Es wird langsam

Nachdem wir am Sonntag die Strecke zur Arbeit ausprobiert haben, bin ich sie gleich am Montag mit dem Fahrrad alleine gefahren. Bevor ich die Details vergesse. Einfach war es nicht, ich habe mich zweimal verfahren, einmal im ersten Stück Wald und danach, um zum zweiten Stück Wald zu kommen. Die Kreuzungen waren nicht in der richtigen Reihenfolge in meinem Kopf. Ich habe anderthalb Stunden gebraucht, und das nur, weil ein freundlicher Fahrradfahrer mir entgegen gekommen ist, als ich rätselnd auf dem Handy schaute (mein Navi kennt keine Waldwege) und fragte, wo ich hin wollte. Sonst hätte ich länger gebraucht. Das angenehmere Stück ohne Radweg auf der engen Straße, das wir bei der Rückkehr benutzt hatten, war im Berufverkehr mehr befahren, aber es war noch in Ordnung. Die Sichtweite ist dort sehr gut, da kann man mich nicht im letzten Moment sehen, es gibt also kein Grund, so dicht an mich vorbei zu fahren, es sei denn, man trägt Arschloch-Gene in sich. Das gibt’s. Meistens zeigen die Autofahrer doch Rücksicht. Auf der Rückfahrt habe ich am Montag schon nur noch eine Stunde zwanzig Minuten gebraucht. Ich habe eine Kreuzung verpasst, und im letzten Stück Wald sind mir zu meiner Überraschung zwei Autos hinter einander entgegen gekommen. Ich dachte, dort würden keine motorisierte Fahrzeuge durchfahren. Ich musste am Rand vom Weg mit dem Fahrrad stehen bleiben, um nicht überfahren zu werden. Gebremst hat das erste Auto nicht, und ich war über die Staubwolke danach nicht erfreut, auch wenn der Fahrer vom zweiten Auto sich bedankt hat.

Gestern hatte ich geplant, nach Feierabend zum Fitnessstudio zu gehen. Mit der Sporttasche wollte ich nicht Fahrrad fahren, und auch nicht, weil ich sonst nachtsüber nach Hause durch den Wald hätte fahren müssen. Ich bin also, wie ich es seit fast drei Wochen gewöhnt bin, zur Bushaltestelle gegangen, um den SEV bis Germering zu nehmen, und weiter mit einem anderen Bus zur Arbeit zu fahren. Zu meiner Überraschung fuhr der Bus nur bis Gilching-Argelsried, weil die S8 jetzt bis dahin kommt. Ich hätte in der App schauen sollen. Zu Fuß wäre ich schneller gewesen. Das hätte mir doch nicht geholfen, weil die S-Bahn sehr lange einfach nicht kam. Keine Durchsage, wie immer, aber diesmal lag es daran, dass die Bauarbeiten am Bahnsteig nicht fertig waren. Die Männer waren am Bahnsteig tatsächlich dabei, auf der anderen Seite der Sperre auf Säulen die Lautsprecher zu befestigen. Man muss sich vorstellen, wie so viele Leute, die theoretisch zwei verschiedenen Zügen genommen hätten, sich auf dem nicht ganz halben Bahnsteig verteilt haben, um vierzig Minuten lang auf eine Bahn zu warten. Weil der nächste Bus inzwischen seine Ladung gebracht hatte. Als der Zug endlich kam, ist er auch nicht sofort weggefahren, nein, ein paar Minuten hat es noch gedauert. Ich habe für eine Strecke, die im Normalbetrieb von zu Hause aus fünf Minuten dauert, eine ganze Stunde wegen MVG-Chaos verschwendet, und habe insgesamt zwei Stunden zur Arbeit gebraucht. Begeistert war ich nicht.

Heute bin ich wieder Fahrrad gefahren, weil ich so sauer auf die MVG war. Siebzig Minuten für den Hinweg, wobei eine Kreuzung noch nicht optimal ist. Ich sollte sie vermeiden. Man kommt nach einer Brücke aufwärts auf die Kreuzung zu, die zu einer viel befahrenen Straße führt, und muss mit dem Fahrrad da mittig stehen und warten, bis eine Lücke entsteht. Tut sie das, kann man aber nicht gut los nach links radeln, weil dann aus einer anderen Richtung Autos kommen. Aussteigen, Fahrrad zur Ampel schieben, auf dem Knopf drücken um grün zu bekommen… Blöd. Es muss einen besseren Weg geben. Auf dem Rückweg nach Hause habe ich nur noch eine Stunde gebraucht. Fast genau so lange wie mit ÖPNV, wenn es normal ohne SEV fährt. Und entspannter, wenn man keinen Idioten begegnet. Wie die Frau heute hinter mir, die nur noch huppen konnte, weil ich auf der Straße fuhr. Einen Radweg gab es gerade nicht, und ich war noch bemüht, rechts dicht am Straßenrand zu fahren, und sie hätte mehrmals die Gelegenheit gehabt, mich bequem zu überholen, statt hinten zu bleiben und zu huppen. Oder der Opa in seinem grauen Cabrio (M RP 17), der mich mit „Fick dich!“ begrüßte, als er mich nach einem ganz engen Tunnel überholte, wo man eh langsam zu fahren hat. Da gab’s auch gerade keinen Radweg, er fängt erst die Kreuzung danach an. Blöd, dass ich alleine war und keine Zeugen für eine Anzeige hatte.

Advertisements

Mit dem Fahrrad zur Arbeit

An einem Sonntag.

Ich arbeite seit drei Monaten in München, und schon bereue ich es, mir ein Jahresabo fürs ÖPNV gekauft zu haben.

Zuerst dachte ich, es wäre nicht schlimm, so weit weg von der Arbeit zu wohnen. Die Wohnung liegt ganz nah an der S-Bahn, und die fährt alle zwanzig Minuten, morgens sogar häufiger, und ich brauche keine Stunde zur Arbeit. Also besser als das, woran ich mich in Berlin gewöhnt hatte. Nicht. Und nicht nur, weil das Abo wesentlich teurer als in Berlin ist.

Wir hatten schon ein ganzes Wochenende lang wegen Bauarbeiten Einschränkungen im Betriebsablauf hinnehmen müssen. Danach fuhr die S-Bahn normal weiter, und ich dachte naiv, das wär’s, mit den Bauarbeiten. Pustekuchen. Seit zwei Wochen fährt die S-Bahn bei uns gar nicht mehr, und das soll noch eine Woche dauern, wie ich aus dem folgenden Brief erfahren durfte:

Stattdessen gibt es Schienenersatzverkehr (SEV). Und es muss sein, weil es gar keine Alternative zur S-Bahn gibt. Wenn ich in der App suche, wie ich ohne S-Bahn von der Arbeit nach Hause komme, kriege ich Ergebnisse, die über fünf Stunden dauern, mit langen Gehwegen.

In der Woche vor Beginn der Bauarbeiten haben es uns die automatischen Durchsagen im Zug und an den Bahnhöfen die ganze Zeit immer wieder erzählt. Schön wär’s gewesen, wenn die Durchsagen an den Bahnhöfen auch nach Wiederbeginn der Bauarbeiten weiter gelaufen wären. Nicht mal Schilder gab es, um die gelegentlichen Reisenden zu informieren.

Am ersten Samstag sind wir mit dem Ehemann über den Gleis zur Bushaltestelle gelaufen, um den SEV zu benutzen. Schnell, weil der Bus in Kürze kommen sollte. Ich habe von weitem mitbekommen, wie eine Frau mit Koffer sich am Automaten eine Fahrkarte gekauft hat, um sich, ganz alleine am Gleis, auf eine Bank hinzusetzen. Als wir vorbei  liefen, habe ich mein Tempo reduziert und ihr gesagt, „Hier fährt keine Bahn, es gibt nur SEV“. Sie ist uns gefolgt, so gut es mit ihrem Koffer ging, was bei uns nicht einfach ist, da überall Treppen sind, aber keine Aufzüge. Den Bus hat sie bekommen, und hoffentlich konnte sie pünktlich zum Hauptbahnhof ankommen, wo sie einen Zug nehmen sollte. Mit SEV dauert die Fahrt länger. Als wir abends auf dem Weg nach Hause erneut auf dem Bahnsteig gingen, haben ein Italiener und sein junger Sohn auf die Bahn gewartet. Hätten wir ihnen nichts gesagt, hätten sie noch lange da gestanden. Keine Durchsage, keine Aushänge, keine Information. Das ist die MVG.

Die Busse selbst… Bei unserer ersten Fahrt kam gerade ein Bus, um einen ganzen Zug zu ersetzen. So sah es zumindest aus. Alle Leute haben sich da rein gequetscht. Natürlich auch die mit Koffer. Kinderwagen? Rollstuhlfahrer? Fehlanzeige. Die können selber gucken, wie die fahren. Während der Fahrt hat uns dann von hinten ein anderer Bus aufgeholt, bei dem auch S8 angezeigt wurde. Der war leer. Weil er so spät nach dem ersten Bus kam, haben alle Leute geglaubt, es gäbe nur den einen Bus, und sie sind alle drin eingestiegen. Der zweite Bus war noch kein gewöhnlicher Stadtbus, sondern ein Reisebus, mit steilen Treppen zum Einsteigen. Kinderwagen? Rollstuhlfahrer? Fehlanzeige.

Letztens hat sich im Bus neben mir ein älterer Herr mit Gehstöcken hingesessen. Es war wieder ein Reisebus, und er hatte große Schwierigkeiten gehabt, überhaupt einzusteigen. Ich war so unzufrieden, jetzt über eine Stunde Fahrt zur Arbeit zu brauchen und in überfüllten Bussen fahren zu müssen, dass ich ernsthaft darüber nachgedacht hatte, den Abo zur nächsten Gelegenheit zu kündigen und mir ein kleines Auto zuzulegen. Den Führerschein habe ich ja, und wir haben sogar zwei Stellplätze in der Tiefgarage, die zur Wohnung gehören. Mein geschwätziger neuer Sitznachbar erzählte mir, früher wäre er Auto gefahren, aber in den letzten Jahren hätte der Verkehr in München derart zugenommen, dass er das Benutzen vom ÖPNV viel angenehmer fände, selbst mit SEV. Doch kein Auto?

Jetzt, wo das Wetter richtig sommerlich wird, könnte ich Fahrrad fahren. Ich bräuchte theoretisch genau so lange wie mit ÖPNV im normalen Betrieb. Der Ehemann ist am Wochenende gekommen, und hat wieder einige Sachen aus Berlin mitgebracht. Darunter sein Fahrrad, wie ich ihn darum gebeten hatte. Wir haben heute die Strecke zur Arbeit getestet.

Ein gutes Gefühl hatte ich im Vorraus nicht. Beim Vorbeifahren mit dem Bus war mir schon klar, dass die Radwege hier, wenn es welche gibt, nicht zum Wohl der Radfahrer gebaut wurden, sondern nur, um sie von der Straße fern zu halten, wo sie die Autos stören. Ganz anders als in Berlin. Die „Radwege“ sind manchmal sogar für Mofas freigegeben, wie ich vor zwei Wochen auf einem Schild lesen konnte. Teilweise wird man als Fahrradfahrer auf renovierungsbedürftige Bürgersteige gelotst, und man ist besser dran, einfach auf der Straße zu fahren. Wenn sich nicht irgendwelche idiotische Autofahrer so rücksichtlos verhalten würden.

Wie heute, als der Ehemann, der vorne fuhr, um mit seinem Navi den Weg zu zeigen, nach links abbiegen wollte. Es war eine ganz enge Straße ohne Radweg oder Bürgersteig, die gerade nach rechts bog. Auf 60 km/h begrenzt. Links gab es keine Straße für Autos, nur einen Radweg durch den Wald. Der Ehemann hatte schon den Arm nach links gestreckt, um zu zeigen, dass er abbiegen wollte. Von hinten kam plötzlich ein Auto, und glaubt ihr, der Fahrer hätte ihn abbiegen lassen? Nein, nicht einmal gebremst hat er, sondern ihn von links überholt. Ich habe nur in höllischer Angst zugucken können, und bin heilfroh, dass der Ehemann im letzten Moment doch nicht abgebogen ist, weil die Tour sonst im besten Fall im Krankenhaus beendet worden wäre. Es ging so schnell, dass ich mir außer STA das Kennzeichen nicht merken konnte, sonst hätte ich darauf bestanden, bei der Polizei eine Anzeige zu machen.

Damit wurde klar, den Weg will ich nicht zur Arbeit fahren. Für die Rückfahrt haben wir eine andere Strecke gewählt, die in der Praxis ein bisschen besser aussieht, obwohl sie auch über eine enge Straße ohne Radweg läuft. Wenigstens ist die Straße gerade, wenn man vom Wald ankommt. Ich weiß aber nicht, wie es im Berufsverkehr aussieht.

Sonntagsradeln

Dank Fieselfux bin ich auf die Idee gekommen, heute das Fahrrad aus der Tiefgarage zu holen und mit dem Ehemann zum Fliegeberg zu fahren. Von zu Hause aus brauchen wir nicht mal eine halbe Stunde. Es war das erste Mal seit meinem Armbruch, dass ich mein Fahrrad wieder angefasst habe. Fahrrad gefahren bin ich dieses Jahr sonst schon, in Finnland. Leihweise. Bilder dazu kommen noch.

Wir haben die Fahrräder am Eingang vom Park gelassen und sind zu Fuß herum gegangen. Das Wetter war fantastisch, volle Sonne und schön warm, schon am frühen Morgen. Kaum Leute unterwegs, obwohl es schon nach zehn Uhr war. Der Ehemann hat erzählt, er war früher als Kleinkind häufig mit seinen Eltern hierher gekommen, als sie noch in der Nähe wohnten. Seitdem sie umgezogen sind, ist er nie wieder zurück gekommen. Es war schön für ihn, den Park mit mir neu zu entdecken. Hinter dem Wasserbecken sieht man den künstlichen Fliegeberg, den Otto Lilienthal für seine Flugversuche benutzt hatte.

Nach einer kurzen Umrundung des Teiches rechts vom Fliegeberg sind wir zu unserem nächsten Ziel geradelt. Die Sternfahrt. Mich hatte die Idee gelockt, mit dem Fahrrad auf der Autobahn fahren zu dürfen. Wie geil ist das denn? Leider wurde nichts daraus.

Nachdem wir uns dem Zug an einem U-Bahnhof angeschlossen haben, sind wir in Richtung Autobahnzufahrt Grenzallee mitgeradelt. Um dann eine Stunde dort zu verhaaren. Die Zufahrt war gesperrt, keiner kam durch. Wieso, wusste keiner. Wir haben uns eine Stelle im Schatten in einer Querstrasse gefunden und haben erstmals gewartet. Nun, nach einer Weile tat mein Ischias weh, und es war ziemlich langweilig. Ab und zu kam eine Welle Gedrängel, wo Leute mit ihren Fahrrädern einfach nach vorne gefahren sind, aber vorne ging es trotzdem nicht weiter. Irgendwann hat jemand durch ein Mikrofon die Leute dazu aufgerufen, stehen zu bleiben, was völlig ignoriert wurde, da, nachdem ein Krankenwagen sich den Weg durch die Menge gebannt hatte, viele Leute wieder gedrängelt haben. Irgendeine Information, warum wir da standen und wann es endlich los gehen würde, wurde nicht mitgeteilt. Klar ist, ich mache beim nächsten Mal nicht mit.

Nach über einer Stunde hatte es uns gereicht. Wir sind umgedreht und stattdessen nach Tempelhof gefahren. Bei dem tollen Wetter an einem Sonntag war das Feld unglaublich menschenleer. Wir haben auf den Liegestühlen vom Biergarten entspannt. Einige Meter von uns entfernt, unter anderen Bäumen, saßen zwei Frauen mit einem Kleinkind, das vielleicht zwei Jahre alt war. Das Kind trug nur eine kurze Hose, die ihm doch bis zu den Knien reichte und zu groß war, da sie ihm beim Laufen unter dem Po gerutscht war. Ich glaube, er hat es nicht gemerkt. Irgendwann hat er sich die Hose komplett ausgezogen und ist ganz nackig und fröhlich durchs Grass mit der Hose in der Hand gelaufen. Herrlich. Zwei Männer haben vor den Tischen hinter uns Musik gespielt und gesungen, Country oder so, das hörte sich toll an. Ich habe gedacht, ich will gar nicht weg von Berlin, es lebt sich hier so schön. Tja…

Mit dem Fahrrad nach Hause

Das habe ich lange vor mir hergeschoben. Letztes Jahr hatte ich sogar früher damit angefangen, obwohl die Temperaturen dieses Jahr so mild gewesen sind.

Heute Morgen bin ich mit dem Fahrrad in der S-Bahn gefahren. Um gemütlich zu reisen, bin ich eine Stunde später als sonst von zu Hause aus gegangen. Es hat sich gelohnt. Die Bahn war quasi leer. Viel besser, als mit dem Fahrrad in einen überfüllten Zug einsteigen zu wollen. Das kann ich mir aber nur leisten, weil ich einige Überstunden auf dem Konto habe.

Angeblich hätte es heute Abend stark regnen sollen. Ich habe mich nicht davon abhalten lassen. Ab morgen wird es wieder kühler, und meine Motivation wäre zurück gefallen. Ich habe um halb sechs die Arbeit verlassen. Die Strecke kenne ich noch gut. Ich habe mich am Anfang nur zweimal verfahren, und es war nicht so schlimm, weil ich dadurch nur Parallelstraßen zu meiner üblichen Route benutzt habe. Das Wetter war doch angenehm, ich hätte die Regenjacke gar nicht mitnehmen müssen.

Ich werde nicht lügen, es hat sich hart angefühlt. Ich habe eine Stunde und vierzig Minuten für zweiundzwanzig Kilometer gebraucht. Es ging mal flotter. Ich muss meine Kondition wieder aufbauen. Problematisch wurde es vor dem letzten Viertel der Strecke, als ich plötzlich ohne erkennbaren Grund Krämpfe in beiden Füßen bekommen habe. Vielleicht habe ich nicht die richtigen Schuhen zum langen Raddeln angezogen. Ich bin vom Fahrrad ausgestiegen und habe meine Füße gestreckt. Ich habe das Fahrrad auf dem Bürgersteig geschoben. Irgendwann ging es besser und ich bin weiter gefahren.

Der Anfang war also mühsam. Trotzdem bin ich froh, dass ich es geschafft habe. Es kann nur besser werden.

Fahrradklingel

Heute, auf dem Weg nach Hause. Es ist spät, ich bin bis halb acht im Büro geblieben. Um die Uhrzeit ist das Radeln entspannt. Sehr wenige Autos auf der Straße. Die meisten Leute sind beim Abendessen. Die Radwege vor den Läden sind ungewöhnlich frei. Selbst der Bahnhof Lichterfelde Ost wirkt ruhig. Kurz danach fahre ich die Königsberger Straße herunter. Von weitem sehe ich zwei älteren Herren im Anzug nach einer Bushaltestelle, die in aller Ruhe auf dem Radweg spazieren gehen (neben dem noch viel breiterem Gehweg). Sie sehen beide über 70 Jahre alt aus. Ich denke, besser ganz früh klingeln, damit sie Zeit haben, darauf zu reagieren. Sie sind gut 30 Meter vor mir entfernt, wenn ich die Klingel betätige. Keine Reaktion. Ein bisschen schwerhörig, die Opas. So alt ist meine Klingel nicht. Ich verlangsame mein Tempo und fange an, ununterbrochen Radau zu machen. Irgendwann werden sie doch die Klingel hören müssen. Nein. Ich bin jetzt schon ganz nah hinter ihnen, vielleicht knapp zehn Meter. Zum heftigen Klingeln rufe ich noch laut „Haaallooo!“, während ich weiter bremse. Beide Herren zucken plötzlich und gehen zur Seite. Der Radweg ist wieder frei. Ich überhole sie. Hinter mir ruft dann ein der beiden Herren in einem vorwurfsvollem Ton: „Klingeln!“ Marktlücke: Fahrradklingel mit tieferen Tönen für Hörgeschädigte. Bei der immer älter werdenden deutschen Bevölkerung wird es dringend nötig.

Letzte Woche hatte ich eine ganz andere Erfahrung. Ich fuhr in Britz schon einige Zeit hinter einer Frau mit Kopftuch auf dem Radweg. Sie selbst fuhr hinter einem etwa dreijähriges Mädchen auf einem pinken Fahrrad. Sie waren extrem langsam. Ich war nicht in Eile und habe gewartet, dass es genug Platz zum überholen gab, bevor ich meine Absicht mit einem Klingelton ankündigte (ich hatte am Abend davor einiges über Verkehrsrecht auf der Seite vom ADFC gelesen). Ganz langsam geklingelt, damit es nicht zu schrill und erschreckend wirkt. Die Frau hat eine völlig unerwartete Reaktion gezeigt: Vollbremse gemacht, mitten im breiten Weg gehalten, sich böse umgedreht und etwas gesagt wie ich sollte nicht so drängeln, sie wäre ja mit einem Kleinkind zusammen. Ich habe sie beruhigen müssen (mit Lächeln, ganz wichtig) und erklärt, dass es nicht böse gemeint war, sondern zu den Regeln fürs Fahrradfahhren gehört. Sie hat sich etwas entspannt und zugegeben, dass sie den Klang sehr stressig findet. Ich will nicht wissen, was man erlebt haben muss, um so panisch auf eine Fahrradklingel zu reagieren.

Wind

Ich hasse es. Seit gestern weht es aus dem Westen durch Berlin in starken Böen. Ich kriege massiven Gegenwind auf dem Weg nach Hause. Ich merke, wie schnell meine Geschwindigkeit sinkt, wenn ich kurz nicht mehr trete. Heute Abend an der Ampel hätte mir der Wind fast den Lenker auf den Händen gedreht. Und die Leute sind gereizt.

Heute morgen wäre ich kurz vor Lichterfelde West von einem abbiegenden weißen Transporter aus der anderen Richtung überfahren worden, wenn er nicht im letzten Moment mitten auf der Kreuzung notgebremst hätte. Es war merkwürdig. Ich bin an der Kreuzung bei Gelb gefahren. Die Ampel ist gerade gelb geworden, als ich (rechts von einem Auto) noch ziemlich schnell auf dem Radweg vorbei gefahren bin. Kein Grund, plötzlich zu bremsen, es wäre eher gefährlich gewesen. Die Kreuzung ist aber lang, und ich bin langsamer als das Auto links von mir gefahren. Ich vermute, es wurde hinter mir rot, als der Transporter nach dem Auto mit vollem Schwung angefangen hat, abzubiegen, und mich (absichtlich?) „übersehen“ hat. Obwohl es kein Fehler war, bei Gelb nicht zu halten, weil es so kurzfristig gewechselt hatte, habe ich mich geärgert. Und noch mehr, als der Transporter-Fahrer angefangen hat zu brüllen, weil er offensichtlich dachte, ich wäre bei rot gefahren. Vielleicht sollte man anregen, an der Kreuzung eine separate Ampel für Radfahrer anzubringen, die früher rot wird.

Später bin ich wie immer am Lidl in der Gutschmidtstraße vorbei gefahren. Es war noch früh. Sehr wenige Leute waren unterwegs. Kein Mensch auf dem Parkplatz rechts von mir, keine Fußgänger auf dem geteilten Rad- & Gehweg. Ich konnte gut fahren. Plötzlich habe ich aus der hinteren Ecke vom Parkplatz einen beeindruckenden Staubwirbel mit Blättern wahrgenommen, der sich schnell zu mir bewegte. Ein Zusammentreffen schien unvermeidlich. Ich habe den Kopf leicht nach links gedreht und die Augen gekneift, um nichts davon zu bekommen. Meine Augen sind mit dem Wind zur Zeit genug gereizt. In dem Moment ist ein Auto von der Straße aus zum Lidl abgebogen. Ich war im Weg, der Fahrer musste warten, dass ich vorbei fahre. Es schien Grund genug zu sein, um ihn aufzuregen. Weil irgendwas angemeckert werden musste, aber doch nicht, dass ich auf dem Radweg war, wie es sich gehört, meinte er durch sein Fenster, ich sollte rechts und nicht links beim fahren schauen. Äh? Rechts war Funkstille. Stimmt. Kate hatte mir erzählt, die Berliner müssen einen immer belehren, selbst wo kein Bedarf / Anlass besteht. Kann ich nur bestätigen. Vielleicht lag es auch daran, dass ich eine Frau bin, oder dass ich offensichtlich nicht deutscher Abstammung bin, oder was weiß ich. Der Berliner hält sich häufig für überlegen. Ich habe ihn reden lassen und bin weiter gefahren.

Heute Abend habe ich auf dem Rückweg gesehen, wie ein Radfahrer und ein (schon wieder) weißer Transporter sich gerade verpasst haben. Beide haben sich so unverschämt stur verhalten, es hätte krachen sollen, nur, um ihnen eine Lehre zu sein. Doch nicht. Es hätte für den Radfahrer ganz schlimm im Krankenhaus geendet. Ich stand an der roten Ampel, vor der Paul-Schneider-Straße. Links von der Kreuzung standen auch viele Autos. Es war gerade der Moment, wo niemand fuhr. Die Fußgänger-Ampel von links nach rechts vor mir war grün. Der Radfahrer ist wie ein Pfeil geschossen über die Zebrastreifen gekommen. In dem Moment ist der Transporter-Fahrer aus meiner rechten Seite über die Kreuzung gerast, um links abzubiegen. Keiner hat gebremst. Der Transporter-Fahrer hat sich böse umgeschaut, der Radfahrer hat geschimpft. Die sind mir beide aber echt bescheuert vorgekommen.

Heute wieder nicht überfahren

Das grenzt langsam an einem Wunder.

Heute Morgen fuhr ich nicht besonders schnell mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit. Ich habe mir am Wochenende einen neuen Lenker besorgt, um die Schmerze in den Handgelenken zu vermeiden. Das scheint zu klappen, aber ich muss mich an die geänderte Haltung gewöhnen, es fühlt sich nicht mehr so stabil an. Vielleicht ist er zu hoch gestellt. Heute Morgen fuhr ich also hinter einem helmlosen Opa mit weißen Haaren auf dem Radweg, zwischen geparkten Autos und Bürgersteig. Auf einmal ist eine Autofahrerin nach rechts abgebogen, um zu einem Gebäude zu fahren, und hat den Opa erst gemerkt, als er kurz vor ihr war, obwohl das Sichtfeld an der Stelle sehr gut ist. Sie hat halbwegs auf dem Radweg notgebremst, das Auto hat einen leichten Sprung gemacht und der Motor ist ausgegangen. Schreck für den Opa, zum Glück hat sie ihn gerade nicht erwischt. Er ist weiter gefahren. Ich kam einige Sekunden hinterher und dachte, sie muss jetzt gemerkt haben, dass es hier einen Radweg gibt. Nein. Ich war gerade dabei, den Ausweichbogen vor ihrer Haube auf dem Bürgersteig zu machen (kein Rentner in Sicht), als sie den Motor wieder startete und schnell weiter fahren wollte, wieder ohne vorher rechts zu schauen. Wieder notgebremst, erneuter Motorstillstand. Es war sehr knapp. Die blöde Kuh hat noch geschimpft.

Heute Abend war es ein alter Motorrad- oder Scooterfahrer mit dickem weißem Schnurrbart, der mich auf dem Radweg überfahren wollte. Wieder eine Stelle mit sehr gutem Blickfeld, eigentlich, es hätte echt nicht passieren dürfen. Der Mann kam sehr schnell aus der entgegengesetzten Richtung und hat im letzten Moment auf dem feinen Kiesel vor dem Radweg und links von mir gebremst. Fast wäre er ausgerutscht. Sehr wahrscheinlich wollte er zum Scooter-Laden. Ich habe einen großen Schreck bekommen. Selbst die Autos auf der Straße haben kurz angehalten.

Ich frage mich, ob ich die neue Streikperiode der Bahn heil überleben werde. Es fängt erst morgen an.

Eine Woche Bahnstreik

Na ja, vier Tage diese Woche… Ich hätte wieder mit Bus und U-Bahn fahren können, aber es dauert viel länger und so pünktlich ist der Bus auch nicht. Wir haben seit Monaten Bauarbeiten vor dem Haus und viele Fahrspuren sind gesperrt. Das letzte Mal kam der Bus deswegen zehn Minuten zu spät. Ich habe diesmal beschlossen, mit dem Fahrrad zu fahren. Hin und zurück zur Arbeit, selbst wenn ich dann zweimal am Tag duschen muss. Für diese Woche habe ich knapp 170 Kilometer hinter mir.

Es war toll. Ich fühle mir super. Ich bin sogar unter 75 Minuten für die gesamte Strecke runter gekommen, also fast 20 Kilometer pro Stunde im Durchschnitt (es gibt 38 Ampeln auf dem Weg). Es hilft, dass ich mich nicht mehr verfahre. Ich habe ein Kilogramm zugenommen und das Gefühl, Oberschenkel und Po aus Betonstahl zu haben, obwohl heftige Muskelkater ausgeblieben sind.

Was genervt hat sind Autofahrer, die auf dem Radweg parken (und dabei lächeln wenn sie einen Radfahrer gerade ankommen sehen, und trotzdem auf dem Radweg bleiben), die Schnecken, die man wieder vor sich hat, weil sie sich an keine Verkehrsregel halten und einen bei rot überholen und weiter fahren (das ohne Helm), die halbtauben Opas, die ihre Taschenhunde auf dem Radweg Gassi führen (eine neue Klingel muss jetzt her), die vielen Insekten, die einem ins Gesicht prallen (heute hatte ich sogar eine Spinne, die auf meine Wange herunter gelaufen ist, brrr), die Schmerzen im Handgelenk, trotz guter Federung, weil die Radwege in einem miesen Zustand sind…

Vor allem hat es mir gefallen, unter fallenden Baumblüten zu fahren, neue kleine Straßen zu entdecken, doch meistens alleine auf dem Radweg zu sein, doch auch von fröhlichen fremden Menschen begrüßt zu werden (in Berlin!), und mich jeden Tag immer fitter zu fühlen. Ich merke, wie ich bei der Arbeit die hohen Treppen schnell ohne Mühe hoch laufen kann. Von mir aus kann der Streik länger dauern, ich will jetzt die ganze Sommersaison auf dem Rad verbringen.

Obwohl… Seit einigen Tagen sagt mir ein leichtes ständiges Zucken im Unterleib, dass es vielleicht nicht lange möglich sein wird. Schon merkwürdig, dass ich so früh merke, wenn ich schwanger bin, und andere Frauen ihre Schwangerschaft wochenlang nicht wahrnehmen. Das werde ich auf jeden Fall ausnutzen, um bei der Arbeit erst ab dem dritten Monat Bescheid zu sagen. Falls es diesmal nicht wieder mit einem Spontanabort endet.

Nach Hause geradelt

Heute bin ich zum dritten Mal seit letzter Woche mit dem Fahrrad nach der Arbeit gefahren. Ich bin frustriert, dass ich jedes Mal um die zwei Stunden gebraucht habe, obwohl zwischen Arbeit und Wohnung 21 km liegen. Letzte Woche dachte ich, es läge daran, dass ich den Weg noch nicht kannte. Und mit Martin sind wir viel am Ufer entlang gefahren, was nicht die schnellste Route ist.

Am Freitag habe ich mir nach dem Vorschlag von einem Kollegen eine neue Route mit BBBike rechnen lassen. Ich habe schon am Anfang eine gute halbe Stunde verloren, weil ich eine Straße auf Anhieb nicht gefunden habe und auf dem Handy suchen musste. Blöderweise gab es zwei Straßen mit dem gleichen Namen im Umkreis von 3 km, beide genau so weit entfernt von meiner vorherigen Straße, und ich habe zuerst in der falschen Straße nach dem weiteren Weg gesucht. Danach gab es einfachere Strecken, wo ich nur gerade aus fahren musste. Das erste Stück am Wildmeisterdamm war aber durch eine grüne Fläche mit vielen Kleinkindern überall, schnell fahren kam nicht in Frage. Das zweite lange Stück an oder nach der Marienfelder Chaussee will ich auch nicht mehr machen, es war mir zu gefährlich. In einem Industriegebiet waren rechts vom Radweg nur Gewerbeflächen mit riesigen Parkplätzen, links die Straße mit schnell fahrenden Autos, und Parplätzen zwischen Straße und Radweg. Alle Parkplätze waren mit riesigen Anhängern oder LKWs belegt. Kurz vor einer Tankstelle wäre ich fast von einem abbiegenden Auto erfasst worden, weil ich durch die parkenden LKWs von der Straße aus nicht zu sehen war. Ich konnte selber nicht sehen, ob Autos von hinten kamen. Es war auch insgesamt zu laut, um kommende Autos zu erkennen. Ich habe richtig Angst bekommen. Nie wieder fahre ich da lang. Danach habe ich mich noch verfahren, ein Straßenschild war gedreht und ich habe eine Straße rechts verpasst, was dazu führte, dass ich ein langes Stück zurück fahren musste. Insgesamt habe ich zwei Stunden und zwanzig Minuten gebraucht. Noch länger als mit Martin.

Meine heutige Strecke hatte ich angepasst, um die gefährliche Stelle mit den LKWs zu vermeiden. Ich habe mich diesmal nicht verfahren (ok, nur einmal kurz), musste aber zwischendurch halten, um meinen Standort zu prüfen. Ich war zwei Stunden unterwegs. Es gab wieder ein Stück am Ufer entlang, das ich von letzter Woche schon kannte. Blöd. Viele Promenaden mit Fußgängern, Kindern und Hunden. Schön, keine Frage, nur nicht gut, um schnell nach Hause zu fahren. Einige Radler sind trotzdem wie Bescheuerte zwischen den Fußgängern gefahren. Meine Route ging auch entlang schmale Straßen ohne Radwege, aber ich bin dem Rat von Radioeins gefolgt und bin mittig gefahren, wenn es zu eng war, um sicher überholt zu werden. Es gab einen Autofahrer, der anscheinend so genervt war, zehn Sekunden hinter einem Fahrrad auf reduziertem Tempo fahren zu müssen, dass er an der nächsten Ampel mit Vollgas über die Kreuzung gefahren ist. Ich bin auch vielen vorsichtigen und freundlichen Autofahrern begegnet. Und richtigen Idioten auf Fahrrädern, wie der junge Mann, der wie ein Pfeil aus einer Kreuzung gegenüber von mir geschossen kam, obwohl er wie ich rot hatte, und direkt auf eine andere Fahrradfahrerin aus meiner linken Seite fuhr, die gerade über die Kreuzung ankam. Er hat weder gebremst noch ausgewichen, das musste die Frau machen, was sehr gefährlich war, da Autos hinter ihr kamen. Natürlich hat sie geschrien und geschimpft. Der Mann hat daraufhin seine Richtung geändert, ist ihr vom Bürgersteig aus hinter mir gefolgt und hat angefangen, einen lauten dementen Lachen von sich zu geben. Mist, ich hätte zurück fahren sollen, falls er sie noch angreifen wollte. Daran habe ich in dem Moment nicht gedacht.

Fahrrad-Saison eröffnet

Seit mindestens halb fünf bin ich schon wach. Nicht mehr müde. Die Katze hat genervt. Sie lag voll gestreckt am Ende des Bettes und ich hatte keinen Platz mehr für meine Füsse. Ich musste sie mehrmals schubsen, bevor sie sich einen anderen Schlafplatz gesucht hat. Diesmal hat sie wenigstens meine Beine nicht durch die Decke angegriffen. Martin hat leise geschnarcht. Er ist kurz aufgewacht, hat getrunken, und ist wieder eingeschlafen. Ich lag immer noch wach neben ihm. Um fünf bin ich aufgestanden. Ich verstehe das nicht.

Gestern bin ich mit dem Fahrrad gefahren. Ich kann nicht gleich anfangen, jeden Tag die Strecke hin und zurück zur Arbeit mit dem Fahrrad machen, das wäre zu hart. Der Plan war, mit der Bahn morgens hin zu fahren und abends mit dem Fahrrad zurück. Dafür brauche ich einen Fahrausweis fürs Fahrrad. Am besten gleich eine Monatskarte, die lohnt sich schon ab fünf Fahrten. Am Automat geht es einfach, wenn man bar bezahlt. Ich wollte die EC-Karte benutzen. Ging nicht, obwohl der Bildschirm das Gegenteil behauptete. Nach drei Versuchen mit verschiedenen Fehlermeldungen (Karte nicht lesbar, Zahlvorgang nicht durchführbar…) und eine verpasste Bahn habe ich den Automat auf der anderen Seite probiert. Kein Problem. In die S1 gestiegen, in Schöneberg umgestiegen, falschen Aufzug benutzt (das Fahrrad ist mir zu schwer für die Treppe), zum nächsten Aufzug gerannt, am Gleis angekommen, Ringbahn verpasst. Nicht schlimm, sie fährt häufig genug. In Treptower Park musste ich wieder den Gleis wechseln. Ich hatte schon keine Lust mehr und habe beschlossen, den Rest mit dem Fahrrad zu fahren. Es tat so gut. Eigentlich hätte ich schon in Hermannstraße aussteigen können, ich wäre früher bei der Arbeit angekommen.

Für die Rückfahrt hatte ich Martin angeboten, mit mir zu fahren. Wir haben uns kurz nach sechs getroffen. Ursprünglich wollte ich meiner Route von Google Maps folgen. Martin meinte, am Kanal entlang wäre es schöner. Man musste aber mehrmals die Seite vom Kanal wechseln, der Radweg war nicht durchgehend und wir mussten häufig halten, um den richtigen Weg zu finden. An einer Stelle, als es klar wurde, dass es am Ufer nicht weiter ging, war ich schon umgekehrt, jedoch ist mir Martin nicht gefolgt. Ich habe an der Brücke auf ihn gewartet, aber er war irritiert, dass ich nicht bei ihm geblieben war. Wozu denn? Es gab keinen Weg mehr. Er hatte sich umschauen wollen, ob man nach den steilen Treppen rechts weiter fahren könnte. Konnte man nicht. Und ich suche mir doch keine Route aus, bei der ich das Fahrrad in Treppen hoch schleppen muss, wenn ich täglich fahren will. Manchmal denkt er komisch. Am Ende haben wir eine Stunde und fünfzig Minuten gebraucht. Mir war kalt und ich war hungrig, meine Muskeln haben am Ende geschrien. Beim nächsten Mal fahre ich alleine. Auf meiner ausgesuchten Strecke meint Google, ich bräuchte eine Stunde fünfzehn Minuten. Wenn es stimmt, entspricht es ziemlich genau was ich mit der Bahn mache, da ich das letzte Stück immer laufe, statt die Tram zu benutzen.

Das ist trotzdem eine lange Strecke. Es reicht, wenn ich nur abends radle. Sonst muss ich noch Zeit für die Dusche bei der Arbeit planen. Zwei mal am Tag duschen ist nicht gut für meine Haut. Heute fahre ich erstmal wieder Bahn. Ich spüre zwar keinen Muskelkater, will mich aber nicht überanstrengen. Und meine übliche Bahn fährt ab heute wieder.