Der gestohlene Kleiderständer

Mein Traum von vorletzter Nacht.

Ich war mit Kate in meinem Heimatdorf unterwegs. Wir gingen die Hauptstraße hoch bis zur Wohnung meiner Mami. Es war sonnig. Als wir auf halber Höhe der Straße waren, bemerkte ich einen kleinen Laden. Vor seiner geöffneten Tür stand ein Wäscheständer, der mir sehr bekannt vor kam. Es war meiner! Auf den Bügeln hingen sogar meine eigene Kleider, die ich nach dem Waschen zum Trocknen gehangen hatte und die jetzt von dem Laden zum Verkauf angeboten waren! Eine Unverschämtheit.

Ich habe den Wäscheständer genommen und ihn bis zur Wohnung geschoben. Kate folgte mir. Dort stand meine Mami mit meinem Bruder vor dem Haus. Mein Bruder war gleichzeitig mein Mann. Ich habe ihnen erzählt, dass ich meinen Wäscheständer gerade vom Laden zurück genommen hatte. Mein Bruder fügte hinzu, dass wir noch 50€ Pfand bezahlen mussten, um den Ständer zurück bringen zu können, obwohl er uns gehört.

Ich habe beschlossen, mit meinem Bruder zurück zum Laden zu gehen und die 50€ zu verlangen. Dort angekommen, hatte sich der Laden inzwischen in ein gut besuchtes Restaurant umgewandelt. Die Verkäuferin war jetzt Kellnerin und tat so, als ob sie so beschäftigt wäre, dass sie uns gar nicht wahrnehmen konnte. Es war natürlich nur gespielt, sie hatte uns ankommen gesehen und war zu ihrem Mann hinter der Theke gegangen, um ihn zu fragen, wie sie uns los werden könnte.

Ich habe nicht vor gehabt zu warten, bis sie sich entscheidet, mit uns zu reden. Ich habe mir die Dekoration vom Restaurant genau angeschaut und gesehen, dass ganz viel Holz für die Wände und die Decke verwendet wurde. Ich habe mit den Fingern das Holz gefühlt. Es war so reich bearbeitet wie die Balken, die man in alten Schlössern sehen kann, an der Loire zum Beispiel, mit Goldfarbe. Bestimmt würde es gut brennen können. „Lass uns die Bude abfackeln!“, habe ich meinem Bruder laut gesagt.

Ich bin aufgewacht.

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Rufbereitschaft

Diesen Traum hatte ich gestern Nacht.

Ich war unterwegs, für einen kurzen Urlaub. Es war am Wochenende. Ich befand mich in einem Schlafzimmer in einer Stadt. Es war dunkel, ich war alleine. Das Licht hatte ich nicht angeschaltet und ich konnte teilweise die Fensterkreuzschatten an der Wand sehen. Meine kleine Reisetasche lag auf einer blauen Holzkommode. Ich wollte ins Bett gehen.

Plötzlich ertönte der Klingelton vom Rufbereitschaftshandy. Wie immer, wenn das Handy nachtsüber klingelt, ging mein Puls sofort in die Höhe. Stress. Doch nicht schon wieder ein Problem an den Geräten! Aber Moment mal, ich war doch im Urlaub! Und Rufbereitschaft hatte ich gar nicht! Eine schnelle Suche in meiner Reisetasche ergab doch, dass das kleine weiße Handy sich tatsächlich drin befand. Hatte ich vergessen, es dem nächsten Kollegen zu übergeben? Wer war denn diese Woche für Rufbereitschaft zuständig? Gerne hätte ich im Kalender nachgeprüft, aber ich hatte gerade keinen Zugang. Ich habe aufgelegt. Im Geiste habe ich versucht, meine anderen Kollegen zu kontaktieren, aber keiner war ansprechbar. Was nun? Das Handy fing wieder an zu klingeln.

Ich bin vom Stress aufgewacht. Ich habe diese Woche keine Rufbereitschaft, aber die psychische Belastung ist anscheinend so groß geworden, dass ich auch in ruhigeren Zeiten Alpträume davon bekomme. Ich zucke immer erschrocken, wenn ich diesen Nokia-Klingelton in der Bahn oder sonst wo höre, weil er recht häufig benutzt wird. Ich muss zusehen, dass ich mich weg bewerbe.

Die verletzte Katze

Ich war mit meiner Mutter unterwegs. Wir wollten eine Freundin von ihr besuchen. Sie wohnte in einem Dorf mit sehr steilen Straßen. Die Häuser wirkten alt. Ihre Wände bestanden aus ungerelmäßig geformten dicken Steinen. Wir fuhren eine Straße hochwärts. An einigen Stellen hatte ich Bedenken, dass das Auto es nicht mehr schaffen würde und anfangen würde, rückwärts zu rutschen, aber angekommen sind wir doch. Meine Mutter hat das Auto mitten in einer engen steilen Straße geparkt und wir sind ausgestiegen.

Aus welchem Grund auch immer bin ich zuerst nicht ins Haus gegangen, sondern bin auf der Straße geblieben. Vielleicht, weil ich ein schlechtes Gefühl hatte, weil das Auto mir so nicht sicher geparkt vorkam. Und recht hatte ich, das Auto fing plötzlich an, von alleine die Straße runter zu rollen. An der nächsten Biegung konnte es natürlich nicht wenden. Das Auto ist gegen eine Hauswand geknallt. Chipie, meine Katze, ist aus dem Auto raus gekommen und hat sich auf dem Weg zum Haus der Freundin meiner Mutter gemacht. Ich bin ihr gefolgt. Sie sah gar nicht gut aus, nach dem Unfall. Blut befleckte ihr weißes Fell am Bauch. Sie hat versucht, sich zu lecken, und dabei habe ich gemerkt, dass ihr Bauch offen lag. Ein langer Schnitt war zu sehen.

Ich habe Panik bekommen und meine Mutter gesucht, damit sie einen Tierarzt anruft. Ich wusste nicht wo sie war. Auf meine Rufe hat sie nicht reagiert. Ich bin durch alle Räume der mir unbekanten Wohnung gegangen. Die Wohnung war groß. Es war dunkel. In einem großen Wohnzimmer habe ich sie gefunden. Meine Mutter und ihre Freundin schliefen auf einer langen Eckcouch, jede auf einer Seite der Couch, und waren in Decken kuschelig eingerollt.

Um halb vier bin ich aus dem Traum aufgewacht. Ich bin kurz aufgestanden, um die Toilette zu besuchen und ein Glas Milch zu trinken. Wieder einschlafen konnte ich gut. Ich habe geträumt, wie ich dem Ehemann meinen vorherigen Traum beschrieben habe. „Es war sooo steil!“ habe ich ihm erzählt, und es verdeutlicht, indem ich die linke Hand fast senkrecht gehoben habe.

Nächtliche Party

Wir waren gerade in eine neue Wohnung umgezogen. Die Wohnung war klein, im Erdgeschoß, in einem mehrstöckigen Haus aus dunklem Holz. Wir hatten Freunde zur Einweihungsfeier eingeladen. Unter Anderen war Sascha dabei, ein Schulfreund vom Ehemann. Er hatte seine Gitarre mitgenommen.

Wir waren alle stark alkoholisiert und haben auf die Uhrzeit nicht aufgepasst. Es sah ganz hell aus, durch die Fenster. Die ganze Nacht haben wir gefeiert. Gegen sechs Uhr morgens sind einige Gäste mit Sascha nach draußen gegangen. Um zu rauchen, und um Musik zu spielen, und um zu singen. Um sechs Uhr morgens! Die Nachbarn würden doch gleich ausflippen! Ich habe versucht, die Gäste zurück in die Wohnung zu bringen. Vergeblich.

Als alle endlich weg gingen, kam der Ehemann zu mir. Wir bräuchten uns keine Sorge mehr um die Nachbarn zu machen. Er hätte gerade mit dem älteren Mann oberhalb von unserer Wohnung geredet. Also sich eher heftig gestritten. Der würde bestimmt nie wieder mit uns zu tun haben wollen. Ich war enttäuscht, dass er es geschafft hatte, uns so schnell einen schlechten Ruf im Haus zu geben.

Das Versteckspiel

Ich befand mich in einem großen Raum mit einer anderen Person. Eine dritte Person hatte eben den Raum verlassen. Wir spielten das Versteckspiel.

Wir waren in einem Schlafzimmer. Es war Nacht, der Raum war mit einer Glühbirne beleuchtet, die ein gelbes Licht spendete. Es gab ein großes Bett und einen riesigen Kleiderschrank aus dunklem Holz.

Die andere Person meinte, wir sollten uns jetzt verstecken. Ich stand vor dem Kleiderschrank. Rechts hingen viele Mäntel, ohne Tür. Das letzte Fach rechts war eng, hatte aber eine Tür. Ich habe beschlossen, mich drin zu verstecken. Ich bin aber nicht durch die Tür, sondern unter die Trennwand zu den Mänteln zum Fach gegangen, während die andere Person mit einem Augenzwinkern in meiner Richtung unter dem Bett gerutscht ist.

Ich saß also am Boden im engen Fach vom Kleiderschrank, mit dem Rücken zur Wand, und dachte, so bin ich nicht wirklich versteckt. Jeder würde mich finden. Ich habe also die Trennwand bis zu meinem Schoß herunter gezogen, so dass nur noch meine Beine im Mäntelfach zu sehen waren. Ich konnte jedoch alles im Raum sehen, sowie meine Beine. Ich trug meine allerneueste Hose, zusammen mit den neuen warmen Stiefeln, die ich mir für diesen Winter gegönnt habe.

Die dritte Person ist mit einer Vierten zurück gekommen, um nach uns zu suchen. Sie hat ein bisschen Zeit gebraucht, um meine Beine zu sehen, und ist dann erstmals da vor mir stehen geblieben. Dass da Beine waren, die einer Person gehören müssen, war ihr klar. Aber sie sagte, dass keiner so blöd wäre, um sich so schlecht zu verstecken, und beschließ daher, dass keiner da versteckt wäre.

Ich hatte große Mühe, nicht in Lachen auszubrechen, als die Person zuerst vor mir stand und danach weiter nach uns im Raum suchte. Meine Lippen musste ich ganz fest zusammen pressen, und trotzdem kamen kleine Lachgeräusche durch. Ich bin auch so aufgewacht.

Stressiger Traum

Ich befand mich in einem Raum mit vielen Menschen. Es war ein Hörsaal mit vielen Tischen, die in Reihen angeordnet waren. Leute saßen an den Tischen und schauten auf der Projektionsfläche vorne links an der Wand, neben den Fenstern vom Raum.

Vorne saß Winfried. Gerade lief ein Vortrag. Mein Vortrag. Aber statt vorne zu stehen, stand ich hinten. Ich erzählte und blätterte durch die Folien auf meinem Laptop. Mein Vortrag war teil einer viertägigen Veranstaltung, die ich organisiert hatte und die eine Weiterbildung für Wissenschaftler war. Sie sollten drin lernen, mein Programm#1 zu benutzen. Ich hatte einen Vortrag jetzt und einen am nächsten Tag zu halten. Direkt nach meinem zweiten Vortrag war ein praktischer Teil am Rechner vorgesehen[1].

Mein erster Vortrag stellte die Grundlagen einer Methode zum Auswerten von Daten vor. Ich habe ihn gut gehalten, aber es gab zwischendurch so viele Fragen, dass ich das Ende der Präsentation weg lassen musste, um im Zeitrahmen zu bleiben. Es hat mich geärgert. Danach war Kaffeepause.

Ich wollte raus gehen, als eine Teilnehmerin mich angesprochen hat. Sie sah wie meine chinesische Freundin Mei aus. Sie meinte, ein Mann würde sie belästigen. Ich bin mit ihr zu einem Flur unweit vom Veranstaltungsraum gegangen. Dort, auf einem kleinen Tisch, hatte jemand einen sogenannten Ghettoblaster hingestellt. Das Gerät war schwarz und ovalförmig. Daraus ertönte eine Musik, die man bis zum Hörsaal hören konnte. Der Belästiger von der Frau hatte ganz klar das Gerät mitgebracht. Ich habe auf die Stop-Taste gedrückt und die Kassette aus ihrem Fach geholt. Ich habe vorgeschlagen, das Band von der Kassette heraus zu ziehen und zu vernichten, aber der Mann war wieder auf dem Weg zum Tisch. Ich bin mit der Kassette zur nahgelegenen Toilette geflüchtet und die Frau ist zurück zur Veranstaltung gelaufen.

Ich saß also auf dem Klo mit der Kassette in der Hand. Da ich schon da war, habe ich uriniert. Meine Tür war geöffnet, und ich konnte sehen, wie der Mann am Musikgerät fummelte. Ein anderer Mann ist aus der Toilette auf der anderen Seite vom Flur raus gekommen. Ich habe meine Tür geschlossen.

Zurück im Veranstaltungsraum. Es musste der nächste Tag sein, weil ich den zweiten Vortrag über Programm#1 halten musste. Ich hatte eine halbe Stunde zur Verfügung, danach war Kaffeepause und dann Praxis am Rechner. Irgendwie hat es nicht geklappt und ich konnte nicht mal die Hälfte der Folien zeigen. Nach der Kaffeepause habe ich dann verstanden warum: Anstatt über Progamm#1 zu erzählen, hatte ich wieder die Präsentation vom Vortag erzählt, die viel länger dauerte! Und keiner hat es gemerkt, nicht mal Winfried. Was nun?

Die Teilnehmer kamen schon von der Kaffeepause zurück und starteten ihren Rechner, um an Daten zu arbeiten. Dabei konnten sie gar nicht wissen, wie Programm#1 zu benutzen war[2]. Ich habe Winfried das Problem geschildert und beschlossen, den Vortrag ganz schnell zu halten. Ich habe um Aufmerksamkeit gebeten. Zweimal. Die Leute waren alle am Diskutieren. Ich habe gesagt, dass ich versehentlich den Vortrag von gestern gezeigt hatte und nun ganz schnell über Programm#1 erzählen würde. „Oh, great, brilliant„, meinte begeistert ein Teilnehmer vorne. Die Veranstaltung fand auf Englisch statt. Ich bin zu meinem Laptop hinten gegangen. Ich hatte aber große Mühe, die Leute am Vortrag zu interessieren. Sie plauderten die ganze Zeit, gingen raus und wieder rein, und beachteten mich gar nicht.

Ich bin in Schweiß gebadet aufgewacht. Warum muss ich jetzt, immer noch im Urlaub bei meiner Mami, so einen Traum haben?

[1] Eine solche Veranstaltung habe ich tatsächlich kurz vor unserer Weihnachtsfeier organisiert. Sie war allerdings nur eintägig. Es gab nur Vorträge, keine Praxis. Es wäre bei der großen Anzahl von Teilnehmern unmöglich gewesen.

[2] Eigentlich ist die Benutzeroberfläche sehr intuitiv gestaltet. Wichtiger ist zu wissen, wie man die Ergebnisse interpretiert.

Der Einbruch

Ich lag nachtsüber in meinem Bett. Ein Einzelbett. Es war dunkel. In einem anderen Einzelbett nicht weit von mir schlief „mein Mann“.

Plötzlich wachte er auf und sagte, „es riecht nach Brand“. Ich habe nichts derart gerochen und habe getan, als ob ich weiter schlafen würde. Zu sehen war nichts, außer einer orangefarbigen Lichtquelle, die vom Schalter einer Lampe unter dem Fenster kam. Soll er doch selber aufstehen, wenn er Gerüche erfindet. Er ist aufgestanden.

Als er nicht zurück kam, bin ich ihm doch gefolgt. Im Nachbarraum, der wie ein riesiger Speisesaal aussah, stand er fassungslos da. Der Raum sah verwüstet aus. Die Fensterscheiben waren zerbrochen und der Wind laß die langen Vorhänge tanzen. Alle Möbelstücke waren zerstört. Der Boden war voll mit Holzsplittern bedeckt. Alle seine teuere Gemälde waren aus den Wänden verschwunden. Es war seine Wohnung, nicht meine. Ich habe ihn lange wortlos umarmt. Er sah wie ein Gentleman vom neunzigen Jahrhundert aus, mit altmodischen Kleidern und einem langen dünnen Schnurrbart.

Nach einer Zeit habe ich ihm vorgeschlagen, mit mir nach Düsseldorf umzuziehen. Ich würde einen neuen Job finden, viel Geld verdienen, und damit eine Überwachungsanlage mit vielen Lasern in unsere neue Wohnung bauen lassen. Drei pro Fenster. „Warum Düsseldorf?“ wollte er wissen. Aber im Grunde wollte er auch weg von hier. Dieses Haus erinnerte ihn zu sehr an seine erste Frau, die lange nicht mehr bei ihm war. War sie gestorben? Ich wusste es nicht wirklich, aber es war ihm schmerzhaft.

Ich bin aufgewacht. Ich glaube, ich habe laute Nachbarn im Hotel heute Nacht.

Harte Nacht

Wir sind gestern ganz früh ins Bett gegangen. Wir haben mit dem Schwiegervater und einer Nichte in einem Lokal gegessen. Ich hatte mir den ganzen Tag ein schönes Kaloriendefizit aufgebaut, um ohne Reue den Abend zu genießen. Schweinerückensteak mit Pfifferlingen und Spätzle. Dazu zwei Biere. Ich hatte es nicht erwartet, weil es nichts Außergewöhnliches war, aber die haben mich mächtig gehauen. Als wir aus dem Lokal gegangen sind, ist mir bewusst geworden, dass ich betrunken war und nur noch schlafen wollte. In der S-Bahn habe ich auf Martins Schulter gedöst. Um halb zehn war ich im Bett. Martin ist mir gefolgt. Wir sind sofort eingeschlafen. Durchgeschlafen haben wir nicht.

Kurz vor Mitternacht hat mich Martin zum ersten Mal geweckt. Er hat etwas von einem Koffer erzählt und ist aus seiner Schlafposition gesprungen, um auf die Bettkante zu sitzen.“Was ist los?“ habe ich gefragt. Er hatte einen Koffer verloren. Da er vorgestern wieder auf Dienstreise geschickt wurde und erst gestern am späten Nachmittag zurück gekommen ist, und da ich gerade aus dem Schlaf gerissen wurde, erschien es mir plausibel. „Was für einen Koffer denn?“ Er hat lange etwas Unverständliches erzählt, wobei ich nur das Wort „Militär“ mitbekommen habe. Ich habe ihn gefragt, ob er noch am Schlafen war, da ich sonst kein Wort verstanden hatte. „Vielleicht, ich habe auch nichts verstanden“, war seine Antwort. Er hat sich wieder hingelegt.

Eine Stunde später bin ich von einem Traum aufgewacht. Am Traum selbst kann ich mich nicht mehr erinnern, außer dass jemand geklingelt hatte. Ich habe gedacht, Martin müsste aufstehen und zur Tür gehen. Bevor ich ihn ansprechen konnte, ist mir aufgefallen, dass es ein Traum gewesen war. Ich bin zur Toilette gegangen, aber der Traum ließ nicht ganz los und ich habe noch den zweiten Schloss der Tür geriegelt, falls ein Eindringling im Haus war.

Eine halbe Stunde später, als ich noch nicht eingeschlafen war, hat Martin gefragt, wem er etwas Unverständliches geben könnte. „Bitte?“ habe ich gefragt. Er ist wach geworden, hat gemerkt, dass er wieder im Schlaf geredet hat und geseufzt.

Als ich noch drei Viertelstunden später den Schlaf suchte, hat er angefangen, ganz aufgeregt zu atmen, und dann „Und Tschüß!“ gerufen. Er klang sehr aufgeregt, daher habe ich versucht, ihn zu beruhigen. Er ist aufgewacht. Da ich noch nicht schlief, habe ich ihn gefragt, mir seinen letzten Traum zu beschreiben. Er war auf einem Gebirge mit Leuten unterwegs, es war sehr windig, und ein Mann ist mit dem Wind weg geflogen. Daher hatte er Tschüß gerufen. Ich konnte nur noch lachen.

Es war inszwischen fast drei Uhr morgens. Ich dachte, ich würde lange vergeblich versuchen, wieder einzuschlafen. Es ist mir doch recht schnell gelungen. Ich weiß es, weil ich einen unangenehmen Traum hatte:

Die Ransomware

Ich saß an meinem Rechner in meinem ehemaligen Kinderzimmer unserer Villa in Südfrankreich. Meine Mami lag im Bett, wo früher meine Schwester geschlafen hatte.

Was ich am Rechner genau machte, weiß ich nicht mehr. Ich war unter Windows. Irgendwann habe ich ein merkwürdiges Fenster mit einer Scam-Warnung bekommen. Irgendwas hat angefangen, sich zu installieren. Mein Rechner ist instabil geworden und ich habe keine Kontrolle mehr gehabt. Ich habe kurzzeitig im Vollbildschirm ein Bild bekommen, wo drauf „Ransomware“ stand. Ich habe mich gewundert, warum meine Antivirus-Software nicht reagiert hat. Ich habe versucht, nicht in Panik zu geraten, und habe gedacht, im schlimmsten Fall könnte ich meinen Rechner mit Ubuntu starten, das ich auf einer anderen Festplatte installiert habe.

Ich habe den Rechner neustarten wollen. Die Ransomware hat sich gewehrt und gehindert, dass der Rechner heruntergefahren wird. Ich habe die Tastenkombination Strg + Alt + Entf drücken wollen, aber meine Tastatur sah plötzlich ganz anders aus. Strg und Alt waren an ihren üblichen Plätzen. Entf nicht. Da waren neue bunte Tasten, eine davon hieß Jihad. „Ach du Scheiße“, habe ich gedacht. Ich habe den Power-Knopf lange gedrückt. Der Rechner hat sich ausgeschaltet. So weit so gut.

Beim Hochfahren habe ich nicht das übliche Bild von der Mainboard gesehen. Es ging sofort mit dem Bild der Ransomware los. Ohne GRUB. Zu Ubuntu konnte ich also nicht wechseln. Die Ransomware hat ein Video gestartet. Die Musik war gruselig und laut. Ich habe die Lautsprecher ausgeschaltet. Die Musik lief weiter. Meine Mami hat es gestört, weil sie schlafen wollte. Ich habe versucht, den Rechner auszuschalten. Strg + Alt + Entf hat nicht gewirkt. Der Power-Knopf auch nicht. Das Video lief weiter. Als ich auf den Bildschirm geschaut habe, standen zwei Männer in weißen Gewänden. Beide trugen einen Turban. Von der Seite, nicht zu sehen, hat jemand plötzlich mit einem Säbel den Kopf vom Mann rechts abgetrennt. Blut hat gespritzt, als der Kopf nach vorne fiel. Meine Mami hat gesagt, sowas wollte sie nicht vor dem Einschlafen gesehen haben. Da der Rechner sich nicht herunterfahren ließ, habe ich am Ende beschlossen, die unterbrechungsfreie Stromversorgung, an die mein Rechner immer hängt, auszuschalten. Endlich war Ruhe.

Ich habe die Fensterläden geschlossen. Meine Mami hat auf ihrem Handy einen Anruf bekommen. Meine Schwester war es, die sie mitten in der Nacht angerufen hatte. Da sie gerade hochschwanger ist, hat meine Mami sofort gefragt, ob sie ein Problem hätte.

Ich bin aufgewacht. Vier Uhr morgens. Der Rest der Nacht verlief zum Glück ruhiger.

Rausgefegt

Ich musste Winfried mitteilen, dass ich schwanger bin[1]. Dadurch durfte ich viele Tätigkeiten bei der Arbeit nicht mehr ausführen. Das war blöd, weil ich schon so lange wegen meines kaputten Armes nicht auf Arbeit war.

„Das ist unschön“, meinte Winfried. „Aber wir werden dich ersetzen können.“ Neben ihm stand Mr Keen, der den Kopf nach unten geneigt hielt und nichts sagte. „Du“, sagte Winfried zu ihm, „wir können dich doch länger beschäftigen.“ Er erklärte, dass mein Vertrag zum 25. November dieses Jahres zu Ende ginge, und Mr Keen meine Stelle haben könnte. Moment mal, so früh ging mein Vertrag doch nicht zu Ende.

Zum Einen dachte ich, meine Stelle ist aus Drittmitteln finanziert. Den Folgeantrag für das Projekt haben wir eingereicht. Die Entscheidung wird noch einige Monate dauern. Wenn sie negativ ausfällt, ist kein Geld für meine Stelle da. Wie konnte Winfried sie Mr Keen anbieten? Zum Anderen hatte ich Winfried den Entwurf von meinem „Plan B“ DFG-Antrag geschickt, und er hatte mir bis jetzt noch keine Rückmeldung gegeben[2]. Vielleicht weil er mich doch nicht in der Gruppe behalten wollte? Wie würde ich dann an meinem Projekt weiter arbeiten können?

Bei Winfrieds‘ Ankündigung hob Mr Keen den Kopf. Sein Siegeslächeln war nicht zu übersehen. „Du Miststück, du freust dich richtig, dass ich so weggeschmissen werde“, wollte ich ihm sagen. „Du“, habe ich angefangen, und dann aufgehört. Den Typ hasste ich. Ich würde dort nicht mehr arbeiten und nichts mehr mit ihm zu tun haben müssen. Das war doch was.

[1] Bin ich nicht. Ich bin sicher, dass meine Periode kommen wird. Heute Morgen lag meine Temperatur wieder unter 36°C. Definitiv nicht schwanger.

[2] Das stimmt.

Ich träume noch von ihr

Kurz nach ihrem Tod habe ich geträumt, dass ich meine Katze zufällig getroffen habe. Wir haben uns unterhalten. Ich habe sie gefragt, wie es ihr jetzt geht und was sie so macht. „Och, es geht“, meinte sie. „Was mich aber stört ist, dass jetzt alle so sind“, fügte sie hinzu, und rollte die Augen nach oben, so dass nur das Weiße noch zu sehen war. Selbst ich erschien ihr so. „Tja, das ist normal, wenn man tot ist“, habe ich ihr erklärt. „Ach so, ich bin tot?“ Sie hatte es nicht gemerkt. Sie wurde nachdenklich, und ist dann weg gegangen. Ich bin kurz danach aufgewacht.

Ein anderes Mal habe ich geträumt, dass jemand es geschafft hatte, sie wieder lebendig zu machen. Sie stand vor mir. Ich habe mich zuerst gefreut, aber dann doch gemerkt, dass ihr Fell ganz anders als vorher aussah. Die Farbe stimmte nicht, und die Haare waren nicht so lang. „Das ist nicht meine Katze“, habe ich gesagt.

Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich mit Martin vor ihrem leblosen Körper stand. Martin hat sich gefreut, sie wieder zu sehen, und hat angefangen, sie unter dem Kinn zu streicheln. Sie hat aber natürlich gar nicht darauf reagiert, außer dass ihr Kopf durch die Bewegung auf der andere Seite eingesackt ist. „Martin, hör auf, sie ist tot“, habe ich ihm gesagt. Das hat ihn erschüttert. Er hat angefangen zu zittern und zu weinen. Ich habe ihn in meine Armen getröstet.