Das zerstörte Auto

Wir waren mit dem Ehemann in einem Flugzeug nach Nizza. Der Flugzeug war gelandet, hatte eine Runde gedreht, aber nicht gehalten, und schon bereitete es sich für seinen nächsten Flug nach China vor, ohne dass Passagiere ausgestiegen wären.

Ich habe mich lauthals beschwert, dass wir hier aussteigen müssen. Meine Sitznachbarin, die wie meine Schwester aussah, meinte, ich sollte schnell zur Pilotenkabine gehen und Bescheid sagen. Man müsste nur an die Tür einen bestimmten Code klopfen, »Toc — Toc Toc«, und dann würde man herein gelassen. Als sie dies sagte, ging die Tür zur Pilotenkabine tatsächlich auf. Allerdings nicht vorne, sondern links, wo eine Wendeltreppe zu sehen war[1]. Ich ergriff die Gelegenheit und ging sofort rauf zu den Piloten. Von oben aus konnte ich sehen, dass wir schon das Gelände vom Flughafen[2] verlassen hatten und auf der Straße rollten. Der Himmel war bedeckt. Als ich den Piloten erklärte, dass wir nur bis Nizza fliegen wollten, sagte einer, dass er dann unser Gepäck in fünfzig Minuten raus lassen würde. Ich wurde aus dem Flugzeug heraus gelassen, während der Ehemann noch drin saß. Ich schrieb ihm eine Nachricht, dass er in fünfzig Minuten aussteigen sollte. Er hatte sowieso sein Fahrrad am Flughafen angeschlossen und würde damit weiter fahren.

Ich war in einer großen Einkaufshalle und suchte den Weg zum Flughafen. So viel Zeit hatte ich nicht, um mein Gepäck abzuholen. Hoffentlich würde ich den Ehemann wieder finden. Hoch an einer Wand eines langen Flures sah ich einen Wegweiser zum Flughafen. Ich lief und erreichte eine unübersichtliche Halle, wo von hinter mir Leute aus einer riesigen Rolltreppe herunter kamen. »Wie komme ich zum Gepäck?«, habe ich verzweifelt gerufen. Eine Frau rechts von mir sagte, vorne links durch die große Tür. Die einzige Tür vorne links führte zu einem Außenbereich mit dichter grüner Vegetation, mit einem kaum erkennbaren Weg entlang eines Zaunes[3].

Auf einem heruntergekommenen Parkplatz fand ich den Ehemann in unserem Auto. Er saß am Fahrersessel und wirkte schockiert. Mir schossen viele Fragen durch den Kopf, wie »Was machst du hier?«, »Wie konntest du schon das Flugzeug verlassen, wenn die fünfzig Minuten noch nicht durch sind?«, »Was ist mit deinem Fahrrad?«, »Wie ist unser Auto hierher gekommen?«, bis ich sein Fenster sah. Es wurde eingeschlagen. Am Boden unter meinen Schuhen lagen tausende Glassplitter.
»Was ist passiert?«, fragte ich schließlich den Ehemann.
»Drei Männer und eine Frau…«, fing er an, ohne weiter zu reden.
»Haben sie das Auto aufgebrochen?«, fragte ich.
»Nein, sie hatten darum gebeten, herein zu dürfen.«
»Wir müssen eine Anzeige erstatten, wie sahen sie aus?«
»Ganz normal, wie du und ich. Du hast auch nicht gesehen, was die Frau gemacht hat.« Er zeigte mit dem Daumen zur hinteren Sitzbank. Auf dem Leder war Flüßigkeit zu sehen, überall verteilt, ein Pappbecher lag drauf und ein Kaugummi klebte an der hinteren Scheibe rechts.
»Wir müssen eine Anzeige erstatten«, wiederholte ich.
»Och, es lohnt sich doch nicht«, sagte der Ehemann.
»Verdammt noch mal, es geht hier um Respekt!«, schrie ich ihn aufgewühlt an[4].

Wir sind auf dem Tarmac zur Gepäckabgabe gelaufen. Draußen. Dort waren die Laufbänder fürs Gepäck zu sehen, mit elektronischer Beschilderung, aber es war nicht zu erkennen, aus welchem Flugzeug wir ausgestiegen waren. Es befand sich auch gerade kein Gepäck auf den Laufbändern, und wir waren die einzigen Passagiere da.

Es ist kurz nach drei Uhr morgens als ich aufwache. Mein Kopf pocht immer noch rechts am Schädel. Ich habe mich gestern auf der Bergwanderung richtig überanstrengt. (Der Beitrag kommt demnächst.)

[1] Wie in einem Berliner Doppeldeckerbus.

[2] Der Flughafen sah ganz anders als der Flughafen in Nizza aus.

[3] Eine ähnliche Situation wie während der Fortsetzung unserer Isar-Wanderung letzter Woche (den Freitag will ich noch niederschreiben, es dauert beim Fotos bearbeiten und Beitrag schreiben fast so lange wie die Wanderung selbst).

[4] Das ist so typisch für den Ehemann. Zuletzt letztes Jahr, während ich auf Dienstreise war, ist er von einem Reisebus zum Bürgersteig geschleudert worden, als er mit dem Fahrrad nach Hause fuhr und vom Bus überholt wurde. Er hat den Busfahrer aufholen können, ihn zur Rede gestellt, aber der Busfahrer hat ihn geschimpft und ihm den mittleren Finger gestreckt, als der Ehemann ihn fotografiert hat, weil er sich weigerte, sich auszuweisen. Als es nach den ersten Verhandlungen hieß, es gäbe mangels Zeugen als Last gegen den Fahrer nur die Beleidigung, und der Fahrer hätte sich „entschuldigt“, hat der Ehemann die Anzeige zurück gezogen. Seine Begründung: Der Busfahrer wäre jetzt bestimmt bestraft genug, überhaupt einen Prozess durchgemacht zu haben, würde sicherlich nicht viel verdienen und hätte bestimmt sein Job verloren, oder wenigstens Ärger im Job bekommen. Alles Vermutungen. Diese Meinung vom Ehemann vertrete ich überhaupt nicht, und ich hätte den Busfahrer blechen lassen, weil es verdammt noch mal um Respekt geht. Und um verantwortungsvolles Fahrverhalten, ohne das Leben von schwächeren Verkehrsteilnehmern zu gefährden. Wenn die Leute im erwachsenen Alter noch erzogen werden müssen, dann klappt es nur, wenn es dem Geldbeutel weh tut, weil Arschloch Arschloch bleibt.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Der Bus, der nie kam

Ich ging eine Landstraße entlang mit schweren Einkaufstüten in den Händen. Es war ein bedeckter Nachmittag, ich war alleine unterwegs. Ich ging, bis ich zu einer Bushaltestelle bei einer viel befahrenen Straße ankam. Die Straße sah eher wie eine Autobahn aus. Ein junger dunkelhäutiger Mann stand schon da. Ich fing an, mit ihm auf den Bus zu warten.

Auf einmal waren viele Leute an der Haltestelle, und die elektronische Anzeigetafel zeigte den Bus in -1 Minute an. Er war aber noch nicht gekommen, also sollte er jetzt jeder Zeit auftauchen.

Nach einer längeren Wartezeit beschlossen die Leute um mich herum, zu Fuß zur S-Bahn-Station zu laufen. Der dunkelhäutige Mann fragte mich, ob ich mitkommen wollte. Ich zeigte ihm meine schwere Einkaufstüten und sagte, ich warte besser auf den Bus. Er beschloss, mit mir hier zu warten.

Kurz danach kam tatsächlich der Bus. Er raste davon auf der Spur ganz links, am weitesten von der Haltestelle. Ich winkte frenetisch, der Fahrer winkte zurück, ohne jedoch anzuhalten. Und weg war er.

Der Ehemann, der plötzlich auch da war, meinte, na dann, warten wir auf den nächsten Bus. Der sollte in eine Stunde kommen. Wir warteten also, und machten es uns gemütlich im Häuschen der Haltestelle.

Inzwischen wurde es dunkel, als der Ehemann plötzlich ankündigt, der Bus würde gleich kommen. Ich packe schnell meine Sachen zusammen, während der Ehemann in einem Schneckentempo seine Schuhe anzieht. Seine ganzen Sachen muss er noch in seinem Rucksack packen. Es macht mich wahnsinnig, wie langsam er sich bewegt. Ich gehe nach draußen und halte nach dem Bus Ausschau. Kein Bus in Sicht. Doch, aber die falsche Nummer. Es ist nicht die 852. Doch, sie soll gleich kommen, sagt der Ehemann.

Ich wache auf. Halb zwei. Der Ehemann schnarcht gerade sehr laut. Deswegen bin ich also aufgewacht.


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Der verpasste Betriebsausflug

Ich war mit meinen Kollegen für einen Betriebsausflug verabredet. Wir sollten uns um viertel vor zehn an einem Badestrand am See treffen, um von dort aus eine Wanderung auf dem Berg zu machen.

Der Badestrand lag dreiviertel Stunde Fußmarsch von meiner aktuellen Position entfernt. Ich stand an einer belebten Kreuzung mitten in der Stadt. Neben mir mein Fahrrad und mein dunkelblauer Samsonite Koffer[1]. Ich wollte zu unserem Treffpunkt weiter fahren, konnte es aber unmöglich schaffen, da der Koffer in dem Korb hinter dem Sattel nicht passte. Ich probierte es sogar verzweifelt, und nein, ich bekam den Koffer nicht in den Korb rein.

Mir fiel ein, dass meine Freundin Sabrina direkt an der Kreuzung wohnte, auf der anderen Straßenseite. Ich ging zu ihr mit dem Koffer, der Flasche Wasser und einer Banane, die im Korb waren, und erklärte ihr mein Problem. Ob ich vielleicht den Koffer bei ihr lassen könnte, um ihn am Abend wieder abzuholen? Sie wäre am Abend nicht da, sagte sie, aber ich könnte den Koffer bei ihrem Mitbewohner Michael lassen, er wäre heute Abend wieder da. Jetzt aber nicht, und ich konnte ihn nicht fragen, ob es ihm passte. Michael war ein gemeinsamer Bekannte von uns[2], der gerade in einem großen Forschungsinstitut seine Doktorarbeit zum Thema Batterien schrieb. Sabrina meinte, es wäre faszinierend, ihn darüber reden zu hören. Ich dachte in mir, er wäre schon so lange dran, dass er nie seine Arbeit zu Ende bringen würde, und dachte eher, er sei nur so ein Schwindler.

Ich wollte mich für die Weiterfahrt umziehen und holte zwei Hosen aus meinem Koffer. Die erste, eine blaue Jeans von Levis[3], hielt ich vor meiner Hüfte, um festzustellen, dass ich niemals rein passen würde. Sie war viel zu eng, oder, wie ich Sabrina erklärte, ich hatte zu viel zugenommen. Ich entschied mich für die zweite Hose, die ich häufiger trage.

Danach gingen wir raus, weil ich noch was zum Essen für die Wanderung einkaufen musste. Dafür stiegen wir in eine Straßenbahn ein. Ich kannte die Gegend nicht und wir fuhren eine Haltestelle zu weit. Es war doof, wir mussten dann in die andere Richtung eine Station zurück fahren, die nächste Straßenbahn käme in zwanzig Minuten und ich würde jetzt verspätet ankommen.

Wir gingen in ein Supermarkt und ich suchte nach etwas Geeignetes zum Mitnehmen für die Wanderung. Ein Sandwich oder so. Das gab es nicht. „Du hast doch die Banane und die Flasche Wasser“, sagte Sabrina. Es würde aber nicht reichen. Mir fiel ein, ich bräuchte sonst noch was vom Supermarkt. Als wir an der Kasse standen und ich am Zahlen mit der EC-Karte war, fragte Sabrina die Kassiererin, ob sie auf dem Zettel schreiben könnte, dass sie auch anwesend war. Warum auch immer.

Ich guckte auf meine Armbanduhr. 09:55. Mit der dreiviertel Stunde Fußmarsch würde ich jetzt so spät ankommen, dass die Kollegen bestimmt nicht mehr auf mich warten würden. Ich könnte mit dem Fahrrad versuchen, sie auf dem Berg einzuholen, aber bergauf radeln, das ist nichts für mich. Ob ich einfach den Betriebsausflug aufgeben sollte? Wir gingen vom Supermarkt raus. Es gab kleine Holzhütten, wo ich vielleicht was zum Essen finden könnte. Sabrina kaufte sich eine Packung Zigaretten.

Zurück in Sabrinas Wohnung. Michael war immer noch nicht da. Ich guckte aus dem Fenster herunter zur inzwischen menschenleeren Kreuzung. Mein Fahrrad und der blaue Koffer standen immer noch brav auf dem Bürgersteig. Niemand hatte sie geklaut, obwohl sie nicht angeschlossen waren.

[1] Den Koffer habe ich vor zwanzig Jahren in Aachen gekauft, und er begleitet mich immer noch auf Reisen.

[2] Keine reale Person.

[3] Blaue Jeans trage ich seit Jahren nicht mehr, schon bevor ich nach Berlin umgezogen bin.

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Im Wald

Ich war mit unbestimmten Leuten im Wald unterwegs. Wir fuhren auf einem Kiesweg mit dem Auto. Ich saß entgegen der Fahrtrichtung und las. Es fühlte sich angenehm an und der Weg war so breit, dass ich nicht fürchten musste, wegen der vielen Kurven in einen Unfall zu geraten.

Wir sind mitten im Wald ausgestiegen. Zwischen den Bäumenästen war die Sonne zu sehen. Sie hing tief, bald würde der Sonnenuntergang statt finden. Der Himmel hatte eine goldene Farbe angenommen, und ein Regenbogen durchquerte ihn.

Es sah so schön aus, dass ich den Ehemann fragte, ob er seine Kamera dabei hätte, um ein Foto zu machen. Hatte er nicht. Ich habe mein Handy geholt und versucht, selber zu fotografieren. Es gelang mir nicht auf Anhieb.

Als ich endlich ein Foto machen konnte, fiel mir auf, dass die Umgebung doch recht hässlich war. Das Bild war viel weiter ausgezoomt als beabsichtigt. Vom Regenbogen war kaum noch was zu sehen. Vorne oben rechts war eine Ampel, die über die Straße hing und mit Alu-Folien gewickelt war. Bauarbeiter liefen quer durch das Bild. Denn plötzlich war ich nicht mehr im Wald, sondern mitten in einer großen Kreuzung, in einer Art Gewerbegebiet. Links von mir wurde ein Gebäude noch errichtet. Es war von einem Baugerüst mit grünem Stoff umgeben.

Auf einmal befand ich mich in dem fertigen Gebäude. Drin war ein billiger Schuh-Klamotten-Laden, von der Sorte, die ich eigentlich nie betreten würde. Ich stand vor einem Regal mit leichten Schuhen aus Jeans-Stoff und versuchte, den Ehemann telefonisch zu erreichen. Zwischendurch hörte man, wie eine Frau über eine Durchsage Passagiere für einen billigen Gruppenurlaub dazu aufforderte, sich an einem bestimmten Ort zu sammeln.

Die Sonne konnte ich nur noch durch einen verdreckten Glasdach sehen.


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Fremd übernachtet

Heute war wieder eine kurze Nacht. Und daran bin ich schuld. Ich habe mich gestern ans Dutch Baby als Nachtisch gewagt, mit frischem Obst und Schlagsahne. Die Mengenangaben war natürlich für eine Familie gedacht… Ja, daher gab’s vorsichtshalber zum Abendessen nur einen grünen Salat. Das ungewöhnlich viel Zucker am Abend hat sein Unheil angerichtet. Um halb zwölf waren wir im Bett, ich war nicht müde. Um zwölf hat der Ehemann das Licht ausgeschaltet. Mein Puls war immer noch viel zu hoch, um einschlafen zu können. Bis mindestens drei Uhr morgens habe ich wach gelegen und einem kleinen Vogel gelauscht, der in regelmäßigen Abständen kurz gepiept hat. Die Fenster waren gekippt.

Ich bin auf Arbeit angekommen. Ich habe den Aufzug genommen, um zu meinem Büro zu kommen. Ich habe mich aber vertippt und bin ganz unten gelandet. Was soll’s, dann fahre ich wieder hoch. Irgendwie sind die Tasten komisch und ich kann nicht erkennen, was ich drücken soll. Ich steige also unten vom Auszug aus.

Ich treffe meinen ehemaligen Zimmerkollegen Moritz und frage ihn, ob es eine Treppe nach oben gäbe. Er weiß es nicht. Wie denn auch, so unsportlich wie der ist, schießt mir durch den Kopf. Ich mache mich auf die Suche und finde einen Treppenhaus. Der Zugang ist leider durch eine blaue, transparente Glaskonstruktion versperrt. Man kann nur mit einer elektronischen Karte das Türchen öffnen.

Ich gehe zurück in Richtung Aufzug. Unterwegs treffe ich eine Kollegin. Sie schlägt mir vor, bei ihr im Büro zu schlafen. Ein Büro ohne Fenster. Ich bin müde und nehme ihr Angebot an. In ihrem Büro sind einige Bette. Ich lege mich in ein kleines Bett hin und gucke ein Video auf dem Handy. Ich liege ungünstig, irgendwie quer, es gibt nicht genug Platz. Ich muss die Beine anwinkeln. Das Licht im Zimmer ist an, gelb, wie aus einer alten Glühbirne. Als ich beim Einschlafen bin, merke ich zwei kleine Kinder, die sich das Bett mit mir teilen. Sie wirken verwirrt, weil ich auch im Bett bin. Ich versuche, ein bisschen mehr Platz für sie zu machen. Meine Kollegin kehrt zurück und erklärt ihnen, dass ich heute Nacht hier übernachte. Die Kinder legen sich in ein anderes Bett hin und ich habe schlechtes Gewissen, sie vertrieben zu haben.


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Die Kirche im Haus

Ich war im Treppenhaus und wollte zu meiner Wohnung hoch laufen. Das Treppenhaus, hoch und altmodisch, mit einem mit hexagonalen, roten Tomettes aus der Provence[1] bedeckten Boden, war äußerst dreckig. Überall lag Kot von den Tauben, die auf Balken saßen.

Ich kannte den Weg zu meiner Wohnung nicht so gut und lief erstmal bis zur letzten Etage. Was ich entdeckte war unglaublich: Eine Kirche! Stimmt! Hatte mich meine Mami bei ihrem Besuch nicht gefragt, was die hohen Türme ganz oben in meinem Haus waren? Ich wusste damals die Antwort nicht. Ich wollte um mich fotografieren, aber dazu kam es nicht. Die bunten Glasmalereien, oder zuerst die Orgel? Ich konnte mich nicht entscheiden.

Neben mir lief ein junges französisches Paar mit einem Kinderwagen, und ich musste feststellen, dass in der Kirche auch ein Gemischtwarenladen war. Regale waren mit Schnickschnack und Gewürzen gefüllt. In einer transparenten Glasdose waren dunkelviolette trockene Bohnen zu sehen. Allerdings waren auch dicke schwarze Fliegen drin, die herum flogen, und die Bohnen hatten fein säuberliche Löcher, an denen teilweise noch eine Art Deckel hing[2,3].

Ich weiß nicht mehr, was der Anlass war, aber mir rutschte ein „Merde!“ raus. Das nahm das junge Paar als Anlass, um mich anzusprechen. Die Frau fragte mich etwas, woran ich mich jetzt nicht mehr erinnern kann, außer, dass es ein Wort auf Französisch war, das ich ewig nicht mehr benutzt hatte. Sie ging dann zu den bunten Gewürzen und nahm davon in der Hand, wodurch sie die schön getrennten Haufen durcheinander mischte. Die „Gewürze“ sahen eher wie buntes Kies aus. Direkt daneben lag das Glas mit den Bohnen und Fliegen. Ich sagte der Frau, sie sollte das besser nicht kaufen, aber sie nahm meine Bemerkung und das Glas gar nicht wahr.

Ich fragte mich kurz, wie ich denn zu meiner Wohnung zurück gehen könnte, und wachte auf. 06:45. Wir haben gestern Abend vergessen, den Radiowecker wieder anzuschalten.

[1] Solche Fliesen hatten wir in der Wohnung im Dorf, wo wir umgezogen sind, als ich noch keine vier Jahre alt war.

[2] Genau wie damals mit den Feuerbohnen, außer, dass daraus kleine Käfer geschlüpft waren, statt Fliegen.

[3] Dazu fällt mir ein, gestern hatte ich geträumt, dass ich eine Banane essen wollte, diese aber drin ganz viele Fliegen und Maden hatte. Eine solche eklige Erfahrung hatte ich tatsächlich schon mal gemacht. Was will mir jetzt mein Unterbewusstsein zum Thema Essen mitteilen?


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Plötzlicher Umzug

Es war ein sonniger Samstagmorgen. Wir standen im Wohnzimmer unserer aktueller Wohnung. Ich hatte mich schon mal beim Ehemann beschwert, einen so langen Arbeitsweg zu haben, aber ich hatte nicht damit gerechnet, was er mir jetzt sagte zu hören: Er hätte uns eine neue Wohnung mitten in München gefunden, und wir würden heute noch umziehen. Ich konnte es nicht glauben.

Wir sind zur neuen Wohnung gefahren. Das Umzugsunternehmen hatte schon unsere Sachen hierher gebracht, ohne dass ich davon irgendwas mitbekommen hatte. Die Wohnung war kleiner und ich habe mich kurz gefragt, wie denn alle unsere Möbel rein passen konnten. Wohnzimmer und Küche waren ein einziger, heller Raum. Der Boden war mit Parkett belegt. Ich habe mich am Boden vor der Couch hingesessen, direkt neben einem großen Fenster, aus dem man Grünes sehen konnte. Der Boden hat sich unter mir gefährlich gebogen und mir ist erst dann aufgefallen, wie marode das Parkett war. Es war löchrig, und drunter konnte man ältere, verfaulte Holzbalken sehen. Wo ich saß fehlte sogar ein solcher Balken.

Ich bin aufgestanden und zum Ehemann gegangen, der im Flur stand. Ich habe ihn gefragt, wie hoch die Miete hier denn wäre. Er sagte, hundert oder zweihundert Euros mehr als die Wohnung in Gilching, die wir gerade verlassen hatten. Wie, noch teurer, obwohl kleiner und in einem so schlechten Zustand? Ich habe ihn darum gebeten, zurück zur alten Wohnung zu gehen. Hätte man nicht einen bestimmten Zeitraum, um einen unterschriebenen Vertrag mit sofortiger Wirkung zu kündigen? Es wäre noch nicht zu spät, und sicherlich hätte unsere Vermieterin noch keine Nachmieter gefunden, so abrupt wie wir ausgezogen waren. Stimmt, antwortete er, allerdings hätte der Umzug jetzt schon so viel gekostet, wir sollten besser hier bleiben.

„Lass uns mal raus gehen“, schlug der Ehemann vor. Ich wusste noch nicht mal, wo wir waren. Wir sind zu einer Straßenbahn-Haltestelle gelaufen. Unterwegs ist mir aufgefallen, wie hier alles dicht gebaut war. Kein Baum war zu sehen, das Viertel war nur grau und voller Gebäude. Wie sollte ich mich hier jemals wohl fühlen?


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Fehlende Privatsphäre

Ich war in einer mir unbekannten Wohnung. Ich musste mich anziehen. Ich stand gerade in Unterwäschen mitten im Raum, als ich aus dem großen Fenster ohne Gardine einen jungen Mann auf der anderen Seite vom Innenhof in einem mir gegenüber stehenden Gebäude merkte. Er war mit Kittel und Schutzbrille bekleidet und hielt einen Kulturkolben in der Hand. Aber statt auf seine Arbeit zu achten, glotzte er mich nur an. Ich habe ihm den mittleren Finger gezeigt und mich unter dem Fenster geduckt, um mich weiter anzuziehen.

Szenenwechsel. Der Ehemann und ich waren im Frühstücksraum eines Hotels. Es waren viele Leute da und der Raum wirkte unordentlich. In einer Ecke vom Frühstücksraum war unser Schlafzimmer. Keine Wand. Das Bett war noch nicht bezogen, die Decke lag noch halb auf dem Bett und halb am Boden. Die Dusche war ebenfalls vom Frühstücksraum ohne Tür frei zugänglich.

Ich denke, die Botschaft der Träume ist diesmal ganz klar. Mir fehlt’s an Privatsphäre. Auf Arbeit.

Ich war gestern richtig sauer, als ein bestimmter Kollege zum xten Mal ins Büro geplatzt ist. Das tut er regelmäßig. Nennen wir ihn Fergus, denn er ist Schotte. Morgens dreht er seine Runde, um mit anderen Kollegen zu reden. Ich habe ihn schon mal gefragt, ob er denn nichts zu tun hätte. Gestern musste er sich zweimal mit Ute über ein Projekt unterhalten. Dagegen kann ich schwer etwas sagen. Mein Pech, dass ausgerechnet Ute und er die zwei lautesten Kollegen in der ganzen Firma sind. Am anderen Ende vom Flur hört man die Beiden immer noch sehr gut, wenn sie sich unterhalten. Und mittendrin Tim (gerade in Elternzeit) und ich, die versuchen zu programmieren.

Als Fergus gestern Abend erneut rein kam, um mir mitzuteilen, dass etwas in unserem Datenbanksystem nicht funktionierte, ist mir der Kragen geplatzt. Denn ich war gerade vertieft dabei, mich genau diesem Problem zu widmen. Beim Programmieren brauche ich meine Ruhe, was allein mit Ute im Büro schon schwer genug ist. Beim Programmieren ist es für mich, als ob ich im Kopf mehrere lose Stränge halten würde, um sie zusammen zu binden. Kommt jemand plötzlich rein und spricht mich laut an, weil Fergus nicht anders als laut reden kann, ohne Rücksicht auf meine Arbeit zu nehmen, fallen mir alle Stränge am Boden. Danach darf ich sie wieder sammeln, und häufig ist es auch die Ursache für Fehler, die ich danach beheben muss. Mega kontraproduktiv.

Eigentlich haben wir eine festgelegte Prozedur, für Bugs. Wir haben ein Projektmanagementsystem, mit dem alle in der Firma arbeiten, und drin ein Projekt für Bugs eingerichtet. Jeder, der ein Problem feststellt oder Änderungswünsche hat, soll es dort schriftlich mitteilen. Aber Fergus hält sich nie an Vorschriften. Unter der Begründung, es wäre für ihn einfacher, mir Sachen mündlich zu erklären, pfeift er drauf und reißt mich regelmäßig von meiner Programmiertätigkeit raus. Das nervt. Daher die Träume heute Nacht.


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Japanische Kirschblüten

Ich saß an der Terrasse eines Restaurants mit dem Ehemann und einer Japanerin mit grauen Haaren.

Mein Blick schweifte die lange Straße entlang und blieb am Ende auf zwei schönen, ungewöhnlichen Berge hängen. Sie waren völlig pink, außer am Rand, wo man das Grau vom Gestein erkennen konnte.

Die „Kirschblüten“ aus meinem Traum, schnell in ArtRage dargestellt.

Ich entschuldigte mich bei meinen Begleitern, verließ den Tisch und ging zu den Bergen. Als ich dort war, konnte ich sehen, dass die merkwürdige Farbe von den Kirschblüten stammte. Aber irgendwie sahen sie ganz anders als in meinem Gedächtnis aus. Es waren keine Kirschbäume, sondern kurze Pflanzen mit nur einem Stiel, aus dem viele pinke Blätter wuchsen.

Ich ging zurück zum Tisch und sagte dem Ehemann, er sollte mit mir die Kirschblüten sehen kommen, sie wären so schön und er hätte sie bestimmt noch nie gesehen.

Wir verließen unsere japanische Begleiterin und gingen durch die Stadt. An einem Platz stand ein großer Kirschbaum mit vielen Menschen in weißen Gewändern. Auf einmal setzten sich all diese Leute hin. Eine Zeremonie sollte statt finden. Ich versuchte, Fotos zu machen, aber ständig liefen mir Leute vor der Kamera. Eine Gruppe Polizisten, Touristen… Die Kirschblüten wurden immer weniger zu sehen.

07:00 weckt mich der Ehemann, als er zum Badezimmer geht.


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Mit dem Auto unterwegs

Der Ehemann hatte mich mit dem neuen Auto[1] zu einem großen, fast leeren Parkplatz gebracht, und war dann zu Fuß verschwunden.

Ich blieb im Auto auf dem Parkplatz. Ich war aber noch verschnupft und die Taschentücher wurden viel. Ich habe sie gesammelt und bin aus dem Auto ausgestiegen, um sie weg zu werfen.

Einen Mülleimer konnte ich erst am Eingang vom Parkplatz finden. Direkt davor stand ein junger Mann. Er hatte eine komische Haltung, mit dem Kopf nach unten und geschlossenen Augen, als ob er schlafen würde. Er reagierte nicht, als ich näher kam. Ich musste ihn schubsen, um an den Mülleimer ran zu kommen. Er ist gefallen, hat mich dann erst gemerkt und ist weg gelaufen.

Auf dem Weg zurück zum Auto[2] ist mir dann aufgefallen, wie viele Mülleimer es doch gab. Fast hinter jedem Auto. Wie konnte ich sie übersehen haben?

Der Ehemann war immer noch nicht zurück und ich habe beschlossen, selber mit dem Auto nach Hause zu fahren.

Erstmal raus aus dem Parkplatz. Erstmal zum Fahrersitz wechseln, vom Beifahrersitz aus lässt sich das Auto nicht so gut steuern. Ich halte also das Auto an. Wo ist denn die Handbremse? Ein anderer Fahrer hupt mich an. Er ist sauer, weil er dachte, er könnte schnell in meiner Lücke parken, und es dauert doch länger. Soll er hupen.

Der Parkplatz ist inzwischen richtig voll geworden. Beim Aussteigen aus dem Beifahrersitz stört mich die offene Tür des benachbarten Autos, die sich im Öffnungswinkel von meiner weiter geöffneten Tür befindet. Diese physikalische Unmöglichkeit beachte ich nicht. Ich passe bloß auf, beim Aussteigen das andere Auto nicht zu beschädigen.

Endlich hinter dem Lenkrad. Wohin jetzt? Ich weiß nicht mal wo ich bin. Ich schaue auf dem Navi. Wenn ich Lochham finde, kann ich weiter nach Hause fahren. Lochham glaube ich auf der Karte zu finden, aber der Name ist komisch geschrieben.

Ich fahre los und komme ziemlich schnell nach einem Kreisverkehr zu einer Autobahneinfahrt. Ich muss beschleunigen und will vorher links hinter mir schauen, ob jemand kommt. Es klappt aber nicht. Ich kann den Kopf nicht drehen und das Auto fährt zu schnell. Ich komme ohne Krach auf die Autobahn.

Die Fahrt ist stressig. Ich muss aufpassen, dass ich schnell genug bin. Meiner Meinung nach bin ich schon ganz flott unterwegs, aber der Tacho zeigt nur 50km/h. Ich muss schneller fahren. In dem Moment fängt es aber an, vor mir zu stauen. Ich muss bremsen. Das Auto kann ich nicht so gut kontrollieren und beinahe wäre ich in das Auto vor mir rein gefahren, wäre es nicht im letzten Moment vorwärts gekommen.

Ich komme zu Hause an. Ich parke einfach so mitten im Garten von der Villa meiner Eltern[3,4]. Dort stehen sonst viele Autos rum. Ich ziehe mich schnell um und gehe rein. Der Ehemann sitzt mit meinen Verwandten am Tisch.

Wir gehen in den Garten raus, um das Auto nach der langen Fahrt zu prüfen. Kein Kratzer, aber das Nummernschild vorne ist entzwei. Man kann beide Seiten wieder zusammen fügen, das Schild hängt ja nur mit einem Magnet, aber beim Fahren würden beide Seiten wieder auseinander gedrückt werden. Es muss schon beim Kauf kaputt gewesen sein. Man könnte auch das Schild komplett abmachen, darunter ist auch eine Nummer, aber eine andere, in einem komischen Format.

Kurz nach fünf wache ich auf. Alleine im Bett, denn der Ehemann schläft momentan im Gästezimmer oben, bis es mir besser geht. Scheinbar ist das Fieber endlich vorbei. Ach, das dachte ich gestern schon.

[1] Neu gekauft, aber der Ehemann muss es noch abholen und ich habe es selber noch gar nicht gesehen.

[2] Übrigens von der falschen Farbe.

[3] Ist schon längst verkauft, nachdem sie sich getrennt haben, vor dreizehn Jahren.

[4] In der Provence. Ganz weit weg von Lochham. Ich bin froh, nicht die ganze Fahrt geträumt zu haben.


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