Wochenende in der Sächsischen Schweiz

Zum verlängerten Wochenende haben wir uns einen kurzen Urlaub zu zweit im Elbsandsteingebirge gegönnt. Ich war einmal dort, ganz flüchtig, als wir mit Kollegen auf der Durchreise zu einer Tagung unterwegs waren. An dem Tag hatte ich gedacht, wenn ich lebendig aus dieser Reise zurück komme (mit Pawel als Fahrer war es nicht selbstverständlich), will ich mit dem Liebster nochmal hin, und ihn dort einen Heiratsantrag stellen. Weil der Ort so zauberhaft war. Er hat mich vorher gefragt. Trotzdem wollte ich immer mal mit ihm dahin.

Wir haben die Gelegenheit genutzt, dass heute Feiertag ist, und gleichzeitig gefeiert, dass er morgen bei seiner neuen Arbeitstelle anfängt. Das war für mich auch eine Art Ersatz für unseren ersten Hochzeitstag, da ich blöderweise genau dann eine Dienstreise habe. Ich wurde als Dozentin für eine Weiterbildung eingelaben. Ich könnte schwören, dass die Veranstaltung ursprünglich zwei Wochen später geplant war. Ich hatte echt aufgepasst, bevor ich zugesagt habe. Es war vor einem halben Jahr. Die Veranstalter müssen inzwischen das Datum geändert haben, ohne mich zu informieren. Ich habe es erst vor zwei Monaten gemerkt, als eine Sekretärin mir die Flugtickets zugeschickt hat. Es war schon zu spät, um doch abzusagen. Ein Glück, dass wir aufgrund des Arbeitswechsels vom Ehemann keine kurze Urlaubsreise für den Hochzeitstag geplant hatten.

Wir haben uns fürs Wochenende vor einigen Wochen ein Zimmer für drei Nächte in Rathen reserviert und sind am Freitag los gefahren. Es war spät, nach der Arbeit, und wir sind kurz vor zehn Uhr abends angekommen. Zu spät fürs Restaurant, der schon um neun keine Gäste mehr annimmt, aber wir hatten unterwegs gegessen. Das Auto konnte man auf einem großen Parkplatz lassen, um mit der Fähre die Elbe zu überqueren. Direkt auf der anderen Seite liegt das Hotel.

Am nächsten Morgen haben wir das Dörfchen bei Tageslicht entdeckt. Ganz entzückend. Wir sind mit der Bahn nach Pirna gefahren und haben die Altstadt zu Fuß besucht. Am Rathaus hatte gerade eine Hochzeit statt gefunden. In der Nähe der Gedenkstätte haben wir in einem Café gesessen, wo zufällig andere Gäste vom Hotel am Nachbartisch saßen. Zurück zur Anlegestelle, sind wir dann mit einem alten Dampfschiff bis Bad Schandau die Elbe hoch gefahren. Es wurde leider kalt und windig, so dass wir ab Rathen das Deck verlassen mussten, um uns mit einer Soljanka zu erwärmen. Ich mag Gulasch viel lieber, aber das gab es auf der Karte nicht. In Bad Schandau haben wir beschlossen, sofort zum Hotel zu fahren, um in die Sauna zu gehen. Mir war es zu kalt, um noch spazieren zu gehen. Das Abendessen im Restaurant vom Hotel war hervorragend. Insbesondere das Sorbet-Duett, mit Wassermelone und Zitrone-Basilikum, ein Traum.

Gestern sind wir früh aufgestanden und zur Bastei hoch gewandert. Das Wetter war viel besser als am Samstag. Kurz vor der Brücke haben wir den Rundgang gemacht. Habe ich erwähnt, dass ich Höhenangst habe? Es war deswegen teilweise schwierig, aber mit dem Ehemann ging es doch. Es hat sich gelohnt, er war begeistert. Blöderweise waren wir ein bisschen zu spät, weil wir noch auf dem Rundgang waren, als die erste Ladung von Touristen mit den Bussen hochgefahren wurde. Nichts mehr mit dem romantischen Spaziergang. Dafür jede Menge lauter, stinkender Menschen, die am frühen Morgen schon voll verschwitzt rochen und nach Alkohol dufteten. Wir haben beschlossen, unsere Wanderung durch die Schwedenlöcher fortzusetzen. Es ging am Anfang gut, bis wir wieder Meuten mit Kindern begegnet sind. Unfassbar, wie laut es in diesem Stück Wald war. Der Natur konnte man unmöglich lauschen. Dafür quengelnde Kinder um jede Ecke. Schreiende Eltern. Stau in Engpässen. Man konnte nirgendwo hin gehen, ohne ins Gedrängel zu kommen. Ich hätte es nie für möglich gehalten, aber ich habe es geschafft, durch eine Wanderung im Wald Kopfschmerze zu bekommen. Es war die Hölle. Erst als wir den Weg Richtung Hockstein gegangen sind, nach dem wir den kleinen Fluss überquert haben, wurde es erträglicher. Zum Schluß sind wir bis Hohnstein hoch gegangen, nach einer wohl verdienten Bierpause, und haben die Burg besucht. Da wir nicht so spät zurück zum Hotel wollten, um vor dem Abendessen in der Sauna zu entspannen, sind wir mit einem Taxi nach Rathen gefahren. Insgesamt sind wir 11,5 Kilometer gewandert.

Trotz der Menschenmenge war es sonst ein toller Tag. Hätte ich es besser gewusst, wären wir viel früher aufgestanden, um den Sonnenaufgang auf der Bastei zu erleben. Dann wären wir danach viel entspannter weiter gewandert, und hätten noch Zeit gehabt, das letzte Stück nach Rathen zu Fuß zu machen — was aber noch mehr Muskelkater verursacht hätte.

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Der Urlaub ist vorbei

Ich bin froh, wieder zu Hause zu sein. Schnee und ich passen nicht zusammen. Ich weiß, ich war schon mal in verschneiten Bergen. Es war damals nur für ein Wochenende. Und wir waren damals auch nur zu zweit, was viel entspannter als letzte Woche war. Denn wir waren mit einem Teil seiner Familie im gleichen Urlaubsort. Nicht in der gleichen Unterkunft, aber täglich zusammen. Und obwohl wir uns gut vertragen, es ist für mich nicht so schön wie wenn wir alleine zu zweit Urlaub machen. Ich bin nur dazu gekommen, weil der Ehemann so darauf bestanden hatte. Ich war noch nie dort. Er hätte von mir aus alleine mit seiner Familie die Woche dort verbringen können, wie er es sonst immer gemacht hat.

Das Hauptproblem war der Schnee. Sagen wir so, Gleitsportarten sind nicht meine Stärke. Wenn es in Berlin ein bisschen glatt ist, breche ich schon in Panik aus und bewege mich nur noch sehr langsam vorwärts, auch wenn ich Spikes trage. Ich nutze jede Gelegenheit aus, um mich an Gegenständen fest zu halten. Am besten ist es, wenn der Ehemann mir zur Seite steht und ich mich verkrampft an seinem Arm fest klammern kann. Wie die ganze Zeit letzte Woche. Während die Familie tagsüber die Zeit auf den Skiern verbracht hat, bin ich mit Schneeschuhen gewandert. Das Einzige, was mir im Schnee Spaß macht. Damit ist man am Boden fest verankert und läuft keine Gefahr, weg zu rutschen. Und wenn ich nicht am Wandern war, war ich im Spa zu finden. Das war toll. Fast so toll wie die Carolus Thermen in Aachen. Nur viel teurer.

Nicht nur mit Schnee habe ich Probleme. Sobald ich den Boden nicht fest unter meinen Füßen spüre, stehe ich (oder liege ich) völlig hilfslos da. Das fing schon in der Grundschule an, als wir in der zweiten Klasse im Sportunterricht Rollschuhe tragen mussten. Die Sorte mit zwei Rädern vorne und zwei Rädern hinten. Ich glaube, in der Vorstellung der Lehrerin war es so, dass man Kinder nur in Rollschuhe packen muss, und alles von selbst läuft. Kinder lernen schnell. Nicht bei mir. Ich habe die meiste Zeit damit verbracht, auf dem Po zu fallen, oder gegen die Wand am Ende vom Hof zu klatschen, bis sie eingesehen hat, dass es bei mir keinen Zweck hat. Ich durfte danach nur noch bei den anderen Schülern zu gucken, obwohl ich mich an frustrierende Übungsversuche im Garten zu Hause erinnern kann. Einige Jahre später hatte eine Freundin ein Skateboard bekommen, weil es so cool war, und es hatte keine Sekunde gedauert, bis ich schmerzhaft auf dem Steißbein gefallen war. Inline-Skates habe ich gar nicht ausprobiert. Ski fahren habe ich nie lernen wollen, obwohl ein zweiwöchiger Aufenthalt in den Alpen zu diesem Zweck ebenfalls in der Grundschule geplant war. Ich habe stattdessen die zwei Wochen in einem anderen Klassenzimmer ausgesessen. Im Gymnasium hatten wir einen Tag in der Eishalle in Nizza verbracht, und es ging, so lange ich mich am Rand festhalten konnte. Versuche auf der Mitte der Eisfläche sind auf dem Hinten abgebrochen worden, wobei ich das Pulli von einem guten Freund ziemlich gezerrt habe. Es ist ein Wunder, dass ich Fahrrad fahren kann. Vielleicht hilft, dass ich dabei die Arme auf dem Lenker benutzen kann, um die Balance zu halten.

Ich bin also froh, wieder in Berlin zu sein. Nicht nur wegen des Schnees. Im Urlaub war alles teurer. Berlin ist fürs essen gehen schon ziemlich günstig in Deutschland, ich habe schlimmeres gesehen. Frankreich ist teurer, und so ein erhobenes Skiressort in den Alpen umso mehr. Für eine Portion Pommes kann man locker 10€ ausgeben. Knapp 20€ für ein Teller Spaghetti Carbonara. Und ich habe noch nicht die Flasche Champagne à 9500€ erwähnt, die von Russen an Nachbartischen tatsächlich bestellt wurde. Bescheuert. Natürlich musste ich viele Sachen essen, die ich in Berlin nicht täglich sehe. Bavette à l’échalote (ich durfte während der Schwangerschaft gar kein blutiges Fleisch genießen, was ich doch so liebe), magrets de canard à la framboise (Entenbrust mit Himbeersauce)… Alles sehr lecker, das hat sich gelohnt. Wir haben viel ausgegeben, und ich habe es noch nicht gewagt, mich auf der Waage zu stellen. Ich fürchte, ich könnte über die 70 Kilogramme zurück gekommen sein.

Ab ins Wochenende

Wir haben beide heute frei und fahren fürs Wochenende weg. Das Wetter macht nicht wirklich mit, aber egal. Entspannend wird es auf jeden Fall. Der Laptop bleibt zu Hause. Die Perlen auch.

Ich wollte nicht viel mitnehmen. Für zwei Übernachtungen brauche ich nicht, den ganzen Inhalt vom Kleiderschrank zu packen. Der Ehemann hat sich aber ein schickes Hemd „zum essen gehen“ ausgesucht, und da ist mir wieder eingefallen, dass das Hotel zur gehobenen Kategorie gehört. Ich weiß nicht mehr genau, aber vier Sterne mindestens. Ich habe mir gedacht, ich sollte doch etwas anderes als meine Alltagsklamotten anziehen.

Ausgezogen, im Schrank wild gewühlt… So viele Hosen sind da drin, die nicht mehr passen! Eine graue Anzughose, die ich früher gerne zur Arbeit getragen hatte, wirkt jetzt wie ein Clown-Kostüm. Das einzige halbwegs passend, was ich gefunden habe, ist eine Hose aus der Zeit meiner Diplomarbeit (achtzehn Jahre her!), die mir in all den Jahren in Deutschland viel zu eng wurde. Jetzt sitzt sie perfekt auf die Hüfte, die Beine sind breiter als nötig, aber es passt. Ein Kleid oder einen Rock wollte ich bei dem Regen nicht anziehen. Und der Rock, den ich für den Workshop getragen hatte und eh noch im Wäschekorb liegt, ist auch grenzwertig. Der wird sich zum Glück relativ einfach mit der Nähmaschine enger machen lassen.

Demnächst ist also Shopping auf dem Plan.

Ich verabschiede mich und wünsche allen ein schönes und erholsames Wochenende.

Wochenende in Venedig

Ich bin kurz nach zwei vom Ehemann geweckt worden. Lautes Schnarchen. Seitdem kann ich nicht mehr einschlafen. Ich fand es nach fünf zu blöd, umsonst so zu liegen, und bin aufgestanden. Wir sind ja um die ungewohnte Uhrzeit von zehn Uhr abends ins Bett gegangen. Ich wurde gestern Abend auf der Couch plötzlich zu müde. Kein Wunder, denn wir am Wochenende wieder unterwegs waren. Wir hatten zur Hochzeit eine Reise nach Venedig geschenkt bekommen, und sie war für dieses Wochenende geplant.

Wir haben dort eine schöne Zeit verbracht, aber ich denke, Venedig ist einfach überteuert.

Das Hotel war schon mal mangelhaft, und ich habe gestaunt, als ich gesehen habe, welchen Preis für das kleine Zimmer verlangt wird. Besser aussehende Hotels in der Umgebung haben schon locker 500€ pro Nacht gekostet, und sie sahen noch nicht richtig außerordentlich aus. Für nicht mal die Hälfte haben wir am letzten Wochenende in einem luxuriösen Schloss zwei Nächte verbracht. Man bekommt deutlich zu spüren, dass man in Venedig ist. Unser Hotel war sehr eng konzipiert. Der Frühstücksraum war einfach am Ende von einem Flur zwischen den Türen von anderen Zimmern eingequetscht worden. Als ob der Mangel an diese grundlegende Einrichtung erst im Nachhinein gemerkt wurde. Dazu hatten wir das Pech, dass vor uns ekelhafte Gäste im Zimmer übernachtet haben, offensichtlich, weil kein normaler Mensch den Inhalt seiner Nase am Türrahmen und an den Wänden vom Badezimmer verteilt. Das hat die Putzfrau anscheinend nicht gemerkt. Ich habe zuerst mit Klopapier den Türrahmen und die Fliesen geputzt. Es war sogar noch weich. Igitt. Dasselbe habe ich übrigens auch in einem Hotel niedrigerer Kategorie in Süddeutschland erlebt. Ich will nicht wissen, wie die Wohnung von solchen Hotelgästen aussieht.

Die Restaurants in Venedig waren teuer, und ich kann nicht behaupten, dass es besser war als das, was wir sonst bei unserem lokalen Italiener in Berlin bekommen. Nein. Dafür waren die Preise viel höher. Man kann zu zweit einfach 100€ für ein Abendessen ausgeben, wenn man nicht aufpasst. In Berlin hat man es schwer, für den Preis so viel zu essen. Selbst wenn es die einzige Mahlzeit des Tages ist. Gegessen haben wir aber gut. Ich fühle mich jetzt immer noch voll satt und der Gedanke an Essen ist mir unangenehm. Da ich jetzt insgesamt weniger esse, um abzunehmen, bin ich nicht mehr daran gewöhnt, so viel in Restaurants zu gehen. Ich fürchte schon die nächste Anzeige der Waage. Vielleicht gehe ich zuerst heute Abend zum Sport.

Aber sonst war es schön, ein bisschen Zeit in Venedig zu verbringen.

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Am Freitag sind wir spät angekommen und nur ein bisschen spazieren gegangen, bevor wir kurz vor eins ins Bett gefallen sind (mit einem mulmigen Gefühl für mich, nachdem ich den Zustand von Badezimmer gesehen hatte, aber der Ehemann hat es nicht mitbekommen, und die Bettwäsche war sauber). Am Samstag haben wir vieles unternommen. Wir hatten im Vorraus eine Führung für den Dogenpalast und den Markusdom gebucht. Das würde ich jederzeit empfehlen, selbst wenn es erstmals so teuer erscheint. Die Führung war gut, und man hat keine Wartezeit. Das sollte man nicht unterschätzen. Bei der Länge der Schlangen für beide Gebäude auf dem Markusplatz ist es sicherlich wert, ein paar mehr Euros zu investieren. Ich stelle mich definitiv nicht für eine Stunde Wartezeit an. Sonst rächt sich mein Ischias sofort. Es war auch noch kalt am Samstag. Danach sind wir durch die Stadt geschlendert. Sehr süße enge Gassen entdeckt. Man findet außerhalb von den Touristenattraktionen sehr schöne und menschenleere Orte. Gestern Vormittag sind wir spazieren gegangen, und am Nachmittag mussten wir schon zurück zum Flughafen.

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Entspanntes Wochenende

Das habe ich nach den letzten drei harten Arbeitswochen nötig.

Gestern haben wir schon einen sehr netten Abend am Lagerfeuer im Garten von einem Freund verbracht.

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Und heute Nachmittag fahren wir in die Märkische Schweiz, um das verlängerte Wochenende ohne Stress zu genießen. Mini-Urlaub mit viel Natur und Wellness. Dabei ist es egal, dass es so nieselt und nicht mehr so warm ist.

Euch allen ein schönes Wochenende!

Verlängertes Wochenende

Morgen fliegen wir für sechs Tage nach Spanien. Eine Freundin lebt dort. Sie war auf unserer Hochzeit dabei, und hatte uns angeboten, sie besuchen zu kommen. In der Nähe von Figueres. Das Dalí-Museum dort wollte ich immer mal besichtigen. Endlich ist es so weit. Ich freue mich.

Andererseits fühle ich mich mulmig. Die Welt ist so verrückt geworden. Wer weiß, was sich Idioten noch ausdenken können, um mehr Menschenleben zu vernichten. Gerade morgen fangen die Schulferien an. Der Flughafen wird voll sein. Wir hätten uns ein anderes Wochenende aussuchen sollen.

Letzter Urlaubstag

Morgen fliege ich zurück nach Berlin.

Der Urlaub war super. Vor allem, die Überraschungsfeier für den Geburtstag meiner Mami, die den Anlass für den Urlaub überhaupt gegeben hat, ist gut gelungen. Es hat ihr sehr gefallen und sie hat sich riesig gefreut, dass wir anwesend waren, obwohl sie es gar nicht erwarten konnte (ich hatte sie am Tag davor aus Prag angerufen). Mein Bruder hatte es sogar geschafft, meine Schwester zu überzeugen, vorbei zu kommen. Es muss das erste Mal seit über zehn Jahren sein, dass alle ihre Kinder zusammen mit ihr waren. Es gab auch Cousins und Cousinen, die ich kaum bis gar nicht kannte (meine Mutter hat sechs Geschwister). Wir haben aber nicht viel Gemeinsames, und ich habe mich meistens mit meinem jüngsten Cousin unterhalten, den ich seit seiner Geburt kenne und der jetzt Medizin studiert — er versteht sogar, wenn ich von meiner Arbeit erzähle.

Wir sind sonst viel unterwegs gewesen. Autofahren mag ich nicht wirklich, selbst als Beifahrerin. In meiner Gegend noch weniger, weil es so viele Kurven gibt, und mir wird es schnell übel. Es gab aber viele Orte, die Martin noch nicht kannte, mit denen ich aufgewachsen bin und die ich ihm zeigen wollte. Manchmal, in den langen kalten Wintern in Deutschland, frage ich mich, wie ich diese Gegend verlassen konnte. Ach ja, des Studiums wegen. Und Berlin mag ick ooch.

Ursprünglich sollte ich morgen nicht alleine zurück fliegen, aber Martin hat ein Vorstellungsgespräch für heute bekommen und musste auf gestern umbuchen. Wir hatten uns am Freitag die Bus- und Bahn-Verbindungen angeschaut, damit er zum Flughafen in Nizza ankommt. Dann gab’s die Ereignisse vom Wochenende. Hier im Var haben wir am Samstag nur starken Regen bekommen. Angesichts der Wetterwarnung hatten wir beschlossen, zu Hause zu bleiben. Erst als wir am Sonntag nach dem Spaziergang in Moustiers zurück gekommen sind, haben wir im Fernseher das Ausmaß der Überflutungen im Nachbardépartement begriffen — und erfahren, dass es zur Zeit keine Züge nach Nizza gibt (wie auch?). Meine Mami hat sich gleich angeboten, um Martin mit dem Auto zum Flughafen zu fahren. Ich bin natürlich mitgekommen. Im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass ich hätte fahren können. Wenn ich nicht über fünfzehn Jahre her zum letzten Mal ein Auto gefahren hätte.

Die Fahrt war lang. Wir haben anderthalb Stunden mehr als sonst gebraucht. Die Autobahn hatte schon wieder alle ihre Spuren frei, aber es gab viele Staus ab Mandelieu. Und Google Maps zeigte noch mehr Staus in die andere Richtung, eigentlich war die Autobahn kontinuierlich rot ab Nizza. Wir haben gesehen, wie alle Vehikel in die Gegenrichtung hinter einander standen. Wir haben beschlossen, für die Rückfahrt erst ab Mandelieu die Autobahn zu benutzen. Durch Cannes zu fahren war aber keine gute Idee. Ich habe diese Stadt nie gemocht, weil es mit dem Auto immer die Hölle war. Dazu kamen die Umleitungen und Absperrungen wegen den Notmaßnahmen, um Matsch, Kies und komisch gelandete Autos zu entfernen. Auf dem Rand einer Landstraße hinter Cannes waren komplette Bäume mit dem Schlamm den Hügel herunter gerutscht. Auf die sonst gut befahrbaren Straßen hat man kilometerlang die rotbraunen Spuren der hiesigen Erde gesehen. Die Straßenarbeiter haben seit dem Wochenende ordentlich geschuftet.

In Kroatien

Es ist ein früher Sonntagmorgen. Ich sitze auf dem Sofa im Wohnzimmer unserer Mietwohnung und höre, wie Martin aus dem Schlafzimmer leicht vor sich hin schnarcht. Gleich wacht er auf. Draußen schreien die Möwen. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau. Und ich habe nichts zu tun, außer zu entspannen und die Zeit hier zu genießen (und über Mückenstiche zu klagen).

Den ganzen Sommer habe ich hart gearbeitet. Es gab einen Vortrag für eine wichtige Tagung zu vorbereiten. Dafür wollte ich neue Ergebnisse haben und musste an Programm#2 vieles ändern. Vor der Tagung habe ich noch an eine Schulung für Software-Entwicklung in Wissenschaft teilgenommen und musste auch einen Beitrag fertig stellen (mit Übungen). Erst um halb drei am Tag meiner Abreise habe ich die Vorlesung fertig bekommen. Die Mühe hat sich gelohnt. Ich fasse es nicht, wie begeistert die anderen Teilnehmer reagiert haben. Der Vortrag bei der Tagung ging auch sehr gut. Ich habe Lob von Leuten geerntet, die für mich große Vorbilder sind. Es hat sich fantastisch angefühlt.

Jetzt ist Zeit für Entspannung. Martin ist vorgestern angekommen. Mit dem Motorrad. Er ist schon eine ganze Woche unterwegs gewesen. Gestern waren wir am Strand. Heute besuchen wir die Gegend. Es wird wieder ein heißer Tag.