lächelte mich an. Vielleicht haben wir die gleiche Idee gehabt? Das Männchen wurde grün, das Western-Bild verschwand und wir gingen unsere getrennten Wege weiter.

An der Ampelkreuzung


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Von dem Spaß, neben einer Wohnung des Stadttheaters zu leben

Ich lebe in meiner derzeitigen Wohnung seit fast acht Jahren. Sie ist genau perfekt für mich: Mitten in der Stadt, auf einer Hauptkreuzung, jedoch extrem ruhig auf der Schlafzimmerseite, da es dort nur Garten und Garagen gibt, und bis gut hundert Meter weit und breit kein Vis-à-vis, da ich unter dem Dach wohne. Zu Fuß brauchte ich bis zur Arbeit nicht mal zehn Minuten. Dazu kommt, dass die möblierte Wohnung mit kompletter eingebauten Küche ausgestattet war: Kühlschrank, Kochplatte, Backofen, Mikrowelle, Spülmaschine, sogar eine Waschmaschine ist vorhanden. Und noch der Schlagargument: Sehr breite Fensterbänke, genau das richtige für eine Katze, und eine Traumvermieterin, die so Katzenlieb ist, dass sie meine gerne betreut, wenn ich wegen der Arbeit mal unterwegs sein muss. Weg von hier? Kommt nicht in Frage (na ja, bis ich endlich eine neue Stelle gefunden habe).

Kurz nach meinem Umzug im Frühling entdeckte ich den Bewohner im Nachbarhaus. Um die Umstände zu verstehen, mache ich noch gleich unten eine Skizze von der Wohnung. Auf meiner Etage im Haus wohnten damals noch der Sohn meiner Vermieterin mit seiner Freundin; die Wohnung im Nachbarhaus teilt eine Wand mit meinem Schlafzimmer (sowieso das einzige Zimmer in meiner Wohnung, wo man ein Bett unterbringen kann).

Wohnung vorher

Ich merkte schnell, wie hellhörig die Wand zwischen beiden Häusern ist, als ich abends gegen 22:00 im Bett lag, und ohne Absicht bei den Telefonaten vom Bewohner im Nachbarhaus lauschen konnte. Dabei hat sich seine Stimme in meinem Gedächtnis sehr gut eingeprägt. Ich habe versucht, nicht drauf aufzupassen, und hätte es für übertrieben gehalten, an die Wand zu klopfen, da es nicht so laut war – es wäre nur dazu gedacht, seine eigene Privatsphäre zu schützen, aber ich denke nicht, dass er das so verstanden hätte. Immerhin dachte ich mir, wie ungerecht die Vorurteile gegen Frauen sind, da er quasi jeden Abend mindestens eine Stunde lang am Telefon fest klebte, während mir eine Viertelstunde schon wie eine Ewigkeit vorkommt.

Tagsüber hatte er Klavier gespielt, manchmal gesungen, manchmal beide gleichzeitig, und ich fand es ganz nett, Talent hat er ja. Irgendwann im November fing er an, spät abends zu spielen, und schnell auch Nachtsüber. Plötzlich wachte ich mitten in der Nacht auf, gegen 01:00, 02:00 oder sogar 03:00 morgens, und hörte, wie er am Klavier spielte. Anfangs konnte ich noch wieder einschlafen; als er jede Nacht musizierte, fand ich keine Ruhe mehr. Ich war berufstätig und musste jeden Morgen früh aufstehen. Ich habe an die Wand geklopft, leider vergeblich – da ich alles bei ihm höre, hätte er das auch merken sollen. Ich fand es vor allem unverschämt, weil er keinen echten Klavier besaß, sondern ein elektronisches Keyboard: Manchmal hörte ich nur die Tasten, als er mit Kopfhörern spielte (habe ich gesagt, dass die Wand sehr hellhörig ist?). Einmal hörte ich sogar, wie jemand weit entfernt (wahrscheinlich im übernächsten Haus) gegen die Wand schlug und gegen ihn Flöte spielte. Nach einigen Wochen und Verspätungen bei der Arbeit war ich völlig erschöpft (mit Übelkeit und Schwindel) und beschloss endlich, mit meiner Vermieterin darüber zu sprechen. Sie ist Rechtsanwältin und sollte wissen, wie ich vorgehen sollte. Sie nahm Kontakt mit den Besitzern des Nachbarhauses, sagte mir, es würde sich um einen Musiker aus dem Stadttheater handeln, empfahl mir, beim nächsten Mal die Polizei anzurufen und mir alles in einer Art Tagebuch zu notieren, und kurz darauf konnte ich wie gewohnt wieder schlafen.

Wie schön, dachte ich. Nach ein paar Tagen hörte ich eines Abends, wie mein Nachbar (dessen Namen ich bis heute immer noch nicht kenne) bei einer Freundin buchstäblich weinte, weil er kein Klavier mehr spielen durfte. Dabei hatte ich meiner Vermieterin deutlich gesagt, dass ich nicht mit dem spielen Probleme hatte, sondern mit dem nachtsüber. Dann fingen die Kindereien an, anders kann ich es nicht bezeichnen. Zum Beispiel fing er an, nachtsüber mehrmals zur Toilette zu gehen, um Wasser aus einem hochgehaltenen Behälter rein zu gießen (es ist sicherlich schwierig, akustisch das Pinkeln zu simulieren. Bei einem ein bisschen zu großen Wasserfluss hört es sich schon ganz anders an. Vor allem, weil ich ihn auch sonst normal zur Toilette gehen mithören durfte). Oder manchmal war es nachts völlig still, und plötzlich ließ er ein lautes Lachen von sich raus (wie man es von Kinderfilmen kennt, wenn die Bösen oder Hexen lachen). Ich erinnere mich auch, wie eine Nacht meine Katze den Buchregal hochkletterte (eine Sache von gerade einer halben Minute). Das macht sie nachtsüber selten, aber ich lag wach im Bett mit dem Licht an und las, weil eben Lärm aus dem Nachbarhaus kam. Ich hätte auch nicht mehr daran gedacht, als ich am nächsten Morgen in meinem Kleiderschrank nach Klamotten suchte und hörte, wie mein Nachbar am Telefon mit (vermutlich) seinem Vermieter sprach und sich beschwerte, dass Lärm aus meiner Wohnung gekommen sei. Aus der halben Diskussion und seinen Antworten auf Fragen (ungefähr „Nein, es war nur ganz kurz… ja, aber… na gut, ja“) nahm ich an, dass der Vermieter seine Beschwerde nicht ernst nahm; ich habe auch sonst nie von meiner Vermieterin davon erfahren.

Irgendwann eskalierte das Ganze. Mit dem nächtlichen Klavierspielen fing er wieder an, dann schmiess er wilde Partys mit Freunden (also, wenn ich vor dem Rechner am anderen Ende des Zimmers saß, vibrierte manchmal der Boden unter mir. Schon seltsam, dass meine Nachbarn unten im Haus sich nie darüber beschwert haben, auch wenn sie auf Nachfrage bestätigten, dass es Laut gewesen war. Vielleicht gilt es als normal bei Studenten?). Ich notierte mir alles, benachrichtigte meine Vermieterin und je nach Uhrzeit rief ich die Polizei an. Ich habe nicht den Eindruck gehabt, dass es irgendeinen Einfluss auf ihn hatte. Schließlich kommt die Polizei in der Wohnung an, sagt „Man sollte nachtsüber nicht so laut sein“ und verschwindet wieder, oder gibt es da mehr, was ich nicht mitbekommen habe? Einmal kam die Polizei gegen 04:00 morgens, dann war einigermaße Ruhe, dann ging die Party wieder los (mehrere Typen, die beim Springen ein Lied zusammen brüllen), bis eine Frau überschnappte und sagte, es reiche jetzt, die Polizei wäre schon da gewesen, ob sie nicht wieder ruhig sein könnten. Daraufhin antwortete mein Nachbar, es könne nichts dafür, wenn ich ein so feines Ohr hätte. Ein anderes Abend im Sommer ging ich zu meiner Vermieterin (zwei Etagen runter), weil mir die Musik unglaublich laut vorkam. Ich wollte, dass sie mitbekommt, wie schlimm es sich in meiner Wohnung anfühlte. Bei ihr angekommen: „Nein, Sie irren sich, es kommt zwar aus dem Nachbarhaus, aber aus der 1. Etage, die sind im Sommer immer so laut, mit geöffneten Fenstern.“ Ich konnte sie doch überzeugen, nach oben zu mir zu gehen. Als sie im Schlafzimmer war (mein einziges Zimmer), sah ich Entsetzen auf ihrem Gesicht. „Das ist aber wirklich laut.“ Kurz darauf, weil es noch nicht so spät war: „Ein bisschen Toleranz sollte man noch haben.“ Ich insgeheim: „Sie hat gut reden, sie wohnt nicht direkt hier.“ Aber ein Wunder, gerade als es 22:00 wurde, war die Party diesmal auch endgültig vorbei.

Eine andere Nacht fing er an, Klavier zu spielen. Ich klopfte gleich leicht gegen die Wand, um zu sagen, „Hey, ich bin noch da“. Kurz darauf hörte ich ihn aufgeregt etwas sagen, was genau, konnte ich (und wollte ich) nicht verstehen, dann war Ruhe. Ich entspannte mich im Bett und war gerade beim Einschlafen, als bei mir jemand klingelte. Um die Uhrzeit rühre ich mich nicht vom Fleck, mein neuer Nachbar ging aber dran. Ich hörte ihn sagen, „Nein, hier ist alles ruhig“, und er legte wieder auf. Ja, inzwischen war auf meiner Etage im Haus ein junger Deutschlehrer eingezogen (na ja, etwa in meinem Alter), der aber meiner Vermieterin gegenüber immer behauptete, nichts von den Partys mitzubekommen. Als er ankam, klingelte er bei mir, stellte sich vor und sagte gleich, er wäre ein ruhiger Nachbar. Von wegen. Karaoke Partys abends, laute Schießspiele auf der Playstation… aber immerhin hat er vor Mitternacht immer aufgehört. Er ist auch täglich gegen 06:30 aus dem Haus zur Arbeit gegangen. Ich verstehe nicht, wie man auf Dauer so wenig schlafen kann, aber egal, nicht mein Problem. Warum ich plötzlich von ihm rede? Tja, also, ich fand es nach einiger Zeit einen seltsamen Zufall, wie mein Deutschlehrer abends oder nachtsüber nach Hause zurück kam, immer 2-3 Minuten, nachdem eine Party bei meinem Musiker im Nachbarhaus aufhörte. Ein, zwei Mal, ok, aber jedes Mal… Da hatte ich den starken Verdacht, er wäre mit meinem Musiker sehr gut befreundet. Gleichzeitig bin ich mir aber auch sehr paranoid vorgekommen, ich meine, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas sich ergeben sollte? (Keine Ahnung, ich wüsste auch nicht mal, wie ich sie rechnen soll.)

Eines Abends war ich dabei, mir für einen Tanzauftritt ein Kostüm zu basteln. Es war noch früh abends, etwa 21:00. Die Nähmaschine war auf dem Küchentisch. Ich holte noch Stoff aus meinem Schlafzimmer, als ich hörte, wie mehrere Personen die Wohnung meines Musikers verließen und die Treppe runter gingen (ja, selbst Leute im Treppenhaus des Nachbarhauses kann man hier wahrnehmen). Sehr kurz darauf klingelte es bei meinem Deutschlehrer, mehrmals und lange. Der war aber nicht zu Hause. Ich setzte mich am Küchentisch, als ich hörte, wie mein Deutschlehrer mit jemandem die Treppen hoch ging und kicherte. Neugierig, endlich zu erfahren, wie mein (vermutlich) Musiker aussieht, schaltete ich das Licht im Flur aus und schaute durch das Loch in meiner Tür. Ich sah einen ziemlich jung aussehenden Milchbuben mit Brillen ankommen. Die beiden gingen in die Wohnung des Deutschlehrers rein. Ich weiß nicht, ob sie überhaupt mitbekommen haben, dass ich zu Hause war, da ich immer ruhig und leise bin (es liegt in meiner Natur). Jedenfalls, ein bisschen später hörte ich lautes Stöhnen, und mein Deutschlehrer rief unmissverständlich „Komm, komm!“ Ein bisschen schockiert, nein, mehr überrascht als schockiert, wollte ich die Küchentür zu machen, was natürlich nicht klappte (seit ich eingezogen war, konnte ich nie die Innentüre zu machen, weil bei der Renovierung nicht aufgepasst wurde, dass die Leisten zwischen den Zimmern zu hoch sind). Den Rest muss ich auch nicht beschreiben. Am nächsten Morgen, auch wieder unabsichtlich, hörte ich die beiden diskutieren, als ich zum Badezimmer ging. Der Musiker (diesmal war ich davon sicher) war gerade dabei zu erzählen, wie er eine Nacht zu Hause Klavier gespielt hatte, und nach meinem Klopfen bei der Polizei angerufen hatte, um sich zu beschweren, dass ich laut wäre. Mir fiel der Kiefer runter. Gleich kam aber die Antwort meines Deutschlehrers: „Du bist wirklich ein Arschloch!“ Er erzählte dann auch, wie er selbst an der Sprechanlage geantwortet hatte. Wie die weiter diskutiert haben, habe ich nicht aufgepasst, ich lausche nicht gerne, danach ist der Musiker allein aus der Wohnung gegangen. Zwei Minuten später hörte ich im Nachbartreppenhaus, dass er nach Hause kam.

Wie ging’s weiter? So häufig haben sich die Beiden danach nicht mehr getroffen. Nach einiger Zeit ist der Musiker für einen Semester weg gewesen, stattdessen hatte ich eine Truppe Frauen, die sich die ganze Nacht ständig im Zimmer neben mir unterhielten. Dafür keine Partys mehr. Ab und zu höre ich immer noch, wie mein Musiker zu Besuch vorbei kommt. Meine Vermieterin meint, die Wohnung wäre vom Stadttheater gemietet, die Bewohner würden ständig wechseln. Aber sie scheinen alle einen Knall zu haben. Ich bin auch schon mal gegen 05:20 aufgewacht, weil einer auf einmal meinte, eine Nagel an meiner Wand hämmern zu müssen – selbst meine Vermieterin, wie gesagt zwei Etagen tiefer, wurde davon wach. Irgendwann hat mein Deutschlehrer angekündigt, ausziehen zu wollen. Als meine Vermieterin eines Tages zu mir kam und sagte, ein studentisches Paar hätte sich die Wohnung angeschaut, hat mich der Graus gepackt. Nein, jetzt noch Studenten? Schnell überlegte ich, wie schön es doch wäre, wenn ich ein zusätzliches Zimmer hätte, um Gäste zu Hause übernachten zu lassen. Ich ging zu meiner Vermieterin und sagte ihr, ich wollte meine Wohnung mit den Nachbarwohnung vergrößern lassen (unverschämt, jetzt, wo das doppelte Jahrgang auf uns zu kommt? Mir egal). Gesagt, gemacht, jetzt habe ich auch noch einen Zufluchtsort, wenn wieder Partys angesagt sind, wir haben sogar die Innentüre so geschleift, dass ich sie zu machen kann. Die Straße ist aber laut.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.