Murnauer Moos und Staffelsee

Einen schöneren goldenen Herbsttag hätten wir uns nicht aussuchen können. Am Sonntag gehen wir früh morgens aus dem Hotel raus und kaufen belegte Semmeln für den Tag ein. Der Ehemann will mit dem Auto[1] zum Münter-Haus fahren, um dort zu parken und abends nicht zurück in die Stadt laufen zu müssen, aber es sind nur zehn Minuten Fußweg dahin, ich finde es besser, das Auto auf dem eh kostenlosen Parkplatz zu lassen. Recht habe ich. Um das Münter-Haus gibt es kaum Parkmöglichkeiten.

Wir hatten zusammen zuletzt das Murnau Moos im Frühling vor dreieinhalb Jahren besucht, was mir viel zu wenig vorkommt, so zauberhaft die Landschaft ist. Kein Wunder, dass so viele Maler hier Inspiration gefunden haben. Im Herbst wirkt die Kottmüller-Allee ganz anders und am frühen Morgen mit dem Rest Nebel ist die Aussicht zu den Alpen wunderschön. Wir laufen, wie beim letzten Mal, am Ähndl vorbei und biegen rechts die Ramsach entlang ab.

Nach zwei Kilometern verlassen wir den Weg rechts zum Panoramaweg, anstatt wie beim letzten Mal weiter die Ramsach entlang zu laufen. Ich werde von der Landschaft nicht satt. Ich beneide die Rinder, die es sich hier gut gehen lassen. Na ja, nicht ganz. Schlachten würde ich mich nicht lassen wollen.

Wir erreichen den Bahnhof Seeleiten-Berggeist, laufen über die Schienen, überqueren die Staatsstraße und gehen durch ein Stück Wald bis zum Staffelsee. Dort war ich zuletzt vor drei Jahren mit der Arbeitskollegen geradelt. Eine Joggerin ist vor uns unterwegs, wir treffen sie mehrmals.

Der Weg am Seeufer ist im Schatten, mir wird kalt. Trotzdem teste ich die Wassertemperatur. Die Badesaison ist wirklich vorbei. Am Ende vom Uferweg kommen wir zu einem Biergarten und setzen uns auf Liegestühle. Ein Schiff legt an und lädt Passagiere aus. Enten kommen in regelmäßigen Abständen zwischen den Tischen, drei Paare, Männchen und Weibchen getrennt aber zielstrebig, sie wirken wie eine organisierte Bettlerbande. Wir setzen unseren Weg fort und machen nochmal Pause an einem Aussichtspunkt auf einem Hügel, wo wir unsere Semmeln essen.

Nach der Rast besuchen wir das Münter-Haus und laufen dann zurück in die Stadt. Vor einer Eisdiele am Untermarkt stehen Leute Schlange, und wir stellen uns auch an. Eine Berliner Gewohnheit, habe ich mir sagen lassen. Es lohnt sich, das Eis ist vorzüglich.

Der Spaziergang war elf Kilometer lang, ich habe es kaum gemerkt, obwohl wir zwischendurch noch viel gestanden haben. Meine Wangen werden doch rot und warm, als wir im Auto auf dem Rückweg sind.

[1] Ich hatte ursprünglich in Erwägung gezogen, mit der Bahn nach Murnau zu fahren. Dafür hätten wir mit der S8 nach Pasing fahren müssen, um dort in die Regionalbahn umzusteigen. Am Wochenende gab es aber mal wieder Änderungen im Betriebsablauf, der Ehemann war am Freitagabend schon genervt von der Arbeit nach Hause gekommen, weil er in Pasing umsteigen wollte und wie immer erst im allerersten Moment angekündigt wurde, dass die S8 ab einem abweichenden Gleis abfährt, das nicht mehr rechtzeitig zu erreichen war. Ergebnis, zwanzig Minuten auf die nächste S8 warten. Eigentlich der Grund, warum ich lieber in Westkreuz umsteige, dort ist nur ein Bahnsteig.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Spaziergang in Haigerloch

Unser erster Urlaubstag[1]. Wir fahren den langen Weg nach Südfrankreich. Die erste Etappe erreichen wir am Freitagabend nach fast vier Stunden Autofahrt über vorwiegend Landstrassen, nachdem wir auf halber Strecke auf dem Wanderparkplatz in Seekirch Pause machen. Der Ehemann parkt unwissentlich unter zwei Pflaumenbäumen, die noch voll mit Früchten beladen sind. Es wundert mich, dass so viele noch hängen. Sie schmecken leicht säuerlich aber gut, einige sind am Boden gefallen.

Wir verbringen die Nacht im Schloss[2], nach einem leckeren Abendessen im Restaurant. Ein Rezept aus dem Septembermenü werde ich auf jeden Fall versuchen nachzukochen: Crème brûlée mit Ziegenkäse, die als Vorspeise serviert wurde. Ein Gaumenschmaus. Ich habe seitdem viel darüber gelesen und in meinem Familienkreis nachgefragt, scheinbar kann es sehr schnell mit der Dosierung daneben gehen. Die, die ich gegessen habe, war unter der Zuckerhaube leicht karamellisiert, der Ziegenkäse war dezent und hatte nicht dominiert. Mit dem Carpaccio von der Ringelbeete in Vinaigrette, mit dem sie serviert wurde, hatte sie leider nicht wirklich harmoniert.

Am nächsten Morgen machen wir einen Rundspaziergang, bevor wir weiter in Richtung Frankreich fahren. Vom Schloss aus hat man eine wunderbare Aussicht auf die Stadt und ihre Umgebung. In der Eyach sitzt eine Ente ganz ruhig, die Anderen bleiben auf der Betonfläche, vermutlich sind sie noch nicht ganz wach. Die perfekte halbe Kreiswelle, die von der Ente im Wasser ausgeht, kann ich nicht unfotografiert lassen.

Wir laufen durch den Tor den Gehweg an der Schlosskirche vorbei zur Stadt herunter. Es gäbe einiges zu besuchen, zum Beispiel das Atomkellermuseum[2], oder die ehemalige Synagoge, da es bis zum zweiten Weltkrieg eine große jüdische Gemeinschaft in dem Ort gab. Für alles bleibt uns vor der Weiterfahrt zu wenig Zeit und die verbringen wir lieber mit einem Spaziergang beim noch schönen Wetter. So entdecken wir den Brunnen mit der Statue von Sankt Nepomuk. Den Namen kenne ich doch. Unweit davon sehen wir eine Kopie von einer alten Glasmosaik, die an das Gefecht erinnert, bei dem der Graf Albrecht II. von Hohenberg das Leben verlor. Nach der Brücke laufen wir eine kleine Straße (Steigle) hoch, wieder runter, durch die Eyachgasse und einen kleinen Radweg lang, an der Schlossmühle worbei, bis wir nach einer zweiten Brücke links ein Stück Wald mit einem steilen Weg erreichen, wo sich Mücken über unsere Anwesenheit freuen. Ich habe zum Glück Schutz in Form von einem Zitronengras-Spray für die Haut dabei.

Im Wald laufen wir nicht lange, und schon kommen wir zum Kapffelsen an, den wir vom Schloss aus links von Haigerloch gesehen hatten. Drauf wurde ein großes Kreuz am 10. September 2009 von der freiwilligen Feuerwehr errichtet. Von dort aus hat man eine schöne Aussicht auf die Stadt. Nach einer unglaublich kurzen Strecke erreichen wir wieder das Schloss von der anderen Seite.

Der Himmel ist inzwischen bedeckt. Wir fahren los.

[1] Nach der Rückkehr aus dem Urlaub geschrieben, zum Tag des Geschehens zurück datiert.

[2] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Wanderung im Rofan

Der Beitrag, den ich vor zwei Wochen geschrieben haben wollte, hätte der Router nicht versagt.

Wir haben das Wochenende am Achensee in Österreich verbracht. Es waren gerade zwei Stunden mit dem Auto von zu Hause entfernt. Wir hatten uns spontan dazu entschieden, weil das Wetter endlich schön aussah.

Der Ehemann hatte ein Hotelzimmer reserviert. Vieles war ausgebucht, die Auswahl war nicht groß gewesen. Als wir am Freitagabend angekommen sind, hat der Ehemann geparkt und ich bin ihm zum Hotel gefolgt. Wo wir erfahren haben, dass wir dort gar kein Zimmer reserviert hatten. Nach einer kurzen Ratlosigkeit wurde klar, wir waren am falschen Hotel, unser lag zweihundert Meter weiter. Warum kommt mir diese Situation so bekannt vor?

Unser Hotel wirkte von weitem nicht so einladend wie das Erste aus. Von draußen schallte Schlagermusik, ich hätte gleich die Flucht ergriffen, hätten wir dort nicht gebucht. Der Mann am Empfang, der im Rollstuhl ankam, erklärte uns, wir bräuchten hier keine Maske tragen, der Spuck wäre vorbei. Ja, genau so ernst wurde es damals in Ischgl gehandhabt. Manche Leute sind unbelehrbar. So ein Pech, ich wäre viel lieber im ersten Hotel gelandet, wo am Eingang ein Desinfektionsmittelspender nicht zu übersehen mitten im Weg stand. Wenigstens war das Zimmer schön und man hörte drin nichts von der Musik.

Das Restaurant vom Hotel sah nicht gemütlich aus, die Küche würde eh gleich schließen, haben wir erzählt bekommen, und wir sind zum ersten Hotel[1] zurück gegangen, das viel gehobener ausgesehen hatte. Das Essen war auch fantastisch und unglaublich preiswert. Wir haben gleich für den nächsten Abend einen Tisch reserviert. Besser als der „Nostalgie-Abend“, den uns der Hotelbesitzer beim Einchecken für den nächsten Tag angepriesen hatte.

Am Samstagmorgen sind wir, nach einer Stärkung im überfüllten Frühstücksraum, zur Seilbahn gegangen und hoch gefahren. Es war recht früh aber viele Leute waren unterwegs. Eine andere Seilbahn ging vom Gschöllkopf bis zur Seilbahnstation, wo Leute recht schnell herunter geflogen wurden. Das sah sehr spaßig aus, ich weiß nur nicht, ob es mit meiner Höhenangst wirklich eine gute Idee gewesen wäre.

Der Anfang der Wanderung ist traumhaft schön und einfach, für die Bergbegeisterte die ich nicht bin. Ich mache ja nur für den Ehemann mit. Bergauf geht’s auch einfacher als bergab. Nach einer Weile erreichen wir ein Schild, auf dem steht, man sollte auf Steinfälle achten. Was der Ehemann mir verschwiegen hatte: Der Wanderweg geht ab hier von grün (einfach) zu rot (mittelschwer). Der Weg wird schmal und links geht’s teilweise steil bergab. Mir wird unwohl, ich komme doch ohne Panikattacke bis zur Raststelle neben dem Kletterweg.

Wir hatten schon in früheren Wanderungen schlimmere Situationen erlebt, wie zum Beispiel einmal im Massif de l’Esterel, wo der Weg einfach eine Lücke hatte, links steil runter, rechts steil hoch, und man einen riesigen Schritt ins Leere machen musste, um voran zu kommen. Ich war über zehn Minuten da blockiert geblieben. So schlimm war es an dem Samstag also nicht. Trotzdem gab es Stellen, wo ich mich gefragt hatte, was mache ich denn hier und warum tue ich mir das an. Nach der Rast sind wir den Weg weiter hoch gegangen und ab einer Stelle ging’s plötzlich sehr steil hoch, ohne die Möglichkeit sich fest zu halten, und es sah mehr wie klettern als wandern aus (nicht fotografiert, der Kletterweg unten rechts war bei der Rast). Ich habe gesagt, ab hier mache ich nicht mehr mit und wir sind zurück gegangen. Das war die Stelle, ab wo der Wanderweg schwarz eingestuft wird, verriet mir später der Ehemann.

Der Rückweg zur Hütte, der mir am Anfang so einfach vorkam, wirkte zum Schluß doch nicht ohne. Weil wir bergab gingen und die Perspektive dadurch ganz anders wirkt. Ich habe mich teilweise gefragt, ob es wirklich der selbe Weg war, aber es gab nur den einen Weg. Außerdem haben meine Füße recht weh getan, vor allem die Zehe, weil sie bergab gegen die Schuhspitze gestossen sind. Meine Wanderschuhe sind einfach nicht für die Berge gedacht. Ich brauche welche, die bis zum Knöchel hoch gehen und verhindern, dass der Fuß im Schuh rutscht. Mein kleiner rechter Zeh wurde in den Tagen danach wieder dunkelviolett, sowie der linke große Zeh. Beim letzten Mal war der Nagel doch nicht abgefallen, und es sieht jetzt auch nicht danach aus.

Ich hatte bis zum Warnungschild großen Spaß, unterwegs die vielen Blumen zu fotografieren. Der Augentrost ähnelt die Klaffmäulchen auf unserem Balkon sehr. Und die Schmetterlinge! Diese Exemplare hatte ich noch nie gesehen. Es gab unglaublich viele davon. Auf dem Rückweg hat sich ein von den Dunkelroten auf mein nasses T-Shirt gesetzt. Ich hatte Angst, ihn zu zerquetschen, und habe ihm meinen Finger angeboten, damit er von dort weg fliegen kann. Er ist auf dem Finger geklettert aber dort schien er sich wohl zu fühlen, er hat mit seinem Rüssel den Salz von meinem Finger gesaugt. Es hat gekitzelt. Er ist gut fünf Minuten da geblieben, bevor ich ihn davon überzeugen konnte, weiter weg zu fliegen. Ein anderer Schmetterling hat sich auf dem Rucksackträger vom Ehemann gesetzt und bis zur Einkehr in die Hütte transportieren lassen.

Kühe kurz vor der Einkehr.

Am nächsten Tag wollte ich in den Achensee schwimmen gehen. Leider und entgegen der Wettervorhersage sind wir schon um sieben von einem Gewitter geweckt worden. Wir sind früh zum Frühstücksraum gegangen, und es war noch überfüllter als am Tag davor. Keine freie Auswahl, wir wurden plaziert. Ich habe fast mit meiner Nachbarin Ellbogen an Ellbogen gegessen, obwohl wir nicht am selben Tisch saßen. Wir haben deswegen schnell gefrühstückt, schnell das Zimmer geräumt, ausgecheckt mit dem Vorhaben, nie wieder zu diesem Hotel zu kommen, und auf dem Weg nach Hause die Chagall-Austellung[1] besucht.

[1] Unbezahlte Werbung, da Verlinkung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Wanderung um die Schleierfällen

Sonntagsausflug vom letzten Wochenende. Ich habe den Wecker für sieben Uhr gestellt, kurz nach acht sind wir nach Saulgrub gefahren, westlich von Murnau. Knapp über eine Stunde Fahrt mit dem Auto. Mit dem Zug hätten wir zwei Stunden gebraucht, mit zweimal Umsteigen und einer Verbindung pro Stunde. Das hin und zurück, vorausgesetzt, es gibt keine Störung im Betriebsablauf. Zu viel für einen Tag.

Wir halten am Parkplatz Naturfreundehaus. Dort ist ein Biergarten ausgeschildert. Vielleicht eine gute Einkehrmöglichkeit. Wir gehen uns den Biergarten anschauen. Es ist eigentlich ein Camping, und das Häuschen mit der Speisekarte ist geschlossen. Schade, ein Kaffee hätte ich nötig gehabt. Wenigstens kann man die Toilette benutzen.

Wir laufen zurück nach Saulgrub und hoch zum Wetzsteinweg, wo wir dann links zwischen den Feldern laufen. Nicht der direkte Weg nach Achele, aber es ist schön hier lang zu laufen.

Traumhafte Landschaft. In den unteren Feldern, links von der Straße, liegen Kühe. Auf den oberen Feldern wird gerade Heu  geschnitten und zum Trocknen liegen lassen. Viele kleine Käfer fliegen rum. Wir treffen wenige Leute auf dem Weg. Wir haben erst zehn Uhr morgens und ich bereue schon, ohne Hut unterwegs zu sein. Immerhin haben wir diesmal an Sonnenschutz gedacht.

Wir sind froh, die Kühle der Bäume zu erreichen. Der Schatten ist jedoch kurzer Dauer. Als wir in Achele ankommen, ist das Wirtshaus noch geschlossen. Kein Kaffee, also. Im Hof sind Hühner und Ziegen. Wir laufen weiter Richtung Kraftwerk Kammerl[1], mehr oder weniger zusammen mit einem freundlichen älteren Herren, der in die gleiche Richtung spazieren geht. Der Stein auf dem abgesägten Baumstamm hinter dem Wirtshaus fällt mir auf. Irgendwie sieht er wie ein Fischkopf aus, oder wie eine Amphibie aus.

Nach kurzer Zeit überqueren wir die Ammer. Ein kurzer, steiler Weg führt zum Kraftwerk. Ein schöner Weg begleitet den Kanal, aber wir folgen stattdessen dem schmalen Weg, wo es dunkel wird. Er geht kurz bergab zu einer Brücke über den Leitenwiesgraben. Die Brücke wirkt ein wenig alt, der Boden von dem Ammerzufluss hat lustige Streifen senkrecht zur Flussrichtung. Es kann nur von Menschenhand geschaffen worden sein. Nach der Brücke kommt ein enger, steiler Weg hoch. Ich merke, ich bin nicht mehr fit. So schnell wie der Ehemann kann ich nicht laufen. Oben an der Wiese angekommen, zeigt ein Schild die Richtung zu einem Gasthof. Endlich Kaffee? Wir folgen dem Hinweis, links von der Wiese. Es gibt nur einen Weg, wir kommen aber nach einigen Feldern zu einer Sackgasse, der Weg ist gesperrt. Von einem Gasthof keine Spur. Wir kehren um und nutzen den schmalen Weg runter rechts. Ich kriege Hunger.

Der Weg ist schön schattig. Der Boden fühlt sich unten den Schuhen bequem an, leicht federnd. Wir machen Mittagspause an einer Kreuzung. Knäckebrot, Käse, Salamiwürstchen und kleine Tomaten. Tomaten sind an einem warmen Wanderungstag sehr nützlich, stelle ich fest. Sie liefern gleichzeitig Wasser und Energie. Jedenfalls geht es mir besser, wir können weiter gehen. Die Strecke bis zum Ammerufer bleibt sehr angenehm, teilweise laufen wir durch Bächer, oder die Bächer laufen mit auf dem Weg. Am Ufer bekommt man allerdings nichts von der Schleierfällen zu sehen, man kann sie nur hören. Es sei denn, man ist bereit, auf eigenes Risiko den gesperrten Weg dahin zu gehen. Das haben wir von vorne rein ausgeschlossen. Der Ort steht nicht umsonst unter Schutz. Am Ufer durch die Brutplätze vom Flussuferläufer zu trampeln kommt auch nicht in Frage. Unser Weg nach Bad Bayersoien führt kurz ganz nah am Ufer und geht wieder hoch durch die Bäume.

Der Weg nach Bad Bayersoien ist eigentlich am Anfang, kurz bevor man zum Ammerufer runter läuft, mit einem Warnschild versehen: Gute Trittsicherheit erforderlich. Der Ehemann meinte, bestimmt wäre nur die Strecke nach unten zum Ufer gemeint, die recht tückisch war. Nein. Nicht nur Trittsicherheit ist gefragt, auch Kletterkunst. Der Weg wird schnell sehr steil hoch und wird von dicken Baumwurzeln zusammen gehalten. Es wäre schwierig genug, wenn es nicht am Tag davor geregnet hätte. Ich trete in den Schlamm und meine Wanderschuhe finden deswegen keinen Halt auf den Wurzeln. Um über Hindernisse wie dicke Baumstämme zu kommen, muss ich teilweise drauf sitzen, weil ich sonst am Boden rutsche. Warum meinte ich am Morgen, ich könnte meinen Jeans-Rock zum Wandern anziehen? Eine bescheuerte Idee war das. Zum Glück wurden Handläufe am Rande vom Weg angebracht. Das ist gut, weil es teilweise seitlich sehr schräg nach unten geht, links vom Weg. Manchmal sind die Stufen so hoch, dass ich mich mit beiden Armen hoch an Wurzeln heben muss. Es ist schwer. Mir läuft der Schweiß runter. Und dennoch werden wir von einer Frau mit ihrer alt aussehender Mutter, geschätzt über siebzig, überholt. Ich mache keine Fotos, bis wir oben an einem Aussichtspunkt ankommen und uns auf einer Bank erholen können.

Nach der Rast am Aussichtspunkt meint der Ehemann, der geplante Weg würde wieder schwierig werden. Stattdessen schlägt er vor, an Feldern vorbei zur Strasse zu gehen. Genehmigt. Der Weg sieht am Anfang in Ordnung aus, er wird aber enger und so nah am verrosteten Stacheldraht, der die Felder umrandet, ist es mir unheimlich. Als wir die Strasse erreichen, wird es sehr heiß. Ab und zu sprühe ich mir den Inhalt meiner Wasserflache auf dem Gesicht. Das Wasser, das auf meine Lippen landet, schmeckt sehr salzig. Wir laufen durch die Ortschaft Wildsteig und machen nochmal Pause unten den Bäumen neben dem Kühlbach. Der Rest vom Proviant wird aufgebraucht. Der Ehemann füllt seine Wasserflasche im Bach auf. Wir laufen weiter an Wiesen mit Kühen vorbei und treffen wieder auf den Weg, den wir ursprünglich nehmen wollten. Es geht links weiter. Wir kommen an völlig bemoosten Felsen. Dort fließen auch schöne kleine Schleierfälle. An der Soier Mühle sehen wir, wie sich der Kühlbach in die Ammer wirft. Wir überqueren die Ammer auf der Holzbrücke.

Auf der anderen Seite geht es weiter steil hoch, aber es ist nicht mehr so schwierig, technisch gesehen. Ich merke trotzdem, meine Batterien werden langsam leer und bin froh, als wir Flachland erreichen. Nach einer Pause auf der Bank im Schatten laufen wir in der Sonne. Fahrradfahrer sind hier unterwegs. Wir machen Pause an jedem Schattenfleck. Der Ehemann schlägt vor, uns mit dem Wasser vom Bach abzukühlen. Er gießt mir Wasser auf dem Kopf. Es läuft mir den Rücken runter. Eiskalt. Kurz danach werde ich von einer Bremse an rechten Bein gebissen, an der Außenseite vom Knie. Mann ist das schmerzhaft. Die Bremse läßt sich auch nicht beim ersten Versuch entfernen, erst beim zweiten Mal kann ich sie weg schleudern. Sie hinterlässt eine kleine blutige Spur, die ich mit Speichel desinfiziere.

Wir laufen weiter an Almwege entlang und müssen mehrmals durch diese engen Passagen laufen, wie auch immer die heißen. Die Passage unten auf dem Bild geht noch. Andere sind so eng, dass ich den Rücksack drüber werfen und mir die Brust flach drücken muss, um nicht am Stacheldraht fest stecken zu bleiben. Da kommt echt nicht jeder durch. Der Weg wird teilweise wieder sehr steil. Plötzlich kommen wir ohne Vorwarnung in einen traumhaft schönen Fleck Wald. Der Boden ist völlig bemoost, der Weg schön federnd unter den Füßen. Leider nicht lange. Zum Schluß laufen wir auf der Straße, bis zum Parkplatz. Wir halten an jedem Schatten an. Ein übergewichtiges Paar überholt uns bergauf auf Elektrofahrräder und meint noch, uns irgendein Kommentar zu rufen – was, habe ich nicht wirklich verstanden. Das erinnert mich an die Nordsee, als wir zum Leuchturm spazieren gegangen waren. Ich halte nichts von Elektrofahrrädern. Wenn ich Fahrrad fahre, will ich eine Leistung bringen. Meine eigene körperliche Leistung. Sonst ist es kein Sport.

Da der Biergarten am Camping uns am Morgen nicht überzeugt hat, fahren wir zur Wirtshaus Acheleschwaig[1]. Jetzt ist es geöffnet und ich freue mich auf die Gamskraftbrühe. Dazu ein Liter alkoholfreies Bier. Mein Körper braucht dringend seine Vorräte an Salz und Wasser zurück. Wir sind noch am Essen, als ein Gewitter ausbricht. Es regnet aber nicht so viel, und wir sitzen unter dem Regenschirm.

Am Montag kriege ich einen riesigen Muskelkater. Die Beine, der Rücken, die Arme, alles schmerzt. Ich kann mich durch die Wohnung bewegen, der Weg zum Arbeitszimmer auf der Etage ist schwierig. Erst am Mittwoch geht es besser. Dafür fängt der Bremsenbiss an zu jucken, es hat bis gestern gedauert.

Kühe, die wir unterwegs gesehen haben:

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Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Von Karlsfeld nach Dachau

Am Sonntag haben wir unsere Würm-Wanderung fortgesetzt. Wir sind mit der Bahn nach Karlsfeld gefahren und bis zur Mündung der Würm in die Amper gegangen. Somit haben wir in vier Etappen die Würm auf ihren fast vierzig Kilometern von ihrer Quelle aus begleitet, wobei wir insgesamt weitaus mehr als vierzig Kilometer gelaufen sind. Von Starnberg nach Gauting (gut, wir sind andersrum gelaufen, und die ersten Kilometer der Würm aus dem Starnberger See durchs Leutstettener Moos sind für Fußgänger nicht zugänglich), von Gauting nach Pasing, von Pasing nach Karlsfeld und jetzt von Karlsfeld nach Hebertshausen[0].

Der Himmel war bedeckt, als wir um halb elf den Bahnhof Karlsfeld verlassen haben. Kalt war es nicht. Das perfekte Wetter für eine Wanderung. Der Ehemann hatte unsere Route auf Komoot[1] geplant. Nach keinen fünfhundert Metern mussten wir schon wegen einer Brückensperrung nach einem alternativen Weg suchen. Der Umweg über den Parkplatz war nicht lang und ich habe mich über den Buchfinken im Baum gefreut, den ich mit stärkster Vergrößerung fotografiert habe. Diesmal ohne die Halos um die hellen Stellen, die mich bei unserem letzten Spaziergang gestört hatten. Wir sind der Würm gefolgt, und nicht dem Würmkanal. Unterwegs sind wir an eine Kita mit einem süßen Rutschboot vorbei gekommen. Am Eichinger Weiher lud eine Bank für eine kurze Pause ein. Ein Stückchen weiter lagen viele Rehe auf einer eingezäunter grüne Fläche – das Eichinger Wäldchen. Nach der Brücke der Bayernwerkstraße haben wir einen Topf Honig am Automaten von einem Bauernhof gekauft. Auch etwas, das ich erst seitdem ich in Bayern lebe kenne.

Langsam hat die Sonne die Wolken vertrieben. Der Weg war weiterhin absolut flach und ohne Herausforderung, trotzdem fing mein Ischias schon an, sich zu melden. Die intensive Putzaktion am Tag davor mit dem Ehemann war vermutlich schuld, ich war schon mit Ischias-Schmerzen ins Bett gegangen.

Kurz vor dem letzten Foto begegnen wir einer Schwanfamilie, links versteckt vom Weg bei der schlecht riechenden Müllverbrennungsanlage. Sechs Küken, fünf grau, ein weiß. Ich hatte immer geglaubt, kleine Schwäne wären alle grau.

Nachdem wir Dachau erreicht haben, sind wir über die Straße rechts dem Weg gefolgt, anstatt durch die Stadt zu gehen. Es gab einen Schild für einen Gasthof oder Biergarten, so genau habe ich nicht verstanden, der Ehemann wollte dahin. Wir haben die Wirtschaft leider nicht gefunden und sind einem Weg links gefolgt, bis wir wieder an der Würm waren. Dort wurde sie gezähmt und sie sah total gelangweilt aus. Floss sie vorher fröhlich um Kurven rum, schien sie hier sich kaum zu bewegen. Lieblos haben Leute an ihrem Ufer Flaschen Bier liegen laßen. Nicht mal lokales Bier. Nach einer kurzen Strecke an Feldern vorbei sind wir überraschenderweise zu einer Filmkulisse vom Bayrischen Rundfunk gekommen. Andere freundliche Fahrradfahrer sind zeitgleich angekommen und haben sich den gefakten[2] Ortskern durch das Tor angeschaut. Ein Stückchen weiter haben wir bequeme Liegebänke gefunden, und haben dort Mittagspause gemacht. Ich hatte Zucchini-Manouri-Krapfen mit Sauerrahm-Kardamom-Koriander-Dip mitgebracht, die ich am Tag davor aus einem Rezept meines NOPI Kochbuches[1] gemacht hatte.

Der Weg hat uns dann zur Gedenkstätte Dachau geführt. Die Würm läuft durch das ehemalige Konzentrationslager, aber da dieser wegen der Pandemie geschlossen ist, mussten wir einen Umweg finden, um die Wanderung fortzuführen. Allein vor dem Tor vom KZ zu stehen, habe ich Klumpen im Magen und im Hals gespürt. Ich verstehe die Gruppe ausländischer Jugendlicher nicht, die vor uns ständig gelacht und Selfies gemacht haben. Ob die Muslime waren? Selbst wenn, ich verstehe Judenhass nicht. Make hummus, not war.

Nach dem KZ-Gelände sind wir durch das kleine Ort Würmmühl gelaufen. Wir kommen an die Würm nicht mehr ran und laufen bei der Amper, bis wir den Zusammenfluss der Würm und der Amper erreichen. Geschafft. Demnächst fangen wir eine Amper-Wanderung an, weil, warum nicht?

Der Ehemann hatte den Weg nur bis hier geplant. Mein Ischias tat weh und meine Blase war langsam voll. Ich habe vorgeschlagen, bis zur S-Bahn-Station in Hebertshausen zu gehen. Ich hätte mich über einen Biergarten unterwegs gefreut, um mich leichter zu fühlen, aber wir haben keinen gefunden. Hallo? Ich dachte, wir wären in Bayern? Als wir den Bahnhof erreicht haben, hatten wir Zeit, bevor der nächste Zug nach München kam. Wir haben uns kurz die Kapelle St. Maria Walpertshofen angeschaut.

Unterwegs fotografiert:

Am Abend, nachdem wir auf der Couch entspannt hatten, habe ich so starke Muskelkater wie lange nicht mehr bekommen. Ich konnte nicht mehr am Herd für längere Zeit stehen bleiben. Home Office ist schuld. Der Ehemann hat für uns gekocht. Am Montag ging’s mir zum Glück schon viel besser.

[0] Ich merke erst jetzt beim Nachlesen, der Titel vom Beitrag ist ungenau. Wir sind weiter als Dachau gelaufen. Egal, das ändere ich jetzt nicht mehr.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

[2] Vom Duden[1] genehmigt. Schlimm ist das.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Spaziergang an der Maisinger Schlucht

Wir sind heute zur Maisinger Schlucht spazieren gegangen. Ich gehe kaum aus dem Haus und habe das schöne Wetter als gute Gelegenheit begrüßt, mal frische Luft zu schnappen. Auf dem Balkon Home Office zu machen reicht nicht.

Wir sind mit dem Auto bis zum Wanderparkplatz gefahren. Die Strecke, die ich auf Komoot gesehen hatte, startet in Starnberg und dauert zweieinhalb Stunden, so viel wollte ich nicht laufen, da ich nicht mehr daran gewöhnt bin. Ich radle morgens im Wohnzimmer den Weg zur Arbeit auf dem Heimtrainer, aber das ist nicht dasselbe.

Das war gut, dass wir mit dem Auto bis Maising gefahren bin. Wir konnten gerade noch einen Parkplatz ergattern, und als ich darauf wartete, dass die Frau vom Auto neben mir ihre Tür zu macht, um selber auszusteigen, ist uns Philipp, ein Arbeitskollege, vor dem Auto mit Familie vorbei gelatscht. Wir hatten uns seit über einem Jahr nicht mehr gesehen, nur über Zoom. Netter Zufall. Wir sind nach einem kurzen Plaudern getrennte Wege gegangen.

Der König-Ludwig-Weg in die Schlucht ist ohne Problem begehbar. Man braucht nicht mal Wanderschuhe. Von einer Schlucht zu reden ist übertrieben. Es gibt keine Höhenunterschiede zu bewältigen. Dementsprechend waren viele Leute unterwegs, auch wenn ich mich bemüht habe, auf den Fotos keine Menschen zu haben, aus Datenschutzgründen. Es waren viele Familien mit Kleinkindern da. Das Bächlein ist nicht tief und Kinder spielten auf den Stämmen, die quer gefallen sind. Ein Abstecher abseits vom Weg ist vielleicht nicht zu empfehlen, da sonst überall Schilder standen, wo von einem militärischen Gelände die Rede war. Wir sind bis zur Straße gelaufen, die oberhalb vom Weg zu sehen ist, und haben Kehrt gemacht.

Ganz am Anfang vom Spaziergang, kurz nachdem wir den Parkplatz verlassen haben, sind wir stehen geblieben. Der Ehemann hatte eine Nachtigall gehört. Ich habe in den Bäumen gesucht und den gelben Vogel links entdeckt. Die Nachtigall war es nicht. Ich habe mich durch die Vogelsammlung vom NABU durchgeklickt und bin nicht sicher, dass er aufgelistet ist. Am ehesten sieht er wie der Zitronengirlitz aus, aber am Hals ist er nicht grau. Auf dem Foto ist es schwer zu sagen. Ich habe von unten aus mit meiner Kamera maximal vergrößert und mich auf der Schranke vom Militärgelände gestützt, um nicht zu wackeln. Das Ergebnis ist recht unscharf, genau wie beim Rotkehlchen und beim Entenpaar. Unglaublich war es für mich, wie lange der große gelbe Vogel da oben sitzen geblieben ist. Meistens ist es doch so, dass Vögel weg fliegen, sobald man die Kamera auf sie richtet. Dieser hier hat sich während der gut fünf Minuten, die wir ihn betrachtet haben, kaum berührt. Wir haben auf dem Weg entlang vom Bach viele kleine Vögel gesehen, die sich am Rande vom Wasser aufgehalten haben. Sie waren so flink, dass ich sie gar nicht fotografieren konnte. Der Ehemann meinte, es wären vielleicht Wasseramseln, aber ihre Brust war nicht weiß.

Sonst noch unterwegs fotografiert:

Die Prinzessin haben wir liegen lassen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Die Isar-Wanderung – Tag 7

Wir hatten am Wochenende tolles Wetter. Perfekt, um unsere Isar-Wanderung fortzusetzen.

Das letzte Mal waren wir von Wolfratshausen nach Icking gelaufen. Ich habe uns also zwei alternativen Strecken auf Komoot[1] von Icking nach Hohenschäftlarn vorbereitet, mit dem Kloster zum Besuchen zwischendurch (3). Strecke #1 läuft gemütlich am Isarwerkkanal entlang, mit möglichem Halt an einem Fischrestaurant, vorausgesetzt, sie haben nicht wegen Corona zu. Strecke #2 läuft weiter weg von der Isar an einem Bach entlang, mit einem Teil, der auf Komoot als „Dschungel“ bezeichnet wird.

Die Idee war, mit der S-Bahn nach Icking zu fahren, und nach der Wanderung von Hohenschäftlarn[2] aus zurück mit der S-Bahn nach Hause zu fahren. Jeweils eine Stunde Fahrt, mit einmal umsteigen.

Wir tranken noch am Sonntag früh Kaffee auf der Couch, als ich auf Google Maps[1] geschaut habe, wie lange man mit dem Auto nach Icking bräuchte. Keine halbe Stunde. Der Ehemann hat vorgeschlagen, mit dem Auto zum Kloster zu fahren, von dort aus an der Isar entlang zum Bahnhof hoch zu laufen, dann mit der S-Bahn nach Icking zu fahren, und den eigentlich als ersten Teil geplanten Teil der Wanderung von Icking zum Kloster Schäftlarn zu machen. So sparen wir uns eine ganze Stunde Fahrt, ohne Berücksichtigung der Unzuverlässigkeit der S-Bahn München, und der Tag ist entspannter.

Gesagt, gemacht. Wir parken vor dem Kloster und laufen rechts davon die Straße runter. Weiter weg lehrt uns ein Schild an der Straße, dass wir uns auf dem Jakobsweg befinden. Davon gibt es viele. Alle Wege führen nach Rom, oder so. Vor dem Schild biegen wir links am Rande von einem Feld ab. Dann einmal runter durch die Wiese, zu dem Weg mit viel Laub und heimtückischen Steinen darunter, wo man sich trotz Wanderschuhen schnell den Knöchel verdreht hat. Zum Glück ohne anhaltenden Schmerz. Das wäre am Anfang der Wanderung doof gewesen. Wir kommen am Ufer der Isar. An einer Stelle auf dem Weg wird es plötzlich deutlich kälter, auf der Vegetation liegt noch Reif, obwohl es schon halb elf ist.

Wir müssen danach von der Isar links weg gehen, um zum Bahnhof Hohenschäftlarn zu gelangen. Der Weg führt uns über die Brücke und die Treppe hoch zur lauten Straße, und wir erreichen den eingleisigen Bahnhof, wo uns ein älterer Herr mit leeren Bierflaschen in der Hand anspricht, als wir auf den Zug warten. „Weißt du, warum Elefanten rote Augen haben?“ fragt er den Ehemann mit Bayerischem Akzent. Der Ehemann weiß er nicht. „Um sich in Kirschbäumen zu tarnen“, erklärt er. Der Ehemann nickt. „Hast du schon einen Elefanten in einem Kirschbaum gesehen?“ fragt der Herr den Ehemann. „Nein“, antwortet er. „Na, siehst du!“, sagt der Herr, bevor er sich von uns verabschiedet.

Wir fahren mit der S-Bahn nach Icking und laufen die Straße runter, die wir beim letzten Mal zum Schluß hoch gelaufen waren. Wir treffen auf deutlich weniger freundliche ältere Damen, die es für nicht mal notwendig halten, eine Begrüßung zu erwidern. In den ersten Etappen der Isar-Wanderung hatten wir uns daran gewöhnt, freundliche Menschen zu treffen. Icking ist anders. Egal. Wir laufen runter zur Ickinger Wehr, und nehmen dann weder meine vorgeschlagene Route #1 noch #2, sondern laufen auf der Insel, zwischen Isar und Isarwerkkanal. Wir halten auf einer Anhöhe und machen Mittagspause mit Blick auf dem Ickinger Weiher. Zum Menü, hart gekochte Eier, Kaminwurz, Parmesan und selbst gebackenes Bier-Körner-Brot. Ich habe meine Brotdose mit den Mumins aus Helsinki mitgebracht.

Nach der Rast folgen wir dem Weg weiter durch die Insel. Wir kommen an eine abgelegene Kiesbank am Ufer der Isar. Einige Gruppen von Leuten sind da mit Abstand gesammelt und genießen das schöne Wetter. Es ist so schön sonnig und warm, dass ich eine Weile den Pulli ausziehe und in T-Shirt rum laufe. Nicht lange. Auf dem Weg im Schatten wird es wieder kühl.

Am Ende der Insel folgen wir erstmal den Weg zwischen Bäumen und Damm. Nach der Brücke zur Aumühle müssen wir hoch zum Damm, da unser Weg sonst irgendwann nicht weiter geht. Wir laufen direkt am Kanal entlang. Es sind um die Uhrzeit viel mehr Menschen unterwegs, und waren sie am Anfang bloss unhöflich, sind sie jetzt regelrecht aggressiv. Besonders die Fahrradfahrer, die gerne rücksichtslos zu zweit nebeneinander auf fast der ganzen Breite von Weg fahren und uns teilweise noch absichtlich anfahren. Ob es die lokalen Bewohner sind, oder die Münchner, die ihren Stress hier entladen wollen? Dürfen die überhaupt auf diesem Weg radeln? Und wird die Atmosphäre immer schlechter an der Isar entlang, je näher man an die Landeshauptstadt ankommt? Mehr in nächsten Abschnitt dieser Wanderung.

Ich bin jedenfalls froh, als wir über die Dürnsteiner-Brücke kommen und den ganzen Pack hinter uns lassen. Anstatt der Klosterstraße zu folgen, biegen wir rechts und laufen an der Isar entlang. Hier sieht man viele Biber-Spuren. Wir finden wieder den Weg zwischen den Feldern vom Vormittag, und kommen zurück zum Kloster. Es ist kurz nach zwei Uhr Nachmittags, die Sonne sinkt schon hinter einem Berg, es wird kälter und wir sind, nach den zehn Kilometern oder so, recht müde. Wir beschließen, direkt nach Hause zu fahren, ohne das Kloster zu besuchen. Ich weiß nicht mal, ob es überhaupt möglich war. Ein anderes Mal.

Weil es Herbst ist, einige Pilze, die mir unterwegs aufgefallen sind:

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

[2] Bei Schäftlarn muss ich immer an diese blöde Airbnb[1]-Geschichte denken, und das war überhaupt das einzige Mal, dass ich dieses Portal benutzt habe. Dafür kann ich jetzt meinen Konto auf Airbnb scheinbar nicht löschen lassen, obwohl ich die Betreiber schon mehrmals darum gebeten habe.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Wanderung zum Leuchtturm Westerheversand

Der Ehemann hatte die Idee, eine Wanderung zum Leuchtturm Westerheversand zu machen. Der Leuchtturm von der Jever[1]-Werbung, erklärt er mir, als er das fehlende Leuchten in meinen Augen sieht. Je-was? Die Werbung kannte ich nicht, und dieses Bier trinke ich so gut wie nie. Egal. Es ist ein schöner Tag und Bewegung ist immer gut.

Wir parken vor dem Tourismusverein, der, im Gegenteil zu dem was Google Maps[1] behauptet, geöffnet ist. Wir laufen an den Schafen vorbei, die schräge Straße zum Deich hoch, und werden mit einem einzigartigen Blick zur Salzwiese belohnt. Es sind viele Radfahrer unterwegs, und man glaubt es bei der flachen Landschaft nicht, wenn man es nicht selber sieht, überwiegend Elektrofahrräder. Wir laufen den geraden Weg zur Küste und biegen dann links ab zum Leuchtturm.

Nach dem Leuchtturm fängt der historische Stockenstieg an, der für Fahrradfahrer verboten ist. Es wird schlagartig viel ruhiger. Momentan darf man diesen Weg nur vom Leuchtturm aus begehen, nicht vom Deich aus. Ein Rückblick auf dem Leuchtturm am Ende vom Fußgänger-Radweg zeigt, wie viele Leute heute mit dem Fahrrad unterwegs sind. Wir sind nur sehr wenige Fußgänger.

Die Wanderung wurde in Komoot[1] als „mittelschwer“ angegeben und es ist mir ein Rätsel, warum. Die Wege sind flach und gut begehbar, es besteht keine körperliche Herausforderung. Es war nichts im Vergleich zu unserer Bergwanderung Ende Juni (Beitrag steht immer noch aus), die auch als „mittelschwer“ in Komoot angegeben wurde und mich am Rande der Verzweiflung gebracht hatte. Oder sollte man die Bewertungen von Wanderwegen mit der Kondition der Mehrheit der örtlichen Besucher gewichten? Hier an der Nordsee ist die Proportion an stark übergewichtige Menschen auffällig hoch, auf Bergenwegen trifft man sie nie, und wenn sie alle noch wie heute nur mit dem Elektrofahrrad auf dem flachen Land unterwegs sind, empfinden sie vielleicht ein solcher kleiner Spaziergang schon als „mittelschwer“. Das Einzige, war mir einfällt: Wir waren ständig der prallen Sonne ausgesetzt. Ohne Hut, Wasser und Sonnenschutz sollte man diesen Spaziergang im Sommer nicht unternehmen.

Eine kleine Sammlung der Pflanzen, die in der Salzwiese gedeihen:

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Von Pasing nach Karlsfeld

Wir haben gestern unsere Wanderung an der Würm fortgesetzt. Nach einem nicht so kühlen Bad im Starnberger See sind wir mit der S6 nach Pasing gefahren und haben ab da weiter gemacht, wo wir beim letzten Mal aufgehört hatten.

Zuerst ein Eis bei unserer Lieblingsdiele holen, neben der Osteria hinter dem Bahnhof, die gerade öffnet, als wir ankommen. Die Gelegenheit lassen wir uns nicht entgehen. Es wird ein heißer Tag.

Wir laufen an der Pasinger Fabrik[1] vorbei den Hellihofweg entlang bis zur Theodor-Storm-Straße und biegen einige Meter danach links in den Bergengruenweg ab. An der Würm angekommen, biegen wir rechts in den Hermann-Hesse-Weg ab. Am Kornberger Weiher kommen die ganzen Enten angeschwommen und schauen hoffnungsvoll auf uns zu, als wir kurz halten und den Blick genießen, obwohl eine Frau auf einer Bank auf der anderen Seite des Weihers schon dabei ist, die Enten zu füttern. Verwöhntes Pack.

Ehe man sich versieht, erreicht man schon das Schloss Blutenburg. Am Anfang der Wiese steht ein Kreuz mit der Inschrift „A Xunta de Galicia – España – O land de Baviera – MCMLXXXIII„. Ich finde keine Information darüber, warum dieses Monument hier steht. Das Datum, 1983, ist zwei Jahre nach dem die Region Galicien wieder autonom wurde. Ein Ermutigungsgeschenk an die autonome Szene Bayerns? Wir machen eine Runde um das Schloss. Die Wiese ist voll mit Gänsen.

Wir laufen am Mahnmal zum Dachauen Todesmarsch vorbei, den man vielerorts in und um München auf dem Weg sehen kann, wo Gefangenen kurz vor Kriegesende im April 1945 zu ihrem Tode geführt wurden. Es macht mich immer so traurig, enttäuscht, sauer zu sehen, zu welchen Gräueltaten die Menschheit fähig ist. Und es sieht nicht so aus, als ob wir daraus lernen würden.

Nach dem Schloss laufen wir in einem Wohngebiet. Nicht für lange Zeit. Der Weg führt uns im Schatten entlang Wiesen und Felder. Rechts vom Friedhof in Untermenzing lädt eine Holzbrücke zum Überqueren der Würm ein. Es liegt nicht auf unserer Route. Am Ende der Brücke sehen wir die Kirche St. Martin. Die Brücke ist in einem sehr guten Zustand und es hängen kaum Spinnennetze dran. Ich bin begeistert.

Nach dem Friedhof ist der Weg nicht mehr so schattig. Wir sind wieder im Wohngebiet und laufen auf der Straße. Autos fahren da kaum, aber viele Radfahrer sind unterwegs. Es ist eine Fahrradstraße. Wir verlassen sie, sobald sich die gelegenheit ergibt, und laufen auf einem engen Weg an der Würm entlang. Wir kommen zur Sportanlage, wo wir Tischtennisplatten entdecken. Zwei. Eine wird schon von zwei Teenagern benutzt. Das trifft sich gut, ich habe meine Ausrüstung im Rucksack am Morgen noch im letzten Moment gepackt, bevor wir das Haus verlassen haben. Wir spielen eine gute halbe Stunde und diesmal gewinne ich zwei Spiele! Der Ehemann meint, ich mache Fortschritte. Bald kann er fies mit mir spielen, sagt er.

Ich habe die Route geplant und wir sollten kurz vor der Autobahn die Würm auf einer Brücke am Hohenadelweg überqueren. Die Brücke ist leider gesperrt, und wir laufen einen ungemütlichen Teil in der Hitze auf der Straße bis Karlsfeld. Als wir endlich die Gelegenheit bekommen, wieder zur Würm zu gelangen, sind wir schon am Bahnhof. Wir nehmen den Zug bis Obermenzing, da die Stammstrecke mal wieder gesperrt ist, erholen uns im Biergarten am Grünen Baum[1], und laufen den Rest des Weges zurück bis Pasing, wo wir mit der S-Bahn nach Hause fahren. Ich freue mich auf eine kalte Dusche.

Wir sind fast neun Kilometer bis Karlsfeld gelaufen und waren froh, bei der Hitze so viele Gelegenheiten zu finden, die Füße in der Würm abkühlen zu lassen, auch wenn wir nicht schnell unterwegs waren. Mit dem Rückweg vom Biergarten nach Pasing sind wir insgesamt zwölf Kilometer gelaufen. Heute sind meine Beine müde.

Die Klette hat uns auf der ganzen Strecke begleitet. Der Rainfarn und der gewöhnliche Spindelstrauch waren nur vereinzelt zu sehen.

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Die Isar-Wanderung – Tag 6

Gestern haben wir unsere Isar-Wanderung fortgesetzt. Beim letzten Mal hatten wir es nicht mehr geschafft, bis Icking zu gehen. Der Schmerz vom letzten Wochenende in der linken Pobacke ist fast verschwunden.

Wir sind mit der S-Bahn bis Wolfratshausen gefahren und nehmen den Weg durch den Friedhof in Richtung Marienbrücke. Die Statue von Maria mit Kind hatten wir beim letzten Mal nicht gesehen, da wir diesmal auf der nördlichen Seite laufen, die deutlich breiter als die südliche Seite ist. Viele Radfahrer sind unterwegs. Es ist Wochenende. Wir gehen runter zum Ufer und folgen einem Weg, der an einem kleinen Teich vorbei führt, an dem drei jungen Frauen das Schlüpfen von Insekten auf der Oberfläche vom Wasser fotografieren. Der Teich ist voll von Wasserläufern. Blaue Libellen fliegen herum. Der Himmel ist bedeckt, aber die Luft ist schwül.

Wir folgen dem Weg, der, wie beim letzten Mal, immer schmäler wird. Ganz nah an der Isar sieht es sogar aus, als ob er drohe, ins Wasser zu fallen. Die Isar fließt schnell, der Wasserstand ist immer noch recht hoch, und zur Zeit sollte man es vermeiden, drauf Boot zu fahren. Wir biegen besser rechts ab, weiter weg vom Ufer, und der Pfad wird so eng, dass man ihn nicht mehr erkennt. Pflanzen sind so hoch wie ein Mensch. Ich bin zum Glück mit langen Hosen und Ärmeln unterwegs. Nach unserer letzten Wanderung hatte sich eine Zecke fest in die Kniekehle des Ehemanns gebissen und hatte sich schon voll gesaugt, ich musste sie vorsichtig mit einer Pinzette raus ziehen. Diesmal habe ich gedacht, besser komplett bedeckt raus gehen. Der Ehemann liebt es scheinbar, uns durchs Dickicht auf schlammigen Wegen zu führen. Ich könnte darauf verzichten.

Wir treffen unterwegs viele Leute. Man merkt, dass es Wochenende ist. Der Isarradweg läuft nicht weit weg, man hört von dort Familien ganz laut durch den Wald rufen. Wir gehen schnell. Nicht nur, dass es mir unangenehm ist, durch den Dschungel zu laufen. Mücken sind auf der Lauer und stürzen sich auf uns, so bald wir nur kurz stehen bleiben. Wir erreichen das Ickinger Wehr. Die Brücke ist eine geschlossene Konstruktion aus Holz. An jedem Fenster hängen dicke Spinnennetze. Unheimlich. Ich laufe ganz schnell zur anderen Seite, während der Ehemann drin Fotos macht. Nach der Brücke steigt der Weg ganz schön steil. Wir erreichen gleich Icking, und setzen uns nach fast acht Kilometern im Gasthaus, um ein gut verdientes kühles Bier zu genießen.

Diesmal hatte ich neue, leichtere Wanderschuhe an und die Beine sind nicht so müde geworden. Ich hatte bis jetzt sonst immer meine Schneewanderschuhe getragen, die auch zum Wandern geeignet, aber sehr schwer sind, und nervig, weil sie sich gerne mit den Hacken für die Schnürsenkel in einander festkrallen, wenn ich die Füße zu nah zu einander stelle. Ich muss aber das linke Schuh vorne breiter machen, wenn es möglich ist, weil es auf Dauer so stark auf dem Fuß gedrückt hat, dass ich jetzt Schmerze bekomme, wenn ich Treppen runter gehe.

Zum Schluss einige Pflanzen, die uns unterwegs aufgefallen sind. Die Kratzbeere schmeckt bitter, sagt der Ehemann, der die Geschmacksprobe bereut hat. Er hatte sie für eine Brombeere gehalten.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.