Zweifel

Vielleicht, weil es bald wieder Zeit wird. Es wäre früh, aber mein Zyklus zickt, seitdem wir zusammen sind. Manchmal denke ich, meine Hormonen haben eine Koalition gegen mich gebildet, damit ich schwanger werde („Yeah, endlich ein Mann!“, denken sie bestimmt). Von den Kondomen haben sie anscheinend nichts gemerkt.

Wie auch immer. Ab und zu frage ich mich, ob wir wirklich zueinander passen. Ja, das ist normal. Ich habe mich schon gefragt, wie es mir ginge, wenn wir Schluss machen würden. Und habe den Eindruck, dass es mir nicht so sehr traurig machen würde. Ich wäre eher sauer auf mich, mich geirrt zu haben. Oder enttäuscht. Aber komplett zerstört? Das glaube ich nicht.

Ich bin so viele Jahre Single geblieben, ich bin noch daran gewöhnt. Das habe ich am Samstag gemerkt. Er hat mir gesagt, er möchte am kommenden Wochenende zu seiner Familie nach Frankfurt fahren. Er sah dabei ein bisschen geniert aus. Ich dachte, er wollte alleine dahin und wusste nicht, wie er es mir sagen sollte. Und was war meine erste innerliche Reaktion? „Hmm, ein Wochenende für mich alleine, das wäre auch cool.“ Obwohl das letzte Mal gar nicht so lange her ist. Ich habe sofort angefangen, Pläne fürs Wochenende zu schmieden. Und dann meinte er, seine Cousine hätte ihm explizit gesagt, ich wäre gerne willkommen. Ach so, er erwartete also, dass ich mitkomme… Ich habe zugesagt. Er hat sich riesig gefreut. Gut, ich freue mich auch, den Rest seiner Familie kennen zu lernen.

Aber. Bei der Arbeit habe ich manchmal ein komisches Gefühl. Dass er nicht besonders schnell arbeitet, habe ich schon erzählt. Er hatte auch Physik studiert, wie ich. Er ist durchgefallen und hat sich umorientieren müssen. Egal. Dafür hat er ein FH-Ingenieurdiplom gemacht (ich habe den Eindruck, irgendwas musste studiert werden, weil sein Vater Professor an der Uni war). Das heißt, ich bin qualifizierter als er (und verdiene mehr Geld). Was mir im Grunde auch egal ist. Ich sehe leider, dass er nicht 100% hinter seiner Arbeit steht. Ein bisschen Keinbockigkeit ist da. Es wirkt sich bei unseren Gruppenmeetings aus, und ich kann Uschi nicht widersprechen, wenn er ihm Vorwürfe macht. Ich könnte ihm die gleichen Vorwürfe machen, überlasse es nur besser unserem Chef. Ich sehe aber Probleme auf uns kommen.

Uschi hatte ihm angeboten, ein Doktorarbeitsthema zu bearbeiten, damit er sich weiter qualifiziert. Das hat er angenommen, weil er dadurch eine Vertragsverlängerung bekommen würde und meint, mit einem Doktortitel besser bezahlte Stellen zu bekommen. Ich bin nicht sicher, dass man mit dem Erwerb eines Doktortitels in seinem Alter sich wirklich besser vermarkten kann. Schließlich habe ich letztes Jahr selber so viele Bewerbungen schreiben müssen, bevor ich diesen Job gefunden habe. Das Thema scheint ihn auch nicht besonders zu begeistern. Seine Reise vor zwei Wochen hatte den Zweck, Testmessungen für seine Doktorarbeit durchzuführen. Er hat sich seitdem nicht mehr um die Ergebnisse gekümmert. Ich denke manchmal, als Ingenieur kann er gut arbeiten, aber es fehlt ihm an Durchhaltevermögen, um eine Doktorarbeit zu machen und Wissenschaftler zu werden. Was, wenn er scheitert? Wird er es mir übel nehmen, weil ich promoviert bin und er nicht?

Zu viele Gedanken. Ich sollte besser schlafen gehen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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So schnell

Wir sind gerade seit sieben Wochen zusammen. Es kommt mir viel länger vor.

Die Schmetterlinge haben nachgelassen. Das ist gut, weil ich mich mit ihm am liebsten natürlich verhalten möchte, und sie hatten mich in seiner Anwesenheit genug nervös gemacht. Wir verstehen uns gut. Auch im Bett. Es ist zwar nicht so wild wie damals mit David, aber er verhält sich viel liebevoller und die Orgasmen sind intensiver. Außerdem war ich ganz überrascht zu erfahren, dass er fast genau so lange wie ich Single geblieben ist.

Ich kenne schon einen guten Teil seines Umfeldes. Mit seinen Freunden haben wir einiges unternommen. Seine Familie hat sich mit mir sehr freundlich verhalten. Von meiner Seite kennt er nur meinen Bruder und seine Freundin. Als meine Mami zu Besuch kam, waren wir noch nicht zusammen, und er war eh unterwegs. Meine Freunden sind fast alle in meiner früheren Stadt.

Bei der Arbeit ist es jetzt bekannt, dass wir ein Paar sind. Natürlich verhalten wir uns vor der Gruppe ganz normal wie vorher, aber es fällt schon auf, wenn wir gemeinsam zur Arbeit ankommen oder die gleichen Urlaubswochen beantragen. Wir wollten schon zum Werchter-Festival[1] in Juli fahren, und haben gerade zwei Wochen Urlaub im Herbst geplant.

Gestern auf dem Weg zur Arbeit hat er mich gefragt, ob ich mit ihm umziehen möchte, wenn er eine Wohnung findet (er will sich schon seit längerer Zeit eine kaufen). So schnell. Es kommt mir übereilt vor. Andererseits ist es blöd, ständig hin und her zu fahren, und meine Katze ist verwirrt, dass ich häufig nicht zu Hause schlafe. Eigentlich kann ich es mir sehr gut vorstellen, mit ihm zu wohnen. Abgesehen davon, dass ich den Mietvertrag für meine Wohnung für zwei Jahre unterschrieben habe. Untermieter sind nicht ausgeschlossen. Und mein zweijähriger O2-Vertrag fängt erst in Juni an. Ich habe gedacht, er sucht eine Wohnung seit so Langem, es wird noch dauern, und bis dahin wissen wir, ob wir wirklich miteinander leben können.

[1] Unbezahlte Werbung, da Verlinkung.


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Lebensumstellung

Es ist nicht so, dass ich mein Leben als Single vermisse. Aber ich merke, dass ich viel weniger Zeit für mich selbst habe. Ich muss mich neu organisieren.

Es fängt schon mit meiner Wohnung an. Früher bin ich nach der Arbeit nach Hause gegangen, habe mich vor dem Rechner entspannt, mit Freunden aus meiner früheren Stadt gechattet, etwas gegessen, vor dem Einschlafen noch gelesen… Jetzt muss ich immer die Gelegenheit sofort nutzen, wenn ich zu Hause bin, um dringende Aufgaben zu erledigen. Waschmaschine leer räumen, Katzenklo putzen, Geschirr spülen (per Hand, ich habe keine Maschine mehr in der neuen Wohnung), staubsaugen, Briefe sortieren… Über meine Begeisterung für diesen Arbeitsfeld habe ich schon berichtet. Dazu kommen neue Aufgaben. Zum Beispiel, ständig Katzenhaare aus dem Bett mit einer Klebrolle entfernen, weil Martin allergisch ist. Tagsüber daran denken, die Tür des Schlafzimmers zu zu lassen, damit die Katze nicht auf dem Bett schlafen geht. Nachtsüber lässt es sich nicht vermeiden. Wenn ich die Tür zu machen würde, würde sie ständig wie eine Besessene gegen die Tür kratzen. Bettwäsche müssen häufiger gewaschen werden. Ich muss ständig daran denken, frische Unterwäsche in meine Tasche zu packen, wenn ich bei ihm übernachte. Sporttasche bei der Arbeit parat haben, statt wie früher von zu Hause aus damit los gehen, weil ich jetzt nicht mehr weiß, wo ich die Nacht verbringen werde.

Es gibt andere Momente, wo ich da stehe und es immer noch nicht fassen kann. Ich habe jetzt einen Freund. Ich bin in einer Beziehung. Mit ihm. Wow. Einen solchen Moment habe ich heute Nachmittag wieder erlebt. Wir standen im Märkischen Museum. Ich habe mich nach ihm gedreht und ihn angeschaut. Ich habe gedacht, dieser Mann neben mir ist mein Freund. Ich bin glücklich, mit ihm zu sein. Ich habe mich gleichzeitig überrascht gefühlt. Als ob ich aus einem Traum erwachen würde, um festzustellen, dass er im realen Leben weiter gespielt wird.

Ich weiß nicht, wie es mit uns weiter gehen wird. Ich habe die Hoffnung, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben. Ich habe sonst wieder extrem starke Muskelkater. Aber wie er dabei gestöhnt hat, konnte ich einfach nicht aufhören.


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Stefan

Stefan ist mein vorletzter Freund gewesen. Ich habe ihn kennen gelernt, als ich für meine Doktorarbeit nach Deutschland gekommen bin. Er war damals ebenfalls Doktorand in meinem Institut, obwohl er über dreißig war und zehn Jahre älter als ich ist. Am Anfang war ich noch mit David zusammen, aber unsere Beziehung hat die Pendelei nicht überlebt. Nachdem er Schluss mit mir gemacht hat, hat es nicht lange gedauert, bis ich mich für Stefan interessiert habe.

Ich kann nicht genau sagen, was mich an ihm angezogen hatte. Er sah anders aus als die anderen. So gut sah er eigentlich nicht aus. Er hatte angefangen, einen „Bierbauch“ zu entwickeln. Ich weiß sogar noch, wie mich seine Hände ein wenig angeekelt hatten, weil ich dabei immer an Frösche denken musste. Seine dicken Lippen mochte ich nicht. Er schien aber nett zu sein und war lustig. Ich denke jetzt, es lag vor allem daran, dass er sich für mich interessierte, und ich wollte nach der Pleite mit David nicht alleine bleiben. Ich hatte mich trotzdem in Stefan verliebt. Aus welchen Gründen auch immer.

Im Frühling 2000 habe ich einen Freund von ihm gefragt, ob Stefan eine Freundin hätte. Da er nein antwortete, habe ich einige Dates mit ihm arrangiert, und eines Abends haben wir uns nach einem Besuch in einer irischen Kneipe geküsst, als er mich nach Hause begleitet hatte. Ich erinnere mich, wie er dabei meine Hüfte mit beiden Händen fest angefasst hatte, als ob er prüfen wollte, wie die Ware sich anfühlt. Es schien, ihn zufrieden zu stellen. Ich fand’s sehr frech von ihm, vor allem mit seiner Figur. Außerdem konnte er nicht so gut küssen, ich musste es ihm beibringen. Er hat dabei einen hoch gekriegt und mich Hexe genannt. Wir haben uns vor meiner Haustür verabschiedet. Am nächsten Tag musste ich früh zu meinen Eltern fliegen.

Nach meinem Urlaub haben wir uns wieder getroffen und Sex gehabt. Eine frustrierende Erfahrung, die sich mit der Zeit nicht verbessert hat. Trotz Erektion war seine Länge zu kurz, er konnte mich gar nicht befriedigen. Jedes Mal, wenn er danach im Badezimmer verschwunden war, musste ich die Arbeit selber fertig machen. Ich denke, es hatte mit seinem Bauchumfang zu tun. Ich hatte es mit Gilles schon gemerkt. Meine Theorie: Männer mit Bauch haben einen winzigen Penis, weil der Bauch die Haut schon zu sehr spannt. Ich dachte, es ist mir egal, wie ein Mann aussieht, aber das will ich nicht mehr mitmachen. Vor allem nach meiner Erfahrung mit David war es sehr enttäuschend. Dazu hat Stefan noch schnell darauf bestanden, den hinteren Eingang zu benutzen, was ich gar nicht wollte. Er meinte, es wäre für ihn ein großes Bedürfnis, er hätte es wirklich nötig. Ich dachte, super, schlecht im Bett, und mit schwulen Tendenzen. Seine früheren Freundinnen hätten ihn sexuell besser erziehen können.

Eine Woche nach dem Anfang unserer Beziehung habe ich schon gemerkt, dass es nicht gut gehen konnte. Er hatte doch eine andere Freundin gehabt, sein Freund hatte mich angelogen. Er hat mit ihr Schluss gemacht, nachdem er mit mir zum ersten Mal Sex hatte. So richtig Vertrauen konnte ich in ihm nicht mehr haben. Ich habe mich schlecht gefühlt. Das hatte ich nicht gewollt. Hätte ich die Wahrheit gewusst, dann hätte ich nie zugelassen, dass etwas zwischen uns passiert. Es war schon zu spät. Ich habe gedacht, dass ich verliebt war und er sich im Bett verbessern würde. Ich hätte mir die Frust sparen können.

Ich habe ihn am Wochenende zu Hause besucht. Ich weiß noch, wie ich eines Tages bei ihm geklingelt hatte, und er nicht dran gegangen war, obwohl sein Telefon ständig besetzt klang, als ich ihn vorher anrufen wollte. Irgendwann habe ich nicht gemerkt, wie ich am falschen Knopf gedrückt hatte, und sein Nachbar hat die Tür aufgemacht. Ich habe drin bei Stefan geklopft. Es gab Geräusche aus seiner Wohnung, aber er hat die Tür nie aufgemacht. Ich habe eine Nachricht vor seiner Tür gelassen und bin nach Hause gegangen. Am folgenden Montag hat er sich entschuldigt und meinte, er hätte am Rechner online gespielt und gar nichts mitbekommen. Ich war nicht begeistert. Es ist danach nicht mehr vorgekommen.

Wir sind am Anfang viel gereist. Vor allem nach England. Er hat mich seiner Familie vorgestellt. Wir haben mit seinen Freunden in Düsseldorf jede Woche zusammen gekocht. Mit seinem ehemaligen Kommilitonen Thomas, dem buddhistischen Salsa-Lehrer, haben wir uns ab und zu getroffen. Ich mochte ihn nicht besonders, er wirkte zu kalt. Auch zu seiner Frau, mit der er schon vier Kinder hatte. Drei Jungs und ein Mädchen. Ich erinnere mich an eine Party bei Thomas, bei der das Mädchen mit seinen Brüdern beim Essen gespielt hatte, und wie übertrieben wütend er dabei reagiert hatte. Ich hatte gedacht, dass er echt einen Knall hatte und habe richtig Mitleid für das Mädchen gehabt.

Stefan hat sich irgendwann eine neue, größere Mietwohnung ausgesucht und ist umgezogen. Er hat mich um Hilfe gefragt, um seine neue Möbel auszusuchen. Ich fand’s komisch, da ich nicht mit ihm lebte und meine eigene Mietwohnung hatte, aber ich habe es mitgemacht. Ich war doch häufig genug bei ihm. Wir wirkten bei seinen Freunden wie ein ernstes Paar. Dabei ging’s mir nicht so gut. Ich habe mich mehrmals gefragt, warum ich mit ihm noch blieb, weil er sich offensichtlich nicht für mich interessierte. Ich hatte den Eindruck, nur ein Schmuckstück zu sein. Und meine Diskussionen mit Brigitte, einer spanischen Freundin aus meinem Deutschkurs, hatten mich überzeugt, dass Stefan kein Einzelfall war, sie hatte mit anderen deutschen Männern genau die gleichen Erfahrungen gemacht.

Ich fühlte mich sehr von Stefan vernachlässigt, und hatte am Ende den Verdacht, dass er sich von seinem Freund Thomas beraten lassen hatte, mich zu verlassen (Thomas hat es mir nie verziehen, dass ich ihn einmal ausgelacht hatte, weil er einen Gacker von sich raus gelassen hatte. Ich hatte unwillkürlich zu seiner Tochter geschaut, weil ich plötzlich den Eindruck hatte, den Grund für Stefans Vorliebe im Bett, die ich ihm nie erlaubt habe, gefunden zu haben). Selbst Volker hatte mir gesagt, dass Stefan sich mit mir unverschämt schlecht verhalten würde, aber Eigenmotive konnte ich bei Volker nicht ausschließen. Nach mehr als einem Jahr, nachdem er im Sommer mit seinen Eltern zwei Wochen Urlaub an der Nordsee gemacht hatte und mich kein einziges Mal angerufen hatte, habe ich endlich Schluss gemacht. Ich bin nach seiner Rückkehr zu ihm gegangen, habe meine restlichen Sachen aus seiner Wohnung geholt und habe ihm seine Schlüssel zurück gegeben. Mit dem festen Entschluss, mich nie wieder in einem Deutschen zu verlieben.

Es ist schon dreizehn Jahre her. Ich habe mich seitdem nicht mehr verliebt. „Lieber alleine als in schlechter Begleitung“. Bis ich nach Berlin umgezogen bin. Jetzt weiß ich, dass es doch deutsche Männer gibt, die mich im Bett befriedigen können und die sich nicht so kalt verhalten.


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Montag

Ich habe ihn heute vermisst. Es klingt merkwürdig, da wir Arbeitskollegen sind und uns täglich sehen. Ich war heute kaum mit ihm. Es war nicht unser Tag.

Bei der Mittagspause war er nicht da. Mein IT-Kollege hat ins Labor angerufen, keiner ging dran. Mein Versuch auf seinem Handy war genau so erfolglos. Da er mit Ronald beschäftigt war, habe ich mir gedacht, dass es nicht so schlimm ist, wenn ich mit dem Rest der Gruppe essen gehe. Wer weiß, wie lange sie noch brauchen. Ich habe ihm eine Nachricht geschickt und bin den anderen gefolgt. Wie Mieke mir später berichtet hat, war er jedoch ersichtlich enttäuscht, dass ich nicht auf ihn gewartet habe.

Bei unserem Gruppenmeeting saßen wir neben einander, aber natürlich haben wir uns nur um die Besprechung gekümmert. Ich war außerdem heute für das Protokoll zuständig, ich musste mich besonders darauf konzentrieren. Ich habe versucht, bei der kurzen Kaffeepause danach alleine mit ihm zu sein, aber das ist mir nicht gelungen. Ich habe weiter in meinem Zimmer gearbeitet. Da mein IT-Kollege wieder da ist, habe ich keine Ausrede mehr, um unten zu sitzen. Er hat mir übrigens vorgeschlagen, falls nichts geht, matplotlib statt Qwt5 zu benutzen. Das würde die Herausgabe meines Programms weiter verzögern, wenn ich den Code für die Graphikdarstellung umschreiben muss. Weil es viele Plots sind, und ich dann noch die anderen Betriebssysteme erneut testen muss. Uschi gefällt diese Idee nicht.

Gegen fünf wollte ich Feierabend machen. Ich muss meine Überstunden los werden. Ich hatte eine Stunde früher schon Martin eine Nachricht geschickt, weil ich nicht wusste, ob er heute Abend Zeit hatte. Er hat nicht geantwortet. Ich bin zu seinem Büro gegangen. Mieke wusste nicht, wo er steckte. Sie hat mich lächelnd gefragt, ob ich denn ein Date mit ihm hätte. Ich wusste nicht, was ich ihr sagen sollte. Wir haben gar nicht darüber diskutiert, wie wir uns bei der Arbeit verhalten sollen. Ich habe als Antwort auf ihre Frage bloß gelächelt und bin gegangen. Ein wenig traurig, habe ich ihm noch kurz geschrieben. Tja, er hatte wohl sein Handy auf leise gestellt und erst eine Stunde später in der S-Bahn auf dem Weg nach Hause gemerkt, dass ich versucht hatte, ihn zu kontaktieren. Blöd.

Immerhin haben wir noch ein paar süße Worte per SMS getauscht. Vielleicht schaffen wir es, am Mittwoch Zeit für einander zu finden. Morgen Abend ist Sport angesagt, keine Ausrede.


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Nicht mehr Single

Das Wochenende war wie ein Traum.

Wir haben uns am Potsdamer Platz getroffen. Wir wussten noch nicht, welchen Film wir sehen wollten. Als wir uns endlich entschieden haben, wurde uns gesagt, dass der Saal schon fast voll war. Es war noch früh, wir haben gesucht, in welchen Kinos der Film noch lief. Wie der Zufall so will, war einer davon ganz nah an seiner Wohnung, dahin sind wir also gefahren. Nach einiger Zeit habe ich mich an ihn gelehnt und wir haben gekuschelt. Nach dem Kino sind wir zu einem Restaurant gegangen. Ich hatte kaum Hunger, da ich voll mit Schmetterlingen war. Geküsst hatten wir uns viel auf dem Weg. Er hat mir irgendwann fragend gesagt, dass ich vermutlich nicht mehr zurück nach Hause fahren möchte. Da ich ihm zugestimmt habe, sind wir zu ihm gegangen. Es war schon halb eins. Wir haben uns auf der Couch überfallen und halb ausgezogen, bevor wir zum Schlafzimmer gewechselt sind. Es war gut, dass ich mir gestern Kondome besorgt hatte, denn er hatte keine. Wir haben am Wochenende meinen mitgebrachten Vorrat aufgebraucht.

Gegen mittags haben wir uns aus dem Bett gezwungen und sind spazieren gegangen. Einen Museumsbesuch gab es auch. Wir sind recht schnell müde geworden. Er hätte mich gerne wieder bei sich zu Hause für ein Nickerchen gehabt, aber ich musste zu meiner Wohnung zurück. Ich hatte keine Kodome und keine frische Unterwäsche mehr, und meine Katze war alleine. Wenn ich bei ihm geblieben wäre, weiß ich nicht, ob ich es heute Abend geschafft hätte, wieder weg zu gehen. Er hat mich zur Haltestelle begleitet.

Ich fühle mich überglücklich. Es hat auch lange genug gedauert.


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Freitag

J-1. Oder auf Deutsch: Der Tag vor dem Tag. Schön wär’s.

Heute fing trotz Regen gut an. Ich habe mich später als sonst auf dem Weg zur Arbeit gemacht. Uschi hatte eine lange Messung für den Nachmittag geplant, zu der ich teilnehmen wollte, und ich wusste, dass wir bestimmt bis 20:00 arbeiten würden. Ich war noch nicht aus dem Kiez raus, als ich hinter einer Gruppe von Rentnerinnen ankam. Mit meinen Pumps ging ich sowieso nicht schnell, und ich hatte sie schon vorgestern getragen. Gleichzeitig kam ein älterer Fahrradfahrer auf dem Bürgersteig von hinten an. Er ist langsamer geworden und hinter den Frauen geblieben. Eine hat es jedoch gemerkt und ihn vorbei gelassen, mit der Bemerkung, dass er hätte klingeln können. Seine Antwort: „Ich wollte doch nicht stören“. Als er die Gruppe überholt hatte, meinte eine der Frauen, es gäbe doch nette Männer. Die anderen haben ihr heftig zugestimmt. Ich musste einfach lächeln, so süß die Szene mir vorkam.

Bei der Arbeit war ich nicht so erfolgreich. Es wird Zeit, dass mein IT-Kollege aus dem Urlaub zurück kommt. Uschi hat sich im letzten Moment krank gemeldet, so dass die Messung ausgefallen ist. Ich war dafür wieder mit Martin wegen Probenvorbereitung im Labor. Wir haben uns für morgen verabredet. Heute Abend hatte er seinen üblichen Sport-Termin. Irgendeine Tätigkeit wird uns einfallen, so lautet der Plan. Ich hätte schon eine Idee und werde mir auf jeden Fall eine Packung Pariser besorgen. Obwohl, so vorsichtig wie er sich verhält, wird es wahrscheinlich noch nicht dazu kommen. Als wir uns heute Abend verabschiedet haben, hat er mich wieder geküsst. Diesmal richtig, nicht mehr so schüchtern wirkend (ich habe dabei gespürt, wie sich mein Unterleib gefreut hat). Die These der Unsicherheit scheint zu stimmen. Ich habe ihm gestern durch meinen Kuss gezeigt, dass ich Interesse an ihn habe. Ich hätte gedacht, dass er das früher verstanden hätte. Schließlich haben es alle anderen Mitglieder der Arbeitsgruppe seit längerer Zeit gemerkt, mit Ausnahme meiner Kollegin Mieke, aber das ist bei ihr normal.

Mein Sinn für Richtigkeit muss mich noch dazu bringen, einen Fehler im gestrigen Text zu korrigieren. Wegen Männer küssen und so. Als ich vor fünfzehn Jahren ein Uni-Jahr in Lothringen verbracht habe, habe ich natürlich Partys besucht. Eine davon war eine Mediziner-Party. Egal in welcher Stadt werden Partys von den Medizin-Studenten in Frankreich als die wildesten angesehen. Es war im Frühling. Ich war noch nicht mit David zusammen. Mit meiner Kommilitonin Sophie hatten wir angefangen, eine Party nach der anderen zu besuchen. Jeden Abend. An dieser hatte ich wohl zu viel getrunken. Mirabelle ist ein übles Zeug. Ich erinnere mich dunkel, wie ich einen zufälligen Typ angesprochen habe. Ich muss mich an ihn eng gelehnt haben und ihn gegen die Wand geschubst haben. Ich weiß noch, wie ich ihm gesagt habe, er sollte mich küssen, er würde es nicht bereuen. Als er zögerte, habe ich ihm die Zunge in den Mund gesteckt. Ich weiß nicht, wie lange ich mit ihm beschäftigt war, bevor eine völlig schockierte Sophie ankam und mich mit einer anderen Freundin weg marschiert hat. Ich habe sonst keine Erinnerung mehr. Es war mir im Nachhinein peinlich genug. Als Sophie mir am nächsten Tag die Geschichte nach erzählte, konnte ich ihr am Anfang nicht glauben, bis die Szene mir langsam vor den Augen zurück gekommen ist. Ich hatte sein Aussehen schon völlig vergessen. Aber ich habe ihn eines Tages in der Stadt getroffen. Besser gesagt, er hat mich getroffen. Er ist sogar die Straße überquert, um sich für den Kuss bei mir zu bedanken, es wäre so schön gewesen. Ich konnte mich nur entschuldigen.


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Was nun?

Sind wir ein Paar oder nicht? Ich hasse diese Art von Unwissenheit.

Wie er sich gestern verhalten hat, hätte ich gedacht, dass er Interesse an mich hat. Schließlich hat er die Initiative ergriffen, genau wie am Wochenende. Heute war wieder nichts davon zu sehen. Natürlich verhält man sich bei der Arbeit vor den Kollegen anders. Aber wir haben zwei Stunden alleine im Labor verbracht und wirklich nur gearbeitet. Ich erwarte nicht, dass wir wilden Sex auf dem Labortisch treiben. Ein Ausdruck von Zuneigung wäre trotzdem willkommen gewesen.

Wir haben gleichzeitig Feierabend gemacht. Fast. Ich habe auf ihn gewartet und wir haben das Gebäude zusammen verlassen. Kein Händchen halten. Auf dem Weg zur Haltestelle hat er mir gesagt, dass er heute Abend zu seinem Vater fahren wollte. Es sah aus, als ob er sich entschuldigen wollte, den Abend nicht mit mir zu verbringen. Natürlich will ich ihn nicht davon abhalten, sich an anderen Verabredungen zu halten, ich habe kein Problem damit. Vor allem mit seiner Familie. Wir sind gemeinsam mit der Straßenbahn gefahren. Er bis zur S-Bahn-Station, ich weiter nach Hause. Als er aussteigen wollte, hat er sich zu mir gewendet und getan, als ob er mich auf die Wange küssen wollte. Es ist nach gestern schon beleidigend. Ich habe es nicht eingesehen und ihn auf den Mund geküsst. Ein bisschen Schiss auf seine Reaktion hatte ich, aber er hat mich danach strahlend angelächelt, bevor er ausgestiegen ist. Muss ich ihn zu seinem Glück zwingen?

Wenn ich an meine früheren Erfahrungen zurück denke, kann es tröstend wirken zu wissen, dass ich nie einen Mann geküsst habe, ohne dass wir eine ernsthafte Beziehung entwickelt haben. Ich hoffe, die Lage klärt sich bald.


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Glücklich

Ich bin heute Nacht um halb drei aufgewacht. Wie gestern. Es muss an einem Nachbar liegen. Diesmal konnte ich schnell wieder einschlafen.

Bei der Arbeit bin ich zu nichts gekommen. Ich habe es geschafft, das Betriebssystem auf meinem Testrechner zu zerschießen und musste es erneut installieren. Trotz vieler Versuchen fehlt Qwt5 immer noch. Ich werde das Problem meinem IT-Kollegen weiter geben, wenn er aus dem Urlaub zurück kommt.

Am Abend konnte ich Martin dazu bringen, in die Stadt zu gehen. Er brauchte nicht viel Überzeugung. Wir haben Bier getrunken. Nicht sehr lange, kurz nach acht hat er schon vorgeschlagen, dass wir nach Hause gehen. Wir haben uns langsam Hand in Hand auf dem Weg zur U-Bahn gemacht. Mir ging’s wieder gut. Am Gleis musste ich nur fünf Minuten auf den Zug warten. Sein Zug fuhr zeitnah aus einem anderen Gleis. Er ist trotzdem mit mir geblieben und hat mich umarmt. Ich habe die Zeit gar nicht vergehen gesehen. Als mein Zug ankam, habe ich zuerst nichts gemerkt. Ich musste mich von ihm lösen und habe innerlich geschimpft. Aber zum Abschied haben wir uns geküsst. Ganz kurz, sehr schüchtern. Süß. Ich bin jetzt überglücklich.


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Ein schöner Tag

Ich bin trotz Müdigkeit recht früh aufgewacht. Wieder die Kleine oben, die einen Alptraum hatte und ihre Eltern beim Weinen geweckt hat. Was für eine anstrengende Zeit. Dass es über ein halbes Jahr dauern kann, wusste ich aus meiner eigenen Kindheit nicht mehr. Immerhin konnte ich dadurch den Status des Fluges meiner Mami prüfen und sie direkt nach der lang erwarteten Landung anrufen.

Ich war gerade mit der Dusche fertig, als Martin mir eine Nachricht schickte. Ob wir uns um 13:00 treffen könnten? Ich habe mich fertig gemacht und bin los gegangen. Es hat mit Bus und Bahn gerade zeitlich geklappt. Wir haben eine Ausstellung besucht. Über drei Stunden sind wir dort geblieben. Wie kann es sein, dass ich beim Spazierengehen mit meiner Mami solche starke Ischiasschmerze gespürt habe, und mich total gut fühle oder nur eine leichte Störung merke, wenn ich mit ihm unterwegs bin? Die wahrscheinliche Antwort gefällt mir nicht. Die Schmerze sind doch real.

Nach der Ausstellung haben wir in einer Kneipe nebeneinander gesessen. Wieder viel geredet. Bier getrunken. Nach einiger Zeit hat er meine Hand in seine genommen und sie nicht mehr los gelassen. Klar habe ich mich nervös gefühlt, auch wenn ich es so schön fand. Bei seinem Vorschlag, ein drittes Bier zu trinken, musste ich die Bremse ziehen. Ich wusste noch, wie es mir gestern auf dem Weg nach Hause ging. Stattdessen sind wir essen gegangen. Und auf dem Weg dahin haben wir Händchen gehalten. Die Strecke kam mir viel zu kurz vor. Hunger hatte ich sowieso nicht. Wie auch? Nach dem Essen hat er vorgeschlagen, zur U-Bahn zurück zu gehen. So früh. Ich habe gedacht, wir hätten doch in der Kneipe bleiben sollen. Aber stimmt, morgen fängt die Arbeit wieder an. Wir sind Hand in Hand zur U-Bahn langsam gegangen. Mein Zug kam zu schnell an. Ich habe ihn umarmt. Er hat nicht versucht, mich zurück zu halten. Küssen, nicht küssen? Er hat nicht ausgesehen, als ob er das möchte. Ich bin in den Zug eingestiegen. Völlig durcheinander. Bei der nächsten Station wollte ich schon aussteigen und zu ihm zurück laufen. Aber nein, ich bin doch weiter gefahren.

Es gibt also Männer, die sich mit einer Frau richtig süß verhalten können, ihren Herzen völlig wild zum Schlagen bringen, und sie anschließend alleine nach Hause gehen lassen. Eigentlich wollte ich nichts erwarten und mich nicht zerreißen lassen. Es klappt nicht so gut.


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