Sonntagsradeln

Dank Fieselfux bin ich auf die Idee gekommen, heute das Fahrrad aus der Tiefgarage zu holen und mit dem Ehemann zum Fliegeberg zu fahren. Von zu Hause aus brauchen wir nicht mal eine halbe Stunde. Es war das erste Mal seit meinem Armbruch, dass ich mein Fahrrad wieder angefasst habe. Fahrrad gefahren bin ich dieses Jahr sonst schon, in Finnland. Leihweise. Bilder dazu kommen noch.

Wir haben die Fahrräder am Eingang vom Park gelassen und sind zu Fuß herum gegangen. Das Wetter war fantastisch, volle Sonne und schön warm, schon am frühen Morgen. Kaum Leute unterwegs, obwohl es schon nach zehn Uhr war. Der Ehemann hat erzählt, er war früher als Kleinkind häufig mit seinen Eltern hierher gekommen, als sie noch in der Nähe wohnten. Seitdem sie umgezogen sind, ist er nie wieder zurück gekommen. Es war schön für ihn, den Park mit mir neu zu entdecken. Hinter dem Wasserbecken sieht man den künstlichen Fliegeberg, den Otto Lilienthal für seine Flugversuche benutzt hatte.

Nach einer kurzen Umrundung des Teiches rechts vom Fliegeberg sind wir zu unserem nächsten Ziel geradelt. Die Sternfahrt. Mich hatte die Idee gelockt, mit dem Fahrrad auf der Autobahn fahren zu dürfen. Wie geil ist das denn? Leider wurde nichts daraus.

Nachdem wir uns dem Zug an einem U-Bahnhof angeschlossen haben, sind wir in Richtung Autobahnzufahrt Grenzallee mitgeradelt. Um dann eine Stunde dort zu verhaaren. Die Zufahrt war gesperrt, keiner kam durch. Wieso, wusste keiner. Wir haben uns eine Stelle im Schatten in einer Querstrasse gefunden und haben erstmals gewartet. Nun, nach einer Weile tat mein Ischias weh, und es war ziemlich langweilig. Ab und zu kam eine Welle Gedrängel, wo Leute mit ihren Fahrrädern einfach nach vorne gefahren sind, aber vorne ging es trotzdem nicht weiter. Irgendwann hat jemand durch ein Mikrofon die Leute dazu aufgerufen, stehen zu bleiben, was völlig ignoriert wurde, da, nachdem ein Krankenwagen sich den Weg durch die Menge gebannt hatte, viele Leute wieder gedrängelt haben. Irgendeine Information, warum wir da standen und wann es endlich los gehen würde, wurde nicht mitgeteilt. Klar ist, ich mache beim nächsten Mal nicht mit.

Nach über einer Stunde hatte es uns gereicht. Wir sind umgedreht und stattdessen nach Tempelhof gefahren. Bei dem tollen Wetter an einem Sonntag war das Feld unglaublich menschenleer. Wir haben auf den Liegestühlen vom Biergarten entspannt. Einige Meter von uns entfernt, unter anderen Bäumen, saßen zwei Frauen mit einem Kleinkind, das vielleicht zwei Jahre alt war. Das Kind trug nur eine kurze Hose, die ihm doch bis zu den Knien reichte und zu groß war, da sie ihm beim Laufen unter dem Po gerutscht war. Ich glaube, er hat es nicht gemerkt. Irgendwann hat er sich die Hose komplett ausgezogen und ist ganz nackig und fröhlich durchs Grass mit der Hose in der Hand gelaufen. Herrlich. Zwei Männer haben vor den Tischen hinter uns Musik gespielt und gesungen, Country oder so, das hörte sich toll an. Ich habe gedacht, ich will gar nicht weg von Berlin, es lebt sich hier so schön. Tja…

Mit dem Fahrrad nach Hause

Das habe ich lange vor mir hergeschoben. Letztes Jahr hatte ich sogar früher damit angefangen, obwohl die Temperaturen dieses Jahr so mild gewesen sind.

Heute Morgen bin ich mit dem Fahrrad in der S-Bahn gefahren. Um gemütlich zu reisen, bin ich eine Stunde später als sonst von zu Hause aus gegangen. Es hat sich gelohnt. Die Bahn war quasi leer. Viel besser, als mit dem Fahrrad in einen überfüllten Zug einsteigen zu wollen. Das kann ich mir aber nur leisten, weil ich einige Überstunden auf dem Konto habe.

Angeblich hätte es heute Abend stark regnen sollen. Ich habe mich nicht davon abhalten lassen. Ab morgen wird es wieder kühler, und meine Motivation wäre zurück gefallen. Ich habe um halb sechs die Arbeit verlassen. Die Strecke kenne ich noch gut. Ich habe mich am Anfang nur zweimal verfahren, und es war nicht so schlimm, weil ich dadurch nur Parallelstraßen zu meiner üblichen Route benutzt habe. Das Wetter war doch angenehm, ich hätte die Regenjacke gar nicht mitnehmen müssen.

Ich werde nicht lügen, es hat sich hart angefühlt. Ich habe eine Stunde und vierzig Minuten für zweiundzwanzig Kilometer gebraucht. Es ging mal flotter. Ich muss meine Kondition wieder aufbauen. Problematisch wurde es vor dem letzten Viertel der Strecke, als ich plötzlich ohne erkennbaren Grund Krämpfe in beiden Füßen bekommen habe. Vielleicht habe ich nicht die richtigen Schuhen zum langen Raddeln angezogen. Ich bin vom Fahrrad ausgestiegen und habe meine Füße gestreckt. Ich habe das Fahrrad auf dem Bürgersteig geschoben. Irgendwann ging es besser und ich bin weiter gefahren.

Der Anfang war also mühsam. Trotzdem bin ich froh, dass ich es geschafft habe. Es kann nur besser werden.

Fahrradklingel

Heute, auf dem Weg nach Hause. Es ist spät, ich bin bis halb acht im Büro geblieben. Um die Uhrzeit ist das Radeln entspannt. Sehr wenige Autos auf der Straße. Die meisten Leute sind beim Abendessen. Die Radwege vor den Läden sind ungewöhnlich frei. Selbst der Bahnhof Lichterfelde Ost wirkt ruhig. Kurz danach fahre ich die Königsberger Straße herunter. Von weitem sehe ich zwei älteren Herren im Anzug nach einer Bushaltestelle, die in aller Ruhe auf dem Radweg spazieren gehen (neben dem noch viel breiterem Gehweg). Sie sehen beide über 70 Jahre alt aus. Ich denke, besser ganz früh klingeln, damit sie Zeit haben, darauf zu reagieren. Sie sind gut 30 Meter vor mir entfernt, wenn ich die Klingel betätige. Keine Reaktion. Ein bisschen schwerhörig, die Opas. So alt ist meine Klingel nicht. Ich verlangsame mein Tempo und fange an, ununterbrochen Radau zu machen. Irgendwann werden sie doch die Klingel hören müssen. Nein. Ich bin jetzt schon ganz nah hinter ihnen, vielleicht knapp zehn Meter. Zum heftigen Klingeln rufe ich noch laut „Haaallooo!“, während ich weiter bremse. Beide Herren zucken plötzlich und gehen zur Seite. Der Radweg ist wieder frei. Ich überhole sie. Hinter mir ruft dann ein der beiden Herren in einem vorwurfsvollem Ton: „Klingeln!“ Marktlücke: Fahrradklingel mit tieferen Tönen für Hörgeschädigte. Bei der immer älter werdenden deutschen Bevölkerung wird es dringend nötig.

Letzte Woche hatte ich eine ganz andere Erfahrung. Ich fuhr in Britz schon einige Zeit hinter einer Frau mit Kopftuch auf dem Radweg. Sie selbst fuhr hinter einem etwa dreijähriges Mädchen auf einem pinken Fahrrad. Sie waren extrem langsam. Ich war nicht in Eile und habe gewartet, dass es genug Platz zum überholen gab, bevor ich meine Absicht mit einem Klingelton ankündigte (ich hatte am Abend davor einiges über Verkehrsrecht auf der Seite vom ADFC gelesen). Ganz langsam geklingelt, damit es nicht zu schrill und erschreckend wirkt. Die Frau hat eine völlig unerwartete Reaktion gezeigt: Vollbremse gemacht, mitten im breiten Weg gehalten, sich böse umgedreht und etwas gesagt wie ich sollte nicht so drängeln, sie wäre ja mit einem Kleinkind zusammen. Ich habe sie beruhigen müssen (mit Lächeln, ganz wichtig) und erklärt, dass es nicht böse gemeint war, sondern zu den Regeln fürs Fahrradfahhren gehört. Sie hat sich etwas entspannt und zugegeben, dass sie den Klang sehr stressig findet. Ich will nicht wissen, was man erlebt haben muss, um so panisch auf eine Fahrradklingel zu reagieren.

Wind

Ich hasse es. Seit gestern weht es aus dem Westen durch Berlin in starken Böen. Ich kriege massiven Gegenwind auf dem Weg nach Hause. Ich merke, wie schnell meine Geschwindigkeit sinkt, wenn ich kurz nicht mehr trete. Heute Abend an der Ampel hätte mir der Wind fast den Lenker auf den Händen gedreht. Und die Leute sind gereizt.

Heute morgen wäre ich kurz vor Lichterfelde West von einem abbiegenden weißen Transporter aus der anderen Richtung überfahren worden, wenn er nicht im letzten Moment mitten auf der Kreuzung notgebremst hätte. Es war merkwürdig. Ich bin an der Kreuzung bei Gelb gefahren. Die Ampel ist gerade gelb geworden, als ich (rechts von einem Auto) noch ziemlich schnell auf dem Radweg vorbei gefahren bin. Kein Grund, plötzlich zu bremsen, es wäre eher gefährlich gewesen. Die Kreuzung ist aber lang, und ich bin langsamer als das Auto links von mir gefahren. Ich vermute, es wurde hinter mir rot, als der Transporter nach dem Auto mit vollem Schwung angefangen hat, abzubiegen, und mich (absichtlich?) „übersehen“ hat. Obwohl es kein Fehler war, bei Gelb nicht zu halten, weil es so kurzfristig gewechselt hatte, habe ich mich geärgert. Und noch mehr, als der Transporter-Fahrer angefangen hat zu brüllen, weil er offensichtlich dachte, ich wäre bei rot gefahren. Vielleicht sollte man anregen, an der Kreuzung eine separate Ampel für Radfahrer anzubringen, die früher rot wird.

Später bin ich wie immer am Lidl in der Gutschmidtstraße vorbei gefahren. Es war noch früh. Sehr wenige Leute waren unterwegs. Kein Mensch auf dem Parkplatz rechts von mir, keine Fußgänger auf dem geteilten Rad- & Gehweg. Ich konnte gut fahren. Plötzlich habe ich aus der hinteren Ecke vom Parkplatz einen beeindruckenden Staubwirbel mit Blättern wahrgenommen, der sich schnell zu mir bewegte. Ein Zusammentreffen schien unvermeidlich. Ich habe den Kopf leicht nach links gedreht und die Augen gekneift, um nichts davon zu bekommen. Meine Augen sind mit dem Wind zur Zeit genug gereizt. In dem Moment ist ein Auto von der Straße aus zum Lidl abgebogen. Ich war im Weg, der Fahrer musste warten, dass ich vorbei fahre. Es schien Grund genug zu sein, um ihn aufzuregen. Weil irgendwas angemeckert werden musste, aber doch nicht, dass ich auf dem Radweg war, wie es sich gehört, meinte er durch sein Fenster, ich sollte rechts und nicht links beim fahren schauen. Äh? Rechts war Funkstille. Stimmt. Kate hatte mir erzählt, die Berliner müssen einen immer belehren, selbst wo kein Bedarf / Anlass besteht. Kann ich nur bestätigen. Vielleicht lag es auch daran, dass ich eine Frau bin, oder dass ich offensichtlich nicht deutscher Abstammung bin, oder was weiß ich. Der Berliner hält sich häufig für überlegen. Ich habe ihn reden lassen und bin weiter gefahren.

Heute Abend habe ich auf dem Rückweg gesehen, wie ein Radfahrer und ein (schon wieder) weißer Transporter sich gerade verpasst haben. Beide haben sich so unverschämt stur verhalten, es hätte krachen sollen, nur, um ihnen eine Lehre zu sein. Doch nicht. Es hätte für den Radfahrer ganz schlimm im Krankenhaus geendet. Ich stand an der roten Ampel, vor der Paul-Schneider-Straße. Links von der Kreuzung standen auch viele Autos. Es war gerade der Moment, wo niemand fuhr. Die Fußgänger-Ampel von links nach rechts vor mir war grün. Der Radfahrer ist wie ein Pfeil geschossen über die Zebrastreifen gekommen. In dem Moment ist der Transporter-Fahrer aus meiner rechten Seite über die Kreuzung gerast, um links abzubiegen. Keiner hat gebremst. Der Transporter-Fahrer hat sich böse umgeschaut, der Radfahrer hat geschimpft. Die sind mir beide aber echt bescheuert vorgekommen.

Heute wieder nicht überfahren

Das grenzt langsam an einem Wunder.

Heute Morgen fuhr ich nicht besonders schnell mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit. Ich habe mir am Wochenende einen neuen Lenker besorgt, um die Schmerze in den Handgelenken zu vermeiden. Das scheint zu klappen, aber ich muss mich an die geänderte Haltung gewöhnen, es fühlt sich nicht mehr so stabil an. Vielleicht ist er zu hoch gestellt. Heute Morgen fuhr ich also hinter einem helmlosen Opa mit weißen Haaren auf dem Radweg, zwischen geparkten Autos und Bürgersteig. Auf einmal ist eine Autofahrerin nach rechts abgebogen, um zu einem Gebäude zu fahren, und hat den Opa erst gemerkt, als er kurz vor ihr war, obwohl das Sichtfeld an der Stelle sehr gut ist. Sie hat halbwegs auf dem Radweg notgebremst, das Auto hat einen leichten Sprung gemacht und der Motor ist ausgegangen. Schreck für den Opa, zum Glück hat sie ihn gerade nicht erwischt. Er ist weiter gefahren. Ich kam einige Sekunden hinterher und dachte, sie muss jetzt gemerkt haben, dass es hier einen Radweg gibt. Nein. Ich war gerade dabei, den Ausweichbogen vor ihrer Haube auf dem Bürgersteig zu machen (kein Rentner in Sicht), als sie den Motor wieder startete und schnell weiter fahren wollte, wieder ohne vorher rechts zu schauen. Wieder notgebremst, erneuter Motorstillstand. Es war sehr knapp. Die blöde Kuh hat noch geschimpft.

Heute Abend war es ein alter Motorrad- oder Scooterfahrer mit dickem weißem Schnurrbart, der mich auf dem Radweg überfahren wollte. Wieder eine Stelle mit sehr gutem Blickfeld, eigentlich, es hätte echt nicht passieren dürfen. Der Mann kam sehr schnell aus der entgegengesetzten Richtung und hat im letzten Moment auf dem feinen Kiesel vor dem Radweg und links von mir gebremst. Fast wäre er ausgerutscht. Sehr wahrscheinlich wollte er zum Scooter-Laden. Ich habe einen großen Schreck bekommen. Selbst die Autos auf der Straße haben kurz angehalten.

Ich frage mich, ob ich die neue Streikperiode der Bahn heil überleben werde. Es fängt erst morgen an.

Eine Woche Bahnstreik

Na ja, vier Tage diese Woche… Ich hätte wieder mit Bus und U-Bahn fahren können, aber es dauert viel länger und so pünktlich ist der Bus auch nicht. Wir haben seit Monaten Bauarbeiten vor dem Haus und viele Fahrspuren sind gesperrt. Das letzte Mal kam der Bus deswegen zehn Minuten zu spät. Ich habe diesmal beschlossen, mit dem Fahrrad zu fahren. Hin und zurück zur Arbeit, selbst wenn ich dann zweimal am Tag duschen muss. Für diese Woche habe ich knapp 170 Kilometer hinter mir.

Es war toll. Ich fühle mir super. Ich bin sogar unter 75 Minuten für die gesamte Strecke runter gekommen, also fast 20 Kilometer pro Stunde im Durchschnitt (es gibt 38 Ampeln auf dem Weg). Es hilft, dass ich mich nicht mehr verfahre. Ich habe ein Kilogramm zugenommen und das Gefühl, Oberschenkel und Po aus Betonstahl zu haben, obwohl heftige Muskelkater ausgeblieben sind.

Was genervt hat sind Autofahrer, die auf dem Radweg parken (und dabei lächeln wenn sie einen Radfahrer gerade ankommen sehen, und trotzdem auf dem Radweg bleiben), die Schnecken, die man wieder vor sich hat, weil sie sich an keine Verkehrsregel halten und einen bei rot überholen und weiter fahren (das ohne Helm), die halbtauben Opas, die ihre Taschenhunde auf dem Radweg Gassi führen (eine neue Klingel muss jetzt her), die vielen Insekten, die einem ins Gesicht prallen (heute hatte ich sogar eine Spinne, die auf meine Wange herunter gelaufen ist, brrr), die Schmerzen im Handgelenk, trotz guter Federung, weil die Radwege in einem miesen Zustand sind…

Vor allem hat es mir gefallen, unter fallenden Baumblüten zu fahren, neue kleine Straßen zu entdecken, doch meistens alleine auf dem Radweg zu sein, doch auch von fröhlichen fremden Menschen begrüßt zu werden (in Berlin!), und mich jeden Tag immer fitter zu fühlen. Ich merke, wie ich bei der Arbeit die hohen Treppen schnell ohne Mühe hoch laufen kann. Von mir aus kann der Streik länger dauern, ich will jetzt die ganze Sommersaison auf dem Rad verbringen.

Obwohl… Seit einigen Tagen sagt mir ein leichtes ständiges Zucken im Unterleib, dass es vielleicht nicht lange möglich sein wird. Schon merkwürdig, dass ich so früh merke, wenn ich schwanger bin, und andere Frauen ihre Schwangerschaft wochenlang nicht wahrnehmen. Das werde ich auf jeden Fall ausnutzen, um bei der Arbeit erst ab dem dritten Monat Bescheid zu sagen. Falls es diesmal nicht wieder mit einem Spontanabort endet.

Nach Hause geradelt

Heute bin ich zum dritten Mal seit letzter Woche mit dem Fahrrad nach der Arbeit gefahren. Ich bin frustriert, dass ich jedes Mal um die zwei Stunden gebraucht habe, obwohl zwischen Arbeit und Wohnung 21 km liegen. Letzte Woche dachte ich, es läge daran, dass ich den Weg noch nicht kannte. Und mit Martin sind wir viel am Ufer entlang gefahren, was nicht die schnellste Route ist.

Am Freitag habe ich mir nach dem Vorschlag von einem Kollegen eine neue Route mit BBBike rechnen lassen. Ich habe schon am Anfang eine gute halbe Stunde verloren, weil ich eine Straße auf Anhieb nicht gefunden habe und auf dem Handy suchen musste. Blöderweise gab es zwei Straßen mit dem gleichen Namen im Umkreis von 3 km, beide genau so weit entfernt von meiner vorherigen Straße, und ich habe zuerst in der falschen Straße nach dem weiteren Weg gesucht. Danach gab es einfachere Strecken, wo ich nur gerade aus fahren musste. Das erste Stück am Wildmeisterdamm war aber durch eine grüne Fläche mit vielen Kleinkindern überall, schnell fahren kam nicht in Frage. Das zweite lange Stück an oder nach der Marienfelder Chaussee will ich auch nicht mehr machen, es war mir zu gefährlich. In einem Industriegebiet waren rechts vom Radweg nur Gewerbeflächen mit riesigen Parkplätzen, links die Straße mit schnell fahrenden Autos, und Parplätzen zwischen Straße und Radweg. Alle Parkplätze waren mit riesigen Anhängern oder LKWs belegt. Kurz vor einer Tankstelle wäre ich fast von einem abbiegenden Auto erfasst worden, weil ich durch die parkenden LKWs von der Straße aus nicht zu sehen war. Ich konnte selber nicht sehen, ob Autos von hinten kamen. Es war auch insgesamt zu laut, um kommende Autos zu erkennen. Ich habe richtig Angst bekommen. Nie wieder fahre ich da lang. Danach habe ich mich noch verfahren, ein Straßenschild war gedreht und ich habe eine Straße rechts verpasst, was dazu führte, dass ich ein langes Stück zurück fahren musste. Insgesamt habe ich zwei Stunden und zwanzig Minuten gebraucht. Noch länger als mit Martin.

Meine heutige Strecke hatte ich angepasst, um die gefährliche Stelle mit den LKWs zu vermeiden. Ich habe mich diesmal nicht verfahren (ok, nur einmal kurz), musste aber zwischendurch halten, um meinen Standort zu prüfen. Ich war zwei Stunden unterwegs. Es gab wieder ein Stück am Ufer entlang, das ich von letzter Woche schon kannte. Blöd. Viele Promenaden mit Fußgängern, Kindern und Hunden. Schön, keine Frage, nur nicht gut, um schnell nach Hause zu fahren. Einige Radler sind trotzdem wie Bescheuerte zwischen den Fußgängern gefahren. Meine Route ging auch entlang schmale Straßen ohne Radwege, aber ich bin dem Rat von Radioeins gefolgt und bin mittig gefahren, wenn es zu eng war, um sicher überholt zu werden. Es gab einen Autofahrer, der anscheinend so genervt war, zehn Sekunden hinter einem Fahrrad auf reduziertem Tempo fahren zu müssen, dass er an der nächsten Ampel mit Vollgas über die Kreuzung gefahren ist. Ich bin auch vielen vorsichtigen und freundlichen Autofahrern begegnet. Und richtigen Idioten auf Fahrrädern, wie der junge Mann, der wie ein Pfeil aus einer Kreuzung gegenüber von mir geschossen kam, obwohl er wie ich rot hatte, und direkt auf eine andere Fahrradfahrerin aus meiner linken Seite fuhr, die gerade über die Kreuzung ankam. Er hat weder gebremst noch ausgewichen, das musste die Frau machen, was sehr gefährlich war, da Autos hinter ihr kamen. Natürlich hat sie geschrien und geschimpft. Der Mann hat daraufhin seine Richtung geändert, ist ihr vom Bürgersteig aus hinter mir gefolgt und hat angefangen, einen lauten dementen Lachen von sich zu geben. Mist, ich hätte zurück fahren sollen, falls er sie noch angreifen wollte. Daran habe ich in dem Moment nicht gedacht.

Fahrrad-Saison eröffnet

Seit mindestens halb fünf bin ich schon wach. Nicht mehr müde. Die Katze hat genervt. Sie lag voll gestreckt am Ende des Bettes und ich hatte keinen Platz mehr für meine Füsse. Ich musste sie mehrmals schubsen, bevor sie sich einen anderen Schlafplatz gesucht hat. Diesmal hat sie wenigstens meine Beine nicht durch die Decke angegriffen. Martin hat leise geschnarcht. Er ist kurz aufgewacht, hat getrunken, und ist wieder eingeschlafen. Ich lag immer noch wach neben ihm. Um fünf bin ich aufgestanden. Ich verstehe das nicht.

Gestern bin ich mit dem Fahrrad gefahren. Ich kann nicht gleich anfangen, jeden Tag die Strecke hin und zurück zur Arbeit mit dem Fahrrad machen, das wäre zu hart. Der Plan war, mit der Bahn morgens hin zu fahren und abends mit dem Fahrrad zurück. Dafür brauche ich einen Fahrausweis fürs Fahrrad. Am besten gleich eine Monatskarte, die lohnt sich schon ab fünf Fahrten. Am Automat geht es einfach, wenn man bar bezahlt. Ich wollte die EC-Karte benutzen. Ging nicht, obwohl der Bildschirm das Gegenteil behauptete. Nach drei Versuchen mit verschiedenen Fehlermeldungen (Karte nicht lesbar, Zahlvorgang nicht durchführbar…) und eine verpasste Bahn habe ich den Automat auf der anderen Seite probiert. Kein Problem. In die S1 gestiegen, in Schöneberg umgestiegen, falschen Aufzug benutzt (das Fahrrad ist mir zu schwer für die Treppe), zum nächsten Aufzug gerannt, am Gleis angekommen, Ringbahn verpasst. Nicht schlimm, sie fährt häufig genug. In Treptower Park musste ich wieder den Gleis wechseln. Ich hatte schon keine Lust mehr und habe beschlossen, den Rest mit dem Fahrrad zu fahren. Es tat so gut. Eigentlich hätte ich schon in Hermannstraße aussteigen können, ich wäre früher bei der Arbeit angekommen.

Für die Rückfahrt hatte ich Martin angeboten, mit mir zu fahren. Wir haben uns kurz nach sechs getroffen. Ursprünglich wollte ich meiner Route von Google Maps folgen. Martin meinte, am Kanal entlang wäre es schöner. Man musste aber mehrmals die Seite vom Kanal wechseln, der Radweg war nicht durchgehend und wir mussten häufig halten, um den richtigen Weg zu finden. An einer Stelle, als es klar wurde, dass es am Ufer nicht weiter ging, war ich schon umgekehrt, jedoch ist mir Martin nicht gefolgt. Ich habe an der Brücke auf ihn gewartet, aber er war irritiert, dass ich nicht bei ihm geblieben war. Wozu denn? Es gab keinen Weg mehr. Er hatte sich umschauen wollen, ob man nach den steilen Treppen rechts weiter fahren könnte. Konnte man nicht. Und ich suche mir doch keine Route aus, bei der ich das Fahrrad in Treppen hoch schleppen muss, wenn ich täglich fahren will. Manchmal denkt er komisch. Am Ende haben wir eine Stunde und fünfzig Minuten gebraucht. Mir war kalt und ich war hungrig, meine Muskeln haben am Ende geschrien. Beim nächsten Mal fahre ich alleine. Auf meiner ausgesuchten Strecke meint Google, ich bräuchte eine Stunde fünfzehn Minuten. Wenn es stimmt, entspricht es ziemlich genau was ich mit der Bahn mache, da ich das letzte Stück immer laufe, statt die Tram zu benutzen.

Das ist trotzdem eine lange Strecke. Es reicht, wenn ich nur abends radle. Sonst muss ich noch Zeit für die Dusche bei der Arbeit planen. Zwei mal am Tag duschen ist nicht gut für meine Haut. Heute fahre ich erstmal wieder Bahn. Ich spüre zwar keinen Muskelkater, will mich aber nicht überanstrengen. Und meine übliche Bahn fährt ab heute wieder.

Die verschwundenen Räder

Es wird noch einige Wochen dauern, bis unsere Wohnung besuchbar wird. Viele Kartons liegen im Wohnzimmer und in der Küche gestapelt. Meine sind fast ausgepackt, bis auf die Kisten für die Küche, die ja auch bestellt werden soll.

Seit einiger Zeit denken wir daran, mal wieder Fahrrad zu fahren. Ich habe es seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr gemacht. Ich war krank, dann waren wir im Urlaub, dann kamen schon die Vorbereitungen für den Umzug… Und da es kälter wird, wollte Martin seine Winterräder an seinem Rad bauen. Gute Idee, ich könnte mir auch welche besorgen, wenn es glatt wird.

Er hat angefangen, nach seinen Rädern zu suchen, hinten den Kartons in der Wohnung, im Keller… Nirgendwo zu finden. Seltsam. Die hatte er selber aus dem Keller seiner vorherigen Wohnung bis zum Umzugswagen gebracht. Vielleicht wurden sie im LKW vergessen? Die angerufene Person bei der Umzugsfirma verneinte dies kategorisch. Vielleicht haben sie sie beim Auspacken irgendwo abgestellt und liegen lassen. Dann sind sie seit drei Wochen bestimmt schon weg, sie waren ziemlich teuer gewesen. Er hat sich sehr darüber geärgert.

Am Samstag sind wir zum Frühstück zur Bäckerei um die Ecke gegangen. Auf der Rückkehr, kurz vor der Haustür, ist Martin plötzlich stehen geblieben. Da, neben den anderen angeschlossenen Fahrrädern, waren seine beide Räder angelehnt! Offensichtlich seit längerer Zeit, da sie Spuren von den Vögeln bekommen hatten. Unglaublich. Da wir seit dem Umzug meistens mit dem Auto unterwegs sind, und einen Platz in der Tiefgarage haben, sind wir noch nie bei Tageslicht durch die Haustür gegangen. Dort hatten die Reifen die ganze Zeit gewartet, und keiner hat sie mitgeschleppt. Es sagt einiges über die Qualität der neuen Nachbarschaft aus.

Heute Morgen bin ich ausnahmsweise alleine zur Arbeit gefahren. Im Treppenhaus habe ich die Nachbarin aus dem Erdgeschoss kennen gelernt, eine Dame über 80. Sie hat mich gefragt, ob wir die Räder mitgenommen hätten. Sie wusste nicht, wem sie gehören, und hatte sich Sorgen gemacht, weil sie bestimmt geklaut werden könnten. Süß.