Unruhige Nächte

Ich war in einer Art Kathedrale ohne Dach. Der Himmel war grau. Um mich herum waren einige Menschen. Sie trugen Tarnkleidung und waren damit beschäftigt, Waffen für ihre Verteidigung bereit zu stellen. Um uns herum wurde bombardiert. Ich wusste nicht wirklich, warum ich da war, konnte aber nicht raus. Es war zu gefährlich. Als es für längere Zeit still wurde, habe ich es doch gewagt.

Die Straße aus meinem Traum, zwischen den zwei Kurven. Rechts, nicht angezeigt, das DDE-Gebäude, in der großen Kurve. Dahinter der versteckte steile Weg. Links die Mauer mit Treppe zu unserer Straße. Am Ende der Straße links, hinter der Mauer versteckt, der Kreisverkehr.

Ich war im Dorf meiner Kindheit und versuchte, mich zu unserem Familienhaus zu schleichen, ohne von den kämpfenden Russen erwischt zu werden. Anstatt auf der Straße zu bleiben, bin ich an der großen Kurve vor dem Kreisverkehr dem kleinen steilen Weg hoch gefolgt, der hinter dem DDE-Gebäude versteckt ist. Der Weg war viel steiler als in meiner Erinnerung, ich musste richtig mit den Händen klettern. Oben angekommen, wusste ich nicht so recht, wie ich weiter gehen soll. In meiner Kindheit war ich immer eine schmale, steile Treppe an der Steinmauer entlang auf der anderen Seite der Straße hoch nach Hause gelaufen[1]. Dahin zu kommen war jetzt schwierig, der Panzerverkehr war zu stark und die Sicht auf beiden Seiten der Straße zu kurz, um sie zu überqueren. Ich würde die Straße rechts zum Kreisverkehr und zurück nach links die Straße hoch zu meinen Eltern laufen müssen.

Im Haus meiner Eltern waren bewaffnete Russen. Sie erklärten uns, sie hätten mit dem Bombardieren erstmal Pause gemacht, weil es Sonntag war, aber jetzt würden sie weiter machen. „Warum muss das sein?“ habe ich gefragt. Keine Antwort.

Ich bin mit dem Geräusch von Maschinenpistolen in den Ohren aufgewacht. Zwei Uhr morgens. Der Ehemann war neben mir am Schnarchen. Kurz danach hat er im Traum geschrien, aufgeregt geatmet, sich umgedreht und weiter geschlafen. Das Wiedereinschlafen hat bei mir länger gedauert.

Gestern bin ich schon um sechs Uhr morgens in Panik aufgewacht. Jemand war im Haus, davon war ich mir sicher. Ich habe mich nicht getraut, den Ehemann zu wecken, damit die Einbrecher uns nicht hören. Ich habe die Schlafzimmertür beobachtet. Ein gelbes Licht ging kurz an, wie ich durch den Spalt zwischen Tür und Türrahmen sehen konnte. Ich habe weiterhin die Tür beobachtet. Ich sollte meine Schwester benachrichtigen, dass sie nicht aus der Etage runter kommt, ich wusste nur nicht wie. Es wurde langsam heller. Die Schlafzimmertür war eigentlich dicht geschlossen, das Licht muss ich mir ausgeträumt haben. Und meine Schwester war doch gar nicht bei uns.

[1] Wenn ich mir diese Treppe heutzutage anschaue, frage ich mich, wie ich mich früher da hoch wagen konnte. Die Treppe verläuft eng an der Mauer lang, ohne Sicherung auf der Abgrundseite zur Straße. Die Steine sind glatt getreten und die Stufen zu einer steilen Rutsche geworden. Vermutlich ist die Treppe all die Jahre nicht instand gesetzt worden. Auf halber Höhe der Mauer läuft eine schmale, waagerechte Stufe den Rest der Mauer lang, die nirgendwo hin führt. Wir hatten uns mit meinem Bruder häufig da hingegessen und das Spiel von „rate mal welches Motorrad gleich aus dem Kreisverkehr angefahren kommt“. Mein Bruder konnte die einzelnen Modelle aus dem Geräusch vom Motor von weitem erkennen.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Auf der Flucht

Ich befand mich in einem Gebäude mit zwei oder drei unbekannten Personen. Es war dunkel. Wir durften da nicht sein und mussten das Gebäude verlassen, weil uns sonst die bewaffneten Männer, die ich im Flur gesehen hatte, bestimmt erschiessen würden.

Wir sind zu einem Raum gegangen, der wie eine Betriebsküche aussah. Am weitesten Ende vom Raum war eine Klappe, die gerade breit genug war, um durch gehen zu können. Ich habe die Klappe geöffnet. Dahinter befand sich eine steile Passage. Genau wie eine Abfallrutsche, habe ich gedacht. Wir sind rein gegangen und haben uns rutschen lassen.

Wir sind zu einem neuen Raum gekommen und waren drin genau so fest gefangen wie vorher, außer dass es da auch eine Klappe nach unten gab. Und eine Katze. Eine meiner Mitflüchtenden meinte, wenn wir nach unten kommen, müssten wir extrem aufpassen, nicht von der Wache ertappt zu werden. Wir sollten einzeln runter rutschen und lange genug vor der letzten Person warten, um selber zu rutschen. Die Frau hatte ein Zettel mit dem Zeitplan der Wache. Die Information war leider für Sonntag, und wir hatten Donnerstag. Wir hatten Verspätung bekommen.

Ich war die letzte, die runter rutschen sollte. Ich kam zu einer großen Eingangshalle, die spärlich beleuchtet war. An der Rezeption waren Leute hinter einer Glaswand, andere Leute gingen hin und her durch die Halle. Von einer Wache keine Spur. Ich bin nach draußen gegangen. Niemand verfolgte mich.

Ich befand mich auf einem dunklen Parkplatz. Das Gebäude, das ich gerade verlassen hatte, war ein Bahnhof. Ich wusste nicht, wo ich jetzt hin gehen sollte. Es gab Schilder mit Straßennamen an der Kreuzung, ich erkannte leider keinen Namen. Ich musste jedenfalls erstmal untertauchen. Am besten würde ich in einem Hotel den Rest der Nacht verbringen. Ich kannte mich hier nicht aus und hatte keine Ahnung, wo das Stadtzentrum zu finden war. Ich bin zu den Taxis gegangen. Es gab sieben oder acht davon, alle besetzt. Sie fuhren nicht, aber Fahrgäste waren schon drin. Was sollte ich tun?

Ich bin aufgewacht.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Durcheinander

Ich fühle mich momentan recht müde. Am Montagabend hatte ich leichte Kopfschmerze. Gestern wurde es eine richtige Migräne. Ich bin früh ins Bett gegangen, schon um neun Uhr Abends. Um vier bin ich aufgewacht und dachte, ich hätte mich ausgeschlafen. Ich konnte doch wieder einschlafen.

Ich war in einem Hotelzimmer mit dem Ehemann. Wir mussten auschecken, aber ich war noch nicht angezogen. Ich bin in Unterwäschen mit dem Rest meiner Kleider in den Armen aus dem Zimmer gerannt. Ich war ein bisschen geniert, weil mein Höschen und mein BH farblich nicht zusammen passten.

Aus dem Hotel raus, sind wir zum Auto gegangen. Ich habe mich am Fahrersitz hingesessen, um mich weiter anzuziehen. Der Ehemann ist zum Beifahrersitz gegangen. Als ich mit meinen Klamotten noch am Kämpfen war, ist er los gefahren. Es war nicht praktisch. Ich musste auf die Pedalen drücken, während er steuerte.

Wir waren auf einer Autobahn. Ich war dabei, ein hellrosafarbene Strumpfhose über meine Beine hoch gleiten zu lassen, als ein Bus uns überholte. Der Bus blieb dann links neben uns, und die Fahrgäste glotzten mich aus den Fenstern beim Anziehen an. Ich sagte dem Ehemann, wir sollten vor der Autobahn runter fahren.

Wir sind zu einer Stadt angekommen. Es war regnerisch. Die Straße hatte eine Biegung nach rechts, um zu einem Hotel zu kommen. Der Ehemann hat mitten auf der Abbiegespur versucht anzuhalten, aber das Auto kam nicht zum Stehen, selbst mit der Handbremse. Wir sind mit dem Auto ins Hotel gekommen, entlang Flure an Konferenzzimmern vorbei gefahren, um vor einem leeren Schlafzimmer endlich zu halten. Ich bin rein gegangen und habe mich mit Mühe zu Ende angezogen. Als der Ehemann ins Zimmer kam, um zu fragen, ob ich fertig war, hielt ich jedoch die Strumpfhose in der Hand. Wir mussten schnell wieder raus.

Wir liefen auf der Straße. Meine Beine waren nackt. Ich hielt meine Strumpfhose immer noch in der Hand. Immerhin hatte ich den schwarzen Rock an. Ich sagte dem Ehemann, ich wäre momentan total verwirrt und könnte nicht mehr rational handeln. Ich hätte doch die Strumpfhose gerade angezogen gehabt, warum hätte ich sie wieder ausgezogen? Ich würde ständig Sachen vergessen oder nicht in der richtigen Reihenfolge machen. Es bereitete mir Sorgen um meine geistige Gesundheit.

Wir sind zu einer Art öffentlicher Dusche gegangen. Es wurde draußen dunkel. Drin waren Boden und Wände mit kleinen quadratischen gelben Fliesen bedeckt. Wir haben geduscht. Ich habe den Ehemann am Glied gepackt und ihn leidenschaftlich geküsst. Ich hatte Angst, er würde mich wegen meiner Verwirrung nicht mehr attraktiv finden. In dem Moment fiel mir ein, die Tür zur Straße war breit offen. Man konnte durch die Fenster in die Wohnungen gegenüber schauen, und umgekehrt konnten Leute uns sehen. Der Ehemann hat die Tür geschlossen. Es war aber die falsche Tür, man konnte immer noch die andere Seite der Straße sehen. Der Ehemann hat eine zweite Tür geschlossen. Diesmal ging sie wirklich zu. Ich habe den Ehemann gegen die Wand gedrückt, meine Beine beim Stehen um ihn geschlungen und ihn empfangen.

Beim Höhepunkt bin ich aufgewacht. Es war kurz vor halb sieben. Die Migräne war vorbei.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Träge

Ich war mit dem Ehemann in einer großen Halle. Die Halle war rund, sie war eher ein runder Gang, wie ein Donut, mit hoher Decke, und gelb/orangefarbenen Wänden. Viele technische Gegenstände lagen rum neben der Wand, Röhre, Teile von wissenschaftlichen Geräten. Es sah wie in einem Forschungsreaktor aus.

Wir haben uns mit einer Bekannte auf einem breiten, mit blauem Stoff bezogenen Tisch hingesessen. Mehr hingelegt als hingesessen, wirklich. Links von mir war auch Winfried. „Hey, das Team von Programm #1 ist auch da!“ rief plötzlich meine Bekannte aus. Uschi lief tatsächlich an uns vorbei, nach rechts. „Stimmt, er ist zurück zur Gruppe gekommen, das muss eine Umstellung gewesen sein“, sagte ich[1]. „Ja, jetzt bin ich der Chef“, sagte Winfried. „Das gebe ich nicht zurück.“

Später. An dem Tisch, auf dem wir gesessen hatten, hatten wir scheinbar gegessen. Es was nach dem Essen. Der Ehemann räumte alles auf, während ich auf meinem Stuhl nur saß und zuschaute. Kein Bock, irgendwas zu machen. Ein bisschen schlechtes Gewissen habe ich doch bekommen, da der Ehemann so viel getan hatte, und ich habe einen Staubsauger in die Hand genommen, um die Krümel am Boden zu entsorgen. Dabei fiel mir ein, ich hatte keine geeignete Schuhe dafür, nur kleine, hübsche Sandalen, die zu meinem weißen Sommerkleid gut passten. Winfried meinte, ich könnte mich um die Spinnen ganz hinten an der Decke kümmern. Ich bin hin gegangen. Es gab schwarze Flecken, aber als ich näher kam waren sie wirklich nur das – Flecken. Ich bin zurück gekommen.

Wir waren mit dem Ehemann draußen auf einer asphaltierten Brücke. Er schlug vor, einen Spaziergang zu machen. Ich schaute unter der Brücke. Da lief ein Fluss, es wäre schön, am Ufer zu gehen. Aber der Weg sah steinig aus, ich hatte immer noch mein weißes Kleid und meine kleine Sandalen an, und ich lag so gemütlich da. Ich sagte, ich würde nur auf der Straße laufen wollen. Oder er müsste ohne mich spazieren gehen. Er ging ohne mich. In dem Moment kam eine Frau aus der anderen Richtung auf ihn zu. Die Frau sah auf dem ersten Blick nicht so dick aus, aber dann fiel mir auf, wie ihre Oberschenkel in ihrer hellen Jeanshose zwei aufeinander gestapelten Wülste bildeten und so breit waren, dass die Unterschenkel nicht mehr parallel zu einander stehen konnten. Die Frau war in Begleitung einer älteren Frau, vermutlich ihrer Mutter, und die Beiden sperrten dem Ehemann absichtlich dem Weg, damit er gezwungen wurde, zwischen ihnen zu gehen. Dabei fasste ihn die dicke Frau an und versuchte, mit ihm zu flirten, aber er ging nur durch und lief weiter, ohne die Frauen wahrzunehmen. Ich war vom Verhalten der Frau schockiert, und als sie an mir vorbei lief, rief ich „Connasse!“ zu ihr[2]. Etwas passenderes fiel mir nicht ein. Sie lief einige Meter weiter, drehte sich dann doch zu mir und wiederholte, „Connasse!“ Es war aber klar dass sie keine Ahnung hatte, was das bedeutete.

Das Radio weckte mich. Mir fiel auf, wie sehr ich im Traum keine Lust hatte, irgendwas zu unternehmen. Es ist momentan auch so. Vielleicht liegt es daran, dass es auf Arbeit so viel zu tun gibt und ich abends nur noch schwer etwas anderes tun kann als mit dem Ehemann auf der Couch vor dem Fernseher zu sitzen, oder genauer gesagt zu schlafen. Selbst fürs Kochen fehlt mir die Begeisterung. Ich habe sowieso keinen so großen Hunger, wenn ich den ganzen Tag zu Hause im Home Office sitze. Ich fühle mich nur sehr müde. Es könnte auch gerade an die Booster-Impfung vorgestern liegen, obwohl ich sonst kaum Nebenwirkungen hatte. Wieder BioNTech. Es wird jedenfalls dringend Zeit für Urlaub. Ich freue mich drauf.

[1] Das stimmt tatsächlich. Nachdem Uschi uns überraschenderweise verlassen hatte, ist er genau so überraschend vor zwei Jahren zurück zur Gruppe gekommen. Ob es damit zusammen hängt? Mr Keen hat kurz danach gekündigt. Hätte ich damals gewusst, dass ich ihn nur noch zwei Jahre ertragen müsste, hätte ich mich vielleicht nicht so eifrig weg beworben.

[2] Ich finde es nach über zwanzig Jahren in Deutschland immer noch unheimlich schwer, mir deutsche Schimpfwörter anzueignen. Ich habe deutsche Kolleginnen gehabt, für die „blöde Kuh“ schon eine starke Beleidigung war, was auf Französisch eher lustig klingeln würde.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Im Studentenwohnheim

Ich war mit Bekannten auf einem sonnigen Platz. Wir waren mit dem Fahrrad angekommen, die Fahrräder waren an Ständern angelehnt. Wir sind zur Terrasse eines Restaurants gegangen und haben gegessen.

Nach dem Essen wollte ich mir die Hände waschen, sie waren ein bisschen klebrig geworden. Auf der anderen Seite vom Platz war die Terrasse von einem anderen Restaurant, und ich sah, wie ein Mann dort zu einer Schüssel auf einem Tisch ging, an dem sonst keiner saß, und sich drin die Hände wusch. Ich beschloss, genau das zu tun und ging auch zur Schüssel. Als ich aber meine Hände schon in die Schüssel gesteckt hatte, merkte ich erst, es war kein Wasser sondern eine dünnflüssige grüne Suppe. Es gab sogar eine Kehle in der Schüssel. Es wurde mir peinlich, die Suppe versaut zu haben. Zum Glück schaute niemand von den Gästen zu mir.

Ich habe das Gebäude um mich herum beobachtet. Eine Toilette brauchte ich, um meine Hände zu waschen. Der Platz sah eher wie ein offener Innenhof aus. Das Gebäude vom Restaurant belegte drei Seiten vom Platz. Vor mir, am hinteren Ende vom Platz, war eine Toilette, aber man konnte sie nicht benutzen. Auf der linken Seite vom Platz, im Schatten, habe ich eine andere Tür für eine Toilette gesehen. Als ich näher kam fiel mir das Schild für Männer auf. Ich habe laut geflucht und dann gemerkt, weiter weg war eine Toilette für Frauen. Ich bin hin gegangen.

Ich habe mich auf die Kloschüssel gesetzt. Das Klo war direkt hinter der Tür. Ich hatte diese, links von mir, nur angelehnt und nicht komplett geschlossen. Als ich meine Blase entleerte, konnte ich hören, wie jemand im Flur Geräusche machte. Vermutlich die Putzfrau. Ich war noch nicht fertig, als sie versuchte, die Tür zu öffnen. Ich habe geschrien, dass ich noch da saß, und sie hat auf der anderen Seite von der Tür weiter gearbeitet. Zum Glück nicht wie die Putzfrau damals im Studentenwohnheim in Nizza[1], habe ich gedacht. Ich wurde endlich fertig und wischte mich, als ein junger Mann aus der rechten Seite vom Raum ankam. Ich hielt noch ein winzig klein gefaltetes Stück Papier gegen meine Harnröhrenmündung fest[2,3]. Er hat sich auf einem Bett neben mir fallen lassen.

Ich saß selber auch auf einem Bett. Ich befand mich ja in einem Studentenwohnheim, wo ich ein Zimmer hatte. Ich fragte mich, für wie lange. Wir hatten Sommer, müsste ich nicht irgendwann für die Sommerpause mein Zimmer frei machen[4]? Und wo sollte ich in der Zeit bis zum nächsten Semester wohnen? Der junge Mann war neu und sehr überrascht, dass die Matratze so weich war. Er war beim Hinsetzen viel tiefer gesunken als vermutet. Ich habe ihm gesagt, ich war am Anfang auch sehr überrascht gewesen, aber man würde sich daran gewöhnen.

Als wir weiter diskutierten, saßen wir im selben Raum an einem großen, dunklen Holztisch. Die Putzfrau kam und schieb einen hohen Rollhalter, an dem selbstgemachte Armbänder hingen. Ich wollte sie mir anschauen, um sie selber nachzumachen. Ich kam nicht dazu. Ein Kellner kam und brachte uns die Rechnung. Sollten wir in Dollars oder in München[5] zahlen? Ich sagte, „Dollars“, und dann korrigierte ich mich, „nein, Euros, ich meine, München, München!“ Aber musste ich wirklich mein Zimmer frei räumen?

Bevor ich die Frage stellen konnte, bin ich aufgewacht.

[1] Die Geschichte hat es wirklich gegeben, vor ungefähr fünfundzwanzig Jahren. Ich bin überrascht, im Traum nach so langer Zeit wieder daran zu denken. Ich war an einem Vormittag im Wohnheim. Das Gebäude war quasi leer, alle waren in den Vorlesungen, nur ich hatte die Stunde frei. Ich musste dringend pinkeln. Wir hatten keine Toilette in den Zimmern, sie waren mit den Duschen in einem Gemeinschaftsraum auf der Etage. Die Tür von meinem Klo ließ sich nicht schließen. Ich habe gedacht, ich bin ganz schnell und habe mit dem Fuß die Tür gehalten, während ich auf dem Klo saß. Ich wäre fast fertig geworden, als eine Putzfrau kam und die Tür öffnen wollte. Ich habe geschrien, ich wäre drin, aber sie hatte die Tür voll mit Kraft geöffnet, dagegen konnte mein Fuß nicht halten. Sie stand dann nur noch vor mir da mit einem komischen Gesichtsausdruck am Glotzen. Ich musste sie zweimal darum bitten, weg zu gehen, bevor sie es tat. Das war richtig krass.

[2] Ich habe fast so lange gebraucht, heraus zu finden, wie dieses Körperteil heißt, wie um den Rest vom Text zu schreiben. Das Wort auf Deutsch kam mir im Nachhinein sogar bekannt vor. Ich habe zuerst in meiner Muttersprache gesucht, Wikipedia hat geholfen, auf Französisch hatte ich noch nie vom méat gehört, weder urétral noch urinaire. Wie kann es sein, dass man so gut im Detail informiert ist, wie die Genitalien gebildet sind, aber nicht weiß, wie das Loch direkt daneben heißt, aus dem der Urin heraus kommt?

[3] Ich hatte gar kein Schamhaar, die Haut war ganz glatt, das ist mir nur nach dem Aufwachen aufgefallen. Und so klein falte ich Klopapier nicht. In dem Traum konnte man es gar nicht sehen.

[4] Das lief in meiner Zeit in Frankreich genau so. In den zwei Sommerferienmonaten musste man aus den Studentenwohnheimen ausziehen. Die Wohnheimplätze wurden nur am Anfang von jedem Studienjahr im September vergeben. Wenn man den ganzen Sommer bleiben wollte, brauchte man eine Sondergenehmigung. Die hatte ich nicht bekommen, als ich nach meinem letzten Semester in Nizza ein unbezahltes Praktikum in einem Forschungslabor gemacht hatte, und ich hatte in dem Sommer bei meinem Patenonkel gewohnt, wo uns, nebenbei erzählt, seine Mutter täglich ganz früh morgens ihre frische Caponata gebracht hatte. Sie wohnte in der Nähe.

[5] Häh?

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Augenmigräne, die Zweite

Ich war auf Arbeit, in dem Institut, in dem ich meine Doktorarbeit gemacht habe. Ich saß am Schreibtisch. Plötzlich konnte ich nicht mehr richtig sehen, meine Sicht wurde trüb und es gab einen farbigen Klumpen in meinem Blickfeld. Augenmigräne. Ich bin aufgestanden und zum Büro von meinem Doktorvater gegangen, um ihm Bescheid zu sagen, dass ich gerade nicht arbeiten konnte. Sein Büro war leer. Ich habe eine Nachricht beim Sekretariat gegeben.

Als ich wieder im Flur war, traf ich meinen IT-Kollegen aus meiner zweiten Postdoc Stelle in Berlin. Ich habe ihm das mit der Augenmigräne erzählt, ein kleiner bunter Halbkreis hatte sich schon in meinem linken Auge gebildet. Die IT-Kollegin hat sich zu uns mitten im Flur gesellt. Ich habe meinen IT-Kollegen gefragt, „wie geht es dir sonst so?“ Ich hatte ihn ewig nicht mehr gesehen. Er hat etwas Unverständliches wie „ra ra ra ra“ geantwortet, mehrmals, es wurde mich unheimlich.

Ich bin aufgewacht. Der Ehemann neben mir war am Schnarchen. Genau das Geräusch, das mein IT-Kollege im Traum von sich gegeben hatte. Ich habe den Ehemann an der Schulter geschubst. Er hat sich umgedreht und war so genervt, dass er mich schlagen wollte. Mir wurde kalt in den Rücken.

Ich bin aufgewacht. Der Ehemann neben mir war immer noch ruhig am Schnarchen, mit dem Rücken zu mir gedreht. Meine Arme waren noch unter der Decke, ich konnte ihn nicht im Traum angeschubst haben. Ich habe ihm gesagt, „du schnarchst“. Er hat sich umgedreht, das Schnarchen eingestellt und weiter geschlafen. Die Augenmigräne war immer noch im Gange. Wie letzte Woche ist der bunte Halbkreis genau an der gleichen Stelle gewachsen und gewachsen, bis er links aus meinem Sichtfeld verschwunden ist.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Der 112 Anruf

Ich war mit dem Ehemann, meiner Schwester, ihrem Sohn und meiner Mutter in einem Raum. Der Ehemann saß links, der Rest meiner Familie rechts an einem weißen Tisch. Der Neffe saß auf dem Tisch. Ich wollte ihn fragen, was er sich als Geschenk wünschen würde. Spiele schien er nicht so interessant zu finden.

Ich sprach kurz mit dem Ehemann. Als ich mich zurück zum Neffen drehte, hielt er plötzlich eine schwarze Pistole in der Hand und spielte damit. Er zielte in jede Richtung. Ich sagte meiner Schwester, es wäre sehr gefährlich, aber das war ihr egal. Sie redete weiter mit meiner Mutter als ob nichts wäre. Der Neffe hat die Pistole zum schwarzen Stuhl gerichtet, auf dem meine Oma mütterlicherseits auf einmal saß. Und schoß. Meine Oma sank zusammen. Ich fasste ihre Hand an. Sie war kalt und reagierte nicht auf meine Berührung. Aber meine Oma hatte immer kalte Hände gehabt.

Ich rief, wir müssen sofort 112 anrufen. Meine Mutter sagte, ja, machen wir gleich, und diskutierte weiter mit meiner Schwester. Ich nahm das Handy meiner Mutter, kam aber nicht klar damit. Wo war denn mein Handy? Nicht auf die Schnelle zu finden. Ich nahm das Handy vom Ehemann und rief selber an.

Ein Mann nahm den Anruf an. Wir redeten auf Deutsch. Ich sagte, was passiert war, wer verletzt war. Bei der Angabe, wo wir waren, sagte ich, bei meiner Oma in Nizza. Es kam mir komisch vor. Warum redete ich mit jemandem in Deutschland, wenn wir in Nizza waren? Der Mann am Telefon wollte die genaue Adresse haben. Ich musste feststellen, ich kannte sie nicht. Ich fragte meine Mutter, was sie antwortete ergab keinen Sinn. Ich fragte den Mann am Telefon, ob er das Handy orten könnte. Inzwischen kam meine Mutter mit einem Brief zu mir. Drauf wäre die Adresse meiner Oma, sagte sie. Sie war aber nicht im oberen Bereich vom Brief zu finden. Meine Mutter zeigte mir, die Adresse wäre in der Fußzeile, rechts. Ich versuchte sie zu lesen, konnte mir aber keinen Reim draus machen. Zahlen standen an ungewöhnlichen Stellen. Ich sagte dem Mann an der Leitung, ich würde jetzt die Adresse buchstabieren. Der Mann war aber verschwunden. Ich hörte ihn mit anderen Leuten reden. Ich rief mehrmals, „Hallo?“ Als der Mann wieder kam, fing ich an, ihm die Adresse zu buchstabieren. Es war sehr mühsam.

Das Gewitter hat mich geweckt.

Ich habe gestern Abend mit meiner Schwester telefoniert. Wir wollen zum Geburtstag vom Neffen zu ihr fahren, wenn es dieses Jahr möglich ist, und ich habe sie gefragt, was der Neffe sich wünschen könnte. Er steckt immer noch in seiner Dinosaurierphase.

Wie meine Oma in den Traum gekommen ist, weiß ich nicht. Sie ist schon vor vielen Jahren gestorben, gerade, als ich als Postdoc zurück nach Deutschland gekommen war.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Migräne-Träume

Mich hat heute nachmittags eine üble Migräne erwischt. Ich habe alle Rolladen runter gebracht, mich nach einem frühen Feierabend auf die Couch hingelegt und geschlafen. Ich hatte heute Nacht zu lange an diesem Artikel gesessen. Diese Träume waren die Folge vom Nachmittagsschlaf.

Es fing mit meinem Vater an. Wir waren nachts in einer kleiner, ruhigen Straße in einer unbekannten Stadt unterwegs. Wir liefen die Straße hoch auf dem Bürgersteig. Er sagte mir, er wäre so froh, wieder in Kontakt mit mir zu sein. Er wollte mich umarmen, was mir sehr befremdlich vor kam. So hatte er sich nie mit mir verhalten. Ich sagte ihm, er sollte mich los lassen. Als er das nicht tat, versuchte ich zu schreien, aber kein Laut kam aus meiner Kehle. Ich konnte mich irgendwie befreien, ließ ihn enttäuscht stehen und ergriff die Flucht.

Mein Vater versucht tatsächlich, wieder mit mir in Kontakt zu treten, seitdem mein Bruder verstorben ist. Jahre lang war ihm das Geld zu schade, mich auf dem Handy anzurufen, was mir recht war. Als ich ihm als Doktorandin meine Festnetznummer gegeben hatte, weil ich damals kein Handy hatte, hatte er sogar Sonntags um halb sieben morgens angerufen. Ich hatte mir deswegen angewöhnt, nachtsüber den Stecker auszuziehen. Mein Bruder hatte geklagt, dass mein Vater ihn ständig angerufen hatte, jedes Mal, wenn er sich mit seiner Freundin gestritten hatte. Den Mist will ich jetzt nicht ausbaden. Zurück zum Traum. Ich war vor vielen Jahren mal mit ihm und seiner aktuellen Freundin an der Strandpromenade in Fréjus unterwegs, wo sie zusammen leben, als ich noch dachte, ich hätte eine morale Pflicht, ihn zu besuchen. Hah. Das war ihm sowas von egal. Der war schon ein paar mal mit ihr in den Urlaub verreist, obwohl ich angekündigt hatte, genau dann in die Gegend zu kommen. Jedenfalls. An dem Tag meinte seine Freundin, er sollte Arm in Arm mit mir laufen, das fände sie schön, wir hätten sicherlich viel zu diskutieren. Das fand ich eine bescheuerte Idee, aber weil seine neue Freundin es verlangte, wollte er das auch tun, um sich vor ihr gut darzustellen. Das war richtig befremdlich. Mit mir hat sich mein Vater nie lieb verhalten, ich hatte als Kind eher Ohrfeigen von ihm bekommen, wann immer er drauf war, und er war häufig drauf. Richtige Diskussionen gab es nie. Was ich tue hatte ihn nie interessiert, oder nur, wenn er sich vor seinen Kumpels wichtig tun wollte, weil ich studiert hatte.

Nächster Traum.

Ich war in meiner aktuellen Wohnung. Es war dunkel, alle Rolladen waren runter. Im kleinen Flurbereich zwischen Küche und Treppenhaus zur Etage hatte ich einen Korb mit Austern am Boden gelassen. Eine Auster sprang plötzlich aus dem Korb und lief herum, ohne ihre Schale. Um sie wieder zu fangen, habe ich den Spülbecken in der Küche verstopft und das Wasser laufen lassen. Das Wasser ist gut zwanzig Zentimeter in die Wohnung hoch gekommen. Ich habe die kleine Auster wieder gefunden, mitten in der Küche. Sie hatte auf dem Rücken eine Art Umhang, braun rötlich, womit sie super schnell im Wasser schwimmen konnte. Sie beschloss, mich anzugreifen.

Ich flüchtete ins Treppenhaus. Oben waren meine beiden Geschwister. Ich bat meinen Bruder um Hilfe. Als er zur Küche runter kam, war er entsetzt, dass alles unter Wasser stand. Er fing an, das ganze Wasser zu entfernen. In der Zeit blieb ich oben mit meiner Schwester. Sie war gekommen, weil ich an dem Tag viele Termine hatte, in der Mittagspause zum Arzt musste und um drei eine Telekonferenz mit einem Kunden hatte. Ich konnte unmöglich alles schaffen, und sie hatte sich angeboten, mich mit dem Auto zum Arzt zu bringen.

Als ich wieder in die Küche kam, war das Wasser weg. Mein Bruder wischte den Parkettboden vor dem Badezimmer. Ich habe gedacht, toll, jetzt werde ich die Auster nicht wieder finden. Ich habe überall auf dem Boden gesucht, aber es war zu dunkel. Ich habe die Rolladen hoch gezogen und bin zum Badezimmer gegangen, wo mein Bruder im Bad lag. Ich habe mich für das Bodenwischen bedankt und mich weiter auf die Suche nach der Auster gemacht.

Ich fand sie unter dem Herd. Die Auster war es nicht. Es war Chipie, und sie war richtig sauer. Sie stürzte sich mit ihren Krallen auf mich und wollte meine Beine durchbeißen. Ich versuchte sie zu beruhigen, und da fiel mir auf, dass sie einen riesigen Schnitt in der rechten Schulter hatte. Es war, als ob jemand sie mit einem Messer aufgeschnitten hätte. Es gab klein Blut auf dem Fell, aber die Wunde klaffte und man konnte drin Knochen und Fleisch sehen. Kein Wunder, dass sie sich so wütend verhielt. Meine Schwester kam die Treppe runter. Ich sagte ihr, wir hätten einen medizinischen Notfall, Chipie müsste sofort zum Tierarzt, und es wäre egal, wenn ich nicht zum Arzt gehen würde. Meine Schwester meinte, unsere Mutter müsste zuerst zurück nach Hause kommen, bevor wir weg fahren können. Wann würde sie zurück kommen, fragte ich. Um zwölf. Wir hätten gerade halb zwölf. Eine halbe Stunde erschien mir viel zu lang.

Ich bin aufgewacht, kurz bevor der Ehemann nach Hause gekommen ist. Zwanzig Uhr. Der zweite Traum hat mich richtig gestört, sind doch sowohl mein Bruder als auch meine Katze gestorben. Wenigstens ist die Migräne weg.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Alleine und orientierungslos

Ich saß auf der Hinterbank eines Autos. Rechts von mir saß der Ehemann. Mein Vater fuhr, meine Mutter saß auf dem Beifahrersitz. Wohin wir wollten, keine Ahnung. Mein Vater raste. Es war mir viel zu schnell und ich habe ihn darum gebeten, langsamer zu fahren. Das hat er mir übel genommen. Er hat das Auto an der Ampel von einer großen Kreuzung angehalten, uns alle samt Gepäck raus geschmissen und ist mit dem Auto, ein porscheähnlicher tiefer, schwarzer Sportwagen, geradeaus weg gerast. Der Motor war nicht zu überhören. Ich habe gedacht, er soll geblitzt werden, oder sogar in einem Unfall verwickelt werden, es würde ihm recht geschehen.

Ich war mit dem Ehemann und meiner Mutter in einer Art Notunterkunft. Wir waren in einem großen Raum im Erdgeschoss mit einem riesigen Glasfenster zur Straße. Ich lag auf einem großen Bett rechts vom Ehemann und kraulte seine Brustbehaarung[1]. Es war nachts. Ich habe Hunger bekommen und bin aufgestanden, um mir etwas zum essen zu holen. Es gab Salat mit Thunfisch und Kichererbsen, in einem durchsichtigen Plastikbehälter. Ich habe mich mit dem Salat an einem Tisch hingesessen und habe gleichzeitig an meinem Dienstlaptop gearbeitet. Eine Katze ist aus der hinteren Seite vom Raum gekommen, bei der Toilette. Ich bin mit dem Salat aufgestanden und habe mich bei ihr hingekniet, um ihr Thunfisch anzubieten. Die Katze war zuerst frech, hat aber am Ende doch den Thunfisch aus meiner Hand gegessen. Ich habe gedacht, wie würde mir die Finger abbeißen. Mehr Katzen sind angekommen, sie haben sich unfreundlich verhalten.

Als ich zurück zum Tisch gekommen bin, fehlte mein Laptop. Ich habe ihn an einem anderen Tisch gefunden. Ein Mann, der für die Notunterkunft arbeitete, hatte es geöffnet und die Festplatte genommen. Ich konnte nur noch den Lüfter sehen. Der Mann meinte etwas von einem Chip. Mein Handy war auch weg. Ich habe gedacht, wir packen unsere Sachen zusammen und verschwinden von hier. Das Problem: Sowohl der Ehemann als auch meine Mutter waren nicht mehr da. Und was war mit dem Gepäck?

Ich war mit einem Taxi unterwegs. Es war tagsüber, der Himmel war bedeckt. Der Fahrer hatte mich zu einer Kreuzung gebracht, aber weiter konnte oder wollte er nicht fahren. Ich hätte auch nicht gewusst wohin. Keine Ahnung, wo ich war. Keine Ahnung, wo der Ehemann und meine Mutter verschwunden waren. Und ohne Handy konnte ich sie nicht erreichen. Beim Aussteigen öffnete der Fahrer den Kofferraum. Drin waren mein großer grauer Koffer, den Koffer meiner Mutter in Frischhaltefolie verpackt, und die orangefarbene Wanderjacke vom Ehemann. Ich habe alles zum Bürgersteig geschleppt. Drei Polizisten sind in dem Moment erschienen. Ich habe versucht, sie um Hilfe zu fragen, sie haben mich nicht beachtet.

[1] In Wirklichkeit ist er von Natur aus völlig glatt. Gar nicht meine Vorstellung vom Traumprinz.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Ein Stein auf dem Weg

Halb vier. Ich werde wach. Der Ehemann ist aufgeregt. „Oh, da liegt ein Stein auf dem Weg!“ ruft er. „Ich werde ihn umgehen.“ Er macht große Beinbewegungen. Will er im Traum aufstehen? Ich, vorsichtig, da er sich schon mal beim Nachtgang aus der Toilette mit der Bettkante verletzt hat: „Schatz?“ Er bewegt sich weiter. „Du träumst“. Er: „Nein“. Ich: „Doch“.

Er dreht sich um, zu mir. Seine rechte Hand sucht auf der Decke, findet meine Hüfte und fasst sie kräftig an. Ich denke, er ist wach geworden. „Bist du um den Stein gegangen?“ frage ich. „Nein“, sagt er. „Er liegt auf dem Weg zur Garage, beim Auto. Ein Stein, um die Grundstücke zu zählen“. Er klingt ein bisschen genervt, als ob es offensichtlich wäre und ihm meine Frage zu dumm war.

Er wälzt sich wieder um und schläft weiter.

Nachtrag. Als er heute Morgen aufsteht, frage ich ihn, ob er sich an heute Nacht erinnert. Er überlegt kurz. „Ach stimmt, ich habe etwas von einer Garage erzählt, oder? Und Autos, die weg rollen.“

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.