Wochenende in Murnau

Die Entscheidung, das Wochenende in Murnau zu verbringen, war recht spontan. Wir waren am vorherigen Wochenende im Buchheim Museum und hatten die Ausstellung „Farben der Avantgarde“ besucht, die Teil der Ausstellungsreihe MuseenLandschaft Expressionismus[1] ist. Einige dieser Ausstellungen sind nur noch für kurze Zeit verfügbar, wie die im Schlossmuseum Murnau[1], die in zwei Wochen schließt. Grund genug, dort einen Mini-Urlaub übers Wochenende zu verbringen. Samstag Kunstprogramm, Sonntag Spaziergang am Murnauer Moos und am Staffelsee. Mehr dazu demnächst.

Übernachtet haben wir am Hotel Griesbräu[1]. Murnau liegt keine Stunde Auto von zu Hause aus entfernt, aber mit einer Übernachtung vor Ort war es entspannter. Was der Webseite vom Hotel nicht zu entnehmen war: Die Brauerei ist momentan wegen Urlaub geschloßen, und es gibt nicht mal warme Küche, wie uns die schlecht gelaunte Frau an der Rezeption informierte. Unfreundlich war zum Glück nur sie, die anderen Mitarbeiter vom Hotel haben einen besseren Eindruck hinterlassen. Enttäuschend war trotzdem, dass die Brauerei geschlossen war, vor allem für den Ehemann. Dabei war das Hotel gut besucht, wie wir am nächsten Morgen beim Frühstück feststellen konnten.

Wir sind den Untermarkt hoch und runter gelaufen, mit seinen ganz niedlichen Brunnen und interessanten, leider schon geschlossenen Boutiquen. Eine Brauerei hatte geöffnet, aber ein Schild mit „heute geschlossene Gesellschaft“ stand vor der Tür. Am Hotel Angerbräu[1] hat uns die freundliche Dame an der Rezeption enttäuschen müssen, weil sie auch keine Gastronomie anbieten konnte: Es mangelt an Personal. Vermutlich eine Folge der Pandemie. Einen guten Rat wusste sie doch: Wir sollten beim griechischen Restaurant versuchen, einen Tisch zu bekommen, der Fisch wäre richtig gut. Das hat sich sowas von gelohnt! Ich bin von der Küche begeistert, auch wenn wir keinen Fisch bestellt haben. Der Kataifi als Nachtisch war umwerfend und ich bin froh, sehr wenig am Tag gegessen zu haben, so hatte ich noch ausreichend Platz dafür. Bei der Größe wäre es sonst ein Nachtisch zum Teilen.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

In Alba

Nach der langen Autofahrt erreichen wir Alba kurz nach zwanzig Uhr[1]. Wir checken ins Hotel ein, haben gerade Zeit, schnell zu duschen, und gehen wieder raus. Der Ehemann will mich in einem bestimmten Restaurant ausführen. Er kennt sich gut aus, er war häufig beruflich zum Einsatz hier. Leider gibt’s das Restaurant nicht mehr. Alternativ gäbe es ein Lokal direkt gegenüber, aber es sieht voll aus, Menschen stehen draußen wie vor einer Studentenkneipe, mich zieht es nicht an.

Wir laufen zurück zum Hotel und bekommen einen Tisch im Restaurant[2] direkt nebenan. Außer uns sitzen nur vier Personen an einem Tisch weiter weg, sie sprechen irgendeine skandinavische Sprache die ich nicht näher identifizieren kann. Das Restaurant sieht viel schicker aus als das Lokal, und das Menü erhobener. Nach dem Abendessen am Schloss Haigerloch wird es meine zweitbeste kulinarische Erfahrung vom Urlaub. Dazu einen exzellenten Barbera d’Alba[2]. Als Nachtisch gönne ich mir das Duo von Cannoli, einmal klassisch sizilianisch und einmal mit Haselnüssen. Die Cannoli sind viel besser als die, die ich bisher aus den italienischen Marktständen in Deutschland kannte, die meistens zu trocken und brüchig sind.

Nach dem Essen machen wir einen kurzen Spaziergang um die Kathedrale, deren Turm nachtsüber mit den Farben der italienischen Flagge beleuchtet wird. Am nächsten Morgen merke ich, den Turm sieht man auch vom Innenhof vom Hotel aus, wo wir das Auto geparkt haben.

Wir verbringen den folgenden Vormittag mit Stadtbummeln. Alba zählt nicht weniger als acht religiöse Gebäude, was Christentum betrifft, laut der italienischen Wikipedia-Seite der Stadt. Wir besuchen die Kirche San Giuseppe (1656) und die Kathedrale San Lorenzo (vom 6. Jahrhundert), die hinter dem großen Altar die Gebeine von San Fortunato enthält. Diese Art Verehrung von verwesten Knochenresten fand ich schon in meiner Kindheit verstörend[3], eine einfache Statue hätte m.E. gereicht. In der Kathedrale hätte es auch den Kopf von San Teobaldo geben sollen, wäre die goldene Büste Anfang der Achtziger nicht gestohlen worden. Eine Informationstafel erwähnt, dass sie vor zehn Jahren in Minneapolis wieder gefunden worden sei, den Weg zurück zur Kathedrale hat sie bis jetzt nicht gefunden.

Wir schlendern die Einkaufsmeile bis zum Ferrero-Platz – am nordöstlichen Rande von Alba sitzt eine Produktionsstätte von Ferrero[2]. Als wir morgens aus dem Hotel gekommen war, dachte ich, die Bäckerei um die Ecke riecht intensiv nach Schokolade, der Ehemann meinte, es wäre das Ferrero-Werk, das über die ganze Stadt duftet. Wir kaufen keine Schokolade. Auf dem Weg zum Platz gibt es viele kleine Boutiquen mit leckeren Spezialitäten, ich fülle lieber meine Tasche voll mit Pasta und Pesto für die Rückkehr nach Hause, um das Urlaubsgefühl zu verlängern. Am Ferrero-Platz trinken wir ein Espresso. Es ist kurz vor zwölf als ich denke, wir sollten nochmal lecker essen gehen, bevor wir wieder ins Auto steigen. Mein Handy zeigt mir eine Osteria keine zwei Minuten vom Platz entfernt. Sie ist in einem Innenhof direkt hinter dem Café. Als wir ankommen sind wir die einzigen Gäste, alle Tische auf der Terrasse sind frei. Eine Viertelstunde später ist es schon voll und die Kellner müssen Leute ohne Reservierung weg schicken – drin wird scheinbar nicht gegessen. Ich bestelle eine Portion Tajarin al sugo di salsiccia, diese Pasta-Sorte kannte ich noch nicht, der Ehemann ist mit seinen Agnolotti glücklich.

Wir fahren am frühen Nachmittag in Richtung Gardasee los, am Ferrero-Werk vorbei. Ich bin fest entschlossen, zurück nach Alba zu kommen, um wenigstens einmal vor Ort die berühmte Trüffel zu essen. Die habe ich diesmal auf den Menüs nicht gesehen, aber wenn Saison ist, werden sie die Restaurants sicherlich anbieten.

[1] Nach der Rückkehr aus dem Urlaub geschrieben, zum Tag des Abfahrt aus Alba zurück datiert.

[2] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

[3] Dabei bin ich in einer katholischen Familie gewachsen. Praktiziert haben meine Eltern nicht, taufen lassen haben sie uns trotzdem alle drei, als wir noch nicht mal der Sprache mächtig waren.

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Sonntagabend von Ligurien zum Piemont

Autobahn. Auf der Provençale ging’s, aber sobald wir die Grenze überqueren gibt es an gefühlt jedem Tunnel Bauarbeiten und man muss ständig die Spur wechseln, mal durch den linken Tunnel, mal durch den Rechten. Einheimischen halten sich gar nicht an die Geschwindigkeitsgrenzen, die, verglichen an deutschen Standards für solche Strassenzustände, schon recht lasch sind, trotz angekündigten Radarkontrollen. Vielleicht funktionieren die sonntags nicht. Wir werden häufig überholt, wobei ich den Eindruck bekomme, es hat mehr damit zu tun, dass wir ein deutsches Autokennzeichen haben, als dass wir zu langsam fahren würden. Den Eindruck hatte ich schon in Frankreich. Nach einer Weile gibt’s nur noch einen Stau nach dem dem Anderen. Unsere Ankunftszeit verzögert sich ständig.

Der Navi schlägt uns eine schnellere alternative Route vor, und wir verlassen die Autobahn. Ob es wirklich klug war? Wir kommen ganz schnell auf sehr engen kurvenreichen Bergstrassen, die aussehen, als ob niemals zwei Autos neben einander fahren könnten, und ich lasse mich immer wieder überraschen, dass es doch klappt. Strassen, auf denen ich im Winter nicht unterwegs sein möchte. Bin ich froh, nicht selber zu fahren. Wir werden ein paar Male überholt, obwohl wir schneller als die offiziell erlaubten dreißig Kilometer pro Stunde fahren. Durchgehende weiße Linien in der Mitte der Strasse werden höchstens als Dekoration wahrgenommen. Interessant: Wenn man in Frankreich mit dem Navi einen Ziel angibt, stimmt die gerechnete Ankunftszeit bis zum Schluss, obwohl wir langsamer als erlaubt fahren. In Italien  fahren wir schneller als erlaubt aber unsere Ankunftszeit ändert sich nicht. Wir fahren über den Colle von San Bernardo. Die einsame Wirtschaft dort oben sieht längst verlassen aus. Alle Fenster sind eingeschlagen. Es regnet, wir kriegen dickes Gewitter, und ich bin froh, als wir endlich die Bergstrasse hinter uns lassen.

Nach San Bernardino kommen wir wieder zur Autobahn. Wie auf dem ersten Stück Autobahn schert sich keiner um Sicherheitsabstand. Die Nacht bricht herein. Am Ende kommen wir Dreiviertelstunde später am Ziel als vor der Abfahrt gedacht. Immerhin unfallfrei.

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In Dijon

Wir fahren am Sonntag direkt nach dem Frühstück von Mittelbergheim los[1]. Auf Autobahn haben wir keine Lust, die Strecke an den Ballons des Vosges ist viel schöner. Einen Teil dieser Route war ich schon ein paar Male vor über zwanzig Jahren gefahren.

Der beinahe Unfall

Es ist unser dritter Urlaubstag und ich habe genug von Autofahrten. Das Auto ist bequem, dass ist nicht das Problem. Das lange Sitzen und die Idiotie mancher Verkehrsteilnehmer gehen mir auf den Keks. Am Ende einer Ortschaft kurz nach Mittelbergheim fahren wir die maximal erlaubten fünfzig Kilometer pro Stunde[2], ein Auto klebt uns am Arsch. Der Fahrer setzt zum Überholen an, gerade als wir in einer Kurve nach rechts sind, und verfehlt nur ganz knapp ein Oldtimer-Cabrio, das gerade aus der Kreuzung nach der Kurve uns entgegen kommt. Trotzdem, der Ehemann fährt weiterhin gerne Auto.

Wir treffen mehrere Fahrradfahrer unterwegs, viele tragen dicke Nummer auf die Kleidung gepinnt, einige werden dicht von Autos mit Sponsoren gefolgt, es muss ein Rennen geben. Es wundert mich, dass die Strassen dafür nicht gesperrt sind.

Am Col du Bonhomme machen wir eine kleine Pause. Die Gegend sieht toll aus und ich würde gerne wandern gehen. Wir haben leider zu wenig Zeit dafür, wenn wir bei Tageslicht in Dijon ankommen wollen, es reicht gerade für ein paar Fotos.

Auf der Weiterfahrt kommen wir auf eine breitere, gerade Strasse, die durch eine Ortschaft[3] führt, und ich sehe groß auf einem Schild auf der linken Seite, dass in dem Laden, vor dem es steht, Munster fermier des Vosges verkauft wird. Das habe ich seit über zwanzig Jahren nicht mehr gegessen. Ich schreie „Halt, Halt, Halt!“ und da zu dem Zeitpunkt niemand hinter uns fährt, niemand uns entgegen kommt und der Parkplatz links nur halb voll ist, hält der Ehemann an. Im Laden kann man auch Kaffee trinken, was nötig ist, und ich kaufe einen großen Munsterkäse. Wem jetzt denkt, na dann viel Spaß bei dem Geruch im warmen Auto bis zur Provence, sage ich, weit gefehlt. Diesen Käse habe ich während meiner Diplomzeit in der Gegend kennengelernt und er ist fantastisch, er hat gar nichts mit dem Munster zu tun, den man sonst aus dem Supermarkt in Frankreich oder aus gut sortierten Käseläden in Deutschland kennt. Er riecht ganz frisch und schmeckt herrlich, so richtig kann ich es nicht beschreiben, einfach mal dahin fahren und probieren. Jedenfalls, für die Fahrt haben wir den Käse in der Kühlbox gehalten, wir haben kaum etwas im Auto bemerkt, außer, wenn man die Kühlbox geöffnet hat.

Es ist kurz nach vier, als wir das Hotel in Dijon erreichen. Ich bin müde und habe Kopfschmerze. Als wir im Zimmer sind, mutieren die Kopfschmerze zur Migräne. Ich verdunkle das Zimmer und lege mich hin, während der Ehemann spazieren geht. Gegen sieben Uhr abends geht es mir geringfügig besser. Wir gehen essen. Der Ehemann hatte auf dem Handy nach Restaurants gesucht und nichts Besonderes gefunden. Auf der Webseite vom Guide Michelin gibt es einige interessante Restaurants, die hat er wohl nicht gesehen. Bei den Kopfschmerzen will ich sowieso nicht lange laufen, die Altstadt (Fußgängerzone) ist für meine Sommerschuhe zu glatt, und wir landen in einem Restaurant an der Markthalle. Die Eier meurette als Vorspeise kannte ich nicht und ich werde sie auf jeden Fall nachmachen. Das Hähnchen in Senfsauce „vom Chef“ war eine Enttäuschung, einfach ein Stück Hähnchen lieblos auf dem Teller mit einer Art Senf-Béchamel geklatscht, es sah nicht sehr appetitlich aus und hat nur so lala geschmeckt.

Am nächsten Morgen schlendern wir durch die Altstadt von Dijon. Die Markthalle hat geschlossen, es ist Montag. Ich mache erst jetzt Fotos. Am Sonntagabend waren mir viel zu viele Touristen unterwegs.

Bilder der Kirche Notre-Dame, die wir nicht besucht haben. Der Stuck oberhalb von der Tür wurde kurz nach der französischen Revolution zerstört. Die Fassade war zu groß um sie mit der Kamera zu fotografieren. Jedenfalls nicht von meinem Standpunkt aus. Sie ist voll von lustigen Wasserspeiern.

Dijon wirkt verspielt. Überall in der Stadt sieht man Käuzchen abgebildet. Stolpersteine auf dem Bürgersteig. Die Eule ist ein Symbol der Stadt. Sie ist in einer Kante der Kirche eingemeißelt und sieht gut poliert aus. Der Grund: Es soll Glück bringen, sie mit der linken Hand zu streicheln. Vor zwanzig Jahren wurde sie randaliert und dank einer früheren Abformung[4] wieder restauriert. Und sonst, Space Invaders[5] haben die Stadt erobert.

Unser Hauptziel an diesem Morgen ist die Boutique von Maille[5]. Wir kaufen einige Gläser Senf. Die Boutique bietet Sorten an, die man sonst in dem Handel nicht findet. Senf, lerne ich, wird traditionell mit Weißwein hergestellt, nicht mit Essig. Ich nehme auch den Senf mit Rosé mit. Beim Probieren stelle ich fest, der Rosé-Senf ist ganz mild und vielleicht ein bisschen zu salzig für mein Geschmack. Der Senf mit Weißwein steigt richtig in die Nase, wie Senf halt schmecken sollte.

Nach einem letzten Spaziergang setzen wir unsere Reise fort, jetzt nach Saint-Rémy-de-Provence.

[1] Nach der Rückkehr aus dem Urlaub geschrieben, zum Tag des Abfahrt aus Dijon zurück datiert.

[2] Ich gebe zu, ich bin eine nervige Beifahrerin und habe immer einen Auge auf dem Tacho. Wenn wir zu schnell fahren, weiß der Ehemann Bescheid, solange bis wir wieder unter der Geschwindigkeitsgrenze liegen.

[3] Ich wusste schon nicht mehr wo, aber der Kartenzahlungsvorgang aus meinem Kontoauszug hat geholfen: La Bresse[5].

[4] Ich hätte „Moulage“ geschrieben, da es die französische Bezeichnung dafür ist und das Wort ins Deutsche (und ins Englische) übernehmen wurde. Leider ändern andere Sprachen häufig die Bedeutung von den Wörtern, die sie klauen. Gut, dass ich den Begriff zur Sicherheit geprüft habe. Eine Moulage ist auf Deutsch (und auf Englisch) eine Abformung, die nur dem Zweck der Wundedarstellung dient und in der Medizin Anwendung fand.

[5] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

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Weinprobe im Elsass

Die zweite Etappe vom Urlaub[1] bringt uns am Samstag von Haigerloch zum Elsass. Wohin genau weiß ich erstmal nicht, der Ehemann hat diesen Teil geplant. Wir fahren nicht Autobahn und halten auf halber Strecke an der Kniebis-Hütte[2], wo wir uns ein Stück Schwarzwaldtorte teilen. Einige hundert Meter weiter hält der Ehemann wieder an, um die Aussicht zu genießen. Er probiert die Panorama-Funktion von meiner Kamera aus. Das ist nicht etwas, was ich gerne mache, ich finde es verwirrend, das links und rechts vom Bild das selbe zu sehen ist – wobei es im Bild unten nicht so extrem ist, einen Teil der Straße hinter ihm, wo ich mich aufgehalten habe, hat der Ehemann nicht aufgenommen.

Der Rhein bei Regen

Der Weg nach Frankreich führt uns weiter entlang eine kleine, enge Bergstrasse und kurz vor Oppenau kommen wir unerwartet zu einem Stau. Viele Autos stehen auf der Straße, die Leute sind ausgestiegen. Das machen wir auch. Der Ehemann läuft bis zur Kurve unten, wo man durch die Bäume orangefarbene blinkende Lichter sieht: Zwei Abschleppwagen sind da, es gab einen Unfall. Die Strasse ist gesperrt. Er überlegt kurz, ob wir umdrehen sollen. Ich rate ihn davon ab. Ich habe keine Lust, diese kurvige Strasse wieder hoch zu fahren, um noch kleinere Strassen zu benutzen. Es fängt an zu regnen. Nach zwanzig Minuten Wartezeit ist die Unfallstelle schon geräumt und wir können weiter fahren. Den beschädigten Autos nach zu beurteilen, scheint mir die Unfallursache klar zu sein: Zu dicke Autos für eine zu kleine Straße, und ein Mangel an Rücksicht. Wir hatten Glück, nicht selber in dem Unfall verwickelt zu sein, auch wenn es nur Sachschaden war. Es regnet weiter, als wir den Rhein überqueren.

Wir erreichen das Ziel, Mittelbergheim, kurz nach vier Uhr nachmittags. Sobald der Ehemann das Auto geparkt hat, während ich das Gepäck im Zimmer ausgepackt habe, schleppt er mich zu einer Weinprobe, bevor der Laden schließt. Der Grund unseres Besuches ist, dass er schon mal mit seinem Vater hier war. Wenigstens praktisch, die Boutique liegt direkt gegenüber vom Hotel. Nach der Fahrt ist mir nicht wirklich danach, der Kopf schwirrt mir schon, bevor wir überhaupt anfangen. Der Wirt schenkt uns gut gefüllte Gläser, für eine Probe, es sind jedes mal fast zehn Zentiliter. Ich nippe am Glas um den Geschmack festzustellen und der Wirt muss jedesmal meinen Wein weg kippen, um den Nächsten ins Glas zu gießen. Der Ehemann leert alle seine Gläser selber. Ich finde zwei Flaschen, die meiner Mami bestimmt gefallen werden, ein Auxerrois „vieilles vignes“[2] und ein Sylvaner „spontané“[2] ohne Sulfit. Nach der Probe besuchen wir den Keller vom Produzenten, und machen einen Spaziergang durch die Reben am Zotzenberg.

Interessante Strassenbeleuchtungen mit verschiedenen Wappen. Unten rechts, die katholische Kirche Saint-Etienne.

Auf dem Weg zur Kirche und nur des Bildformates wegen unten links, eine animierte Rekonstruktion der traditionellen Weinherstellung. Die restliche Fotos wurden auf dem Weg zurück zum Hotel aufgenommen.

Den Abend verbringen wir im Restaurant vom Hotel. Der Ehemann war, schon vor der Buchung, enttäuscht, dass die Besitzer der Weindomäne das Hotel nicht mehr selber betreiben. Er mag es nicht, wenn Orte sich ändern, in denen er früher Zeit verbracht hat. Das Restaurant bietet keine traditionelle Küche mehr, das Essen war trotzdem hervorragend. Nach einem nächtlichen Spaziergang gehen wir ins Bett. Es ist im Zimmer viel zu warm, wie schon die Nacht davor in Haigerloch. Um drei Uhr morgens liegen wir beide wieder wach und völlig verschwitzt. Der Ehemann öffnet das Fenster vollständig. Draußen ist es kalt und nicht mehr laut, die letzten Feiernden fahren ihren Autos mit lauter Musik nicht mehr. Das Beeindruckendste: Im ganzen Dorf wurden die Strassenbeleuchtungen ausgeschaltet. So einen Sternenhimmel habe ich selten gesehen.

[1] Nach der Rückkehr aus dem Urlaub geschrieben, zum Tag des Abfahrt aus dem Elsass zurück datiert.

[2] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

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An der Nordsee

Wir haben uns spontan für ein paar Tage eine Wohnung in Büsum an der Nordsee gemietet, da der Schwiegervater letzte Woche aus dem Krankenhaus entlassen wurde und es ihm nach dem diagnostizierten zweiten Schlaganfall besser zu gehen scheint. Ausschlaggebend für die Auswahl des Ortes war die vorhandene Übernachtungsmöglichkeit, da sonst fast alles in der Gegend ausgebucht war. Der Mini-Urlaub hat uns gut getan und wir konnten richtig abschalten.

Die Anfahrt am Sonntag verlief trotz zahlreicher Bauarbeiten auf der Autobahn recht entspannt. Eine unangenehme Situation gab es beim Ankommen, als wir in die Unterkunft wollten. Ich hatte mich beim Parken über die merkwürdige Schreibweise vom Wort „Hus“ gewundert, das eher wie „Mus“ aussah, aber der Ehemann meinte, da wären wir richtig, es war die Straße, es würde ja nur ein „wittes Hus“[1] geben. Wir sind mit Mund-Nasen-Schutz aus dem Auto ausgestiegen. Die Frau, die nach unserem Klingen an die Tür kam, schaute uns keine Sekunde lang an und fragte schon in einem beinahe hysterischen Ton, was das mit den Masken soll. Bei ihr im Hause würde absoluter Maskenverbot herrschen. Die Frau wäre nicht infiziert, wären wir vielleicht krank angereist? Masken würden eh nichts bringen[2], erzählte sie uns weiter, alles in einem Atemzug, ohne uns die Gelegenheit zu geben, irgendwas zu antworten. Wir haben uns mit dem Ehemann angeschaut und es war klar, in dem Haus wollten wir auf keinen Fall rein. Als die Frau mit ihrer Tirade fertig war, sagte ich dem sprachlich begabten Ehemann auf Französisch (um zu vermeiden, dass sie sich einmischt), wir suchen uns etwas anderes aus. Die Frau gehört angezeigt, wie sie ihre Gäste dazu zwingt, die Corona-Schutzmaßnahmen derart zu missachten, wir würden bestimmt nicht mal das Geld für die Buchung zahlen müssen, sie würde eher mit einem saftigen Bussgeld bestraft werden. Als sie mich in einer Fremdsprache reden hörte, meinte die Frau[3], wir wären vielleicht nicht die Gäste, die sie erwartet hatte. Dies bestätigte ich erleichtert, ohne die Adresse zu prüfen, weil ich auf keinen Fall dort bleiben wollte. Sie sagte, wir würden bestimmt zum „witten Hus“[3] gegenüber wollen. Dort haben wir umgeparkt, und es war tatsächlich unsere gebuchte Unterkunft, worüber ich richtig froh war. Unsere Mieterin war von weitem viel freundlicher. Im Nachhinein hätten wir unseren Fehler früher merken sollen, da wir eine ganze Wohnung und keine Pension wie drüben dick am Haus geschrieben gebucht hatten.

Unser Aufenthalt war wunderbar. Nicht nur, weil die Wohnung sehr hübsch und gemütlich war (die private Sauna haben wir sehr genossen). Mit dem Wetter hatten wir großes Glück. Der Strand, die Hauptattraktion von Büsum, sieht gewöhnungsbedürftig aus. Die Kombination vom kurz gepflegten Rasen[4] mit den periodisch angeordneten Strandkörben hat etwas unheimliches. Von weit weg aus sieht es wie ein dieser Friedhöfe für gefallene Soldaten aus. Das Hochhaus mittendrin, das einzige Gebäude von Büsum, das man über den Deich sieht, wirkt einfach nur grotesk. Impressionen vom ersten Abend:

Am Montag haben wir uns einen Strandkorb gemietet. Morgens sind wir bei Flut geschwommen, das Wasser war allerdings sehr kalt und es hat einiges an Überwindung gekostet. Ich habe ein paar Züge Brustschwimmen gemacht und bin raus gegangen, der Ehemann hat es länger ausgehalten. Am Nachmittag sind wir nach einem Spaziergang zum Leuchtturm bei Ebbe übers Watt gelaufen. Ich habe es mit dem Schwimmen nochmal probiert, aber man muss deutlich länger laufen, um zum Wasser zu kommen, und sobald man nicht mehr den Boden unter den Füßen hat, ist es immer noch sehr kalt, meine Hände haben beim Schwimmen geschmerzt. Ich war schnell wieder raus, und noch schneller, als ich die Größe der Krabben am Grund gemerkt habe. Richtige Monster waren das. Nach einem Abendessen in einem Fischrestaurant am Hafen sind wir am Museum am Meer geschlendert.

Am Dienstag sind wir zum Leuchtturm Westerheversand gefahren. Nach dem schönen Spaziergang sind wir nochmal bei Tageslicht am Hafenmuseum geschlendert, bevor wir den Sonnenuntergang bewundert haben. Es war noch schöner als auf den Seychellen.

Am nächsten Tag sind wir nach einem Frühstück im Nebel zurück nach Berlin gefahren.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

[2] Selbst Kinder wissen besser Bescheid, wenn sie die Sendung mit der Maus[1] vor einigen Wochen geguckt haben:

[3] Der traue ich noch zu, AFD-Anhängerin zu sein. Vielleicht ist ihre Pension eine Art Treffpunkt für Corona-Leugner und anderen Covidioten? Auf den gängigsten Buchungsportalen taucht sie jedenfalls nicht auf, deswegen man leider schlecht andere Reisende vor der Pension warnen kann.

[4] In den privaten Gärten ist der Rasen auch sehr kurz gepflegt. Muss man hier Bussgeld zahlen, wenn das Gras zu hoch wächst?


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Heute am Starnberger See

Die Liegewiese wurde in Kreisen unterteilt, um einen Mindestabstand zwischen den Gruppen von Leuten zu gewährleisten. So geht Baden in Pandemie-Zeiten. Unsere Reihe wurde gerade fertig gemalt, als ich eine Stelle für uns beide halb im Schatten und halb in der Sonne gewählt habe. Um die frühe Uhrzeit hatten wir quasi freie Wahl.

Das Wasser fand ich genial, nach anfänglicher Zögerung. Es war nicht einfach, herein zu gehen, aber danach wollte ich nicht mehr raus. Obwohl das Wasser heute kälter als vor zehn Tagen gewesen sein sollte, laut dem Bayerischen Landesamt für Umwelt. Um halb zwölf sind wir gegangen, als die ersten Schüler angekommen sind. Man kann an der Straße nicht beliebig lange das Auto stehen lassen.


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Unerwartet

Ich bin im Urlaub bei meiner Mama. Ohne den Ehemann, der im neuen Job in der Probephase steckt und noch keinen Urlaub machen darf. Er kommt am Wochenende zum Geburtstag vom Neffen.

Mein letzter Urlaub war verdammt lange her. Um die Weihnachten-Neujahr-Zeit.

Die Woche in Februar, die ich mir frei genommen hatte, zählt nicht, da ich mich trotz Impfung mit der auf Arbeit kursierenden Grippe infizieren lassen hatte, und wir unsere Reise stornieren mussten.

Gut, es gab die eine Woche Ende Juni, als ich meine Mama zu uns eingeladen hatte. Sie war noch nie in München gewesen. Es war genau diese eine Woche, als es richtig heiß wurde. Selbst für uns aus der Provence, wo man vermeintlich an die Hitze gewöhnt sein müsste, wurde es unerträglich, und wir waren nur vormittags unterwegs.

Jetzt also Urlaub. Es ist zwei Uhr morgens und ich kann nicht schlafen. Dabei hatte ich gestern richtig entspannen können. Viel geschlafen. Vielleicht zu viel. Oder es liegt an der Mücke im Schlafzimmer. Ich höre sie, kann sie aber nicht entdecken. Ab und zu fliegt sie mir um die Ohren. Ich habe schon sieben Stiche, seit meiner Ankunft am Sonntag. Oder meine Gedanken kreisen zu sehr. Außerdem nervt ein Großhund in der Nachbarschaft, der draußen die ganze Zeit nur am Heulen ist. Jetzt um halb vier immer noch. Das ist ätzend.

Lac de Sainte-Croix.

Heute sind wir zum Lac de Sainte-Croix gefahren. Wir haben’s nicht weit. Seit meiner frühesten Kindheit verbringen wir dort Zeit im Sommer. Ich bin geschwommen. Das Wasser war fantastisch. Dabei meinte meine Friseurin vorhin, es wäre deutlich abgekühlt und man könne nicht mehr drin gehen… Ich habe mich wohl abgehärtet. Ich war am letzten Samstag früh morgens mit dem Ehemann mal wieder nach Starnberg gefahren. Lecker in der französischen Bäckerei gefrühstückt, auf dem Markt eingekauft, und in dem See geschwommen. Boah war das kalt drin. Mir hatte das Steißbein geschmerzt und ich musste erstmal wieder raus, bevor ich los schwimmen konnte. Hier war das Wasser heute richtig gut. Und das tolle ist, die meisten Touristen sind weg, es waren nur sehr wenige Leute am Strand.

Als wir zu Hause waren, habe ich eine Nachricht von Arndt, mein Teamleiter, auf WhatsApp[1] entdeckt. Ich sollte ihn anrufen. Er hatte mir noch nie Nachrichten aufs Handy geschickt, außer als ich mich beworben hatte, und ich habe Böses geahnt.

Am Freitag ist etwas auf Arbeit passiert. Unser Chef, der Gründer der Firma, ist bei einem Telefongespräch mit einem Kunden an seinem Schreibtisch kollabiert. Keiner hat es mitbekommen, da seine Tür geschlossen war, außer der Kunde, der daraufhin unser Sekretariat angerufen hat. Ein Notarzt wurde angerufen, und kurz danach sind Sanitäter an unsere offene Bürotür zum Aufzug vorbei gelaufen, mit ihm vollständig unter einer Decke versteckt auf einer Trage. Bei dem Anblick lief mir ein Schauer über den Rücken.

Kurz danach wurden wir von der Chefin, die die Stelle von Markus übernommen hatte, zu einer Versammlung gerufen. Die Reaktion von Ute auf ihrer Email: „Weißt du, was das für uns bedeutet? Wir dürfen nicht mehr alleine im Büro sein, das ist, was jetzt kommt. Das ist blöd, da ich immer so spät abends im Büro bin…“ Die Frau ist unglaublich. Selbst an solchen Momenten kann sie nur an sich selbst denken. Darum ging’s in der Versammlung natürlich nicht, sondern darum, uns alle zu informieren, dass der Chef ins Krankenhaus gebracht wurde. Wie die Chefin über den Vorfall berichtete, klang es aber nicht so schlimm.

Als ich die Nachricht von Arndt heute gelesen habe, hat es mich recht beunruhigt. Ich habe ihn angerufen und er hat mir unter Tränen vom Tod vom Chef berichtet. Hirnblutung. Das war ein Schock.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung.


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Osterwochende

Besser spät als nie. Fotos sortieren dauert ewig, und ich finde erst jetzt, wo ich mir ein paar Tage zu Hause gönne, ein bisschen Zeit, um meine Erinnerungen festzuhalten.

Das Osterwochenende hat am Donnerstagabend angefangen, als ich mich nach Feierabend in den Zug nach Berlin gesetzt habe. Der Ehemann, der schon einige Tage vorher zu seinem Vater mit dem neuen Auto gefahren war, hat mich am Südkreuz abgeholt und wir sind direkt zum Anhalter Bahnhof gefahren. Unser Ziel: Das Solar[1]! Eine gemütliche Cocktailbar, von außen ziemlich unauffällig, da sie auf der letzten Etage eines etwa verstecktes Gebäudes liegt. Schon die Auffahrt mit dem Aufzug ist ein Erlebnis, da der Glasaufzug an der Außenseite des Gebäudes angebracht ist, und man nach und nach eine tolle Aussicht über die Stadt entdeckt. Die Cocktailbar selbst liegt über das gleichnamige Restaurant[2], und hat auf drei Seiten riesige Glasfenster, wo man beim Sonnenuntergang auch Heiratsanträge machen kann. Also, ja, wir mussten unbedingt nochmal hin.

Am nächsten Morgen haben wir uns Zeit für einen kurzen Spaziergang im botanischen Garten genommen. Durch die Bauarbeiten am Königin-Luise-Platz mussten wir den Eingang vom Museum benutzen. Wir sind nicht wie üblich durch die Tür rechts von der Kasse ins Garten gelangen, sondern mussten einem etwa komplizierteren Weg zum Moosgarten folgen. Dadurch habe ich neue Ecken entdeckt, die ich noch nicht kannte. Zum Beispiel die Grabstätten von Wissenschaftlern, die eine bedeutende Rolle in der Geschichte vom botanischen Garten gespielt haben. Einen schöneren Ort kann man sich schwer aussuchen. Der italienische Garten wurde mit Tulpen bepflanzt, wobei sich in der schön periodischen Anordnung wenige Punktdefekte befinden – was ich eher lustig finde, ich bin froh, dass die rote Tulpe nicht entfernt wurde. Vor allem müssen wir heraus finden, wie die üppige gelb-rote Tulpe in Inneren des Arrangements heißt. Die will ich nächstes Jahr auf dem Balkon wachsen sehen. So nah kam man leider nicht ran, um sie gut zu fotografieren. Nicht mit meiner Kamera. Oder ich müsste einarmigen Liegestütz üben.

Nach einem letzten Blick bei den japanischen Kirschbäumen[3] sind wir mit dem Auto nach Usedom gefahren. Ja, wir auch, aber zur Küste. Mit Pause in Prenzlau, wo ich noch nie war. Die Marienkirche hätten wir gerne besucht, aber sie war am Karfreitag geschlossen. Gullydeckel fotografieren mache ich auch gelegentlich. Dieser trägt die Inschrift[4] Made in GDR, was mich ein wenig irritiert hat, da ich kein Englisch für einen Gegenstand erwartet hätte, der in der ehemaligen German Democratic Republic erstellt wurde. So kann man sich täuschen.

Am frühen Abend sind wir zu unserem Ziel angekommen, wo der Rest der Familie vom Ehemann schon eingetroffen war. Die aus Frankfurt. Und da es klar war, dass wir an dem Wochenende viel zu viel essen würden, hatten wir Laufsachen in den Koffer gepackt. So konnten wir jeden Morgen Dreiviertelstunde am Strand laufen, was in der Frühe fantastisch war. Am Strand spazieren haben wir ausgiebig gemacht. Die Temperatur war so unerwartet angenehm, dass man sogar barfuß und im Wasser laufen konnte.

Am Ostersonntag wurde eine Bootsfahrt zur benachbarten Swinemünde organisiert, da einige Familienmitglieder in ihrem Alter sich nicht gut lange bewegen können. Die Bootsfahrt wurde eine Enttäuschung. Bei strahlendem Sonnenschein und über fünfzehn Grad Temperatur fuhr ein kleines Boot mit winzigem Deck und einem abgeschlossenen Innenraum, wo man nicht mal die Fenster kippen konnte. Auf den Bildern sah es viel besser als in der Realität aus. Ich habe es geschafft, bei einer Anlegepause in Ahlbeck einen Außentisch für die ganze Verwandtschaft zu ergattern. Es war auf dem Deck genau so eng wie drin, aber wenigstens konnte man Luft schnappen. Ich kann nicht glauben, dass das Boot für so viele Menschen an Bord gebaut wurde. Jedenfalls kann ich jedem davon abraten, so eine Bootsfahrt zu machen, da man zu Fuß fast genau so schnell unterwegs wäre. Ich war froh, als wir ausgestiegen sind. Und sonst: Swinemünde kann man sich anschauen, muss man aber nicht unbedingt, ist mein persönlicher Eindruck. Es sei denn, man braucht „billige Zigaretten“. Wenigstens ist ein neuer Gullydeckel zu meiner Sammlung gekommen. Abseits vom Stadtzentrum sind schon ein paar nette Ecken zu entdecken, wie der Park mit der Klavier-Blumenbett -Skulptur. Ich bin sogar ganz oben in den Turm der Lutherkirche mitgestiegen (die Pobacken wurden zweimal angestrengt, erstmal vom Treppen steigen, und dann von der schieren Höhenangst, an die ich irgendwann mal arbeiten müsste).

Da das Boot auf der Hinfahrt so überfüllt war, haben wir mit dem Ehemann beschlossen, die knapp acht Kilometer zurück zu laufen, während der Rest der Familie sich den Stress von der Hinfahrt nochmal antun wollte. Unser Weg hat uns durch einen Park mit interessanten sportlichen Möglichkeiten und ein Stück Wald geführt. Kurz vor der Grenze sind wir zum Strand gebogen. Den Rest der Strecke haben wir barfuß auf dem Strand und im Wasser zurückgelegt, und das hat sich so toll angefühlt!

Am Montag sind wir nach Berlin zurück gefahren, und am Dienstag weiter nach München. Über die Rückfahrt ist nicht viel zu erzählen, außer, dass wir relativ viel Glück mit Staus auf Usedom hatten, denn wir haben gar keine erlebt. Auf der Autobahn nach München schon, aber ich habe quasi die ganze Zeit weiter fleißig gehäkelt, so gemütlich ist unser Auto.

[1] Unbezahlte Werbung, da Verlinkung.

[2] Wo wir einmal zu meinem Geburtstag wunderbar gegessen haben.

[3] Ich habe übrigens heute Nacht wieder von Kirschblüten geträumt, die mir so schön vor dem Balkon wuchsen. „Das Glück ist nah“, behauptet der Traumdeuter. Ich hätte mir eher psychologische als esoterische Bedeutungen in meinen Suchergebnissen gewünscht, aber die meisten reden nur von Kirschbäumen mit Früchten, nicht mit Blüten.

[4] Oder heißt es Aufschrift?


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