Wochenende in Berlin

Das Wochenende hat am Freitag nach einem frühen Feierabend angefangen, als ich mich auf den Weg zum Hauptbahnhof gemacht habe. Ich hätte die Arbeit später verlassen können, aber die U-Bahn hat mich schon mal im Stich gelassen und ich wollte das Risiko nicht eingehen, den Zug zu verpassen. Das Wetter war traumhaft und ich dachte, es wäre schön, unterwegs ein Eis zu essen. Besser doch erst zum Bahnhof ankommen, dort finde ich bestimmt ein gemütliches Eiscafé. Nicht. Ich glaube, alle Bahnhof-Vorplätze, die ich bis jetzt besucht habe, sind besser gestaltet als in München. Ich habe mir ein Eis bei den zwei asiatischen Frauen in der Bahnhof-Halle neben einem der Eingängen geholt, die meine Bestellung kaum verstanden haben, und habe es auf dem Bürgersteig neben den Taxis, aber immerhin in der Sonne, gegessen. Ich kenne mich in München in Sachen Eisdielen nicht aus, aber der Laden hinter dem Bahnhof Pasing, Buongiorno, bietet weitaus viel leckereren Eissorten an.

Der Ehemann hat mich am Bahnhof abgeholt und wir sind zum Savignyplatz Tapas essen gegangen. Das Restaurant, wo wir bei unserer ersten Nacht waren. Um die Uhrzeit wurden schon erste Tische auf der Terrasse wieder frei. Die Luft war wärmer als in München und wir haben einen schönen Abend dort verbracht, wobei es auffällig häufig Krankenwagen und Polizeiwagen zu hören gab. Ich vermute dass es mit dem Wetter zu tun hat. Ich hatte schon mal den Eindruck, dass die Leute in Berlin mit steigenden Temperaturen aggressiver werden, statt sich über das schöne Wetter zu freuen. Die anschließende Fahrt mit dem Taxi nach Hause hat meinen Eindruck nicht geändert. Zum Glück haben wir einen super coolen Fahrer erwischt, der nicht wie Sau fuhr und vom Dialekt her eindeutig Berliner war. So viele Leute haben uns unterwegs von rechts und links überholt, dass er auch meinte, das Wetter macht die Leute verrückt. Und auf der ganzen Strecke sind wir Polizeiwagen mit Blaulicht begegnet. Ich war froh, den Ehemann überedet zu haben, nicht mit ÖPNV nach Hause zu fahren.

Gestern konnten wir früh aufwachen, und ich bin zum Fitnessstudio gegangen, um beim Wassergymnastikkurs mitzumachen. Die Kursleiterin hat so ein tolles Intervall-Programm entwickelt, man fühlt sich nach einer Dreiviertelstunde ausgepowert, wenn man alles gibt. Trotzdem gab es viele ältere Leute im Wasser (geschätzt Ü70), die mit Freude in ihrem Tempo mitgemacht haben. Es ist super, wenn es Kurse gibt, wo jeder davon profitiert, egal in welchem Fitness-Zustand. Die anderen Wasser-Kurse, die ich bei Fitness First gemacht habe, ob in Berlin oder München, sind nicht so herausfordernd und ich habe danach nicht den Eindruck, wirklich etwas geleistet zu haben. Nach dem Sport sind wir zum Markt gegangen, um wieder mal leckere Crêpes zu essen. Groß war unsere Enttäuschung, als wir festgestellt haben, dass die Französin ihren Stand nicht mehr betreibt. Stattdessen sind wir zu einem französischen Lokal bei uns gegangen. Es ist eher ein Lebensmittel-Laden, wo der Besitzer vorne noch ein Paar Tische hingestellt hat und Kleinigkeiten zum Essen anbietet. Ich hatte eine grobe Pastete mit Cornichons. Echte Cornichons, nicht die, die mit Zucker eingelegt werden, nein, richtig sauer in Essig eingelegte Cornichons! Das tat so gut! Weil…

Ach ja. Ich wollte es nicht. Schließlich habe ich die Pille drei Monate lang genommen und es geschafft, mit gezielter Verschiebung der Einnahme meine Periode so anzupassen, dass der Eisprung in der Woche fällt. Vielleicht habe ich nicht mehr aufgepasst, die Samenzellen können ganz schön lange überleben… Jedenfalls habe ich den Eisprung nach drei Monaten Abwesenheit genau so pünktlich wie erwartet deutlich gespürt und dem Ehemann zu verstehen gegeben, dass wir aufpassen sollten. Haben wir. Es war am Osterwochenende, und trotz hormoneller Planung waren wir also fürs lange Wochenende zusammen. Ich vermute, dass es noch Samenzellen vom vorherigen Wochenende gab. Sonst kann ich nicht erklären, wieso meine Periode bis jetzt ausgeblieben ist, ich trotz fleißigem Kaloriendefizit und Sport plötzlich leicht zunehme, die leichte Übelkeit, die mich seit einigen Tagen begleitet und dieses charakteristisches Ziehen im Unterleib spüre. Et merde. Ich bin immer noch in der Probephase. Das Gute ist, dass man es bis Juli nicht merken wird, und bis jetzt ist mein Chef mit mir sehr zufrieden. Andererseits hat die Erfahrung gezeigt, dass es eh sehr wahrscheinlich nicht halten wird. Mal schauen. Jetzt soll gefälligst der Ehemann endlich zu mir ziehen, auch wenn er erstmals Arbeitslos ist. Ein Anspruch auf Arbeitslosengeld hätte er trotz Kündigung, weil ich für die Arbeit umziehen musste. Ich bin es satt, in schwierigen Situationen alleine klar kommen zu müssen. Wie bei der letzten Fehlgeburt, oder bei dem Tod meiner Katze.

So. Heute haben wir Freunde zum Brunch eingeladen und ich hatte viel Spaß daran, für sie in der Küche zu werken. Ich vermisse meine Küche. Es gab Hummus, Avocado-Aufstrich, Bohnen-Salat, Taboulé, Obstsalat… Ich dachte, es wäre zu viel, aber die haben ordentlich rein gehauen. Nach diesem schönen Nachmittag auf dem Balkon sitze ich jetzt wieder im Zug und bin in einer Stunde zu Hause.

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SEV nimmt kein Ende

Oder, um ein altes und gerade sehr passendes Sprichwort zu zitieren: Quand y’en n’a plus, y’en a encore. Ich weiß jetzt nicht, wie es ins Deutsche übersetzt wird, und um die späte Uhrzeit ist es mir egal.

Heute früh, kurz nach sieben Uhr morgens. Das Fenster vom Schlafzimmer ist ganz breit auf. Ich höre, wie die S8 am Bahnhof ankommt. Ich wiederhole: Ich höre die S-Bahn! Wahnsinn! Die Wochen des Leidens sind vorbei! Ich kann endlich wieder von zu Hause aus mit der S-Bahn zur Arbeit fahren, nachdem ich gestern noch die letzte Strecke SEV lieber zu Fuß gemacht habe, weil es sich zeitlich einfach nicht lohnte, für den kurzen Abstand so lange auf den Bus zu warten. Trifft sich gut, weil ich aufgrund des Regens keine Lust hatte, Fahrrad zu fahren.

Ich hatte nicht mehr damit gerechnet, weil, obwohl der Brief der Deutsche Bahn uns ein Ende des Chaos für den 15. April angekündigt hatte, ich letzte Woche auf dem SEV Fahrplan lesen konnte, dass es wohl bis Freitag, 20.4.2018 3 Uhr dauern würde. Was heute Abend geschah, war trotzdem nicht auf dem Plan (ich hab’s noch auf meinem Handy als Foto-Beweis).

Ich war heute mal nicht beim Sport, sondern bei einer Kollegin zum Abendessen und quatschen. Kurz nach 22:00 habe ich mich auf den Weg nach Hause gemacht. Ich hatte gesehen, dass die Verbindung zwanzig Minuten zuvor mit Bus und S-Bahn ganz normal lief, konnte aber wegen meines miesen Vodafone-Empfangs nicht sehen, wie es danach ging. Vermutlich auch mit Bus und S-Bahn.

Als ich im Bus saß, konnte ich die Anfrage auf der App aktualisieren und da stand, Bus bis Pasing und SEV. Ab Pasing schon? Das hatten wir noch nie, seit Beginn der Bauarbeiten. Dort angekommen, bin ich erstmals schnell zum Gleis gelaufen. Dort war die S8 bis Herrsching angekündigt, und es gab sogar eine Durchsage, zusätzlich zur Info-Tafel, um zu informieren, dass sie nicht wie üblich am Gleis 7, sondern am Gleis 8 direkt gegenüber ankommen würde. In zwei Minuten. Super, habe ich gedacht. Die S8 kam, doch auf Gleis 7. Alle Passagiere sind ausgestiegen, und das Licht in der S-Bahn wurde ausgeschaltet. „Bitte nicht einsteigen,“ konnte man hören. Also doch SEV, der zweimal so lange für die Strecke braucht.

Ich bin schnell zur SEV-Haltestelle gelaufen und habe ganz viele Leute dabei überholt. Gut gemacht. Für mich. Den es gab nur einen Reisebus, um die ganze Bahn zu ersetzen. Ich habe einen Sitzplatz ergattern können, ein Paar Sekunden später war der Bus schon so voll, dass Leute dicht im Gang stehen mussten und viele draußen nicht mehr einsteigen konnten. Ob ein anderer Bus kommen würde? Der Fahrer hatte keine Ahnung. Besonders bitter: Die nächste Verbindung mit der S8 sollte erst eine knappe Stunde später sein.

Kurz nach Germering haben wir zwei anderen SEV-Busse gesehen, die in die Gegenrichtung rasten. Der Fahrer hat danach einen Anruf bekommen, vermutlich von Kollegen, die über die „Verstärkung“ geredet haben. Der Fahrer meinte, es wäre jetzt wohl umsonst, da er schon seit über zwanzig Minuten Pasing verlassen hatte. Bis die anderen Busse dort ankommen, ist schon bald die nächste S-Bahn dran, die viel schneller fährt. Warum vereinzelte Züge noch ersetzt werden müssen, wenn andere ganz normal fahren dürfen, ist mir allerdings ein Rätsel.

USB-Stick plötzlich nur noch lesbar

Ich habe seit Anfang des Jahres viele Fotos mit meiner Kamera gemacht. Meistens ging es mir darum, meiner weit entfernten Familie über Facebook meine neue Umgebung zu zeigen. Bevor ich die Fotos hochlade, bearbeite ich sie kurz mit Gimp. Ich habe noch kein Bild aufgenommen, bei dem das Nachschärfen keine Verbesserung gebracht hat.

Gimp kann man auf allen gängigen Betriebssystemen installieren. Seitdem meine Windows-Festplatte den Geist aufgegeben hat, bearbeite ich jedoch alle meine Bilder unter Ubuntu. Ich habe einen MacBook, aber das Bearbeiten von Bildern ist damit ein Graus. Den MacBook habe ich von meiner alten Arbeitsstelle übergangsweise geliehen bekommen, um Nachfragen über Programm#1 zu beantworten, bis ein Nachfolger gefunden wird. Ich hasse ja Mac. Der MacBook kommt jedoch häufig zum Einsatz, weil mein Ubuntu-Rechner nicht WLAN-fähig ist. Ich benutze immer noch mein Handy als Hotspot.

Was ich also mit meinen Fotos mache:

  1. sie aus der Kamera-Karte zum Ubuntu-Rechner kopieren,
  2. sie dort mit GIMP bearbeiten,
  3. sie nach Bearbeitung auf einem USB-Stick kopieren,
  4. sie vom Stick zum MacBook kopieren, und anschließend
  5. sie auf sozialen Medien hochladen.

Nun der Hacken: Plötzlich hat Ubuntu behauptet, ich könnte nichts auf USB-Sticks kopieren, weil alle schreibgeschützt wären. Das stimmt gar nicht, auf dem Mac kann ich alles drauf schreiben, was ich will. Warum es plötzlich alle meine USB-Sticks betrifft, weiß ich nicht. Vielleicht mag es Ubuntu nicht, wenn die Sticks auf so vielen Betriebssystemen benutzt werden. Mac hinterlässt auf Sticks jede Menge Müll in Form versteckter Dateien. Formattieren konnte das Problem nicht beheben: Weil die Sticks angeblich schreibgeschützt sind, kann Ubuntu sie nicht formattieren. Auf dem MacBook formattieren habe ich nicht probiert. Ich habe zuerst nach einer nicht so radikalen Lösung gesucht. Die habe ich hier gefunden.

Mit dem befehl lsblk kann man sich im Terminal alle verbundenen Laufwerke anzeigen lassen. Das Ergebnis sah bei mir so aus (der Nutzername wurde durch user ersetzt):

NAME MAJ:MIN RM SIZE RO TYPE MOUNTPOINT
sda 8:0 0 931,5G 0 disk
├─sda1 8:1 0 100M 0 part
├─sda2 8:2 0 292,9G 0 part
├─sda3 8:3 0 345,6G 0 part
├─sda4 8:4 0 1K 0 part
└─sda5 8:5 0 97,7G 0 part
sdb 8:16 0 1,8T 0 disk
├─sdb1 8:17 0 15,9G 0 part
│ └─cryptswap1 252:0 0 15,9G 0 crypt [SWAP]
├─sdb2 8:18 0 1K 0 part
├─sdb5 8:21 0 77,7G 0 part /
└─sdb6 8:22 0 1,7T 0 part /home
sdc 8:32 1 3,8G 0 disk
└─sdc1 8:33 1 3,8G 0 part /media/user/kamera_karte
sdd 8:48 1 57,7G 0 disk
└─sdd1 8:49 1 57,7G 0 part /media/user/usb_stick
sr0 11:0 1 649,5M 0 rom /media/user/LARIAN_DIV3
sr1 11:1 1 1024M 0 rom

wodurch ich erfahren habe, dass mein Stick, mit dem Pfad /media/user/usb_stick, den internen Namen sdd1 trägt. Das kann sich immer ändern, daher ist dieser erster Schritt wichtig.

Als zweiter Schritt hebt man mit dem Befehl sudo hdparm -r0 /dev/sdd1 den Schreibschutz auf. Was dieser Befehl raus spuckt:

/dev/sdd1:
setting readonly to 0 (off)
readonly = 0 (off)

Es scheint also ohne Problem zu klappen, aber das Kopieren von Dateien lief bei mir in Nautilus mit der Maus immer noch nicht.

Es könnte sein, dass einige Sektoren auf dem Stick beschädigt sind. Das prüft man mit dem Befehl sudo fsck /dev/sdd1 und repariert es wenn nötig mit dem interaktiven Output:

fsck from util-linux 2.27.1
fsck.fat 3.0.28 (2015-05-16)
0x41: Dirty bit is set. Fs was not properly unmounted and some data may be corrupt.
1) Remove dirty bit
2) No action
? 1
There are differences between boot sector and its backup.
This is mostly harmless. Differences: (offset:original/backup)
3:53/4d, 4:59/53, 5:53/57, 6:4c/49, 7:49/4e, 8:4e/34, 9:55/2e, 10:58/31
, 91:fc/33, 92:31/c9, 93:c9/8e, 94:8e/d1, 95:d1/bc, 96:bc/f8, 97:76/7b

[Geschnitten weil es sonst zu lang wird]

, 501:00/4f, 502:00/4f, 503:00/54, 504:fe/20, 505:02/53, 506:b2/59
, 507:3e/53, 508:18/00, 509:37/00
1) Copy original to backup
2) Copy backup to original
3) No action
? 3
/System Volume Information
Has a large number of bad entries. (85/93)
Drop directory ? (y/n) y
Reclaimed 2 unused clusters (65536 bytes).
Free cluster summary wrong (1810971 vs. really 1810973)
1) Correct
2) Don't correct
? 1
Perform changes ? (y/n) y
/dev/sdd1: 998 files, 78197/1889170 clusters

Es waren also ganz schön viele Fehler, die ich entfernt habe. Das Kopieren von Dateien auf dem Stick klappte danach im Nautilus immer noch nicht und erfolgte nur durch den Terminal:

cp -r ~/Pictures/20180408 /media/user/usb_stick/

zum Beispiel, wo ich das ganze Verzeichnis 20180408 mit vielen Bildern drin rekursiv auf dem Stick kopiere.

Damit ist das Problem leider nicht für immer gelöst, weil Ubuntu bei der nächsten Benutzung vom Stick wieder behauptet, der Schreibschutz wäre aktiv. Vermutlich ist es ein Zeichen, dass die Sticks alt werden und irgendwann gar nicht mehr zu benutzen sind.

Es wird langsam

Nachdem wir am Sonntag die Strecke zur Arbeit ausprobiert haben, bin ich sie gleich am Montag mit dem Fahrrad alleine gefahren. Bevor ich die Details vergesse. Einfach war es nicht, ich habe mich zweimal verfahren, einmal im ersten Stück Wald und danach, um zum zweiten Stück Wald zu kommen. Die Kreuzungen waren nicht in der richtigen Reihenfolge in meinem Kopf. Ich habe anderthalb Stunden gebraucht, und das nur, weil ein freundlicher Fahrradfahrer mir entgegen gekommen ist, als ich rätselnd auf dem Handy schaute (mein Navi kennt keine Waldwege) und fragte, wo ich hin wollte. Sonst hätte ich länger gebraucht. Das angenehmere Stück ohne Radweg auf der engen Straße, das wir bei der Rückkehr benutzt hatten, war im Berufverkehr mehr befahren, aber es war noch in Ordnung. Die Sichtweite ist dort sehr gut, da kann man mich nicht im letzten Moment sehen, es gibt also kein Grund, so dicht an mich vorbei zu fahren, es sei denn, man trägt Arschloch-Gene in sich. Das gibt’s. Meistens zeigen die Autofahrer doch Rücksicht. Auf der Rückfahrt habe ich am Montag schon nur noch eine Stunde zwanzig Minuten gebraucht. Ich habe eine Kreuzung verpasst, und im letzten Stück Wald sind mir zu meiner Überraschung zwei Autos hinter einander entgegen gekommen. Ich dachte, dort würden keine motorisierte Fahrzeuge durchfahren. Ich musste am Rand vom Weg mit dem Fahrrad stehen bleiben, um nicht überfahren zu werden. Gebremst hat das erste Auto nicht, und ich war über die Staubwolke danach nicht erfreut, auch wenn der Fahrer vom zweiten Auto sich bedankt hat.

Gestern hatte ich geplant, nach Feierabend zum Fitnessstudio zu gehen. Mit der Sporttasche wollte ich nicht Fahrrad fahren, und auch nicht, weil ich sonst nachtsüber nach Hause durch den Wald hätte fahren müssen. Ich bin also, wie ich es seit fast drei Wochen gewöhnt bin, zur Bushaltestelle gegangen, um den SEV bis Germering zu nehmen, und weiter mit einem anderen Bus zur Arbeit zu fahren. Zu meiner Überraschung fuhr der Bus nur bis Gilching-Argelsried, weil die S8 jetzt bis dahin kommt. Ich hätte in der App schauen sollen. Zu Fuß wäre ich schneller gewesen. Das hätte mir doch nicht geholfen, weil die S-Bahn sehr lange einfach nicht kam. Keine Durchsage, wie immer, aber diesmal lag es daran, dass die Bauarbeiten am Bahnsteig nicht fertig waren. Die Männer waren am Bahnsteig tatsächlich dabei, auf der anderen Seite der Sperre auf Säulen die Lautsprecher zu befestigen. Man muss sich vorstellen, wie so viele Leute, die theoretisch zwei verschiedenen Zügen genommen hätten, sich auf dem nicht ganz halben Bahnsteig verteilt haben, um vierzig Minuten lang auf eine Bahn zu warten. Weil der nächste Bus inzwischen seine Ladung gebracht hatte. Als der Zug endlich kam, ist er auch nicht sofort weggefahren, nein, ein paar Minuten hat es noch gedauert. Ich habe für eine Strecke, die im Normalbetrieb von zu Hause aus fünf Minuten dauert, eine ganze Stunde wegen MVG-Chaos verschwendet, und habe insgesamt zwei Stunden zur Arbeit gebraucht. Begeistert war ich nicht.

Heute bin ich wieder Fahrrad gefahren, weil ich so sauer auf die MVG war. Siebzig Minuten für den Hinweg, wobei eine Kreuzung noch nicht optimal ist. Ich sollte sie vermeiden. Man kommt nach einer Brücke aufwärts auf die Kreuzung zu, die zu einer viel befahrenen Straße führt, und muss mit dem Fahrrad da mittig stehen und warten, bis eine Lücke entsteht. Tut sie das, kann man aber nicht gut los nach links radeln, weil dann aus einer anderen Richtung Autos kommen. Aussteigen, Fahrrad zur Ampel schieben, auf dem Knopf drücken um grün zu bekommen… Blöd. Es muss einen besseren Weg geben. Auf dem Rückweg nach Hause habe ich nur noch eine Stunde gebraucht. Fast genau so lange wie mit ÖPNV, wenn es normal ohne SEV fährt. Und entspannter, wenn man keinen Idioten begegnet. Wie die Frau heute hinter mir, die nur noch huppen konnte, weil ich auf der Straße fuhr. Einen Radweg gab es gerade nicht, und ich war noch bemüht, rechts dicht am Straßenrand zu fahren, und sie hätte mehrmals die Gelegenheit gehabt, mich bequem zu überholen, statt hinten zu bleiben und zu huppen. Oder der Opa in seinem grauen Cabrio (M RP 17), der mich mit „Fick dich!“ begrüßte, als er mich nach einem ganz engen Tunnel überholte, wo man eh langsam zu fahren hat. Da gab’s auch gerade keinen Radweg, er fängt erst die Kreuzung danach an. Blöd, dass ich alleine war und keine Zeugen für eine Anzeige hatte.

Mit dem Fahrrad zur Arbeit

An einem Sonntag.

Ich arbeite seit drei Monaten in München, und schon bereue ich es, mir ein Jahresabo fürs ÖPNV gekauft zu haben.

Zuerst dachte ich, es wäre nicht schlimm, so weit weg von der Arbeit zu wohnen. Die Wohnung liegt ganz nah an der S-Bahn, und die fährt alle zwanzig Minuten, morgens sogar häufiger, und ich brauche keine Stunde zur Arbeit. Also besser als das, woran ich mich in Berlin gewöhnt hatte. Nicht. Und nicht nur, weil das Abo wesentlich teurer als in Berlin ist.

Wir hatten schon ein ganzes Wochenende lang wegen Bauarbeiten Einschränkungen im Betriebsablauf hinnehmen müssen. Danach fuhr die S-Bahn normal weiter, und ich dachte naiv, das wär’s, mit den Bauarbeiten. Pustekuchen. Seit zwei Wochen fährt die S-Bahn bei uns gar nicht mehr, und das soll noch eine Woche dauern, wie ich aus dem folgenden Brief erfahren durfte:

Stattdessen gibt es Schienenersatzverkehr (SEV). Und es muss sein, weil es gar keine Alternative zur S-Bahn gibt. Wenn ich in der App suche, wie ich ohne S-Bahn von der Arbeit nach Hause komme, kriege ich Ergebnisse, die über fünf Stunden dauern, mit langen Gehwegen.

In der Woche vor Beginn der Bauarbeiten haben es uns die automatischen Durchsagen im Zug und an den Bahnhöfen die ganze Zeit immer wieder erzählt. Schön wär’s gewesen, wenn die Durchsagen an den Bahnhöfen auch nach Wiederbeginn der Bauarbeiten weiter gelaufen wären. Nicht mal Schilder gab es, um die gelegentlichen Reisenden zu informieren.

Am ersten Samstag sind wir mit dem Ehemann über den Gleis zur Bushaltestelle gelaufen, um den SEV zu benutzen. Schnell, weil der Bus in Kürze kommen sollte. Ich habe von weitem mitbekommen, wie eine Frau mit Koffer sich am Automaten eine Fahrkarte gekauft hat, um sich, ganz alleine am Gleis, auf eine Bank hinzusetzen. Als wir vorbei  liefen, habe ich mein Tempo reduziert und ihr gesagt, „Hier fährt keine Bahn, es gibt nur SEV“. Sie ist uns gefolgt, so gut es mit ihrem Koffer ging, was bei uns nicht einfach ist, da überall Treppen sind, aber keine Aufzüge. Den Bus hat sie bekommen, und hoffentlich konnte sie pünktlich zum Hauptbahnhof ankommen, wo sie einen Zug nehmen sollte. Mit SEV dauert die Fahrt länger. Als wir abends auf dem Weg nach Hause erneut auf dem Bahnsteig gingen, haben ein Italiener und sein junger Sohn auf die Bahn gewartet. Hätten wir ihnen nichts gesagt, hätten sie noch lange da gestanden. Keine Durchsage, keine Aushänge, keine Information. Das ist die MVG.

Die Busse selbst… Bei unserer ersten Fahrt kam gerade ein Bus, um einen ganzen Zug zu ersetzen. So sah es zumindest aus. Alle Leute haben sich da rein gequetscht. Natürlich auch die mit Koffer. Kinderwagen? Rollstuhlfahrer? Fehlanzeige. Die können selber gucken, wie die fahren. Während der Fahrt hat uns dann von hinten ein anderer Bus aufgeholt, bei dem auch S8 angezeigt wurde. Der war leer. Weil er so spät nach dem ersten Bus kam, haben alle Leute geglaubt, es gäbe nur den einen Bus, und sie sind alle drin eingestiegen. Der zweite Bus war noch kein gewöhnlicher Stadtbus, sondern ein Reisebus, mit steilen Treppen zum Einsteigen. Kinderwagen? Rollstuhlfahrer? Fehlanzeige.

Letztens hat sich im Bus neben mir ein älterer Herr mit Gehstöcken hingesessen. Es war wieder ein Reisebus, und er hatte große Schwierigkeiten gehabt, überhaupt einzusteigen. Ich war so unzufrieden, jetzt über eine Stunde Fahrt zur Arbeit zu brauchen und in überfüllten Bussen fahren zu müssen, dass ich ernsthaft darüber nachgedacht hatte, den Abo zur nächsten Gelegenheit zu kündigen und mir ein kleines Auto zuzulegen. Den Führerschein habe ich ja, und wir haben sogar zwei Stellplätze in der Tiefgarage, die zur Wohnung gehören. Mein geschwätziger neuer Sitznachbar erzählte mir, früher wäre er Auto gefahren, aber in den letzten Jahren hätte der Verkehr in München derart zugenommen, dass er das Benutzen vom ÖPNV viel angenehmer fände, selbst mit SEV. Doch kein Auto?

Jetzt, wo das Wetter richtig sommerlich wird, könnte ich Fahrrad fahren. Ich bräuchte theoretisch genau so lange wie mit ÖPNV im normalen Betrieb. Der Ehemann ist am Wochenende gekommen, und hat wieder einige Sachen aus Berlin mitgebracht. Darunter sein Fahrrad, wie ich ihn darum gebeten hatte. Wir haben heute die Strecke zur Arbeit getestet.

Ein gutes Gefühl hatte ich im Vorraus nicht. Beim Vorbeifahren mit dem Bus war mir schon klar, dass die Radwege hier, wenn es welche gibt, nicht zum Wohl der Radfahrer gebaut wurden, sondern nur, um sie von der Straße fern zu halten, wo sie die Autos stören. Ganz anders als in Berlin. Die „Radwege“ sind manchmal sogar für Mofas freigegeben, wie ich vor zwei Wochen auf einem Schild lesen konnte. Teilweise wird man als Fahrradfahrer auf renovierungsbedürftige Bürgersteige gelotst, und man ist besser dran, einfach auf der Straße zu fahren. Wenn sich nicht irgendwelche idiotische Autofahrer so rücksichtlos verhalten würden.

Wie heute, als der Ehemann, der vorne fuhr, um mit seinem Navi den Weg zu zeigen, nach links abbiegen wollte. Es war eine ganz enge Straße ohne Radweg oder Bürgersteig, die gerade nach rechts bog. Auf 60 km/h begrenzt. Links gab es keine Straße für Autos, nur einen Radweg durch den Wald. Der Ehemann hatte schon den Arm nach links gestreckt, um zu zeigen, dass er abbiegen wollte. Von hinten kam plötzlich ein Auto, und glaubt ihr, der Fahrer hätte ihn abbiegen lassen? Nein, nicht einmal gebremst hat er, sondern ihn von links überholt. Ich habe nur in höllischer Angst zugucken können, und bin heilfroh, dass der Ehemann im letzten Moment doch nicht abgebogen ist, weil die Tour sonst im besten Fall im Krankenhaus beendet worden wäre. Es ging so schnell, dass ich mir außer STA das Kennzeichen nicht merken konnte, sonst hätte ich darauf bestanden, bei der Polizei eine Anzeige zu machen.

Damit wurde klar, den Weg will ich nicht zur Arbeit fahren. Für die Rückfahrt haben wir eine andere Strecke gewählt, die in der Praxis ein bisschen besser aussieht, obwohl sie auch über eine enge Straße ohne Radweg läuft. Wenigstens ist die Straße gerade, wenn man vom Wald ankommt. Ich weiß aber nicht, wie es im Berufsverkehr aussieht.

Osterkranz mit Schokolade

Meine Oma hatte uns für Ostern immer eine Art Kranzgebäck aus sandigem Teig gemacht, leicht salzig. Halb im Teig versunken gab es echte hart gekochte Eier mit Schale. Wie das Gebäck hieß, weiß ich nicht. Meine Eltern auch nicht. Es sah ein bisschen wie dieser geflochtene Osterkranz aus, außer, dass es kein Hefeteig war. Vielleicht war es eine Art Neapolitanisches Osterbrot, was gut möglich wäre, da sie mit meinem Opa Italienisch geredet hatte. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass es nach Parmesan schmeckte, oder dass Wurst enthalten war. Ich hoffe, ich finde es irgendwann heraus, und dann backe ich es nach.

Für diesen Osterkranz habe ich gegoogelt. Mein Rezept ist leicht abgewandt, da keine frische Hefe zu Hause vorhanden war. Schokoladenpaste hatte ich auch zu wenig, deshalb kommt Kirschkonfitüre drin. Die Schoko-Eier und Mandelblätter habe ich mir ausgedacht. Das Ergebnis hat uns angenehm überrascht. Der Kuchen ist schön fluffig und hält sich bis drei Tage (länger wirkt er nicht mehr so frisch). Die Portionen, die aus der Deko suggeriert werden, sind viel zu groß. Mit dem Rezept kann man locker zwanzig Portionen machen.

 

Die Zutaten

  • 500 g Weizenmehl
  • 75 g Zucker
  • 1 Päckchen Hefe
  • 1 Päckchen Backpulver
  • 1/2 Teelöffel Salz
  • 320 mL Milch
  • 1 Ei
  • 75 g Butter (ich habe Salzbutter benutzt), in kleinen Stücken bei Raumtemperatur
  • Dunkle Schokoladenpaste mit Chili
  • Kirschkonfitüre
  • 1 Eigelb
  • Mandelblätter
  • Kleine Schoko-Eier

Die Zubereitung

  • In einer großen Schüssel, Hefe, Backpulver, Zucker, Milch und Salz zusammen rühren.
  • Ein ganzes Ei, das Mehl und die Butter hinzufügen und zu einem glatten Teig verarbeiten.
  • Den Teig bedeckt eine Stunde ruhen lassen.
  • Backofen bei 180 °C vorheizen.
  • Arbeitsfläche bemehlen und den Teig drauf mit einem Nudelholz flach und rechteckig ausrollen. Die Länge soll etwa doppelt so groß wie die Breite sein.
  • Die Schokoladenpaste und die Kirschkonfitüre alternierend mit einem Pinsel auf dem Teig verteilen. Die einzelnen Striche sollen entlang der ganzen Länge laufen. Bei der Konfitüre sollte man sparsam sein, da sie sich danach beim zusammenrollen weg drücken lässt.
  • Den Teig nun vorsichtig senkrecht zur Breite zusammen rollen (siehe Video-Anleitung im ursprünglichen Rezept).
  • Beide Ende der Rolle weg schneiden, da sich drin weniger Füllung befindet.
  • Ein Backblech mit Backpapier bedecken und die Rolle drauf zu einem Kranz biegen.
  • Mit einem scharfen Messer, tiefe Einschnitte radial im Kranz machen.
  • Den Kranz mit dem Eigelb pinseln.
  • Mit Schoko-Eiern und Mandelblättern dekorieren und 20 Minuten backen lassen (bei den 30 Minuten aus der Anleitung wäre mein Kranz gebrannt, was vielleicht daran liegt, dass ich vergessen hatte, den Ofen vom Schnell-Aufheizen-Modus zum Umluft-Modus umzustellen).

Nährwertangaben

pro Portion fürs Rezept
Energie (kcal) 175 3500
Eiweiß (g) 4,1 81,6
Kohlenhydrate (g) 25,6 512,6
davon Zucker (g) 5,4 108,5
Fett (g) 6 119,6
Ballaststoffe (g) 0,7 14,4

Radtour zum Weßlinger See

Der Ehemann musste ungewöhnlich früh zum Flughafen. Er war schon seit Donnerstag hier, weil er am Freitag ein Vorstellungsgespräch hatte. Das Gespräch ist zwar gut gelaufen, aber die Firma hat ihn nicht wirklich überzeugt.

Ich hatte den Wecker auf meinem Handy für sieben gestellt, was für einen Sonntag recht hart ist. Wir sind schon nicht früh eingeschlafen. Und wir haben völlig vergessen, dass die Sommerzeit am Wochenende anfängt. Dementsprechend noch weniger geschlafen, obwohl es mir beim Aufwachen nicht aufgefallen ist. Gut, dass mein Handy die Uhrzeit automatisch anpasst. Als der Ehemann auf Boarding wartete, schrieb er mir, „Kann es sein, dass wir heute Nacht zur Sommerzeit gewechselt sind?“ Ich: „Nee, ich hätte es schon vorher mitbekommen“. Tja.

Das Wetter sah morgens fantastisch aus. Endlich ist der Schnee übers Wochenende weg geschmolzen, oder fast. Auf dem Weg zum Bäcker war es mir doch kalt. Ich habe beschlossen, erst am Nachmittag Fahrrad zu fahren. Die erste Radtour des Jahres. Ich bin nicht weit gefahren, weil ich nicht sicher war, ob mit dem Fahrrad alles in Ordnung ist. Das vordere Rad wirkte beim Fahren ziemlich platt. Ich habe es nicht geschafft, die Kappen vom Ventil aufzumachen, um die Reifen aufzupumpen. Der Ehemann muss sich bei seinem nächsten Besuch darum kümmern. Vermutlich ist er es selber gewesen, der die Kappen so fest zu gedreht hat.

Nach einer halben Stunde bin ich am Weßlinger See angekommen. Es waren schon viele Leute unterwegs. Ich habe das Rad geschoben und bin zu Fuß um den See gelaufen. Der Weg war teilweise eng und matschig, aber es war schön. Ich bin meinem ersten Zitronenfalter des Jahres begegnet. Eine kleine Imbiss-Bude gibt es, direkt am Wasser. Es wäre übertrieben, von einem Biergarten zu sprechen. Das war der meist besuchte Ort am See. Alle Tische waren überfüllt. Sonst war der Spaziergang ruhig. Der Weßlinger See ist ganz klein und ökologisch bedroht. Viele Plakate hängen, um zu erklären, dass man zum Beispiel die Enten und Schwäne nicht füttern darf. Baden kann man nur an bestimmten Stellen. Es gibt in der Gegend sowieso größere Seen, den kleinen hier könnte man komplett in Ruhe lassen. Nach einer Stunde war ich zurück zu meinem Ausgangspunkt gekommen, und ich bin nach Hause geradelt.

 

UFO-Bruchlandung

Ich war in London unterwegs. Zu Fuß. Das Wetter war toll: Sonne und blauer Himmel. Ich ging an einem großen Garten vorbei. Am Himmel war was zu sehen. Ich dachte zuerst, ein Flugzeug würde ungewöhnlich ganz nah über die Stadt fliegen. Kein Flugzeug war das, sondern ein Schiff. Ein Riesending. Es sah zuerst aus, als ob es ganz tief über den Garten und mich fliegen würde, aber plötzlich kippte es und fiel runter. Ich habe mich zum Boden geworfen, mit der kleiner Hecke vom Garten als einziger Schutz. Blöd. Ich hätte zurück laufen und mich hinter dem großen Gebäude stellen müssen, habe ich dann gedacht, als die riesige Staubwolken mit der Schockwelle zu mir kamen.

Nach der Bruchlandung bin ich ohne Kratzer aufgestanden und habe mich um mich geschaut. Totale Zerstörung. Viele Gebäude standen nicht mehr oder waren extrem beschädigt. Einige Wolkenkratzer standen doch, und das Schiff, das mit der Nase im Boden stecke, war fast genau so hoch wie sie. Ob jetzt Außerirdische heraus strömen würden? Nichts derart geschah. Es war einfach still. Ich bin weiter gegangen.

Wo war denn der Ehemann? Wir waren noch vor meinem Spaziergang zusammen, und ich hatte ihn gehetzt, damit er zum Flughafen geht, weil er sonst seinen Flug zurück nach Berlin verpassen würde. Seitdem hatte ich nichts von ihm gehört. Nachrichten geschickt, keine Antwort.

Wie auch immer, bin ich in die Wohnung von einem älteren Paar gekommen. Die Leute kannte ich nicht, aber ihr Haus stand noch. Sie wohnten ganz oben im vierten Stock. Was war los gewesen, fragte die Frau. Ein Erdbeben? Sie hätten sich gerade das Haus gekauft, ihr Pech, wenn es gleich zerstört wird. Nein, kein Erdbeben, ein UFO hatte einen Unfall, habe ich ihr erklärt. Sie glaubte es mir nicht. Ich sagte, wir könnten ihre Straße runter gehen, von dort würde man noch das Schiff sehen können. Während sie sich fertig machte, um raus zu gehen, kritzelte ich ins Telefonbuch. Als wir raus wollten, musste ich feststellen, dass ich doch nichts anzuziehen hatte. Wo war meine Sporttasche? Durch die Aufregung hatte ich sie verloren. Ich trug nur mein langes weißes T-Shirt zum schlafen, mehr nicht, und mein Po würde man sehen. Egal, es waren außergewöhnliche Umstände. Wir sind die Straße runter gegangen, aber vom Schiff war nur noch ein bisschen zu sehen.

So plötzlich kann die Welt kippen

Heute Morgen dachte ich, der Tag fängt schon scheiße an. Meine S-Bahn, die nur alle zwanzig Minuten kommt, ist heute zu früh abgefahren. Ganze zwei Minuten zu früh! Ich war um 07:59 noch nicht zum Treppenuntergang angekommen, und konnte meinen Ohren nicht glauben, als ich sie ankommen hörte. Ich war noch nicht die Treppe zum gegenüberliegenden Bahnsteig herunter gelaufen, schon fuhr sie wieder weg, obwohl sie laut Plan erst um 08:01 fahren soll. Angepisst war ich, und ich durfte zweiundzwanzig Minuten auf die nächte Bahn im Schatten warten. Die einzige Stelle in der Sonne hatte schon ein Typ mit seiner eklig stinkende Kippe für sich beansprucht.

Es kam unerwartet schlimmer, und auf einmal erscheinen Probleme mit dem ÖPNV völlig nebensächlich. Ich hätte früher Feierabend machen können, aber eine Schwierigkeit ließ mich länger am Rechner sitzen. Mit ihrer üblichen frechen Art hatte mich schon Ute gefragt, wie lange ich denn heute im Büro bleiben würde. „So lange, bis ich fertig bin“, war meine Antwort. Beim Programmieren kann man nicht einfach so bei einem ungelösten Problem fürs Wochenende aufbrechen.  Das Problem habe ich nicht vollständig gelöst, als ich doch gehen musste. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren.

Meine Freundin Mei aus Aachen hat mich angerufen. Ich hatte gerade das Zimmer verlassen, als sie sagte, „Karl ist tot“. Karl, ihr Mann. Das war wie ein Schlag. Karl, der nur ein paar Tage zuvor noch auf Facebook stolz seine neue „Frühjahr-Frisur“ zur Schau stellte. Karl, der immer so lustig drauf war. Man stirbt doch nicht einfach so! Woran er gestorben ist, was passiert ist, konnte mir Mei nicht mehr sagen. Dafür haben ihre Kräfte nicht gereicht. Er ist gestern in der Wohnung gefunden worden, sagte sie. Mit Mitte vierzig? Wie passiert denn sowas?

Mei arbeitet weit vom gemeinsamen Zuhause und hat ihre eigene Wohnung für die Woche. Jedes Wochenende ist sie nach Hause gependelt. Ich kann mir gut vorstellen, was in ihrem Kopf durch geht. Ob es hätte verhindert werden können, wenn sie eine Stelle näher von zu Hause gefunden hätte? Und welche Schuldgefühle muss sie haben, nachdem sie mir schon gesagt hatte, sie wünschte sich manchmal, sie würde sich von ihm trennen? Trotzdem sitzt der Schmerz tief, das war nicht zu überhören. Ich wünsche, ich könnte bei ihr sein. Urlaub darf ich erstmal nicht nehmen, aber vielleicht kann ich an einem Wochenende zu ihr fahren, statt nach Berlin. Wenigstens hat sie die Schwiegerfamilie, die sich um sie kümmert. Ich wünsche ihr ganz viel Kraft.